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vor 11 Jahren, 7 Monaten
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vor 11 Jahren, 7 Monaten
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PeterSchwarz, RadioNORD, Francesco210175, Ottensen FM, Hagbard Celine, Georg Acher, PowerAM, Mæx, Spacelab

Wo nehmen diese Kisten die Leistung her?

Startbeitrag von Spacelab am 04.03.2006 18:27

Hi!

Ich hatte heute Nachmittag eine Stunde Wartezeit und bin mal so aus Langeweile im MediaMarkt rumgelatscht. Da war ich auch mal bei den ganzen Plastik-Hifi-Anlagen. Da stand doch auf so einem SO-NIE Gerät ganz groß "2x130Watt (DIN)". :eek: Jetzt hab ich eben mal in der Bedienungsanleitung meines alt-ehrwürdigen Yamaha Surround Verstärkers geblättert und der hat "nur" 2x90Watt Sinus im normalen Stereobetrieb. Jetzt stellen sich mir natürlich gleich ein paar Fragen. Kann man DIN und Sinusleistung miteinander vergleichen? Und vor allem, wo will denn dieser Plastikkasten bitteschön diese 2x130Watt hernehmen? Mein Yamaha Verstärker hat ein riesen Ringkernnetzteil, mehrere Transistoren auf einem dicken schweren Kühlkörper der sich durch das halbe Gehäuse zieht und dieser SO-NIE Plastikkasten hatte (soweit ich das durch die Gehäuseöffnungen sehen konnte) ein winziges Netzteil halb so groß wie das meines Laptops. Und das einzige was ich in sachen Kühlung gesehen habe war ein "U" förmig gebogenes Aluteil. Das Teil war vielleicht 5x5cm groß. Kann also nicht wirklich viel kühlen. Da staunt der Laie und der Fachman wundert sich wie da 2x130Watt nach DIN rauskommen sollen. Und selbst wenn man mal den Verstärker ausser acht lässt, irgendwo muss die Leistung ja auch hin. Die Lautsprecher die da dabei waren sahen zwar recht imposant aus mit ihren 5(!) Lautsprecherchassis pro Box, aber ich glaube nicht das die 130 Watt wegstecken können. Ich hab mal etwas an der Kiste rumgespielt und ich hab schon bei etwas über Zimmerlautstärke den versteckt eingebauten Basslautsprecher flirren gehört. Ausserdem begann das Boxengehäuse, das aus ganz dünnem Sperrholz zu bestehen schien, bei jedem Bassschlag ein bedrohliches Eigenleben zu entwickeln. :kotz:

Antworten:

Na, ich würde mal sagen, da ist bei der Leistung einfach gnadenlos übertrieben worden. 130 Watt nach DIN hat so eine Kiste ganz sicher nicht. Aber da sich mit der Materie kaum ein Kunde auskennt, wird fast jeder nur beeindruckt staunen. Da werden die 130 Watt wohl eher auf die Peak Music Power zutreffen. Wenn es jemand merken sollte, sagt der Markt wahrscheinlich: Oh, da haben wir uns verdruckt auf dem Auszeichnungsschild.

von RadioNORD - am 04.03.2006 22:09
Au weia! Versuch mal 10 watt Sinus (am besten mal mit einer "Audio"-Test-CD, die Du ins Geschäft mitschleppst, einlegst, den 1kHz-Ton bei 0dB auswählst und einfach mal aufdrehst,) über so ne Kiste zu jagen. Entferne dich dann schnell und mach ein unschuldiges Gesicht, da es der Elektroschrott bestimmt nicht überlebt (zumindest der garantiert unterdimensionierte Lautsprecher nicht)


von PeterSchwarz - am 05.03.2006 10:54
Zitat
RadioNORD
Wenn es jemand merken sollte, sagt der Markt wahrscheinlich: Oh, da haben wir uns verdruckt auf dem Auszeichnungsschild.

Zieht aber so nicht mehr. Da gabs doch vor 2 (?) Jahren nen Urteil, wo der Kläger gegen irgend so einen Markt gewonnen hatte. Begründung: "bewusste Irreführung".
Ich gehe aber auch davon aus, dass die PMPO angegeben wurde.

von Mæx - am 06.03.2006 07:58
Wenn sich der Hersteller in der Bedienungsanleitung mal zur Ausgangsleistung
nach DIN ausläßt, dann sind es oft nicht mehr als 7 - 12 W bei einer Kompakt-
anlage pro Kanal - eher noch weniger.

Die Mitte der 90er so beliebten Aiwa-Anlagen machten mit brutalem Processing
auch eindrucksvoll von sich reden. Großkotzig stand irgendwas von 1400 W an
den Plastikbombern, die Bedienungsanleitung gab bei einem Gerät meines Bru-
ders satte 12,5 W je Kanal für Mitten und Höhen sowie je 15 W für den Baß-
bereich her. Was man dem Ding lassen muß, es ist verdammt laut!

von PowerAM - am 06.03.2006 12:56
Nix gegen Aiwa! Die hatten Mitte der 80er die besten Tapedecks wo gab!!
Naja, viele Marken sind schon darniedergegangen, und was Technics, meine einstige Stammarke heute so verramscht, ist auch das Epoxidharz kaum wert, auf dem es verlötet wird.
Dasselbe gilt natürlich für alle aufgekauften Marken wie Grundig, Dual etc.


von PeterSchwarz - am 06.03.2006 15:12
Mein Onkyo Verstärker(-Amplifier) von 1979(!) "Made in Japan" schickt satte 440 Watt (also 220 Watt pro Kanal auf 8 Ohm und über 25 KILOGRAMM ist schwer das ÜBERTEIL!) über meine "Earthquake of San Francisco"-Boxen ("Made in USA") mit vergoldeten Glasfaser-Kabeln(für besten Sound) über meine kleine Seitenflügel-Wohnung in Berlin-Wedding an alle "Feinde" weiter...

So dass ich :vollekracht: aufdrehen kann. Wobei der "Rest" der Anlage auch nicht ohne ist. Ein JVC Tapedeck mit Original DIN-Norm "Hi-FI"-Abzeichen drauf, auch von 1979, welches ein eigenes von JVC entwickeltes Rauschunterdrückungssystem namens "ANRS" und andere technische Raffinessen hat. Dann ein Equalizer-Peak-Level und VU-Level-Meter mit "am Start" hat.

Außerdem beleuchtete Soft-Touch Tasten am Tapedeck selber, nicht die mechanischen Tasten, die nach ein paar Jahren abklemmen und Stein-Hart werden...Der Tuner ist auch von Onkyo. Habe die analoge Skala vor ein paar Jahren "kaputtgemacht", so dass das Drehrad inzwischen fest auf die Kabelfrequenz von Sunshine Live eingefahren ist...Habe es nie reparieren können, aber inzwischen will ich es auch nicht mehr...Der vollautomatische Plattenspieler ist von Phillips (Anno 1990-91) und der CD Player "echte deutsche Wertarbeit" von Schneider aus den späten 1980er Jahren. Kann mich also nicht beschweren. Neuzugang sind mein LaGio 105/DABMAN für unterwegs, sowie zwei MINI DISC Portable-Recorder von Sharp, einen habe ich seit 2000, den anderen seit Juli 2004! Nicht zu vergessen meinen kleinen Sangean ATS 305 (unmodifiziert, damit kenne ich mich nicht aus!), seit 2002.

von Francesco210175 - am 06.03.2006 17:00
Könnte ziemlich sicher ein Digitalverstärker gewesen sein (aka PWM/PDM/Class-D). Wird in letzter Zeit viel bei kleineren Anlagen benutzt (auch bei 5.1-Verstärkern), weil es von TI&Co billige Chips dafür gibt. Auch die Tonqualität ist inzwischen recht tauglich. Die Abwärme ist minimal, da reichen schon wirklich kleine Kühlkörper. Und dank der besseren Effizienz kann das (Schalt)Netzteil auch kleiner sein. Die 2*130W DIN entsprechen wohl ca. 2*60W Sinus, die werden aber wohl wirklich rauskommen, ohne das was verglüht.

Georg

von Georg Acher - am 07.03.2006 01:03
@Francesco:
Nun will ich Deinen Schneider-Player nicht schlecht reden - aber ich denke mal das "echte deutsche Wertarbeit" war eher ironisch gemeint. Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre hat Schneider, Türkheim so einen dermaßen großen Müll auf den Markt geworfen, daß der baldige Niedergang dieser Firma nur eine Frage der Zeit war. Ich habe selbst noch so einen CD-Player an meinem Computer installiert, um dann und wann noch mal etwas auf analogem Wege einzuspielen. Aber der Klang ist mit heutigen (besseren) Geräten nicht zu vergleichen.

von RadioNORD - am 07.03.2006 10:27
Zitat
PeterSchwarz
Nix gegen Aiwa! Die hatten Mitte der 80er die besten Tapedecks wo gab!!


Einspruch, Euer Ehren!
Aiwa galt vor rund 20 Jahren im Bereich Cassettendecks als "nicht so schlecht", aber "die besten ... wo gab" waren sie mit Sicherheit nicht. Abgesehen von Geräten überwiegend für den professionellen Einsatz (z.B. Studer, Tascam), galten in den 80ern besonders die Geräte von ReVox und Nakamichi, mit Abstrichen TEAC, als erste Wahl.

Hier mal 4 Beispiele von Decks, von denen man damals träumte (ich nicht, Cassettendecks fand ich nie attraktiv):

1 Nakamichi Dragon
Sensationell seinerzeit der Dragon mit seiner automatischen Azimuthjustage, genannt NAAC. Es gab eigentlich nichts, was man nicht penibel einstellen konnte. Der Neupreis lag allerdings auch bei 4.500DEM, im audiovision-shop.de sind aktuell mehrere - natürlich gebrauchte - Dragons ab 1.099EUR wohlfeil. Kleiner Nachteil des Dragons: Er konnte nur per Cinch verbandelt werden, HiEnder mussten also auf symmetrische (XLR-) Anschlußfelder umrüsten (lassen).


2 Nakamichi MR 1
Mit dem Dragon stark verwandt war dieses Modell, das serienmäßig schon über XLR-Connectors verfügte. Zudem hatte es einen gesonderten Eingang für externe Rauschunterdrückungssysteme ("External"). Noch teurer und heute auch noch gesuchter als der Dragon.


3 Nakamichi RX-Serie (insbesondere RX 505)
Eine besondere technische Leistung dieser Serie war das "UniDirectional Autoreverse (UDAR)" genannte motorische Wenden der gesamten Kassette, um Azimuthfehler in der Gegenrichtung zu vermeiden. Das Modell 505 konnte auf das Laufwerk des Dragon zurückgreifen.


4 Revox B 215
Hier möchte ich die Fanpage >> studerundrevox.de

von Ottensen FM - am 07.03.2006 12:30
Ottensen FM: Ich meinte ja jetzt auch innerhalb "für Normalbürger bzw. Schüler bezahlbare Sphären".
Der Nakamichi Dragon war damals doch auf Ewigkeiten Leader der Stereoplay-Bestenliste.
Und die guten alten Revox-Geräte...die waren halt schon ein Traum. Ich hab einmal so einen Revox-Receiver offen auf dem Tisch gehabt: Alles in Modularbauweise, da hast Du keinen Drahtverhau gesehen, keine schlampige Lötstelle, nix! War dann aber auch nicht ganz einfach, an was ranzukommen...mein Traum wär aber trotzdem immer so ein Transrotor-Plattenspüler von Räke gewesen in Verbund mit einer Krell-VV/Endstufen-Kombi. Von den dazugehörigen Lautsprechern wollen mir erst mal gar nicht reden, denn dann sind wir bei der Preisklasse "freistehendes Einfamilienhaus in Halbhöhenlage Stuttgart-Süd"


von PeterSchwarz - am 07.03.2006 13:22
Ich oute mich als Low-Fi-Besitzer, aus geldtechnischen Gründen gehts nich anders.

Wenn ich mal nicht über Kopfhörer (10-Euro-Sonystöpsel oder mein hierletzt verrecktes Plantronics-Headset - ich glaub ich kauf mir mal Ersatz) Musik höre, dann über einen "Ghettoblaster" von Grundig, Baujahr 1995. Der Sound ist nicht der Allerberauschendste (obwohl die 12-cm-Lautsprecher an sich ganz brauchbar sind), weil das Billigplastikgehäuse schon weit vor der Verzerrungsgrenze ohrenbetäubendes Resonanzknarren von sich gibt - der Bassklang an sich (bei moderaterer Lautstärke) geht für den Preis (damals 222 DM) noch in Ordnung.

ABER: Auf der Verpackung wurde nicht fett und breit mit einer überhöhten Wattangabe geworben, in der Bedienungsanleitung steht ganz bescheiden 2x4 W Musikleistung / 2x2,5 W Sinusleistung. Die bringt das Gerät wohl auch, und ich bin mir sicher, dass es in Lautstärke UND Klang die meisten Fernost-Bomber dieser Größe (die riesigen Boomblaster mal außen vor) mit 2x20 W, die nicht selten über 8-cm-Tröten rüberkommen sollen, deutlich übertrifft.

Ein Extrembeispiel dürften 20-DM-Aktivboxen sein, die wir zu meinem vorletzten PC hinzugekauft hatten. Es wurde mit sagenhaften 120 Watt geworben, für 2 Kästchen in der Größe von Milchtüten (andere Hersteller geben halt bis zu 1000 Watt an ;-)), mit einem Fernost-Breitbänder ebenfalls mickrigen Ausmaßes und einer Bassreflex-Röhre, auf dass es schön imposant aussieht. Diese Krawallbüchsen wissen selbstverständlich nicht einmal, wie Bass geschrieben wird. Natürlich können sie nicht einmal gegen meinen "CD-Radiorecorder", wie man ihn Mitte der 90er konservativ bewarb, anstinken - dieser wiederum ist guten Anlagen haushoch unterlegen.

von Hagbard Celine - am 07.03.2006 17:43
@RadioNord: Natürlich war das ironisch Gemeint, dafür das ich diesen CD Player bei mir im Keller gefunden habe, kann ich nicht allzu unzufrieden sein...Er ist fast 20 Jahre alt...

@OttensenFM: Übergeile Bilder. Wenn es auch was von Revox, Marantz bzw. von NAD gibt, bitte hier im Forum stellen...

von Francesco210175 - am 08.03.2006 18:01
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