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Folgen der EZB-Zinspolitik

Startbeitrag von PowerAM am 11.03.2016 06:19

Mit der gestrigen Entscheidung zur erneuten Leitzinssenkung hat die EZB unsere Altersvorsorge eliminiert. Wer noch irgendwas angelegt hat, das Zinsen bringen sollte, der sollte umgehend reagieren. Das werden allerdings auch alle anderen Spekulanten tun und kuenftig mehr in Immobilien, Bodenschaetze und Geschaeftsbeteiligungen investieren. Kommentatoren brachten den treffenden Begriff der "Heuschreckeninvasion", gegen die sich insbesondere der Mittelstand nur wehren kann, wenn er alleiniger Halter seines Unternehmens ist und damit externen Beteiligungen die Tuer versperrt hat. Um langfristige Renditen zu geniessen, wird der Ansturm auf Immobilien zunehmen, der Wettbewerb wird bis zum Platzen dieser Blase haerter. Mieter sollten sich schon jetzt auf deutlich steigende Mieten einstellen. Zugleich wird sich der Markt fuer private Immobilieninteressenten ein Stueck weit schliessen. Sie werden auf lange Sicht nicht mit Grossinvestoren konkurrieren koennen.

Unter dem Strich werden wir auch bald wieder hoehere Kosten im Geldverkehr bekommen. Von den Negativzinsen ist nun langsam jede Bank betroffen - und wird sich die dort entstehenden Kosten bei ihren Kunden zurueck holen. Es wuerde mich nicht wundern, wenn die von einigen angebotene kostenlose Kontofuehrung bald ein Ende hat und man wieder fuer jede Ueberweisung, jede Kartenzahlung und jede andere Kontobewegung Gebuehren zahlen wird.

Um den Kreis zu schliessen und zum Eingangssatz zurueckzukehren: Die private Altersvorsorge ist, sofern man nicht ausschliesslich in Sachwerte investiert hat, fuer'n A*sch. Riester- und Ruerup-Modelle haben damit ausgedient. Wer darauf gesetzt hat, der kann jetzt nur noch Schadensbegrenzung betreiben.

Dieser 10. Maerz war in meinen Augen einer der finstersten Tage, die unsere Zukunft bestimmen. Seine Folgen werden freilich erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten zu spueren sein. Altersarmut, eine irgendwann platzende Immobilienblase und totale Marktverwerfungen im Investmentgeschaeft sind nur ein paar Stichpunkte.


Entsetzt bin ich allerdings, dass der Aufschrei in den Medien weitgehend ausgeblieben ist. Ich vermute hier ganz stark, dass der Verhaltenskodex unserer Leitmedien die Diskussion darueber ausblenden soll.

Antworten:

"Seine Folgen werden freilich erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten zu spueren sein."

Zusammen mit der "Schutzsuchenden-Herausforderung" wird das zu einer weiteren Stärkung des rechten Lagers in allen Staaten der EU führen (nicht nur in Osteuropa). Am Ende könnte die Abschaffung der EZB, wenn nicht gar der EU selbst, stehen.

Zwei Tage vor den Landtagswahlen versuchen "die Medien" natürlich, dieses Thema zu deckeln.

von hegi_ms - am 11.03.2016 09:20
Ich denke auch, dass die bevorstehenden Landtagswahlen fuer einige Ueberraschungen gut sind. Die Ergebnisse aus Sachsen-Anhalt sollten recht gut die Stimmung im Beitrittsgebiet abbilden.

Zwar sollte man auf Stammtischdiskussionen nicht uebermaessig Gewicht legen, es herrscht vielerorts aber eine Allgemeinunzufriedenheit, die bei den naechsten Wahlgelegenheiten sowohl das Lager der Nichtwaehler staerken als auch den Wunsch nach einer Abrechnung mit den bisher Regierenden mehren wird.

Was mich aber viel mehr aergert: Mit der EZB-Zinsentscheidung beginnt eine ausgesprochen starke Umverteilung der noch vorhandenen Finanzkraft der Buerger an Grossindustrielle und Spekulanten, abzueglich dessen, was sich der Staatshaushalt davon an Steuern und Abgaben nimmt. Die Kernaussage ist also, dass sich jegliches Sparen nicht mehr lohnt, sondern kuenftig bestraft wird, indem Ruecklagen der Sparer ohne dessen zutun weniger werden.

von PowerAM - am 11.03.2016 09:52
Jetzt weiß man auch, woher der Wind mit der Bargeldabschaffung weht, von der seit einiger Zeit in den Medien gefaselt wird: Wenn die Zinsen negativ sind, kann man sein Geld besser von der Bank holen und zu Hause unter der Matratze aufbewahren. Das wollen die Banken natürlich verhindern.
Übrigens müsste auch Draghi auffallen, dass die Banken auch bei Krediten die niedrigen Zinsen kaum weitergeben. Wie könnten sie auch, wenn sie jetzt für Einlagen bezahlen müssen? Irgendwie müssen die ja auch ihren Schnitt machen. Wenn jetzt keiner mehr Geld bei der Bank anlegt, müssen Kredite verteuert werden. Außerdem sieht man jetzt auch in Deutschland eine Explosion der Immobilienpreise, weil die Wohlhabenden krampfhaft Anlagemöglichkeiten suchen. Nur: Wer soll eine Wohnung mieten, die 12 Euro pro m² Miete kostet? Normalsterbliche wohl kaum. Also wird auch die Immobilienblase platzen. Der nächste große Crash ist schon in Wartestellung.

von Bolivar diGriz - am 11.03.2016 10:16
Mein Versicherungsmensch sagt:
"Aufgrund des Wertverfall Deines Geldes sollte uns die Auszahlung Deines eingezahlten Geldes nicht schwer fallen."

Noch Fragen?

von pomnitz26 - am 11.03.2016 12:59
Lasst Euer Geld doch einfach beim Finanzamt... :D
Die zahlen nämlich immer noch 6% Jahreszins (0,5% pro Monat) auf ihre Schulden.
Daher habe ich zum Jahreswechsel gerade mal meine Steuererklärung für 2011 abgegeben und bekomme Zinsen für 4 Jahre obendrauf.
Hätte ich das Geld schon vor 4 Jahren bekommen und zur Bank getragen wären es 0,025% Zinsen...

von iro - am 11.03.2016 13:35
Ich kann Draghi's Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen. Ich sehe keinen einzigen Grund, den Leitzins zu senken. Ich hoffe, der Typ ist bald weg.
Als wären die Zinsen in den letzten Jahren nicht schon erbärmlich genug gewesen...
Geld anlegen lohnt sich jetzt gar nicht mehr. Ich werde mein Geld jetzt nicht anlegen, sondern unterlegen. Und zwar unter mein Bett. Ist wohl das Sinnvollste :rolleyes:
Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer und die Politik schaut nur zu.

von DX OberTShausen - am 11.03.2016 16:57
Lest doch mal nach, was der Herr Draghi vorher so alles gemacht hat und zieht Schlüsse ;-)

von Japhi - am 11.03.2016 18:18
Besonders viel gesenkt wurde der Leitzinssatz natürlich auch nicht mehr ;-) . Nun, die Staaten suchen sich zu entschulden, man könnte resigniert sagen "immerhin ist es nicht Krieg". Oder doch?
Das ist das Ende einer Entwicklung die in der alten Bundesrepublik schon gute 40 Jahre läuft. Und jetzt zahlen wir :-( .

von Thomas (Metal) - am 11.03.2016 21:20
Wunderbar. Erst Ende letzten Jahres hab ich ne Stange Geld in Investment Fonds investiert. Heißt das jetzt, dass ich den Vertrag lieber auflösen soll? Ich will zuhause eigentlich kein Bargeld bunkern. Das verleg ich ja doch bloß.

von PhanTomAs - am 12.03.2016 00:42
Lass dich ggf. beraten! Fonds, die in reale Sachwerte oder in (hoffentlich) verlaessliche Unternehmensbeteiligung investieren, bleiben weiterhin eine Alternative zur Anlage im klassischen Kapitalmarkt. Wenngleich bei einem hoeheren Anlagerisiko.

von PowerAM - am 12.03.2016 07:08
Grundsätzlich bin ich für die Intervention der EZB, um den Markt mit Geld zu schwemmen. Das aber kann nur kurzfristig so bleiben und keine Dauerlösung sein. Von daher würde ich auch nicht von einer "Enteignung der Sparer" sprechen.

von Alqaszar - am 13.03.2016 22:43
Zitat
Alqaszar
Grundsätzlich bin ich für die Intervention der EZB, um den Markt mit Geld zu schwemmen. Das aber kann nur kurzfristig so bleiben und keine Dauerlösung sein. Von daher würde ich auch nicht von einer "Enteignung der Sparer" sprechen.

Wovon genau würdest du denn dann sprechen, wenn das Ersparte auf dem Konto eher weniger als mehr wird, gleichzeitig aber eine Inflation künstlich am Leben erhalten wird?

von Habakukk - am 14.03.2016 07:49
Wozu eine künstliche Inflation? Die ständig steigenden Beiträge zur Sozialversicherung sorgen doch schon dafür, dass man weniger "netto für brutto" bekommt. Bemessungsgrundlage für die Krankenversicherung ist übrigens immer noch das Arbeitseinkommen bzw. eine Lohnersatzleistung (z.B. Rente), aber nicht Einkommen aus Vermietung usw. .

von hegi_ms - am 14.03.2016 09:13
Das ist ja auch ein Ammenmärchen, dass die Deutschen von den Banken gerne schlucken: Altersvorsorge sei weg! Warum, wegen niedriger Zinsen? Wohl kaum, die Altersvorsorge ist in erster Linie die Rente. Dass diese insbesondere von der SPD immer weiter zerstört wurde scheint erstmal keiner so zu registrieren wie eine Phase von Niedrigzinsen dies medienwirksam tut, trotzdem ist es leider so. An die üppigen Pensionen traut man sich ja nicht ran.

Wer nun ein Vermögen für sein Alter anspart kann froh sein, wenn ihm dies neben den trotzdem weiter fälligen teuren Rentenzahlungen gelingt. Aber warum erwartet man so selbstverständlich Zinsen dafür? Die Zinsen müssen wiederum andere Leute erwirtschaften. Der letzte 50er, dem ich eine Schippe zum Geld erarbeiten hinlegte, hat sich nicht gerührt. Riester und Rürup habe ich mir gleich geschenkt, hätte eh in erster Linie Banken- und Kreditinstitutsfinnazierungen geleistet. Warum auch noch mehr von seinem Netto abgeben?

Die Frage und Tatsache einer Art negativen Zinses gab es auch schonmal: http://www.zeit.de/2010/52/Woergl . Es war ein Erfolg, der seinesgleichen sucht. Durch die daran aber nichts mehr verdienenden Finanzinstitute war das Verbot absehbar. Ein berühmtes Zitat Henry Fords ist: "Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh." - Ist ja auch logisch, woher kommt denn das Geld und insbesondere die Zinsen. Banken können Geld verleihen, ohne es tatsächlich zu besitzen. Der Ausleiher muss dafür aber tatsächliches Geld in Form von Zinsen erwirtschaften, welches wiederum woher kommt?

Also, dass Niedrigzinsen grundsätzlich schlecht seien, ist einfach eine Mär, die der gemeine Bürger schlucken und vertreten soll. Warum allerdings, erschließt sich einem nach genauerem Hinterfragen nicht. Nur wer Vermögen anspart und es nicht ausgibt oder investiert wird sich damit mit der Zeit weniger leisten können, da es noch Inflation gibt. Aber Inflation soll ja nun doch wieder gut sein, da man dann investiert, Deflation sei doch das Schreckgespenst, da Leute dann nichts ausgäben. Wo ist der Widerspruch?

Was iro vorgeschlagen hat, habe ich ebenso erfahren und war überrascht. Dumm nur, dass auf die nächsten 50 Euro abgerundet wurde :)

von CBS - am 14.03.2016 10:30
Zitat
Japhi
Lest doch mal nach, was der Herr Draghi vorher so alles gemacht hat und zieht Schlüsse ;-)


So isses, aber interessiert ja niemanden :bloed:

von hg - am 14.03.2016 12:43
Ja der Herr Draghi....der Goldmann Sachsler Bankier !!

Ein Schaf reguliert und hütet die Schafherde Finanzmarkt..... NOCH Fragen ??Das ist genau so als würde ein heftiger Alkoholiker zuständig sein in der Schnapsausgabe der Suchprävention.

von Starsailor001 - am 15.03.2016 17:44
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