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Lohnniveau in Deutschland sinkt

Startbeitrag von PowerAM am 28.09.2011 06:17

Eben in den Nachrichten gehoert: Das allgemeine Lohnniveau in Deutschland sinkt. Etwa 1/3 aller deutschen Arbeitnehmer koennen trotz Vollbeschaeftigung nicht von ihrem damit erzielten Einkommen leben. Immer mehr muss der Staat daher Geld zuschiessen und cofinanziert somit inzwischen fast 4 Millionen Vollzeitarbeitsplaetze.

Besonders niedrig sei das Einkommensniveau in Mecklenburg-Vorpommern, Teilen Niedersachsens sowie in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Besonders niedrig sei das Lohnniveau entlang der Grenzen zu Polen und Tschechien, wo die Situation durch massenhaft auf den Markt drängende Arbeitskraefte aus den Nachbarlaendern verschaerft wird. Verbreitet wuerden Stundenloehne unter 5 Euro, zum Teil sogar unter 4 Euro gezahlt. Dazu kommen immer mehr Teilzeitbeschaeftigte, die mit aehnlich niedrigen Stundensaetzen auskommen muessen.

Der Anteil von Arbeitnehmern, die zu einem Zweit- inzwischen sogar einen Drittjob angenommen haben, sei seit 2010 um etwa 1/3 gestiegen. Viele von ihnen wuerden in einer 7-Tage-Woche arbeiten und sogar auf Urlaubsansprueche verzichten, hiess es.

Die 50 interessantesten Antworten:

Ich hab ein erfolgreich absolviertes Studium. Trotzdem sind die Chancen, auf die Schnelle eine ordentlich bezahlte Stelle in dem Bereich zu finden, trotz Lehrermangels (!) sehr gering. Es wird schlicht nur nach dem Notenschnitt gegangen, da kannst mit 1,5 mit meiner Fächerkombi schon auf der Straße stehen. Und da gespart wird, kann man sich die Konsequenzen ja vorstellen.

Aktuell arbeite ich völlig fachfremd in einer technischen Abteilung eines hier ansässigen Unternehmens mit einem Grundlohn von 10.60 Euro in der Stunde. Und das auch nur in Teilzeit mit 30 Wochenstunden (bislang 24). Gibt netto irgendwas um knapp unter 1100 Euro. Da steht mir bei weitem schon nicht mal mehr Wohngeld zu, geschweige denn andere staatliche Förderungen.

Mich würde mal interessieren, was andere Vollzeitkräfte verdienen. Offensichtlich noch (deutlich) weniger als ich selbst. Irgendwann wird es knallen. Und möchte ich in meinem "Stammberuf" was bewegen, bleibt mir wohl nur der Weg ins Ausland...

Was mir noch einfällt:
Mit plus/minus 1000 Euro oder auch etwas weniger komm ich im Monat schon aus, als Student hatte ich ja auch nix. Da isst man halt notfalls auch mal 7 Tage die Woche nur Pasta mit unterschiedlichen Fertigsaucen, hab ich auch kein Problem damit.

Das Problem ist einfach folgendes: Irgendwann kommen wieder Investitionen. Meine Waschmaschine z.B. ist Baujahr 1995. Und das ist halt einfach irgendwann nicht mehr zu stemmen!

von Bengelbenny - am 28.09.2011 12:44
Man sollte allerdings auch seine Ausgaben bedenken und die wären in vielen anderen Ländern doch höher. Frankophone Hypermarches sind nett, dauerhaft würde ich dort aber aus Preisgründen nicht einkaufen wollen.

Auch beim goldenen M kann man einen Unterschied bei Preisen und Öffnungszeiten feststellen. Lux als Beispiel mit etwa 30% Aufschlag bei identischem Sortiment - F wo häufig schon um 23 Uhr dicht gemacht wird während hinter der Grenze durchgehend geöffnet ist. Ähnlich sieht es bei Tankstellen aus wo eben eine 400¤-Kraft die Nachtschicht übernimmt.

Nicht zu vergessen ist das produzierende Gewerbe, Stichwort Wettbewerbsfähigkeit.

http://www.google.de/publicdata/explore?ds=ml9s8a132hlg_&ctype=l&strail=false&nselm=h&met_y=minimum_wage&fdim_y=currency:eur&scale_y=lin&ind_y=false&rdim=country&idim=country:fr:lu:ie:nl&ifdim=country&tstart=917478000000&tend=1311804000000&hl=de&dl=de&icfg&uniSize=0.035&iconSize=0.5

von muniX - am 28.09.2011 17:21
Zitat

Deutschland schafft sich selbst ab. Und Politiker und Manager sind so blöd, dies nicht zu merken.


@ Peter Schwarz:
Doch! Die Politiker billigen das so sogar und nicht nur das! Sie FÖRDERN es sogar!!!
Es gibt so viele gesetzliche Schlupflöcher, wo sich "Arbeitgeber" durchmogeln können und die Politik bei Bedarf mit ihrem Einfluß in Berlin direkt an die Wand drücken können, wie es ihnen gerade passt!

Es gibt so viele Möglichkeiten für Arbeitgeber, die sich diese bei der Politik selbst bestellt haben.

Da lobe ich mir die Südländer in Europa, oder auch die Franzosen, die auf die Straße gehen und mal laut aussprechen, was falsch läuft im Land.

Aber zumindest tut sich schon mal was bei den Wahlen in Deutschland, auch wenn nur in kleinen Schritten.

von Radiopirat - am 28.09.2011 19:12
ja, dass es um die Wirtschaft nicht so doll aufgestellt ist, is schon klar. Aber wo is es das noch?
Unser Lohnniveau ist jedenfalls wirklich so gesunken, dass die meisten Nachbarländer (außer die östlichen) höhere Gehälter, bzw. Löhne haben als wir; sei es Niederlande, Frankreich, und die Schweiz ja sowieso.

aber noch was anderes: ich hab Dir wegen deinem ausgezeichnetem Musikgeschmack eine Mail geschickt. Bitte um Antwort. Danke

von Radiopirat - am 28.09.2011 21:34
Hat alles seine zwei Seiten.Die stagnierenden Löhne (und da weiss auch ich wovon ich spreche:-() sorgen anderseits auch für die relativ geringe Arbeitslosigkeit und die gute Wettbewerbsfähigkeit.Viele Länder in denen in den letzten 10 Jahren die Löhne deutlich gestiegen sind (gerade in Südeuropa) tun sich ja jetzt sehr schwer.
Und wenn in der Schweiz jetzt in manchen Firmen die Leute ohne Lohnausgleich länger arbeiten müssen (starker Franken),ist das auch ein (verdeckter) Lohnrückgang.

Und zum Preisniveau.Mein Vater wurde blass,als er vergangenes Jahr mal in der Schweiz in einer Migros einige Sachen einkaufte...



von UM74 - am 28.09.2011 23:07
Aber wenn jemand trotz Arbeit nicht mehr Geld zur Verfügung hat als ein Arbeitsloser (Aufstocker) dann ist das auch nicht mehr motivierend.

In Deutschland ist die Kaufkraft seit 2002 leider immer mehr gesunden. 2002 auf einem Schlag, als der Euro eingeführt wurde, wo die Löhne dann durch 1,95583 geteilt worden sind. Die Preise aber höchstens durch 1,50 - 1,60. Da waren dann schonmal 20% Kaufkraft auf einen Schlag weg.

Und von da an gabs dann Einkommesnmässig für viele Arbeitnehmer nur noch Nullrunden. Und wer seinen Job wechseln musste bekam oft sogar wirklich weniger ausbezahlt. Die Inflation lief dabei weiter, wobei vorallem die Kosten für Energie und Mobiltät massiv gestiegen sind. Gegenüber der DM-Zeit sind da mittlerweile 35% Kaufkraft weg.

Da kann man schon sagen, das es einem Arbeitslosen zu DM Zeiten wesentlich besser ging, als heute einem Arbeitnnehmer.

Trotzdem muss ich anmerken das der Euro nicht Schuld an der Missere ist. Sondern Schuld sind sind nur die Händler (wegen der massiven Preiserhöhung bei der Umstellung, und üppig bemessenen Preissteigerungen danach) und die Arbeitgeber (wegen der Nullrunden und unterbezahlten Zeitarbeit)

von Martyn136 - am 28.09.2011 23:51
Zitat

Mich würde mal interessieren, was andere Vollzeitkräfte verdienen.


1400-1500 Netto ist "normal", wer das verdient und unbefristet beschäftigt ist der braucht nicht wirklich quängeln - jeder der mehr verdient dem geht es finanziell gut.

Wer vollzeit arbeitet und nicht auf wenigstens 1100¤ kommt ist am Arsch. Bildungsabschluss spielt dafür übrigens kaum eine Rolle. Was junge Akademiker außerhalb der Ingenieurberufe mittlerweile verdienen da hätte man auch zur Müllabfuhr gehen können und würde besser dastehen, Medien und Werbebranche z.B.. Warum auch mehr zahlen wenn die Unis genug "jung, dumm, willig, billig" ausspucken?

Zitat

a lobe ich mir die Südländer in Europa, oder auch die Franzosen, die auf die Straße gehen und mal laut aussprechen, was falsch läuft im Land.


Naja, vom laut aussprechen kann man sich dort auch nix kaufen. Und da wo 5¤ und weniger bezahlt werden können sich hierzulande die Arbeitnehmer meistens noch bei den Gewerkschaften bedanken die diese Tarifverträge unterschrieben haben. Sich was anderes suchen ist das einzige was der einzelne da machen kann - wenn man kann.

Zitat

Die stagnierenden Löhne (und da weiss auch ich wovon ich spreche) sorgen anderseits auch für die relativ geringe Arbeitslosigkeit und die gute Wettbewerbsfähigkeit


Das ist nur für Teile der (Export)Wirtschaft nützlich von dem der Großteil der Beschäftigten hierzulande überhaupt nichts hat. Wenn BMW in den USA 1000 Kreditschleudern mehr oder weniger verkauft merkt der Bauschlosser in Mecklenburg oder die Verkäuferin in ner Stuttgarter Bäckerei gar nix davon.

Was die Binnennachfrage angeht steht man Inflationsbereinigt deutlich schlechter als noch Mitte der 90er da.
Defakto haben wir bei den privaten Konsumausgaben seit 2000 ebenfalls stillstand der Trend zeigt eher abwärts, nominal steigen sie vielleicht weil alles teurer wird, Real wird der Einkaufswagen nicht voller und es liegen Weihnachten auch nicht mehr Geschenke unterm Weihnachtsbaum.
Nach Abzug der Mieten etc bleibt vom Netto nicht mehr übrig, und schon alleine die zwei Mwst Erhöhungen hauen bei jedem rein.



Der ganze "XXL-Aufschwung" von dem gelabert wird ist tatsächlich nur ein Ansteigen der präkerjobs . Mittlerweile sind wir fast bei einer Millionen Zeitarbeiter angelangt. Von 100 neuen Jobs nach der Krise waren 50 in der Zeitarbeit. - Immerhin sind die normalen Vollzeitstellen nur sehr wenig gesunken in den letzten 10-15 jahren, ca um die eine Millionen die jetzt in der Zeitarbeit wieder aufgetaucht ist. :rolleyes: Das feierten sowohl Rot/Grün, als auch Schwarz/Rot, Schwarz/Gelb als "Erfolg".

Sobald die Exporte einbrechen, und dazu reicht schon ne kleine Kreditklemme weil das was den deutschen Export macht von den anderen Länderen fast nur auf Pump gekauft wird - schauts deutlich schlimmer aus als 2008/2009, wird so auch nicht mehr lange dauern.


Zitat

Trotzdem muss ich anmerken das der Euro nicht Schuld


Sicher nicht alleine. Der Dollar ist ja Weltleidwährung. Allerdings, würde Deutschland mit einer Binnenwirtschaft und einer Währung wie die Schweiz derzeit dastehen, man würde jubeln und tanzen. - Der Euro schadet den ganzen Pleite-Pigs allerdings in den Ergebnissen noch deutlich mehr als Deutschland, die verarmen jetzt nicht nur total nachdem ihr Konsum auf Pump zusammengebrochen ist, nein ihre Wirtschaft wird jetzt noch nachhaltig weiter beschädigt und zerstört.


von Detektordeibel - am 29.09.2011 05:36
@ Detektordeibel


deine Zahlen könnten schon so hinkommen, in meiner Abteilung verdient eine Vollzeitkraft zwischen 1400 und 1600 Euro netto (inkl. Nachtzulage ab 23 Uhr von 25%).
Da brauch ich in Teilzeit mit meinen 1100 dann offensichtlich auch nicht jammern. Mehr Stunden arbeiten geht aber auch beim besten Willen nicht, ich schließe in den nächsten 6 Monaten noch ein Ergänzungsstudium ab, was doch mehr Arbeit in Anspruch nimmt als ich zunächst dachte.

von Bengelbenny - am 29.09.2011 11:43

Wie kommt man denn mit einem Minimallohn von etwa 1500 Euro in einer süddeutschen Grossstadt klar?

Hier kostet eine 2-Zimmer-Wohnung schnell mal 1000 Euro (warm); hier ein Beispiel einer durchschnittlichen 2 Zimmer-Wohnung aus München, die kostet sogar 1200 Euro warm: http://www.immowelt.de/immobilien/immodetail.aspx?id=23833071#s=2
die Lohnsteuern wollen auch bezahlt werden, das kostet dann auch bei 1500 Euro vielleicht 250 Euro
die Krankenkasse will auch monatlich Geld sehen, das kommt gerne nochmals auf 250 Euro

Dann bin ich auf null und habe noch nichts gegessen, nichts getrunken und für Kleider, Kommunikation, Mobilität und alles andere habe ich keinen Cent mehr übrig - das geht doch nie und nimmer so!

von dxbruelhart - am 29.09.2011 14:39
Genauso war's bei meiner aktuellen Lebensabschnittspartnerin. Hat in München nichts bezahlbares gefunden, musste also an den äußersten Stadtrand sich ein WG-Zimmer nehmen. Tägliche Fahrzeit über 1h Stunde pro Weg in vollgestopften S- und U-Bahnen. Auf Arbeit angekommen fast täglich Überstunden, die kaum ausgeglichen werden konnten, teilweise völlig unmögliche herumschreiende Arbeits"kollegen", dazu auch gerne "Geschäftsreisen" zu Filialen nach Stuttgart, Karlsruhe oder Nürnberg. Persönliche Möglichkeit, mal irgendwelche Arzttermine, Behördengänge oder sonst was wahrzunehmen oder gar zu planen: praktisch Null. Man lebt für die Firma, verdient aber nicht genug, dass man mal irgendwie "vorwärts" käme. Aber man "muss" sich diesem ganzen Psychoterror ja aussetzen, weil's sonst wieder einen Arschtritt vom Arbeitsa... von der Bundesagentur für Arbeit gibt.

Nur mit viel Zureden, Geduld und Zuwarten haben wir's geschafft, dass sie diesen elenden Mistverein in Schwabing verlassen konnte und nach einer gefühlten Ewigkeit Job und bezahlbare Unterkunft bei mir in der Schweiz gefunden hat. Zwar noch nicht bei mir in nächster Nähe (wäre das nächste Ziel) und auch mit einem Gehalt, das in der Schweiz wahrscheinlich immer noch unter "Dumping" anzusehen wäre, aber immerhin mit einem angenehmen, stressfreien Arbeitsumfeld sowie einem gewissen Einkommen, mit dem man einigermaßen einschränkungsfrei leben kann.

von Wrzlbrnft - am 29.09.2011 15:28
Zitat

Wie kommt man denn mit einem Minimallohn von etwa 1500 Euro in einer süddeutschen Grossstadt klar?


1-2 Zimmer Wohnung in nem billigeren Stadtteil + Monatskarte.

1200¤ Miete in Laim gibts schon Leute die zahlen, aber dann entweder mit 2 Einkommen DINKs (Double Income no Kids), der Rest selbstbezogene Eigentümer die dort gekauft haben als billig war oder Leute die deutlich mehr wie 1500 Netto verdienen. Was in München so selten nicht ist.






von Detektordeibel - am 29.09.2011 17:43
@Peter Schwarz: Guckst du hier. Sie selber hat aber mit der Firma abgeschlossen und möchte es am Liebsten auf sich beruhen lassen. Ich wäre in dieser Hinsicht auch rebellischer gewesen und hätte an ihrer Stelle noch einen bitterbösen Brief an einige entscheidende Orte geschrieben, aber es ist ihre Entscheidung und das respektiere ich. Auch wenn ich selber seinerzeit auch ordentlich drunter gelitten hatte, wenn sie mir wieder erzählte, was da alles abgegangen war.

von Wrzlbrnft - am 29.09.2011 19:06
Zitat
WellenJäger
@Bengelbenny

Ich weiß ja nicht, was du für eine Fächerkombi hast, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass du keine Anstellung findest. Selbst an einer Schule im tiefsten Brandeburg verdient man deutlich mehr als 1000 Euro in Vollzeit. Hab auch schon aushilfsweise fachfremd unterrichtet vor der Ref-Zeit.


Ich bezog das auf eine Anstellung beim Staat. Dass ich natürlich über kurz oder lang Berücksichtigung finde, ist mir auch klar. Ich habs mit anderen Bundesländern auch schon probiert, aber neuerdings darfst da ja erstmal Anträge auf Anrechnung eines Abschlusses aus einem anderen Bundesland stellen.
Ich glaube, ich gehe wirklich in die Schweiz. Aus mehreren Gründen...

von Bengelbenny - am 29.09.2011 19:45
Jemand aus meinem Freundeskreis bekam eine Anstellung von seiner Agentin "zugeteilt". Er ist Baecker, 31 Jahre alt und eigentlich kein Dummer.

6-Tage-Woche mit Arbeitszeiten von Sonntagabend bis zum Sonnabendmorgen. Arbeitsbeginn um 22 Uhr und erstmal Schluss um 4 Uhr. Dann erneut um 6 Uhr antreten und bis 7h30 im Laden den Verkauf uebernehmen. Dann kommt die eigentliche Verkaeuferin erst, die wegen zweier schulpflichtiger Kinder nicht frueher kommen kann. Macht je Arbeitstag 7,5 h bzw. 45 h je Woche. Den ganzen Spass fuer 8,07 EUR brutto. Bringt knapp 'nen 1000er auf's Konto. Wie schoen...

von PowerAM - am 17.01.2012 12:53
Zitat

Bäcker sind ja auch dank der Discountbäcker und der Backabteilung im Discounter wie z.B. auch das Coiffeurgewerbe eine typische Dumpingbranche. 8€ sind da eventuell nötig um konkurrenzfähig zu bleiben.


Bäcker/Konditor war schon immer viel schwere Arbeit für wenig Geld... Natürlich ist es uninteressant wenn derjenige der die Brötchen ausfährt mehr verdient als der, der sie macht.

von Detektordeibel - am 17.01.2012 19:36
Das immer wieder vorgebrachte Argument, wir seien nur durch die niedrigen Gehälter der Arbeitnehmer so wettbewerbsfähig, ist großer Unsinn. Der Vergleich mit manchen südeuropäischen Ländern hinkt. Die (mangelnde) Wettbewerbsfähigkeit wird nicht durch Stundenlohn, sondern durch Lohnstückkosten, Qualität, etc bedingt.

Gerade die erfolgreichen Exportunternehmen zahlen in D (noch) gut.
Es sind eher die Dienstleister mit lokalem Publikum (durch Geiz ist Geil auf billig getrimmt), die ihre Mitarbeiter am ausgestreckten Arm verhungern lassen.
Solange es in D keinen Mindestlohn von mindestens 10 € / Stunde gibt, wird sich aber kaum etwas ändern. Auch fehlt ein Bewußtseinswandel bei der Bevölkerung. Geiz ist nicht geil, sondern asozial, eine Charakterschwäche, sonst nichts.

Für den Sonderfall "Leiharbeit" (abgesehen von der, mit der z.B. Auftragsspitzen abgefangen werden sollen) gibts übrigens einen ganz anderen Aspekt: unseren Kündigungsschutz. Der ist gut für Leute in Arbeit, aber schlecht für Arbeitssuchende. Und natürlich ist das für Chefs ohne Führungskompetenz oft ein Ausweg, weil sie Angst davor haben, Mitarbeiter fest anzustellen, die dann nicht "gut" arbeiten. Nur: Kaum ein "schlechter" Mitarbeiter ist ein schlechter Mitarbeiter. Der Zustand der "inneren Kündigung" kommt oft durch äußere Faktoren am Arbeitsplatz zustande: Fehlbesetzungen (Chef erkennt nicht, wo er wen am besten einsetzen kann), schlechtes Betriebsklima (die Firmenkultur bestimmt letztenendes der Chef!), fehlende Anerkennung, fehlende Motivation, etc. - Ergo: Meist sinds schlechte Chefs, durch die Mitarbeiter schlecht erscheinen.

Übrigens zwingt auch der Staat Firmen mitunter zum Dumping: bei öffentlichen Ausschreibungen gewinnt prinzipiell der Billigste, nicht der Sozialste und Beste. Allerdings wird da wohl zum Teil schon gegengelenkt(?).

von DH0GHU - am 17.01.2012 20:00
Zitat
Ulrich Hilsinger
Für den Sonderfall "Leiharbeit" (abgesehen von der, mit der z.B. Auftragsspitzen abgefangen werden sollen) gibts übrigens einen ganz anderen Aspekt: unseren Kündigungsschutz. Der ist gut für Leute in Arbeit, aber schlecht für Arbeitssuchende. Und natürlich ist das für Chefs ohne Führungskompetenz oft ein Ausweg, weil sie Angst davor haben, Mitarbeiter fest anzustellen, die dann nicht "gut" arbeiten. Nur: Kaum ein "schlechter" Mitarbeiter ist ein schlechter Mitarbeiter. Der Zustand der "inneren Kündigung" kommt oft durch äußere Faktoren am Arbeitsplatz zustande: Fehlbesetzungen (Chef erkennt nicht, wo er wen am besten einsetzen kann), schlechtes Betriebsklima (die Firmenkultur bestimmt letztenendes der Chef!), fehlende Anerkennung, fehlende Motivation, etc. - Ergo: Meist sinds schlechte Chefs, durch die Mitarbeiter schlecht erscheinen.
Kündigungsschutz sehe ich eigentlich nicht als grosses Problem.

Denn immerhin kann ein Arbeitgeber bei Neuanstellungen bis zu 6 Monate Probezeit vereinbaren, oder einen Arbeitnehmer befristet einstellen. Das sollte eigentlich reichen.

von Martyn136 - am 17.01.2012 21:16
Da hast Du durchaus recht. Das Problem sind hier möglicherweise wiederum eher unfähige Chefs, denen 6 Monate nicht ausreichen, um zu merken, daß eine Personalauswahl falsch war.
Allerdings ist es eben auch leider so, daß gerade das Argument des Kündigungsschutzes gerne als Argument für Leiharbeit genommen wird. Vorm Hintergrund des Schutzes des Schwächeren vor dem Stärkeren ist der K-Schutz ja auch durchaus berechtigt, und das Letzte, was wir brauchen, ist eine Unterstützung unfähiger Personaler durch eine legislativ unterstützte Hire&Fire-Mentalität.

Befristete Arbeitsverträge sind auch ein zweischneidiges Schwert. In den Branchen, in denen das üblich ist, können Arbeitnehmer kaum mehr als zwei Jahre im Voraus planen. MEINE Vorstellung von Leben(splanung) sieht anders aus.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich wünsche mir kein Schlaraffenland. Wer als Arbeitnehmer gut bezahlt wird, hat natürlich auch gute Arbeit abzuliefern und sich vereinbarungsgemäß (vertragsgemäß) voll in seinem Job/für seinen Arbeitgeber zu engagieren (NICHT sich tot/krank zu schuften). Wer aber die volle Arbeitskraft eines Menschen fordert, hat diesen Menschen auch entsprechend zu behandeln. Und wer selbst ein gutes Einkommen hat, sollte nicht von Anderen verlangen, für einen Hungerlohn womöglich härter zu arbeiten als er selbst. Das ist durchaus auch als Appell ans jeweils eigene Konsumverhalten zu verstehen ...

von DH0GHU - am 17.01.2012 21:54
Zitat

Das Problem sind hier möglicherweise wiederum eher unfähige Chefs, denen 6 Monate nicht ausreichen, um zu merken, daß eine Personalauswahl falsch war.


6 Monate sind an sich eh schon zu lange 3 Monate reichen eigentlich wenns nicht allzu schwierigere Tätigkeiten sind. Ist ohnehin schon schwer zu rechtertigen.

Der Punkt ist man macht es halt trotzdem. Auch Chefs und Personaler können niemanden in den Kopfschauen und die Bezeichung "Quartalskranker" "Quartalstrinker" kommt auch nicht von ungefähr. Manche Leute sind so.

von Detektordeibel - am 18.01.2012 03:00
Diese Geiz-ist-Geil-Mentalität ufert scheinbar schon auf Branchen aus, die früher davon weniger oder nicht betroffen waren. Dürfte ich mal die massiven Unterrichtsausfälle an bayerischen Schulen in den Ring werfen? SChön, wenn 3000 Lehrerstellen geschaffen werden, aber in einem Bundesland wie Bayern, welches größer als die ganze Schweiz ist, bringen 3000 (oft befristete) Stellen, die teilweise auch noch in Teilzeit absolviert werden, einfach gar nichts. Geschweige denn, wie man z. B. eine Familie davon ernähren soll.
Auch hab ich schon Stellenangebote als freier Mitarbeiter in (konkurrierenden) Redaktionen für 10 Euro in letzter Zeit häufiger gesehen. Für mich eigentlich nur ein Witz. Bei uns verdient man in der Produktion unten als Ungelernter mehr...

von Bengelbenny - am 19.01.2012 11:23
Die Unternehmer Kultur ist einfach am sinken. Mindestlohn ist eigentlich nur eine Symptombehandlung, wer will schon nur den Mindestlohn kriegen, vor allem in Branchen wie von Bengelbenny genannt.
Viel schlimmer - und daran würde auch der Mindestlohn nichts ändern - ist die mangelnde Berufssicherheit. Man kann praktisch nichts mehr planen. Wenn man Stellen immer nur "auf Sicht" hat, dann tätigt man auch keine längerfristigen Investitionen o.ä. Darunter fällt natürlich auch das Thema Familie.
Gut bezahlt wird eigentlich nur noch im Handwerk, in Teilen der Industrie, und im öffentlichen Dienst. Im Dienstleistungssektor, der immer so gepriesen wird, schaut es oft düster aus. So kommt es, dass es ne Menge Akademiker gibt, die mit 900 netto heimgehen, während LKW Fahrer bei Coca Cola locker 2800 Brutto verdienen - und nen recht sicheren (wenn auch relativ harten) Job haben.

von Terranus - am 19.01.2012 14:41
Zitat

Wenn man Stellen immer nur "auf Sicht" hat, dann tätigt man auch keine längerfristigen Investitionen o.ä. Darunter fällt natürlich auch das Thema Familie.


Ich weiss nicht wie das bei euch aus sieht, aber bei uns ist dieser Termin maximal 2 Monate.

Zum glück sind die Arbeitsbedingungen hier ganz anders und bin ich sehr froh nie in Deutschland arbeiten zu mussen.. Wenn ich das alles so lese pfui pfui pfui

von Jassy - am 19.01.2012 14:44
Das hat sich in den letzten 10 Jahren unglaublich negativ entwickelt. Woran das genau liegt, würd ich auch mal gerne wissen.
Hier darf es eigentlich auch keine befristeten Verträge geben, und 6 Monate ist die Probezeit. Aber es gibt da wohl genug Schlupflöcher.
Auch öffentliche Stellen machen da munter mit, wer mal in den Jobbörsen bei Bundesministerien etc schaut, das läuft alles nur noch befristet auf 1 oder 2 Jahre.
Hängt wohl auch damit zusammen, dass man oft eine ältere praktisch unkündbare Stammbelegschaft hat, und wenn die was nicht können, stellt man befristet einen ein, der es kann. Danach kann er wieder gehen. Die werden natürlich auch möglichst schlecht bezahlt.
Das hat auch zur Folge, dass man keine Zeit zum Einarbeiten hat, weswegen Berufseinsteigern heute besonders hohe Hürden entgegen stehen. Denn wenn man jemand nur 1 Jahr anstellt, dann muss der sofort alles können.
Unterm Strich ist das ein Sittenverfall, liegt aber auch an der Diskrepanz des Schutzes derjenigen, die lange im Job sind und dem praktisch völlig hilflos ausgelieferten Nachwuchs.

Denn da sollst du ja nur Praktika machen, sprich gar nix verdienen.

von Terranus - am 19.01.2012 15:46
Zitat
Jassy
Zum glück sind die Arbeitsbedingungen hier ganz anders und bin ich sehr froh nie in Deutschland arbeiten zu mussen.. Wenn ich das alles so lese pfui pfui pfui

Begeistert von dem, was ich so aus Deutschland lese und höre, bin ich auch nicht und bin froh, dass in der Schweiz (noch) eine andere Arbeitgeberkultur herrscht, auch wenn Lohndumping durch "billige Arbeitskräfte aus dem Ausland" hierzulande ein oft diskutiertes und durchaus auch existentes Problem ist. (Mindestlohn o.ä. gibt es in der Schweiz nämlich auch nicht)

Was machen denn z.B. die Niederlande anders als Deutschland und schaffen es dabei, die zweitniedrigste Arbeitslosenrate der EU zu haben?

von Wrzlbrnft - am 19.01.2012 16:57
Zitat
TerranusI
So kommt es, dass es ne Menge Akademiker gibt, die mit 900 netto heimgehen
Das darf auf keinen Fall sein. Weil wer zu solchen Konditionen arbeitet, der sollte dann lieber ganz daheim bleiben, ALGII nehmen, und 160€ hinzuverdienen. Da hätte man am Ende dann mehr in der Taschen.

Generell denke ich das jeder Beruf zumindest die Pfändungsfreigrenze von 1.030€ nette einbringen sollte, je nach Qualifikation entsprechend mehr. Bei einem Akademiker sollten es aber schon mindestens 1.600€ sein.

Alles was unter diesen Grenzen ist, das ist definitiv Ausbeutung.

von Martyn136 - am 19.01.2012 23:28
Zitat

Weil wer zu solchen Konditionen arbeitet, der sollte dann lieber ganz daheim bleiben, ALGII nehmen, und 160€ hinzuverdienen.


na, du hast ne Einstellung... viele wollen aber gerade nicht gleich zum Staat rennen und sich da steuerfinanziert Kohle abholen. Dazu kommt, dass man das ja nur kriegt, wenn man völlig blank ist. Nicht wenige gerade aus diesem Bereich waren aber oft so dumm, gespart zu haben bzw. etwas Besitz zu haben. Dann fällt das ehh flach.
Wichtiger wäre eine stärkere öffentliche Ächtung dieser Verhältnisse. Bei uns wird immer viel zu viel nur auf das Handeln des Staates geschaut, man sollte auch mal stärker die Verhaltensweisen der Unternehmen beleuchten und öffentlich darstellen.
Wer zB einer gelernten Fachkraft nur 4 Euro die Stunde zahlt (zB Friseur) der gehört halt öffentlich genannt. Es muss einfach als unanständig gelten sich für 5 Euro die Haare schneiden zu lassen, auch von Konsumentenseite. Die Wertigkeit von Dienstleistungen muss erhöht werden.

von Terranus - am 20.01.2012 14:07
Zwei Extreme: Die hoechsten Stundenloehne in Deutschland zahlt man bei VW in Wolfsburg - allerdings nur, sofern man vom Haustarifvertrag profitieren kann. Die geringsten Stundenloehne zahlt man auf der ansonsten steinreichen Insel Ruegen - bei inzwischen aber horrenden Lebenshaltungskosten. Der groesste Teil der dortigen Arbeitnehmer lebt direkt oder indirekt vom Tourismus. Traditionell wird wenig gezahlt, bei Bedarf schnell eingestellt und auch sehr schnell wieder entlassen. Viele kommen daher nicht einmal auf neun oder zehn bezahlte Arbeitsmonate.

von PowerAM - am 19.04.2012 05:25
Tja, das wird alles noch eine Weile dauern. Solange es Mitarbeiter bei McDonalds gibt, die im Schichtdienst nicht mehr als 1400 brutto (!) (bei Sonntagsarbeit mehr) mitbringen, wird sich wenig ändern.
Hinzu kommt, dass es immer Mitarbeiter gibt, die einen Job als Neben/Zusatz-Verdienst antreten.
Denen ist es relativ egal, weil sie es anders sehen.
Wenn man darauf angewiesen ist, sieht es natürlich anders.

Für den Anfang ist aber der letzte Vorschlag von Madame Leynen nicht von der Hand zu weisen

von kirkroger - am 08.05.2012 07:54
Zitat

Wie will jemand mit 5 Euro Stundenlohn eine Wohnung von € 800,.--, eine Krankenkasse von €350.-- und den ganzen Rest des Lebens finanzieren?


Naja, das sind andere Dimensionen als hier. Man kann sicherlich ne Wohnung von 800,- € nehmen, es gibt aber meist auch günstigere (je nach Gegend). KK sind auch nicht pauschal 350€, dann würde ich nämlich unter ner Brücke oder auf einer Parkbank leben.
Sagen wir mal so: Ich finanziere Kfz, Wohnung und alles andere von

von Japhi - am 08.05.2012 13:23
Zitat
kirkroger
Tja, das wird alles noch eine Weile dauern. Solange es Mitarbeiter bei McDonalds gibt, die im Schichtdienst nicht mehr als 1400 brutto (!) (bei Sonntagsarbeit mehr) mitbringen, wird sich wenig ändern.
Hinzu kommt, dass es immer Mitarbeiter gibt, die einen Job als Neben/Zusatz-Verdienst antreten.
Denen ist es relativ egal, weil sie es anders sehen.
Wenn man darauf angewiesen ist, sieht es natürlich anders.

Für den Anfang ist aber der letzte Vorschlag von Madame Leynen nicht von der Hand zu weisen


Ich werde aber bestimmt nicht mehr als 4€ für Fastfood zahlen um satt zu werden und das zu jeder Tages.- und Nachtzeit.
Allgemein zum Irrweg Mindestlohn, http://www.youtube.com/watch?v=IFbYM2EDz40

von muniX - am 08.05.2012 14:12
Der eigentliche Witz ist ja, daß die Gegner eines Mindestlohns immer behaupten, daß die Exportstärke der deutschen Wirtschaft gefährdet wäre, wenn man einen halbwegs ordentlichen (also min. 10 € / Stunde) Mindestlohn einführen würde.
So ein Quatsch!
Die exportorientierten Branchen wie Maschinenbau, KFZ-Hersteller, Elektrotechnik zahlen ja eh meist nach Tarif und gehören im Regelfall nicht zu den extremen Halsabschneidern.
Die niedrigsten Gehälter werden doch dort gezahlt, wo man garnicht so ohne weiteres Jobs ins Ausland verlagern kann, nämlich im Dienstleistungsbereich. Genau dort wäre ein Mindestlohn dringend angebracht.

von DH0GHU - am 08.05.2012 17:54
Die Aufstockerei, so gut sie gemeint war, hat genau das Gegenteil bewirkt. Als Schroeder seinerzeit den Billiglohnsektor international als Meilenstein bezeichnet hat war bereits klar, dass eben dieser Sektor aus staatlich subventionierten Arbeitsplaetzen bestehen wird. Man hat es trotzdem gemacht und co-subventioniert so ganze Branchen.

Arbeit muss sich lohnen und sie muss mehr als nur zum Ueberleben reichen. Und genau das tut sie in vielen Bereichen nicht mehr. Wenn ich ueberlege, fuer was sich eine fruehere Freundin als gelernte Altenpflegerin auf den Weg gemacht hat. Als Arbeitszeit galt nur die Zeit beim "Kunden", Wegezeiten waren Privatvergnuegen. Die private Monats- bzw. Jahreskarte wurde vorausgesetzt und war selbstverstaendlich zu benutzen. Im Bereich "haeusliche Pflege" kam sie trotzdem nicht einmal auf 1100 EUR brutto.

Ein befreundeter Metallbaumeister soll seit 1 Jahr Meisterarbeiten machen, wird aber nur als Geselle bezahlt. In Heimatnaehe ist ein Betriebswechsel nicht einmal lohnend, mit 1440 EUR brutto ist bei einer 40 h-Woche woanders teilweise noch weniger zu kriegen.

Nicht besser geht es einem befreundeten Gala-Bauer, der mit ~1500 EUR brutto noch Ruecklagen fuer einen arbeitsfreien November, Dezember, Januar, Februar und Maerz bilden soll. Seinen Jahresurlaub hat er am Stueck in dieser Zeit zu nehmen, idealerweise auch noch im Restzeitraum aufgebaute Ueberstunden abbummeln. So ist bei ihm derzeit eine 6-Tage-Woche mit mindestens 10 h Normalitaet. Davon gibt es (nach geltendem Recht) natuerlich nur 9,25 h taeglich angeschrieben - trotzdem ausser ca. 20 min Mittagspause durchgearbeitet und seitens der Vorarbeiter auch darauf geachtet wird. Der offiziell eigentlich "bezahlte Urlaub" wird so naemlich auch nicht bezahlt sondern ist ueberwiegend rausgearbeitet.

von PowerAM - am 08.05.2012 18:52
Diese Halsabschneiderei ist langsam echt nicht mehr feierlich. Ne befreundete Altenpflegerin kriegt hier in Bayern brutto auch nichtmal 1500 Euro (private Trägerschaft). Überstunden sind selbstverständlich, 6-Tage-Wochen normal. Netto kriegt sie etwas über 1000 Euro raus.

Und wie krass die Situation ist, seh ich bei mir in der Arbeit: Da arbeiten einige Damen im Hilfsarbeit-Sektor in Teilzeit und kriegen damit nicht unwesentlich weniger raus als im gelernten Beruf (Friseurgewerbe und ähnliches) in Vollzeit. Es kann einfach nicht sein, dass man in Vollzeit so wenig verdient, dass es kaum zum leben reicht.

Ich für mich habe für einmal Glück gehabt. Ich bin zwar jetzt noch im kaufmännischen Sektor in Probezeit tätig in einem größeren Verlag, habe allerdings einen Stundenlohn, der zwischen 15 und 16 Euro liegt. Da gelingt es mir dann doch, ein bisschen Geld auf die Seite zu bringen.

Ich kenne allerdings auch die andere Seite gut, wo man wirklich jeden Monat schauen muss, wie man über die Runden kommt...

von Bengelbenny - am 08.05.2012 20:29
Zitat
PowerAM
Deutsche Mittelstandsnachrichten: Stundenlohn von 5 EUR ist zumutbar.

Das ist ein Problem, wenn Verfahren ewig dauern, weil es durch alle Instanzen geht.
Da das Verfahren solange dauerte, mußte noch nach alter Rechtslage geurteilt werden.
Mittlerweile hat das Sozialgericht Berlin festgestellt, ein Stunden-Lohn unter € 6,20 ist sittenwidrig.
€ 6,20 ist allerdings auch nicht wirklich viel besser.

Man muß sich wirklich fragen, was soll man am Sonntag hier in NRW wählen?
Schwarz-Gelb kommt für mich garantiert nicht in Frage.
SPD? Da ist das Geschwür Seeheimer Kreis mit den ganzen GasGerd-Gefolgsleuten zu stark.
Die Grünen? Haben sich schon fast komplett mit der SPD verheiratet.
Die Linke? Werden die 5%-Hürde möglicherweise nicht schaffen. (Siehe S.H.)
Die Piraten? Werden sie zu stark, droht vielleicht Schwarz-Rot, weil es für Rot-Grün nicht reicht.
Es ist schwierig, aber vielleicht doch das Risiko GroKo eingehen und die Piraten wählen?
Ideen?

von Nohab - am 09.05.2012 09:20
Wenn ich in NRW wahlberechtigt wäre, müsste ich taktisch agieren.

Wollte ich schwarz-gelb, dann muss ich diesmal der FDP die Stimme geben (und damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, siehe FDP stärken...)

Wollte ich rot-grün, dann eine dieser beiden Parteien. In jedem Fall schliesst sich eine Stimme für die Linken oder die Piraten aus, weil ich eines der beiden Lager damit schwächen würde.

Dass die Grünen mit der SPD verheiratet sind, sehe ich nicht so. Sie haben in den letzten Jahren doch manche vernünftigere finanzpolitische Vision gehabt als die SPD... Und den Vorwurf "verheiratet" macht man ja immer dem kleineren Partner, auch die FDP wurde so bezeichnet: Vom Wurmfortsatz bis hin zur Umfallerpartei.

Nein, die Piraten aber auf gar keinen Fall, Sympathie hin oder her... die Stimme dort könnte zu dem gegenteiligen Ergebnis führen, das man eigentlich wollte...

Habe mal den nrw-wahl-o-mat (38 Fragen) mitgemacht. Nach diesem für mich erstaunlichem Ergebnis müsste ich die SPD oder die Piraten wählen - beide punktgleich. Das hat mich dann doch ins Grübeln gebracht.

von kirkroger - am 09.05.2012 15:43
Politisch ist das Bundesland dem Untergang geweiht.

Das ist dann aber doch starker Tobak, oder? Und könnte man auf fast jedes andere Bundesland übertragen.
So dumm, wie wir vielleicht alle etwas voreilig den Wähler halten, ist er gar nicht. Der taktiert schon bei der Stimmabgabe, kann bei dieser aber nicht abschätzen, was er damit vielleicht anrichtet (wieviel Schwung eine aus Protest oder Kalkül gewählte "Partei" hinzubekommt- und damit andere Konstellationen zunichte macht.)

von kirkroger - am 09.05.2012 17:05
Zitat
kirkroger
Habe mal den nrw-wahl-o-mat (38 Fragen) mitgemacht. Nach diesem für mich erstaunlichem Ergebnis müsste ich die SPD oder die Piraten wählen - beide punktgleich. Das hat mich dann doch ins Grübeln gebracht.

Den Wahl-o-mat zur NRW Wahl finde ich auch etwas verwirrend. Bei mir kommen zwar auch auf Platz 1 die Piraten, auf Platz 2 und 3 aber gleich ÖDP und Grüne, obwohl:

- ich gegen ein Rauchverbot bin
- gegen ein generelle Tempolimit auf Autobahnen bin





von Martyn136 - am 11.05.2012 01:48
Zitat
88,7 MHz
Nöö :cool:


Tja, das macht der Beruf. Kenn ich doch woher, trotzdem seit 4 Monaten ohne :cool: Auf einmal nerven alle Klienten doppelt :D

Zitat
PowerAM
Das eingesparte Geld wird nun versoffen? :drink:


Nö, Alkohol gabs hier nur sehr selten, seitdem vllt. 3 Buddeln Bier. Finde es übrigens als jetziger Nichtraucher trotzdem angenehmer, wenn jemand raucht, als wenn er sich ordentlich Sprit hinter die Binde kippt.

Vom Raucher bleiben über: Zigarettenkippen und Rauch/Gestank.

Vom Schalker Besoffenen: Kotze in Hauseingängen bzw meinem Hausflur/Aufzug, Pöbelei, Alkoholgestank, Gewalt, kaputte Bierpullen, Autounfälle, Krankenhauseinlieferungen auf Steuerzahlers Kosten und Pisse in meinem Hausflur.

Aber was ist verpönt: Rauchen. Was ist gesellschaftlich total akzeptiert? Alkohol. Nur mal so als Vergleich.

Und schonmal vorsorglich bei Gegenargumenten: Nein, ich habe nichts dagegen, dass jemand Alkohol trinkt. Es gibt genügend, die andere nicht mit ihrem Alkoholkonsum (oder der Raucherei) belästigen. Geht aber auch umgekehrt.

EDITH: Noch mal on-Topic: Ich könnte mir die Raucherei und Sauferei derzeit bei meinem Gehalt eh nicht leisten. Wohnung und Auto sprechen dagegen.

von Japhi - am 11.05.2012 09:38
Zitat

Den Wahl-o-mat zur NRW Wahl finde ich auch etwas verwirrend. Bei mir kommen zwar auch auf Platz 1 die Piraten, auf Platz 2 und 3 aber gleich ÖDP und Grüne, obwohl:

- ich gegen ein Rauchverbot bin
- gegen ein generelle Tempolimit auf Autobahnen bin


Das wird nicht gewichtet, du hast die Mültikülti-Fragen Rot/Grün systemkonform beantwortet, wer das tut lässt sich auch das Rauchen verbieten und lässt später seine Freundin nicht mehr ohne Kopftuch vor die Tür. :D

Zitat

Politisch ist das Bundesland dem Untergang geweiht.

Das ist dann aber doch starker Tobak, oder? Und könnte man auf fast jedes andere Bundesland übertragen.
So dumm, wie wir vielleicht alle etwas voreilig den Wähler halten, ist er gar nicht. Der taktiert schon bei der Stimmabgabe, kann bei dieser aber nicht abschätzen, was er damit vielleicht anrichtet (wieviel Schwung eine aus Protest oder Kalkül gewählte "Partei" hinzubekommt- und damit andere Konstellationen zunichte macht.)


Mag sein das es woanders genauso schlimm ist, aber NRW ist das Griechenland Deutschlands. Hat zwar höhere Wirtschaftsleistung Bevölkerung, aber die Zahlen pro Kopf sind genauso schlecht.

Grad ist die Regierung defakto gestürzt, Haushalt vom Gericht kassiert? Völlig egal.
Bis auf das CDU Intermezzo ist das Land immer Rot regiert worden, und eine klare Mehrheit will das es ganz genauso weitergeht, die SPD wird immernoch favorisiert, WASG/Linke, Grüne etc. sind eigentlich nur deren Anhängsel oder daraus entstandene Splitterparteien.
Du hast in der Mitte von NRW Rheinruhr mit diesen ganzen mittlerweile wirklich runtergehurten Städten wo der Großteil der Bevölkerung aus Transferempfängern besteht. Da ist keine Akzeptanz für nen anderen Kurs als Schulden und "gib mir gib mir". - Sicher gibt es noch "gesunde" Regionen Städte, und die Handelskonzerne und die verbliebene Schwerindustrie reißen noch etwas raus, aber der Kurs geht Richtung Detroit. - Hier auf politisch

von Detektordeibel - am 11.05.2012 13:13
Zitat
toyotatercel
Zitat
PowerAM
Solange er die Risikozuschlaege dafuer bei seiner Krankenversicherung bezahlt ist's mir egal. Dann belastet das die anderen zahlenden Mitglieder nicht.

Ich hoffe, dass diese Risikozuschläge dann auch von allen bezahlt werden, die risikoreiche Sportarten betreiben.


:spos: Egal was man tut, alles ist Risiko, denn in unserer Gesellschaft dürfen Menschen kein Geld kosten

von Japhi - am 11.05.2012 20:34
Alkohol und Zigaretten sind aber definitiv kein Problem von zu viel Geld sondern eher von zu wenig Geld.

Denn während Besserverdiener auf schöne Urlaubsreisen, Traumautos und das eigene Traumhaus sparen können, und sich damit Befriedigung verschaffen können, wissen Geringverdiener das all diese Träume für sie völlig unerreichbar sind.

Also suchen sie ihre Befriedigung, etwas das jeder Mensch braucht eben in den billigsten aller Drogen. Denn was ist schon billiger als aus Osteuropa eingeschmuggelte Zigaretten, Bier und Hochprozentiges vom Discounter?

von Martyn136 - am 16.05.2012 01:03
Zitat
Martyn136
Denn während Besserverdiener auf schöne Urlaubsreisen, Traumautos und das eigene Traumhaus sparen können, und sich damit Befriedigung verschaffen können, wissen Geringverdiener das all diese Träume für sie völlig unerreichbar sind.

Also suchen sie ihre Befriedigung, etwas das jeder Mensch braucht eben in den billigsten aller Drogen. Denn was ist schon billiger als aus Osteuropa eingeschmuggelte Zigaretten, Bier und Hochprozentiges vom Discounter?


Das ist aber dummes Geschwafel. Statt jeden Tag ne Packung Zigaretten zu rauchen, könnte man auch einmal im Jahr mit der Familie für 2 oder 3 Wochen verreisen.

von DX OberTShausen - am 16.05.2012 01:22
Zitat

Denn während Besserverdiener auf schöne Urlaubsreisen, Traumautos und das eigene Traumhaus sparen können, und sich damit Befriedigung verschaffen können, wissen Geringverdiener das all diese Träume für sie völlig unerreichbar sind.


In dem Fall haben beide das Problem das sie Befriedigung durch Konsum erreichen wollen.

Solche "besserverdiener" verdienen nur besser, ohne ihren Verdienst sind sie genauso nach 3 Monaten Pleite wie die Leute die nix (außer ner Schachtel Kippen) haben. Beide sehen sich natürlich als "arme Leute" und sind sauer auf "die da oben".

Aber so werden die Leute halt von Werbung und Gesellschaft abgerichtet, wer in der Unterschicht aufhören will zu rauchen wird genauso schief angesehen wie jemand der mehr verdient, aber mit seinem Geld was anderes zu tun weiß als Spießerkombis zu finanzieren, und auf den jährlichen Urlaub "für die Frau, für die Kinder" zu sparen weil das ja die einzige Zeit ist und man sich ansonsten das ganze Jahr für das dämliche Reihenhaus im Hamsterad durch die Mangel drehen lässt. - Aber was soll, die Leute wollen verarscht werden, also soll man sie auch ruhig verarschen und dumm sterben lassen.

von Detektordeibel - am 16.05.2012 02:18
Zitat
Martyn136
Denn was ist schon billiger als aus Osteuropa eingeschmuggelte Zigaretten, Bier und Hochprozentiges vom Discounter?


Innere Zufriedenheit, selbst mit nichts in der Tasche?
Wenn ich natürlich den ganzen Tag Fernsehen konsumiere und mir von denen Sagen lasse mein Leben wäre nichts ohne .... und ich könne doch gleich lieber Sterben wenn ich nicht .... besitze. Noch ein wenig Angst verbreiten und fertig ist die mediale Gehirnwäsche.

@Pam
Welt.de ... das ist doch dieser Bild Klon aus dem Schnacksel Springer Verlag. Ja, die Mittelschicht und die Unterschicht müssen weiter Abstriche machen. Während sich die Schwarzen weiter die Taschen voll Laden ! Das gilt doch nicht für die Oberschicht ! :kotz:




Dieser Post wurde mit Hilfe von Tiefblau erstellt, denn nur mit Tiefblau-Alkohol ist das hier nüchtern zu ertragen.

von Scrat - am 27.03.2013 15:13
Zitat
PowerAM
Neuen Lesestoff gibt es hier. Laut Welt.de liegen die Lohnkosten in Deutschland ca. 1/3 ueber denen anderer Mitgliedslaender.
Das duerfte die Forderungen nach Lohnsteigerungen in der Zukunft erschweren oder gar unmoeglich machen.


Nunja,
interessant ist ja immer, wie sich solche Lohnkosten zusammen setzen. Es gibt tatsächlich Branchen, in denen die Gehälter im internationalen Vergleich sehr gut dastehen.
Das sind aber komischerweise meist die Branchen, die auch im internationalen Vergleich gut dastehen. Konzerne wie VW oder BMW zahlen Spitzengehälter, aber sie verlangen auch Spitzenleistungen, die dann zu Spitzenpreisen weltweit verkauft werden und zu recht guten Umsatzrenditen führen. VW würde die Autopreise nicht senken, wenn die Gehälter sinken würden - aber die Ausschüttungen an die Aktionäre würden erhöht werden. Darin liegt die eigentliche Ungerechtigkeit. Denn ohne die Mitarbeiter wären diese ganzen Arbeitgeber schlicht und ergreifend NICHTS.

Niedriglöhne werden komischerweise häufig dort gezahlt, wo der internationale Konkurrenzdruck (scheinbar?) niedriger ist. Wenn meine Friseurin pro Stunde 2 € mehr bekommt, und mein Haarschnitt deshalb auch 2-2,5 € mehr kostet (halbe Stunde Arbeit oder so...), wechsle ich deshalb ja noch lange nicht zu einem Friseur in China oder Vietnam...

Insofern sehe ich solche plakativen Aussagen "1/3 teurer" mit ziemlich viel Bauchweh.

von DH0GHU - am 27.03.2013 19:08
Ich wollte nicht mehr als das Thema in den Fokus interkultureller Diskussion ruecken. Danke, das ist mir gelungen. Fuer mich als bekennender dienstlicher (!) Bild-Leser ist Welt.de eine von zahlreichen Internetzeitungen, die ich fuer meine Taetigkeit lese, auswerte und im Sinne der Bildung verwerte. Und ich lasse mich dafuer bezahlen!

Um den Schwenk zum Thema wieder zu kriegen: Es gibt genug Branchen, in denen ein Mindestlohn angebracht waere, damit die (Vollzeit-) Arbeit auch tatsaechlich genug abwirft, um ein angemessenes Leben ohne Mangel in den Grundbeduerfnissen zu fuehren. Angesichts eines gewollt EU-offenen Arbeitsmarktes duerfen diese Mindestloehne kein nationaler Alleingang sein. Ich habe haeufig Probleme mit in Bruessel gemachter Gesetzgebung, hier ist nationales Recht aber u. U. kontraproduktiv, da sie nur zu Verschiebungen fuehrt. Entlohnung sollte sich nach den Anspruechen an jene richten, die die Arbeit machen sollen. Anspruchsvolles sollte auch anspruchsvoll bezahlt werden. Ich habe kein Problem damit, Ungelernte spuerbar unterhalb dessen zu entlohnen, was eine Fachkraft beanspruchen wuerde. Aber es darf auch nicht dazu fuehren, dass ganze Geschaeftszweige auf Ungelerne setzen, weil sie sich ihre Arbeitskraefte dort billiger beschaffen koennen. Insofern waere eine erfahrungsabhaengige Entlohnung ein moeglicher Weg, denn auch Ungelernte erwerben mit der Zeit Erfahrungen, Fachwissen und Fertigkeiten, die ein Neueinsteiger eben nicht hat.

von PowerAM - am 27.03.2013 19:57
Aktueller Fall aus meinem Freundeskreis: Vollbeschaeftigung im Servicebereich eines grossen und europaweit taetigen Krankenhauskonzerns mit 38,5 Wochenstunden bei Wechselschichtsystem und haeufigen spontanen Schichtwechseln bei einigen Doppelschichten im Monat, wenn z. B. die Abloesung nach der Fruehschicht nicht erschienen ist. Schluss ist dort grundsaetzlich erst nach Abloesung.

Die Branche hat einen verbindlichen Mindestlohn, der Konzern verweigert aber die Anwendung auf den Servicebereich. Wer den Mindestlohn verlangt, der wird betriebsbedingt gekuendigt. Dagegen ist kaum anzugehen, da grundsaetzlich mit ungelernten Kraeften gearbeitet wird und man spontan bei kurzzeitig hoeherem Personalbedarf einstellt oder von Personaldienstleistern ordert. Besteht der Bedarf nicht mehr, dann gibt's die Kuendigung.

Grundsaetzlich hat die Betroffene einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Von knapp 1000 EUR brutto, die nur mit der Wechselschichtzulage ueberschritten werden, bleiben etwas mehr als 700 EUR netto. Klassischer Aufstocker, das Amt legt irgendwas um die 300 EUR drauf und gleicht damit den Steueranteil etwa aus. Alles in allem reicht es fuer eine bescheidene Zweizimmerwohnung im Altbau, ein Auto von 1997 (wegen Schichtdienstzeiten ausserhalb verfuegbarer Bahnverbindungen) und knapp zum Nichtverhungern.

Die Betroffene haette etwas fachlich passendes gelernt, fuer das es ebenfalls einen branchenueblichen Mindestlohn gibt. Ausser in der Altenpflege ist aber kaum eine bessere Anstellung im Berliner Raum zu kriegen und in der Altenpflege wird je nach Arbeitgeber haeufig auch lausig gezahlt. Alternative Anstellungen wuerden neben einer neuen Probezeit auch hoehere Fahrkosten und laengere -zeiten erfordern, was einen Wechsel zu anderen Unternehmen unattraktiv macht. Gleiches gilt auch fuer den Wechsel zu einem Personaldienstleister. Die sind zwar weniger geizig beim Mindestlohn, erwarten dafuer aber 200 %ige Flexibilitaet und wollen natuerlich ihre Lohnsklaven jederzeit und bundesweit einsetzen. Das hatte sie auch schon durch und durfte mal ein Vierteljahr nach Hessen, dann nach Mecklenburg-Vorpommern und nach Niedersachsen. Unterbringung in angemieteten Gemeinschaftsunterkuenften auf dem Niveau einer Jugendherberge bei Selbstverpflegung ohne Moeglichkeit, sich selbst etwas zu kochen. Wenigstens haben sie in dieser Zeit recht anstaendig gezahlt.

Fazit: Eigentlich kann man hier nur abhauen!

von PowerAM - am 19.11.2014 10:06
Konzernen, die ihre Vollzeit-Mitarbeiter so einstellen, dass sie mit Mitteln aus den Sozialkassen aufstocken müssen, gehören schlicht und ergreifend öffentliche Aufträge komplett entzogen - inklusive der von Sozialversicherungen gezahlten Aufträge.
Gut, daß damit ab 2015 weitgehend Schluß ist. Mögen Arbeitgeber, die auf Lohn-Dumping bauen, Pleite gehen - das kann nur gut sein für anständig zahlende Mitwettbewerber.

von DH0GHU - am 19.11.2014 15:48
Zitat
DH0GHU
Konzernen, die ihre Vollzeit-Mitarbeiter so einstellen, dass sie mit Mitteln aus den Sozialkassen aufstocken müssen, gehören schlicht und ergreifend öffentliche Aufträge komplett entzogen - inklusive der von Sozialversicherungen gezahlten Aufträge.
Gut, daß damit ab 2015 weitgehend Schluß ist. Mögen Arbeitgeber, die auf Lohn-Dumping bauen, Pleite gehen - das kann nur gut sein für anständig zahlende Mitwettbewerber.

Vollkommene Zustimmung.
Mein Problem. Die Ausbeutung von Menschen kennt keine Grenzen. Wenn man so mit einem Straftäter umgehen würde.
Ich persönlich bin nicht betroffen, aber manches zu sehen geht zu weit. Ich will es nicht sehen.

von pomnitz26 - am 19.11.2014 22:04
Zitat
pomnitz26
Zitat
DH0GHU
Konzernen, die ihre Vollzeit-Mitarbeiter so einstellen, dass sie mit Mitteln aus den Sozialkassen aufstocken müssen, gehören schlicht und ergreifend öffentliche Aufträge komplett entzogen - inklusive der von Sozialversicherungen gezahlten Aufträge.
Gut, daß damit ab 2015 weitgehend Schluß ist. Mögen Arbeitgeber, die auf Lohn-Dumping bauen, Pleite gehen - das kann nur gut sein für anständig zahlende Mitwettbewerber.

Vollkommene Zustimmung.
Mein Problem. Die Ausbeutung von Menschen kennt keine Grenzen. Wenn man so mit einem Straftäter umgehen würde.
Ich persönlich bin nicht betroffen, aber manches zu sehen geht zu weit. Ich will es nicht sehen.


Sieht man auch gut daran, wieviel Prozent des Gehalts für die Mietwohnungen draufgeht:

http://www.merkur-online.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/muenchner-mieten-historischem-hoechstniveau-4542048.html

München - Der Herbst-Bericht des Immobilienverbands zeigt es: Seit dem Jahr 2004 sind die Mieten bei Altbauwohnungen um 49,5 Prozent gestiegen. Auch bei Neubauten ist es nicht viel weniger.

Das Leben in München ist teuer, das ist kein Geheimnis und in keiner anderen deutschen Großstadt kostet Mieten, Kaufen und Wohnen mehr als in der Landeshauptstadt. Das untermauert auch der gestern vorgestellte Herbst-Bericht des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Aus dem geht hervor, dass der Trend der stetig steigenden Mieten in München weiterhin ungebrochen bleibt.

„Im Herbst 2014 verzeichnen in München zum wiederholten Male sowohl die Wohnungsmieten als auch die Mieten für Häuser Anstiege“, erklärt Professor Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts. „Auch wenn diese im Vergleich zum Durchschnitt in Bayern tendenziell unterproportional ausfallen, bewegen sie sich dennoch auf sehr hohem Niveau und sorgen im Herbst wieder für ein historisches Höchstniveau.“
Am teuersten sind Neubauwohnungen

Die durchschnittliche Kaltmiete für eine Altbauwohnung (vor 1950 erbaut) belief sich bei Neuvermietungen im Herbst dieses Jahres auf 15,70 Euro pro Quadratmeter, für Bestandswohnungen (nach 1950 erbaut) lag der Durchschnittspreis bei 14,30 Euro. Am teuersten sind Neubauwohnungen mit durchschnittlich 16,40 Euro. Dass der Anstieg nicht neu ist, zeigt ein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre: Seit 2004 stiegen in München die Mieten für Altbauwohnungen um 49,5 Prozent. Bei Neubauwohnungen mit einem Anstieg von 49,1 und Bestandswohnungen mit 43 Prozent zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Steigende Mieten gebe es zwar in ganz Bayern, doch während im Rest des Bundeslandes das verfügbare Einkommen proportional zu den Mieten angestiegen sei, hätten sich die Gehälter in München nicht genug erhöht, um die Mietpreisanstiege wett zu machen, so die Interpretation des IVD. Dazu kämen stetig steigende Nebenkosten, die auch als „zweite Miete“ bekannt sind und die Münchner zusätzlich belasten.

Nach wie vor ist Münchens Mietpreismarkt jedoch keinesfalls einheitlich. Zwischen den einzelnen Stadtvierteln bestehen teilweise enorme Preisunterschiede. Am billigsten sind Münchnens Mieten im Hasenbergl: 10,70 Euro zahlt man hier durchschnittlich für den Quadratmeter. Den gibt es im teuersten Viertel Altstadt-Lehel erst für 17,70 Euro. Doch unabhängig von solchen Unterschieden zeigt sich in allen Stadtvierteln auch im Vergleich mit 2010 ein deutlicher Aufwärtstrend bei den Mietpreisen (siehe Tabelle).
Steigende Nachfrage, zu wenig Angebot

Grund für die konstant hohen Preise in München sind laut IVD nicht nur die starke Nachfrage, sondern auch das fehlende Angebot. Denn auch wenn in München ständig neue Wohnungen genehmigt würden – allein 2014 erteilte die Stadt etwa 20 Prozent mehr Baugenehmigungen als noch im Jahr 2000 – bleibe die Zahl der Neubauten hinter dem stetig steigenden Bedarf zurück, so der IVD. Und der dürfte auch in Zukunft nicht zurückgehen. Der starke Zuzug in die Landeshauptstadt und eine weitere Zunahme der Ein-Personen-Haushalte werde die ohnehin schon große Nachfrage weiter in die Höhe treiben, glaubt der Immobilienverband.

Ob sich Maßnahmen wie die geplante Mietpreisbremse oder das „Bestellerprinzip“ für Makler in Zukunft auf den Münchner Wohnungsmarkt auswirken werden, sei momentan noch nicht abzusehen. Beidem steht die IVD aber recht kritisch gegenüber. So befürchtet der Immobilienverband, dass dadurch Investoren abgeschreckt würden und sich die Immobilienknappheit auf lange Sicht noch weiter verschärfen könnte. Lösungen könnten laut dem Marktforschungsinstitut vor allem durch Steuererleichterungen für den Wohnungsneubau und Infrastrukturmaßnahmen, die den Großraum München besser an die Stadt anbinden, geschaffen werden.

Quelle:
http://www.merkur-online.de
http://www.demos.de

von möhrensalat - am 17.12.2014 15:12
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