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Massenpanik bei der Loveparade 2010 - leider mehrere Tote :( / war : Love Parade bald im Ruhrgebiet?

Startbeitrag von KlausD am 23.04.2007 08:43

Die Love Parade zieht laut einem Bericht der Berliner Zeitung "Tagesspiegel" (Sonntag) nach Essen. Das Musikspektaktel sei dort am 25. August geplant. Näheres - hier -

Die 50 interessantesten Antworten:

Re: Love Parade bald im Ruhrgebiet?

Zitat

Na ja, das Schweizer Pendant findet auch nicht in der Hauptstadt statt.


Ok, aber die Schweiz hat ja eigentlich keine richtig grosse Stadt und eine Weltstadt schon gar nicht. Von daher kann man das nicht so ganz vergleichen.



Wenn Berlin nicht mehr will, warum dann nicht nach Essen mit dem Spektakel?

Grundsätlich spricht da nichts gegen, aber die Frage ist, ob Essen damit nicht überfordert ist. Wenn wirklich dann wieder 1 Million oder noch mehr Raver kommen, dann stösst man auch in Essen sehr schnell an seine (organisatorischen) Grenzen.

von zerobase now - am 23.04.2007 12:04

Re: Love Parade bald im Ruhrgebiet?

Ich hätte ja auf Stuttgart getippt...da dort die Techno-Szene immer recht lebendig war und sie auch eine Partymeile haben, die der Berliner nicht ganz unähnlich ist (Park mitten in der City) aber vermutlich hat man wohl um das saubere Städtle und die schönen "Aaalage" (Schlossgarten) gefürchtet.
Ich bin jetzt mal gespannt, wo die Party in Essen gehen soll...auf der Rü vielleicht?




von PeterSchwarz - am 23.04.2007 19:59

Re: Love Parade bald im Ruhrgebiet?

Toll, eine Dienstreise nach Essen ist zu gewinnen! :D Früher haben wir in Berlin Dealer und Käufer gepflückt, warum also nicht nach Essen fahren!

Seit die Stadt Berlin vor ein paar Jahren damit anfing, sich die Sondernutzung der Straße des 17. Juni inklusive Absperrung, Kosten für den Einsatz von Polizei, Rettungsdiensten und Berliner Stadtreinigung schrittweise vollständig bezahlen zu lassen, sind für den Veranstalter die Kosten mächtig gestiegen. Nur zu gern würde man Eintritt kassieren, was aber sicherlich vom überwiegenden Teil der Besucher abgelehnt wird. Das würde dann zu einem spürbaren Rückgang der Besucherzahlen führen. So ist das nun mal bei Veranstaltungen, die immer schon kostenlos waren und auf einmal Eintritt kosten sollen.

Rechtlich steht die Stadt Berlin auf der richtigen Position. Nur kann man eine solche Parade in dem Umfang weder privat organisieren noch finanzieren. Hätte Berlin ein Interesse an der Loveparade, dann müßte sich Berlin auch engagieren! Ich sehe das seit ein paar Jahren so, daß man seitens der Stadt kein Interesse mehr daran hat. Daher auch immer neue finanzielle Forderungen an die Veranstalter, die Forderung nach einer Versicherung für mögliche Schäden und, und, und...

Wenn Essen das alles selbst in die Hand nimmt und die Loveparade von der Stadt gewollt und unterstützt wird, dann ist das sehr löblichTM!

Aaaber! In der Vergangenheit gab es jedes Jahr im Frühling die Presseschlacht um die Loveparade. Erst soll sie stattfinden und es gibt einen festen Termin. Dann fällt sie aus und andere Städte reißen sich angeblich darum. Und dann soll sie abgesagt werden... Ich glaube dahingehend nichts mehr! Wenn irgendwo eine Loveparade stattgefunden hat, dann wissen wir mehr! :D

von PowerAM - am 24.04.2007 07:25

Re: Love Parade bald im Ruhrgebiet?

Zitat

Seit die Stadt Berlin vor ein paar Jahren damit anfing, sich die Sondernutzung der Straße des 17. Juni inklusive Absperrung, Kosten für den Einsatz von Polizei, Rettungsdiensten und Berliner Stadtreinigung schrittweise vollständig bezahlen zu lassen, sind für den Veranstalter die Kosten mächtig gestiegen.

Jemand hat mir erzählt das ca. 1/3 des Jahresbauetat der TUB für die Absperrmassnahmen des TU Campus´ zur LP draufging. Seitdem konnte ich mir vorstellen das nicht jeder über die LP erfreut war.


von mor_ - am 24.04.2007 08:32

Re: Love Parade bald im Ruhrgebiet?

Zitat
Harald P.
Zitat
alqaszar
Die Love Parade ist so mega-out, dass sie in der Provinz gut untergebracht ist.


Na ja, Essen würden ich jetzt nicht gerade als "Provinz" bezeichnen, immerhin ist es die sechstgrößte Stadt der Republik. Aber ansonsten stimme ich Dir zu: Die "Liebesparade" hat ihre besten Zeiten längst hinter sich.

QTH: Bingen am Rhein, Stadtteil Dromersheim

Zustimmung. Nur wird die halbtote Loveparade gerne mit der Elektronischen Musik über einen Kamm geschert. Frei nach dem Motto "Dance ist tot". :rolleyes:

von Sebastian Dohrmann - am 24.04.2007 12:48
Laut Augenzeugenberichten soll es einige pampige Antworten von Polizeibeamten gegeben haben, als vor oder während der Katastrofe Menschen sich warnend und Hilfe suchend an diese gewandt haben.

Ist eigentlich jemandem aufgefallen, dass die Polizeiuniformen immer mehr aussehen, als kämen sie aus einer besonders bedrohlichen Verfilmung von "1984"?

Vielleicht soll die Polizei den Menschen ja nicht mehr helfen, sondern sie in Schach halten. Wen interessiert schon, wenn ein paar Raver drauf gehen. Der Staat muss sich schließlich darum kümmern, den Reichen noch ein paar Milliarden an "Rettungspaketen" hinterherzuschleudern.

Oh, ich sehe gerade, ich habe da zwei Dinge durcheinander geworfen, die nichts miteinander zu tun haben. Ich Dummer, ich!

Herzliches Beileid an die Angehörigen der Todesopfer und gute Besserung den Verletzten.

von Alqaszar - am 24.07.2010 19:48
@ Alqaszar:
Nein, ganz banal: Als Ordnungskraft hast Du da schlicht kein Durchkommen mehr, das weiß ich sehr gut noch im Rahmen meines Einsatzes bei einem vergleichesweise kleinen Festival in meiner Heimatstadt, wo zum Glück noch nie etwas passiert ist.
Ansonsten gibt es hier auch die übliches Unvernunft und der fehlende gesunde Menschenverstand, leider :-( . Und das reicht um Tote zu produzieren. Wenn etwas überfüllt ist, bin ich schlicht zu spät dran, es bringt auch üblicherweise nichts, kein Event-Feeling - GARNICHTS, wenn man sich noch irgendwie den Weg dahin bahnt.
Ich erinnnere mich da auch an das UFTG-Festival in Gemünden am Main. Ein sehr friedliches Festival, ohne Verletzte. Dort waren Bierbänke um den Mischpulturm in der Mitte herumgruppiert um sich mal setzen zu können. Einige haben die dann nur wenige Meter weiter nach vorne versetzt. Irgendwann wurde es dunkel. Und dann kam es natürlich wie es kommen mußte: Die Bänke waren nicht mehr sichtbar, die Leute sind einfach drübergefallen, die Bänke sehr schnell umgefallen. Als dann die (Metall-) Beine der Bänke nach oben zeigten habe ich dann nicht mehr mit zugesehen. Aber: Warum kommt niemand auf die Idee eine solche Bank wegzuräumen, wir sprechen hier von wenigen Metern (!!), wenn er selbst bereits drügergefallen ist? ... Und das bei einem Death-Metal-Festival, wo es sonst sehr viel zivilisierter zugeht als anderswo. Nur als Beipiel eine Extremsituation: Fällt einer im Moshpit, wird er SOFORT hochgezogen, selbstverständlich! Auch sonst gelten ähnliche soziale Verhaltensweisen. Ich denke da auch an ein Unwetter in Balingen, was wohl in anderer Atmosphäre für mehr Verletzte oder gar Tote gesorgt hätte.

von Thomas (Metal) - am 24.07.2010 20:09
Den Sicherheitskräften vor Ort kann ich auch nicht wirklich einen Vorwurf machen. Große Vorwürfe hingegen mache ich den Organisatoren v.A. dieses Sicherheitskonzepts. Welcher halbwegs anständig denkende Mensch lässt...

1. ein Gelände welches max. 500.000 Menschen fassen kann für eine Veranstaltung mit erwarteteten 1.400.000 Besuchern zu?

2. diese Besucher vom Bahnhof zum Festivalgelände 2 km! laufen? und

3. kanalysiert diese Menschen durch einen Tunnel?

Alles rundrum wird mit Zäunen abgesperrt, damit auch ja kein Ausweg bzw. ein in einer Notsituation da ist.

Was mich richtig aufregt, dass eben ein Entwickler des Sicherheitskonzepts Prof. Michael Schreckenberg von der Uni Duisburg, der in einem Interview mit dem WDR nur versucht hat seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Er hat behauptet, dass die Geschehnisse heute unvorhersehbar gewesen seien und damit indirekt auch angedeutet, dass die Leute ja selbst schuld seien an der Tragödie! Unfassbar, dass ein Verantwortlicher sowas sagt. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Angehörigen und Freunden der Menschen die heute dort gestorben sind. Eine Frechheit!

Darüber hinaus hat dieser unqualifizierte, großkotzige Herr Professor behauptet, dass der Zugangsweg absolut für diese Anzahl von Menschen geeignet gewesen sei. Angesichts http://tweetphoto.com/34664774 dieses Fotos ist das genau so eine Frechheit, weil es einfach eine Lüge ist.

Unfassbar wie die Organisatoren hier versagt haben.

von Sebastian Dohrmann - am 24.07.2010 21:13
Über diesen Prof. Michael Schreckenberg habe ich mich auch aufgeregt, er ist ja angeblich "Massenpanikforscher" und hätte einer solchen Veranstaltung auf so engem Raum und mit nur einem Zugang durch einen für solche Menschenmassen zu schmalen Tunnel erst gar nicht zustimmen dürfen. Unverantwortlich so etwas. Es war damit zu rechnen, dass der Ansturm einer weiteren großen Menschenmenge dem nicht ohne Probleme standhalten kann.

Sehr gut fand ich wie der Reporter beim WDR diesen Professor regelrecht festnagelte und sagte, dass selbst er den Tunnel, der ihm bekannt war für zu eng hält, zumal es keine Ausweichmöglichkeiten gab und sich eben nicht immer alle Besucher an die Regeln halten. Dagegen behauptete Prof. Schreckenberg, dass man sogar überlegt hätte wie man bei einer möglichen Bombenexplosion in dem Tunnel vorgehen sollte, allerdings hätte niemand damit rechnen können, dass die Leute, die über die Absperrungen nach oben klettern von oben auf die Leute herunterfallen ... :sneg:

Man hätte von vornherein einkalkulieren müssen, dass der Platz zu klein werden wird wenn ein weiterer Strom von so vielen Menschen zu der Veranstaltung kommt. Selbst von kleineren Veranstaltungen in Kleinstädten weiß man seit Jahren, dass sich gegen Nachmittag die Plätze und Strassen von neu hinzukommenden Besuchern füllen während die ersten noch ebenfalls da sind. Und bei einer Veranstaltung wie der Loveparade wollen viele auch bis zum Schluß durchmachen.

von Rosenelf - am 24.07.2010 22:15
Ich würde auch sagen das das Gelände nicht nur zu klein, sondern auch prinzipiell (vorallem durch die Tunnels und die Eingrenzung) völlig ungeeignet war.

Bei einem Innenstadtstrassenzug oder in einem Parkgelände würden sich die Besucher, wenn es dann viel zu eng wird, auf Nebenstrassen oder Grünflächen verteilen. Sowas ist zwar auch nicht optimal weil dann Anwohner und Geschäftsinhaber beeinträchtigt werden oder Grünflächen zertrampelt werden, aber es gäbe immerhin keine Toten und Verletzten.

Und wenn keine Kanalisierung durch nur zwei Tunnels als Eingänge erfolgt wäre, dann hätten sich die Besucher auch aussenrum verteilen können und trotzdem noch etwas vom Event mitbekommen zu könne.

Aber so hatten die Besucher ausserhalb keine Möglichkeit etwas von der Veranstaltung mitzubekommen, haben also deshalb verstärkt in die Tunnel und den viel zu schmalen Aufgang gedrückt, während die Besucher die schon drin waren auch keine Möglichkeit mehr hatten auszuweichen.

Ansonsten muss ich sagen das sowas nicht nur bei Partyveranstaltungen passiert, sondern auch bei anderen Gelegenheiten, sogar bei religiösen Veranstaltungen. Auf der Hadsch wurden mal 1.427 Pilger und desöfteren mal über 200. Auch dort passierte die Katastrophe immer in Tunnels oder an Portalen.

von Martyn136 - am 25.07.2010 04:16
Der Tunnel war ja eben so gedacht, das man alle Individuen die auf die Party wollen kontrollieren kann.
Das es sich an Engstellen staut, wurde anscheinend vernachlässigt.
Solche Kanalisationen sind solange ok. solange ein Plan B und evt. C vorliegt.Zweiter grosser Tunnel in der Nähe oder einfach Raum zum abfliessen lassen.
Es ging natürlich schon los das die Warnungen geflissentlich ignoriert wurden.ICH Staatsmacht,DU Nix.
So kenne ich das seit kleines Kind und als ich vor kurzen Erste Hilfe Leistete, zeigten sie mir es erneut.

von Scrat - am 25.07.2010 09:13
Ich finde das sehr traurig. Kann da nur mein Beileid aussprechen.

War vlt. Duisburg mit dieser Veranstaltung nicht bissl überfordert. Konnten die so viele Leute in dieser Stadt aufnehmen?

Vorallem das Gelände hätte ich nie und nimmer benutzt, ein Platz für 500 000 Menschen, wo doch 1,4 Mio. feiern??? Und die Zugänge bzw. Zugang ist kein Zufall, das so was passiert, sowas von eng und eingequetscht, dazu noch eingezäunt, auf so eine Idee zu kommen ist für mich schon Menschenrechtswidrig.

Für Duisburg wärs besser gewesen, die hätten wie Bochum voriges Jahr die Veranstaltung abblasen sollen.

Ich sehe das sowieso kritisch, dass man die Loveparade im Ruhrgebiet veranstaltet. Für mich gehört die LoveParade einfach nach Berlin und gut isses. Das Flair was Berlin zu bieten hat, haben m.E. die ganzen Städte im Ruhrpott sowieso nicht!

von UKW-Fanatiker - am 25.07.2010 09:53
Zitat
Wetterauer
Ist wohl auch besser so.


Ich finde es eher Schade, was aus der Loveparade geworden ist. Hätte man von anfang an eine geeignete Location gefunden, wäre soetwas nie passiert.
Als Beispiel nehme ich einfach mal die Fanmeilen bei den EM's; WM's. Klar die kann man im Prinzip nicht vergleichen, aber da hocken auch meherere tausend, ja millionen Menschen aufeinander und feiern; und alles ist gut! Es ist also möglich - alles nur eine Sache der vernünftigen und gewissenhaften Planung. Und die war leider bei dieser Loveparade nicht oder eher unsinngemäß vorhanden.

R.I.P - Loveparade.

von Aquarium - am 25.07.2010 11:42
Auf Panoramio existiert ein Bild der Situation. In Blickrichtung Ost erkennt man, dass die Gleisanlagen des südlichen Vorfeldes des Duisburger Hbfs und des ehemaligen Güterbahnhofs in mehreren, kurz aufeinanderfolgenden Unterführungen über die Karl-Lehr-Straße geführt werden.

Der Eingang zum Gelände ist auf dem Bild die erste "Lücke" links, wo die Büsche auf den Gehweg ragen.

@Chris505: Den Eindruck einer arroganten Staatsmacht hatte ich schon oben geschildert. Thomas (Metal) hat darauf geantwortet, dass die Beamten auch nur hilflos sind. Für mich verfestigt sich also zunehmend der Eindruck, dass wede dei Staatsmacht noch der Veranstalter sich für die Sicherheit der Besucher verantwortlich fühlten.

von Alqaszar - am 25.07.2010 13:09
Ich finde auch dass die Veranstalter eine große Mitschuld tragen. Auf so einem kleinem Gelände soviele Menschen ohne irgendwelche Ein- oder Ausgänge außer diesem engen Tunnel, sowas kann nicht gutgehen. Die sollten da auf jeden Fall zur Verantwortung gezogen werden.

Ich war selbst vor 3 Jahren auf der Loveparade in Essen und habe selbst erlebt was dort für Menschenmassen sind. Wenn da eben mal Panik ausbricht gibts gleich Tote. War ja in Fußballstadien auch schon öfters so.

von BetacamSP - am 25.07.2010 13:41
Eine Veranstaltung wie die LP, bei der NIE bekannt ist, wieviele Menschen überhaupt kommen, ist keine Veranstaltung für ein geschlossenes Gelände mit nur einem Zugang. In Berlin war das auch immer gegeben - Zugang von allen Seiten(straßen) und über diverse U-Bahn-Stations-Ausgänge (in denen zwar auch ein ziemliches Gedränge herrschte, aber steuerbar über die Taktung der Bahnen).

So gesehen war die Katastrophe vorhersehbar. Der Veranstalter hätte sich nie auf ein solches Gelände einlassen dürfen. Hat er aber, deshalb trifft ihn auch eine Mitschuld - wie auch die genehmigenden staatlichen/städtischen Behörden.

Auch die Kletterei am Tunnel und über die Zäune ist eigentlich schon vorher klargewesen - auf der LP wurde schon immer alles erklettert, ob nun Ampeln, Verkehrsschilder oder Baugerüste am Ku'damm (obwohl darauf dort sogar die Polizei Logenplätze eingenommen hatte).

Die ursprüngliche Idee der LP ist eh schon vor langer Zeit verkauft worden zugunsten eines Kommerzkarnevals - spätestens beim Umzug ins Ruhrgebiet. Friede-Freude-Eierkuchen war einmal.

Die Veranstalter zogen jetzt die Konsequenz und beendeten das Kapitel Love Parade für immer. Die einzig richtige Entscheidung!

Für das Aussprechen von Beileid halte ich dieses Forum schon seit jeher den falschen Ort. Trauer und Wut erfüllt mich als bereits sehr frühem (früherem) Teilnehmer der Love Parade aber trotzdem!

R.I.P.

von iro - am 25.07.2010 14:40
Was ich bis jetzt auf Videos und Bildern gesehen habe stützt in keinster Weise die bisherige Behauptung, Menschen seien einfach so über die Zäune auf den Bahndamm geklettert und haben den Zugverkehr gefährdet und sind von der abgesperrten Treppe gestürzt, nur um unbedingt auf den Hauptplatz zu kommen. Nein, es sieht bisher eher so aus als hätten diese Menschen versucht aus der unerträglichen Enge zu fliehen. Bewusstlose wurden sogar auf die besagte Treppe gezogen. Da sind nicht einfach völlig unvorhergesehen Menschen von der Treppe gestürzt und haben dadurch erst die Panik ausgelöst. Nein, die Katasrophe war schon vorher da! Ich hoffe, die verantwortlichen des Tunnelirrsins, welches sogar ein Gutachten bekam, werden dafür geradestehen mit spürbaren Konsequenzen!:boese:

von CBS - am 25.07.2010 15:34
Wenn ich mir dieses Gelände so anschaue, wundert es mich, wie man überhaupt auf den Gedanken kommen konnte, eine Veranstaltung dieser Grösse dort abzuhalten. Dieser ehemalige Güterbahnhof ist ja geradezu winzig und die Floats fuhren anscheinend nur im Kreis herum. Sorry, aber das hat doch mit der ursprünglichen Loveparade nichts mehr zu tun, sondern ist stilloser Kommerz! Dass nun auch noch dieses Drama hinzukam, hat der LP offenbar den endgültigen Todesstoss versetzt. Die Veranstalter gaben heute bekannt, dass es keine weitere mehr geben wird.

Bleibt noch die Streetparade in Zürich. Stilvoll am Zürichsee-Ufer und mit genug "Fluchtmöglichkeiten" in die Seitenstrassen.

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 25.07.2010 16:46
Wenn schon Ruhrgebiet, warum bitte dann in einer eher kleinen und so eng bebauten Stadt wie Duisburg mit viel zu kleinem Platz ohne Ausweichmöglichkeiten ? Keine Fluchtwege, alles eingezäunt und abgegrenzt.

Im Ernst, da hätte man eine solch große Veranstaltung eher in einer ländlicheren Umgebung machen können, z. B. am Halterner See, der ja auch noch zum Ruhrgebiet gehört. Jeder Laie sieht auf den Fotos und sogar auf Karten wie Google maps oder Google earth wie ungeeignet dieser Platz in Duisburg war. Eindeutig haben hier die Veranstalter schon im Vorfeld versagt, die alle frühzeitigen Warnungen ignorierten weil sie nur an den Gewinn dachten.

von Rosenelf - am 25.07.2010 17:08
Ganz schrecklich was dort passiert ist. Vermute mal das der OB von Duisburg sein "Hut" nehmen wird, denn wenn ich das so nachvollziehe ist die Stadt mit daran schuld, da sie es doch das o.K.gegeben haben.
Auf der Nature One in Hunsrück war ich mal und selbst dort war so eine Menschenmenge das mich das so beengte und wir nach der Zeit mit Freunden zum Zeltvillage geflüchtet sind. Aber dort sind auch andere Platzverhältnisse und es müssen Eintrittskarten im VK oder direkt dort gekauft werden und daher hat der Veranstalter eine Übersicht wieviele kommen.

von DJ Taifun - am 25.07.2010 20:30
Ich denke es ist bzw. wäre nicht sinnvoll wegen diesem zugegebenermassen äusserst tragischen Vorfall die Loveparade einzustellen. Das ist genauso als würde eine Airline bei der ein tragischer Absturz passiert nicht mehr fliegen.

Viel wichtiger ist, das man sich bei allen zukünftigen Grossveranstaltungen, egal welcher Art, mehr Gedanken um die Lenkung der Besucherströme macht und für ausreichende Zu- und Ausgänge sorgt, um so eine Katastrophe zu vermeiden.

von Martyn136 - am 25.07.2010 21:08
Zitat

Ich denke es ist bzw. wäre nicht sinnvoll wegen diesem zugegebenermassen äusserst tragischen Vorfall die Loveparade einzustellen.

Sie ist ja bereits eingestellt und im Grunde genommen gibt es sie schon seit dem Auszug aus Berlin nicht mehr. Der Name wurde an unfähige Veranstalter verkauft, die aber im Ruhrpott nie eine mit Berlin vergleichbare Veranstaltung auf die Reihe bekommen haben.
Es wird aber auch in Zukunft sicher andere Paraden geben (Hamburg, Hannover...)
Duisburg war eh keine Parade (oder würdest Du einige auf einem abgesperrten Gelände im Kreise fahrende Trucks Parade nennen? Festival vielleicht...). Zu einer Parade gehört immer auch der Demonstrationscharakter - und dazu braucht man öffentlichen Verkehrsraum samt "Zaungästen" (ohne Zaun natürlich)!
Zitat

Das ist genauso als würde eine Airline bei der ein tragischer Absturz passiert nicht mehr fliegen.
Der Unfall passierte, weil der/die Chefs der Airline versäumten fähige Wartungsmechaniker einzustellen. Andere Mechaniker und Anwohner des Flugplatzes warnten zwar, daß die ersatzweise eingestellte Klofrau gar nichts von Flugzeugen verstehe - aber das wollten die Chefs nicht hören. Würdest Du mit dieser Airline noch fliegen, sofern Du Dir nicht vorher einige "E"s eingeschmissen hast?

Vielleicht ja, da Du ja unbedingt wo hin willst wo keine andere Airline hinfliegt. Die Angst würde aber mitfliegen. Zumal Du weißt, daß auf die Flugaufsicht auch kein Verlaß ist und diese das Flugzeug trotz bekannter Mängel starten lässt, weil sich ihr Flughafen damit das Angebot einer Direktverbindung Kleinkleckersdorf - New York ans Revers heften kann.

Andererseits könnte ich mir schon vorstellen, daß jemand auf die Idee kommt irgendwann eine Gedenk-Loveparade zu veranstalten...

von iro - am 25.07.2010 22:53
Zitat
iro
Sie ist ja bereits eingestellt und im Grunde genommen gibt es sie schon seit dem Auszug aus Berlin nicht mehr. Der Name wurde an unfähige Veranstalter verkauft, die aber im Ruhrpott nie eine mit Berlin vergleichbare Veranstaltung auf die Reihe bekommen haben.
Es wird aber auch in Zukunft sicher andere Paraden geben (Hamburg, Hannover...)
Duisburg war eh keine Parade (oder würdest Du einige auf einem abgesperrten Gelände im Kreise fahrende Trucks Parade nennen? Festival vielleicht...). Zu einer Parade gehört immer auch der Demonstrationscharakter - und dazu braucht man öffentlichen Verkehrsraum samt "Zaungästen" (ohne Zaun natürlich)!

So gesehen hat du natürlich recht, eigentlich war 2003 die letzte "echte" Loveparade.

Bereichts die Loveparade 2006 in Berlin war nur noch ne "halbe" Loveparade, und seit dem Umzug in den Ruhrpott ist ausser dem Namen eigentlich nicht mehr viel übrig geblieben.

Zitat

Der Unfall passierte, weil der/die Chefs der Airline versäumten fähige Wartungsmechaniker einzustellen. Andere Mechaniker und Anwohner des Flugplatzes warnten zwar, daß die ersatzweise eingestellte Klofrau gar nichts von Flugzeugen verstehe - aber das wollten die Chefs nicht hören. Würdest Du mit dieser Airline noch fliegen, sofern Du Dir nicht vorher einige "E"s eingeschmissen hast?

Vielleicht ja, da Du ja unbedingt wo hin willst wo keine andere Airline hinfliegt. Die Angst würde aber mitfliegen. Zumal Du weißt, daß auf die Flugaufsicht auch kein Verlaß ist und diese das Flugzeug trotz bekannter Mängel starten lässt, weil sich ihr Flughafen damit das Angebot einer Direktverbindung Kleinkleckersdorf - New York ans Revers heften kann.

Das Versagen der Duisburger Organisatoren und Stadtverwaltung ist eigentlich noch viel gravierender, ungefähr so als hätten sie den Sprit so knapp berechnet das es das Flugzeug nur mit Jetlag ans Ziel schafft und nun wegen wäre das Flugzeug wegen Spritmangel über dem Meer abgestürzt.

von Martyn136 - am 26.07.2010 00:19
Nachtrag zum Thema:
Der Veranstaltungsort war nur für 300 000 Besucher ausreichend, wie da
1.4Mio draufpassen sollen, ist mir nicht klar. Und wie diese 1.4Mio durch
den Tunnel passen sollen, war den Planern wohl offensichtlich nicht klar.
Ich frage mich, was für ein Zeug die Verantwortlichen geraucht haben.

Die Pressekonferenz war ja wohl ein schlechter Witz. Mehr als dümmliches
Herumgeeiere brachten OB Sauerland & Co nicht zusammen.
Entsprechend war die Reaktion der Anwesenden, als OB Sauerland samt
seiner Entourage an der Unglücksstelle aufschlug. Ein Kamerateam des WDR
war ebenfalls anwesend und hielt das im O-Ton fest.

Geplante Vertuschungsaktion?
Zitat
Spiegel Online
Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, wurden bei einer Dienststelle der Bundespolizei inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade - Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten - von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts gelöscht. "Da kam sehr schnell der ganz große Staubsauger", sagte ein Beamter, der sogar eine konzertierte "Vertuschungsaktion" im Gang wähnt.

Nach der rückhaltlosen Aufklärung, von der Bundespräsident Wulff doch so salbungsvoll gesprochen hatte, sieht das jedenfalls nicht aus.

Ein Sprecher der Bundespolizei versicherte, es habe keine Anordnung gegeben, die Daten von den Computern zu entfernen. "Alle Einsatzunterlagen sind vorhanden und können entsprechend angefordert und eingesehen werden", hieß es.

Komplettmeldung: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,708426,00.html

Als ich beim Durchzappen zufällig davon erfahren hatte, habe ich mir
auf Google Maps/Bing Maps das mal angesehen, da war mir sofort klar,
das mußte grandios in die Hose gehen. Was dann auch passierte.
Normalerweise sollten ankommende und abgehende Personenströme separat
geführt werden, damit kommende und gehende Besucher sich nicht
gegenseitig den Weg versperren. Auch das wurde offensichtlich mißachtet.
Ergebnis: Genau am Abgang zur Rampe zwischen den Unterführungen hat
sich dann ein Menschenpfropf ergeben, durch den dann nichts mehr ging:
http://www.youtube.com/watch?v=gLdhwP4_IXM
http://www.youtube.com/watch?v=lqxA3pf1dbw
http://www.youtube.com/watch?v=g5cPTffkbKU

Doch noch soetwas wie Anstand bei den Verantwortlichen?
Treten OB Sauerland & Co zurück?
http://www.ruhrportal.de/wirtschaft-politik-ruhrgebiet/duisburgs-oberbuergermeister-adolf-sauerland-ruecktritt-loveparade2010-tragoedie

Und der Veranstalter hat das Thema Loveparade endgültig beerdigt,
es wird keine weitere Loveparade mehr geben.



von Nohab - am 26.07.2010 00:34
Es ist wirklich für jeden Laien ersichtlich, dass sowas nicht gutgehen konnte. Gerade heutzutage, wo es immer besseres Kartenmaterial von überall zu jeder Zeit online gibt und man sich nicht mehr mit undetailierten Strassenkarten befassen muss.

Es ist ein einziger Skandal. Die Gier der Menschen im Allgemeinen nimmt immer weiter zu. Ohne auf Warnungen zu achten gaben selbst "Experten" ihre Zustimmung nur um dem Druck nachzugeben.

Nun hat also nach dem U-Bahn-Skandal in Köln auch Duisburg die traurige Bilanz einer vermeidbaren Katastrophe und muss damit fertig werden. Die Pressekonferenz war an Überheblichkeit der Veranstalter und Stadtoberhäupter nicht zu überbieten !

von Rosenelf - am 26.07.2010 00:44
Zitat

Spiegel Online
Wie SPIEGEL ONLINE erfuhr, wurden bei einer Dienststelle der Bundespolizei inzwischen sämtliche Unterlagen zur Love Parade - Einsatzbefehle, Lagemeldungen, Karten - von den Computern der Beamten sowie aus deren E-Mail-Accounts gelöscht. "Da kam sehr schnell der ganz große Staubsauger", sagte ein Beamter, der sogar eine konzertierte "Vertuschungsaktion" im Gang wähnt.

Dank Voratsdatenspeicherung (die wahrscheinlich trotz Rechtsunsicherheit im Hintergrund dennoch weiter läuft) ist das ja zum Glück kein Problem!

von BFBS - am 26.07.2010 01:07
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,708410,00.html

Zitat

Bisher kannte ihn kaum jemand, doch Rainer Schaller ist einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes. Er baute die Fitnesskette McFit auf und rettete die Love Parade. Nach dem Todesdrama von Duisburg sind alle Augen auf ihn gerichtet. Wer ist der Mann, der das Techno-Fest organisierte?

Hamburg - Bislang war sein Leben eine Erfolgsgeschichte. Rainer Schaller hat die Fitnesskette McFit gegründet und zum Marktführer in Deutschland gemacht. Genauso konsequent holte er vor ein paar Jahren die Love Parade ins Ruhrgebiet und machte aus dem Techno-Event ein Volksfest.

Doch am Sonntagmittag sitzt ein Mann vor der Presse, der überhaupt nicht wie ein Macher wirkt. Es ist kurz nach 12 Uhr, als Schaller das Aus für die Love Parade verkündet. Seine Sätze liest er ab, die Stimme ist tonlos. "Die Love Parade war immer eine friedliche Veranstaltung und fröhliche Party", sagt Schaller. Man werde sie nun aber für immer mit den tragischen Ereignissen verbinden und sie könne daher nicht mehr stattfinden.


von Radiopirat - am 26.07.2010 07:36
@iro: "Die Veranstalter zogen jetzt die Konsequenz und beendeten das Kapitel Love Parade für immer. Die einzig richtige Entscheidung!"

Hierzu empfehle ich Wikipedia unter dem Stichwort "Flugschau". Nach der Ramstein-Katastrophe beteuerten alle Politiker, solche Veranstaltungen werde es nicht mehr geben. Dies wird inzwischen immer weiter aufgeweicht. Bei Wikipedia steht eine lange Liste mit (teils tödlichen) Flugschau-Unfällen nach Ramstein - auch in Deutschland.


von hegi_ms - am 26.07.2010 07:38
Die Katastrophe konnte nur zustande kommen, weil von allen seiten Druck auf die Stadt ausgeübut wurde. Man ist ja schliesslich Kulturhauptstadt und dann muss man natürlich auch die LP austragen.
Wäre alles gut gegangen, hätte man sich ja wieder auf die Schulter klopfen können. Leider ist es anders gekommen. Mit der LP ist auch gleichzeitig Ruhr 2010 gestorben.

Grundsätzlich muss man schon sagen, dass es ein Fehler war die LP ins Ruhrgebiet zu holen. Man hat dort einfach nicht die Erfahrung und die Möglichkeiten solch ein Event durchzuführen. Im Nachhinein kann man froh sein, dass beim Stilleben A 40 am letzten WE nichts passiert ist. Auch dort hätte es anders kommen können.

von zerobase now - am 26.07.2010 07:50
@hegi_ms:
Klar gibt es noch mehr Beispiele von Dingen, die lieber hätten eingestellt werden sollen und doch wieder laufen... auch Flugschauen. Auch die DB fährt nach Eschede immer noch.

Aber bei der LP ging es ja um unbeschwertes (und sicheres!) Feiern, aber ein zukünftiger Totentanz wäre vermutlich zwar sicher, aber sicherlich nicht "unbeschwert".



http://www.derwesten.de/staedte/duisburg/Bloss-nicht-in-Flip-Flops-zur-Loveparade-id3269779.html
(dort Kommentar #18, geschrieben 2 Tage vor der LP...) selbst ein Laie konnte ahnen was dann auch passierte. Aber die Politiker wollten wohl unbedingt, so daß es anscheinend sogar Ausnahmegenehmigungen bzgl der Breite der Fluchtwege gab... Und dann noch so ein Geeiere bei der Pressekonferenz. Duisburg hat sicherlich bald einen neuen Bürgermeister/Sozialdezernenten, die ja eigentlich auch dafür bezahlt werden, Verantwortung zu übernehmen....

von iro - am 26.07.2010 08:14
Ramstein war ein tragisches Unglück, aber diese Katastrophe war absehbar und wäre somit vermeidbar gewesen. Mich erinnert das an den U-Bahn-Skandal von Köln und dem Einsturz des Stadtarchivs, bei dem es ohne die Warnung der Bauarbeiter ebenfalls mehr als zwei Tote gegeben hätte.

Inzwischen ist bekannt, dass nur 250.000 Raver erlaubt waren ! Es war reine Profitsucht und Gier, der führende Konzertveranstalter Marek Lieberberg sagte sogar wörtlich:



"Befruchtet haben sich die Geltungssucht der Lokalpolitik, die Profitsucht der Veranstalter, auf beiden Seiten gut gedüngt durch totalen Amateurismus. Das ist kein tragisches Unglück, sondern ein Verbrechen", sagte Lieberberg der "Süddeutschen Zeitung".

Quelle: web.de

von Rosenelf - am 26.07.2010 09:52
Ich war am Samstag in Duisburg (u.a. gemeinsam mit zwei weiteren Usern von hier). Meine 2 Cent zu dem Thema. Unterm Strich war die Veranstaltung mE nicht besser organisiert als die alljährliche Prozession nach Mekka. Wir wissen ja was da passiert. Kann man für sowas nicht wieder den Pranger einführen? Ich nehme mir sofort unbezahlten Urlaub, wenn die Verantworlichen am selbigen stehen würden...

von Staumelder - am 26.07.2010 11:48
Nunja, es gab schon genug Warnungen zuvor, wie auch überall zu lesen ist. Diese wurden einfach ignoriert, mögliche Fluchtwege wurden aus Platzmangel nicht zugelassen, die Feuerwehreinsätze wurden offiziell unvorschriftsmäßig begrenzt.

Und dass der Platz nur für 250.000 Menschen gedacht ist können die Experten die vorher vor Ort waren ja auch nicht im Nachhinein erfahren haben.

Am schlimmsten finde ich die zynische Aussage dieses "Panikforschers" Schreckenberg, der von "Individualisten" spricht, die sich nicht an die Regeln gehalten hätten und nur deshalb von oben auf die Menschen gestürzt sind. Frei dem Motto: "Wer dann zu Boden fällt und totgetreten wird hat eben Pech gehabt". Laut Schreckenberg hat es auch keine Massenpanik gegeben und die Sicherheit wäre gewährleistet gewesen.

von Rosenelf - am 26.07.2010 13:50
Schreckenberg ist ein Ar.... das wissen wir ja jetzt. Was der von sich gibt ist unter aller Sau.

Zitat
Nunja, es gab schon genug Warnungen zuvor, wie auch überall zu lesen ist.


Klar. Aber das sich jetzt Hintz und Kuntz die weder die Sach- noch die Faktenlage kennen, hinstellen und sich wichtig machen und es ja "immer schon gewusst" haben wollen, das stört mich. Berechtigte Kritik ist davon ausgenommen, aber bitte auch nur von denen die daran beteiligt waren und sich auch im Vorfeld schon kritisch geäussert haben. Hinterher ist Kritik immer leicht. Erst recht, wenn man keine Verantwortung zu tragen hat und sich das gemütlich vom Fernsehsessel ansieht.

von zerobase now - am 26.07.2010 13:55
Nur - Wer auch nur etwas gesunden Menschenverstand hat, sieht sofort, daß
das nicht gutgehen konnte. Und das Verhalten des Veranstalters vorher gab
auch zu denken, z.B. wollte sich niemand vorher öffentlich dazu äußern,
wieviele Menschen nun tatsächlich auf das Gelände passen. Hinterher kam
dann raus, daß es laut Genehmigung gerade mal 250 000 sein sollten,
nach der entsprechenden Verordnung nur 240 000. Und das bei den bekannten
Besucherzahlen der letzten Jahre. Dazu dann noch die Verkehrsführung.
Ich muß kein Experte zu sein, um zu sehen, daß das voll in die Hose gehen mußte.

Edit: Wie der WDR meldet, soll jetzt die Polizei verantwortlich sein, sagt der Veranstalter:
http://www.wdr.de/themen/panorama/unfall07/loveparade/100726b.jhtml


von Nohab - am 26.07.2010 19:45
die Suchmaschine bringt bei dem Begriff Loveparade 2010 folgende Ergebnisse:

http://www.duisburg.de/news/102010100000319478.php
Zitat:
Zitat

Loveparade 2010 in Duisburg gesichert
"Das Innenministerium und die Bezirksregierung haben mit Schreiben vom 15. April 2010 dem Finanzierungskonzept für die städtischen Pflichtaufgaben zur Durchführung der Loveparade 2010 zugestimmt. Die Loveparade 2010 kann von daher am 24. Juli in Duisburg auf dem Gelände der künftigen 'Duisburger Freiheit' am Hauptbahnhof stattfinden", bestätigte heute Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland: "Wir freuen uns sehr, dass wir diese Aufgabe gelöst haben und die Party steigen lassen können."
Aufgrund der schwierigen Haushaltslage darf die Kommune keine städtischen Gelder für die Veranstaltung ausgeben. Dank der Unterstützung vieler Partner ist es der Stadt Duisburg gelungen, die von ihr zu erbringenden Leistungen sicherzustellen. Der Hauptsponsor der Loveparade, die Fitnesskette McFit, ermöglicht seit 2006 die Veranstaltung mit einer Sponsoringsumme von 3 Millionen Euro pro Loveparade. Mit dem Geld werden die Planung und Umsetzung der Parade finanziert - dazu zählen unter anderem Kosten für die Reinigung der Veranstaltungsfläche und für rund 2.000 Mitarbeiter, die am Tag der Parade im Einsatz sind. In diesem Jahr leistet die Fitnesskette einen zusätzlichen Beitrag zum Finanzierungskonzept der Stadt Duisburg. Den größten Einzelposten im Finanzierungskonzept stellt die Entlastung von den Transportkosten in Höhe von 300.000 Euro dar. Zusätzlich bekommt die Stadt einen sechsstelligen Förderbetrag des Landes für den Bereich Sicherheit und Verkehr. Der Malteser Hilfsdienst kommt der Stadt hinsichtlich der Bereitstellung von Rettungskräften entgegen. Der Softdrinkhersteller Sinalco steigt als Sponsor ein. Und schließlich soll ein sechsstelliger Betrag durch Merchandising erwirtschaftet werden. "Ich danke allen Partnern für den jeweiligen Beitrag. Alle haben geholfen, das Ziel zu erreichen", sagte Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland zufrieden.

Loveparade-Geschäftsführer Rainer Schaller: "Das ist der Startschuss auf den wir gewartet haben. Wir werden die Loveparade im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 zu einem Leuchtturm-Event machen und neue Wege mit dem Musik- und Bühnenprogramm gehen, das wir in den nächsten Wochen vorstellen werden."

Eva-Maria Kießler, Pressesprecherin der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH, sagt zur Loveparade in Duisburg: "Die Loveparade hat sich erfolgreich in der Region etabliert und ist stetig gewachsen. Sie wird im Jahr der Kulturhauptstadt erneut ein Zeichen für die Region setzen. Das Ruhrgebiet braucht solche weltweit wahrgenommenen Veranstaltungen, um ihr Image als offener und toleranter Lebensraum zu festigen. Die Menschen, die hier leben und gerne hier leben, wissen das. Leider können wir in Zeiten knapper Kassen keine teuren Marketingkampagnen finanzieren, dafür sind wir dankbar für solche fröhlichen Groß-Events. Wir haben von Anfang an dafür geworben, die Loveparade in die Metropole Ruhr zu holen und freuen uns sehr, dass sie bereits zum dritten Mal stattfindet."


Das Areal der künftigen "Duisburger Freiheit" wird derzeit vom Grundstückseigentümer aurelis Real Estate GmbH & Co. KG für die Veranstaltung der Loveparade aufbereitet.

Informationen zur Float-Bewerbung gibt es ab dem 20. April unter www.loveparade.com. Zeitgleich wird auch die von der Duisburg Marketing Gesellschaft initiierte Internetadresse www.partylifterduisburg.de freigeschaltet. Dort können die Loveparade-Fans ein Bekennerabzeichen in einem Online-Shop erwerben und so die Veranstaltung unterstützen. Diese Artikel sind auch in allen Visitor-Centern der Metropole Ruhr, also auch in Duisburg erhältlich.


traurig, zählt denn das Geld mehr als der Mensch ???

von Radiopirat - am 26.07.2010 21:33
Der NDR meldete, dass es wohl nicht unwahrscheinlich ist, dass die erwarteten Besucherzahlen mit voller Absicht so niedrig wie möglich angesetzt wurden. Einfach darum, um nicht höheren Sicherheits-Anforderungen "ausgesetzt" zu sein. Ausserdem soll die Deckungssumme der abgeschlossenen Versicherung für das Event nur genau so hoch gewesen sein wie die einer stinknormalen KFZ-Versicherung. Sprich für die drohenden Risiken viel zu niedrig.

Leider nur traurig genug, dass erst unschuldige Menschen sterben mussten, weil an allen Ecken und Enden schluderig geplant wurde. :(

Auch dieser sogenannte "Panikforscher" Herr Schreckenberg sollte sich mal eine andere Wortwahl/Tonlage zulegen. Sowas eiskaltes und besserwisserhaftes sollte er besser für sich behalten.

von Dr. Antenne - am 26.07.2010 23:03
Zitat
Dr. Antenne
Der NDR meldete, dass es wohl nicht unwahrscheinlich ist, dass die erwarteten Besucherzahlen mit voller Absicht so niedrig wie möglich angesetzt wurden. Einfach darum, um nicht höheren Sicherheits-Anforderungen "ausgesetzt" zu sein.

Warum verwundert mich das kein bißchen?

Zitat
Dr. Antenne
Ausserdem soll die Deckungssumme der abgeschlossenen Versicherung für das Event nur genau so hoch gewesen sein wie die einer stinknormalen KFZ-Versicherung.

Da wird der Herr Schaller wohl einige seiner Fitness-Studios zu Geld machen müssen.

Zitat
Dr. Antenne
Auch dieser sogenannte "Panikforscher" Herr Schreckenberg sollte sich mal eine andere Wortwahl/Tonlage zulegen. Sowas eiskaltes und besserwisserhaftes sollte er besser für sich behalten.


Gerade gefunden:
http://www.heise.de/tp/blogs/foren/S-Re-Neue-Fakten/forum-183178/msg-18889923/read/
Zitat
Detlef Reimers
Ich hatte beruflich schon mit Schreckenberg (auf dem Gebiet der
Verkehrssteuerung) zu tun. Ein arroganter, praxisferner Mensch, der
seine offensichtlich absurden, schlichtweg falschen und nicht
funktionierenden Modelle (er bildet mikroskopische Situationen
makroskopisch ab) auf schärfste verteidigt und aufgrund des richtigen
Parteibuchs auch durchsetzt.


Mit anderen Worten: Der Schreckenberg ist so, der kann nicht anders.



von Nohab - am 27.07.2010 09:55
Zitat
Ich möchte gerne wissen, welche Gelder zwischen der Duisburger CDU und dem McFit-Unternehmer geflossen sind, damit die Verwaltung drei Augen zudrückt. Kein Politiker geht ein solches Risiko für Nichts ein, und die Verwaltung schon gar nicht.


DAs Geld geflossen ist, glaube ich noch nicht mal. Man hatte sich ja schon früh sehr weit aus dem Fenster gelehnt, indem man ja zur LP gesagt hatte. Damals war überhaupt noch nicht klar wo und wie. Als man das scheinbar geeignete Gelände gefunden hatte, hat man es dargestellt, als ob es nur noch eine Formsache ist. Allerdings konnte man jetzt auch keinen Rückzieher mehr machen, ohne sich vollends zu blamieren. Der DRuck, insbesondere auch wegen Ruhr 2010 und Bochum 2009, war einfach unglaublich. Niemand hatt den Arsch in der Hose zu sagen, wir machen das nicht. Man hat einfach gehofft, wird schon gutgehen. Heute wissen wir es besser.


Gab es Druck auf die Stadtverwaltung, die Veranstaltung unbedingt stattfinden zu lassen?

Die Frage kann mit „Ja“ beantwortet werden. Politiker und Beauftragte der Kulturhauptstadt wollten die Parade und unterstützten dies mit Äußerungen und Erlassen. Schon als nach dem Finanz-Votum des Stadtrats das Event wegen Zahlungsproblemen in Gefahr geriet, mahnte die heutige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), dieses „Stück Jugendkultur“ dürfe nicht gefährdet werden. Vor allem aber setzte die NRW-Staatskanzlei von Jürgen Rüttgers (CDU) ihren Willen durch – gegen haushaltspolitische Bedenken des Innenministeriums.


Welche Bedenken waren das?

Wegen der schlechten Duisburger Finanzlage hat die Stadt einen Nothaushalt. Alle Kosten müssen von der Kommunalaufsicht genehmigt werden. Diese wollte zunächst kein grünes Licht geben. In einem Gespräch zwischen Oberbürgermeister Sauerland, dem Düsseldorfer Regierungspräsidenten Büssow, Kulturhauptstadt-Chef Fritz Pleitgen und Kulturstaatssekretär Grosse-Brockhoff wurde darauf hingewiesen, dass Duisburg es sich nicht leisten könne, die Loveparade im Jahr der Kulturhauptstadt ausfallen zu lassen. Notfalls sollte das Land mit Geld einspringen.





Quelle:
http://www.derwesten.de/nachrichten/politik/Es-gab-massiven-Druck-auf-Duisburg-id3291282.html

von zerobase now - am 27.07.2010 13:31
Und jetzt erst recht. Seine Lüge mit den herabfallenden Menschen hat nicht lange gehalten:
http://www.derwesten.de/nachrichten/Alle-Opfer-wurden-zu-Tode-gequetscht-id3293433.html

Zitat
Der Westen
Duisburg. Die 20 Todesopfer des Unglücks während der Duisburger Loveparade sind ausnahmslos an Brustquetschungen gestorben. Hannelore Kraft wies damit frühere Meldungen zurück, wonach die meisten Opfer zu Tode stürzten.

Die 20 Todesopfer der Loveparade in Duisburg sind alle an Brustquetschungen gestorben. Dies ergab die Obduktion der Getöteten, wie Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) am Dienstag in Düsseldorf mitteilte.


von Nohab - am 27.07.2010 17:38
So, es gibt neue Informationen. Der Bericht des Innenministers ist raus.
Der Veranstalter, respektive seine angestellten Ordner haben wärend der Veranstaltung gründlich versagt. Gab auch eine PK, die war erfrischend anders als das Herumgeeiere der Sauerland-Gurkentruppe am Sonntag.

Innenminister Jäger macht Veranstalter für Chaos verantwortlich

Innenminister Jäger: Sicherheitskonzept nicht eingehalten

WDR-Video der PK

Jetzt war das Konzept schon so scheiße und auf Kante genäht und dann hält
sich der Veranstalter nicht mal daran. Jetzt wundert mich nichts mehr.


von Nohab - am 28.07.2010 16:04
"Remember Love" in Gedenken der Loveparade-Opfer

Die DJ Superstars Paul Oakenfold, Paul van Dyk und Armin van Buuren haben sich zusammengetan und eine Charity Single als Hommage an die Betroffenen der Loveparade Tragödie aufgenommen. Am 24. Juli waren bei einer Massenpanik in Duisburg 21 Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt. Den gesamten Erlös erhält die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen, mit dem Ziel den Leidtragenden der Tragödie zu helfen.


http://www.artist-area.de/dj-s-united/remember-love/

http://www.youtube.com/watch?v=JrtwRPVXb7E

Sehr gelungener Track und ein schönes Video, welches an die gute alte Loveparade-Zeit in Berlin erinnert. Habe den Titel gestern erstmals auf TMF gesehen und zufällig auch mitgeschnitten.

von Günni74 - am 24.10.2010 10:34
Zitat

Spiegel Online meldet : Duisburger wählen Oberbürgermeister Sauerland ab

Ja, und das übrigens sehr eindeutig :spos:

Was die letzten Wochen in der Nachbarstadt los war kann man gar nicht beschreiben! Selbst bei Eröffnung von fröhlichen Festen wurde der Oberbürgermeister ausgepfiffen. und bei X3 vom NDR wurde er zu einer Lachnummer. Fast jeder Tag stand etwas über den Oberbürgermeister in der Zeitung und von den Medien wurde er häufig als "umstrittener Oberbürgermeister" bezeichnet. Eine weitere Lachnummer hat die Rheinische Post geliefert indem man ihn als beliebtesten Duisburger Bürger krönte und von vielen "Anhängern" gesprochen wurde (besserer Bericht vom Spiegel).

Leider macht die Abwahl die Geschehnisse nicht Rückgängig, aber damit sollte nun hoffentlich wieder Ruhe in der die Stadt kommen

von Funkschatten - am 12.02.2012 20:22
Zitat

Vollkommener Realitätsverlust bei Sauerland und eine wirklich eindeutige Antwort.

Der Wahlkampf war dieses mal sehr interessant. Er war zwar (fast) nur einseitig, aber voller lustiger Ideen. Da wurde unter anderem auf den scheinbaren Realitätsverlust gesetzt, der Zeichner hat mit der Figur "der kleine Bürgermeister" meiner Meinung nach das Thema sehr gut getroffen. Da die Abstimmung gelaufen ist verlinke ich das mal, die Karikatur trägt den Namen "Duisburg bin ich".Mit dieser Figur hat man es in verschiedene Medien geschafft.

von Funkschatten - am 12.02.2012 21:09
Mir tut der OB trotzdem leid. Er hatte einfach nur das Pech, zum falschen Zeitpunkt OB zu sein. Das Unglück hätte sich bei jedem anderen Amtsinhaber genauso ereignet. Ich werde es wohl nie verstehen, wieso jemand politisch verantwortlich gemacht wird, obwohl er moralisch nicht verantwortlich ist d.h. keine Schuld im eigentlichen Sinne trägt. Dass er sich nicht immer taktisch klug verhalten hat, ist wiederum eine andere Sache ...

von DX-Fritz - am 13.02.2012 09:06
Zitat

Ich werde es wohl nie verstehen, wieso jemand politisch verantwortlich gemacht wird, obwohl er moralisch nicht verantwortlich ist d.h. keine Schuld im eigentlichen Sinne trägt.


Weil er nach der Katastrophe hilflos agiert hat, weil er sich erst nach einem Jahr zu einer Entschuldigung bei den Hinterbliebenen durchringen konnte, weil er eine halbe Million Steuergeld für eine Gefälligkeitsgutachten ausgegeben hat und vor allem weil sich gezeigt hat, dass er als Oberbürgermeister in einer Krisensituation völlig überfordert war. Hätte er freiwillig den Hut genommen, hätte er sich vielleicht noch einigermassen respektvoll aus der Affäre ziehen können. Stattdessen hat er aber sich an sein Amt geklammert wie ein kleines Kind, dem man versucht sein Spielzeug wegzunehmen.

Um es mit einem Wort zu sagen Sauerland war von der Sitaution psychisch völlig überfordert und hinzu kam noch eine völlig falschen Einschätzung der Stimmung in der Stadt, sowie ein leichter Hang zur Selbstüberschätzung.

Dafür hat er nun die Quittung bekommen.

von zerobase now - am 14.02.2012 07:54
So, seit gestern ist wohl auch amtlich, dass die Lovparade nicht mehr gerichtlich aufgearbeitet wird. Es ist zwar noch ein BEschwerde anhängig, aber ich denke nicht, dass dabei noch was anderes bei rumkommt. Offenbar hat die Staatsanwaltschaft derart schlampig gearbeitet, dass es nicht ausreicht um darauf einen Prozess aufzubauen. Auf der einen Seite verstehe ich die Entscheidung, weil das Gericht so keinen vernünftigen Prozess garantieren kann. Auf der anderen Seite besteht aber auch ein sehr hohes öffentliches Interesse an diesem Prozess, was man wohl nicht ausreichend berücksichtigt hat.

Was bleibt sind viele Fragen und keine Antworten. Hier hätte ein Prozess helfen können, wenigstens etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Wahrscheinlich hätte es mit einem Freispruch geendet, aber so bleibt halt immer noch viel Raum für Spekulationen, Vermutungen und Halbwahrheiten. Womöglich ist es die falsche Entscheidung den Prozess abzusagen. Man wäre es den Toten, den Hinterbliebenen und Traumatisierten schuldig gewesen, wenigstens den Versuch einer Aufarbeitung vorzunehmen.

von zerobase now - am 06.04.2016 11:30
Wer sagt, dass die Staatsanwaltschaft schlampig gerabeitet hat?

Dummheit ist nur dann strafbar, wenn man im Sinne des Gesetzes grob fahrlässiges Handeln feststellen kann.

Außerdem muss es Fairness geben zwischen denen die

-- die Veranstaltung organsiert haben;

-- die Genehmigung erteilt haben

-- die durch ihr Verhalten vor und während der Massenpanik

die Toten und Verletzten zu verantworten haben.

Die Stadt Duisburg in Gestalt ihres damaligen OB Sauerland hat zwar keine besonders gute Figur gemacht -- aber das einzige, was die Verwaltung tun musste, war nachzuweisen, dass sie sich mit der Genehmigung im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben bewegt und nicht gegen besseres Wissen gehandelt hat.

Im Grund kann man froh sein, wenn es keine "harten" Urteile gegen die Verwaltung gibt, denn das würde nur dazu führen, das Großveranstaltung mit immer absurderen und immer strengeren Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet werden müssen.

Letztlich ist das Problem, dass am Ende heder der drei oben genannten Gruppen sagen kann: "Die anderen hätten aber..."

Letztlich aber war es nicht die Stadt, auch nicht die Veranstalter, die aktiv Leute tot getrampelt haben. Sondern es waren die Teilnehmer. Um einen Schuldpspruch auszusprechen, müsste nachgewiesen werden, wer zu welchem Zeitpunkt auf wen gertreten hat; wer an einer Menge beteiligt war, die egegn ein Gitter gedrückt hat usw.

Wir müssen uns dringend abgewöhnen, unsere eigene Vernatwortung an der Gradrobe abzugeben. Anschließend immer zu fragen "Wer war denn vernatwortlich?" wenn mans elbst zu den handelnden Personen gehörte, kann nicht die Lösung sein.

Das wird sich auch in den zivilrechtlichen prozessen noch Zeigen, wenn es um Schadensersatzforderungen geht. Dort kann man dann keiner Staatsanwalt mehr den Vorwurf lascher ERmittlungen machen, sondern dann muss jeder vor Gericht klar sagen, wie er durch andere -- und nicht durch eigenes Verhalten -- einen Schaden erlitten hat.

von Alqaszar - am 09.04.2016 15:34
Zitat
Alqaszar
Im Grund kann man froh sein, wenn es keine "harten" Urteile gegen die Verwaltung gibt, denn das würde nur dazu führen, das Großveranstaltung mit immer absurderen und immer strengeren Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet werden müssen.

Letztlich ist das Problem, dass am Ende heder der drei oben genannten Gruppen sagen kann: "Die anderen hätten aber..."

Letztlich aber war es nicht die Stadt, auch nicht die Veranstalter, die aktiv Leute tot getrampelt haben. Sondern es waren die Teilnehmer. Um einen Schuldpspruch auszusprechen, müsste nachgewiesen werden, wer zu welchem Zeitpunkt auf wen gertreten hat; wer an einer Menge beteiligt war, die egegn ein Gitter gedrückt hat usw.

Wir müssen uns dringend abgewöhnen, unsere eigene Vernatwortung an der Gradrobe abzugeben. Anschließend immer zu fragen "Wer war denn vernatwortlich?" wenn mans elbst zu den handelnden Personen gehörte, kann nicht die Lösung sein.

Durchaus wahre Worte! Verstand wurde offensichtlich zwischenzeitlich auch eingespart. Man sollte meinen, daß man eben dort nicht mehr hindrängt wo es nicht weitergeht, auch wenn man dort hin will. Im Kleinen hätte man das schon am Schulbus lernen können. Auch wer dann die Schrammen abbekommt.
Ich durfte mitverfolgen wie die Auflagen bei einer deutlich kleineren jährlichen Veranstaltung immer weiter nach oben geschraubt wurden. Es gibt sie inzwischen nicht mehr. Der Verein konnte trotz ehrenamtlichem Einsatz nicht mehr kostendeckend veranstalten.
Ja, da haben dann "die Biker" bis in den frühen Morgen an der Bar gestanden und getrunken. Das hat einiges an Einnahmen gebracht. Darf es nicht mehr geben, wegen Jugenschutz. Bar? Jugendliche? Früher morgen? Ja genau...

Leider wird nicht gesagt welche Mängel im Gutachten waren. Es war kurz davon eine Einstellung im Fernsehen zu sehen. Ob es das tatsächliche Gutachten war glaube ich hingegen nicht. Warum sollte das an die Medien gegangen sein? Wenn es so wäre: In englischer Sprache vor einem deutschen Gericht in Deutschland? :sneg:

von Thomas (Metal) - am 11.04.2016 06:37
Zitat
Alqaszar

Im Grund kann man froh sein, wenn es keine "harten" Urteile gegen die Verwaltung gibt, denn das würde nur dazu führen, das Großveranstaltung mit immer absurderen und immer strengeren Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet werden müssen.

Letztlich ist das Problem, dass am Ende heder der drei oben genannten Gruppen sagen kann: "Die anderen hätten aber..."

Letztlich aber war es nicht die Stadt, auch nicht die Veranstalter, die aktiv Leute tot getrampelt haben. Sondern es waren die Teilnehmer. Um einen Schuldpspruch auszusprechen, müsste nachgewiesen werden, wer zu welchem Zeitpunkt auf wen gertreten hat; wer an einer Menge beteiligt war, die egegn ein Gitter gedrückt hat usw.

Wir müssen uns dringend abgewöhnen, unsere eigene Vernatwortung an der Gradrobe abzugeben. Anschließend immer zu fragen "Wer war denn vernatwortlich?" wenn mans elbst zu den handelnden Personen gehörte, kann nicht die Lösung sein.


Das sehe ich anders. Die Auflagen sind nach der Loveparade bereits ins Absurde gestiegen, auch ohne Prozess.

Die Stadt hat aber die Genehmigung ausgesprochen und möglicherweise bei der Prüfung nicht alle Punkte berücksichtigt. Ebenso hat der Veranstalter keine gute Figur gemacht und die "Chaosspiele" der Polizei hätte man sicherlich auch gerne nochmal kritisch hinterfragen können.

Einfach zu sagen wenn 21 Menschen tot sind und hunderte traumatisiert sind, hätten sie halt nicht hingehen sollen ist mir etwas zu kurz gedacht. Natürlich kann es auf Massenveranstaltungen immer Probleme geben, aber dann soll man zumindest im Vorfeld (Planung/ Genehmigung) alles tun um eine Katastrophe zu verhindern. Genau das wurde vermutlich aber bei der LP versäumt oder zumindest eher fahrlässig durchgeführt. Ohne Prozess wird dies aber alles weiterhin viel Raum für Spekulationen lassen.

von zerobase now - am 11.04.2016 11:39
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