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Nahverkehr Rhein-Neckar
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Tw237, Linie 6 - Zentralfriedhof, rnv TW 5715, Fabegdose, Einholmstromabnehmer, Kirunavaara, Lokleitung, Führerbremsventil

WICHTIG: Happy Birthday 312! 55 Jahre Düwag in Mannheim-Ludwigshafen (m50B)

Startbeitrag von Tw237 am 09.12.2013 22:59

Es wundert mich schon, dass noch kein Jünger des Dr. Düwag sich zu einem Geburtstagsgruß durchringen konnte. Also mache ich das jetzt zu später Stunde.


Denn heute vor 55 Jahren wurde in Mannheim Triebwagen 312, der erste DÜWAG-Wagen der Rhein-Neckar-Region, in Betrieb genommen. Er fuhr fortan auf der Linie 4 von Käfertal zum Ebertpark, waren doch noch lange nicht alle Endstellen mit einer Wendeschleife versehen.

Aus diesem Analss werde ich nun einige Bilder aus 55 Jahren Düwaggeschichte in Mannheim-Ludwigshafen zeigen. Neben einigen wenigen eigenen Bildern sind vor allem Bilder aus Sammlungen zu sehen, die mir ein forenbekannter GKM-Anwohner und ein ebenso bekannter Betriebschronist überlassen haben.




Doch 312 war nicht der erste Düwag, der auf Mannheimer Gleisen fuhr, sondern nur der erste eigene.




Bereits ein Jahr bevor die großartige Düwaggeschichte in Mannheim begann fuhr in Mannheim der erste Düwag. Zu einer Zeit, als man Fahrzeuge noch testete, bevor man große Stückzahlen davon kauft, holte man TW 255 der BOGESTRA nach Mannheim. Er drehte auch in Heidelberg einige Runden.




Auf dem Netz wurden Profilmessfahrten durchgeführt.





Das Pult des 255 ist noch recht übersichtlich.







Der Plan für die erste Mannheimer Serie. Die Zeichnung ist wohl vom Bochumer her angepasst. Typisch für Mannheim die Übersetzfenster, die sich sonst nicht durchsetzen konnten.





Erstmals kam in Mannheim bei diesen Fahrzeugen der Fahrgastfluss zum Einsatz. Dazu hatten alle Wagen einen Schaffnerplatz, der hier bemaßt überliefert ist.
Lediglich Wagen 317 soll den Zeichnungen nach 2 Schaffnerplätze gehabt haben. Ob er tatsächlich so geliefert wurde und wie lange dieser Zustand anhielt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen.










Ende 1958 war es dann soweit! Die erste Reihe Düwags konnte mit den Nummern 312-317 in Betrieb genommen werden.


Blick in den Innenraum:













Besonders auffällig im Vergleich zu den heute noch vorhandenen Wagen der Schwarze Fußboden, der offene Fahrerstand, das Heckgeschränk, das die späteren Wagen nicht von Lieferung an hatten und die fehlenden Notbremsen.







313 im Fahrgasteinsatz. Mit ihren geschlossenen Schürzen und den Alu-Zierleisten wirken sie sehr elegant.
Auf dem SW-Foto nur schwer zu erkennen: Die Wagen hatten rote Ziel- und Linienfilme. Daran konnte der Fahrgast sehen, dass es sich beim herannahenden Triebwagen um einen Wagen mit Fahrgastfluss handelt. Nach Ausmusterung der letzten Wagen mit Pendelschaffner auf der Straßenbahn waren auch die roten Anzeigen "out".





315 im Frühjahr 1959 am Rosengarten





Postkarte vom alten Ludwigshafener Hbf. Kurioserweise hat der Wagen einen schwarzen Linienfilm.






312 im Aussehen der späten 50er Jahre hat es auch auf die Semmelbahn geschafft. Gut zu erkennen: Die Wagen hatten anfangs noch keine Dachluken.






Da sich diese großartigen Wagen bald als großartig herausgestellt haben, orderte man bald nach.
Im Jahr 1960 kamen die Wagen 318-347, zu der auch 333 gehört.

Wie ihre Vorgänger haben sie noch einen schwarzen Fußboden und die geschlossenen Schürzen. Die Zierleisten waren aber schon dem typischen dreigeteilten Zierstreifen gewichen.
Die bei 312-317 noch außen sichtbaren Türrahmenverstärkungen waren entfallen.
Hatte die Vorserie noch 100 Kw-Motoren und war für 600 Volt ausgelegt, hatten die späteren Wagen alle 120er-Motoren und waren für 750 Volt ausgelegt.






Blick aufs Dach: Auch hier gab es noch keine Dachluken.






Postkartenmotiv von der Rheinbrücke.



In den Jahren 1961-63 bezog man die Wagen 348-417. Dieser entstammen die meisten Hängebauchschweine. Mit ihr wurde Mannheim schon zur Düwag-Hauptstadt. Es waren schon über 100 Wagen vorhanden!
Diese hatten schon einen grauen Fußboden. Statt des Fahrschaltergeschränks war das Heck hinten ausgerundet. Der Heckfahrschalter befindet sich nun über der letzten Tür hinter einer Klappe.
Die Schürzen sind inzischen nicht mehr verschlossen, sondern nach unten hin ausgerundet.





Auf dieser Aufstellung im Betriebshof Luitpoldhafen sind bereits Wagen der Serie 418-436 zu sehen. Sie haben schon den großen Brose-Scheinwerfer und wurden 1964 geliefert.





In den Jahren 1967 und 68 wurden die Wagen zur Düwag nach Düsseldorf verbracht, wo sie auf Schaffnerlosen Betrieb umgerüstet wurden.

Neben dem Ausbau der Schaffnerplätze, dem Einbau von Windabweisertürchen beim Fahrer, dem Umbau der Türbedienung und dem Einbau von Notbremsen wurde noch eine Reihe von Kleinigkeiten geändert.
Im Betrieb trugen sie fortan das Schaffnerloslogo als Aufkleber.





Blick auf das Fahrerpult zu dieser Zeit







Auch ein solches Exemplar hat es auf die Semmelbahn geschafft.







Bereits in den 70ern wurden erste Wagen auf Doppelleuchten umgebaut, was im großen Stil in den 80ern geschah.
Für den RHB-Betrieb konnte der Linienfilm herausgenommen und ein dtrittes Licht hinter die Scheibe gelegt werden.







316 war schon früh für den RHB-Betrieb angepasst. Das dritte Licht oben war bei ihm anfangs fest, wurde aber wieder zurückgebaut.







Nach der Betriebstrennung 1965 wurden einige Wagen nach LU umgebummert, so auch der 133.
Er trägt noch die schwarzen Zierstreifen beim Eröffnungstag der neuen Linienführung nach Rheingönheim.






Als 101 die Kollegen der BVG am Bahnhof abholt, trägt er bereits den roten Zierstreifen und das dunklere LU-Beige (RAL1014 statt MA RAL 1015)




1967 wurden nochmal Wagen nachbeschafft. Sie wichen von den bisher geliferten Wagen ab, hatten sie doch von Anfang an keinen Schaffnerplatz mehr und Klappfenster statt der guten Übersetzfenster.
In Mannheim waren das sie Wagen 436-450, in LU (bereits rote Streifen) 147-152. Kurioserweise scheint 150 hier bei seiner Lieferung noch einen Rückspiegel am Heck zu tragen, für den es keine Erklärung gibt. Schließlich bräuchte man ihn nur im Schaffnerbetrieb.






Blick in die breite Straße in den frühen 70ern. Einige wenige der ehemaligen Schaffnerwagen trugen schon früh Halbscheren. Lediglich die Bj.-67-Wagen hatten diese durchweg.






1968 konne MA noch Wagen aus Heidelberg übernehmen, die dort aufgrund des anhaltenden "Netzausbaus" im Sinne des Ausbauens von Gleisen, obsolet wurden.






Ein besonderes Stück war Wagen 435: Er kam von Düsseldorf aus erst nach Basel, wo er hier zu sehen ist. Dort war er im Probebetrieb, Aufgrund der engen Kurvenradien dort hat der Wagen einige Ausschnitte an den Seiten, die er in Mannheim teilweise bis zum Schluss behielt.
Ich finde er wirkt dadurch schon etwas entstellt.





In den 80ern gab es bei der MVG wohl die Idee die Fahrzeuge zu Achtachsern zu erweitern unter der Verwendung ausgemusterter Wagen.





Stattdessen baute man aber in 23 Wagen neue Niederflurmittelteile ein. Anfangs nur für fünf Jahre gedacht, hielt ihr Einsatz noch bis vor kurzem an.






Auch Museumspläne gab es mal. Wagen 312, hier auf einem Bild des Users Einholmstromabnhemer, dessen ich mich hier nochmal bediene (@ EHS, ich offe das ist ok ;-) ) kann man den Rückbau zum Einlichtwagen erkennen.
In letzter Minute blieb man in Mannheim aber noch seiner bis heute andauernden Linie der Vernichtung von historischen Güter treu und verschrottete den Wagen.






382 hätte auch mal historischer Wagen werden sollen. Er endete 2004 auf dem Luzenberg




Blick in den Innenraum






Führerstand zum Schluss





Einige Wagen konnten in anderen Betrieben weitere Verwendung finden:



Gotha





Zagreb





Arad






Lodz bzw. vorher Graudenz






Von Anfang an Lodz, hier auf der Überlandbahn nach Ozorkow







In LU waren die eigenen Linien 10/11/12 die letzten Einsatzgebiete der GT6






Hier in der kurzzeitig bestehenden Schleife am Berliner Platz, die über die Eventweiche zu erreichen war.





In ihren letzten Jahren wurden die LU-Wagen häufig zu Sonderfahrten genutzt.





z.B. Wagen 125





oder 124 auf der letzten Sonderfahrt der Verkehrsfreunde Mannheim im Jahr 2004






Die Mannheimer ex.-GT6 liefen zum Schluss im wesentlichen auf der SL2.






Auch Verstärkerbahnen wurden oft mit Grünofanten gefahren.





Heute noch existent aber nicht mehr in Betrieb: Der Wagen 152. Er ist zwar "nur" ein 67er Wagen, aber noch weitestgehend original. Er ist der letzte Einlichtdüwag auf dem Netz. Eben echt LU. Er ist die "Maid of VBLu"





Letzter Wagen, der nun noch eine 55-Jährige Tradition am Leben hält ist der Wagen 516 in der Funktion als Eiswagen. Nächstes Jahr wird er (418) 50 Jahre alt. Möge er es noch im Betrieb eleben!



Dann ein Hoch auf den Düwag und die nächsten 55 Jahre!

Antworten:

Das Bild vom Tw 312 entstand am Vortag seiner Verschrottung. Die Nummer wurde von mir für das Abschiedsfoto aus Papier ausgeschnitten und mit Tesafilm aufgeklebt. Am nächsten Tag wurde der Tw dann mittels Tieflader zur mittlerweile nicht mehr existierenden Schrotthandlung "Ohnemus" in der Mühlenstraße gefahren, wo er sogleich von einem Greifarm gekrallt und damit zerstört wurde. Ein mittlerweile leider verstorbener Fotograf aus Stuttgart hat noch Bilder gemacht, während wir im Auto hinter dem Transport herfuhren - und auch noch auf dem Schrottplatz, was ich leider versäumt habe.

von Einholmstromabnehmer - am 10.12.2013 07:25
Zitat
Tw237
Letzter Wagen, der nun noch eine 55-Jährige Tradition am Leben hält ist der Wagen 516 in der Funktion als Eiswagen. Nächstes Jahr wird er (418) 50 Jahre alt. Möge er es noch im Betrieb eleben!


Das A-Teil des 516 wird nächstes Jahr 50 Jahre alt als ehemaliges A-Teil vom 418.
Das B-Teil wird nächstes Jahr 52, es stammt vom 388.

von Führerbremsventil - am 10.12.2013 07:42
Trotz schwerer Grippe habe ich mich zum Düwag-Mausoleum (Archivbild) geschleppt, um dem historischen Anlaß zu huldigen.
Vor 55 Jahren wurden ja auch die ersten RHB-Sechsachser (1200V-tauglich) und die ersten Gelenkbeiwagen geliefert und teilten sich die Wagenhalle mit Wagen der Oberlandbahn oder Maximumwagen von 1913.
In der Anfangszeit wurden heute längst stillgelegte Strecken mit diesen Wagen befahren.
Damals war der Düwag noch Exot in einer anderen Welt.
Auch von mir die besten Wünsche, wo auch immer auf der Welt oder im Himmelreich sich die Düwags befinden!



von Fabegdose - am 10.12.2013 10:34

Re:Happy Birthday 312!

Zitat
Fabegdose
Trotz schwerer Grippe habe ich mich zum Düwag-Mausoleum (Archivbild) geschleppt, um dem historischen Anlaß zu huldigen.


Wo befindet sich der Düwag-Tempel? :confused: :eek:
Du solltest dich lieber ins Bett legen und auskurieren, sonst folgst du dem Düwag bald nach! :tatü:

von Linie 6 - Zentralfriedhof - am 10.12.2013 11:43

Re: Re:Happy Birthday 312!

Dem großen Düwag zu folgen kann nie verkehrt sein.




Obwohl dabei schon einige mit ihrem Fahrzeug im besonderen Bahnkörper mit Vignolgleis gelandet sind :-P

von Lokleitung - am 10.12.2013 12:01

Re: Re:Happy Birthday 312!

Zitat
Lokleitung
Dem großen Düwag zu folgen kann nie verkehrt sein.


Wenn schon, dann müsste man sich von ihm überfahren lassen ... :cool:

von Linie 6 - Zentralfriedhof - am 10.12.2013 12:28
Zitat
Tw237
In den Jahren 1961-63 bezog man die Wagen 348-417. Dieser entstammen die meisten Hängebauchschweine. Mit ihr wurde Mannheim schon zur Düwag-Hauptstadt. Es waren schon über 100 Wagen vorhanden!
Diese hatten schon einen grauen Fußboden.


Bist Du Dir sicher? Ich meine, Ende der 80er noch mit einer Handvoll Wagen dieser Baujahre gefahren zu sein, welche den schwarzen Boden mit grobem Profil hatten, und mich über ebenjenen extra gewundert zu haben. Aus den dunklen Ecken der Erinnerung könnten das 348, 366, 372 und 116 gewesen sein, eventuell sogar noch eine der Jägermeister-Karren aus dem 40x-Bereich. Also solche Wagen, die ziemlich lange nicht in den Genuß von Auffrischungsarbeiten gekommen waren. Spätestens Mitte der 90er waren die aber alle entweder auf neuen Fußboden umgebaut oder weg.

Die böse Ester, gerade mal 46 Jahre alt, läßt ebenfalls herzliche Glückwünsche ausrichten :-)

Viele Grüße,
Martin

von Kirunavaara - am 10.12.2013 14:49
Ab Baujahr '61 war der Boden hellgrau und vor allem seitlich ein Stück hochgezogen zwecks besserer Reinigung.
Vorher gab es ja die große Aluleiste an der Bodenkante, wo die Holztafeln von oben reingesteckt waren.
1123/1124 hatten hinter dem kompletten Führerstand noch eine umlaufende Vorhangschiene (also nicht nur hinter dem Sitz), weiß nicht, ob der 312 das auch hatte.

von Fabegdose - am 10.12.2013 15:22
Zitat
FD
1123/1124 hatten hinter dem kompletten Führerstand noch eine umlaufende Vorhangschiene (also nicht nur hinter dem Sitz), weiß nicht, ob der 312 das auch hatte.


Ja, hatte er. Das ist auf den Bildern oben zu erkennen.

von Tw237 - am 10.12.2013 21:21

Was wenn man...

...143 (wenn ich mich nicht verrechnet habe) Niederflurmittelteile angeschaft hätte statt 64 GT6N und 5 ET8N? Hätten diese für alle Düwags in Ma/Lu gereicht? Ich weis das klingt verrückt, aber man darf ja auch mal träumen... Aber wozu 143 Niederflurmittelteile anschaffen, wenn in einen GT6N ungefähr das dreifache der Fahrgäste transportiert werden können, wie in einem Umbau GT8N.

von rnv TW 5715 - am 14.12.2013 22:54

Re: Was wenn man...

143 Mittelteile wären zu viel. Denn die haben ja für jeden Gt8 einen weiteren Gt6 geschlachtet, um Portale und Mitteldrehgestelle zu haben.

von Tw237 - am 15.12.2013 08:28

Stimmt... (kT)

-

von rnv TW 5715 - am 15.12.2013 09:02
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