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Lautsprecher-Übertragungen Korea : Wie weit reichen die eigentlich ?

Startbeitrag von sup2 am 28.09.2015 09:42

Vor einiger Zeit gab es Berichte, dass Süd-Korea gegen Nord-Korea Lautsprecherwände gerichtet hatte und dort Musik und Ansagen "abstrahlte".
Es gab einige wenige Fotos dieser Flüstertüten-Wände, es wird vermutlich sehr laut sein.

Wie weit können diese NF-Übertragungen aber wirklich reichen ? Durch Wind und Wetter müsste es doch schon nach wenigen 100 Metern die ersten Klangverfälschungen geben, und nach 2 Kilometern kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass man das alles noch wirklich versteht.
Oder hatten diese "Übertragungen" eher einen symbolischen Charakter ?

Antworten:

Klangverfälschung ist gut. :D Ich glaub um guten Klang ging es da am wenigsten. Die sollen nur Lärm machen. Bass und Höhen mit einem Bandpassfilter komplett abgeschnitten und schon kannst du damit problemlos etliche Kilometer mit der Stimme des Führers überbrücken. Die Musik wird wohl nur ein quietschendes Tröten gewesen sein und die Stimmen irgendwas zwischen Trompete und Saxophon. Aber bei solchen Installationen geht es im Grunde eh nur um (Psycho-)Terror. Selbst wenn du von dem gesprochenen Wort nicht mehr die Bohne verstehst kann dir das permanente Quäken total die Ruhe und den Schlaf rauben.

von Spacelab - am 28.09.2015 09:56
Südkorea strahlt da wohl eher ungefilterte Nachrichten, westliche Popmusik und westliche Propaganda ab.
Der geliebte Führer ist in Nordkorea. Die haben auch solche Wände, darüber läuft dann kommunistische Propagangda und Musik, ähnlich der die über die Firedrake Störsender ausgestrahlt wird. Das geht also schon fast als Folter durch :-)

Erreicht werden sollen wohl jeweiligen Grenztruppen, und das wird mit den meterhohen Wänden aus Druckkammerlautsprechern problemlos möglich sein.

von Marc_RE - am 28.09.2015 10:27
Bzgl. Reichweite kann das sicherlich sehr weit gehen. Bei "richtiger" Wetterlage und ruhiger Umgebung in leicht erhöhter Lage konnte ich schon Bahnsteigansagen zwei Orte weiter, resp. 6km aufschnappen. Gut, das war, als diese noch manuell angesagt wurden und man sicherlich lauter ins Mikro sprach als die automatischen Ansagen heute aber die "Ausstrahlungsleistung" dürfte deutlich unter denen gelegen haben, die man in Korea verwendet(e). Das kann also ganz schön weit gegangen sein. Die 4km Breite der DMZ musste man schonmal mindestens überbrücken. Ähnliche Aufbauten gab und gibt es auch auf den taiwanesischen Inseln vor China.

von CBS - am 28.09.2015 11:15
In meiner Heimat verwendet man an Schrankenanlagen einen besonders durchdringenden Elektronikgong. Direkt davor wird er nicht einmal als besonders laut empfunden, ist trotzdem aber ewig weit zu hoeren. In meine Wohnung dringt er trotz geschlossener Fenster und in einer ruhigen Nacht hoere ich auch die Bahnuebergaenge in den Nachbarorten, jeweils mindestens 5 km entfernt. Es scheint also an der Tonfrequenz zu liegen...

von PowerAM - am 28.09.2015 11:43
Zitat
CBS
Bei "richtiger" Wetterlage und ruhiger Umgebung in leicht erhöhter Lage konnte ich schon Bahnsteigansagen zwei Orte weiter, resp. 6km aufschnappen.
Bei einer Schallgeschwindigkeit von 340 m/s wären solche Ansagen auf einer Strecke von 6 km knapp 18 Sekunden unterwegs. Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass Sprache nach 18 Sekunden Wegstrecke noch verständlich ist.

"Zielgruppe" dieser Lautsprecherdurchsagen sind meines Wissens die jeweiligen Grenzsoldaten der anderen Seite. Dort jemanden zum desertieren zu bewegen wäre natürlich ein großer Propagandaerfolg. "Einfaches Volk" wohl weniger, davon dürfte es im unmittelbaren Grenzbereich auch kaum noch welches geben.

von freiwild - am 28.09.2015 12:20
Das Rock Festival "Rock om Gau" ist knapp 8km Luftlinie von meiner Haustür entfernt. Da kannst du aber noch ganz bequem mitsingen. Da versteht man jedes Wort. Und das sind keine Druckkammerlautsprecher mit brutalem Mittenpeak.

von Spacelab - am 28.09.2015 12:30
8 km Luftlinie oder Straßenwegstrecke?

Meine Erfahrung ist, dass spätestens nach drei Kilometern nur noch "Bumm bumm bumm" ankommt.

von freiwild - am 28.09.2015 12:41
Luftlinie. Das "Bumm Bumm Bumm" einer Open Air Veranstaltung, beispielsweise der Nature One, geht noch viel weiter.

von Spacelab - am 28.09.2015 12:45
Bei Lautsprecher-Übertragungen gibt es ja manchmal auch so eine Art Tropo.
Besonders in lauen Sommernächten kann das manchmal sehr weit reichen.
Ich weiß gar nicht mehr genau, was wir damals für eine Anlage hatten, aber der Generator brachte 4kW. Von denen ging uns durch Feuchtigkeit die Hälfte verloren, und für Licht musste das auch noch reichen.
10 km haben wir damals geschafft lt. Polizei (die uns übrigens den Rücken frei gehalten haben, sie haben den nächtlichen Anrufern erzählt "das ist eine angemeldete Veranstaltung, da können wir nichts machen", obwohl sie es besser wussten ;) Als die auf dem Platz waren, haben sie nur irgendjemanden gefragt, ob hier jemand verantwortlich sein - und haben sich mit der einfachen Antwort "Ja" zufrieden gegeben).

Eine andere Veranstaltung, auch in einer lauen Sommernacht:
Es kam jemand vorbei, der nur mal gucken wollte, was los ist. Seine Nachbarn hatten ihn gebeten, die Musik leiser zu drehen... Er wohnte 4 km Luftlinie entfernt, die Musik kam von uns :D
Im Bereich dazwischen war es übrigens nicht so laut, wie dann in 4 km Entfernung.

Topografie in beiden Fällen: plattes Land.

von iro - am 28.09.2015 13:28
Open-Air-Konzerte in Strasbourg waren bei passender Windrichtung auch immer gut in Kehl zu hören, Distanz ca. 5 km, dazwische Bebauung...

von DH0GHU - am 28.09.2015 15:00
Zitat
sup2
Wie weit können diese NF-Übertragungen aber wirklich reichen ?


Als es dort vor einigen Wochen wieder ernsthaft Zoff gab, sprach der ARD-Hörfunkkorrespondent von einer "Reichweite von bis zu 24 km".

Ob das stimmt oder Teil der Propaganda ist :D, weiß ich nicht. War selbst noch nicht dort...

von Manager. - am 28.09.2015 16:39
Bei der Sommer-Morgentropo höre ich dann auch die 6 Kilometer entfernte Autobahn. Sonst nicht.

von Frankfurt - am 28.09.2015 17:43
Die Reichweite von "Geräusch" dürfte aber eine deutliche andere sein als von "verständliche Sprache".

24 Kilometer Luftlinie - das hieße, wenn in Oberhausen der Lautsprecher stünde, könnte man die Stimme in Bochum noch verstehen. Nicht nur hören: verstehen. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen.

von freiwild - am 28.09.2015 18:26
Die Menge machts. Wenn man genügend Druckkammerhörner stapelt, und das haben die sicherlich gemacht, sind verständliche Sprache durchaus über die von der Tagesschau genannten 24km möglich.

von Spacelab - am 28.09.2015 18:36
24 Kilometer sind jedenfalls schon verdammt nah dran an den 28 Kilometern Luftlinie zwischen der Stadtgrenze von Seoul und der innerkoreanischen Grenze.

von freiwild - am 28.09.2015 18:55
Nur mal so als Hinweis, wie weit Schall reichen kann.

Vulkanausbruch des Krakatau, Indonesien, 1883:
Zitat

Die Explosionsgeräusche, die diesen Ausbruch begleiteten, gehörten zu den lautesten der Menschheitsgeschichte. Sie waren sowohl im 3100 Kilometer entfernten Perth als auch auf der etwa 4800 Kilometer entfernt liegenden Insel Rodrigues nahe Mauritius zu hören.

https://de.wikipedia.org/wiki/Krakatau

von Christian_66 - am 28.09.2015 19:05
Dann müssen die Nordkoreaner nur laut genug aufdrehen und schon ist der Führer auch hier zu hören. :bruell:

von Chief Wiggum - am 28.09.2015 19:07
Zitat
Christian_66
Nur mal so als Hinweis, wie weit Schall reichen kann.
Nochmal: Dass Schall prinzipiell ewig weit gehen kann, solange die Parameter stimmen, bestreite ich nicht. Mir geht es um die verständliche Sprache, also um die Verzerrung der Akustik mit zunehmender Entfernung.

von freiwild - am 28.09.2015 19:38
Lautsprecher sind meist ein integraler Bestandteil von solchen Regimen. Der Sinn der Sache ist auch Diejenigen zu erreichen, die sich weigern Radio einzuschalten, oder im Falle von Nordkorea auch nur ganz leise zu drehen. Bei beiden Koreas ist es ja auch so, dass man den Empfang des anderen Koreas unter Strafe stellt, in dem einen Korea mehr, als in den anderem Korea.

In der CSSR gabs auch in jedem Dorf Lautsprecher, ueber diese wurden auch gerne div. politische Reden der kommunistischen Fuehrung verbreitet. Nach der Wende lief dort oefter mal Vaclav Havel.

von 102.1 - am 28.09.2015 19:49
War das nicht auch ein Element von "1984"?

von DH0GHU - am 28.09.2015 20:18
Das gab es aber auch schon bevor 1984 geschrieben wurde.
Stalin beschallte im ganzen Land öffentliche Plätze, Fabrikhallen und Arbeitsstätten mit Lautsprechern, hierzulande wird das nicht anders gewesen sein. Wobei ich zu Stalin bei der Recherche grad etwas gefunden habe, für hierzulande glaube ich das nur - hab aber nix gefunden mangels passender Suchbegriffe. Auf jeden Fall hatten die Nazis 1930 Lautsprecherwagen für den Wahlkampf und später welche, die wohl auch an der Front eingesetzt wurden lt. einer Bildunterschrift bei wikipedia.

von iro - am 28.09.2015 20:53
Moderne Armeen setzen auf die Macht des Schallwandlers in direkter Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen der Schallterrorbranche:

https://twitter.com/ralphruthe/status/319725067997163520

von DH0GHU - am 29.09.2015 07:18
Für die Beschallung von Werkshallen gab es hier z.B. den Arbeitsfrontempfänger. http://www.radiomuseum.org/r/telefunken_daf1011.html
Dazu gab es u.A. einen großen Deckenrundstrahler in dem ein wirkungsgradstarker Lautsprecher auf eine Hornkonstruktion arbeitete, aber auch Außenlautsprecher.

von Marc_RE - am 29.09.2015 08:25
Wie weit normale Töne reichen können:
Das Läuten der Kirchenglocken der Stadtkirche Glarus, welche von mir aus hinter dem Horizont bzw. hinter einem höheren Hügel stecken, sind gut hörbar bei Föhnströmung, die Stadtkirche Glarus ist etwa 3.7 km von mir entfernt.

von dxbruelhart - am 29.09.2015 08:55
Zitat
dxbruelhart
Wie weit normale Töne reichen können:
Das Läuten der Kirchenglocken der Stadtkirche Glarus, welche von mir aus hinter dem Horizont bzw. hinter einem höheren Hügel stecken, sind gut hörbar bei Föhnströmung, die Stadtkirche Glarus ist etwa 3.7 km von mir entfernt.


mein Opa, als er noch kind war, brauchte keine Uhr, denn er wusste dank den pfeifen der damaligen Dampflok im 5km entfernten damaligen röthenbacher Bahnhof, wie spät ist. :)
Auch heute ich es noch so, das man Volksmusik (Blasmusik) auf einer 5km entfernten Veranstaltung bei uns hören kann, Im Dorfplatz hört man zwar nichts aber außerhalb auf freie Felder sowie wenn man außerhalb des Dorfes wohnt, sehr wohl wahrnehmbar. Auf die Felder ist sogar so krass, das man meint nur paar hunderte Meter in denn Wald rein gehen zu müssen und schon wäre man der Veranstaltung, die in Wirklichkeit in gute 3-5km statt findet :D Ich könnte mir sehr gut vorstellen, das auch an der Erdbeschaffenheit liegt (Bodenbeschaffenheit wie Wasseranteil usw.) Besonders wenn diese Musiklautsprecheranlagen im Boden und somit auf der Wiese steht im Zelt. Weil was bei der Mittelwelle (Bodenwelle) funktioniert, müßte ja auch bei Tönen mit tiefer Frequenz (wie z.b dem Bass) funktionieren ;)

Zitat
102.1
In der CSSR gabs auch in jedem Dorf Lautsprecher, ueber diese wurden auch gerne div. politische Reden der kommunistischen Fuehrung verbreitet. Nach der Wende lief dort oefter mal Vaclav Havel.


Diese Lautsprecher sind teilweise heute noch in die Tschechien Dörfer zu sehen bzw. vorhanden. Ich dachte bis jetzt immer, das wäre für denn Katastrophenschutz Warnung gewesen, falls der kalte Krieg ein heißer werden sollte... Das darüber Propaganda lief so wie in Nordkorea, das ist schon heftig . Meisten sind die Lautsprecher auf alte Straßenlaternen montiert. Durch die stückweise erneuerungen der Straßenlaternen, verschwinden diese Lautsprecher zum Glück.

von Kohlberger91 - am 29.09.2015 10:30
Sehr bekannt diese Folterszene aus der DDR: https://www.youtube.com/watch?v=fowuazq-140
:D

von Bolivar diGriz - am 29.09.2015 12:59
Darmpflock?
Männers, dieses Forum hat keine Altersbeschränkung!!

:joke::joke::joke::joke:

von Mc Jack - am 29.09.2015 13:45
Zitat
dxbruelhart
Wie weit normale Töne reichen können:
Das Läuten der Kirchenglocken der Stadtkirche Glarus, welche von mir aus hinter dem Horizont bzw. hinter einem höheren Hügel stecken, sind gut hörbar bei Föhnströmung, die Stadtkirche Glarus ist etwa 3.7 km von mir entfernt.

Kann ich auch bestätigen.
Hier kann man manchmal die Kirchturmglocken eines anderen Dorfes, das hinter dem ca 250 m hohem "Berg" liegt hören.
Das funktioniert deshalb, weil, die Glocken hier im Ort ein anderes "Läuteschema" haben als in dem anderen Ort. In dem einen Ort ist jede Viertelstunde ein tiefer Glockenschlag, zur Vollen Stunde sind dass dan 4 tiefe Glockenschläge und danach kommt in hohen Tönen die Stundenzahl. In dem anderen gibt es nur einen Glockenschlag jeweils zur halben und vollen Stunde. Daher kann man um Viertel vor und Viertel nach die Glocken aus dem anderen Dorf, welches ca 4 km entfernt hinter dem Berg liegt, hören, ohne dass der Ton durch die eigenen Glocken überdeckt wird.

von WiehengeBIERge - am 29.09.2015 15:50
ruthe.de/Facebook/Nordkorea

von iro - am 07.03.2016 14:22
Zitat
WiehengeBIERge
…Das funktioniert deshalb, weil, die Glocken hier im Ort ein anderes "Läuteschema" haben als in dem anderen Ort. In dem einen Ort ist jede Viertelstunde ein tiefer Glockenschlag, zur Vollen Stunde sind dass dan 4 tiefe Glockenschläge und danach kommt in hohen Tönen die Stundenzahl. In dem anderen gibt es nur einen Glockenschlag jeweils zur halben und vollen Stunde. Daher kann man um Viertel vor und Viertel nach die Glocken aus dem anderen Dorf, welches ca 4 km entfernt hinter dem Berg liegt, hören, ohne dass der Ton durch die eigenen Glocken überdeckt wird.


Man hat schon früher das Prinzip des Frequenzmultiplex gekannt und eingesetzt ;)

von Radio_DDR - am 12.03.2016 11:09
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