Adventskalender - Türchen 5 - Ab nach Kassel (10 Bilder)

Startbeitrag von Lokleitung am 05.12.2013 22:49

Sagt man doch so, "ab nach Kassel", oder? Am Mittwoch, den 5. Dezember 1984, also vor exakt 29 Jahren, war ich nach Kassel gefahren. Und obwohl ich mit dem Zug gefahren bin, habe ich an diesem Tag kein einziges Eisenbahnbild gemacht, nur zahlreiche Straßenbahnbilder.

Der Wagenpark der KVG ist seitdem (bis auf die wenigen noch in Betrieb befindlichen N8C) fast vollständig ausgetauscht worden. Gehen wir also zurück in der Zeit...


...und beginnen unseren bildlichen Überblick an der Endschleife Lindenberg mit Tw 355. Der 1967 von Credé gebaute Einrichtungs-Sechsachser war einer der wenigen Kasseler Wagen mit PCC-Front. Er zeigt sich hier noch in der blau/weißen Lackierung. Der Wagen wurde 1991 abgestellt, 1995 wieder in Betrieb genommen und schied dann endgültig im Dezember 2003 aus dem aktiven Dienst aus. Er ist offenbar noch in Kassel und - falls meine vorliegenden Daten stimmen - als Museumsfahrzeug vorgesehen:



Die kultigsten Fahrzeuge in Kassel waren damals die Schüttelrutschen-Vierachser. Sie waren nicht etwa Umbauten aus Altfahrzeugen, sondern als Vierachser, ebenfalls von Credé, gebaut worden. Eine Mitfahrt in dem sich nach allen Richtungen windenden Mittelteil war Pflicht. Tw 276 stammt aus dem Jahr 1957. Nach seiner Abstellung im Juli 1989 wurde er im November 1990 nach Gorzów in Polen abgegeben, wo er noch bis 1999 unter der Nummer 201 eingesetzt war. Auf dem Bild ist er kurz vor der Einfahrt in die Endschleife Lindenberg zu sehen. Den auf dem Plakat beworbenen Weihnachtsmarkt habe ich leider nicht besucht:



Damals praktisch noch nagelneu waren die Wagen vom Typ N8C. Kassel hatte sich nach dem Test eines Dortmunder Wagens für die Bestellung von zunächst sechzehn N8C entschieden; eine zweite Serie von weiteren sechs Wagen folgte erst 1986 und war bei meinem Besuch 1984 natürlich noch nicht vorhanden. Die N8C waren 1984 überwiegend mit Ganzreklame unterwegs - so auch der im Februar 1981 gelieferte Tw 402 auf Linie 7 am Friedrichsplatz. Der Wagen ist auch heute noch in Kassel vorhanden, aber als Reserve seit April 2012 abgestellt:



Interessant war in Kassel immer der Betrieb von vierachsigen Beiwagen an den Sechsachsern. Tw 365 ist - wie der 355 - ein Einrichtungswagen, aber mit der in Kassel viel häufiger anzutreffenden "Credé"-Front. Mit seinem Beiwagen, dessen Betriebsnummer ich mir natürlich nicht notiert habe, ist er auf der holländischen Straße unterwegs. Der Triebwagen wurde im Jahr 2000 in Kassel außer Dienst genommen und im Jahr 2003 nach Gorzów abgegeben, wo er die Nummer 261 erhielt:



An der Erzbergerstraße wurden Gleisbauarbeiten durchgeführt. Hier begegnet uns der N8C 406, der soeben den Bahnhofstunnel hinter sich gelassen hat. Der Wagen wurde im April 1981 nach Kassel geliefert und ist seit Juli 2012 als Reserve abgestellt:



Gleich um die Ecke sah es damals so aus. Zweirichtungs-Sechsachser 302 kommt ebenfalls aus dem Bahnhofstunnel. Er fährt auf der Linie 6 zur stumpfen Endstation Wolfsanger. Der Wagen wurde im Jahr 1966 von Wegmann gebaut, im Jahr 1991 wurde er außer Dienst gestellt und im darauf folgenden Jahr verschrottet, wobei das A-Teil und die Front des B-Teils noch der Wiederaufarbeitung der unfallbeschädigten Tw 312 und 360 dienten:



Die Vierachser fuhren verstärkt im Verdichtungsverkehr. Tw 268 begegnet uns auf Linie 4 an der Haltestelle Brüder-Grimm-Straße. Der Tw war 1966 von Credé gebaut worden, wurde im Jahr 1991 abgestellt und nach Gorzów abgegeben, wo er noch bis 1999 in Dienst stand. In Kassel praktizierte man in den Vier- und Sechsachsern übrigens noch bis Mitte der 1990er Jahre den Fahrgastfluss - eingestiegen werden konnte / durfte nur am vorderen oder hinteren Einstieg; der Ausstieg lag jeweils in der Mitte des Wagens. Das war auf grünem bzw. rotem Grund auch von außen über den Türen angeschrieben.Mit den N8C wurde das erstmals aufgegeben - heutzutage würde das eh niemand mehr kapieren* / interessieren* / beachten*.
(* = nicht zutreffendes streichen)



Am gleichen Ort begegnet uns auch der Tw 269. Er hatte, im Gegensatz zu allen anderen Vierachsern, die damals noch eingesetzt waren, nie eine Modernisierung über sich ergehen lassen müssen. Während seine Baureihenkollegen eine Federspeicherbremse nachgerüstet bekommen hatten, hatte er noch die ursprüngliche kurbelbetätigte Haltebremse - der Fahrer stützt seinen rechten Arm auf der Handbremskurbel ab. Die Innenraumbeleuchtung und auch die Beleuchtung der Zielfilme erfolgte noch mittels Glühbirnen - man erkennt den Unterschied zum vorher gezeigten Tw 268 deutlich am viel brauneren Licht, und auch der Scheibenwischer scheint ein recht primitives Modell zu sein. Mangels Modernisierung wurde der 1957 gelieferte Wagen auch schon zwei Monate nach dieser Aufnahme abgestellt. Nach einer Zwischenstation im Straßenbahnmuseum Amsterdam (ab 1987) kam er im Juli 2012 ins HSM in Wehmingen, und so ist seine Zukunft hoffentlich gesichert:



Noch zwei mehr oder weniger gelungene Bilder aus der Fußgängerzone. Der 1956 gebaute Vierachser 263 begegnet uns unter weihnachtlichem Lichterschmuck am Rathaus. Er wurde 1988 nach einem Unfall abgestellt und 1990 verschrottet:



Und zum Schluss noch ein N8C am Rathaus. Wagen 415 trug, wie viele andere Fahrzeuge in anderen Städten, damals den "Nordmende"-Regenbogen. Der im Juni 1981 gelieferte Wagen wurde nach fast 32 Betriebsjahren im März 2013 als Betriebsreserve abgestellt:



Sei noch gesagt, dass ich die Daten von der hervorragenden Seite >>> Tram Kassel

Antworten:

Vielen liebenDank für die tägliche, tolle Zeitreise mit den Geschichten drumrum!

:cheers:

Ganz große Klasse!

von Eisdebahn - am 06.12.2013 08:13
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