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Tschechische und polnische Orte, die ihre deutsche Namen (weitgehend) behalten haben

Startbeitrag von Wiesbadener am 02.07.2009 09:36

Nach dem Krieg wurden ja fast alle deutschen Bezeichnungen in Polen und Tschechien durch polnische und tschechische ersetzt. Trotzdem findet man hier und da noch Orte, die nicht umbenannt wurden. Oft handelt es sich um ohnehin slawische Ortsbezeichnungen, aber nicht immer. Ich habe mal drei Beispiele, wo die Bezeichnung noch weitgehend gleich blieb:


In Tschechien:

Varnsdorf (vorher: Warnsdorf)
Rumburk (vorher: Rumburg)

aus Polen:

Stargard

Vielleicht fallen euch auch noch ein paar ein

Antworten:

Kattowitz - Katowice
Klentsch - Klenčí


von Scrat - am 02.07.2009 09:55
Oppeln - Opole
Gdingen -Gdynia
Myslowitz - Myslowice (allerdings schon nach dem 1. Wk. zu Polen)

von Mujek3 - am 02.07.2009 11:24
Vielfach sind die vermeintlich deutschen Namen von den slawischen Namen abgeleitet. Kommt immer darauf an, wer wann da mal was besiedelt hat. Beispielswweise deuten Ortsnamen auf -witz und -ow immer auf slawische Namensgebung hin. Die gehen westlich bis an die Elbe.

So ist der Namen der ehemaligen preußischen Provinz Pommern ja auch vom polnisch "po morskie" abgeleitet.

Leider hat sich dieser Teil der Geografie -- die Siedlungsgeo -- früher gern mal an die Ideen von bestimmten nationalistischen Machthabern angepasst. Die "Erkenntnisse" dienten dem völkischen "Beweis", dass die "natürliche Ostgrenze" Deutschlands irgendwo am Ural zu liegen hat.

Im Laufe der Geschichte hat es immer wieder Landnahmen mit anschließenden Wüstungsperioden und danach Wiederbesiedlung gegeben. Diese Effekte, aufgrund von Faktoren wie Klima etc. sind vermutlich sogar bedeutender als kriegerische Ereignisse.


von Alqaszar - am 02.07.2009 11:43
dito!

Dieser Bereich, slawisch-germanischer Siedlungsgeschichte, reicht bis nach Ostthüringen oder sogar bis ins Wendland (Wenden=Slawen).
Die Namen der wichtigsten sächsischen Städte sind slawischen Ursprungs (Leipzig, Dresden, Chemnitz).

Vor allem in der Zwischenkriegszeit gab es auf beiden Seiten extremen Nationalismus und Ansprüche auf Territorien. Die Forderungen der deutschen Seite sollten bekannt sein. In Polen forderten einige politische Kreise in dieser Zeit bereits die Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze.

Hier noch ein Link zum Thema:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Ostsiedlung


von Mujek3 - am 02.07.2009 12:08
So eine richtig hanebüchene Umbenennung haben wohl doch nur die Franzosen hinbekommen, die dann in Elsaß-Lothringen deutsche Ortsnamen einfach einfranzösiert haben. Beispiele: Mulhouse statt Mühlhausen oder, ganz merkwürdig, Saverne für Zabern. Das ganze also einfach französisch ausgesprochen und dann transkripiert. Haben die auch mit Familiennamen so gemacht.
Nur der Herr Kühl, der dann auf französisch plötzlich Monsieur Cul heissen sollte, der hatte sich beschwert.


von Peter Schwarz - am 02.07.2009 12:29
Interessant finde ich jedoch dass einige Orte in Polen und Teschechien ohne eindeutig slawischer Herkunft keine neuen Bezeichnungen bekamen, sondern heute noch deutsch klingen, während andere Orte Kunstnamen bekamen, die mit der ursprünglichen deutschen Bezeichnung gar nix zu tun haben. Neben den eingangs aufgeführten habe ich noch weitere gefunden:

Harcdorf (Harzdorf), Stary Ehrenberg (Alt-Ehrenberg), Muhlberg (Mühlberg), Vogelzejf (Vogelseifen), Dianaberg (unverändert), Einsidl (Einsiedel), Fry¨tát (Freistadt), Friedrichswald u Rokytnice (Friedrichswald bei Rokitnitz), Temelin (unverändert), Grünwald nad Nisou (Grünwald an der Neiße), Hamstejn (Hamstein), Hartenberj (Hartenberg), Haselbach (unverändert), Haun¨tejn (Haunstein) usw. usf.

von Wiesbadener - am 03.07.2009 10:27
Zitat
Peter Schwarz
So eine richtig hanebüchene Umbenennung haben wohl doch nur die Franzosen hinbekommen, die dann in Elsaß-Lothringen deutsche Ortsnamen einfach einfranzösiert haben. Beispiele: Mulhouse statt Mühlhausen oder, ganz merkwürdig, Saverne für Zabern. Das ganze also einfach französisch ausgesprochen und dann transkripiert. Haben die auch mit Familiennamen so gemacht.
Nur der Herr Kühl, der dann auf französisch plötzlich Monsieur Cul heissen sollte, der hatte sich beschwert.

:joke:
Die heftigsten Umbenennungen haben aber letztlich nur die größeren Orte verpasst bekommen (Séléstat ist auch so ein schönes Beispiel). Bei den kleineren Dörfen hat man's bis auf einige aussprachebedingten Änderungen in der Schreibweise bei den deutschen Namen belassen.

von Wrzlbrnft - am 03.07.2009 11:45
Noch ein Beispiel für die umgekehrte Variante: Lübeck, das sich von der slawischen Kaufmannssiedlung bzw. Burg Liubice (die Liebliche) ableitet, welche im Frühmittelalter nicht weit von der im 12. Jh. gegründeten Travestadt existierte.

von ardey.fm - am 03.07.2009 11:46
In den ehemaligen deutschen Ostgebieten war ja auch vor dem Krieg der Anteil der polnischen Bevölkerung teilweise recht hoch. Ich könnte mir vorstellen, dass in Dörfern, wo ohnehin schon eine polnischsprachige Mehrheit lebte, die Ortsnamen eher noch beibehalten wurden als in Städten, die komplett geräumt wurden. Viele Orte hatten zudem schon vorher ihre Namen in beiden Sprachen, das wurde wohl auch nur selten geändert.

von Bolivar diGriz - am 03.07.2009 15:38
Graz - Gradec

von andimik - am 03.07.2009 16:20
In der Tschechei gibts Hradec Králové (Königgrätz) und den Hradschin, da steckt auch das slawische "Grad" drin.

von ardey.fm - am 03.07.2009 17:25
Ja, die steirische Landeshauptstadt ist gemeint. Ich hab mich vor Jahren mit so etwas beschäftigt, da es bei uns historisch auch Flurnamen gibt, die nicht aus dem Deutschen, sondern Slawischen kommen.

Es gibt eine Karte, wie weit solche Flurnamen nach Österreich "hinein" reichten.

Auch dir Mürz (ein Nebenfluss der Mur) kommt von "Die kleine Mur"
http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCrz

von andimik - am 03.07.2009 21:42

Asch heißt auch auf Deutsch und Tschechisch gleich. Nur wird es im Tschechischen mit dem "S" mit der Welle drauf (gesprochen wie Sch) geschrieben.

von Lorenz Palm - am 05.07.2009 15:25
Am Ende sind in Österreich noch fast die Hälfte der Orts- und Flurbezeichnungen nicht-deutschen Ursprungs. Der slawische Background beherrscht die Steiermark, Teile Kärntens und das Burgenland. In Vorarlberg und Tirol finden sich dagegen zahlreiche Ortsnamen rätoromanischen Ursprungs. Das geht offensichtlich bis in den Raum Innsbruck und darüber hinaus.


von Peter Schwarz - am 06.07.2009 12:10
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