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Brexit

Startbeitrag von Anonymer Teilnehmer am 23.06.2016 18:31

Ich bin dafür!

Die 50 interessantesten Antworten:

The British are much too rational and pragmatic to leave the EU. They are not in it with their hearts, and they do not feel like they belong to the continent. But aside from all that "Evil Brussels"-bullshit, being member of the EU had some big advantages, chiefly in politics and economics, but also in cultural, educational and science. So the vote will be in favour for "remain".

von Alqaszar - am 23.06.2016 19:05
Kann man überhaupt austreten? Auch als Nicht-Mitglied muss man sich an die EU-Regeln halten, Verordnungen umsetzen, ggf. (Kohäsions)Zahlungen leisten... man ist, um "existieren" zu können, weiterhin an die EU gebunden, nur mit dem Unterschied, nicht aktiv mitbestimmen zu können.
Beispielartikel:

https://de.wikipedia.org/wiki/Koh%C3%A4sionsmilliarde#Grunds.C3.A4tze_und_Formen_der_Zusammenarbeit

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Der-Schweiz-droht-neue-Milliardenzahlung/story/10233602)

von WellenJäger - am 23.06.2016 20:04
Natürlich kann man austreten, laut Vertrag wären es in dem Falle wohl 2 Jahre! An irgendwelche regeln muss man sich ersteinmal nicht halten, es würde aber wohl drauf hinauslaufen dass man um bilaterale Handelsabkommen mit der EU zu schließen diese dann doch wieder Anwendung finden würde und man dann eben kein Mitspracherecht zu haben.

Mir geht es um die Signalwirkung dieser gigantische und teure Verwaltungsappatat Brüssel muss gestoppt werden und würde hoffentlich Nachahmer finden: Stichwort Swexit.

Persönlich glaube ich aber dass das UK drinbleibt, würde meinen den Stirlings auf meinem UK-Konto auch besser bekommen.

von Anonymer Teilnehmer - am 23.06.2016 22:22
Zitat
DLF
+++ 05:57 +++ In Nordirland kündigt die Sinn Fein-Partei an, sie wolle nun die Anstrengungen für eine Vereinigung mit dem benachbarten Irland intensivieren. Schottland sieht sich nach den Worten von Regierungschefin Nicola Sturgeon seine Zukunft als Teil der EU.


von Japhi - am 24.06.2016 05:31
Ein weiteres Beispiel für: Wenn einem etwas nicht paßt blockiert man anstelle Lösungen zu finden und letztlich läuft man davon.
Die Zukunft von England (ja genau, nur die, wenn GB dann zerfallen ist wie Jugoslawien) wird zeigen, ob das von Erfolg gekrönt ist. Ich vermute mal nein. Warum sollte die EU jetzt GB nachgeben beim Austritt und Prozesse z. B. beim Zoll einräumen wie sie Mitgliedsstaaten haben?
Da haben einige zu viele offenbar den Schuß nicht gehört.

von Thomas (Metal) - am 24.06.2016 06:19
Zu anderen Zeiten hätte ich über das Ergebnis frohlockt, weil die blockierenden Briten Engländer mit dem dem Geist der EU widersprechenden Britenrabatt endlich raus sind und man über eine Vertiefung der Union unter demokratischen!! Vorzeichen reden könnte.

Aber die Zeiten sind anders.
Heute ist das Ergebnis leider Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten europaweit, die zu nationaler Engstirnigkeit zurück wollen.
Ich hoffe, dass der Brexit keine Nachahmer findet und die allerdings dringend reformbedürftige EU jetzt nicht zerbröselt.

Scotland and Northern Ireland, welcome to the EU!

von Mujek3 - am 24.06.2016 06:30
Reisende soll man nicht aufhalten. Die Engländer haben eh immer schon ihr eigenes Ding gemacht, eigenes Geld, Grenzkontrollen, Meilen statt KM, Linksverkehr usw. Wenn Sie meinen dass sie alleine besser klar kommen... sollen Sie machen. Ich weine denen keine Träne nach. Wäre zwar schön gewesen, wenn sie geblieben werden, aber man will lieber für sich sein. Das mit Schottland und Nordirland ist so einfach ja nun nicht. Die können nicht einfach der EU beitreten, dafür müssten die sich erst mal für unabhängig erklären. Wäre aber eine super Sache, wenn die Schotten in der EU bleiben würden, dann hätte man direkt auf der Insel eine EU-Aussengrenze. Dann wird die Queen sich wohl ein anderes Feriendomnizil suchen müssen. Geschieht ihr Recht. Die hat sich auch nie klar positioniert und galt wohl eher als Brexit Befürworter.

von zerobase now - am 24.06.2016 07:14
Wieviel Geld/Subventionen/finazielle Privilegien haben die eigentlich in den letzten Jahrzehnten von der EU erhalten? -Diese würde ich jetzt wieder zurückfordern.
Vielleicht kann man ja jetzt endlich mal nach z.b. Korfu fliegen, ohne das einem ständig diese besoffenen Briten über den Weg laufen :cheers:

von nürnberger - am 24.06.2016 08:54
Zitat
nürnberger
Vielleicht kann man ja jetzt endlich mal nach z.b. Korfu fliegen, ohne das einem ständig diese besoffenen Briten über den Weg laufen :cheers:


Wenn die abgesackte englische Währung weiter so bleibt wird ( unter anderem ) Urlaub im Ausland demnächst eine teure Überraschung. :rolleyes:

Nicht ohne Grund spielen Volksentscheide in Deutschland nur eine untergeordnete Rolle.
Das Grundgesetz von 1949 ist eben eine moderne Verfassung.

" Deshalb konnten sich Forderungen nach Einführung plebiszitärer Elemente auch im Rahmen der Verfassungsreform 1994 nicht durchsetzen. Gegen die Einführung direkt-demokratischer Elemente wurde insb. geltend gemacht, dass die Entscheidungsfähigkeit der Staatsorgane geschwächt werde und die bei Plebisziten notwendige Reduzierung auf eine Ja–nein-Alternative nicht geeignet sei, sachgerechte Entscheidungen herbeizuführen,................."

http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/recht-a-z/23190/volksabstimmung

von ross22 - am 24.06.2016 10:00
Zitat

Wieviel Geld/Subventionen/finazielle Privilegien haben die eigentlich in den letzten Jahrzehnten von der EU erhalten? -Diese würde ich jetzt wieder zurückfordern.

Großbritannien war Nettozahler und zahlte nach Deutschland in Summe den zweitgrößten Anteil, da gibt es nichts zurückzuzahlen.

von iro - am 24.06.2016 10:49
Zitat
Chief Wiggum
Was würdet ihr meinen, was rauskommen würde, wenn es in Deutschland auch so eine Volksabstimmung geben würde?
Viel besser würde es sicher auch nicht aussehen, 55% pro EU, 45 dagegen, schätze ich mal.


Und das ist wahrscheinlich noch optimistisch gedacht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob die Entscheidung pro-EU ausfallen würde, wenn man bedenkt, dass eine ähnlich niveaulose Kampagne wie jetzt in UK noch viele Unentschlossene mitreißen könnte.

Zitat
iro
Zitat

Wieviel Geld/Subventionen/finazielle Privilegien haben die eigentlich in den letzten Jahrzehnten von der EU erhalten? -Diese würde ich jetzt wieder zurückfordern.

Großbritannien war Nettozahler und zahlte nach Deutschland in Summe den zweitgrößten Anteil, da gibt es nichts zurückzuzahlen.


Theoretisch könnte man den Rabatt zurückfordern, aber ich glaube kaum, dass das möglich ist.

von Mujek3 - am 24.06.2016 10:49
Scheint wohl so zu sein, dass einige Briten in den letzten stunden erstmal gegoogled erm, "eine Internetsuchmaschine Ihrer Wahl" angeworfen haben, um nachzusehen was "Brexit" überhaupt für sie bedeutet...besser spät als nie :)
Und der ein oder andere Brexit-Befürworter ist auch schon wieder am zurückrudern. Da heists jetzt dann mal Hosen herunterlassen und Farbe bekennen, und die Brexit-versprechungen dann mal einlösen. Ach ja, Opferrolle is jetz nich mehr :)

http://egofm.de/themen/entdeckt/8755-brexit-was-bedeutet-das
http://t3n.de/news/brexit-google-719482/?utm_content=buffer869a0&utm_medium=social&utm_source=facebook.com&utm_campaign=buffer
http://www.sueddeutsche.de/politik/ukip-chef-farage-kassiert-wichtigstes-brexit-versprechen-direkt-wieder-ein-1.3049615
https://twitter.com/m1897/status/746215377265266688/video/1

Ach, lassen wir das. Viel lustiger hier:
http://www.der-postillon.com/2016/06/brexit-insel.html
:cheers:

von nürnberger - am 24.06.2016 10:51
Ich verstehe nicht wie man jemandem seine Stimme geben kann der mehrmals eingeräumt hat das man selbst nicht absehen kann was passiert wenn man aus der EU austritt. Laut einem Bericht im DLF muss es ja heute Vormittag schon ungläubiges Kopfschütteln über den extremen Absturz der eigenen Währung gegeben haben. Man hatte gleich mehrere Leute vor dem Mikrofon die aussagten das sie zwar für den Austritt aus der EU waren, aber diesen starken Absturz noch nicht mal erahnt hätten. Ihnen wäre genau das Gegenteil versprochen worden. Ein sprunghaftes erstarken des britischen Pfund.

Hinzu kommen jetzt noch stündlich weitere Hiobsbotschaften über den Ticker in der Redaktion rein. Der größte Autobauer in England, Nissan, macht seine Androhung war und fährt mit sofortiger Wirkung die Produktion herunter. Die Fertigung werde nun Stück für Stück wieder in andere Länder verlagert. Der größte Bauinvestor in England (ein Saudi) zieht sofort seine Milliarden ab. Dieser sieht wohl (zu recht) seine Rendite absaufen und ein riesen Verlustgeschäft auf ihn zukommen. Ihm sind bis jetzt schon mehrere weitere Investoren aus dem Ausland, auch aus anderen Branchen, gefolgt.

In einem Interview von Reuters wird ein Brexit Befürworter mit den Worten zitiert: "Das war weder so geplant noch beabsichtigt. Wir konnten ja nicht ahnen das gleich jeder abhaut wie Ratten auf einem sinkenden Schiff." Beängstigend wenn nur so wenige Stunden nach dem Wahlergebnis sogar die Brexit Befürworter zugeben das sie wahrscheinlich einen Fehler begangen haben.

von Spacelab - am 24.06.2016 10:52
Zitat

Beängstigend wenn nur so wenige Stunden nach dem Wahlergebnis sogar die Brexit Befürworter zugeben das sie wahrscheinlich einen Fehler begangen haben.

Es ist ja nicht so, daß sie sich nicht hätten informieren können. Jeder hat es ihnen vorher gesagt, sie wollten nicht hören, jetzt müssen sie eben fühlen... Die Dummheit und das ALTER hat gesiegt, die jungen Briten sollen zu 75% gegen den Brexit gestimmt haben.

Die nächste Frage, deren Beantwortung weitreichende Folgen haben könnte, ist die nach der Dummheit der Amerikaner...

von iro - am 24.06.2016 11:16
Zitat
iro
Zitat

Dann wird die Queen sich wohl ein anderes Feriendomnizil suchen müssen. Geschieht ihr Recht. Die hat sich auch nie klar positioniert
Das DARF sie auch nicht.


Wer will ihr das verbieten? Sie ist die QUEEN und damit das Staatsoberhaupt und selbst wenn sie das offiziell nicht darf, kann sie sich immerhin so äussern, dass man ihre private Meinung herauslesen kann.

So eindeutig wars in Schottland und Nordirland wohl doch nicht. In Irland gerade mal 55% und in Schottland um die 60% pro EU. Also unter einer klaren Mehrheit verstehe ich was anderes. Wir haben ja auch noch das Problem Gibraltar. Wie sieht es es jetzt damit aus? Hier würde ja jetzt plötzlich eine EU-Aussengrenze verlaufen und wie soll das gehen, wo man doch so eng mit Spanien verzahnt ist? Offensichtlich hat man sich darüber noch gar keine Gedanken gemacht. Da bin ich mal gespannt wie man aus der Nummer wieder rauskommen will.

von zerobase now - am 24.06.2016 11:35
Das Problem ist dort eins der Spanier, die zusaetzlich von ihrer Pflicht zur Sicherung der EU-Aussengrenzen auch Einreisekontrollen durchfuehren muesste.

Dabei darf man sich aber nicht irritieren lassen, denn die Moeglichkeiten, Reiseerleichterungen aus dem Abkommen von Schengen in Anspruch zu nehmen, gibt es ja unabhaengig von einer EU-Mitgliedschaft. So gab und gibt es weiterhin Laender, die das Schengener Abkommen unterzeichneten, ohne EU-Mitglied zu sein.

von PowerAM - am 24.06.2016 11:44
Richtig, nur koennte man das Abkommen auch noch in den kommenden Jahren unterzeichnen und sich die daraus resultierenden Reiseerleichterungen sichern. Der Preis dafuer ist eine Mindestqualitaet der Personenkontrollen, die Sicherung und Kontrolle der Aussengrenzen sowie die Zusammenarbeit mit allen Grenzbehoerden der Schengen-Mitgliedsstaaten. Selbst wenn man das fuer die Insel nicht will, so waere es doch eine Moeglichkeit fuer die Vereinfachung des Grenzverkehrs nach und von Gibraltar.

von PowerAM - am 24.06.2016 12:10
Zitat

Wer will ihr das verbieten? Sie ist die QUEEN und damit das Staatsoberhaupt und selbst wenn sie das offiziell nicht darf, kann sie sich immerhin so äussern, dass man ihre private Meinung herauslesen kann.

Es "schickt sich nicht" heißt es immer wieder. Und daß sich die Queen traditionell aus der Tagespolitik heraushält. Das schließt ein, daß man ihre "private Meinung" herauslesen kann. Die "private Meinung" der Queen bleibt "privat" (gab vor kurzem erst Ärger mit der "Sun" deswegen).
Richtig verboten scheint es ihr aber nicht zu sein.

von iro - am 24.06.2016 12:31
Nach einem kleinen Jubel sickert wohl die Tragweite dieses Ergebnisses durch.

Ein Politologe aus München vorhin auf NDR Info:

Die Idee der EU war mal:

Nach 45 ein Instrument der Friedenssicherung

In den 50/60/70ern ein Instrument des wirtschaflichen Fortschritts in Europa.

Danach hilfreich nach dem Ende der Teilung Europas.

Aber das ist Vergangenheit. Was sind die Ziele der EU in der Zukunft und wie vermitteln wir das an eine Generation die auch einen Grund braucht um für die EU zu sein ?

Wenn unsere Politiker da nichts anbieten können wird es eng.

von ross22 - am 24.06.2016 12:52
Zitat

Was sind die Ziele der EU in der Zukunft und wie vermitteln wir das an eine Generation die auch einen Grund braucht um für die EU zu sein ?

Es ist die Generation der Älteren, denen das in UK hätte vermittelt werden müssen. Die 18-49 Jährigen haben mehrheitlich für "Remain" gestimmt und müssen am längsten mit dem jetzigen Ergebnis leben. Bei den 18-24 Jährigen waren es gar 64%.

von iro - am 24.06.2016 13:19
Hi iro
Hast Recht ;)

Wenn wir hier vor Ort unabhängig von der momentanen Stuation in Großbritannien nicht in der Lage sind ein Update für die EU zu schaffen wir es aber eng.

Es ist ja nicht nur GB sondern auch Ungarn , Polen, Scotland. Ire, Spain und Balkan die sich dann fragen ob sie nicht allein besser weitermachen.

Das ist ein Weckruf besonders für Deutschland in der EU

Also schau mer mal wie es weitergeht :undweg:

von ross22 - am 24.06.2016 15:07
Nun gut, Scotland überlegt, ob sie alleine weitermachen - ohne England und IN der EU.
Und die Nordiren werden wohl wieder Krieg anfangen und haben zukünftig eine EU-Aussengrenze zu Irland...
Bei Ungarn, Polen, Spanien und Balkan muss man sich keine großen Gedanken machen - die gehören nicht zu den Nettozahlern der EU. Sollten die austreten wollen, sparen alle Nettozahler viel Geld.
Wirklich Sorgen machen muss man sich nur, wenn weitere Nettozahler rausgehen, als da wären (Reihenfolge nach Zahlungshöhe): Deutschland, Frankreich, Italien - dann weiter mit viel Abstand: Niederlande, Belgien, Schweden.

von iro - am 24.06.2016 16:20
Deutschland wird weiter zahlen, egal fuer wen. Ich muss iro zustimmen, dass einige Austritte Geld sparen wuerden. Nur werden genau die nicht austreten. ;) Sorgen wuerde mir bereiten, wenn Frankreich einen Zahlerrabatt einfordern und bekommen wuerde. Deren Anteil muesste Deutschland ausgleichen.

Mir stellt sich die Frage, ob die Rest-EU die illegal nach UK eingereisten Fluechtlinge zuruecknehmen muss, sofern sie nicht untergetaucht sind oder es noch tun. Ich weiss, dass ich mch mit dieser Frage unbeliebt mache, sowas schweigt man ja lieber tot.

von PowerAM - am 24.06.2016 17:06
Zumindest muss Frankreich die Flüchtlinge, die nach UK weiterwollen, nicht mehr daran hindern, dieses zu tun...
Aber wie es scheint, hatten die Brexit-Yes-Briten ja wohl auch eher Probleme mit den frei reisenden osteuropäischen Arbeitnehmern. Das hat sich dann ja mit dem Brexit erledigt - und mit dem fallenden Pfund-Kurs ebenfalls. Zukünftig gibt es also wieder genug Spargelpflücker, Erdbeerpflücker und Pflegekräfte aus Polen hierzulande. Da gab es ja zeitweise einen Mangel, weil die wegen der besseren Bezahlung nach UK weiterzogen...

von iro - am 24.06.2016 17:56
Ich denke, das böse Erwachen wird für so manchen Brexit-Befürworter noch kommen, wenn die wirtschaftlichen Folgen spürbar werden und so manche Illusion über die vermeintlich zuückgewonne Unabhängigkeit zerplatzt ist.

Immerhin kann niemand sagen, er habe nicht gewusst, was die Entscheidung bedeuten könnte, denn beide Lager haben ihre Argumente und Prognosen in der Kampagne x-mal wiederholt. Leid tun mir nur die jungen Leute, die den Brexit überwiegend abgelehnt haben. Die Option, das Studium oder den Start ins Berufsleben irgendwo in Europa zu machen, haben sie dann nicht mehr so einfach.

Und die Schotten werden wohl ein zweites Referendum zur Unabhängigkeit starten. Dieses Mal wünsche ich ihnen dabei viel Glück!

73 de Uli - beim Warten in Heathrow auf den verspäteten Heimflug

von ulionken - am 24.06.2016 18:46
Zitat
Mujek3
Zitat
Chief Wiggum
Was würdet ihr meinen, was rauskommen würde, wenn es in Deutschland auch so eine Volksabstimmung geben würde?
Viel besser würde es sicher auch nicht aussehen, 55% pro EU, 45 dagegen, schätze ich mal.


Und das ist wahrscheinlich noch optimistisch gedacht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob die Entscheidung pro-EU ausfallen würde, wenn man bedenkt, dass eine ähnlich niveaulose Kampagne wie jetzt in UK noch viele Unentschlossene mitreißen könnte.


So düster sähen die Zahlen wohl nicht aus. Yougov hatte gleichzeitig zu den Brexit-Umfragen auch in anderen Ländern gefragt und da sah es für Deutschland so aus: Austritt: 29%, Mitglied bleiben: 54%. Das war zumindest der Stand von vor drei Wochen, als sie die Brexit-Befürworter auch knapp in Führung sahen. Auch andere EU-Zahler-Länder würden demnach in der EU bleiben: https://d25d2506sfb94s.cloudfront.net/cumulus_uploads/inlineimage/2016-05-31/chart_ygdebate_dexitfrexitschwexit.png

von CBS - am 24.06.2016 19:50
Bei mir hält sich das ehrlich gesagt die Waage und eher mit Abstand, d.h. eher neutral gegenüber den Briten, denn die Briten waren sowieso immer ein gewisses Störfeuer und eher eine gewisse Bremse. Und die ganzen Vergünstigungen fand ich nie gut, da jeder immer wieder hier und da extra Würste einfordern konnte. Demnach bin ich mal gespannt, was passiert. Und wenn mir jetzt irgendwelche Experten erzählen, dass "das und das" passieren wird, dann kann ich das nicht wirklich ernst nehmen, denn keiner weiß tatsächlich was passiert. Und den plötzlichen Kurssturz heute langfristig festzuschreiben ... naja, hier reden wir über Jahre, um echte plausible Auswirkungen feststellen zu können und es war klar, dass sowas heute passieren wird für den eingetretenen Fall, alles andere hätte mich dann eher verwirrt.
Das mit den Generationen sehe ich auch etwas anders, denn gerade die ältere Generation dürfte es noch kennen, wie es war, als es nicht eine EU gab. Warum die jetzt wirklich dagegen sind, wundert mich, die echten Gründe sollte man vllt. genauer analysieren. Allerdings hab ich öfters mal BBC usw. in den letzten Tagen geguckt. Demnach scheint es tatsächlich die Situation mit den Arbeitnehmern aus osteuropäischen Ländern zu sein. Aber das allein kann es doch fast gar nicht sein. Und daran sieht aber auch das eigentliche Problem. Und die Generation von 18-25 jetzt als den besseren Maßstab ranzuziehen ... ich weiß nicht. Eine Gesellschaft besteht aus dem Reichtum des Wissens/der Erfahrung der Alten und(!) der Ansichten der Jungen. Und wenn ich an meine Generation denke als wir 18-25 waren, naja, den echten kompletten Überblick und Weitblick hatten wir doch da nicht wirklich und wir reden hier über den Durchschnitt und nicht nur Akademiker. Die Interessen lagen da doch eher wo anders, von daher passt das schon. Und auch wenn es den "Reichen" eher daran gelegen ist in der EU zu bleiben, sollte auch an die sozial schwächeren gedacht werden. Und genau die sehen das anscheinend anders. Fragt sich nur warum. Einfach zu sagen "Die sind dumm!", dass passt nicht, hat noch nie gepasst. Spaltung der Gesellschaft führt zwangsläufig zum "Aus".

Meiner Ansicht hat sich die EU von einem für die Gesellschaft agierendem Gebilde zu einem fast ausschließlich der Wirtschaft dienendem Gebilde verändert. Damit sehe ich eigentlich für die EU mit dem Brexit eher eine Chance, denn wenn UK mit "Remain" gestimmt hätte, hätten sich doch alle in Brüssel wieder entspannt zurückgelehnt und nix würde passieren. Jetzt sehe ich eher erstmal "Kleinkindergehabe" indem gesagt wird "Wir machen denen das Leben schwer" damit ja kein anderer auf die Idee kommt auszutreten :rolleyes: Hier haben >50% für ein legitimes Ergebnis abstimmt. Mit Erpressung erreicht man doch nix. Echte Größe würde die EU zum Beispiel zeigen, wenn sie sachlich damit umgehen und sich nicht bockig geben würde. Am besten fragen "Wer will noch raus?" und dann die gehen lassen die gehen wollen und dann endlich mal an die echten Probleme rangehen und nicht dauernd ausbremsen lassen. Denn es ist doch auffällig, dass in vielen Ländern die Stimmung mindestens kritisch gegenüber der EU ist. Warum ist das so? All diejenigen als "Dumme" abzustempeln finde ich falsch, damit erzeugt man noch mehr Gegenstimmung und das Karussell dreht sich immer schneller, bis uns der Laden um die Ohren fliegt. Eher sollte endlich geguckt werden warum die Stimmung so ist wie sie ist und dann endlich handeln. Ich hoffe wirklich, dass die EU aus der Situation lernt, denn in der jetzigen Zeit ist eine europäische Gemeinschaft kein "nice to have" sondern eher ein "Muss", das klappt allerdings nur wenn alle voll dahinter stehen. Und das fängt beim Volk an und zwar beim ganzen und auch aller Länder.

In diesem Sinne sehe ich die Situation sowohl positiv, ein Verlust kann auch ein Anfang sein, als auch traurig, denn gerade UK liegt mir neben Frankreich eigentlich sehr am Herzen und ein(!) Europa ist eine tolle Sache, Schade.

von Jens1978 - am 24.06.2016 22:34
Erstmal abwarten nix wird so heiss gegessen wie es gekocht wird!

Die Regierung cameron bleibt bis Oktober im Amt und wird keinen AUSTRITT beantragen! Wer danach an die Regierung kommt ist fraglich. Das Ergebnis der Volksabstimmunung ist generell juristisch nicht bindend.Rein Theoretisch könnte man es ad Acta legen..., was natürlich unklug wäre ! Ich denke es vielmerh zu einer Neuwahl kommen mit einer nochmaligen Abstimmung über den Brexit!.
Das wäre dann der EXIT vom Brexit...
Den Antrag dafür haben schon 2 Mio Briten in einer Online Petition bis jetzt unterzeichnet..Tendenz steigend !

.......
Davon abgesehen:
Im Übrigen sind sogar eingereichte Scheidungen im Trennungsjahr noch Rückgängig zu machen...oder aber EX-Paare finden nach Jahren doch wieder zusammen :-))) Also ganz locker atmen..die Welt geht nicht unter und der Kölner DOM wir weiter stehen bleiben !

von Starsailor001 - am 25.06.2016 18:17
Cameron hat sich verzockt und verloren. Ob der Austritt jetzt oder erst im Oktober beantragt wird oder gar überhaupt nicht, ist relativ egal. Die Wirtschaft stellt jetzt bereits die Weichen für den Abzug aus England, so als ob der Austritt bereits förmlich beantragt wurde, die kann kein halbes Jahr in Ungewissheit warten, sondern setzt auf ein erwartetes Szenario (welches bis vorgestern ein anderes war...).
Frankfurter Vermieter von Büroflächen freuen sich vermutlich jetzt schon, ihre 1,39 Millionen Quadratmeter Leerstände kurzfristig doch noch vermieten zu können.

Und der auslandsurlaubende Engländer an sich merkt auch jetzt schon, daß der Urlaub teurer wird. Sogar mit doppeltem Effekt, wenn es Richtung Westmittelmeer geht. Da es lt. TUI eine deutliche Verschiebung vom Ostmittelmeerraum (Türkei + Nordafrika) in den Westmittelmeerraum gibt, steigen dort die Preise. Und wenn man in Pfund verdient und zahlen muss, wird es deutlich teurer.

Gleichzeitig wird für uns der Englandurlaub deutlich günstiger, vor genau 1 Jahr bekam man für 100€ noch 71 GBP, heute sind es 81 GBP.

von iro - am 25.06.2016 19:22
Davon mal abgesehen daß das Parlament in diesem Referendum nicht rechtlich daran gebunden ist dem Austrittswunsch nachzukommen stellt sich die Frage ob dies auch bei dem bereits abgehaltenem und nochmals geplanten Schotten-Votum der Kasus wäre.

Die Schotten und Nordiren können ja über Vieles Abstimmen, wenn London auch dort blockt wäre die Frage in wie fern ein sich als unabhängiges deklarierendes Schottland behaupten könnte und wie dies anerkennt werden würde ohne weitere diplomatische Verspannungen auszulösen.

Wie hoch waren gleich die EU-Subventionen an schottische Bauern? Jedenfalls genug um eigentlich gar nicht arbeiten zu müssen...

von Anonymer Teilnehmer - am 26.06.2016 11:15
Schottland wäre ein EU-Nettozahler!
Beim letzten Schottland-Referendum hat London die Frage nach dessen rechtlich bindender Anerkennung vorher mit Ja beantwortet. Wäre das Referendum damals anders ausgegangen, hätte London es so akzeptiert. Vorab! Die Frage müsste London jetzt erneut beantworten.

von iro - am 26.06.2016 12:57
Danke für die Info, ich hatte das jetzt nicht mehr mit Sicherheit so in Erinnerung was die rechtliche Bindung bezüglich des Votums anging.

Britische Zusagen sind ohnehin nichts wert wenn man dies mit deutschen Verbindlichkeiten vergleicht, zumindest im privaten Bereich.

Man kann Cameron ja vieles vorwerfen, klar hat er das Referendum versprochen um überhaupt wiedergewählt zu werden, der Rechtsruck und der UKIP-Aufschwung waren deutlich zu spüren: in Deutschland wurden ja schon ganz andere Wahlversprechen gebrochen.

Nun ist die Frage warum sollte es überhaupt eine Verzögerung geben, Cameron hat das Referendum verloren ergo ergeben sich 2 Möglichkeiten: den Antrag unverzüglich stellen oder das Referendum halt aussetzen.

Wenn er denn zurücktreten möchte dann steht es ihm frei, bis zum Oktober zu warten nur um alles Weitere einem Nachfolger zu überlassen und den eigenen Staat bis dahin möglicherweise im Chaos versinken zu lassen ist grob fahrlässig und nicht tragbar.

Man muss den Schnitt machen: entweder JETZT raus mit allen damit verbundenen Konsequenzen oder eben doch den Schwanz einziehen und reumütig um den Verbleib verhandeln - ob die bis dahin ausgehandelten britischen Extradeals noch bestand haben (können) weiß ich ehrlich gesagt nicht, dafür bin ich nicht genug in der Materie.

Mich würde es jedenfalls nicht wundern wenn den Schotten dann irgendwann nach ihrem UK-Leave-Votum plötzlich feststellen daß sie den EURO einführen müssen, denn das will dort offenbar niemand, weder die EU-Befürworter noch die EU-Gegner.

von Anonymer Teilnehmer - am 26.06.2016 14:02
Zum Tagesabschluss hören Sie nun die Europahymne:

[…]
Wem der große Wurf gelungen,
eines Freundes Freund zu seyn;
wer ein holdes Weib errungen,
mische seinen Jubel ein!
Ja – wer auch nur eine Seele
sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
weinend sich aus diesem Bund!
[…]

von Japhi - am 26.06.2016 17:05
Zitat
Digitaliban
Mich würde es jedenfalls nicht wundern wenn den Schotten dann irgendwann nach ihrem UK-Leave-Votum plötzlich feststellen daß sie den EURO einführen müssen, denn das will dort offenbar niemand, weder die EU-Befürworter noch die EU-Gegner.


Schottland möchte die besonderen Bedingungen der heutigen britischen EU-Mitgliedschaft erhalten und jetzt die Optionen dafür ausloten. Dazu gehört bekanntlich auch, dass es auf Dauer keine Verpflichtung gibt, den Euro einzuführen - anders als für EU-Neumitglieder. Ich glaube kaum, dass gerade dieser Punkt erst nach einem UK-Leave-Votum irgendwann zur Sprache kommen würde!

Zu den jetzt untersuchten Optionen gehört übrigens auch die "Greenland option", also dass Schottland im UK bleibt, aber gleichzeitig als autonome Region des UK weiter in der EU bleibt. Das ist quasi der umgekehrte Fall Dänemark / Grönland (Grönland ist aus der EU ausgetreten, obwohl es Teil des EU-Mitglieds Dänemark ist). Das würde natürlich nur mit Zustimmung der EU funktionieren.

73 de Uli

von ulionken - am 26.06.2016 18:15
... und auch das ist natürlich Verhandlungssache, ebenso welche Grenzkontrollen an der nordirischen Grenze zur Republik Irland und ggf. an der schottischen Südgrenze einmal kommen werden.

Es ist noch vieles unklar und komplex - kein Wunder, dass es derzeit noch niemand in der britischen Regierung wagt, den Kündigungsbrief gemäss Artikel 50 an die EU zu schicken und damit die Uhr für die maximal 2 Jahre Verhandlungszeit mit der EU zu starten.

73 de Uli

von ulionken - am 26.06.2016 19:16
Ich habe im Frühjahr noch in Irland gelebt und der Tenor aus der Politik dort war es, dass es auch vor EU-Zeiten keine Grenzkontrollen gab und man wieder zu diesem Status zurückkehren würde.

Jetzt ist meine Frage: hatten die wirklich nie Grenzkontrollen? Gerade bei dem Krieg der dort war und unterschwellig auch nach wie vor ist kann ich mir das gar nicht vorstellen, selbst die Polizeiwagen sind dort im Norden ja auch noch solide gepanzerte Mobile.

von Anonymer Teilnehmer - am 26.06.2016 19:23
Zitat
Digitaliban
hatten die wirklich nie Grenzkontrollen?

Sie hatten. Bis zum Karfreitagsabkommen 1998.
Davor wurde man wohl noch regelmäßig an Straßensperren durchs britische Militär angehalten.

Teil dessen ist übrigens auch
Zitat

Die Möglichkeit einer Wiedervereinigung mit der Republik Irland wird nicht ausgeschlossen, wenn sich die Mehrheit der Nordiren dafür ausspricht.

D.h. bei den Schotten kann London theoretisch nein zur Unabhängigkeit sagen, bei Nordirland aber nicht nein zu einer Wiedervereinigung mit Irland, wenn s.o.

von iro - am 26.06.2016 20:08
Ich hatte schon an anderer Stelle geschrieben, daß eine Vereinigung der Iren zwar schön aber auch unvernünftig wäre.

Das britische Gesundheitssystem ist schon nicht das Beste aber es ist kostenlos und steht jedem zur Verfügung, bei den Iren sieht es da mal komplett anders aus, dort darf man cash bezahlen.

Die Infrastruktur in der ROI ist nach westlichen Standards bemessen ziemlich schwach und kaputt und wenn man dann ins deutlich wohlhabendere Nordirland kommt merkt man gleich den Unterschied.

von Anonymer Teilnehmer - am 26.06.2016 21:00
Zitat
iro
Aber wie es scheint, hatten die Brexit-Yes-Briten ja wohl auch eher Probleme mit den frei reisenden osteuropäischen Arbeitnehmern. Das hat sich dann ja mit dem Brexit erledigt - und mit dem fallenden Pfund-Kurs ebenfalls. Zukünftig gibt es also wieder genug Spargelpflücker, Erdbeerpflücker und Pflegekräfte aus Polen hierzulande. Da gab es ja zeitweise einen Mangel, weil die wegen der besseren Bezahlung nach UK weiterzogen...


... die vielen britischen Fachkräfte, die derzeit dank Arbeinehmer- und Unternehmerfreizügigkeit in der ganzen EU tätig sind, können dann ja zurück nach Britannien und dort die Hilfsarbeiterjobs der Osteuropäer übernehmen. Briten, die längere Zeit im Ausland lebten, durften garnicht mit abstimmen - und wenn für sie die gleichen Vorschriften in der EU gelten wie für alle anderen Drittstaatler, stehen sie allzuoft vor dem Ende ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage. Einige haben daher auch schon andere Staatsbürgerschaften angenommen.
Ein Brite, mit dem ich mich am Freitag unterhalten habe, meinte auch, er habe irische Vorfahren und würde in Erwägung ziehen, die irische Staatsbürgerschaft zu erlangen.

von DH0GHU - am 26.06.2016 21:25
Ich weiss nicht, ich weiss nicht wie verrückt die Leute sind. Jetzt gibts´s Demos gegen den Brexit, vorallem von den jungen Bürgern der UK.
Irgendwo stand auch mal das UK dann nicht mehr zu Europa gehört:D Naja, könnte ein eigenes Kontinent werden.
Es heist doch Vereinigtes Königreich:D

von DJ Taifun - am 02.07.2016 20:51
Zitat
ulionken
Die Nichtwähler werden auch nicht auf den Demos aufgetaucht sein, sondern erst dann herummeckern, wenn sie persönlich die Folgen der Entscheidung zu spüren bekommen, etwa wenn sie im europäischen Ausland studieren oder arbeiten wollen.

Och es soll schon einige Nichtwähler geben die momentan auf den britischen Straßen herumjohlen und sich beschweren. Der Oberknaller ist aber die Aussage "Wir wussten ja gar nicht was der Brexit bedeutet!" :wall:

von Spacelab - am 04.07.2016 07:39
Ich denke, dass der Brexit nie stattfinden wird. Dazu ist die Situation viel zu komplex. Dass UK ausserhalb der EU wirtschaftlich exisiteren kann, ist eine blanke Luege, die ueber Jahrzehnte unterschwellig genaehrt wurde.

UK hat ein relativ grosses Aussenhandelsdefizit. Man importiert deutlich mehr, als man exportiert. Da wird auch die derzeitige Abwertung des Pfundes wenig helfen, im Gegenteil, die Importe werden nur teurer.

Mehr produzieren und exportieren? Wohin, zu dem Markt, von Europa, von dem man sich trennen will?
Div. asiatische Auothersteller haben einige Werke in Nordengland, wo gefertigt wird, fuer den europ. Markt, und dies ohne Handelsschranken, Zoll, etc....

Artikl 50 wird deshalb vermutl. nie formal ausgeloest werden. Auch dass sich alle Akteure, Nigel, Boris & Co zurueckgezogen haben, zeigt, dass man keinen Plan hat.

Farage sollte ueberhaupt den Mund halten, denn Gelder aus der EU hat er mehr als genug bekommen.

von 102.1 - am 09.07.2016 06:59
Zitat
Spacelab
Och es soll schon einige Nichtwähler geben die momentan auf den britischen Straßen herumjohlen und sich beschweren. Der Oberknaller ist aber die Aussage "Wir wussten ja gar nicht was der Brexit bedeutet!" :wall:


Wäre auch nicht anders, wenn hier die AfD noch weiter nach oben gespült würde. Dass da unterm rechtspopulistischen Deckmantel auch noch unsozialer Turbokapitalismus steck, weiß wohl kaum einer derer Wähler. Wenn sie's dann merken, ists zu spät.

von DH0GHU - am 09.07.2016 07:18
Ich sehe beide der Damen als keinen geeigneten Kandidaten. Beide werden die Medien mit Thatcher versuchen zu vergleichen, oder mit Merkel, beide sind aber sehr weit weg davon. Bis es so weit ist, und das Land wieder entscheidungsfaehig ist, ist's September. Diese Wartezeit ist der Wirtschaft zu lange. Den Brexit koennte man als selbst herbeigefuehrte Rezession beschreiben. Investitionen werden zurueckgehalten, ueber Umzuege wird gesprochen. Frankfurt, ganz oben, aber auch Amsterdam, Luxemburg, Paris oder Dublin sind im Gespraech.

Uneingeschraenkten Zugang zum gemeinsamen Markt gibt's nur wenn man die Freizuegigkeit der Arbeitskraefte akzeptiert. Mangelnder Marktzugang bedeutet eine deutliche Rezession auf der Insel.

von 102.1 - am 09.07.2016 12:03
Für die EU ist es zwar schade, daß UK als Nettozahler rausgeht. Dafür gibt es dann aber auch keine extra sausages mehr.
Noch schöner für die EU ist aber, daß Schottland gleich als nicht nörgelnder Nettozahler wieder reinkommt und den Verlust der englischen Zahlungen wieder auffängt.

Und zum Schluss sieht es dann so aus:
England & Co. zufrieden, da draußen, aber pleite. Und die Polen sind trotzdem noch da... zumindest die, die der Gewalt der Engländer nicht weichen. (Jetzt zünden die denen schon die Häuser an... :( )
Schottland zufrieden, da drin, genug Geld, da 90% der Erdöleinnahmen nach Schottland gehen, dazu noch ein eigenes Land.
Nordirland = Arschkarte. Mehr Militärpräsenz, Grenze zu Irland dicht (für die Iren auch nicht schön), erneut Bürgerkrieg - egal wie ein Referendum zur Wiedervereinigung mit der Rep. Irland ausgeht. Möglicherweise aber auch tatsächlich eine Wiedervereinigung, da London vertragsgemäß den Ausgang eines solchen Referendums akzeptieren muss.

von iro - am 09.07.2016 13:19
Zitat
iro
Für die EU ist es zwar schade, daß UK als Nettozahler rausgeht. Dafür gibt es dann aber auch keine extra sausages mehr.
Noch schöner für die EU ist aber, daß Schottland gleich als nicht nörgelnder Nettozahler wieder reinkommt und den Verlust der englischen Zahlungen wieder auffängt.


Ich denke nicht dass es dazu kommen wird. Es geht einfach nicht, glaub's mir, ich lebe in UK, und dies schon lange. Das Land hat das hoechste Handelsdefizit der G7, d.h. der Brexit waere fuer UK und seine Einwohner nur mit einer langen Rezession realisierbar.

Schottland haette dzt. mit Sicherheit eine gute Mehrheit fuer eine Unabhaengigkeit, nur das Referendum muesse von London genehmigt werden. In London fehlen dzt. allerdings die Entscheidungstraeger dafuer. Abgesehen davon, lebt Schottland von Transferzahlungen von London, die dann am Ende Bruessel leisten muesste. Die Neuverhandlungen ueber einen EU Beitritt von Schottland wuerden zu viel Zeit in Anspruch nehmen, die Wirtschaft wuerde leiden, Schottland waere wie Griechenland, ohne dem schoenen Wetter....

Auch die Polen einfach rausschmeissen geht nicht, die machen viele Jobs, die die Englaender nichtmehr machen wollen. Freizuegigkeit der Arbeitskraefte ist die Voraussetzung zum Zugang zum Binnemarkt.

Viele Briten leben uebrigens auch dauerhaft in Spanien, Frankreich, Portugal, ohne die Sprache gut zu koennen, besitzen dort Haeuser, geniesen ihre Rente, und das Gesundheitswesen. Das hier ein "Deal" erreicht wird, halte ich fuer mehr als fraglich. Was fuer die Einen gilt, gilt auch fuer die Anderen.

von 102.1 - am 09.07.2016 20:03
Zitat

Es geht einfach nicht, glaub's mir, ich lebe in UK

Gerne... ;) Nur sind englische Politiker immer noch 'nen Ticken verrückter als deutsche Politiker, daher bin ich mir da nicht ganz sicher wie das jetzt wirklich ausgehen wird.

Aber wie nun rauskommen aus der Nummer...?
Müsste noch mal ein Brexitexit-Referendum her. Nur wer veranlasst das ohne Gesichtsverlust? Oder wer macht dafür den Buhmann?
Einige Herren haben sich ja schonmal vornehm zurückgezogen.

von iro - am 09.07.2016 20:56
Zitat
iro
Zitat

Es geht einfach nicht, glaub's mir, ich lebe in UK

Gerne... ;) Nur sind englische Politiker immer noch 'nen Ticken verrückter als deutsche Politiker, daher bin ich mir da nicht ganz sicher wie das jetzt wirklich ausgehen wird.

Aber wie nun rauskommen aus der Nummer...?
Müsste noch mal ein Brexitexit-Referendum her. Nur wer veranlasst das ohne Gesichtsverlust? Oder wer macht dafür den Buhmann?
Einige Herren haben sich ja schonmal vornehm zurückgezogen.


Die Herren haben sich zurueckgezogen, da sie wissen, es geht nicht. Nun ueberlaesst man wohl die Buehne der Auswahl zweier Damen, um den Dreck aufzuarbeiten. Hier besteht die Wahl entweder die Vergangenheit sein zu lassen und komplett neu anzufangen, oder die Luegen der Vergangenheit gut zu verkaufen.... Ich vermute, dass beide Damen eher zu Letzterem tendieren werden, und dies wird ein laengerer Lernprozess werden, der vor allem der Wirtschaft nicht gefallen wird. Die Unsicherheit ist einfach zu gross, um Ueberzeugung zu bringen.

von 102.1 - am 09.07.2016 21:09
Ich sehe das sehr ähnlich wie 102.1. Selbst wenn die UK-Regierung den Austritt gemäss Artikel 50 einreicht, dann wird er wahrscheinlich in einer EWR-Mitgliedschaft enden (Europäischer Wirtschaftsraum, siehe Norwegen, Island und Liechtenstein). Der Zugang zum gemeinsamen Markt bleibt dann mit allen Rechten und Pflichten inkl. offene Grenzen für EU-Migranten erhalten, lediglich die Mitbestimmungsrechte in der EU-Kommission, im Europäischen Rat und im EU-Parlament entfallen. Die EWR-Mitglieder "dürfen" (müssen) alle EU-Richtlinien in nationales Recht umwandeln und in den Haushalt einzahlen, ohne Mitentscheidungsrecht...

Mit diesem Ausblick wäre die andere Möglichkeit, den Artikel 50 erst gar nicht anzuwenden, rational die bessere Option, dann blieben auch die EU-Extrawürste für die Briten erhalten. Zwar ist die Regierung an das Referendum nicht gebunden, aber sie kann es auch schlecht ignorieren. Gibt es dann doch noch eine zweite Abstimmung mit zwei klaren Alternativen, nachdem eine sorgfältige Prüfung die fatalen wirtschaftlichen Folgen eines Austritts und die schlechte Verhandlungsposition mit der EU aufgezeigt haben?


Ich habe längere Zeit in Nordengland gewohnt, eine strukturschwache Region, in der die alten Industrien (Bergbau, Fischerei, Werften) einen Haufen Frust, Arbeitslose und verfallende Gebäude hinterlassen haben. Dort leben viele ältere Leute von einer kärglichen Rente - ein idealer Nährboden für die Suche nach Sündenböcken, in dem Fall EU-Ausländer wie Polen, die u.a. auf den Feldern in Lincolnshire die Drecksarbeit machen und so den Start in eine bessere Zukunft suchen.

Die Leave-Kampagne von Farage, Johnson & Co hat die Ressentiments gegen diese fleissigen Leute ausgenutzt und angeheizt, neben allgemeinen Stänkereien gegen die EU und gegen Kommissionschef Juncker. Man muss aber auch sagen, dass es die Remain-Kampagne nicht geschafft hat, die Vorteile der EU-Mitgliedschaft überzeugend für Herz und Verstand zu vermitteln. Wie ist es sonst möglich, dass (lt. "The Guardian" von heute) nur 2/3 der registrierten Wähler bis 35 ihre Stimme abgegeben haben, während es bei den Rentnern über 90% waren? Dabei sind es die jungen Leute, die am meisten zu verlieren haben, sei es wegen schlechterer Chancen im EU-Ausland oder wegen der Folgen des Brexits für die wirtchaftliche Lage im eigenen Land.

Am meisten wütend macht mich aber, wie sich die Brexiteers nach gewonnener Abstimmung nun einfach vom Acker machen. Kein Plan, kein konkretes Konzept für die Zukunft, keine Verantwortung übernehmen, aber natürlich noch weiter die MdEP-Diäten beziehen (Farage). MP Cameron hat sich mit dem Referendum aus rein wahltaktischen Gründen massiv verzockt - er trägt ein insoweit eine erhebliche Mitschuld an dem Scherbenhaufem. Vielleicht taugt das Referendum noch als warnendes Beispiel dafür, was passiert, wenn man Populisten in der Politik die Oberhand gewinnen lässt!

73 de Uli

von ulionken - am 09.07.2016 21:45
Das Land hat auch eine recht grosse Identitaetskrise, die vielen Menschen, die nicht in UK leben, wenig auffaellt. War man frueher mal eine Weltmacht, mit Weltgeltung, hatte sein Empire, so ist man heute eher bedeutungslos. Australien, NZ, Canada hat einen hoeheren Lebensstandard, bessere Infrastruktur, etc... Was UK bis heute noch nachhaengt, ist von einer Weltmacht, in ein ganz normales Land abgestiegen zu sein, welches sich, wie andere Laender auch, div. Regularien innerhalb der EU unterordnen muss, und eben nichtmehr die Nr. 1 ist, sonderen ein weiterer Mitspieler.

Das London der 60er und 70er Jahre war aermlich, die Erholung und der Aufbau nach dem Krieg ging sehr langsam einher, das Emipre war zerfallen, die Industrie, insbs. Automobil wurde in UK weniger und weniger. Grund dafuer war mangelnder Innovationsgeist, Protektionismus, Betriebe, die es im gesamten Empire gab, gibt es heute nichtmehr. London verlor in dieser Zeit auch sehr viel Einwohner. Mit dem EU Beitritt, dem Zugang dem gemeinsamen Markt, wurde London wieder als Finanzzentrum, Banken lebten vor allem von dem Geschaeft mit Europa. So viel auch das Handeslbilanzdefizit lange nicht auf. Es floss munter Geld ins Land, es wurde der Immobilienmarkt aufgeblasen, waehrend Produktion und Ausfurhr von Wahren stetig ruecklaeufig war.

Der Unterschied zwischen EWR und EU ist eher "Zahlen und nicht mitbestimmten" oder "Zahlen und mitbestimmen". Da fragt man sich, was das ganze soll. Zahle ich, will ich auch mitreden. Einzig, was ich beim EWR machen kann, ist temporaere Aufenthaltsgenehmigungen an EU Buerger ausstellen, die alle 3 Jahre zu verlaengern sind, aehnlich wie in der CH. Nur ist es so, dass die CH weitaus solider dasteht, was die Wirtschaft betrifft, als UK. Dieser Punkt wird gerne uebersehen.

Nigel und Boris wussten dass es nicht funktioniert, sonst haette man ja gedraengt, dass Artikel 50 moeglichts rasch ausgeloest wird, sonst haetten sie ihren brilianten Erfolg fuer sich gefeiert.

von 102.1 - am 10.07.2016 09:25
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