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Nahverkehr Rhein-Neckar
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vor 1 Jahr, 5 Monaten
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Tw237

[MG/AC/MZ](HA): Die Geschichte eines Großraumwagens: M'Gladbach-Mainz via Aachen und zurück(mB)

Startbeitrag von Tw237 am 06.05.2016 11:29

Hallo zusammen,

vor einigen Wochen hatte ich ja den Ravensburger DÜWAG-Vierachser vorgestellt: [www.drehscheibe-online.de]

Gemeinsam mit ihm entstanden auch zwei Modelle eines weiteren sehr interessanten Wagens: Des Mönchengladbacher Großraumwagens 26. Wie so manches Fahrzeug wurde TW 26 von Betrieb zu Betrieb weitergereicht. Das eigentliche Kuriosum ist jedoch, dass der Wagen auf demselben Weg wieder in seine Heimat zurückkam, wie er einst von dort verschwand.

Aber von Anfang an: Wie die meisten „Tramologen“ im Forum wissen dürften, hatte auch Mönchengladbach/Rheydt einst eine Straßenbahn. Und wenn man alte Stadtverkehre aus den 50ern liest, wird der Eindruck vermittelt, dass diese noch eine große Zukunft vor sich hat. Auch wenn noch zahlreiche Streckenabschnitte eher „traditionell“ trassiert waren, wurde schon einiges in die Modernisierung investiert. Unter anderem wurden auch moderne Fahrzeuge beschafft. So kamen neben den erwähnten DÜWAG-Großraumwagen auch DÜWAG-Gelenkwagen nach Mönchengladbach.

Der hier betrachtete Zweirichtungs-Großraumwagen wurde 1957 geliefert. Ähnliche Wagen wurden auch nach Hagen geliefert. Mit anderer Türanordnung gab es diese Fahrzeuge auch bei der Vestischen Straßenbahn.


Hier sehen wir Wagen 26, den ein unbekannter Fotograf Mitte der 60er Jahre im Betriebshof an der Hindenburgstraße aufnahm. Im Laufe der Einsatzjahre waren bereits einige Umbauten erfolgt. So erhielt der Wagen nachträglich Rückspiegel, eine etwas geänderte Beschriftung und die Rück/Bremslichter wanderten von der Mitte zu den Seiten hin.


Ein Gutachten im Jahr 1960 empfahl dann wie in so manch anderer Stadt die Einstellung der Straßenbahn. Die Anschließende politische Diskussion für oder wider ergab dann ein „Nein“ für die Straßenbahn. Im Gegensatz zu heute sehr erfolgreichen Systemen wie Ulm, Heidelberg, München oder Karlsruhe, wo man mehr oder weniger ernsthaft Ähnliches erwog.

Schöne Eindrücke über die letzten Jahre der Mönchengladbacher Straßenbahn vermittelt das Buch „Mit der Straßenbahn durchs Wirtschaftswunder“: [www.thalia.de]


So fuhr in Mönchengladbach am 15.3.1969 die letzte Straßenbahn. Die meisten der modernen Wagen gelangten nach Aachen, wo die Straßenbahn sich ebenfalls schon im Auslaufbetrieb befand.


Davon noch einige Bilder, die mir Diethard Cujé dankenswerterweise zur Verfügung stellte:



Wagen 26 wurde dort zum ASEAG 1016. Hier ist der baugleiche 1013 im Juli 1972 im Betriebshof zu sehen, noch in der traditionellen Farbgebung.




Als 1015 im Februar 1972 am Elisenbrunnen um die Kurve kommt, trägt er schon das rote Farbschema.


Auch in Aachen empfahl ein Gutachten die Einstellung der Straßenbahn mit ihrem recht „traditionell“ trassierten Streckennetz und ihrem wenig homogenen Wagenpark. Trotz der ohnehin schon schlechten Umstände musste sich Gutachter Nebelung nochmal ordentlich ins Zeug legen (z.B. Einmannbusse vs. schaffnerbesetzte Bahnen rechnen), um das (politisch?) gewünschte Ergebnis zu erreichen.

Wie dem auch sei, am 29.9.1974 endete auch in Aachen der Straßenbahnbetrieb und TW 26 gelangte mit den anderen Großraumwagen in den nächsten „Auslaufbetrieb“, nach Mainz.




Hier ein Foto von TW 26, der hier nun 210 hieß, welches Bernd Kittendorf 1984 im Betriebshof aufnahm.




Der baugleiche 207 ist hier 1979 am Hbf. zu sehen.


Glücklichen Umständen und einer sich im Laufe der Zeit wandelnden Verkehrspolitik ist zu verdanken, dass die Mainzer Straßenbahn nicht stillgelegt, sondern modernisiert und ausgebaut wurde. So wurde Tw 26 nicht durch Betriebseinstellung, sondern durch Fahrzeugneubeschaffungen in Mainz überflüssig.

In Aachen hatte man zwischenzeitlich schon den vagen Verdacht geschöpft, dass die Stilllegung der Straßenbahn nicht der Weisheit letzter Schluss war. Mit der Wiedereinführung ist man bis dato allerdings zwei Mal gescheitert.





Als TW 26 in Mainz überflüssig wurde, kam er zurück nach Aachen, um dort als Denkmal auf dem Busbetriebshof an die Straßenbahnvergangenheit der ASEAG zu erinnern.




Blick ins Wageninnere, das im Laufe der Zeit einige Umbauten erfuhr. An der etwas merkwürdig anmutenden Bodenklappe lässt sich erahnen, wo früher mal der Schaffnerplatz war.





Durch anstehende Bauarbeiten auf dem Betriebshof musste TW 26, zwischenzeitlich wieder 1016, seinen Standort verlassen. Und nach dem wiedermaligen Scheitern bei der Wiedereinführung der Straßenbahn wollte man sich – so scheint es zumindest – dieses Themas endgültig entledigen.
So bestand die Chance, diesen Wagen, der auch die letzte erhaltene Mönchengladbacher Straßenbahn ist, in seine ursprüngliche Heimat zurückzuholen.

Dort soll der Wagen aufgearbeitet werden. Weitere Infos zu dem Projekt gibt’s hier:

[triebwagen26.wordpress.com]

[www.facebook.com]

Weitere Infos zu meinen sonstigen Projekten, den Baufortschritten und Reisen auf meiner Seite im Fratzenbuch: [www.facebook.com]

Die Fratzenbuchseiten müssten auch sichtbar sein, wenn man nicht im Fratzenbuch angemeldet ist.


Nun zum Modell, das passend zum im Vorbild meterspurigen LGB-Gleis, im Maßstab 1:22,5 entstand:







Entworfen habe ich die benötigten Teile in dem von mir sehr geschätzten Programm CorelDraw 11.






Mein alter Lehrmeister Klaus Töppe pflegte zu sagen, „wenn wir schon einen Saustall machen, machen wir wenigstens einen ordentlichen Saustall“. Unter dem in meinem eigenen „ordentlichen Saustall“ angelegten Ersatzteillager werden gerade die Teile gefräst. Die Maschine habe ich bereits vor fast 10 Jahren bei der Firma Haase in Neuss vom gesparten Taschengeld gekauft.






Da der Kasten nach oben hin verjüngt ist, muss er leicht geknickt werden. Das erfolgt mit den hier zu sehenden Spanten. Die Wagenseiten werden hierfür ca. 5mm unterhalb der Fensterlinie eingeritzt.




An den Wagenseiten werden Plaste-L-Profile (20x20 mm) aus dem Bauhaus angeklebt. Über diese werden die Wagenseiten später mit dem Boden verschraubt.






Und so sieht das dann aus.





Anschließend kommt der Dachrahmen rein. Erst wenn dieser richtig fest ist, kommen die Plattformen. Durch die beidseitigen Türen sind diese etwas schwieriger zu befestigen.



Während des Trocknens können die Trittkästen und Plattformen vormontiert werden:










Einbau der Plattformen:








Wie das Dach bestehen die Sitze aus 3 mm starkem MDF





Hier ist der TW schon bei einer Stellprobe mit dem MDF-Dach zu sehen. Es besteht aus mehreren 3 mm starken Schichten, die übereinander geklebt werden und eine Stufenform ergeben. Die Stufen müssen nur noch herausgefeilt werden. Anschließend wird es mit Schnellschleifgrund (von Clou) behandelt, da es sonst den Spritzspachtel „aufsaugen“ würde.




Gemeinsam mit dem Ravensburger wurden die Fronten aufgezogen.





Die restlichen „Dellen“ werden vor dem Spritzspachteln mit Moltofill entfernt.







Nach dem Spritzspachteln gemeinsam mit dem Ravensburger und einem LOWA-BW.






Die Drehgestellblenden werden mit dem umrahmenden Bahnräumer verklebt. Die untere Abdeckung der USA-Trains-Motorblöcke wird dann so ausgespart, dass man die Blenden über die Bahnräumer direkt „einklipsen“ kann. Im Vorbild wird der Bahnräumer zwar vom Drehgestell getragen. Diese Bauweise mit Blenden, die vom (nach innen hin massiveren) Bahnräumer getragen werden hat sich insofern als Vorteilhaft erwiesen, dass es keine Beschädigungen mehr gibt, wenn der Wagen irgendwo hängen bleibt. Zumindest nicht am Wagen ;-)






Stellprobe mit allen drei Großraumwagen. Die Bügel stammen von Sommerfeldt. Gerade den Bügel mit einem Schleifstück gibt es nicht mehr im LGB-Sortiment. Über Sommerfeldt direkt erhält man ihn noch. Allerdings nur auf Anfrage.





Der Einbau der Frontverglasung ist etwas anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick wirkt. Denn die Scheibe ist schließlich an den Seiten dem Wagenkasten folgend gewölbt. An der Front folgt sie jedoch nicht mehr dem Wagenkastenverlauf, sondern ist gerade. Die darüber liegende Zielanzeige ist gewölbt.
Um die Folien (Windowcolorfolie aus der Bauhaus-Bastelabteilung) richtig zuzuschneiden habe ich mir einen Dummy aus Pappe gebaut.






Alle vier Wagen nach dem Lackieren.






Nach dem Einbau der Scheinwerfer (Reflektoren 12 mm von Reichelt für 5mm-LED) und Innenwandverkleidung.




Während die Fenstergummis an den Seiten einfach gelasert werden konnten, verwendete ich für das Frontfenster eine schwarze Litze.




Schaffner- und Fahrerplätze. Glücklicherweise gibt es von LGB die Figur eines sitzenden Schaffners/Fahrers. Leider aber nur diese eine. So sind Schaffner und Fahrer eben eineiige Zwillingsbrüder ;-)




Anbringend er Zierleisten. Passenderweise verwendet der Verkehrsbetrieb meines Vertrauens dassele Blau wie einst wie Mönchengladbacher Straßenbahn. So konnte ich die Anfertigung der Zierstreifen in gute Hände geben. (DfdM @LL!)



Arbeiten wie das Abringen von Zierleisten (Evergreen Halbrundprofile 1,5 mm) und das Verglasen muss man dann auch nicht mehr im „ordentlichen Saustall“ im Keller machen. Hierfür kann man dunkle Winterabende nutzen, während der PC die gesammelten Werke der Fernsehlandschaft auf Youtube widergibt.




Dann kam auch noch die Beschriftung drauf. Wie zu erkennen zeigt ein Wagend den Lieferzustand, der andere den der 60er Jahre.




Neben einem schon fertiggestellten Mannheimer GT6 wartend die Großraumwagen noch auf einen Bügel.


Hier nun zum Abschluss einige Bilder der fertigen Wagen:
















Zum Abschluss noch eine kleine Ergänzung:

Für einen Bekannten aus Hagen habe ich die Teile mitgefräst, sodass er den Wagen selbst bauen konnte. Er wählte dazu das Hagener Vorbild und verfasste über den Bauprozess einen Bericht im Magazin „Gartenbahn“: [www.gartenbahn.de]





Soviel für heute….


Alla hopp

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