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Weltfinanzkrise...

Startbeitrag von 88,7 MHz am 09.10.2008 06:44

Hab ihr da auch schon private Auswirkungen spüren können??
Einen Teil des Geldes ( Der kleine Betrag ) habe ich vor Jahren in Aktienfonds angelegt.
Zur Zeit sinkt der Wert drastisch! Bisher ein Betrag von an die 800-1000 Euro-Wert-Verlust.
Alles andere sind auf mehrere Möglichkeiten verteilt. Da sind die Auswirkungen nicht so krass.

Antworten:

Zugegeben, ich konsumiere zwar eifrig Nachrichten, aber die Finanzkrise tangiert mich bislang nur peripher. Allerdings habe ich bei dieser Geschichte auch nur einen marginalen Überblick über deren Ursachen und deren möglichen Auswirkungen. Und da ich auch keine großen Ersparnisse horte, dürfte mich die Krise wohl auch weiterhin nicht direkt treffen.

von Wrzlbrnft - am 09.10.2008 07:38
Große Ersparnisse hab ich ja auch nicht: Deshalb trifft es schon! Ich denke, die ganzen Auswirkungen werden wir alle noch zu spüren bekommen, wenn es auch nur wieder ein vorgeschobener Grund ist, für andere fiese Machenschaften.

Ein etwas düsterer Blick in die Zukunft: Besagt allerdings, das sich in den nächsten Jahren da vieles ändern wird, was sich letztendlich auch auf den gesamten Weltfrieden auswirkt.
Ich weiß nicht, ob dieser jetzige Zustand die ersten Zeichen dafür sind ? Ich befürchte es fast.
Vielleicht beruhigt sich das alles wieder, aber ob es von langer Dauer ist?

von 88,7 MHz - am 09.10.2008 07:50
Die Krise wird uns alle noch treffen. Als erste Reaktion arbeiten ja die Autobauer weniger. Auch die Banken geben kaum noch Kredite raus und was das für die Wirtschaft bedeutet kann sich ja jeder selbst ausmalen. Mal davon abgesehen, dass am Ende natürlich wieder der Steuerzahler die Zeche zahlen mussen, während sich die Manager die Milliarden verzockt haben noch ne nette Abfindung bekommen und sich irgendwo ein nette Leben machen. :mad:

von zerobase now - am 09.10.2008 08:05
Das Geld ist ja nicht weg, es ist nur woanders:verpiss:

Ich finde es sehr peinlich wenn große Autokonzerne die Weltfinanzkrise als grund nennen, nur um jetzt die Produktion zurück zufahren. Da dürfte es mit Sicherheit andere gründe für geben.
Denn ein Autokauf ist noch immer keine kurzfristige Entscheidung.

von Nordi - am 09.10.2008 08:06
Das will die EU ja gesetzlich unterdrücken. Übertriebene Gehälter und Millionen-Abfindungen bei Rauschmiss. Allein der Glaube...

Die ganzen Hintergründe der Krise zu erfassen schaffen wohl nur sehr wenige. Und die Börsenkorrespondenten können das uns Normal-Volk nicht in 2, 3 Minuten-Schalten erklären. Dazu gab's übrigens gestern 'nen interessanten Beitrag bei Zapp.

von Sebastian Dohrmann - am 09.10.2008 08:11
Zitat
Ich finde es sehr peinlich wenn große Autokonzerne die Weltfinanzkrise als grund nennen, nur um jetzt die Produktion zurück zufahren. Da dürfte es mit Sicherheit andere gründe für geben.


Sicherlich spielen da auch andere Gründe mit rein, aber wenn die Banken keine Kredite mehr geben, wovon soll man die Autos dann bezahlen? Wer hat soviel Geld gespart um bar zu bezahlen?

von zerobase now - am 09.10.2008 09:08
Fakt ist, dass in Zukunft Kleinkredite fuer Hausbau, Autofinanzierungen oder aehnliches teurer werden und deutlich schwerer zu bekommen sind.

Bestehende Kredite koennten unter Umstaenden vorzeitig faellig werden, wenn der bisherige Kreditgeber ihn verkauft und der Kaeufer ihn kuendigt. Ich glaube, dass da in naechster Zeit einige Haeuslebauer vor einem Problem stehen und ihr Wohneigentum verlieren werden.

von PowerAM - am 09.10.2008 10:03
@zerobase now
Der Effekt den Du beschreibst wird natürlich noch kommen. Aber so schnell kann sich das so extrem noch nicht bis zum Hersteller ausgewirkt haben.

von Nordi - am 09.10.2008 10:21
Nicht nur die Autohersteller sind schon vorsichtig geworden, auch in anderen Branchen merkt man schon deutlich das "vorsichtigere" agieren der (Industrie-)Kunden.
Und der Autohersteller will natürlich auch nicht zuviel gebundenes Kapital in Fertigautoform auf dem Hof stehen haben, sonst braucht er evtl. auch noch 'nen Kredit (bzw. einige Autohersteller haben sowieso Kreditbedarf, der jetzt evtl. nicht gedeckt werden kann).
Zitat
Nordi
Aber so schnell kann sich das so extrem noch nicht bis zum Hersteller ausgewirkt haben.Aber so schnell kann sich das so extrem noch nicht bis zum Hersteller ausgewirkt haben.
Vergiss nicht, das das ein Dominospiel ist, da kann alles ganz schnell gehen (wie man sieht...)
Zitat
Nordi
Denn ein Autokauf ist noch immer keine kurzfristige Entscheidung.
Den Autokauf verschieben aufgrund von Job/Geldunsicherheit aber schon...


von iro - am 09.10.2008 11:13
Hmm... Aber eigentlich hat es doch schon fast mehr Sinn, sein Geld *jetzt* für irgendwelche Dinge rauszuwerfen, die man sich eh paar Monate hin oder her kaufen würde, als zu warten, bis die Kohle nix mehr wert ist oder in den Banken versickert... Sofern man's halt bezahlen kann und keinen Kredit aufnehmen muss...

von Habakukk - am 09.10.2008 11:18
so sieht das aus! Alles wird teurer werden - und das schneller als bisher.
(aber: ob man das Geld für Immobilien ausgeben sollte :D )

von iro - am 09.10.2008 11:23
Zitat
Der Effekt den Du beschreibst wird natürlich noch kommen. Aber so schnell kann sich das so extrem noch nicht bis zum Hersteller ausgewirkt haben.



Doch, der Absatz läuft ja schon seit einiger Zeit sehr schleppend, was wohl auf den hohen Spritpreis zurückzuführen ist. Wirklich spritsparende Modelle gibt es kaum und wenn dann sehr teuer wie z.B. Hybridautos. Man hat einfach die Entwicklung verschlafen und dafür bezahlt man jetzt teuer. Im übrigen ist der Markt auch irgendwann mal gesättigt. Und seien wir mal ehrlich, für die meisten ist doch ein Neuwagen eh schon unbezahlbar. Wer kann als Normalverdiener schon mal eben 15-20 tsd. Euro abdrücken? Dass geht doch nur wenn man mit zwei Verdienern ist oder noch einen reichen Onkel in der Hinterhand hat.;)

von zerobase now - am 09.10.2008 11:46
Man hat einfach die Entwicklung verschlafen und dafür bezahlt man jetzt teuer.

Ich denke, das wurde nicht verpennt, der Zustand ist und war so gewollt. Spritsparende Autos sind bei den Öl-Konzernen ( Und da hängen alle dran ) nicht gern gesehen.

von 88,7 MHz - am 09.10.2008 11:52
Mag sein, aber jetzt hat man ein riesen Problem.

Zitat
Verstaatlichen sollte man es, das ganze Finanzgeschmeiß


Na ja, dass der Staat auch nicht mit Geld umgehen kann, dürfte ja wohl bekannt sein. Hier macht man den Bock zum Gärtner. Wenn der Staat eine Bank wäre, dann wären die schon vor vielen, vielen Jahren pleite gegangen.

von zerobase now - am 09.10.2008 12:13
Meine Zeit: Wertverlust liegt jetzt bei ( Nach Spitzenzeiten ) über 2000 Euro :eek:
Das ist heftig: Rausziehen will ich das jetzt aber auch nicht, wäre wohl auch ein Fehler.

Ich verarme...
PAM! Gib mir all Dein Gold!!!

von 88,7 MHz - am 11.10.2008 10:10
Nein. :nichtzufassen: Niemals!

von PowerAM - am 11.10.2008 10:56
Tlw. war es ja vorabsehbar, nur unklar war fuer mich, wann genau dieser Punkt eintreten wird. Der Markt muss eben Korrekturen hinnehmen.

Der Glaube an ewig steigende Immobilienpreise und Re-Finanzierungen, sowie die Idee auf Pump zu leben, muss endlich ein Ende nehmen.



von 102.1 - am 11.10.2008 11:10
Vom einbrechenden Immobilienmarkt werden zahlreiche Haeuslebauer erschlagen. Selbst laufende Finanzierungen werden sich verteuern. Wie bereits erwaehnt werden die Heuschrecken als naechstes Kredite der kleineren Banken aufkaufen. Die Sparkassen verkaufen ja oftmals willkuerlich laufende Kredite. Der Verlierer wird immer der kleine Mann sein. Frueher war Wohneigentum eine der sichersten Anlageformen, die es gab. Heute zaehlt sie zu den riskantesten.

von PowerAM - am 11.10.2008 12:36
Mich betrifft die Finanzkrise, was Anlagen betrifft, momentan nur am Rande. Ein Sparvertrag ist kürzlich ausgelaufen, der hat aber sowieso nicht so viel Geld abgeworfen.
Und ansonsten hat man als Student eh nicht so viel Geld auf der Seite, als dass ich mir jetzt über Anlage in Fonds etc Gedanken machen müsste.
Trotzdem hoffe ich im Interesse aller, dass die Auswirkungen nicht so tragisch sein werden und dass die Baisse schnell überwunden wird.

von Bengelbenny - am 11.10.2008 12:41
Also mittlerweile machen sich die Leute, (vorallem die älteren) schonmal gedanken, und fürchten dass das Geld bald "verrecken" könnte. Aus diesem Grund gibt es vermehrt Kunden, die in den letzten Tagen um über 400 EUR Lebensmittel bei mir im Supermarkt gekauft haben.
Grundnahrungsmittel wie Mehl, Zucker, Eier, Reis H-Milch, jede Menge TK-Waren und Fertiggerichte.

Bevor das Geld nichts mehr Wert ist, legen sie lieber einen Vorrat an. Für mich fast unvorstellbar, aber die leute die nach dem Krieg das ganze schon mal mitgemacht haben, fürchten ein derartiges Szenario.

Naja, wenn es dann soweit ist, schließe ich meinen Suermarkt, und gebe Lebensmittel nur noch raus, wenn mir jemand einen Goldklumpen unter die Nase hält... :rp:

von tomtino - am 12.10.2008 21:10
Ein Grossteil der Probleme liegt in der Gier begruendet.

In der US-amerikanischen Vertriebs und Verkaufswelt geht vieles auch um Vorziehen von Geschaeftsfaellen.

Kann der Kunde nicht zahlen oder hat er kein Budget wird Finanzierung angeboten, lernt man in jeder Verkaufsschulung.

Es geht aber dann meist nicht um Finanzierung einer bestimmten Anlage, sondern gleich von mehreren, steigende Werte werden hineinberechnet und Re-Finanzierung findet nach einigen Jahren statt. Mit dem Geld wird dann gleich wieder weiter-akquiriert.

So baut man eine effektive Blase oder ein Kartenhaus auf, welches bei leichter Brise zusammenkracht.

Genau das ist passiert.

Vielleicht koennte man bei der Kreditvergabe etwas konservativere Masstaebe setzen.

Mitleid mit den Banken habe ich da wenig, sie haben die Thematik quasi hausgemacht.

In der englischsprachigen Welt kontrollieren die Banken auf gewisse Weise den Immobilienmarkt, da die Nachfrage mit Hilfe von lockerer oder weniger lockerer Kreditvergabe gesteuert werden kann.

Und steigende Nachfrage heist meist steigende Preise, - Re-Finanzierung ist dann offenbar das probate Mittel um die Gier zu befriedigen, oder unserioese Manager.....


von 102.1 - am 13.10.2008 07:32
400 (!!!) Milliarden wird uns der Spass kosten. :danke::nwss:


http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE49C03020081013

von zerobase now - am 13.10.2008 08:36
500 Milliarden Euro kostet's lt. Deutschlandfunk (ca. 18 Uhr)...

Ich hab mal gerechnet: wenn man das in 1 Euro Stücken aufstapeln würde, wäre der Stapel

1200000 (1,2 Mio) Kilometer

hoch...

(Rechengrundlage 5x1¤=1,2 cm)

von iro - am 13.10.2008 16:53
Haja,wir habens ja :rolleyes:
Hoffentlich bringt die Aktion bissl was sonst is alles futsch :(

von Robert S. - am 13.10.2008 17:46
Bleibt zu hoffen, dass das Garantieversprechen der Bundesregierung nicht auch real gebraucht wird.

Derweil steht uebrigens der naechste Staat vor dem Bankrott! Ungarn hat angekuendigt, finanziell der Lage nicht mehr Herr zu sein. Die Landeswaehrung "Forint" hat um ca. 20 % an Wert verloren. Zeitgleich pluendern die Buerger ihre Bankkonten in der Angst, in ein paar Tagen ihre Ersparnisse los zu sein.

von PowerAM - am 13.10.2008 19:24
1,2 Mio Kilometer......?

Wenn das stimmt und ich mich nicht irre, wäre das, grob gerechnet 3* die Strecke von der Erde zum Mond, welcher ca. 380.000km entfernt ist...

HALLO??? HAB ICH WAS VERPASST???

Ich hatte noch irgendwie im Ohr, der Staat ist seit Jahren quasi Pleite, es muss gespart werden allüberall... Neuverschuldung auf Null drücken, man muss an die nachfolgenden Generationen denken, denen darf man ja nicht solche Schuldenlasten vererben... Mehrwertsteuer 19% unverzichtbar... und jetzt schmeisst das kleine Deutschland 500 Milliarden Euro aufn Tisch... Das ist, lt. NDR2, der anderthalbfache Jahresetat des Bundeshaushaltes der BRD.
Zum Vergleich, die USA, die riesigen USA, Auslöser dieser ganzen Kacke, gibt 700 Mrd. Euro... Da reibt sich der deutsche Michel nur noch verwundert die Augen... Garantiezusagen hin oder her....

Merkel soll gesagt haben, das "Vertrauen die neue Währung sei"... den Satz werd ich mir gut merken. Ich geh morgen mal zum örtlichen Fernsehfritzen und kauf mir dann da nen neuen Grossbildfernseher. Wenn er nach dem Geld fragt, werd ich ihm sagen, das ich ihm doch als Händler mein uneingeschränktes Vertrauen gebe - und das ist ja lt. Kanzler die neue Währung.......

Ja, ich musste auch erstmal tief Luft holen als die Zahlen heute rumgingen... heute früh hiess es noch 400Mrd, dann waren wir über Tag irgendwo bei 450Mrd - naja, jetzt sind es halt knapp 500Mrd... Gott, was sind schon 100Mrd mehr, Peanuts, hauptsache den Aktionären gehts wieder prima und fahren wieder ordentlich Gewinne ein...

Ja neee... is klaar

Freunde zieht euch warm an - ich hoffe, hier wird niemand so dumm sein zu glauben, das dieses Geschäft ohne Rechnung bleiben wird - die WIR zahlen werden...


von HAL9000 - am 13.10.2008 19:30
Ich hoere schon den Ruf nach 25 % MwSt laut werden... :rolleyes:

von PowerAM - am 13.10.2008 20:20
Nochmal zum nachrechnen...

1.2 cm/5¤
=0.24 cm/1¤

answer*500 000 000 000 ¤
=120 000 000 000 cm

answer/100
=1200 000 000 m

answer/1000
=1200 000 km

Die sollte man wirklich alle 3 x zum Mond schießen, die das verzapft haben...

Wir aber nicht geschehen, statt dessen werden ausgerechnet die zum Aufräumen des Schadens eingestellt (hochdotiert!), den sie selbst verursacht haben... (Sachsen LB ex-Manager, grad in Fakt/ARD gelaufen)

von iro - am 13.10.2008 20:56
@PAM: Mit 25% MWSt hätte Deutschland ja dann einen Steuersatz, der um 3% höher als der in Finnland liegt. Nunja, Lebensmittel sind hier ja mit 17% statt mit 8% besteuert. Somit bliebe wenigstens die Nahrungsbeschaffung in Deutschland preisgünstiger :D

von Tornado Wayne - am 14.10.2008 09:20
Etwas aufwärts geht's Wertverlust derzeit 1900 Euro- also ein Plus zum Wochenende von 100 Euro.

von 88,7 MHz - am 14.10.2008 09:56
Jetzt garantiert bzw. unterstützt unser Schweizer Staat mit 60 Milliarden Dollar (5,4 Milliarden $ Kredit, 54,6 Milliarden $ Abkauf von unsicheren Krediten) doch unsere grösste Bank, die UBS (60 Milliarden Dollar in einem relativ kleinen Land für eine enzige Bank...); jetzt sitzen wir auch voll in diesem Boot drin.

von dxbruelhart - am 16.10.2008 13:29
Hast du ernsthaft was anderes erwartet? Die Krise ist weltweit, da wird kein Land von ausgenommen.

von zerobase now - am 16.10.2008 13:30
Ich weiss, Ingo! Einheitlich 25 % gab es ja 2004 als Entschlussvorlage fuer die damaligen EU-Mitgliedslaender. Steuerbefreiungen oder geringere Steuersaetze (z. B. auf Buecher, Lebensmittel, ...) waren darin nicht vorgesehen, weshalb der Bundestag diese Beschlussvorlage in der ersten Lesung verwarf.

von PowerAM - am 16.10.2008 13:38
Hier habe ich eine sehr gutes Instrumentarium zur Kurierung einer Finanzgesellschaft, die immer wieder in Krisen fällt, gefunden: http://www.woz.ch/dossier/Kapitalismus/17010.html

Fortsetzung der Plünderung
Der Transkapitalismus

Von Oliver Fahrni

So schaffen wir den Ausstieg aus dem Kasinokapitalismus - über Verstaatlichung, Finanzkonversion, Nachhaltigkeitsfonds, ökologischen Umbau, sicheren Kredit, Kapitalverkehrssteuer ...

Da wird vor aller Augen ein Land verbankt. Bisher kannten wir die neoliberale Privatisierung staatlicher Dienste. Nun aber organisiert die Bankenlobby um UBS, Bankenkommission und Nationalbank den direkten Raubzug auf das öffentliche Gut.

Eigentlich nicht erstaunlich: Der Finanzkapitalismus Version 2.0 nährt sich aus der systematischen Plünderung der in Generationen erwirtschafteten Substanz. Er ist Enteignungsökonomie - seit wenigen Jahren verschärfte Enteignungsökonomie, weil sich die Finanzkonzerne mit den Derivaten faktisch das Recht herausnehmen, Geld zu schöpfen. Und zwar grenzenlos: eine Million Milliarden in den letzten fünf Jahren. Damit sollte jede künftig geschaffene Substanz schon im Voraus konfisziert werden.

Freilich bricht nun die Kreditkette an manchen Stellen. Folgerichtig wird in die Reserve gegriffen: die Staatskasse. Selt­sam nur: In schöner Einmütigkeit wird das als Rückkehr des Staates in die Wirtschaft, gar als «Sozialismus» gefeiert.

Immerhin tun sich gerade ein paar Fenster auf. Weil die heftig agierenden Finanzer und Regiererinnen rund um den Globus nicht einmal die Beschleunigung der Krise stoppen können, weil diese Krise also jeden Tag ein bisschen mehr wie ein historischer Bruch aussieht und weil staatliche und politische Institutionen auch ein Eigenleben haben, tut sich unvermittelt die Chance einer grossen Debatte auf - und vielleicht sogar die Möglichkeit einer neuen Praxis.

Linke Politik muss sich in dieser Situation dreifach messen: Zum einen daran, dass sie die ärgsten Folgen der Krise für die Arbeitenden, für RentnerInnen, sozial Schwache abwendet. Zum anderen muss sie eine kritische, produktive Finanzplatzpolitik entwickeln, welche die Bankenmacht bricht und die Risiken bannt, die von diesem hypertrophen Finanzplatz ausgehen. Vor allem aber ist dies ein einzigartiger Moment, um ein Projekt auf die Tagesordnung zu setzen, das Wirtschaft und Gesellschaft um die Arbeit (nicht nur um die Lohnarbeit) und die reale Produktion neu fundiert. Ich nenne es hier einmal Transkapitalismus. Konkret:

⇒ Sofortige Kaufkraftsicherung durch Lohnerhöhungen und Bundesbeschlüsse, welche Preissteigerungen beim Strom, bei den Krankenkassen und so weiter, begrenzen, schliesslich durch ein Impulsprogramm. Gleichzeitig sollte die Linke schnell einen gesetzlichen Mindestlohn anstreben in allen Branchen, in denen kein GAV besteht.

⇒ Schutz der Renten: Die Pensionskassen haben in der Krise bisher mindestens 70 Milliarden verloren - und es könnten noch deutlich mehr werden. Wahrscheinlich lagern bis zu 150 Milliarden an Trash-«Wertpapieren» in den PK. Die Sanierung dieser Posten muss in ein umfassendes Bundesprogramm einfliessen, das die Entkoppelung der Sozialversicherung vom Finanzkapitalismus anstrebt. Das braucht neue Investitionsvorschriften. Sofort handeln können die Gewerkschaften, die in den Stiftungsräten mitverwalten: Sie sollten einen Kriterienraster für die Investitionen aufstellen und durchsetzen. Und über einen eigenen Nachhaltigkeitsfonds nachdenken. Zugleich ist die AHV erst zu stärken, dann zur Volkspension auszubauen. Die zweite Säule muss in die AHV überführt werden, die Volkspensionskasse kann einen Teil ihrer Gelder in nachhaltigen Fonds anlegen (Mischform).

⇒ Grossbanken zerschlagen. Die öffentliche Hand muss eine dominierende Beteiligung an UBS und, bei erster Gelegenheit, auch am Credit Suisse übernehmen. Notfalls Verstaatlichung durch Parlamentsbeschluss. Dann muss die Finanzkonversion, also die Zerschlagung der beiden Grossbanken, angegangen werden. Sorgfältig: Verkauf von Teilen der Banken (zum Beispiel Investmentbanking), Auslagerung des Devisenhandels (über die UBS laufen rund zehn Prozent des globalen Währungshandels) und, entscheidend: der Transfer der Geschäftskonten, Kredite und so weiter von rund 180 000 Klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) an die Kantonalbanken.

⇒ Sicherer Kredit: Die BürgerInnen, die KMU, der ökologische Umbau brauchen einen Finanzplatz, der den Kredit für die Realwirtschaft sicherstellt. Die Kantonalbanken könnten der Kern die­ses neuen Finanzplatzes sein. Voraus­setzungen: Sie werden wieder voll verstaatlicht und einem eidgenössischen Kantonalbankengesetz unterstellt, das die heute gängigen hochspekulativen Praktiken mancher Kantonalbanken beendet. Gleichzeitig werden alle Kleinban­kenformen neu geregelt und privilegiert. Der kooperative Kredit wird gefördert.

⇒ Kapitalverkehrssteuer und Nachhaltigkeitsfonds: Um den ökologischen Umbau und die Neufundierung der Wirtschaft anzutreiben, sollten wir einen grossen Nachhaltigkeitsfonds oder Konversionsfonds ins Spiel bringen. Der Fonds müsste aus einer Kapitalverkehrssteuer gespeist werden (Tobin-Steuer oder andere Formen). 0,2 Prozent würden schon Milliarden bringen, ohne das Kapital zu kratzen. Die Banken, welche die Konversionscharta mittragen, könn­ten aus diesem Fonds Mittel beziehen. Wer aber würde über die Vergabe der Fondskredite und Kapitalien entscheiden? Zum Beispiel ein neu zu gründender Wirtschafts- und Sozialrat.

⇒ Kurze Leine fürs Finanzkapital: Keine Frage: Das Finanzkapital muss scharf reguliert werden. Teilweise kann das nur international geschehen. Aber das ist auch eine wohlfeile politische Ausrede. Tatsächlich gibt es grosse Spielräume für nationale Verordnungen. Konkret: Sofortige Novelle des Kollektivanlagengesetzes, völliger Umbau der Finanzmarktaufsicht (Finma), die ab dem 1. Januar 2009 im Amt ist, Unterstellung der Finma und, zentral, der Nationalbank unter den Wirtschafts- und Sozialrat. Weiter: Bei der Diskussion etwa eines Hedgefondsverbots (notwendig) oder von Transparenzvorschriften (ebenso notwendig) wird gerne eine wirksame Methode vergessen: die Verknappung und die Verteuerung frischen Geldes für das Finanzkapital. Dies kann sehr leicht erreicht werden, wenn die Pensionskassen neu aufgestellt und die Nationalbank politischer Kontrolle unterstellt sind.

Diesen Vorhaben ist gemein, dass sie keinen fundamentalen Systembruch suchen - und doch die kapitalistische Profitwirtschaft ritzen. Mehrheiten gibt es dafür nur, wenn wir sie als untergeordnete Bestandteile eines umfassenden Projekts für eine bessere Wirtschaft und bessere Arbeit in einer besseren Gesellschaft zum Vorschlag bringen. Heute unterliegt die Gesellschaft einer zwar brechenden, aber noch starken neo­liberalen Hegemonie. Die Vision einer anderen Gesellschaft ist erst wirksam, wenn sie anziehungsfähig ist, also Gemein- wie Eigensinn entfesselt. Das vergessen wir gerne (gerade in dieser Unterlassung liegt ein Stück Hegemonie).

Misslingt uns aber in der gegenwärtigen Krise die glaubhafte Darstellung von Wegen aus der Krise, erledigt sich die Linke selbst. Die vierte Rechte und ihr autoritäres Projekt gewännen. Also:

⇒ Ökologischer Umbau. Bessere Arbeit. Soziale Innovation. Öffentliche Güter: Die ökologische Wende hat schon ohne uns begonnen. Der Kapitalismus wird gerade reindustrialisiert. Es ist unsere Aufgabe, diesen Umbau zur Grundlage eines anderen gesellschaftlichen Projekts zu machen. Das bedeutet erst einmal pragmatische Dinge wie ein Nationales Industrieprogramm für den ökologischen Umbau und eine Bildungsoffensive. Erneuerbare und dezentrale Energien, Schiene und öffentlicher Verkehr, Energieeffizienz, «green nano» - das ganze Programm. Statt Milliarden in Finanzkonzernen zu verbraten, könnte ein Kompetenzzentrum diese Entwicklungen anstossen. Jede öffentliche Hilfe müsste an soziale Innovation und bessere Arbeit, Ausbildung und Weiterbildung, Wirtschaftsdemokratie und Open-Source-Öffnung des Unternehmens gebunden sein. Der Beitrag des Unternehmens zur Mehrung öffentlicher Güter wäre die Messgrösse für das Zinsniveau seines Kredits. Dezentralität, kooperative Formen, Care-Arbeit, internationale Zusammenarbeit würden belohnt. Hier deutet sich schon der transkapitalistische Übergang an: Nicht mehr der Profit des Kapitals stünde im Vordergrund, sondern die reale Wertschöpfung, ihre andere Verteilung und die Zentralität der Arbeit. Dann wäre es nur noch ein Schritt zu einem neuen Arbeitsbegriff, der sich von der Lohnarbeit ab- und der gesellschaftlichen Arbeit zuwendet.

Dieser Beitrag ist die aktualisierte und erweiterte Fassung eines Beitrages zur Sommeruni 2008 von Attac.

von dxbruelhart - am 23.10.2008 13:20
"Reisst der Einbruch an der Boerse in Tokio die Wirtschaft in Asien mit sich?"

So titelte die BBC eben in den Nachrichten. Sony gab eine Gewinnwarnung heraus, rechnet angesichts von nacheinander wegbrechenden Maerkten sogar mit Verlusten im laufenden Geschaeftsjahr. Derweil setzt der Yen seinen Hoehenflug fort und bremst den Handel.

von PowerAM - am 24.10.2008 10:15
Ein ganz guter Artikel zur Weltfinanzkrise, der erklärt wie wir da reingeraten sind, erklärt dieser Spiegel-Artikel, den ich hier ausdrücklich zur Lektüre empfehele: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/25/27/dokument.html?titel=Der+Bankraub&id=62127252&top=SPIEGEL&suchbegriff=%22blythe+masters%22&quellen=&vl=0&qcrubrik=artikel

von dxbruelhart - am 02.12.2008 22:18
*ausgrab*
Bei uns scheints wieder aufwärts zu gehn,heut die erste Sonderschicht am Sonnabend,nächste Woche is meine Schicht dran,die Auftragsbücher sin voll,es sieht nach einem heißen und Überstundenreichem Herbst aus.

Ob das mit der geplanten Massenimpfung gegen die Schweinegrippe zusammenhängt ;-)
Gut das ich in der Pharmaindustrie arbeite :D

von Robert S. - am 22.08.2009 05:11
Hm, hängt wohl eher damit zusammen, dass man den Leuten gesagt hat, das Krise ist.

Nun ist das Thema durch und die Leute fangen wieder an, normal zu kaufen/konsumieren.

von shianne - am 22.08.2009 07:37
Hm das stimmt so nicht ganz, die Kauflust war niemals schlecht, ganz im Gegenteil!! Aber mit Psychologie hat das ganze schon sehr wohl zu tun!

von Rosti 2.0 - am 22.08.2009 08:30
Zitat
shianne
Hm, hängt wohl eher damit zusammen, dass man den Leuten gesagt hat, das Krise ist.

Nun ist das Thema durch und die Leute fangen wieder an, normal zu kaufen/konsumieren.

Hier in Österreich haben die Leute die ganzen letzten Monate immer "normal" gekauft. Es war ein Glück, dass die lokal begrenzten Märkte immer gut funktioniert haben. Dennoch haben die Krise jene deutlich gemerkt, die in einem Unternehmen beschäftigt sind, welche im Wesentlichen vom Export abhängig sind. Praktisch die gesamte Grundstoffindustrie wurde seit dem Vorjahr um 30% herunter gefahren und in der Investitionsgüterindustrie gab es im ersten Halbjahr 2009 kaum Auftragseingänge. Da schon zuvor klar war, dass fast überall Überkapazitäten bestehen, rechnet man auch nicht, je wieder die Produktionszahlen von 2007/8 erreichen zu können.

Außerdem wird schon wieder fleißig in Rohstoffen spekuliert. Das war auch vorauszusehen, denn weltweit leben noch immer Millionen von Bankern, Brokern, Analysten und Anlageberatern von hochverzinslichen Geldanlagen, die nur durch Spekulation die erhofften Renditen bringen. Abgesehen davon, dass steigende Rohstoffpreise zu Inflation führen, werden dadurch auch wieder Blasen geschaffen, die früher oder später platzen.

An jenen Bedingungen, die die Verirrungen des Weltfinanzsystems verursachen, wurde bislang kaum etwas geändert. Deshalb ist die Krise auch lange noch nicht vorüber. Es wird bei uns wohl ähnlich laufen wie in Japen. Dort hatte man schon 1990 eine schwere Krise des Systems, von der sich Japan seither nie erholen konnte, weil man nicht bereit war, die Rahmenbedingungen grundsätzlich zu ändern. Den Japanern geht es zwar nicht wirklich schlecht, aber wirtschaftlich richtig gute Zeiten hatte man seit 1990 auch nicht mehr.

von Wasat - am 22.08.2009 10:38
Ruhe, bis zur Bundestagswahl ist keine Krise mehr. Danach kommt der Mega-Aufschwung... Steht überall in den Zeitungen. Hat gefälligst jeder zu glauben...



von Detektordeibel - am 22.08.2009 18:22
Wird verordnet.
Ne, diktiert.
In unserer Demokratie.

Aus dem ganzen Finanzsystem kommt man nicht so einfach raus.
Da müssten alle mitmachen.
Dass das so weitergeht wie vorher war schon klar.

Irgendwo kam doch eine Art Reportage im Fernsehen.
"Der große Rausch" nannte die sich.
Handelte von eben so einem "Banker".

von shianne - am 22.08.2009 19:35
Ruhe, es gibt keine Finanzkrise und keine Wirtschaftskrise, bald baut die deutsche Bahn in den USA ein gigantisches ICE-Netz zusammen mit Siemens.
In Afrika werden Solarzellen aufgestellt und wir haben für immer Strom aus der Steckdose und können die Atomkraftwerke abstellen.

Und danach macht Deutschland seine erste Mondlandung im nationalen Alleingang.

Das wird voll geil.



von Detektordeibel - am 23.08.2009 15:02
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