Kali, Pfeffi, Blauer Würger

Startbeitrag von mor_ am 10.02.2007 18:41

Robert S dürfte dieser MDR "Kulturbeitrag" sicher gefallen :)
Zitat

Prost Mahlzeit DDR (2/3)
Kali, Pfeffi, Blauer Würger
MDR FERNSEHEN
Datum Sendezeit VPS Besonderheiten
Di, 20.02. 22:05 Uhr 22:05 Uhr Stereo
Ein Film von Andreas Kuno Richter

Wenn in der DDR immer etwas fehlte, eines gab es ständig: Alkohol. Natürlich mangelte es dabei an edlen Tropfen, aber die einfachen Schnäpse füllten manche Lücken in den Regalen. Und es fehlt nicht an Kosenamen für die hochprozentigen Getränke: Blauer Würger, Kali, Pfeffi ... Der Alkoholverbrauch stieg in den 60er Jahren so alarmierend, dass in den Berichten der Partei "gesundheitsgefährdende Ausmaße" befürchtet wurden. Der Staat versuchte dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Am 01. Februar 1971 reagierte der DDR-Ministerrat mit einer saftigen Preissteigerung für "harte" Getränke. Der Bierkonsum stieg darauf jedoch nur kurzzeitig an. Nicht jedem schmeckte der heimische Gerstensaft.

Schon 1957 hatte ein Großversuch mit Gerstenflocken das Ende des Deutschen Reinheitsgebotes für manche Biere in der DDR besiegelt. Aus Gründen der Sparsamkeit durfte Malz durch Gerstenflocken, Reis- und Maisgrieß sowie Zucker ersetzt werden. Vielen Bieren sah man diese Sparsamkeit auch an - sie waren trübe. Trugen die bekannten Biersorten den Zusatz "Export" - so war das leider meist wörtlich zu nehmen. "Radeberger" und "Wernesgrüner" fand man in den beliebten Kaufhallen fast nie, wurden so zu einer eigenen Währung beim Besorgen von Mangelwaren.


Richtiges Geld musste jedoch die staatliche Plankommission hin und wieder für Blitzimporte einsetzen. Die "Aktion Weihnachtsteller" sorgte so für Wein und Sekt aus Spanien, Frankreich oder Westdeutschland. Da die DDR sich sonst aber kaum auf dem internationalen Spirituosenmarkt bedienen konnte, musste die einheimische Industrie den internationalen Getränkemoden folgen. Immer neue Destillate bereicherten die ostdeutschen Getränkelisten. Klassische Spirituosen wie "Kristall"-Wodka oder "Nordhäuser Doppelkorn" - die die Wende überdauerten - und exotisches wie "Sambalita" und "Sabrina Tropic" warben um die Gunst des Verbrauchers.

Der Film erzählt ein interessantes und unterhaltsames Stück ostdeutscher Wirtschaftsgeschichte mit einem Augenzwinkern. Etikettensammler, Brauer, Brenner, Betriebsdirektoren und Wissenschaftler geben dabei Einblick in eine besondere Geschichte der DDR.

http://www.mdr.de/tv/programm/prog%5Fdetail+801140.html

EDIT: BIld eingefügt

Antworten:

Na da weiß ich ja was ich da zu tun hab :D

von Robert S. - am 11.02.2007 01:21
Ein Phänomen, wie es in allen früher sog. kommunistischen Staaten auftrat, wie z. B. in Rumänien zu den schlimmsten Ceaucescu-Zeiten in den 80ern: Es gab nichts zu kaufen, die Wohnungen waren nicht geheizt, Strom wurde abgeschaltet, aber der Palinka-Schnaps, den gab es...

von Alqaszar - am 11.02.2007 02:05
Zitat

der Palinka-Schnaps,

richtigen oder Ethanol + Aromastoff ?
Kann jemand mir Zugereisten "Kali" (als Schnaps/Likör) auflösen. Gestern kannte das keiner und wiki schweigt.

von mor_ - am 11.02.2007 07:31
hochhol
am besten aufnehmen und feiern ;

von mor_ - am 20.02.2007 17:50
Zitat

"Kali"

= Deputatschnaps im Kalibergbau.

von mor_ - am 21.02.2007 14:36
Man nannte ihn auch "Kumpeltod".

von Handydoctor - am 21.02.2007 14:54
Zitat
Handydoctor
Man nannte ihn auch "Kumpeltod".

Wie passend :drink: :brüll:

von Harald P. - am 21.02.2007 15:42
Das war doch mal ne geile Sendung! Da werden Erinnerungen wach :-) :cheers:

von LeipzigNewsMan74 - am 22.02.2007 08:19
mor_ schrieb:

Zitat

richtigen oder Ethanol + Aromastoff ?


Die Qualität war wohl durchweg wechselnd. Zusätzlich zu der staatlichen Produktion gab es ja noch zahlreiche "private" Schnappsprenner, die von Pferdurin bis Batteriesäure wohl ziemlich alles gebrannt haben, was in irgend einer Form zischte.

Besonders aber die private Produktion brachte andererseits (und bringt noch heute) butterweiche, vollmundige, sehr aromatische und vor allem nicht blind machende Wässerchen zustande. Aber Vorsicht: Bei 50 - 60 "Umdrehungen" fängt der Spaß erst an!

von Alqaszar - am 23.02.2007 02:16
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