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Nahverkehr Rhein-Neckar
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Lokleitung, Führerbremsventil, Tw237, jo-ke, Der Regenleisten 0 305

Eierköpfe zu Ostern: der Museumszug Baureihe 430

Startbeitrag von Lokleitung am 31.03.2013 12:31

Aus aktuellem Anlass (Bericht aus Horb von Tw 237) hier ein kurzer Abriss über die Museumsgarnitur der Baureihe 430, eine recht unrühmliche Story.

Die 24 dreiteiligen Triebwagen der Baureihe 430 wurden 1956 gebaut. Sie bestanden aus zwei Triebköpfen 430 1xx (mit Gepäckabteil) und 430 4xx (ohne Gepäckabteil) und einem Mittelwagen 830 0xx. Sie waren 120 km/h schnell und wurden, nachdem einige wenige anfangs auch in Raum Nürnberg beheimatet waren, zuletzt im Ruhrgebiet vom Heimat-Bw Hamm 1 eingesetzt.
Duch die schlechte Luft im Ruhrgebiet und die hohe Beanspruchung erlitten die Triebwagen starke Korrosionsschäden. Außerdem wurden in den frühen Achtzigerjahren einige Strecken auf S-Bahn-Betrieb umgestellt, so dass die 430er zwischen 1980 und 1984 ausgemustert werden konnten.


Garnitur 430 011 am 01. Dezember 1983 im Bw Hamm im letzten Zustand vor Ausmusterung, mit Nummer auf der Front:



Im Vorgriff auf das Jubiläum "150 Jahre Eisenbahn in Deutschland" wollte man auch eine Einheit 430er betriebsfähig erhalten. Ausgesucht wurde die Einheit 430 014. Am 25. Juni 1982 stand sie in Dortmund Hbf noch im Planeinsatz:



Der 430 014 wurde im Aw Stuttgart-Bad-Cannstatt mustergültig restauriert. Um ihn später für Gesellschaftsfahrten besser vermarkten zu können, beschloss man, einen zusätzlichen Mittelwagen einzufügen. Diesen entnahm man der Einheit 012 und baute ihn zum Barwagen um. Am 12. April 1984 wurde ich im Bahnhof Friedberg (Hess) eher zufällig und bei dichtem Nebel Zeuge der Überführungsfahrt von 430 012 ins Aw Cannstatt, es schleppte die Offenburger 140 363. Nur der Mittelwagen sollte überleben (okay, die 140 hatte noch 18 Betriebsjahre vor sich):



Am 09. Juni 1985 wurde der Zug bei einem Tag der offenen Tür in Cannstatt erstmals ausgestellt - hier noch dreiteilig. Man hatte ihn in den Ablieferungszustand umlackiert, mit dem doppelten Zierstreifen und der schwarzen Brille um die Frontfenster. Auch die fehlende Nummer auf der Front passt für diesen Zustand, das Bw Hamm hatte in jener Zeit aber bei den meisten Zügen die Betriebsnummern auf die gelben Kupplungsdeckel draufgemalt:



Immer noch dreiteilig - 430 114 + 830 014 + 430 414 - nahm der Zug auch an der Jubiläumsparade in Nürnberg-Langwasser teil, er war ein echtes Schmuckstück geworden. Bild vom 22. September 1985:



Das mit dem "vermarkten" gestaltete sich wohl schwierig, vermutlich überwiegend wegen der horrenden Preisforderungen der Bundesbahn bzw. der DB AG. Und auch Szenairen wie in der Schweiz, wo man historische Fahrzeuge regelmäßig in Plankursen einsetzt(e), waren in Deutschland offenbar nicht möglich. Der Zug wurde also recht wenig genutzt, und die Schließung des Bw Hamm und damit auch die Auflösung der Truppe, die sich bis dahin um den Zug gekümmert hatte, tat ein Übriges. Nach Ablauf seiner HU an das DB-Museum abgegeben, welches ihn in Koblenz abstellte. Mir ist er in Betrieb als Museumsfahrzeug und vierteilig nur ein einziges Mal begegnet, und das dabei entstandene Bild ist eher zu Dokumentationszwecken tauglich als dass es Schönheitspreise gewinnen könnte - 19. Juni 1986, Essen Hbf:



Auch in Koblenz hatte man offenbar kein rechtes Interesse an diesem Zug und ließ ihn im Freien verrotten - man sieht es gut an dem Bild aus Horb, wie man dieses Schmuckstück hat verkommen lassen. Aus Platzgründen und wegen "schlechter Substanz" beschloss man im Jahr 2006 klammheimlich, den Zug zu verschrotten, angeblich hätte seine Aufarbeitung 5 Mio. Euro gekostet. Als dies in Eisenbahnfreundeskreisen bekannt wurde, waren schon ein Triebkopf und die beiden Mittelwagen dem Schneidbrenner erlegen. Durch eine kurzfristige Initiative konnte damals noch dieser eine Triebkopf - es ist der 430 414 - der Nachwelt erhalten werden. Ich verlinke hier nochmal das Bild von Tw 237 - das ist also der klägliche Rest von 31 elektrischen Eierköpfen der Baureihen 456 und 430:

Antworten:

Herrlicher Bericht,

ja da war man schnell dabei diesen ehrwürdigen Zug zu verschrotten. Ich suche auch noch DIAS raus, er war 1988 zu Besuch in Heidelberg im hervorragendem Zustand. Was Triebzüge angeht, ist es ja allgemein katastrophal. Den VT 11.5 hat man abgebrochen hier waren zwei Mittelwagen gemacht, beim Triebkopf stellte man fest das der neue Antrieb ja gar nicht in den Zug zum Einbauen passt, also wurde auch dieses Projekt abgebrochen. Beim Speisewagen wurde von einem Privatsammler die letzte originalerhaltene Einrichtung organisiert, alles futsch. Der VT 95 ist auch so ein Beispiel, der BSW Gruppe Heidelberg weg genommen und wo anders nie heimisch geworden. Jetzt ist er wenigstens in Lindenfels wieder vereint, allerdings in einem schlechten Zustand, doch den Jungs traue ich es zu ihn wieder herzurichten. Der Haltinger ET 25 wartet genauso auf sein erwachen wie der gläserne Zug in Augsburg.

Die BSW Gruppe Braunschweig hat es geschaftt den VT 08 wenigstens äußerlich wieder herrichten zu lassen. Das Stuttgarter Rössle VT 612 wird 2009 von der dortigen BSW Gruppe wieder instand gesetzt (betriebsfähig). Viel durch Fremdarbeit aber auch sehr viel durch Eigenarbeit, ich wünsche ihnen gutes gelingen. Momentan ist die SVG mit ihren betriebsfähigen ET 65 und dem ET 25 die einzige die die Fahne solch herrlicher Triebzüge hoch hält.

von Der Regenleisten 0 305 - am 31.03.2013 14:55
was war denn der Unterschied zum 456?

drei Fotos jedoch vom 456 habe ich auch noch gefunden:







von jo-ke - am 03.04.2013 07:23
Zumindest andere Türen hat er mal

von Tw237 - am 03.04.2013 07:39
Zitat
jo-ke
was war denn der Unterschied zum 456?


Andere Türen und eine andere elektrische Ausrüstung, mit der der ET 30 wesentlich schneller war.
M.W. wurde beim ET 56 auch Material aus ausgemusterten bzw. kriegszerstörten Vorkriegstypen wiederverwendet.

von Führerbremsventil - am 03.04.2013 17:10
Richtig.
Die sieben 456er waren nur 90 km/h schnell (bzw. langsam), die 430er waren 120 km/h schnell.

Die 2.-Klasse-Sitzpolster der 430er waren fast wie die der Silberlinge, im üblichen rot, während die Sitze der 456 in einem frischen steingrau gehalten waren.
Die Türen wurden schon erwähnt, die 456er hatten Schwenkschiebetüren, innen mit riesigen Öffnungshebeln und dem wichtigen Schild "Nicht auf die Seile setzen" (gemeint waren die Seile, die den Trittstufenbereich bei geschlossener Tür abdeckten), während die 430er die damals offenbar hochmodernen Falttüren und mehr Einstiege erhielten. Und wenn ich mich recht entsinne hatten die 456er noch eine recht funzelige Glühbirnen-Innenbeleuchtung, (kann aber sein, dass ich mich täusche) jedenfalls war eine Fahrt duch den Tunnel zwischen HD Hbf und Karlstor immer ein Erlebnis. Ich muss dazu mal die Dias durchsehen, irgendwo hatte ich noch ziemlich schlechte Innenaufnahmen.
Die 456 waren mit Stromabnehmern der Bauart SBS 39 ausgrüstet, ab Lieferung noch mit einfachem Schleifstück. Diese wurden in den Siebzigern auf Doppelwippe umgebaut und sahen damit in der oberen Hälfte "zusammengedrückt" aus, sieht man gut auf Jochens Bildern. Dagegen hatten die 430 ab Werk die modernen DBS 54 Schrenstromabnehmer, wie sie auch heute noch auf einigen Baureihen verwendet werden.

Recht kultig waren die Fenster, die man per Kurbel bedienen konnte - das obere Drittel ließ sich so auf- und zukurbeln.

von Lokleitung - am 04.04.2013 14:21
Die 456er waren einfach Kult, ich bin da gerne mitgefahren, war für mich ähnlich urig wie im Rastatter auf der OEG.

Eigentlich hatten wir "damals" schon eine Art S-Bahn...

von Führerbremsventil - am 04.04.2013 18:51
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