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PowerAM, Spacelab, Rolf, der Frequenzenfänger, Hagbard Celine, Habakukk, DH0GHU, Japhi, zerobase now, Erich Hoinicke, Bolivar diGriz

Kurzstreckenpendeln auf dem Land - guter Rat ist teuer! (sehr lang...)

Startbeitrag von Hagbard Celine am 21.10.2015 22:14

Hallo!

Zunächst einmal danke ich PowerAM für seine eher zufällige Steilvorlage. Ich hatte das OT-Forum zu sehr aus den Augen verloren, um auf die Idee zu kommen, hier um Rat zu fragen. Aber vielleicht finden sich hier einige, die mir bei meinem Problem helfen können. Ich bin dafür zu unerfahren, weil ich während Schule und Studium mit Bus und Bahn gefahren bin und ansonsten oft von meinen Eltern kutschiert wurde. Tja, und dann stellt mich eine Firma im Gießener Umland aus dem Studienabschluss heraus ein, der Job ist fest und krisensicher, aber die ÖPNV-Anbindung ist durchwachsen, weil anderes wichtiger ist. Ich kann also meine Mobilität nicht nur längerfristig planen - ich muss!

Ich grüble schon seit Monaten, wie ich am sinnvollsten auf die Arbeit komme, und stoße ständig nur auf Kompromisse, zwischen denen ich mich dann nicht entscheiden kann. Es geht um einen Arbeitsweg von 3 Kilometern in den Nachbarort hinein, der sich nach meinem Kenntnisstand nach dem Neubau meiner Firma - derzeit gibt es nur Baupläne - auf 1,5-2 Kilometer verkürzen dürfte. Geld spielt auch keine Rolle, ich habe genug Reserven, ich suche bloß eine vernünftige und täglich sinnvoll umsetzbare Möglichkeit.

Derzeit fahre ich mit dem Bus, der leider nur stündlich fährt. Ich brauche für eine Strecke 25 Minuten, davon 15 zu Fuß. Verpasse ich den Bus, kann ich im Grunde gleich laufen, das dauert dann 40-45 Minuten. Nach dem Umzug ins neue Gewerbegebiet wäre die Bushaltestelle so weit weg, dass mir der Bus keine Zeit ersparen würde. Da Unterstände auf dem Rückweg fehlen und ich die Hälfte der Zeit laufe, ist auch der Witterungsschutz eingeschränkt. Falls jemand den Kostenvergleich ziehen möchte, ich zahle dafür monatlich 42,20 Euro, die Einzelfahrt kostet 1,95 Euro.

Damit bin ich aber aus mehreren Gründen unzufrieden. Zum einen habe ich durch den starren Fahrplan nichts von meinen flexiblen Arbeitszeiten, mache sogar immer entweder 1/4 Minusstunde oder 3/4 Überstunden. Zum anderen geht mir wahnsinnig viel Zeit auf dem Arbeitsweg verloren, unausweichlich. Dafür habe ich eigentlich nicht die - auch ansonsten passende - Wohnung im Nachbarort meiner Arbeitsstelle bezogen und in Kauf genommen, dass es in diesem Dorf wenig Infrastruktur gibt. Immerhin Kabel-Internet hat es hier, ansonsten hätte es auch das andere Nachbardorf werden können, mit DSL 384 und LTE. Im Hauptort der Gemeinde waren die Wohnungen unpassend oder zu teuer, allgemein ist der Wohnungsmarkt hier heftig umkämpft.

Im folgenden nun die Sachen, über die ich mir bereits den Kopf zerbrochen habe:

Fahrrad

Der Klassiker, von dem ich in meiner Naivität ausging. Dumm nur, dass es hier sehr hügelig ist. Ich muss morgens 50 Höhenmeter (mit bis zu 7% Steigung) runter und 30 wieder rauf, nachmittags das Spielchen andersherum. Ich bin selbst in Hanglage aufgewachsen und bin dort auch gelegentlich Fahrrad gefahren, aber entweder hat meine Kondition massiv abgebaut oder das ist doch eine Spur heftiger. Ich muss mehrmals pausieren, weil ich einfach komplett außer Puste bin, und schaffe die Strecke so nicht unter 20 Minuten. Der geneigte Fahrradfreund wird jetzt sagen, es gibt doch Pedelecs. Aber gegen die folgenden Nachteile hilft auch das nicht.

Zunächst bin ich kein besonders sicherer Fahrradfahrer. Ich habe Probleme mit dem Gleichgewicht und bekomme auf Hauptstraßen Angst, sodass ich sie versuche zu meiden. Noch schlimmer wiegt, dass ich keinen vernünftigen Platz für mein Fahrrad finde. Das Abstellen auf dem Grundstück untersagt die Hausordnung, ich könnte es auch nirgends abschließen. Hier ist eine ruhige Mehrfamilienhaussiedlung, aber man muss es ja nicht herausfordern. Also ab in den Keller. Die Kellertreppe runter und durch die Waschküche in den Gang der Kellerabteile, so eng und verwinkelt, dass ich mehrmals wenden muss. Ein ausgewachsenes Pedelec mit 25 kg kriege ich kaum die Treppe hoch und runter, so klein und schmächtig, wie ich bin. Vor kurzem stieß ich dann auf ein günstiges, neuwertiges Faltrad - für Gelegenheitsfahrten...

Kleine Elektroroller

Wer nicht weiß, was ich damit meine, googelt einfach mal nach "Tante Paula". Eine kleine Idee zwischendurch (mit Mofa-Zulassung), die aber eh gleich zum Verwerfen sein dürfte. Weniger sperrig als ein Pedelec, weil klappbar, aber genauso schwer. Vermutlich auch recht instabil zu fahren, und verkehrsrechtlich vereinen sie die Nachteile von Fahrrädern und Rollern.

Große Roller (bevorzugt auch elektrisch)

Tja, der Standardvorschlag. Mit meinem B-Führerschein darf ich sowas fahren, solange es auf Tempo 45 gedrosselt ist. Auf der kurzen Strecke (innerorts 30, außerorts 50) ist das sogar egal. Leider bin ich sowas noch nie gefahren und weiß nicht, ob ich damit klar kommen würde, auch kenne ich mich mit Motorradkleidung und Helmen nicht aus. Hier könnte mir auch wieder mein Gleichgewicht einen Streich spielen.

Davon mal abgesehen: Das Abstellen von Rollern bedarf einer Absprache mit der Hausverwaltung, aber es ist auch kaum Platz dafür da. Der Fußweg zum Hauseingang führt zwischen zwei Autos hindurch (!) und höchstens neben den Mülltonnen könnte man noch was hinquetschen. Oder doch allen Ernstes an die Straße? Ist der Akku herausnehmbar, kann ich ihn immerhin in den Keller schleppen, dort gibts Strom vom Wohnungszähler.

Leicht-KFZ/Microcars

Die lustigen Autochen, die man ab 16 fahren darf, auf 45 gedrosselt und heutzutage mit 2-Zylinder-Dieseln. Vom Streckenprofil her besser als ein "großes" Auto, und viel geringere Fixkosten. Neupreis 10.000 Euro, gebrauchte gibt es kaum, und wer kann sie reparieren? Schnell vergessen, wäre auch zu schön gewesen. CityEL, falls den wer kennt? Elektrischer Exot, geniales Konzept, aber aufladen wird schwierig und die Wartung auch. Vom Renault Twizy fang ich gar nicht erst an. Ja, ich hab so langsam wirklich alles durch.

Last, but not least: Das Auto

Ja, das musste natürlich auch kommen. Nein, ich musste nicht erst von PowerAM belehrt werden, um zu wissen, dass Kurzstrecken für große Verbrennungsmotoren absolutes Gift sind. Nun, Millionen Rentner können nicht irren - aber lassen wir das. Für diese Möglichkeit spricht, dass sie oberflächlich gesehen die beste, sicherste und auch komfortabelste ist. Paradoxerweise auch diejenige, bei der ich mir die kleinsten rechtlichen Sorgen machen muss. Die für Neubauten (Bj. 1984) geforderten 1,5 Stellplätze pro Wohnung sind vorhanden, auch wenn im Mietvertrag nur einer steht - im Zweifel frage ich die Hausverwaltung oder parke an der Straße, Platz ist genug. Aber vieles andere spricht eben dagegen.

Die Versicherung ist ein großes Problem. Ich habe bisher das Auto meiner Mutter mitbenutzt, starte trotz 8 1/2 Jahren Führerschein mit SF 1/2 - die laufenden Kosten sind also mit Abstand am höchsten. Dann der enorme Verschleiß, da der Motor fast nie warm wird, der Verbrauch ist zwar höllisch, aber zweitrangig. Ich hätte kein gutes Gewissen dabei, kleine alte Autos kaputt zu fahren, nur weil es jeder so macht. Aber muss ich es am Ende gerade deswegen tun, weil Alternativen keinen Markt finden? Ein Elektroauto zu finanzieren, das könnte ich sogar hinkriegen, aber ich wüsste nicht, wo ich es regelmäßig aufladen kann. Henne-Ei-Problem so richtig fies.



Tja, hat irgendwer eine Idee? Also außer Umziehen? Eigentlich gefällt es mir hier, aber die Hoffnung, dass sich die Anfahrt zur Arbeit schnell erledigt, hat sich wohl ins Gegenteil verkehrt. Wenn mal Schnee und Eis liegen, kann ich laufen, ansonsten habe ich Probleme, die andere gerne hätten - oder etwa nicht? Wie ich schon sagte, guter Rat ist teuer...

Antworten:

Trotz deiner Bedenken würde ich aus eigener guter Erfahrung das Fahrrad empfehlen. Mein Arbeitsweg ist 3,5km lang (rund 50 Höhenmeter runter / 30 wieder rauf) und ich fahre den in 9 bis 10 Minuten mit einem "richtigen" Fahrrad, also nicht mit so einem Spielzeug mit Elektromotörchen. Oft sogar vier Mal am Tag, wenn ich in der Mittagspause heim fahre. Nur bei Glatteis oder sehr schlechtem Wetter nehme ich mal den Bus.
Mit etwas Übung bekommst du sicherlich auch das Unsicherheitsgefühl in den Griff, welches du höchstwahrscheinlich auf einem Roller ebenso hättest.

Was das Abstellen angeht: wenn deine Hausverwaltung das Abstellen eines Rollers erlaubt, sollte das ja wohl auch mit einem Fahrrad gehen. Einfach mal nachfragen! Hier im Haus gibt es einen extra Fahrrad-Abstellraum, der bequem über die Tiefgarage ohne Absteigen erreichbar ist. :spos:

Auto für 3km: in jeder Hinsicht eigentlich völlig indiskutabel, auch wenn es für viele ganz normal und scheinbar alternativlos™ ist. :sneg:

Eine Variante bliebe noch: marschieren! Deine jetzigen 3km sind mit etwas Übung in einer guten halben Stunde zu schaffen und die künftigen 1,5 bis 2km sind ein Klacks. Voraussetzung ist natürlich ein Wanderweg. Auf der Hauptstrasse macht das keinen Spass und ist zu gefährlich.

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 22.10.2015 04:28
Zunaechst: Viele Versicherer erkennen die regelmaessige Mitbenutzung eines Familienfahrzeugs durch den Nachwuchs an und geben fuehlbare Nachlaesse. Mit einer Erklaerung von "Mutti", dass das ueber die genannten acht Jahre so war, muss sich schon etwas erreichen lassen. Allerdings sollte der Versicherungsvertrag fuer das genannte Fahrzeug deine Mitbenutzung auch erlaubt haben - sonst gibt es ggf. nachtraeglich noch Aerger.

Die genannten 3 km sind, als alleinige Fahrten, fuer jedes Auto mit Verbrennungsmotor Gift. Die Technik wird nicht ansatzweise warm und weder die Motorsteuerungen noch die vom Motorenhersteller vorgegebenen Schmierstoffe sind darauf ausgelegt. Sowas sollte, wenn es denn ueberhaupt sein muss, der absolute Ausnahmefall bleiben. Die schaedlichen Auswirkungen koennte man durch eine Verlaengerung der Fahrstrecke auf mindestens 10 km abmildern. Es sollte dann aber ein Auto mit moeglichst kleinvolumigem Motor sein, das zusaetzlich stets im mittleren Drehzahlbereich gefahren werden sollte. Wie gesagt, das galt fuer wenigstens 10 km!

Wie lange man zu Fuss unterwegs ist, das ist nicht allein von der Laenge der Strecke abhaengig. Das Hoehenprofil kostet allein schon Zeit. Sind dann noch Teilstrecken ueber Treppen zurueckzulegen, staerker befahrene Strassen zu queren und dafuer ggf. Ampelwartezeiten einzukalkulieren, dann verlaengert sich die Wegezeit u. U. erheblich. Trotzdem wuerde ich mir das fuer winterliche Witterungsverhaeltnisse aufheben und dann zumindest nicht auf zwei Raedern unterwegs sein.

Blieben noch die Gedanken an das Radfahren bzw. an einen Roller oder ein Kleinmotorrad mit maximal 45 km/h. Einige schwoeren bei aehnlichen Arbeitswegen auf den Neukauf eines 50 ccm-Rollers alle zwei Jahre. Rechne mit mindestens 800 EUR, besser mit 1000 EUR. Sofern das Fahrzeug nach zwei Jahren noch wie neu aussieht, nicht umgefallen ist und die allenfalls in dieser Zeit erforderlichen zwei Werkstattaufenthalte bekommen hat, sind zwischen 200 und 350 EUR Verkaufserloes realistisch. Einkalkulieren solltest du auch, dass Rollerbatterien ohne Pflege oft schon den zweiten Winter nicht ueberleben. Zweitakter waeren fuer diese Strecke prinzipbedingt besser, sind aber neu wegen der inzwischen auch fuer diese Fahrzeugklasse ein wenig verschaerften Abgasbestimmungen nicht bzw. kaum noch neu zu kriegen. Einen Roller kann/darf man auf der Strasse ueberall parken, wo das Abstellen von Fahrzeugen nicht verboten ist. Das Abstellen auf dem Grundstueck kann der Eigentuemer untersagen. Parken auf dem Gehweg ist oftmals zwar geduldet, stellt aber genau genommen eine (genehmigungspflichtige) Sondernutzung dar. Zum Abstellen von Fahrzeugen ist der Gehweg naemlich generell nicht gedacht.

Wenn auch das Abstellen von Fahrraedern draussen nicht erlaubt und zudem der Fahrradabstellraum total unmoeglich zu erreichen ist, dann faellt ein E-Fahrrad schon einmal raus. Das Aufladen zuhause wuerde bei der Fahrstrecke zwar ausreichen, deren Gewicht ist fuer die Schlepperei in den Keller jedoch schlicht zu hoch.

Wie sieht die Strecke denn aus Radfahrerperspektive aus? Verwinkelte und steile Gassen, die abschnittsweise zugeparkt sind und die man sich mit dem restlichen (motorisierten) Verkehr teilt? Auch laengere Abschnitte auf viel befahrenen Strassen ohne Radweg waeren nicht nur unangenehm, sie sind inzwischen auch mordsgefaehrlich geworden. Falls es irgendwie machbar waere, dann wuerde ich mir ein gebrauchtes aber namhaftes MTB kaufen, bei dem ich auf moeglichst wenig technischen Schnickschnack und hoechstmoegliche Stabilitaet achten wuerde. Wenn man es nicht selbst kann/will, dann zur Fahrradwerkstatt des geringsten Misstrauens bringen und dort aufarbeiten lassen. Eventuell ist der Kauf bei denen auch ueberdenkenswert?! Bei diesem MTB wuerde ich auf eine moeglichst robuste Schaltung achten, ggf. einen Nabendynamo und leistungsfaehige Bremsen nachruesten sowie die Bereifung auf moeglichst lange wintertaugliche Strassenreifen umstellen. Zusaetzliche Akkuleuchten gern, nur sind die erfahrungsgemaess immer unerwartet leer. Daher zumindest eine konventionelle Lichtanlage als Sicherheit! Bei nur 3 km wuerde ich mir ueber einen besonders komfortablen Sattel weniger Gedanken machen, die angegebenen 20 min sind keine Belastung.

Glaub' mir, die Kondition kommt recht schnell! Fahre anfangs bergauf in kleinem Gang bei schnellem Kurbeln. Auf keinen Fall mit hohem Pedaldruck fahren, das geht schnell schief! Versuche dein Fahrtempo auf niedrigem Niveau moeglichst gleichmaessig zu halten. Selbst wenn du damit nur Fussgaengertempo schaffst: Du bist gefahren und hast was fuer deine Kondition getan. Auf Strecken bergab kann man sich rollen lassen und Kraefte sparen.

Fuer's Radfahren oder zum Fahren mit einem Roller ist wetterfeste Kleidung erforderlich. Bei arbeitstaeglicher Nutzung wuerde ich auch auf einen Fahrradhelm nicht mehr verzichten, beim Roller ist ein Helm obligatorisch. Die Kleidung muss in jedem Fall moegliche Niederschlaege beruecksichtigen. Auf dem Roller friert man schnell, als Radfahrer eigentlich nicht. Nach dem Absteigen vom Rad solltest du nur einkalkulieren, dass du nachschwitzt und in dieser Zeit anfaellig fuer Erkaeltungen bist. Sofern machbar, das Fahrtempo soweit reduzieren, dass du nicht durchgeschwitzt ankommst. Wechselbekleidung, einschliesslich Unterbekleidung, wuerde ich am Arbeitsort in jedem Fall irgendwie lagern.


Abschliessend noch ein paar Gedanken: Du planst deinen Umzug erst? Falls ja, dann erweitere deinen Horizont! Wenn am angedachten Wohnort der Wohnungsmarkt so umkaempft ist, wie sieht es auf den umliegenden Doerfern aus? Mir ist ein wenig persoenliche Freiheit mehr wert als der moeglichst kurze Arbeitsweg. Zudem bin ich auf dem Dorf aufgewachsen und das Wohnen in der Stadt wuerde mir viele moegliche Freizeit- bzw. Sportmoeglichkeiten nehmen. Ich fahre gern und viel mit meinem MTB, jedoch nur in der Freizeit und daher nur zu meinem Vergnuegen. Es ist also ein Hobby. In Berlin wuerde ich nicht einmal daran denken!

Wie sieht es mit dem Freundes- und Familienkreis aus? Will man sie in direkter Nachbarschaft oder ist da eine gewisse Distanz ganz angenehm? Denke daran, dass sich viele von benachbart wohnenden Familienangehoerigen beobachtet und daher in ihrer persoenlichen Freiheit eingeschraenkt fuehlen! "Warum bist du gestern so spaet schlafen gegangen?" ist da noch eine der harmlosen Fragen der Mutter an eine meiner Nachbarinnen. "Ihr habt am Wochenende schon wieder so lange gefeiert!" - sowas nervt da schon deutlich mehr!

In meinem Freundeskreis haben einige Glueck gehabt und konnten sich zum Teil ganz nette Wohnungen in doerflichem Umfeld herrichten. So, wie man es kennt: Parkplatz auf dem Hof, ggf. sogar in einer Garage oder unter einem Vordach. Mitnutzbare Nebengelasse, die man sich als kleine Hobbywerkstatt, als Hobbyraum oder eben auch zum ebenerdigen Abparken von Fahrraedern einrichten kann. In der Regel gibt es dort auch keine einschneidenden Beschraenkungen fuer Satellitenfernsehen, die meisten haben zumindest eine auf Astra 19,2 Grad ausgerichtete Gemeinschaftsanlage. Schnelles Internet ist oftmals ein Manko, auf manches abgelegene Gehoeft legt man dir nicht einmal einen Festnetzanschluss. Ich kann mit HSDPA oder LTE ganz gut leben.

Unter dem Strich wuerde ich mir die Enge und den Laerm einer Stadt nicht mehr antun wollen. Wenn ich zwei Stationen mit dem Bus zu meinem Auto fahren muesste, dann haette ich entweder kein Auto mehr oder ich wuerde dort nicht bzw. nicht mehr wohnen wollen.

Denke aber auch etwas weiter! Mit jedem Umzug wird deine Wohnung teurer. Und das nicht nur, weil du mehr Wohnflaeche haben willst oder sich deine Ansprueche an das Wohnumfeld aendern. Suche dir daher lieber weitblickend ein Domizil, dass du lange nutzen kannst und auch nutzen willst. Wenn es heute keine brauchbare Anbindung mit Bus und Bahn gibt, dann wird es sie kuenftig wohl auch nicht geben. Zudem wird ueberall gekuerzt und gestrichen - Gemeinden, Landkreise usw. ziehen sich immer mehr aus der Verantwortung fuer eine vernuenftige Verkehrsinfrastruktur zurueck. Wenn du nicht in die Metropolen ziehst, dann wird der Individualverkehr immer wichtiger. Der kostet zwar auch Geld, bringt aber eine nicht zu unterschaetzende Freiheit und Bequemlichkeit. Und nicht zuletzt: Wer mit einem praktischen Kleinwagen bescheiden bleibt, der hat auch ueberschaubare Unterhaltskosten! Waehrend einen in der Stadt bereits das Besitzen eines Autos durch Parkraummangel, Parkraumbewirtschaftung und immer weiter schreitende Behinderung des Autoverkehrs aergert, wird man das auf dem Land nicht machen koennen! Man kann dort nicht den Autoverkehr verteufeln, wenn man zugleich verlangt, dass die Landbevoelkerung mobil bleibt.

Daher versuche dir in jungen Jahren was auf dem Land zu suchen! Wenn du alt und tattrig wirst, dann kannst du immer noch naeher zu deinem Medizinmann (in die Stadt) ziehen... ;)

von PowerAM - am 22.10.2015 05:43
3 km ist eine typische Fahrraddistanz. Wenn es was mit Motor und Dach sein soll: Wie wäre es mit einer Piaggio Ape? 50 ccm, braucht nur eine Mofaversicherung (ca. 60 Euro im Jahr!), keine Steuern, kein TÜV. Kostet als Neufahrzeug knapp 5.000 €, als technisch gut erhaltenes Gebrauchtfahrzeug ab ca. 2.000 Euro. Nachteil: Mit dem Zweitaktmotor ist man eine fast so schlimme Umweltsau wie ein VW-Fahrer. Allerdings: Für Dreiräder gilt keine Umweltplakettenpflicht! :xcool:

von Bolivar diGriz - am 22.10.2015 09:20
My 2 cents:
Fuß, Rad, Auto.
Durch körperbetriebene Fortbewegung tust Du 'was für Deine Gesundheit, Du sparst Dir den Gang zum Sport, alternativ den zum Doktor, der sonst nicht ausbleiben wird. Das Auto dient als Backup für Extremwetter oder wenn Du mal erkältet bist, ansonsten wirst Du auch mal in Deiner Freizeit froh darüber sein, eines zu haben. Da Du offenbar das Auto sonst nicht allzuhäufig nutzen willst, kommt nur ein kleinvolumiger Benziner in Frage.

3 km zu Fuß sind 30 Minuten zügiges Gehen, später 1,5 km sind 15 Minuten - das zwei mal am Tag, und die typischen Körperschäden eines Schreibtischtäters bleiben Dir weitgehend erspart. Es kostet Dich in der Summe nichtmal Zeit, denn Joggen, Freizeit-Radeln, Schwimmen, Fittnessstudio etc. sind danach allenfalls noch "nice to have", nicht zwingend notwendig um gesund zu bleiben. Wenn Du das Rad nimmst, ists vielleicht etwas wenig Strecke, aber vielleicht gibts ja eine verkehrsarme, weniger steile Alternativstrecke, die dann etwas länger ist?

Hätte ich nur 3 km zur Arbeit, so würde ich grundsätzlich bei gutem Wetter kein Auto nutzen!

von DH0GHU - am 22.10.2015 09:31
Interessantes Thema. Das Problem mit der extrem miesen ÖPNV Anbindung hatte ich auch viele Jahre. Alle 60 Minuten kommt der Bus und das noch nicht mal sonderlich pünktlich. Bei mir kam dann zeitweise noch dazu das ich eine Teilstrecke mit der Bahn zurücklegen musste. Das war dann der totale Krampf. In dem moment als ich mit dem Bus am Bahnhof ankam sah ich gerade noch die Rücklichter des Zuges immer kleiner werden. Der nächste Zug kam in 50 Minuten. An meinem Zielort dann das gleiche Spiel. Der Zug kam an, der Bus fuhr gerade weg. 30 Minuten Wartezeit auf den nächsten... :sneg: So besch... sind die ÖPNV Verbindungen auf dem Land nun mal. :rolleyes:

In meiner Jugendzeit hatte ich ein 50er Moped. Vergleichbar mit den heutigen 50er Roller die es damals so noch gar nicht gab. Auch wenn das damals noch ein einfacher 2 Takt Motor war mit entsprechendem Durst, war es doch die wirtschaftlichste Methode von A nach B zu kommen. Mal von den unzumutbaren Fahrplänen des ÖPNV abgesehen war dieser auch damals schon ziemlich teuer. Das große Problem war der Herbst und der Winter. Die Lust ist total im Keller wenn man morgens eh schon nicht aus dem Quark kommt, sowieso schon am frösteln ist und es dann draußen noch so richtig schön regnet und der Wind weht. Dann noch auf das Zweirad zu steigen ist zum :kotz:! Schlimmer noch im Winter wenn es glatt ist. Da hatte es mich schon mehrmals flach gelegt. Zum Glück war mein Moped damals noch sehr robust gebaut mit viel Metall und nicht so ein Plastikbomber wie heutige Roller die beim ersten Bodenkontakt auseinander fallen. Hinzu kam das ich damals schon keinen richtigen Stellplatz für das Gerät hatte. Auf dem Gelände der Firma durfte ich nicht. Da durfte nur der Chef und seine bucklige Familie parken. Und das abstellen auf dem Gehsteig kostete mich regelmäßig 10 Mark. Heute kostet das so weit ich weiß 15 Euro.

Ähnlich blöde stell ich mir das mit dem Fahrrad vor. Wenn da draußen Kackwetter ist macht das ja noch weniger Spaß zu fahren als mit dem Roller. Hinzu kommt das wir hier nur sehr wenige Fahrradwege haben und diese sind auch noch dank Baumwurzeln unbefahrbar. Jeder Radfahrer fährt auf der Straße. Das würde ich aber nicht machen. Schon gar nicht jetzt in der dunklen Jahreszeit. Da haben sie dich schneller vom Fahrrad geholt als man schauen kann. Das ist mir definitiv zu gefährlich.

Mein damaliger Ford Fiesta, den ich bekommen hatte als ich 18 wurde, hat diese Kurzstrecken zwar klaglos mitgemacht und bevor technisch etwas dran kam ist mir die Karosserie unter dem Hintern weggerostet. Aber der Spritverbrauch war enorm weil die Kiste praktisch ständig im Kaltstart gelaufen ist. Außerdem waren die Ölwechselintervalle extrem kurz denn weil das Öl nie richtig warm wurde sammelte sich Wasser darin. Heutzutage würde ich das keinem Auto mehr antun. Ich weiß auch gar nicht ob der Katalysator das aushalten würde nie richtig warm zu werden. Auch einen großen Verschleiß hatte ich an Starterbatterien. Morgens mit Licht, voll aufgedrehter Heizung und meistens auch noch Heckscheibenheizung weil alles anlief, los und abends das gleiche wieder auf dem Rückweg. Und das alles auf Strecken im einstelligen km Bereich. Da half es auch wenig am Wochenende mal das Ladegerät über Nacht anzuschließen.

Wenn man auf dem Land Kurzstreckenpendler ist, ist man schlicht und ergreifend total gekniffen. Was man macht ist immer irgendwo verkehrt. :sneg:

von Spacelab - am 22.10.2015 09:54
Tja, willkommen auf dem Land! :D

Die 3km in deinem Falle sind natuerlich schon relativ wenig. Dafuer ein Auto zu kaufen, rentieret sich wohl echt nicht. Bei kuenftig 1,5km kann man ja tatsaechlich schon ueberlegen, zu Fuss zu gehen.

Ich wuerde als allererstes mal die Abstellmoeglichkeiten rund um deine kuenftige Wohnung definitiv abklaeren, denn wenn du ein Rad oder einen Roller NICHT tagtaeglich rauf oder runter wuchten musst, sehen deine Optionen doch schon gleich ganz anders aus. Irgendwo muss es da eine Moeglichkeit geben, Hausordnung hin oder her, red mal mit dem Vermieter. Denn eigentlich wuerde ich dir auch eher zu einem Fahrrad mit Elektro-Unterstuetzung raten.

Was fuer mich aber noch ein wichtiger Punkt waere, ist die Mobilitaet in meiner Freizeit. Mal unabhaengig von deinem Arbeitsweg: kommst du denn fuer das, was du gerne in deiner Freizeit tust, an dem neuen Ort gut von A nach B? Wie sieht es mit deinem sozialen Umfeld aus, kannst du das gut erreichen? Das waeren fuer mich sehr wichtige Punkte, die es auch gilt, zu beruecksichtigen.

Alleine diese Fragen haben bei mir schon dazu gefuehrt, dass ich praktisch immer schon kaum auf ein Auto verzichten konnte. Man kommt hier gerade abends oder am Wochenende mit oeffentlichen Verkehrsmitteln NIRGENDS mehr hin. Und wenn man dann schon Steuern und Versicherung fuer das Auto zahlt, nutzt man es freilich auch fuer den Arbeitsweg.

In meinem Fall sind es zur Arbeit einfach 13km auf direktem Wege, mit ein paar ordentlichen Huegeln dazwischen (100m Hoehenunterschied), das ist nichts, was ich tagtaeglich mit dem Fahrrad fahren moechte, v.a. im Winterhalbjahr. Es gibt aber Kollegen, die das tatsaechlich tun und ich bewundere sie dafuer. Denn letztendlich ist es nur Faulheit, nicht mit dem Fahrrad zu fahren. Ich nehme mir aber jedes Jahr vor, wenigstens im Sommerhalbjahr so oft es geht mit dem Rad zu fahren, einfach weil es gesund ist. Bei 3km wuerde ich mir das schon ueberlegen, sehr viel haeufiger zu fahren, bei 1,5-2km erst recht.
Und glaube mir: das mit der Kondition geht tatsaechlich relativ schnell, man muss da nur dran bleiben (mindestens 1x die Woche fahren). Manchmal ist es durchaus eine Option, ein paar km mehr in Kauf zu nehmen, um z.B. eine stark befahrene Strasse zu vermeiden, oder eine starke Steigung einer Strecke zu umgehen. Schau dir mal auf einer guten topographischen Karte an, welche Optionen du da hast, wenn du nicht den direkten Weg nimmst. Ganz gut finde ich hierfuer den Komoot-Fahrradroutenplaner, der dir gleich ein Hoehenprofil der Strecke anzeigt.
https://www.komoot.de/plan/
Schlimmer finde ich da schon, dass man auf dem Fahrrad der Witterung so stark ausgesetzt ist. Bei kaltem Regenwetter zu fahren, erfordert schon ordentlich Selbstdisziplin und v.a. gute Ausruestung.

Fuer mich ist das Auto tatsaechlich auch ein Ort, an dem ich meinem DX-Hobby nachgehen kann. Ich komme damit schnell zu diversen exponierten Stellen in der Umgebung, wo ich dann mit den ueblicherweise sehr sehr guten Autoradios Sender hoeren kann, die ich zuhause nie reinkriegen wuerde, und zwar auch bei einem Wetter, an dem man sich nicht freiwillig laenger draussen aufhalten will (man sitzt im Auto halt schoen im Trockenen). Und das ganze geht noch so nebenbei auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Auch das ist fuer mich immer schon ein Punkt Pro-Auto gewesen, auch wenn das fuer Nicht-DXer vielleicht laecherlich klingen mag.

Waere denn eine Mischung aus mehreren Dingen moeglich? Dass du z.B. in den Sommermonaten das Fahrrad nimmst und flexibel bist, in den Wintermonaten eher auf den Bus umsteigst und die mangelnde Flexibilitaet in Kauf nimmst? Wie sieht es mit Fahrgemeinschaften/Mitfahrgelegenheiten aus? Bietet zwar auch keine Flexibilitaet, aber waere zumindest hi und da eine Alternative zum Bus.

von Habakukk - am 22.10.2015 10:00
Die heutigen Plastikroller haben gegenueber Motorraedern einen entscheidenden Vorteil: Man wird von hochspritzendem Wasser von der Fahrbahn nicht nass und kann somit mit normalen Schuhen fahren. Wenn man die Knie eng zusammen nimmt und es von oben nicht wolkenbruchartig schuettet, dann wird nicht einmal die Hose nass. Nicht zu vergessen, dass eine beim Motorradfahren nass gewordene Hose auch immer eine schmutzig gewordene Hose ist! Vom vorausfahrenden Verkehr kriegt man mit einer ausreichend gross bemessenen Scheibe auch nicht mehr sehr viel ab. Bei den erzielbaren Geschwindigkeiten machen sich der erheblich hoehere Windwiderstand und die bei hoeherem Tempo entstehenden Windgeraeusche auch nicht uebermaessig stark bemerkbar. Hinsichtlich ihrer Unterhaltskosten sind die 50er Roller jedenfalls durchaus konkurrenzfaehig.

Der Vorschlag, eine weitere aber nicht ganz so steile Alternativstrecke zum Radfahren zu nutzen, ist auch nicht schlecht. Gibt es denn andere geeignete Stecken? 3 km schnelles Gehen sind in ~30 min sicherlich keine Zauberei - zumindest im Flachland! Wer im Gebirge gewandert ist, der weiss, dass er selbst auf gut ausgebauten Wegen erheblich weniger Kilometer schafft. Das sollte man als Urlauber und Hobbywanderer einkalkulieren, wenn man seine Tages-Wanderausfluege sonst nicht auch immer bis Mitternacht plant.

von PowerAM - am 22.10.2015 10:09
Faustformel: 300-400 Höhenmeter = 1 Stunde. 30 Höhenmeter wären also 6 Minuten... Höchstens, denn außer Atem kommt man da nicht so schnell...

von DH0GHU - am 22.10.2015 11:09
Ich ticke in dem Punkt ähnlich wie Habakukk. 24 km Weg mit 150 m Höhenunterschied + ca 50 m Sonderetappen dazwischen und ein öffentlicher Nahverkehr, der nicht alle Schichtzeiten abdeckt, machen das Auto unersetzlich. Versagt es, bleibt nur Fahrrad oder Urlaub. Motorradfahren habe ich aus Sicherheitsgründen nach 25 Jahren ad acta gelegt. Zu Dir:

In Deinem Fall halte ich das Fahrrad trotz der genannten Widerstände für die erste Wahl. Ich kann Dich nur ermuntern, das trotz der lästigen Steigung durchzuziehen. Das machte sogar mein Opa, wenn auch mit Absteigen und Schieben. Einen Regenkombi mit Leuchtstreifen solltest Du immer dabei haben, Handschuhe und Batschkapp/Helm nach Bedarf. Laufen als letzte Option bei Schnee und Sturm lassen mich neidisch werden. Denn zu meiner Fahrradhochzeit in Bremen hatte ich mich im Winter mehr als einmal auf die Brombel gelegt...

Dennoch, ohne Auto (sorry Rolf ;)) geht's in der Pampa manchmal gar nicht. Man will ja auch mal zu ungewöhnlichen Zeiten an Stellen, die mit Öffies + Fahrrad nur umständlich zu erreichen sind. Und ja, wenn es mal pressieren sollte, ist es gut, wenn man sofort losfahren kann und nicht erst auf ein Taxi warten muss. Dann möchte ich auch mal Sachen transportieren, die per Fahrrad nicht gehen (obwohl... der alte Thorens hat die 30 km auf dem Lenker auch überlebt. ;)). Das gibt mir ein Gefühl der Sicherheit.

Zugegeben, ein gewisses Freiheits- und Unabhängigkeitsgefühl ist auch präsent, wenn auch bei jedem unterschiedlich ausgeprägt. Aber die Kombis Auto + Musik oder Auto + Reisen setzen bei mir z.B. mehr Endorphine frei als vergleichbare Aktivitäten. Meine Fahrt zur Arbeit ist so gesehen immer ein Stück Urlaub. :sozusagen:

Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, ist die erwähnte kurze Lebensdauer bei reinem Kurzstreckenverkehr. Klar ist jeder Kaltstart ein Sargnagel mehr im Leben eines Kolbenmotors. Aber rechne mal so: du fährst täglich 2 x 3 km, ich 2 x 24 km, Anzahl der Sargnägel also gleich, km-Faktor 1:8. Ohne Extratouren wären das für 225 Arbeitstage in 10 Jahren bei Dir 13.500 km, bei mir 108.000 km. Will mir jemand mal erklären, warum das Hessenmobil Nord nach 13.500 km fertig sein soll, während mein Hessenmobil Süd nach 16 Jahren, also mehr Kaltstarts, und um die 180.000 km immer noch mit 0,1 l Öl/1000 km schnurrt? (Ziel sind 400.000 km deswegen nach Kaltstart nur 1.000 - 2.000 U/min. Roter Bereich bei 7.000 U/min).

Edit: Meine XL250 (4-Takter) hatte in 8 Jahren fast nur Strecken

von Erich Hoinicke - am 22.10.2015 17:33
Ein wichtiger Punkt den ich tatsächlich ganz vergessen hatte zu erwähnen. Die sozialen Kontakte und das Leben außerhalb der normalen Arbeitszeiten. Versucht mal am Wochenende in die Altstadt, Disco oder Feier zu kommen. Und vor allen dingen danach wieder nach hause. Mit den Öffis kann man das vergessen. Da heißt es dann entweder daheim bleiben oder hoffen das man jemanden findet der einen noch heimfahren kann. Der "Disco Bus" wurde ja nach nur wenigen Monaten wieder abgeschafft. Das war ein Sonderbus der in Saarlouis am zentralen Busbahnhof um 1 Uhr abfuhr. 1 Uhr! Wer fährt denn schon um 1 Uhr von der Disco oder der Altstadt nach hause?! Dementsprechend war das Interesse an dem Disco Bus und deshalb wurde er auch sehr schnell wieder eingestellt. :rolleyes:

Was ich schade finde ist die kurze Haltbarkeit von Motorrollern. Die Teile sind nur gut solange sie neu sind. Nach 2 Jahren sollte man schauen das man die Dinger schleunigst wieder verkauft. Dann fangen nämlich ruck zuck die ganzen Reparaturen an. Ärgerlicherweise sind da die teuren Markenroller (Piaggio, Peugeot, Aprilla und Co.) genauso betroffen wie die billigen Fernostdinger aus dem Baumarkt. Ich hätte ja gesagt hol dir einen Roller für den Sommer und ein Auto für den Winter. Aber gerade das längere Zeit stehen können Roller gar nicht leiden. Ich hab jetzt schon zwei von den Teilen in der Garage stehen die nicht mehr wollen. Bei dem einen ist die Membrane im Vergaser hart geworden bei dem anderen sind es nach nur 3 Jahren die Schläuche. Da sprießt der Sprit raus wie aus ner Gießkanne.

Deshalb würde ich mich der Empfehlung von Erich anschließen. Für die schönen Tage ein gutes Fahrrad mit dem du dich wohl fühlst. Nicht jeder kommt mit jedem Fahrrad klar. Leichte Fahrräder lassen sich zwar besser transportieren und sind einfacher auf hügeligen Strecken. Sie lassen sich aber auch wesentlich kippeliger und unruhiger fahren. Ich hätte das auch nie gedacht bis ich mal im örtlichen Fahrradladen ein paar unterschiedliche Modelle probe gefahren habe. Das könnte vor allem für dich interessant sein weil du ja sagtest das du ein paar Probleme mit dem Gleichgewichtssinn hast.

Für die schlechten Tage würde ich mir dann ein Auto zulegen. Irgendwas kleines günstiges was einem nicht die Haare vom Kopf frisst.

Einen Roller würde ich an deiner Stelle eh erst mal probe fahren. Wegen der kleinen Schubkarrenräder fahren sich die Teile nämlich alles andere als Brett stabil. Ich hatte bis jetzt noch keinen Roller gefahren (und von 50ccm bis 500ccm hatte ich schon alles durch) der sich auch nur halbwegs so ruhig und stabil fahren lässt wie ein richtiges Motorrad. Vor allem wenn man in die Kurve fährt und in dieser ist eine Bodenwelle kann einem auf dem Roller schon mal das Herz bis in die Schuhspitzen rutschen. :D Wenn man keinen so 100%igen Gleichgewichtssinn hat könnte das durchaus wichtig sein.

von Spacelab - am 22.10.2015 18:15
Daher mein Vorschlag mit dem Rollerneukauf alle 2 Jahre. ;) Membranen, die nicht mehr wollen, deuten auf Zweitakter. Die verzeihen dir keine zwei Monate Nichtbenutzung, du musst die Dinger monatlich anschmeissen und wenigstens 15 min tuckern lassen!

Ich habe heuer einen 1996er Kymco Hero 125 aus dem Freundeskreis aufgedrueckt bekommen, an dem praktisch alles im A*sch ist. Nur, weil damals ein Honda-Motor "von der Halde" verbaut wurde, versenke ich ueberhaupt Geld in dem Scheisshaus. Das Ding muss im kommenden Fruehjahr laufen, sonst schmeisse ich das Ding trotz Neuteilen in den Schrott.

Wie gesagt, fuer bergiges Land wuerde ich mir ein etwas spezielles Fahrrad bauen. Die Strecke ist schaffbar, die Distanz antrainierbar. Ich habe 22 km, die fuer einen alten (2002er) Smart gerade passen. Der ist dann warm, auch wenn ich ziemlich gefroren habe. Das Ding heizt kaum.

von PowerAM - am 22.10.2015 18:33
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten! Ich merke, dass ich noch einiges vergessen hatte zu erwähnen, oder was auch immer. Mir geht es derzeit allgemein nicht so gut, da passiert mir das leicht.

Ich wohne hier jetzt ein halbes Jahr, gemeinsam mit meiner Freundin, die das von der Oma geerbte Auto mitnahm - ich selbst habe ja keins. Mit diesem Auto wird auch sämtliche Freizeitmobilität abgewickelt, nur während sie arbeitet, da steht es nicht zur Verfügung. Um den Arbeitsweg geht es mir auch, um nichts anderes. Meine Eltern sind 40 Kilometer entfernt, der Kontakt ist aus beidseitig organisatorischen Gründen sporadisch - und Freunde im nahen Umfeld gibt und gab es nicht. Seit 2008 war mein Privatleben sowieso "heimatlos". Ich pendelte zwischen Heimat und Studienort, vom studentischen Abend- und Nachtleben bekam ich nichts mit, es bedeutete mir aber auch nichts. Private Fixpunkte hatte ich keine, kannte Gießen und das Umland aber schon ein wenig, durch meinen Vater, der dort beruflich unterwegs ist.

Mein Schlusssatz bezog sich - missverständlich! - also nicht auf den Umzug in diese räumliche Situation, sondern auf einen erneuten Umzug als (eigentlich unsinnigen) letzten Ausweg.

Habe ich mich freiwillig entschieden, auf dem Land zu leben? Ja und nein.

Meine Firma bezog vorrangig aus Kostengründen ein Gebäude auf dem Land, das von Gießen aus eher schwierig per ÖPNV erreichbar ist, auch wenn es nur 7 Kilometer Entfernung sind. Zum Zeitpunkt meines Umzugs war klar, dass das gemietete Firmengebäude keine Reserven für Expansion ließ, die Ortswahl barg also so oder so ein Risiko. Dass die Arbeit "zu mir hin" ziehen kann, ist glücklicher Zufall.

Zudem ist Wohnraum in Gießen, dieser übervölkerten Studentenstadt, rar und teuer, Stellplätze für Autos erst recht. Und da wir nicht wussten, ob meine Freundin am Wochenende früh zur Arbeit muss (im letzten Job musste sie das öfters) mussten wir Platz für zwei Autos verfügbar haben und auch das Budget dafür übrig lassen. Jetzt zahlen wir 550 Euro warm für 60 qm, für vergleichbares zahlt man in Gießen 700-800 Euro. Zudem sind wir Dorfkinder, die es gerne übersichtlich haben und sich in einem riesigen Wohnblock unwohl fühlen - wo vielleicht auch nicht jeder Respekt vor dem Eigentum der Nachbarn hat. Unser Mietshaus hat 6 Parteien, da klaut keiner, weil sich schnell herausfinden lässt, wer es war.

Ich schreibe noch ein wenig zu den Wegeverhältnissen hier, die ich ausführlich ausgekundschaftet habe und deshalb entsprechend beschreiben kann. Wer den idealen Fahrradweg auf meiner Verbindung sucht, findet ihn nicht. Es gibt ihn schlichtweg nicht. Ich beschreibe den Weg von der Wohnung ausgehend.

Zunächst gibt es drei Möglichkeiten, vom Hügelplateau herunterzukommen, also 25 Höhenmeter im ersten halben Kilometer.

Weg 1 ist mit gut 6% Gefälle, zwei schwer einsehbaren Kurven und einigen parkenden Autos am Rand sehr gefährlich, am Ende mündet er mit Stop-Schild in eine unübersichtliche Kurve der Hauptstraße.

Weg 2 zweigt auf dem Plateau ab, man fährt eine mäßig beparkte, geradlinige Gefällstrecke, die kurz vor der Einmündung steiler abfällt. Man muss der Hauptstraße auf mäßigem Gefälle ins Dorf hinein folgen.

Weg 3 macht einen großen Umweg durch eine großzügige Wohnstraße mit Parkbuchten, an Schrebergärten vorbei und schließlich eine schmale, dicht beparkte Nebenstraße im alten Dorfkern - er hat Abschnitte mit 4% Gefälle, einziger Vorteil ist recht wenig Verkehr.

Die Hauptstraße im Dorf selbst ist nicht ohne, auch wenn sie nur innerörtlichen Verkehr trägt und auf Tempo 30 beschränkt ist. Sie ist vielleicht 5 Meter breit, an einer Stelle noch deutlich schmaler, oft muss man Slalom um die parkenden Autos fahren. Zu Weg 2 befährt man sie ein kurzes Stück, das man auf dem schmalen Bürgersteig aber kaum schieben kann, für Weg 1 und 3 muss sie länger befahren werden. Es gibt genau diese drei Wege, weil man eine Bahnstrecke queren muss.

Weg 1 ist der Standardweg fürs Auto, und auch zu Fuß, weil es außerorts einen ausreichend breiten Bürgersteig gibt. Innerorts ist er leider sehr schmal. Ab dem Bahnübergang auf der Kuppe gilt Tempo 50 und es geht auf einer großzügigen Ortsverbindungsstraße weiter. Auch Komoot empfiehlt die Strecke. Ihr Haken: Die steilen Abschnitte mitten im Verkehr, wegen denen ich sie auch meide, ich habe bergauf einfach zu viel Angst. Der Bürgersteig wäre nicht nur illegal, sondern auch wegen hoher Bordsteine mehrerer Einmündungen unpraktikabel. Es geht erst 15 Höhenmeter runter, dann eine Weile eher flach, dann am besagten Gewerbegebiet vorbei und ganze 25 Höhenmeter hoch zur Hauptstraße.

Weg 2 ist die ruhigste Fahrradstrecke, aber auch nicht ohne! Zunächst in eine enge Sackgasse und dann durch eine kleine Unterführung schieben, auf der anderen Seite dann seitlich einen kleinen Abhang herunter. Ab hier gibt es nur Schotterpiste, gut 2 Meter breit und mit leichtem Gefälle. Zunächst schnurgerade, folgen nach einer Unterführung zwei unübersichtliche 90-Grad-Kurven und eine Flussbrücke aus Holz, weiter geht es auf Schotter bis zur Einmündung in einer Kurve im Gewerbegebiet - wo zukünftig auch meine Firma wäre.

Weg 3 hat gemäßigteres Gefälle und ist 1 Kilometer länger. Man kommt aus dem Wohngebiet, fährt aber aus dem Ort raus. Ortsverbindungsstraße mit 50 und einseitigem Bürgersteig, parallel zur Bahn. 500 Meter gemäßigtes Gefälle und eine Kurve, aber den Verkehr nicht unterschätzen - hier fährt mein Dorf (2000 Einwohner) zur A5! Ein steiler Asphaltweg führt runter zum Bahnhaltepunkt, hier ist ein Feldwegübergang. Ich bin noch nicht dort gefahren, aber die nächsten paar hundert Meter sehen verdächtig grün aus auf Google Earth. Ein halber Kilometer Schotter bis zur in Weg 2 benannten Holzbrücke.

Jetzt liegen noch 1,5 Kilometer vor mir, gleich ein kurzer, steiler Aufstieg zu einer stark befahrenen Hauptstraße, die ich verzweifelt versuche zu meiden. Da dies aber nur durch zwei mit einer steilen Behelfsstraße verbundene Wohnsiedlungen am Hang geht, bedeutet das insgesamt 15 Meter hoch und 15 Meter runter zusätzlich.

Ich könnte jetzt noch viel mehr schreiben, weil ich aber hiermit schon den halben Abend verbracht habe und ziemlich fertig vom Tag bin, belasse ich es erst einmal dabei. Ich denke, das genügt erst einmal.

von Hagbard Celine - am 22.10.2015 21:23
Bis auf den Abschnitt mit Schotterpiste klingt Weg 3 am besten. Strecke ist beim Radfahren laengst nicht das Hauptkriterium! Steile Abschnitte sind laestig, gemaessigte Steigungen fallen mir leichter. Abwaerts ist es egal, sofern es nicht zu steil wird und die Bremsleistung des Fahrrads an ihre Grenzen bringt. Dafuer lese ich zwischen den Zeilen heraus, dass Weg 3 auch eine erholsame Ausstrahlung hat. Ich schaetze sowas, es gibt einem Zeit zum Durchatmen und vielleicht auf dem Heimweg schon erste Momente der Entspannung.

von PowerAM - am 23.10.2015 04:49
Zitat

Steile Abschnitte sind laestig, gemaessigte Steigungen fallen mir leichter.

Das ist bei mir genau anders herum. Kurze steile Abschnitte kann ich dank guter Gangschaltung relativ leicht bewältigen. Lange gemäßigte Steigungen machen mich aber total schlapp und ziehen mir in die Beinmuskeln.

von Spacelab - am 23.10.2015 07:19
Ok, unter den Voraussetzungen bin ich 1x mehr fuer die Kombi Fahrrad (Sommer) + Bus (Winter, Schlechtwetter).

Mach doch mal folgendes: schau mal in ein Fahrradgeschaeft in deiner Umgebung und probiere einfach mal ein paar verschiedene Fahrraeder aus. Lass dich dort vernuenftig beraten. Es macht in Punkto Fahrsicherheit wirklich unheimlich viel aus, welches Fahrrad man hat! Auch Schotterpisten sind dann ueberhaupt kein Problem, im Gegenteil. Ich wuerde nicht mit einem wackligen Klapprad(!!!) tagtaeglich zur Arbeit fahren wollen (wahrscheinlich noch mit nur 1 Gang).
Lass dir auch Raeder mit Elektromotor zeigen, die sind heutzutage gar nicht mehr so schwer und so klobig, wenn du wegen der Steigungen Bedenken hast.

Versuch nochmal zu klaeren, ob du bei euch daheim ein Fahrrad so unterstellen kannst, dass du es nicht tagtaeglich irgendwo rauf- oder runterwuchten musst. Red nochmal mit Vermietern/Nachbarn (deine Nachbarn haben ja evtl. aehnliche Probleme, was machen die?).

Und zu guter Letzt: nimm das bisschen Unflexibilitaet in Kauf, wenn du mit dem Bus faehrst. Du hast immerhin eine Verbindung JEDE Stunde(!!!!), halleluja!!!! Bei uns muss man froh sein, wenn man 3x am Tag weg kommt. Und ich persoenlich waer froh, wenn *ueberhaupt* ein Bus auf meiner Arbeitsstrecke fahren wuerde.

von Habakukk - am 23.10.2015 07:35
Klappräder sind nur für Sonderfälle interessant. Ein Freund von mir muss zum Beispiel eine Teilstrecke mit der Bahn zurücklegen und da ist so ein Teil praktisch weil er es absolut problemlos mit in den Zug mitnehmen kann. Am Zielbahnhof angekommen klappt er das Fahrrad auseinander und fährt das letzte Stück bis in die Firma. Obwohl das ein sündhaft teures Klappfahrrad ist, ist es absolut kein Vergleich zu einem richtigen Fahrrad.

von Spacelab - am 23.10.2015 08:07
Wenn es klein genug ist, dann ist ein Falt- oder Klapprad ggf. nur "Gepaeck" und braucht in der Bahn keine Fahrradkarte. Auch Wohnmobilisten wissen diese platzsparenden Dinger zu schaetzen. Im konkreten Fall wuerde ich mir aber ein MTB nach meinen Beduerfnissen umbauen (lassen).

von PowerAM - am 23.10.2015 08:36
Also wenn umziehen nicht in Frage kommt, würde ich es auch zu Fuß versuchen. Das Problem ist aber eben, dass es gerade jetzt im Herbst / Winter immer dunkel und neblig ist. Da müsste man gucken, dass der Weg wirklich sicher ist. Spass macht es aber gerade jetzt in der dunklen Jahreszeit nicht so wirklich, wenn es möglicherweise nasskalt ist, oft regnet und irgendwann auch ggf. noch Eis und Schnee dazukommen. Da sin die nächsten Erkältungen vorprogrammiert.

Ansonsten würde ich auch mal ein Taxi in Erwägung ziehen. Vielleicht kannst du nachmittags laufen und morgens mit dem Taxi fahren. Das wird nicht die Welt kosten und wenn du mit dem Taxiunternehmen verhandelst, dass du jeden morgen fährst kannst du vielleicht einen Festpreis ausmachen z.B 100 EUR im Monat oder so. Das wäre bequem, sicher und vor allem schnell und wäre weitaus billiger als ein Auto oder Elektorfahrrad, was ja neben dem Anschaffungspreis auch noch Strom kostet.

Ansonsten frage doch mal deine Arbeitskollegen ob dich nicht jemand der in der Nähe wohnt mal ab und zu oder sogar täglich mitnehmen kann. Das wäre sicherlich keine grosse Sache und wenn du dich an den Kosten beteiligst wüsste ich nicht warum das nicht gehen sollte.

Ansonsten ein einfacher klappbarer Scooter (früher Roller) bringt auch eine gewissen Zeitersparnis. Gut, bergauf nicht so der Brüller, aber runter machts bestimmt Laune.

von zerobase now - am 23.10.2015 11:26
Thema Winter/Kälte/Erkältungen: Auf dem Fahrrad (Pussy-Fahrräder mit Motörchen zählen nicht!) friert man, richtig bekleidet, insgesamt viel weniger als auf einer winterlichen Kurzstrecken-Autofahrt (Luxus-Lösungen wie Standheizung mal ausgenommen). Wenn ich nach meiner morgendlichen Radfahrt im Geschäft ankomme, habe ich warm und mir reicht dann auch im Winter ein T-Shirt, während die Auto-Kurzstreckenpendler dank Null Bewegung in ihren dicken Pullis weiterfrieren und vom eisigen Lenkrad kalte Hände haben.

Die ersten, die in meinem Umfeld jeweils erkältet sind, sind diejenigen, die sich nie Wind und Wetter aussetzen. (Auffallend oft auch die, die jedes Jahr zur Grippeimpfung fahren. ;))

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 24.10.2015 05:27
Ich als Gerne-Auto-Fahrer sage: Velo™ oder zu Fuß. Einen Vorteil eines Stinkerollers gegenüber dem Fahrrad kann ich nicht sehen. Im Gegenteil: Auf dem Fahrrad wird einem warm. 3km kann man auch laufen, auch wenn es etwas dauert. Im Winter evtl. eine Option zum Fahrrad, wenn man unsicher ist. Und sonst: Üben, üben, üben.

von Japhi - am 24.10.2015 06:49
Wenn etwas einer Ideallösung am nächsten kommt, dann ist es das Elektrofahrrad. Nur bekomme ich das mit seinem Gewicht nicht in den 2. Stock hoch oder in den Keller runter. Sowieso wäre es kein zumutbarer Zustand, weil ich nach jedem Regenschauer erstmal hinterher putzen müsste. Ich habe vor, die Sache mit der Hausverwaltung zu klären, suche vorher aber noch miet- und verkehrsrechtlichen Rat. Die Nutzung des Kellers ist zwar nicht näher beschrieben, die Aufstellung von Fahrrädern jedoch ist im Treppenhaus und Vorplatz ausdrücklich verboten, viel anderes bleibt mir nicht übrig. 4 der anderen 5 Mietparteien besitzen eine Garage und können ihre Fahrräder theoretisch dort abstellen.

Umziehen wäre wirklich die letzte Option. Es wäre ein immenser Aufwand, alleine schon eine passende Wohnung zu finden ist hier nicht leicht. Ich müsste meinen Kabelanschlussvertrag wahrscheinlich sonderkündigen lassen und würde meine Mobilitätssituation eher verschlechtern als verbessern. Möglich, dass ich dann mehrere 100 Euro im Monat draufzahlen müsste, entweder an Miete oder für ein zweites Auto, auf das ich dann auch bei Schnee und Eis angewiesen wäre.

Zur Wahl des idealen Fahrrads:

Das Faltrad ist ein Kompromiss, damit ich es in den Keller und wieder heraus bekomme - das ist mir selbst klar. Einerseits ist es flink und wendig, andererseits merke ich schon die gewisse Labilität, die mir gerade am Berg auf die Füße fällt. Denn bei vollem Krafteinsatz, womöglich stehend, sind die Gleichgewichtsprobleme am schlimmsten.

Ich bin noch kein gut abgestimmtes Mountainbike gefahren, vielleicht fährt sich das tatsächlich stabiler als mein altes ungefedertes Trekkingrad mit zu tiefem Rahmen, das ich inzwischen versetzt habe. Das sicherste Gefühl hatte ich auf einem etwas älteren Damenrad, das ich im Urlaub auslieh, es fuhr sich erstaunlich gelassen. Ob diese Sicherheit für den Feierabendverkehr ausreicht, wage ich trotzdem zu bezweifeln.

Zur Wegesituation:

Weg 1 dürfte außerorts unbeleuchtet sein, wobei ich mich sogar irren könnte. Er vermittelt jedoch immer noch ein grundlegendes Sicherheitsgefühl, da man auf einem breiten Bürgersteig läuft und stets geradeaus auf das (erleuchtete) Ziel zu läuft. Durch die parallel verlaufende Straße ist es auch nicht besonders einsam.

Weg 2 ist bei Dunkelheit tatsächlich nicht ohne, er ist komplett unbeleuchtet und führt mitten durchs freie Feld. Zusätzlicher Aspekt: Mit einer Räumung im Winter rechne ich hier genauso wenig.

Weg 3 muss ich inzwischen nach einer Begehung als nichtig ansehen. Der scheinbare Grasweg verendet in einer Lichtung hinter ein paar Gartengrundstücken. Die Begehung sorgte für äußerlich nasse Schuhe, als Alltagsweg also eh unbrauchbar. Die praktikable Alternative führt mitten durch den Nachbarort, der gesamte Umweg verlängert sich auf gut 1,5 km inklusive einer schon als Autofahrer gefährlich engen Ortsdurchfahrt mit vielen parkenden Autos.

Zur Tatsache des Laufens zur Arbeit:

Natürlich ist es problemlos möglich und strengt mich erstaunlicherweise auch kaum an. Nur kotzt es mich immens an, dass ich einen längeren Arbeitsweg habe als in der Zeit, als ich mit dem Auto meiner Mutter zur Arbeit fuhr, weil mein Vater (der mich sonst mitnahm) inzwischen in Rente und mein Semesterticket abgelaufen war. Das waren 40 Kilometer und ich brauchte hin und zurück etwa eine Stunde. Jetzt kann ich für 3 Kilometer 1 1/2 Stunden rechnen. Bei einer beschissenen Zeitorganisation, einem 8-Stunden-Tag und einer aufmerksamkeitssüchtigen Freundin kann man das nicht auch noch brauchen.

@zerobase now:

Interessante Ansätze. Was das Taxi angeht, zum neuen Standort käme ich morgens per Schulbus zu einer nahen Schule oder um viertel vor 8 mit einem Anruflinientaxi. Den Rückweg müsste ich dann aber zu Fuß bewältigen. Die Kollegen mit passender Zeitlage wohnen leider in der falschen Richtung. Der Stromverbrauch eines Pedelec sollte deutlich unter den 40 Euro für die Monatskarte liegen, die Gefährte haben einen 250-Watt-Motor, den Rest kannst du selbst rechnen.

Ein Tretroller hätte für mich kaum Vorteile. Die "ausgewachsenen" Exemplare sind sehr sperrig und lösen somit das Kellerproblem nicht, außerdem muss ich auf den Bürgersteig und der ist oft zu schmal. Bei den kleinen traue ich der Bremsleistung nicht. Ich müsste ja auch im starken Gefälle spontan anhalten können, wenn mir ein Fußgänger in die Quere kommt.

@Rolf:

Ich habe zum Glück ein erstaunlich stabiles Immunsystem. Die fieseste Erkältung seit mindestens einem Jahr hatte ich aber nach zwei Tagen, an denen ich bergauf durch die pralle Nachmittagssonne gefahren bin und mir, recht bald durchgeschwitzt, einen üblen Zug geholt haben muss.

von Hagbard Celine - am 24.10.2015 06:59
Wege ohne Strassenbeleuchtung sind hier ebenfalls keine Seltenheit. Innerorts ist zwar fast jede Strasse beleuchtet, zwischen Mitternacht und 5 Uhr laesst man nur noch jede zweite oder in manchen Strassen auch nur jede dritte Laterne an.

Gutes Fahrradlicht bedeutet heute LED-Scheinwerfer und -Ruecklicht. Die "Standlichtfunktion" bringt je nach Produkt mindestens eine Minute Licht auch im Stillstand. Nabendynamos laufen leicht und sind wetterunempfindlich. Zusaetzlich koennte man eine LED-Akkuleuchte montieren. Vom Halter genommen ist sowas auch eine gute Taschenlampe! Nicht am abgestellten Fahrrad vergessen, sonst ist sie weg!

Aufgeweichte und schlammige Wege machen keinen Sinn. Sieh' nochmal nach, ob sich nicht doch ein fahrbarer Weg findet!

Als letzter Gedanke: Wenn Witterung und Wegzustand das Radfahren nicht mehr erlauben, dann kannst du noch laufen. Insofern kaeme das Radfahren einer Belohnung gleich und wuerde motivieren, moeglichst viel bzw. lange im Jahr zu radeln.

Wie bereits empfohlen, lass' dir ein passendes Fahrrad bauen! Das faengt bei der richtigen Rahmengroesse an, geht bei ergonomisch eingestellter Sattel- und Lenkerhoehe weiter und reicht bis zu sinnvoller Zusatzausstattung. Gerade fuer schlecht beleuchtete Wegstrecken kann man nie genug Licht haben! Licht gibt Sicherheit!

von PowerAM - am 24.10.2015 07:46
Meine vorläufig letzten 2 subjektiven Cents zum Thema Elektrofahrrad:

Ein E-Bike kann man kaufen, wenn man 70 ist. Die Billigteile, die mittlerweile allgegenwärtig sind, schaffen es knapp, mit ihrem lächerlichen Motörchen das eigene Zusatzgewicht auszugleichen. Die lasse ich bergauf locker hinter mir. Auf geraden Strecken und bergab sowieso.

Wenn schon ein E-Bike, dann müsste es eines mit leistungsfähigem Motor und entsprechendem Akku sein. Die spielen dann aber preislich und gewichtsmässig in einer anderen Liga. Ob sich das wirklich lohnt für eine so kurze Strecke? Anstieg hin oder her... das ist nur eine Frage des Trainings! Am Anfang wird es schwerfallen und Muskelkater geben, aber das ist bei jedem Sport so, den man neu anfängt.

Auf einem nichtmotorisierten Velo™ hast du übrigens meiner Ansicht nach die viel bessere Kontrolle über das Fahrzeug als auf einem Gefährt mit Hilfsmotor. Da das bei dir anscheinend ein wichtiger Punkt ist, solltest du vor dem Kauf eines E-Bikes auf jeden Fall ausgiebige Probefahrten machen.

Zitat
Hagbard Celine
Zur Tatsache des Laufens zur Arbeit:

Natürlich ist es problemlos möglich und strengt mich erstaunlicherweise auch kaum an. Nur kotzt es mich immens an, dass ich einen längeren Arbeitsweg habe als in der Zeit, als ich mit dem Auto meiner Mutter zur Arbeit fuhr


Du hast vielleicht nur die falsche Einstellung dazu. Du siehst es als verlorene Zeit an, aber das ist es nicht. Es ist Sport, Freizeit, frische Luft, Zeit zum Radio oder Podcasts hören, Zeit zum Nachdenken, und und und...

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 24.10.2015 07:48
Es ist ja auch immer eine frage der persönlichen Einstellung. Ich bin morgens so platt das ich es kaum in die Wanne zum duschen schaffe. Und wenn ich dann noch, eh schon fröstelnd, das Fenster raus schaue und es schifft oder ist nebelig ohne Ende und ich müsste dann noch ein gutes Stück zu fuß latschen, würde ich :kotz: eimerweise.

von Spacelab - am 24.10.2015 07:56
Stimmt! Mit einem Taschenradio vom Schlage der Tecsun-Schachteln kann man selbst morgens laufenderweise ueber das Band kurbeln. Als ich jahrelang ~1 h je Strecke mit dem Auto pendelte, gehoerte das zu meinen Beschaeftigungen.

Ein Freund faehrt, solange es das Wetter erlaubt, mit dem Motorrad zum Arbeitsort. Er sieht es auch so, dass er damit an jedem Arbeitstag schon ~1,5 h eines seiner Hobbys geniessen konnte. Das Motorrad ist ein Stueck Freiheit, man ist nah an seiner Umgebung dran. Er sieht das Autofahren bei Winterwetter als Strafe und steigt erst bei Schnee und Eis ins Auto.

von PowerAM - am 24.10.2015 08:01
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