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Nahverkehr Rhein-Neckar
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Erster Beitrag:
vor 3 Jahren, 9 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren, 9 Monaten
Beteiligte Autoren:
Tw237, Andreas Risch

Reif für die Insel: (Straßen-/Stadt-/Eisen-)bahnen in England - Teil 4 (mB)

Startbeitrag von Tw237 am 25.09.2014 21:21

Morsche,


am fünften Tag unserer Englandtour verließen wir am Morgen Manchester zur Weiterfahrt nach London, wo wir uns für zwei Nächte ein Zimmer genommen hatten. Das kostete pro Nacht und
Nase auch wieder 30 Euro, allerdings ohne Frühstück.



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Gelegen war das Hotel in Crystal Palace im Süden Londons, fußläufig zur Straßenbahn und zum Bahnhof Zigeunerhügel. Vorm Hotel fuhr auch direkt der Bus.





Nach Ablegen des Gepäcks trafen wir uns am Monument mit dem hier nicht registrierten User Fubby, der schon mehrere Wochen in London weilte. Unser Ziel war das London Transport Museum.






Hier sehen wir die dampfenden Vorläufer der heutigen London Underground. Jeder Londoner U-Bahn-Fahrer, der was auf sich hält hat früher als Heizer angefangen. Also fast wie bei der OEG.







Einer der hölzernen Wagen der Metro. Vom Profil her sind sie noch recht groß. Die Tunnel wurden hierfür noch in offener Bauweise erstellt ubd liegen recht niedrig unter Straßenniveau. Heute sind diese Linien - seit ca. 14 Tagen - elektrifiziert und werden als sub surface lines bezeichnet.






Blick in den äußerst komfortablen Innenraum.






Der Innenraum der nachfolgenden elektrischen Züge ist da schon etwas einfacher.











Links der berühmte Route Master.





Abteilung 2 des Oberflächenverkehrs. Straßenbahnmäßig hat man seit meinem letzten Besuch 1997 etwas verringert.







Blick ins Oberdeck der Straßenbahn.










Das sind die Anfänge der Tube. Die wurde in großer Tiefe im Schildvortrieb errichter und hat deshalb ein bedeutend kleineres Profil, um die Baukosten möglichst gering zu Halten.




Blick in den Innenraum. Markant das Fehlen nennenswerter Verglasung. Fahrzeuge dieser Bauart böten sich für die Durchfahrt der breiten Straße in Mannheim geradezu an.






Was heute Tunnelbohrmaschinen erledigen war vor über 100 Jahren noch Handarbeit.







Anschließend folgte ein Abschlussessen in einer indischen Selbstbedienungsfutterbude, die uns Fubby empfohlen hatte. Auch wenn Selber holen nicht so mein Fall ist, muss ich doch sagen, dass das Essen supi war.








Die PiBu war allerdings nach außen outgesourced





.

Nach diesem Essen zeigte uns Fubby die dunklen Ecken Londons, wo einst Jack the Ripper sein Unwesen trieb. Wir lieferten dort Fubby in seiner LieblingsSAUna, der Schweißschachtel ab, wo er seinen unchristlichen Lebenswandel bis zum nächsten Morgen praktizieren würde.






Wir hingegen konnten mit dieser Art Abendgestaltung weniger anfangen, weshalb wir eine Bahnhofsrundfahrt machten, um noch einige InterCity 125 zu erwischen.









Im Gegensatz zu dem in Teil 1 gezeigten 125 von East-Midland(Stagecoach) gehört diese zu Great Western (first).
Wie dem ein oder anderen in den vorangegangenen Berichten aufgefallen ist, gibt es Bitish Rail (BR) nicht mehr. Gefahren wird ausschließlich von privaten Gesellschaften. Ungefähr so wie das vor über 100 Jahren auch bei uns der Fall war. Tickets kann man aber trotzdem über Britrail noch durchgehend zum Gesellschaften übergreifenden Normalpreis buchen, wenn auch jeder Betreiber seine eigenen Sparangebote hat.
Vorteile sind dabei natürlich, dass der Staat seine Zuschüsse stark reduzieren konnte, was allerdings auch mit der deutschen Bahnreform gelang.
Als Nachteil ist natürlich zu nennen, dass es keine Zugkategorisierungen gibt. Die Züge sind, von Vorortpendlerzügen mal abgesehen, alle gleich komfortabel. Komfortabler als ein RE bei uns, kann aber mit dem ICE nicht wirklich mithalten. Zumindest in der 2. Klasse.
Ansonsten sei über das britische Eisenbahnwesen gesagt, dass es sehr zuverlässig und pünktlich funktioniert, zumindest bei den von uns genutzten Zügen, die kein repräsentatives Bild abgeben können. Das Personal ist tendenziell eher freundlicher und kundenorientierter als in Deutschland und offenbar wesentlich flexibler. Das sind so die Vorteile, die richtige Privatbahnen mit sich bringen. Das Netz war ursprünglich mit privatisiert, was aber wegen schlechter Erfahrungen wieder verstaatlicht wurde.
Der Nachteil der Privatisierung aller Verkehre hat neben seinen Vorteilen aber auch den Nachteil, dass der Staat das Netz überall unterhalten muss, aber die Gewinne dann bei den Privatgesellschaften bleiben, während die Situation in Deutschland so ist dass die Bahn eigentlich aufgrund ihrer Größenvorteile dennoch den Großteil der Verkehre leistet, aber durch den potentiellen Wettbewerb auch zu Kundenfreundlichkeit und Effizienz gemahnt wird. Auf diese Weise bleiben dann die Gewinne auch beim Bund und entlasten den Steuerzahler.


Möge sich jetzt nun jeder selbst sein Bild machen, welches System er besser findet.

Interessant zu diesem Thema auch dieser Artikel:
[www.ibtimes.co.uk]


alla hopp.

Antworten:

Zitat
Tw237
Ansonsten sei über das britische Eisenbahnwesen gesagt, dass es sehr zuverlässig und pünktlich funktioniert, zumindest bei den von uns genutzten Zügen, die kein repräsentatives Bild abgeben können. Das Personal ist tendenziell eher freundlicher und kundenorientierter als in Deutschland und offenbar wesentlich flexibler. Das sind so die Vorteile, die richtige Privatbahnen mit sich bringen.


Bezüglich der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit habe ich in meinem Jahr in England eher andere Erfahrungen gemacht. Aber ich denke, um diesbezüglich zu diskutieren, braucht man wohl Zahlen. Dass das Personal freundlicher und kondenorientierter als in Deutschland ist, kann ich nur bestätigen. Aber ich glaube nicht, dass dies unmittelbar etwas mit der Privatisierung zu tun hat. Freundlichkeit bzw. Höflichkeit ist im Vereinigten Königreich vielerorts eine gepflegte Tugend. Ausnahmen gibt es natürlich immer. Dass der Höflichkeit immer Tatendrang folgt, muss nicht sein. Ein Geldautomat bei Barclays hat mal 60 Pfund von mir gefressen. Ich habe ein Viertel Jahr in der zugehörigen Filiale darum gekämpft, das Geld ausgezahlt zu bekommen und wurde immer freundlichst vertröstet und mit neuen Formularen ausgestattet. Schlussendlich hat sich dann der Filialleiter höchstpersönlich erbarmt und übergab mir das Geld nach halbstündiger Wartezeit dann persönlich. Aber Bahngefahren bin ich in England doch immer gerne.

von Andreas Risch - am 25.09.2014 22:14
Zitat
A R
Bezüglich der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit habe ich in meinem Jahr in England eher andere Erfahrungen gemacht.


Daher auch mein Hinweis auf die Repräsentativität. Da reichen unsere paar Fahrten nicht ;-) Schließlich hatten wir ja auch sonnig-warmes Wetter (als einziges Mal in diesem Sommer), was sicher auch nicht repräsentativ für England ist.


Zitat
A R
Dass das Personal freundlicher und kondenorientierter als in Deutschland ist, kann ich nur bestätigen. Aber ich glaube nicht, dass dies unmittelbar etwas mit der Privatisierung zu tun hat.


Ich denke schon. Da hat sich ja auch in Deutschland nach der Bahnreform einiges getan. Mein Vater, der seit Ende der 80er Bahn-Vielfahrer ist sagte mal "früher waren sie pünktlicher, dafür sind sie heute freundlicher".
Und ich denke auch, je kleiner ein Betrieb ist, desto stärker identifizieren sich die Mitarbeiter mit ihm und desto flexibler sind sie auch. Das stelle ich auch bei Straßenbahnbetrieben oder (kleinen) Privatbahnen in Deutschland immer wieder fest. Das senkt natürlich auch ungemein die Kosten eines Betriebes.
Ob die Zerschlagung in viele kleine Betriebe dennoch sinnvoll ist, ist anzuzweifeln. Denn schließlich sind die Größenvorteile beim Bahnbetrieb nicht außer Acht zu lassen, auch wenn mit ihnen (auch relativ betrachtet) ein vergrößerter "Wasserkopf" einhergeht. Ich würde sogar fast schon vermuten, dass Bahnbetrieb kostensubadditiv ist. Beweisen kann ich es nicht. Es könnte aber eine Erklärung für die quasi-Monopolstellung der DB-AG im Fernverkehr sein, obwohl Wettbewerb zulässig ist.

von Tw237 - am 26.09.2014 15:05
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