Eisenbahn oder nicht?

Startbeitrag von Heidelberger Straßenbahner am 17.04.2010 19:17

In den Osterferien fuhren wir relativ spontan in Richtung Saverne in Frankreich. Ziel sollte das dort am Rhein-Marne Kanal gelegene Schiffshebewerk Saint Louis sein. Eine geplante Besichtigung bei einem IGN-Ausflug vor ein paar Jahren fiel auf Grund eines Schadens am Bus aus.

Neben dem Hebewerk liegt ein – früher auf dem Kanal eingesetztes – Frachtschiff. In dessen Laderaum befindet sich eine kleine Ausstellung. Unter anderem steht dort eine kleine E-Lokomotive.



Weshalb sie dort ausgestellt ist, darauf konnten wir uns keinen Reim machen. Während der sehr interessanten Besichtigungstour erfuhren wir, dass der Kanal in der Nähe durch einen Tunnel führt, dies wollten wir uns näher ansehen. Doch zuerst wollten wir die alten Schleusen ansehen, die durch dass Schiffshebewerk nicht mehr benötigt wurden.
Dabei entdeckten wir die auf dem nächsten Schnappschuss (absichtlich habe ich hier nicht Bild geschrieben) zu sehenden Schienen.



Auch neben den alten Schleusenkammern lagen im Asphalt immer wieder Gleisstücke. Da es in Frankreich „Tradition“ zu sein scheint, nicht mehr benötigtes einfach sich selbst zu überlassen, entdeckten wir eine Brücke, über die einst Schienen führten.





Dies Rätsels Lösung war an diesem ehemaligen Lokschuppen ausführlich (französisch) und kurz (deutsch) beschrieben.



Durch die beiden Kanaltunnel der Vogesen-Scheitelhaltung wurden früher die Schiffe mit kleinen Elektroloks getreidelt. Der Tunnel von Arzviller ist 2310 Meter lang. Auf dem Bild sind unten rechts noch die alten Holzschwellen zu erkennen. Im Tunnel lagen die Schienen auf einem Podest, wie auf dem Bild gut zu erkennen ist.



Natürlich wollten wir nun auch den anderen Tunnelausgang sehen! Infolge fehlender Hirnweißschilder (oder Französischkenntnisse) gestaltete sich die Suchaktion umfangreicher als gedacht. Für die dortigen gut ausgebauten französischen Chausseen hatten wir ja den passenden Wagen.
Das Glück war uns hold, wie die nächsten Bilder zeigten.





Das Verkehrsmittel, dass den Niedergang der Frachtschifffahrt auf dem Rhein-Marne Kanal bewirkte, fährt genau neben diesem. Zum Schluss wollten wir noch den Tunnel von Niderviller (480m lang) einen Besuch abstatten. Da wir keine Muse hatten, den langen Fußweg entlang des Kanales zu wandern, genügten wir uns mir der Besichtigung des, des Namen gebenden Dorfes zugewandten, Portales.



Hier sieht man deutlich, die auf dem Podest aus dem Tunnel kommenden Schienen. Diese führten noch ein paar 100 Meter weiter bis in den Hafen von Niderviller. Ab hier wurden die Schiffe wieder von Pferden gezogen.



Seit den 60/70 Jahren können, infolge der künstlichen Tunnelentlüftung, die heute überwiegenden Sportboote (ca. 8000 im Jahr, Frachtschiffe etwa 2 die Woche) die Tunnel mit den Dieselmotoren befahren werden.

Bei der Fahrt durch Niderviller lagen quer über die Straße Schienen, die aus dem Nichts (Gras) kamen und auf der Gegenseite in einem Ziegelwerk endeten.





Ja, ich weiß, spätestens jetzt werden sich die letzten Gedanken über meine Photokünste machen und sich überlegen, nochmals einen Beitrag von mir zu öffnen. Auch ich bemerke jetzt erst, dass ich den Warnhinweis und die Packungsbeilage am Anfang vergessen habe. Als kleine Entschädigung noch zwei Schnappschüsse von dem, das die Tonloren zieht. Leider standen die Beiden extrem ungünstig in einem engen Schuppen, den ich aufgrund seiner Bausubstanz nicht zu betreten wagte, das zweite Bild entstand durch ein Fenster. Auch hier war ich froh, dass ich meine Hand mit Fotoapparat unversehrt wieder herausziehen konnte.





Obwohl es auf den Bilder so aussieht, als wäre das Ganze vor 20 Jahren schon stillgelegt worden, der Ton auf den Loren war frisch und in der Halle wurde produziert, auch wenn ich mir bis heute Gedanken mach, wie die beladenen Loren über den – auf dem Bild nicht so erscheinenden – total baufälligen Schrägaufzug – nach oben gelangen, ohne dass Dieser vollens zusammenbricht.
Dass der Ton mit Lkw angeliefert wird, kann ich ausschließen, da dies der einzige Rohstoffzugang zum Werk ist.


Salü Erhard

PS.: das obligatorische Busbild muss diese Mal infolge fehlender Gelegenheit entfallen!

Antworten:

Die Schienen finden sich nicht nur im Bereich der Tunnel, sondern auch an anderen Kanalteilen. Das Treideln der Schiffe mit den Elektroloks war also durchaus über größere Strecken üblich. In Saverne selbst sollte an der Schleuse auch noch eine Denkmallok stehen.


von Holger Koetting - am 18.04.2010 09:06

Klar doch!!! (7 ergänzende Bilder mit Cindy, ohne Bert)

Viele schöne Bilder einer ausgesprochen schönen Gegend, wo es mich von Zeit zu Zeit immer mal wieder hinzieht (eigentlich wär's mal wieder soweit...)

Eine der von Holger angesprochenen Treidelloks in Saverne (ich meine, es wären sogar zwei?!?) habe ich 1998 mal fotografiert. Ich habs hier ausgeschnitten, denn die Lok war nur am Rand des Bildes (das eigentliche Motiv zeigte die Dame meines Herzens, mit der ich damals unterwegs war). Daher ist die Lok eher schlecht positioniert ;-)



Den Tunnel am Kanal in Arzviller zu finden war ein ziemliches Problem für mich - 1998 war ich schon fast dort, bin dann aber irgendwo falsch abgebogen und unwissenderweise daran vorbeigefahren.

Nachdem ich mir die Lage in GoogleMäpps ausführlich angeschaut hatte sollte es am 07. März 2008 besser klappen - nach eindreiviertel Stunden Autofahrt hatte ich den Tunnel problemlos gefunden. Dort angekommen, stellte ich beim Blick auf den Beifahrersitz allerdings fest, dass sich mein Rucksack mitsamt der Fotoausrüstung der Einreise nach Frankreich entzogen hatte und zuhause im Flur zurückgeblieben war.

Um nun nicht ganz ohne Bilder heimzukommen kaufte ich mir in einem nahe gelegenen Hypermarkt eine kleine Digitalknipse, die allerdings eher bescheidene Bilder machte. (Für Kurbelvideos allerdings ganz gut zu gebrauchen war). Das Beispiel der BB 15025 vor dem aus belgischen und schweizerischen Wagen gebildeten Eurocity "Iris" soll daher genügen. Das von Erhard gezeigte Tunnelportal befindet sich im Hintergrund:



Zur Digitalkamera gab es einen Gutschein über 25 Euro, den man innerhalb von vierzehn Tagen im gleichen Markt einlösen konnte. Grund genug, am 13. März zu einem kleinen Einkauf gleich noch einmal hinzufahren (dieses mal zu zweit, und dieses Mal ohne die Spiegelreflex zu vergessen). Auf der Fahrt wurde ausgiebig "Ein Mann, ein Fjord" gehört. Vor Ort entstanden am Tunnelportal dann die folgenden Bilder:

Der Weltrekord-TGV mit entsprechendem Dekor



Zur Streckenkontrolle im Kanaltunnel kam dieses niedliche Boot - im Vordergrund das Gleis der ehemaligen Treidelbahn, im Hintergrund donnert eine BB 37000 mit ihrem Güterzug vobei. Man beachte auch das niedliche, in die Stützmauer eingelassene Bahnwärterhäuschen, das auch schon auf den Bildern von Erhard zu sehen war:



Leider fahren hier im Personenverkehr kaum noch lokbespannte Züge, so wie dieser Regionalzug mit der Sybic BB 26143 und einer unerkannt gebliebenen Wandersfrau:



Im Güterverkehr dominieren die "Prima" von Alstom, sowohl in der Zwei- als auch in der Dreisystemausführung. Gelegentlich kommen auch Private oder mal eine 185 der DB vorbei. Hier hat die Dreisystemlok BB 37055 soeben den Tunnel verlassen:



Und kurz darauf ließ sich Cindy blicken - wenn hier tatsächlich nur etwa zwei Mal in der Woche Frachtschiffe verkehren, so wie Erhard schrub, dann dürfte es sich um einen ausgesprochenen Glückstreffer gehandelt haben. Auch wenn Bert nicht dabei war:





von Lokleitung - am 18.04.2010 13:32
Wenn so selten ist, dass auf dieser Strecke Lokbespannte Personenzüge fahren, möchte ich meien Bericht mit einem Bild, dass mein Sohn geschossen hat, ergänzen, auch wenn die meisten Wagen noch im Tunnel sind und somit nicht zu sehen.





Salü Erhard


von Heidelberger Straßenbahner - am 18.04.2010 17:47
Das gefällt mir doch, ich mag die Sybic ganz gerne.

Es gibt schon noch ein paar lokbespannte Personenzüge - im Fernverkehr wurde da in den vergangen Jahren viel durch TGV ersetzt, und im Nahverkehr fahren auch überwiegend Triebwagen. Allerdings setzt man gelegentlich im Nahverkehr noch sehr lange lokbespannte Züge ein, besonders im Berufsverkehr.

Ihr scheint übrigens deutlich besseres Wetter gehabt zu haben als ich.

von Lokleitung - am 18.04.2010 18:15
Wetter war sehr angenehm, Sonne ständig, durch den leichten Wind jedoch immer Pullover an.

Salü Erhard

von Heidelberger Straßenbahner - am 18.04.2010 20:06

Re: Klar doch!!! (7 ergänzende Bilder mit Cindy, ohne Bert)

Zitat
Lokleitung
Den Tunnel am Kanal in Arzviller zu finden war ein ziemliches Problem für mich


Oh, das geht ganz einfach. Man mietet sich ein Hausboot und fährt den Kanal hinauf. Dann kann man den Tunnel nicht verfehlen und außerdem geht noch das eine oder andere Motiv:

Das Problem ist allerdings meistens, daß Boot und Zug sich nicht unbedingt an den idealen Fotostellen kreuzen.

Zitat

Und kurz darauf ließ sich Cindy blicken - wenn hier tatsächlich nur etwa zwei Mal in der Woche Frachtschiffe verkehren


Das kommt in etwa hin. Als wir seinerzeit den Kanal langfuhren, kamen uns in der einen Woche eben zwei oder drei Frachtschiffe entgegen, ansonsten nur die üblichen Freizeitboote. Das war eigentlich schon früher so absehbar, trotzdem hat man mit dem Schiffshebewerk lustig ein paar Steuergelder in der Landschaft versenkt. Allerdings geht das auch noch besser, denn auf dem Canal du Nivernais im Burgund hat man neue, große Schleusen gebaut, die nie ein Frachtschiff gesehen haben.

Zu bemerken wäre noch, daß die beiden Tunnel miteinander verbunden sind oder waren. D. h. aus dem Bahntunnel führte ein Fluchtstollen in den Schiffstunnel. Dummerweise befindet sich der Treidelweg aber auf der gegenüberliegenden Seite, so daß man erst mal durch den Kanal schwimmen/waten (wer groß genug ist) darf.


von Holger Koetting - am 19.04.2010 09:05

Re: Klar doch!!! (7 ergänzende Bilder mit Cindy, ohne Bert)

Auch schon wieder ein historisches Bild. Die Z2 (liebevoll auch "Zetti" genannt) in der gelben Lothringer Regionalfarbgebung gibts auch schon lange nicht mehr...

von Lokleitung - am 19.04.2010 18:30
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