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Nahverkehr Rhein-Neckar
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Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R., jockeli, Stefan Klein, Tw237

DeuLaPa '15 (Teil 19): Kurztrip ins Ruhrgebiet (mB)

Startbeitrag von Tw237 am 05.12.2015 20:42

Morsche,


Nachdem ich am Vortag von einer längeren Fahrt zurückkam und das Wetter am Wochenende nicht besonders gut werden sollte, nahm ich mir eine „kleinere“ Tour vor. Für kleinere Touren eignet sich immer das Ruhrgebiet. Dort ist einiges geboten, vor allem für den Liebhaber des „morbiden Charmes“ und es ist über die SFS recht flott zu erreichen.





Mein erstes Ziel war Witten. Auf dem Weg dorthin konnte ich einige dieser Reiseberichte „auf Halde“ verfassen.





Auf meinem Weg nach Witten hatte ich etwas Umsteigezeit in Hagen, Grund genug zu sehen wie die Stadt nun ohne 1976 eingestellte Straßenbahn aussieht, an die ich mich als „Kind der 90er“ nur noch „sehr dunkel“ erinnern kann.






Von der äußerst großzügigen Bushaltestelle vor dem Bahnhof fahren an einem Samstag-Mittag schier alle paar Sekunden Busse ab. Diese nutzen im Bereich des Bahnhofes eine eigene Busspur und kommen darauf flott voran.





Hier ein weiteres Qualitätsprodukt auf Mannheim.
Ob die Einstellung der Strab nun ein Fehler war oder nicht, lässt sich in 10 min vorm Bahnhof natürlich nicht sagen, aber eine derart große Anzahl von Busabfahrten war schon beeindruckend. Aber gut möglich, dass dann eine halbe Stunde lang nix kommt. Da war ich dann nämlich schon wieder weg.






Auf diesen etwas unruhig wirkenden Sitzen der Abellio-Rail gelangte ich nach Witten.





Hier die Kiste, die von außen bedeutend ansehnlicher ist als von innen.





Vom Wittener Bahnhof lief ich Richtung Innenstadt. Durch relativ tot wirkende Gassen einer Fußgängerzone. Ich sah mal wieder sämtliche Vorurteile über Ruhrgebietsgemeinden auf dem absteigenden Ast bestätigt.
Doch der „Hauptteil“ der Wittener Fußgängerzone überraschte mich positiv. Es gab zahlreiche Geschäfte, vergleichsweise wenige der Firma „Leerstand“.
Sehr belebt war die Fußgängerzone obendrein, wie das obige Bild zeigt.

Auch die Integration der Straßenbahn finde ich sehr gelungen, wenn man von der Fahrleitungsanlage einmal absieht.






Hinter der Wittener Fußgängerzone wird die Strecke eingleisig und sehr idyllisch. Kevin, der mir hier ins Bild fuhr bitte als Teil des Stadtbildes betrachten.





Der Fahrplan der Straßenbahn nach Heven Dorf ist sehr kurios. Die Strecke wird regulär alles 20 Minuten bedient, samstagmittags jedoch alle 15 min. Ab ca. 16 Uhr geht man auf einen 30-Min-Takt über.
Wie das begründet ist, dass SA mittags mehr Betrieb ist als MF konnte ich nicht herausfinden.





Weiter draußen verläuft die Bahn dann vollständig auf eigenem Bahnkörper. Die Wagen sind jedoch klein und die Auslastung während dieses Samstagmittags eher mäßig.
In einer Region, wo man sich von so mancher guter Strecke getrennt hat ein Wunder, dass sie heute noch existiert. Ich hoffe mal für diese schöne Strecke, dass unter der Woche mehr los ist.












Von Witten gelangte ich auf diesen etwas gewöhnungsbedürftigen Sitzen einer S-Bahn nach Dortmund.






Dort(mund) hatte ich Anschluss an einen Zug, der mich nach Wanne-Eickel brachte, wo ich die „letzte 155“ gleich zwei Mal auf den Chip bannen konnte.






Auch in Wanne-Eickel herrschte wieder ein großes ÖPNV-Aufgebot. Vor allem besehend aus Bussen, die den Hauptbahnhof quasi im Minutentakt anfahren. Ob die Routen so breit gefächert sind, dass man sie unter Nutzung bestehender (teurer) Schieneninfrastruktur mit einzelnen Erweiterungen nicht irgendwie bündeln kann oder ob die Straßenbahn hier mehr ein „Überbleibsel“ ist konnte ich natürlich nicht feststellen.
Vielmehr beeindruckte mich die große Anzahl der Abfahrten.

Was mir auch positiv auffällt ist, dass man es im Ruhrgebiet zumindest schon mal geschafft hat die Busse betreiberübergreifend mit einer einheitlichen Farbgebung zu versehen.
Diese ist einfach gehalten und dennoch elegant. Außerdem lässt sie sich gut mit Reklame kombinieren, ohne dass irgendwelche Querstreifen überklebt werden, was dann unharmonisch wirkt.






Verglichen mit allen anderen Stadtler-Varios ist die der Bogestra m.E. optisch sehr gelungen. Schade dass man sich für eine Gleisfräse entschieden hat, verglichen mit dem äußerst suboptimalen Fahrzeugaterial das Mülheim und Essen beschaffen jedoch ein begrüßenswerter Schritt Richtung Fahrgastfreundlichkeit!






Wenn man an Straßenbahnen im Ruhrgebiet denkt, denkt man an Milliardeninvestitionen, die sich auf die Reisezeit in der Haus-zu-Haus-Betrachtung eher negativ ausgewirkt haben; an innerstädtische Tunnelinfrastruktur mit Maximalabmessungen, nach deren Verlassen die Fahrzeuge auf Straßenbahnstrecken auf dem Stand der Gründerzeit weiterfahren müssen, weshalb diese bis heute nur mit Minimalabmessungen beschafft werden können, was dann an den langen Bahnsteigen der U-Bahnhöfe zu paradoxen Erscheinungen führt.

Die Straßenbahn in Wanne-Eickel scheint zwar – wie der gesamte ÖV – das Stadtzentrum nur am Rande zu erschließen macht jedoch mit einer eigenen ÖPNV-Trasse einen guten und modernen Eindruck. Das zweite Mal, dass ich - im Rahmen des Möglichen – positiv überrascht wurde.





Wenig später teilt sich die Strab den Weg wieder mit dem MIV und muss häufiger an Knotenpunkten warten.







Noch ein abschließendes Vario-Bild







Während über dem Ruhrgebiet so langsam Starkregen begann saß ich schon bei einem Heißgetränk zum GH-Preis in der Essener Lounge und machte davon dieses Foto, mit dem ich diesen Bericht abschließe


Alla hopp

Antworten:

zu Hagen

aber eine derart große Anzahl von Busabfahrten war schon beeindruckend. Aber gut möglich, dass dann eine halbe Stunde lang nix kommt
Zufallstreffer. Denn es überwiegen 30-Minuten-Takte auf nahezu allen Linien. Einen 15-Minuten-Takt gibt es auf 2 oder 3 Buslinien, die in der Regel dem Verlauf der zuletzt eingestellten Straßenbahnlinien folgen (Kabel, Eilpe, Haspe). Entlang der Hauptachsen bündeln sich meist mehrere Linien, die sich dann in den Wohngebieten verteilen. So hat man eine relativ dichte Erschließung, die einem aber manchmal nichts bringt, weil Anschlüsse zur Glückssache werden, es sei denn man fährt ins Zentrum, bei annähernd gleichem Zeitverlust. Zumindest war das vor 13 Jahren so, als ich dort einige Besuche abstattete. Ob das heute immernoch so unterirdisch ist weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Ob die Einstellung der Straßenbahn ein Fehler war?
Es gab einen nicht zu unterschätzenden Anteil Eigentrasse, 10 Jahre vor der Gesamteinstellung wurde ein komplett neuer Straßenbahnbetriebshof in Betrieb genommen, der Fuhrpark war nicht so deutlich überaltert wie in vielen anderen Teilen des Ruhrgebietes. Mit dem Mut zu einem sinnvollen und modernen Ausbau wäre der Betrieb ganz locker zu retten gewesen und würde heute mehr als nur stabil dastehen. Hagen ist eine Stadt von der Größenordnung wie Ludwigshafen, durch die geografische Lage mit Buckel links und Buckel rechts allerdings mehrere konzentrierte Hauptachsen. Diese geografische Lage ist nach Ansicht der Stadtverwaltung wohl auch hauptsächlich schuld daran, dass die Stickoxidgrenzwerte in der Vergangenheit deutlich überschritten wurden. Dass man die Umweltzone einfach viel später eingerichtet hat als alle anderen Kommunen, der Modal Split ziemlich übel aussieht, und breite Asphaltschneisen die sich durch die Stadt ziehen, einer Senkung ebenjener Stickoxidwerte eigentlich auch eher abträglich ist, das tut ja dann nichts zur Sache...

von Stefan Klein - am 06.12.2015 08:59
Zu Witten noch eine Anmerkung.
Hier an der Bahnbrücke führte zum Bahnhof früher vor so 14 Tagen noch eine Wendeschleife für eine Linie innerhalb Wittens (320).

Und natürlich gibt es parallel zur eingleisigen Dorfstrecke nach Heven noch Busverkehr (320,375,376) Wittener Linienplan

von jockeli - am 06.12.2015 11:44

Re: zu Hagen

Vom sonstigen städtebaulichen Zustand ganz zu schweigen. Seit 20 Jahren komme ich alle zwei Jahre auf dem gleichen Weg durch Hagen und habe deshalb genaue Vergleichsmöglichkeiten wie sich die Stadt entwickelt bzw. verändert. Leider nicht zum Guten hin. Vor 20 Jahren waren vorm Hbf und in einigen Seitenstraßen noch Gleisreste der Strab zu sehen, heute hat Hagen zwischen Ennepetal und dem Hbf den gleichen grauslichen Nicht-Charme wie Ludwigshafen oder Pforzheim, städtebaulich wie bevölkerungs- und strukturtechnisch. Wenigstens existieren in Gevelsberg die letzten Reste der Strabschleife immer noch.

von Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R. - am 06.12.2015 14:51
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