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Hagbard Celine, S.F.2, HAL9000, Sebastian Dohrmann, PeterSchwarz, Alqaszar, dxbruelhart

P2P (Filesharing) Musik- und Filme-Download für den privaten Gebrauch soll in der Schweiz auch weiterhin legal sein

Startbeitrag von dxbruelhart am 21.12.2006 07:09

Der Tages-Anzeiger meldet:
http://www.tagesanzeiger.ch/dyn/digital/internet/700752.html

Ein Versuch, Künstler vor Internetpiraten zu schützen

Gratis Musik aus dem Internet herunterzuladen, ist erlaubt – aber nur, wenn man das Stück im privaten Kreis hört. So will es der Ständerat.

Von Verena Vonarburg, Bern

Kultur wird immer billiger: Musik, Filme und Bilder sind heute online gratis zu haben. Was die Konsumenten freut, ärgert die Künstler, sofern sie ihre Werke nicht verschenken wollen und sie nicht aus eigenem Antrieb kostenlos ins Internet stellen.

Auch CDs und DVDs, selbst solche mit Kopierschutz, können in aller Regel mit wenigen Handgriffen und Programmen vervielfältigt werden, die im Internet leicht aufzutreiben sind. Das alles zum Entsetzen der Musik- und Filmindustrie, die sich seit Jahren über schwindende Umsätze beklagt. Mit ständig neuen Kopiersperren, mit Verschlüsselungen, die nur eine geringe Anzahl Kopien zulassen, und mit Drohungen vor einer strafenden Instanz versucht die Unterhaltungsbranche zu verhindern, dass sich nicht noch mehr Konsumenten gratis bedienen. Doch sie kämpft mit sehr mässigem Erfolg.

Und auch die Gesetzgeber hinken einmal mehr der Realität hinterher. Das seit 1992 geltende schweizerische Urheberrecht ist, was das Internet anbelangt, längst überholt. Damals ahnte niemand, welch zentrale Bedeutung diesem globalen Netz bald zukommen würde.

Die laufende Revision des Urheberrechts soll sich nun wieder etwas an die Realität herantasten. Die Politik versucht dabei, einen Interessenausgleich zwischen den Kulturschaffenden, der Musik- und Filmindustrie und den Konsumenten herbeizuführen.

Ein solcher Ausgleich der Anliegen scheint nun gelungen: Der Ständerat hat das revidierte Gesetz gestern mit 23 zu lediglich einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen gutgeheissen. Befürwortet hat er auch zwei internationale Abkommen zum Urheberrecht. Als nächster muss sich der Nationalrat mit der Materie befassen. Schon heute sind aber die wichtigsten Punkte aus Konsumentensicht klar. Sie sind zwar pragmatisch, aber auch inkonsequent.

* Gratiskopien zum Privatgebrauch: Kopien sind an sich nicht erlaubt. Wer für sich selbst von einer CD oder einer DVD aber ein Duplikat brennt, tut nichts Illegales. Er kann das auch für seine engere Familie und für gute Freunde erledigen. Wo der private Bereich genau aufhört, werden die Gerichte entscheiden müssen.
* Download: Musik oder Filme aus dem Internet – beispielsweise aus einer Online-Tauschbörse – für den Privatgebrauch herunterzuladen, ist erlaubt. In dieser Hinsicht ist die Schweizer Regelung liberaler als diejenige der EU. Erlaubt ist auch der bezahlte Download von einem illegalen Anbieter. Der Bund ist der Meinung, es könne dem Konsumenten nicht zugemutet werden, jedesmal zu eruieren, ob er es mit einer legalen oder einer illegalen Quelle zu tun habe.
* Illegaler Upload: Wer aber ohne Bewilligung Musik oder Filme oder Ähnliches gratis ins Netz stellt, macht sich weiter strafbar. Illegale Anbieter werden bestraft. Das gilt auch für Mitglieder von Tauschbörsen, die ihre eigene Sammlung den anderen zur Verfügung stellen. Der Haken: Diverse Börsen lassen demjenigen, der teilnimmt, gar keine Wahl: Wer etwas herunterladen will, muss auch etwas zur Verfügung stellen.
* Kopierschutz: Wer technisch versiert ist und für den Privatgebrauch den Kopierschutz mit einem Computerprogramm knackt, wird nicht bestraft. Wer jedoch solche Programme zum Umgehen der Sperre anbietet, handelt illegal.
* Entschädigung: Auf leeren CDs oder DVDs, so genannten Rohlingen, muss der Käufer seit 2003 eine Abgabe bezahlen. Sie gehen an die Verwertungsgesellschaften, welche wiederum die Künstler entschädigen. Auf der leeren Audio-CD beträgt die Abgabe aktuell 33 Rappen pro Stunde. Für leere DVDs zahlt der Konsument 55 Rappen pro 4,7 Gigabytes. Bei mehrfach bespielbaren DVDs sind es 1.05 Franken pro 4,7 Gigabytes. Der Haken: Wer die CDs oder DVDs für eigene Daten oder eigene Filme benutzt, muss die Gebühr gleichwohl bezahlen. Und wer Musik oder einen Film gekauft hat und diese für sich auf eine zusätzliche CD oder DVD brennt, zahlt zweimal: Für das Werk an sich und für die Pauschalabgabe.
* Abgabe auf MP3-Playern: Die Suisa, die Schweizerische Verwertungsorganisation, welche Urheberrechtsgebühren einkassiert und einen Teil an die Künstler weitergibt, möchte eine Gebühr für MP3-Player und Videorecorder mit integrierter Festplatte einführen. Damit würden die Geräte um 5 bis 16 Prozent teurer – je nach Kapazität und Speichertyp. Weil dagegen Beschwerde erhoben worden ist, muss das Bundesgericht über diese geplante Geräteabgabe entscheiden. Marktforscher gehen davon aus, dass die neuen Gebühren der Suisa bis zu 25 Millionen Franken mehr einbrächte. Der Bundesrat hatte nach der Vernehmlassung auf eine Gerätegebühr verzichtet. Demgegenüber hatte die Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten entschieden, MP3-Player und Harddisc-Recorder seien keine eigentlichen Geräte, sondern Speichermedien.


Der Netzwocheticker meldet:

http://www.netzwoche.ch/netzwoche/netzwocheticker-news.cfm?id=30470&datum=2006-12-20


URG-Revision: Kopierschutzknacken für Eigengebrauch erlaubt

Der Schweizer Ständerat hat die Regierungsvorlagen zur Urheberrechtsrevision mit kleinen Änderungen gemäss Empfehlung seiner „Kommission für Rechtsfragen“ am Dienstagabend befürwortet. Die neue Regelung enthält zum einen wirksame technische Massnahmen zum Schutz von Werken und anderen Schutzobjekten. Zum anderen schloss sich die kleine Kammer dem Vorstoss des Schweizer Bundesrates an, wonach das Kopierschutzknacken für den Eigengebrauch erlaubt werden soll. Auch das Herunterladen geschützter Werke aus dem Internet soll zulässig bleiben.
Sollte der Entwurf nun auch vom Nationalrat gutgeheissen werden, käme es zu einer liberalen Sanktionierung technischer Einschränkungen für digitale Inhalte. Damit würde man auch den Ansprüchen der verschiedenen Organisationen gerecht (Netzwocheticker vom 19.12.) werden, die im Vorfeld der Gesetzesrevision mit der Bitte um eine Liberalisierung der Schutzmassnahmen an den Ständerat appelliert hatten.
http://www.URG.NODUS.CH

Antworten:

Die Schweizer scheinen mal wieder realitätsnäher zu sein als der blöde Faschingsverein EU!



von PeterSchwarz - am 21.12.2006 09:05
Die Argumentation der Schweizer Regierung erscheint mit logischer als die lobbyistenverseuchte Politik, welche nicht die EU, sondern die nationalen Reegierungen (in Deutschland vor allem die SPD-Ministerin Zypries).

Die EU wäre also durchaus hilfreich, edel und gut, wenn man sich in der Kommission auf eine ähnliche Regel wie in der Schweiz einigen könnte, mit weit reichenden Freiheiten des Verbrauchers, der dadurch vor der Gier und der Bevormundung der Industrie geschützt ist.

Bisher gibt es kaum gute, legale Online-Musikangebote im Internet. Überall wird einem schlechte Qualität geboten (lediglich MP3 oder WMA, max. 128 bis 192 kbit/s, DRM-verseuchte Files). Allofmp3.com macht vor, wie das funktionieren kann mit dem Musikverkauf im Internet, auch wenn dieser Laden nur aufgrund einer russischen Gesetzeslücke operieren kann, welche wohl demnächst geschlossen werden wird.

EU-Bashing ist hier (mal wieder) völlig fehl am Platz!

von Alqaszar - am 21.12.2006 18:38
Die Schweiz gewinnt bei mir wieder DEUTLICH dazu.
Wenn nur dieses AS¾LT™gesetz nicht wäre... :rolleyes: ;)

von Sebastian Dohrmann - am 21.12.2006 20:16
Da scheinen noch Leute mit Sachverstand in der Regierung zu hocken, die nicht von der Industrie geschmiert wurden. In Zeiten, wo man künftige Nutzer von HDD- Recordern per Kopierschutz das brennen auf DVD untersagen will, wo man sogar am liebsten festlegen möchte, wann und wie oft der User die Aufnahme wiedergeben kann oder von vornherein gar nicht zulassen möchte, in Zeiten wo man offiziell nicht mal ne Zusammenstellung oder 1:1 Kopie einer LEGAL GEKAUFTEN CD für sein eigenes Auto anfertigen darf, in solchen Zeiten zeigt die kleine Schweiz dem Rest der Welt, wo der Frosch die Locken hat - und denkt in erster Linie an diejenigen, die sie gewählt und somit in Lohn, Brot und Ehren gebracht haben: die Menschen in seinem Lande.
Ich zieh um in die Schweiz ! :D

Vive´ la Suisse oder wie heisst das gleich?


von HAL9000 - am 22.12.2006 08:45
Und in Deutschland wollen se den Schmarrn mit den BKA-Trojanern machen, mit dem man auch die Filesharer problemlos kriegen dürfte (psst, nicht weitersagen, die sollen weiter denken, sie hätten das nur zum Kampf gegen den Terrorismus geplant) - und zumindest NRW ist dabei, die legale Basis dafür aufzubauen, andere werden folgen... :rolleyes:

von Hagbard Celine - am 22.12.2006 17:53
HEIL RIKOLA :spos:

von S.F.2 - am 22.12.2006 22:35
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