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Nahverkehr Rhein-Neckar
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Bernhard W, bassemohluff, Fabegdose, Tw237, jockeli, Lokleitung, mor_, Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R., Das Biergleis

Gleisarchäologie mal anders (mB)

Startbeitrag von Tw237 am 01.06.2016 19:43

Mahlzeit,

als begeisterter Gleisarchäologe habe ich ja schon so manche stillgelegte Strecke abgewandert. So ziemlich jede Bahnlinie in der Vorderpfalz und Straßenbahn in MA/LU/HD habe ich schon besucht. Doch gerade in der Stadt lassen sich genaue Streckenführungen nur schwer ergründen. Zu viel wurde im Laufe der Jahrzehnte umtrassiert oder komplett umgestaltet.

Nach kurzer Abwesenheit ist nun bei der Stadt Mannheim das Luftbild von 1929 wieder abrufbar. Als Besonderheit kann man dieses Maßstabsgleich auf 2014 umschalten: [www.gis-mannheim.de]

Ich habe mir mal den Spaß gegönnt und einige Streckenführungen eingezeichnet und ins aktuelle Luftbild hineinkopiert. So lassen sich die Führungen längst verschwundener Strecken ausmachen.
Neben den Luftbildern von der Stadt Mannheim (ich hoffe das ist mit Nennung der Quelle ok) haben mir noch alte Gleispläne und die Betriebsgeschichte der MVG geholfen.

Dabei nutze ich folgende Legende:


Fangen wir mal mit dem Bereich um das damals noch neue Klinikum an:




Während die Neckaruferbahn der OEG weitestgehend unverändert trassiert ist, ist oben links noch die Ausfahrt aus dem Weinheimer Bf. Der OEG erkennbar. Die Straßenbahn über die Ebertbrücke – die auch vor ihrer Umbenennung in Adolf-Hitler-Brücke einige Jahre später so hieß – ist ebenfalls unverändert. Wenn man mal von der Umtrassierung auf der Brücke bzw. dem Neubau selbst absieht.
Ferner gibt es noch die Strecke auf dem „weißen Sand“ und vor dem Klinikum entlang. Heute ist hier nicht mal mehr eine Straße.
Die OEG-Strecke zum Weinheimer Bahnhof wurde 1973 aufgegeben. Seit 2005 sind Klinikum und alter Messplatz durch eine Neubaustrecke auf der Schafweide miteinander verbunden(hier jetzt nicht eingezeichnet).

Mit Aufgabe der Straßenbahn vor dem Klinikum 1964 nutzt diese die Röntgenstraße. Früher verlief hier die OEG nach Feudenheim, die jedoch anders als die Straßenbahn heute, in Seitenlage trassiert war.
Die OEG-Strecke verlief auf der Feudenheimer Str. parallel zur Straßenbahn. Hier war die Strecke viergleisig ausgebaut. Zwar ist in der Betriebsgeschichte vermerkt, dass das vierte Gleis nie gebaut worden sei, doch in diesen Stunden versicherte mit der Betriebschronist fernmündlich, dass es nach neuesten Erkenntnissen doch existiert habe.
Die OEG-Gleise nach Feudenheim hatten nie Personenverkehr, dazu später mehr.
Mit Bau der Straßenbahn auf die Vogelstang 1969 wurde die dann nur noch zweigleisige Strecke auf der Feudenheimer Straße in die Mitte verlegt.

Wo heute der Parkplatz des Klinikums ist, befand sich damals noch ein Gleis der OEG zum Neckar hinunter. Es ist aber davon auszugehen, dass die Rampe weniger steil ausgeführt war, als sie das heute ist ;-)

Auf der anderen Neckarseite erkennt man noch die Zufahrt der Straßenbahn zur OEG über die Bassermannstr. Über diese hatte ich hier mal was geschrieben: [20066.foren.mysnip.de]

So sieht die Situation heute aus:

Die Alte Schleife (bis 1964) auf dem Parkplatz der MaRuBa kann man sich heute nur schwer vorstellen. Interessant ist, dass das heutige Abstellgleis an der neuen Friedhofsschleife(unter RHB-Fahrern als „Friedhof Außenschleife bekannt“) so ziemlich dem Gleis der alten OEG-Strecke folgt.





Gehen wir der Strecke mal ein Stück entlang nach Feudenheim:

Hier gibt es die Straßenbahn, die mehrfach (zuletzt 1974) erweitert wurde und damals noch die OEG.
Die OEG hatte wie bereits angesprochen eine vollkommen eigene Trasse. Sie war zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert. Sie endete im Bahnhof Feudenheim, war aber eine Vorleistung für die Strecke nach Ladenburg und Schriesheim, die nie gebaut wurde. So blieb die OEG-Strecke ohne Personenverkehr. Lediglich einen spärlichen Güterverkehr soll es gegeben haben. Mein Modellbau-Lehrmeister, 1921-64 in Feudenheim wohnhaft, erzählte mir, dass es Schotterzüge gegeben haben soll und noch auf Höhe der Riedbahn ein Abzweiggleis, das ich jedoch noch nicht ausmachen konnte.
Weiterhin waren in Feudenheim Fahrzeuge abgestellt. Auf „Anregung“ des Oberbürgermeisters Renninger (NSDAP) wurde jeglicher Verkehr eingestellt. In den 40ern wurde die Strecke restlos abgebaut. Die Masten fanden Verwendung bei der Elektrifizierung der OEG nach Heddesheim.


So siehts heute aus:



Wenn man mal vor Ort ist, lässt sich der genaue Verlauf nur noch schwer ausmachen.





Mal in eine andere Richtung, ans entgegengesetzte Ende der heutigen Linie 2:



Rund um die heutige Endstelle Neckarstadt West zeigt sich noch ein umfangreiches Netz an Straßenbahnlinien. Damals waren die Strecken in den Hafen noch in Betrieb, die 1956-70 eingestellt wurden.
Auch den Durchstich vom Neckar zum Bonadies-Hafen gibt es seit den 60ern(?) nicht mehr. Weniger bekannt ist auch das Gleis zu einem städtischen Lagerplatz.

Bis zur Sprengung durch die Nazis 1945 fuhr auch auf der alten Jungbuschbrücke (damals Hindenburgbrücke) noch die Elektrisch‘. Beim Neubau 1951 kam sie nicht mehr mit drauf, stellte man doch schon in den 30ern fest, dass man den ÖPNV in den Jungbusch besser auf ein Minimum beschränkt.


In Grün ist die alte Bahnstrecke vom Waldhof zum Bahnhof Neckarstadt(am alten Messplatz) zu erkennen. Sie wurde in den 60ern elektrifiziert und zuletzt von der BR 425 (auch rot, auch TrieWa, aber ohne Quietschen) befahren. Gemäß der bekannten Investitionspolitik der Bundesbahn legte man die gerade erst elektrifizierte Strecke 1971 folgerichtig still.

So zeigt sich die Situation heute:



In den 70ern erfolgte der Abbau der Strecke. 1973/74 wurden auch die Rampe von der Jungbsuchbrücke zur Ludwig-Jolly-Str. vierspurig und die Auffahrt kreuzungsfrei ausgebaut. Hierbei verschwand wohl auch die Abfahrt von der Dammlage auf die Ebene 0 am Neckarufer.
Der größte Teil der alten DB-Strecke Waldhof-Neckarstadt ist seit 1985 Teil der westlichen Einführung der Riedbahn in den Manneimer Hbf.. Seit dem muss in Mannheim auf Nord-Süd-Verbindungen nicht mehr geköpft werden.
Die WER ist allerdings ein vollkommener Neubau. Da wurde nichts von der alten Strecke übernommen.



Ein Stück die Strecke entlang sah es so aus:



Am (heute alten) Messplatz gab es 1929 noch zwei der einst drei Bahnhöfe. Zu erkennen sind der DR/DB-Bahnhof der Riedbahn in grün und der OEG-Bahnhof in rot. Den Bahnhof der Feudenheimer Dampfbahn gibt es schon seit 1914 nicht mehr, als diese ins Straßenbahnnetz integriert wurde. Diese ist nicht zu verwechseln mit der Feudenheimer OEG, sondern verkehrte auf dem Laufweg der heutigen Linie 2. Zumindest ab Friedhof.
Der DB-Bahnhof wurde mit der Stilllegung der Strecke 1971 aufgegeben. Das EG wurde im Krieg stark getroffen und wieder aufgebaut. Im Güterschuppen war lange ein Discounter. Die Anlage war noch lange als Bahnhof zu erkennen. 2006 wurde der Güterschuppen abgerissen, vor drei Jahren dann auch das EG, nachdem es im Dachgeschoß zu einem Brand kam bzw. gekommen wurde. Da dem aktuellen OB noch ein passendes Denkmal fehlt, mit dem er sich verewigen kann, ist vorgesehen dort ein „Haus der Möglichkeiten“ zu errichten. Es soll später die Stadtbücherei beherbergen, die derzeit noch im Stadthaus, dem Denkmal seines Vorgängers, untergebracht ist. Man möchte dann die die verlängerte Kurpfalzachse (Breite Straße) als „Bildungsachse“ etablieren mit der VHS auf der einen- und der Bücherei auf der anderen Neckarseite. Das hat das Gebiet auch bitter nötig. Denn es soll nicht der kuriose Umstand verschwiegen werden, dass es größter Anstrengungen bedarf in den genannten Gebieten überhaupt jemanden zu finden, der die ganzen Bücher lesen kann.
Da für diese „Wohltat“ derzeit noch das Geld fehlt befindet sich hier derzeit wieder ein Biergarten „Alter Bahnhof“, wo drei Umbauwagen an die frühere Nutzung erinnern.

Der OEG-Bahnhof wurde wie erwähnt 1973 aufgegeben.

Die Straßenbahn wurde danach auf dem Platz neu trassiert und bekam eine Wendeschleife. Mit Umgestaltung des Platzes 2005 bekam die Haltestelle wieder ihre ursprüngliche Lage zurück. Seit dem gibt es auch die neue Strecke (blau) durch die Schafweide. Die eingleisige Richtungsstrecke durch die Schimperstr. gab es 1929 noch nicht und seit 1998 nicht mehr. Das Gleis liegt 2016 noch.





So sieht es dort heute aus. Auf dem Gelände des alten OEG-Bahnhofes befinden sich heute die Unterschichts-Silos der NUB, die weithin negativ im Stadtbild auffallen.








Gehen wir mal weiter in den Süden der Stadt. Hier – auf der Rheinau – zweigte bis Ende der 60er Jahre die Nebenbahn nach Ketsch ab. Sie wurde nahezu komplett „untergepflügt“. Heute verkehren in diesem Bereich übrigens die mit am stärksten belasteten Regio-Buslinien im VRN.
Die weitläufigen Neubaugebiete in Rheinau-Süd und Brühl gab es damals noch nicht.





So sieht es dort heute aus. Scheinbar änderte sich auch die Lage der Rheintalbahn selbst leicht. Der Verlauf der alten Bahnlinie nach Ketsch lässt sich hier nicht mehr wirklich ausmachen.
Doch einen interessanten Aspekt zeigt das nächste Bild:




Wenn man sich den Kreisverkehr, der oben von der grünen Linie durchstrichen wird genauer ansieht, sieht man noch ein Gleis liegen. Dieses war wohl an dieser Stelle überfahrbar oder es gab einen (sehr breiten) BÜ.
Ob ein Teil der Strecke evtl. noch länger als Güteranschluss diente ist mir leider nicht bekannt. Jedenfalls scheint dieses Gleis der Strecke nach Ketsch zuordenbar zu sein.





Nun ein Sprung in den Nordosten der Stadt, nach Käfertal. Hier ist der OEG-Bahnhof zu sehen, wo sich die Strecken nach Heddesheim und Weinheim aufteilen. Während das Bahnhofsgelände heute noch in den Ausmaßen weitestgehend unverändert vorhanden ist, erkennt man links im Bild noch die alte Straßenbahn-Stumpfendstelle. Ein Umstand, der mir noch nicht bekannt war, war die alte Ausfädelung nach Heddesheim, die erst auf Höhe des BÜ Ladenburger Str. erfolgte. Betrachtet man den Radius, scheint sie vorteilhafter gewählt als die Heutige, die mit Vmax 10 km/h nach dem letzten Umbau eine erneute Verschlimmbesserung darstellt. Wie lange die alte Führung bestand weiß ich leider nicht. Um 1940 gab es jedenfalls schon die heutige Führung.




So sieht es um den Käfertaler Bahnhof heute aus. Gut zu erkennen die neue Ausfädelung nach Heddesheim und die Wendeschleife.
Die Umsetzanlage der Straßenbahn wurde 1957 ebenfalls durch eine Schleife ersetzt, die sich dort befand, wo auf dem Bild links die Reihenhäuser der Modellreihe „Hasenstall“ (mit dem schwarzen Dach) befinden. Sie wurde überflüssig, als 1995 die Straßenbahn in den OEG-Bahnhof eingeführt wurde, was stark zur Kundenfreundlichkeit beitrug und die Umsteigebeziehungen Straßenbahn/OEG/Bus vereinfachte.






Bleiben wir in Käfertal. Hier gab es bis 1952 noch eine nur im Güterverkehr bediente Strecke zum Wasserwerk. Am Bahnhof Käfertal Wald zweigte diese ab. Nach dem Krieg befanden sich hier dann einige der US-Kasernen, auf denen nun der neue Stadtteil „Franklin“ entstehen soll.

Die Strecke erlangte im wesentlichen Bekanntheit, als dort in den 50ern der Film „Meines Vaters Pferde“ gedreht wurde, wo eine OEG-Kastenlok mit einem Personenwagen eine Berliner Dampfstraßenbahn darstellen sollte.
Diese Zweigstrecke wurde nie elektrifiziert.




So sieht die Ausfädelung heute aus. Ob die Kasernen erst nach Stilllegung der Bahn ausgedehnt wurden oder diese zwischenzeitlich umtrassiert wurde ist mir nicht bekannt.
Die Führung der Bahn nach Weinheim ist bis heute unverändert an dieser Stelle. Der Bahnhof Käfertal Wald ist nun nur noch HP, verfügt aber noch über sein „EG“, das nun einen Imbiss beherbergt. Mit Inbetriebnahme der Linie in die Gartenstadt (Ziel: Käfertaler Wald) wird dieser Halt in „Platz der Freundschaft“ umbenannt, um etwas DDR-Flair aufkommen zu lassen :-)





So sah die Einführung ins Wasserwerk aus.



So sieht das heute aus. Auf Höhe des Parkplatzes lässt sich an einem kurzen Stück Pflaster noch die alte Gleisführung erahnen.



Soviel für heute.

Alla hopp

Antworten:

Was hatte es mit dem Gleis der OEG auf sich, das vor dem Klinikum runter zum Neckar ging?
Kann mir keinen Zweck der Verbindung vorstellen, oder wurden dort früher Schiffe entladen und Studenten zur Neckarwiesenparty gefahren?

von Fabegdose - am 01.06.2016 20:40

Bilder von der Endschleife Feudenheim?

:D
Im Heft zum 40sten ist zumindest ein Bild drin:

..
Der Standpunkt dürfte auf der heutigen Kreuzung Neckar-/Spessartstraße sein, Blickrichtung nach Osten. Die Häuserreihe im Bildhintergrund mit dem langen durchgehenden Dachgiebel und den kleinen Mansarden liegt Ecke Eberbacher Straße/Odenwaldstraße.
[www.google.de]

[binged.it]

Nach einer fertigen Elektrifizierung sieht mir das auf dem Bild aber nicht aus, verkrautete Gleise und nur ganz wenige Drähte.

Es gibt übrigens einen Film, der von einem Amerikaner aufgenommen wurde, der die frisch elektrifizierte Strecke nach Heddesheim zeigt. Da glänz der Fahrdraht noch nagelneu.

Zu Käfertal:
Im dicken Buch ist ein Gleisplan von Kf drin, aus der Anfangszeit, dort entspricht die Gleislage der Strecke nach Hm seltsamerweise bereits der heutigen Führung. Man kann aber auf dem Plan erkennen, daß der "heutige" Verlauf entgegen der ansonsten üblichen Zeichnungsweise "über" die Gewanngrenzen der anschließenden Felder gelegt ist. Ich vermute da, daß damals mittels der kaiserlichem bzw. reichskanzlerischen "Photographiegeschäft & Klischeeanstalt" entweder
a) vorgegriffen
oder
b) nachbearbeitet
wurde.

Die Repros der originalen Originalpläne sind mir jedoch vor einigen Jahren entfallen. :joke:

von Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R. - am 02.06.2016 06:51

Re: Gleisarchäologie Rheinau-Brühl

Das ist eine tolle Zusammenstellung - hoch interessant !

Vielen Dank für die Arbeit, die in den Karten steckt !

Als Ergänzung noch etwas zu der ehemaligen Bahnstrecke Rheinau - Brühl (-Ketsch) :

Im Stadtplan von 1977 war die Strecke noch eingetragen (allerdings nicht mehr ganz bis Brühl) :


Übertragen auf einen Stadtplan von 2005 sieht das so aus :

Da kann man auch erkennen, dass die Strecke direkt durch den heutigen Kreisel beim Höffner-Parkplatz verlief.

Und so sieht es dort (von "unten") aus :

.

von bassemohluff - am 02.06.2016 14:21

Re: Gleisarchäologie Rheinau-Brühl

M.W. (Hörensagen aus der Familie - erlebt hab ich s nicht) wurde bis Anfang der 1980er die Firma Schütte-Lanz* (früher Luftschiff - später Holzelemente ) per Anschluss bedient.
Im Firmengelände Schütte-Lanz sind noch Gleisreste zusehen (hinter den Hallen bei DM und Ali.).
Beim heutigen McD gab es einen BÜ über die schon damals 4spurige B36. Das heutige Strassengewirr Einbindung L nochwas an B36 wurde gemeinsam mit der SFS Ende der 80er/1991 errichtet und der BÜ verschwand.


* Um den Bahnbezug herzustellen. 1916-1922 wirkte dort Franz Kruckenberg als Werksleiter, ehe er sich in Heidelberg selbstständig machte.

von mor_ - am 02.06.2016 17:29
Ich meine, mich als Fahranfänger 1971 noch an Gleise quer über die B36 erinnern zu können. Damals war die B36 vierspurig, die Richtungsfahrbahnen getrennt duch eine durchgehende weiße Fahrbahnmarkierung.

von Das Biergleis - am 03.06.2016 23:27
Danke für die tolle Zusammenstellung.:)

Die "Wasserwersbahn" in Käfertal hatte zwei Gleisführungen. Eingezeichnet ist der Verlauf, wie er nach meinen Recherchen von 1906 bis 1936 bestand.

Vermutlich wegen dem Bau der Flak-Kaserne wurde der weite Bogen am Abzweig aufgegeben und ein engerer weiter östlich gelegt. Der bestand bis ca. 1958. 1952 oder 1953, beim Dreh des Films [www.kinowelt.de] (kurzer Ausschnitt mit der Bahn beginnt nach 1 Minute), lagen die Gleise noch. Um 1960, vor dem Verlängern der Birkenauer Straße Richtung Viernheim, waren die Gleise abgebaut.

Außerdem gab es ein kurzes Abzweiggleis zum ehemaligen Heizwerk in den Sullivan Barracks.

In [www.openrailwaymap.org] ist das zu sehen. Die Szenen zu "Meines Vaters Pferde" wurden gedreht an der heutigen Birkenallee im Bereich Weiherweg bis zum Hochspannungsmast neben der Birkenallee.

Bernhard

von Bernhard W - am 04.06.2016 08:13

Re: Sehr interessant, danke! (kT)

*

von Fabegdose - am 05.06.2016 10:39

Re: zur Wasserwerksbahn?

Ich nehme mal an, es wurde im Wesentlichen Kohle transportiert.

In welchen Wagen hat man denn da geliefert und von welchem DB-Anschluß wurde da umgeladen?

Im Raum Heidelberg hatte die OEG ja Normalspurgleise für den Zweck.

von jockeli - am 06.06.2016 06:10

Re: zur Wasserwerksbahn?

Der Anschluss für die Güterbedienungen im Bereich Käfertal - Heddesheim bestand am Käfertaler DB-Bahnhof. Dort gab es eine Rollbockgrube zur Übergabe von Regelspurwagen. Die eingleisige Meterspurstrecke nach "Käfertal Bundesbahn" zweigte etwa auf Höhe des Hp Mannheimer Straße ab und führte in Mittellage durch eben diese zum DB-Bahnhof.

Und wenn ich mich recht entsinne gibt es auf dem Käfertaler Drucktastenstellwerk auch heute noch Hinweise auf die Schmalspur.

von Lokleitung - am 06.06.2016 07:16

Re: Ketsch - Brühl - AW

Zu dem genannten Bahnübergang über die B36 gibt es ein Foto
in dem Buch "Auf Schienen zwischen Odenwald und Pfalz"
von Helmut Röth (2010) auf der Seite 99.
Da kann man gut erkennen, dass die B36 im Jahr 1966 dort tatsächlich schon vierstreifig war
mit einem beschrankten Bahnübergang.

Aber noch zu dem bekannten Spruch „Ketsch – Brühl – Antwerpen”,
wo es doch eigentlich "Ketsch - Brühl - Rheinau" heißen müsste !

Dafür gibt es eine einfache Erklärung:
Diese Redewendung kommt von „Ketsch – Brühl – An den Werften” ,
das ist der Name eines ehemaligen Haltepunktes beim Schütte-Lanz-Werk,
der ehemaligen Luftschiffwerft (Gasthaus Am Luftschiff / heutiger McDonald).

Quellen : [rhein-neckar-industriekultur.de] und [www.facebook.com] .

Hier im Forum tauchte das Thema auch schon auf [20066.foren.mysnip.de] .

von bassemohluff - am 06.06.2016 19:00

Re: zur Wasserwerksbahn?

Zitat
Lokleitung
Der Anschluss für die Güterbedienungen im Bereich Käfertal - Heddesheim bestand am Käfertaler DB-Bahnhof. Dort gab es eine Rollbockgrube zur Übergabe von Regelspurwagen. Die eingleisige Meterspurstrecke nach "Käfertal Bundesbahn" zweigte etwa auf Höhe des Hp Mannheimer Straße ab und führte in Mittellage durch eben diese zum DB-Bahnhof.


Genau. Die Rollbockgrube war im südlichen Bereich des DB-Bahnhof Käfertal, zwischen den DB-Gleisen und der Neustadter Straße.

Die bräunlich gepunktete Linie in [www.openrailwaymap.org] zeigt den Verlauf.

Im Bereich der großen Kreuzung Rollbühlstraße, Weinheimer Straße, Mannheimer Straße kann man den Verlauf an den Rissen im Asphalt immer noch erkennen:
[www.google.de]

Bernhard


Ergänzungen: Auf der Wasserwerksbahn wurden Kohlen transportiert für die Dampfmaschinen im Wasserwerk Käfertal und das Heizwerk in den Sullivan Barracks. Letzeres hat nach meinen Infos die Sullivan Barracks, Benjamin Franklin Village (BFV) und Funari Barracks beheizt bis zu deren Anschluss ans Fernwärmenetz. Die Offizierssiedlung der BFV hatte ein eigenes Heizwerk neben dem Sendemast des AFN, das immer noch steht.

Kurz vor Abbau des damals schon länger nicht mehr benutzen Gleises der Wasserwerksbahn sollen für kurze Zeit Ausflugsfahrten in den Wald angeboten worden sein.

Am ersten Abzweig im Bereich der Fürther Platzes (Mox Nix Corner), heute Platz der Freundschaft, soll ein Vermessungspunkt sein, der noch den Namen "Wasserwerksbahn" trägt. Den habe ich in der Realität noch nicht gefunden.

Noch ein Nachtrag: Vermessungspunkt "Wasserwerksbahn" auf der Stadtgrundkarte: [gis-mannheim.de]

von Bernhard W - am 06.06.2016 20:18

Ergänzung zur Strecke zum Käfertaler Wasserwerk (mB)

Gestern ließ mir der User "Triebzug 420" noch folgenden Plan zukommen:



Er stammt aus den 50er Jahren und zeigt am Bf. Käfertal Wald einen anders angelegten Abzweig. Das dürfte die Frage, ob mit Bau der Kaserne umtrassiert wurde, mit JA beantworten.

von Tw237 - am 13.06.2016 09:43

Re: Ergänzung zur Strecke zum Käfertaler Wasserwerk (m2B)

In den 50-er Jahren müsste das Anschlussgleis zum Heizwerk in der Kaserne auch noch vorhanden gewesen sein. Das habe ich bisher auf keiner Karte entdeckt. Auf vielen Plänen fehlt die Kaserne völlig (die wurde um 1936 gebaut und steht noch heute). Dort wo der Abzweig war, sind noch einige Begrenzungs- oder Sperrsteine aufgereiht.

Kurz vor dem Wasserwerk, wo die Wasserwerksbahn aus dem Wald kam, liegt noch etwas Kopfsteinpflaster, in dem zwei Reihen fehlen. Einen Besen und ein Metermaß hatte ich leider nicht dabei.


Am Zaun vom Wasserwerk kann man noch erkennen, wo die drei Tore für die drei Gleise waren. Die Säulen haben normalerweise kleinere Seitensäulen, an denen die Zäune befestigt sind. Bei den Toren fehlen die kleineren Seitensäulen.


von Bernhard W - am 14.06.2016 22:47
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