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vor 2 Jahren, 10 Monaten
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102.1, DH0GHU, Wolfgang R, Spacelab, PhanTomAs, Bolivar diGriz, PowerAM

Personalwesen, "Schwarze Liste"? Aerger bei bisherigem Arbeitgeber.

Startbeitrag von 102.1 am 01.05.2015 21:50

Gibt es unter Personalchefs so eine Art "Schwarze Liste" welche Namen von Kandidaten bzw. Bewerbern enthaelt, die man absolut nicht einstellen soll?

Natuerlich waere das mit dem Datenschutz in Deutschland nicht vereinbar, aber wen kuemmert das schon in der heutigen Zeit, insbs. wenn man nichts gegenteiliges nachweisen kann.

Grund meiner Fragerei ist ein vergangenes Arbeitsverhaeltnis, welches leider unter nicht so optimalen Bedingungen beendet wurde. Besagte Firma kam in wirtschaftliche Schwierigkeiten, unterbreitete div. Mitarbeitern Abfindungsangebot, als ich ein solches nicht annehmen wollte, folgte mehr und mehr Druck, sinnlose Abmahnungen, worauf ich rechtlichen Beistand suchte. Das Verhaeltnis endete "vergiftet", aber mit etwas mehr Abfindung als es die Firma wuenschte....

Was mir seither auffaellt: Da in meiner Branche immer wieder Druck existiert, wird dieser auch in Vorstellungsgespraechen seitens der einstellenden Manager so vermittelt. Die letzten Gespraeche die ich hatte, hatte ich den Eindruck, dass diese eher seitens der Firmen "gelangweilt" und tlw. auch emotionslos wirkten, oft ohne tiefergehende Fragen, so wie ich es sonst immer gewohnt war. Da kommen eben immer wieder bei mir ueble Gedanken auf.

Antworten:

Offiziell wird dir niemand die Existenz einer solchen Liste bestätigen. Illegale Absprachen zwischen Firmen gab und gibt es immer wieder. Manchmal fallen sie auf, manchmal nicht. Nicht zu vergessen die Verpflechtungen der Konzerne untereinander. Wenn es eine solche Liste gibt, kleine mittelständische Unternehmen werden wohl kaum daran beteiligt sein, aus zwei Gründen: Ersten ist die Gefahr zu groß, dass eine kleine Firma damit an die Öffentlichkeit geht, zweitens sind die Großen nicht traurig, wenn die kleine Konkurrenz in die Pleite getrieben wird, wenn sie sich ein Kuckucksei in Form eines faulen, unfähigen oder dauerkranken Mitarbeiters in die Firma holt.

von Bolivar diGriz - am 02.05.2015 05:43
Ueblich ist schon, beim vorherigen Arbeitgeber eines Bewerbers anzurufen und sich zu erkundigen. Wer gerade gegen den prozessiert hat, der bekommt so u. U. in seinem erlernten Beruf in Heimatnaehe fuer ein einige Jahre keinen Fuss mehr auf den Boden. Offen wird auch das niemand zugeben wollen. Insbesondere, wenn ein Arbeitgeber unter mehreren Bewerbern auswaehlen kann, faellt die Wahl dann ganz einfach auf einen anderen.

von PowerAM - am 02.05.2015 06:18
Eine gute Freundin von mir arbeitet in der Personalabteilung der Firma in der ich Hauptberuflich tätig bin. Das ist ganz normal das wenn sich jemand vorstellt erstmal genaue Informationen über diesen eingeholt werden. Also ein Anruf beim vorherigen Arbeitgeber ist da das mindeste. Denn die meisten Bewerber lügen gerade in diesem Punkt das sich die Balken biegen und kein Arbeitgeber möchte sich einen faulen Apfel ins Nest holen.

Wenn es sich um einen spezielleren Beruf handelt der nicht an jeder Ecke anzutreffen ist, wie beispielsweise Verkäufer, dann ist es auch nicht unüblich das der alte Betrieb mal die zwei oder drei anderen Betriebe die diesen Beruf im Umkreis noch anbieten anruft und diesen vor einem eventuell gleich aufschlagenden Bewerber warnt. Ich weiß zwar nicht ob das mit dem Datenschutzgesetz vereinbar ist. Aber das ganze wird eh nicht an die große Glocke gehängt sondern passiert so im Plauderton.

von Spacelab - am 02.05.2015 09:20
Natürlich ist das üblich, und vermutlich nicht ganz legal. Da Arbeitszeugnisse immer grundsätzlich positiv ausfallen müssen, bleibt dem wenig-guten Personaler oft nicht viel übrig. Der gute Personaler weiß, daß er dank Probezeit noch 6 Monate Zeit hat, Fehler zu korrigieren... :-)
Es gibt allerdings Fälle, wo man nicht die "falsche" Wahl treffen möchte, und daher froh drüber ist, Infos einholen zu können. Als Arbeitnehmer mache ich mich ja auch außerhalb der Stellenanzeige über den zukünftigen Arbeitgeber schlau...
So wieder jeder AN hochkompetent und hochmotiviert ist und alle Aufgaben und mehr stets zur vollsten Zufriedenheit erfüllt, bietet natürlich auch jeder AG hochinteressante, gut bezahlte Aufgaben in einem angenehmen Umfeld :-)

von DH0GHU - am 02.05.2015 10:59
Zitat
Spacelab
Denn die meisten Bewerber lügen gerade in diesem Punkt das sich die Balken biegen und kein Arbeitgeber möchte sich einen faulen Apfel ins Nest holen.


Alles Verstaendlich. Nur, dann kommt nochdas heutige internationale Geschaeftsklima hinzu, und man fraegt sich, wer der "faule Apfel" ist. Der Mitarbeiter? oder die Firma? mit der man sich moeglw. selbst seinen eigenen Ruf am Markt zerstoert.

Mein letzter Arbeitgeber zeigte vom strategischen Management her komplett keine Unterstuetzung fuer das Bereich das ich bearbeiten sollte. Da waere es etwa notwendig gewesen Dienstleistungsvertraege nach nationalem Recht auszustellen, Firma weigerte sich konsequent, mangelnde Auftraege waren die Folge. Nepotistische Spielchen unter engen Freunden dazu noch inklusive. Realistische Chance gab's keine.

Mein vorletzter Arbeitgeber wurde an eine andere Firma verkauft, und so umstrukturiert, dass ich meine Arbeit nichtmehr erledigen konnte. Verstaendnis gab's keines, nur sinnlosen Druck auf unerreichbare Ziele.

Der Arbeitgeber davor hatte Probleme mit den Investoren, mit Buchhaltungsbetrug, bis hin zum Rausschmiss von der Boerse und oftmaligem Wechsel des Geschaeftsfuehrer, sodass dies auf meinen Job auch negative Wellen schlug und kein Weiter gab.

Alle diese Arbeitsverhaelntisse endeten in der Kuendigung durch den Arbeitgeber, zuvor versuchte der Arbeiteger mich zu motivieren zu gehen, ich verweigerte dies erstmal, das Ende war meist eine vergiftete Stimmung. Nun ist man als Angestellter immer das letzte Glied in der Kette, allerdings die Meinungsverschiedenheit vom Grunde her vorprogrammiert.

In diesem Umfeld etwas neues zu finden ist eine Herausforderung fuer sich selbst. Nun fraegt man sich, ob's an einem selbst liegt, sieht aber Kollegen seinesgleichen selbst alle 1 bis 2 Jahre beruflich wechseln.

von 102.1 - am 02.05.2015 12:10
Und Arbeitgeber die so strenge Einstellungskriterien haben werden sogar noch hoch geachtet. Von Arbeitnehmern wie anderen Arbeitgebern. Ich seh es ja bei meinem Arbeitgeber.

von Spacelab - am 02.05.2015 12:30
Man sollte auch die Tatsache, dass viele Personaler untereinander vernetzt und auch gut bekannt sind, nicht vergessen. Es gibt regelmäßige Seminare, Schulungen und (DATEV-)Lehrgänge, bei denen über so alles mögliche geplaudert wird.

Da fehlt natürlich die "Top10" der schlimmsten Bewerber oder Abgemahnten nicht.

Grade im Personalthema ist es sehr wichtig, sich immer über die neuesten Regelungen und Gesetzesänderungen zu informieren. Denn genau Fehler in diesen rechtlichen Spitzfindigkeiten sind es, die mittels eines guten Personalrechtsanwaltes eine gerichtlich verordnete Wiedereinstellung ermöglichen.

Bei vielen Unternehmen in einer relativ geschlossenen Branche (z.B. Automotive) gibt es auch ein Abwerbeverbot untereinander. Wird das nicht eingehalten, bekommt der Kunde keine Aufträge mehr, was ihn die Existenz kosten kann.

Dann gibt es noch Golf-Turniere, auf dem die Manager "per-Du" über alles mögliche reden. Sicherlich auch über den Mitarbeiter xy, der erst nach der zweiten gerichtlichen Instanz mit einer saftigen Abfindung gekündigt werden konnte.

Wolfgang

von Wolfgang R - am 04.05.2015 08:01
Dies sind alles Punkte, die ich seit langem vermutete. Ofizielle Listen wird's keine geben, aber inofiziellen Austausch sehr wohl.

Nur ist es leider auch sehr oft so, dass Fehler auf Geschaeftsfuehrungsebene ein Unternehmen dazu bringen Mitarbeiter abzubauen. Und da gibt es dann eben Kollegen in der Firma, die haben private Schulden und ihnen steht im Alter von 50 keine vernuenftige Job Alternative in Aussicht. In meinem engeren privaten Kreis kenne ich sehr viele Menschen die in einer solchen Lage sind. In einer solchen Situation "sitzt man die Dinge aus", und geht wie Du so schoen schreibst, nur nach der zweiten gerichtlichen Instanz mit saftiger Abfindung.

Da liegt die Schuld weniger beim Arbeitnehmer, - setzen wir mal voraus, dass weder Trunkenheit am Arbeitsplatz, Untreue, oder Betrug, oder dg. nicht stattgefunden hat.

von 102.1 - am 04.05.2015 09:39
Zu dem Thema kann ich brühwarm was beitragen: Der Druck auf jene älteren Kollegen, die ihre Zeit einfach nur noch absitzen wollen, ist hier bei uns in der Firma seit dem Wechsel der Geschäftsführung vor 5 Jahren enorm.

Hier gibt es eine knallharte Kostenstellenrechnung, jeder Mitarbeiter muss seine Profitabilität vor der GF jederzeit rechtfertigen können.

Die Querschnittsfunktionen (Personal, FiBu, Controlling und IT) wurden auf ein Minimum eingedampft und werden per Umlage auf die anderen Kostenstellen weiterbelastet.

Keine Schraube im Unternehmen wird nicht einer Kostenstelle belastet.

Es wird bereits bei der Projektierung geprüft, ob ein Projekt überhaupt profitabel ist.

Nur bei reinen Prestige-Projekte (z.B. Festigung einer Kundenbindung) wird - nach Freigabe durch die GF- auch zum reinen Unkostenbeitrag gearbeitet.

Für die Älteren ist es sehr hart. Aber es funktioniert. Die Firma hat sich selbst gereinigt, jene Mitarbeiter, die dem Leistungsdruck nicht standgehalten haben, sind weg. Alle Bereiche sind profitabel.

Nach langer Personalfluktuation haben wir nun eine Kernmannschaft, die kompetent ist und die Bude am Laufen hält.

Und es gibt sie, die alten Hasen, die ihr Wissen gerne einbringen und den Nachwuchs hochziehen. Aber jene, die nur zum Bildzeitung lesen, Kaffee trinken und Rauchen kamen - die sind weg.

Die alten Kollegen werden geschätzt und sind immer mit einbezogen, weil sie mit ihrer Erfahrung und ihrem Wissen punkten. Die müssen keine Schrauben im Akkord mehr sortieren, dafür gibt's die jungen.

Wolfgang

von Wolfgang R - am 04.05.2015 11:39
So etwas fehlt bei meinem Hauptarbeitgeber leider. Wir haben noch jede Menge solcher Laumacher. Die kommen morgens mit einem dicken Stapel Zeitungen, Broten, Keksen und einen Pack Filterkaffee zur Arbeit. Gearbeitet wird kein Handschlag. Und wenn sich mal jemand erdreisten sollte und irgendeine Arbeit für die Herren hat dann wird diese umgehend an die jungen weiter geleitet. Das ganze ist natürlich auch in der Chefetage bekannt. Wird aber stillschweigend geduldet. "Ach lass die ihre letzten Jahre noch absitzen. Dann sind die eh weg." Nein sind sie nicht! Denn es rücken immer wieder neue nach die nur ihre letzten Tage noch absitzen.

von Spacelab - am 04.05.2015 12:27
Zitat
Wolfgang R
Zeit einfach nur noch absitzen wollen


Das ist ja nur fair gegenueber anderen Kollegen, diejenigen rauszukriegen, die nichts, absolut gar nichts tun. Wer nichts tut, soll auch gehen.

Nur, darum geht's mir ja nicht. Ich war in mehr als genug Firmen taetig, wo ich Mitarbeiter ihre soliden Leistungen zwar brachten, die Vorstellung aber jedes Jahr hoeher wurde, bis zum Punkt unrealistisch zu sein. Grund dafuer waren oft strukturelle Veraenderungen, Verkaufe, oder Uebernahmen der Firma, Re-Organisation, Veraenderung von Zustaendigkeitsgebieten, etc.. Bei diesem Punkt angekommen war eigentlich klar, dass nicht alle Mitarbeiter eine Perspektive haben werden, so begannen sich Kollegen untereinander anzugreifen. Manchmal sieht das Management zu, steuert aber im Hintergrund. Gerne werden auch Abmahnungen verteilt, an die die man seitens des Managements als schaechere Persoehnlichkeiten sieht, oft wegen Nichtigkeiten. Und genau hier faengst an. Dann werden besagte Personen mit Abfindungsprogrammen vertraut gemacht.

von 102.1 - am 04.05.2015 16:15
Darf ich fragen, in welcher Branche Du zuhause bist? Das klingt alles ziemlich krass.

von DH0GHU - am 04.05.2015 17:39
Hört sich irgendwie nach Vertrieb, insbesondere direkt-Vertrieb (z.B. Versicherungen) an.

Wer die Abschlüsse nicht bringt, fliegt raus.

Wolfgang

von Wolfgang R - am 05.05.2015 07:28
Zitat
Wolfgang R
Hört sich irgendwie nach Vertrieb, insbesondere direkt-Vertrieb (z.B. Versicherungen) an.

Wer die Abschlüsse nicht bringt, fliegt raus.

Wolfgang


Ja, das ist so.

In den US-Niederlassungen muss jedes Quartal Derjenige gehen, der die niedrigsten Zahlen bringt. Solche Entwicklungen gibt's in Europa noch nicht, ist aber in den naechsten 2 bis 3 Jahren ohene Weiteres auch drinnen.....

Hauen und Stechen unter Kollegen ist ueblich. Dein Kollege ist der groesste Wettbewerber.

von 102.1 - am 05.05.2015 07:55
Na toll, Reinstform von Kotzkübelkapitalismus.

von DH0GHU - am 05.05.2015 12:20
Allein wenn ich das Wort Versicherung schon höre, könnte ich... :kotz:

Wenn mir heute noch irgendwer eine Versicherung andrehen will, kann derjenige nur hoffen, dass er eine gute Versicherung hat. Denn die wird er dann auch brauchen. :mad:

von PhanTomAs - am 05.05.2015 22:25
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