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Nahverkehr Rhein-Neckar
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Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 8 Monaten
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Linie 6 - Zentralfriedhof, Tw237

Autorail Verbrennungs-Straßenbahnen der SNCV (mB)

Startbeitrag von Tw237 am 18.10.2015 15:01

Noch vor einigen Jahren hatte ich von belgischen Straßenbahnen nicht wirklich eine Ahnung. Als dann in irgendeinem Forum ein Video über die kuriose Metro leger Charleroi verlinkt war, begann ich mich mit diesem Land zu befassen und habe es bisher vier Mal besucht und kam zu der Erkenntnis, dass Belgien für die Straßenbahnfreund wohl eines der interessantesten Länder überhaupt ist.

Mehr zu diesem Thema in meinen Reiseberichten von 2014:
[20066.foren.mysnip.de]
[20066.foren.mysnip.de]
[20066.foren.mysnip.de]
[20066.foren.mysnip.de]
[20066.foren.mysnip.de]






Neben den einzelnen Straßenbahnbetrieben gab es einst noch die Nationale Kleinbahngesellschaft SNCV (Société Nationale des Chemins de fer Vicinaux) bzw. auf Flämisch NMVB (Nationale Maatschappij Voor Buurtspoorwegen), die ein sehr flächendeckendes meterspuriges Straßenbahnnetz betrieb, das zu Hochzeiten über 5000 Km an Überlandbahnen umfasste. So war das ganze Land erschlossen.
Auf dem Foto ist ein StandardWagen zu sehen, der auf der Museumsstrecke Lobbes-Thuin unterwegs ist.
Doch schon vor dem zweiten Weltkrieg begann der Niedergang, der sich bis in die 1980er Jahre fortsetzte. Überlebt hat für den regulären Personenverkehr neben der berühmten Kusttram nur das Netz in und um Charleroi, von dem noch einige geringfügige Teile der oben erwähnten Metro leger dienen.
Die SNCV/NMVB selbst gibt es heute auch nicht mehr. Anfang der 1990er Jahre wurde der ÖPNV in Belgien reformiert. Es existieren heute in Belgien nur noch drei ÖPNV-Betreiber: TEC in Wallonien, DeLijn in Falndern und STIB/MIVB in Brüssel.



Diese Strecken wurden anfänglich noch mit Dampf betrieben. Doch es war nicht möglich ein solch großes Netz komplett zu elektrifizieren. Auch die Nachfrage war auf weiten Teilen des Netzes nicht besonders hoch.
Deshalb begann man ab Mitte der 1920er Jahre mit dem Einsatz von Schienenbussen. Diese waren damals noch vom Grunde her normale Straßenbusse, welche für die Einsatz auf Schienen entsprechend angepasst wurden.
Diese Fahrzeuge konnten jedoch nicht wirklich befriedigen. Zudem waren sie (als Busse auf Schienen) Einrichtungsfahrzeuge und mussten an ihren Endstationen gedreht werden.




Daraufhin entwickelte die SNCV selbst ab 1932 eigene Fahrzeuge. Diese wurden als AR (wie Autorail) bezeichnet.
Ab 1933 wurden die ersten Fahrzeuge mit Benzinantrieb in Dienst gestellt. Dabei erprobte man neben dem Antrieb über eine Welle auch Kettenantriebe und Benzin-Elektrische Antriebe. Erstere setzten sich durch, während letztere vor allem daran scheiterten, dass die das Gewicht von knapp 11 auf über 13 Tonnen erhöht hätten.
So wurden die Fahrzeuge bis AR 127 geliefert. Ab Fahrzeug 128 kamen Dieselmotoren zum Einsatz. Ebenso wurde der Wagenkasten nun (bei den meisten Wagen) aus Stahl und nicht mehr aus Holz hergestellt. Die letzte Serie wurde ab 1936 gebaut.
Hergestellt wurde wagen später auch von unterschiedlichen Firmen.





Neben einigen Versuchen mit Drehgestellwagen wurden 1947 nochmals vier Fahrzeuge in einem moderneren Design geliefert.


Neben dem Personenverkehr wurde auf diesen Straßenbahnstrecken auch viel Güterverkehr abgewickelt. Statt der Kastendampfloks kamen hierzu nun auch vermehr die Autorails zum Einsatz, die ganze Güterzüge zogen.
Neben stärkeren Motoren wurde diese Fahrzeuge auch mit Eisen- oder Betongewichten versehen, um die Adhäsion zu verbessern. Diese waren unter den Sitzen angebracht, um die Fahrzeuge auch noch im Personenverkehr einsetzen zu können. Dadurch erhöhte sich das Gewicht auf 18 Tonnen, wofür auch die schwereren Benzinelektrischen Fahrzeuge von Vorteil waren.




Diese Fahrzeuge wurden als autorail tracteur bezeichnet und erhielten das Kürzel ART.




Blick ins Innere des 1947 gebauten ART 300.


Heute sind noch mehrere Autorails (teils betriebsfähig) erhalten.



Hier beispielsweise A 86 von 1934, welcher im Ursprungszustand restauriert wurde. Er ist auf der Museumsstrecke Lobbes-Thuin im Einsatz, die der Verein ASVi zusammen mit einem sehr sehenswerten Museum betreibt.




Bei unserem Besuch war AR 86 gerade mit den Fahrleitungsmonteuren unterwegs, um am Folgetag die einen neuen Streckenabschnitt der Museumsbahn in Betrieb nehmen zu können.





Blick in den Innenraum des Wagens.






Der Arbeitsplatz des Fahrers.








Ein anderer Wagen steht im Verkehrsmuseum in Liege, das man von Aachen aus gut&günstig mit dem ÖV erreichen kann.








Wenn man als Semmalbahner Belgien bereist trifft man auf zahlreiche Fahrzeuge, die unbedingt als Modell gebaut werden müssen.
Für den Anfang entschied ich mich für den Autorail. In meinem Fall sollte es der AR 86 werden. Von diesem konnte ich auch ausreichend Detailbilder machen und Maße nehmen.







Der User Fotofuzzi konnte mir dafür mit dieser groben Übersichtszeichnung aushelfen.





Da man natürlich für ein Modell für die Gartenbahn erheblich mehr Maße benötigt, konnte ich mit Unterstützung des Users Hummelchen den Wagen ausmessen.






Für weitere Fotos sowie geschichtliche- und technische Hintergründe kann man in Belgien glücklicherweise auf zahlreiche Literatur zurückgreifen.
Da Belgien auch bei den Briten sehr beliebt ist, gibt es auch zahlreiche Bücher in englischer Sprache.





Wie üblich begann die Planung erst einmal am Computer. Hierfür nutze ich Corel Draw, wo ich die einzelnen Bauteile entwerfe und entsprechende Materialien und Materialstärken festlege.





Die Aufteilung sieht dann so aus. Die Teile werden gelasert bzw. gefräst.






Aus diesen Teilen wird dann wieder eine Zeichnung zusammengesetzt um sicher zu gehen, dass auch alles passt.




Der Wagenkasten in Einzelteilen








Da man unter so ein niedriges Fahrzeug natürlich keinen handelsüblichen Motorblock klatschen kann, musste ich mir etwas eigenes einfallen lassen. Ähnlich dem Berliner T24 habe ich die Achsen fahrgestellos aufgehängt.

Die eigentlichen Lager wurden dann später außen aufgesetzt.








Der Zusammenbau des eigentlichen Wagenkastens ist einfach und schnell erledigt. Die eigentliche Arbeit kommt dann mit dem Kleinkram ;-)
Der Wagenkasten besteht aus 2 mm starkem Polystyrol, welches ich beim Architekturbedarf beziehe.





Das Dach wird aus 3 mm starkem MDF hergestellt, das in diesem Fall in zwei Schichten aufgestuft wurde. Nach dem Herausfeilen der Stufen ergibt sich die eigentliche Dachform




Befestigen des Daches auf dem Wagen.





Die Deckleisten usw.. sind aus dünnem Zeichenkarton gelasert.




Der Puffer, der jedoch nur der Dekoration dient besteht neben einigen Laserteilen aus handelsüblichen Messingrohren.




Da die Achslager ausreichend große Nieten haben, konnte ich meine mal tausendfach gekauften Stecknadeln verwenden, deren Köpfe für alles andere einfach zu groß waren.






Dachaufbauten.



Für den außen angebrachten Scheinwerfer konnte ich die 12 mm-Reflektoren von Reichelt gut verwenden bzw. ergänzen.
[www.reichelt.de]








Nach dem Grundieren






Nach dem Lackieren.







Blick auf den Wagen von unten. Als alter GH (Geizhals) habe ich dies wie angesprochen wieder relativ günstig gelöst.
Für diesen GH-Antrieb benötigt man neben den Achsen noch ein Ritzel, vier Kohlen und einen Motor. Das alles ist aus dem Ersatzteilsortiment zu beziehen.

In diesem Falle ist sogar der Motor ein echter GH-Motor. Das ist irgendein Ding, das User Hummelchen noch mit mehreren anderen für 1-2 Euro das Stück via Ebay in China gekauft hat. Auf diesen Chinamotor hat mir der User 1er dann eine Welle aufgezogen, die noch von einem gekürzten USA-Trains-Block über war.




Kurz vor der Fertigstellung








Da das Sommersemester doch etwas aufwändiger ausfiel als gedacht, blieb die Arbeit erst mal eine Weile liegen. Dann war Urlaub angesagt.
In der Nacht vor der Abreise zum diesjährigen Modellstraßenbahntreffen in Schkeuditz konnte ich den Triebwagen dann fertig stellen und beschriften.
Dort pendelte er viele Stunden auf der Pendelstrecke der Vereinsanlage der IG Modellbahn Schkeuditz . Der China-Motor hat sich offenbar bewährt.


Hier noch abschließend einige Bilder vom Einsatz in Schkeuditz:









Alla hopp

Antworten:

... inkl. ausführlicher Bauanleitung!

siehe Bericht ... :up:

von Linie 6 - Zentralfriedhof - am 18.10.2015 15:44
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