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Nahverkehr Rhein-Neckar
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vor 1 Jahr, 1 Monat
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Beteiligte Autoren:
Brubacker, A-dot, Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R., Heidelberger Straßenbahner

Streckenwanderung im „schwarzen Loch“ (Teil 7)

Startbeitrag von Heidelberger Straßenbahner am 14.10.2016 11:37

Vorwort:
Bei den – eigentlich immer schönen und informativen – Reiseberichten liest man ab und an in den Kommentaren, warum eigentlich nie (oder meinetwegen auch selten) Berichte „aus der Region“ eingestellt werden.

Nun will ich diesem Manko abhelfen und das Heidelberger Streckennetz ein wenig zeigen.
Erwartet aber bitte keine perfekten Aufnahmen (dies sei anderen vorbehalten), sondern meine Schnappschüsse zeigen Betriebssituationen, in denen eben Masten, Schilder und Passanten/Fahrgäste und sogar Fahrzeuge vor den Bahnen zu sehen sind!

Bericht:
Heute meine (offensichtlich lang ersehnte) Fortsetzung der Streckenwanderung durchs „schwarze Loch“:

Die erste elektrische Straßenbahn in der Neckarstadt wurde nicht von den Gebrüdern Leferenz (also die, mit dem Steinbruch) betrieben, bis 1905 fuhren deren Bahnen noch mit Pferdekraft
.
Kurze Erklärung:
Die 1840 eröffnete Rheintalbahn ließ die Ortschaften Rohrbach, Leimen, Nußloch und Wiesloch sozusagen „links“ liegen . Nach mehreren Konzessionsersuchen (ab1886) erhielt im Jahre 1900 die Deutsche Eisenbahngesellschaft die Genehmigung eine 13 km lange Bahn von Heidelberg nach Wiesloch zu bauen.



Auf meinen ersten Foto fährt die rnv 8 3278 aus dem Römerkreis in die Römerstraße Richtung Leimen ein. Hier liegen die Schienen erst seit 1956, vorher lagen an dieser Stelle die Einfahrtgleise der DB in den alten Hauptbahnhof Heidelberg (die elektrische Straßenbahn Heidelberg – Wiesloch fuhr bis 1973(?) vom Bahnhofsvorplatz des alten Hauptbahnhofes durch die Rohrbacher Straße).

Nachdem ich lange kein Bild mehr mit einer Kirche gezeigt hatte, muss(te) bei dem Folgenden die Bahn etwas zurückstehen, um den Turm der Christuskirche ganz auf das Bild zu bekommen.
Bis zum Umbau der Gleisanlagen inklusive der Haltestellen (ich meine, dass war 2006), bestand an dieser Stelle ein Begegnungsverbot. Hier schwenkten die Gleise bis dato von der Seitenlage (Römerstraße) in die Mittellage (Schillerstraße), die Variobahn war eben breiter!



Bis 2002 ein alltägliches Bild (gut, die „Hochbahnsteige“ passen nicht); die vier Gtw8a teilten sich bis zur Beschaffung der Variobahnen den Verkehr auf der Linie 3 nach Leimen mit den M8C. Heute kommt der (3)202 nur noch in Ausnahmesituationen an die Haltestelle Christuskirche – oder eben auf Fotosonderfahrten wie dieser im Jahre 2015:



In der Weststadt wohnten (einst) mit Sicherheit keine Arbeiter. Im folgenden Bild, auf dem rnv8 3282 kurz nach dem Verkehrsberuhigten Bereich auf Linie 23 Richtung Leimen fährt, ist dies deutlich an den Häusern zu erkennen.



Während der mehrerer Jahre dauernden Umbauphase der Strecke Römerkreis – Ortenauer Straße wurde auch die Haltestelle Franz Knauf Straße verlegt. Etwa 50 Meter südlich befindet sich diese heute auf einer neu erstellten Brücke direkt über dem Haltepunkt der S-Bahn Rhein-Neckar und trägt den bezeichneten Namen S-Bahnhof Weststadt/Südstadt.

Übrigens: Von 1956 bis zur Einstellung der Strecke durch die Rohrbacher Straße 1973(?) war an den Bäumen im Bildhintergrund die Endhaltestelle der Linie 3, mit Namen Bergfriedhof. Gut, dieser befindet sich etliche Meter südlich davon, aber wir sind ja in Heidelberg → in der Bahnhofstraße z.B. wird man vergeblich einen Bahnhof suchen!



Aber zurück zur Wanderung: Ab dieser Stelle kann man nun wirklich sagen, hier liegen die Gleise (gut bereits mehrfach ausgewechselt) der ältesten elektrischen Straßenbahn Heidelbergs, wir erinnern uns; am 23. Juli 1901 wurde die Strecke nach Wiesloch eröffnet.
Die Stadt Heidelberg kaufte 1905 von der Deutschen Eisenbahn-Gesellschaft deren Bahn und verpachtete sie an die Heidelberger Straßen- und Bergbahn (HSB) als Betriebsführerin. Erst 1923 erwarb die HSB die Vorortbahn von der Stadt und beglich den Kaufpreis mit Aktien.



Der Umbau der Gleise in der Römerstraße und Schillerstraße dauerte, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht etwa ein Jahr. Während dieser Zeit war das Heidelberger Netz zweigeteilt.
Der südliche Abschnitt endete etwa an dieser Stelle links meines Bildes. Auf das Richtung Leimen führende (alten) Gleis hatte man mit Betonsteinwinkel, viel Sand und etwas Teer eine Haltestelle gebaut, an dem die „Doppeltraktionen“ aus 2x Gtw6a endeten und die Fahrgäste auf den Busersatzverkehr umsteigen mussten.

Von den erwähnten Doppeltraktionen habe ich leider kein Bild, dass ich zeige kann (→ Bildrechte), diese waren eigentlich nur als „Übergangslösung“, bis zur Inbetriebnahme der Variobahnen gedacht, aber Provisorien halten in einer Provinzhauptstadt bekanntlich lange.



Dass die rnv heute ein Unternehmen ist, zeigt sich deutlich daran, dass auf meinem Foto, auf dem der 4153 die Haltestelle Bergfriedhof Richtung Leimen anfährt. Vor Jahren undenkbar, an dieser Stelle eine OEG zu sehen!

Auch wenn auf diesem Streckenabschnitt heute (fast) ausschließlich rnv6 und rnv8 verkehren, planmäßig kommt ein M8CNF oder wie hier ein MGT6D auf der 24 zum Einsatz. Kurz nach der Haltestelle Bergfriedhof fährt im Juni 2016 der frisch beklebte 3261 Richtung Rohrbach Süd.



Beim Fahrgastwechsel an der Haltestelle Bethanienkrankenhaus, dessen Giebel im Bild zu sehen sind konnte ich den 3287 auf Linie 23 nach Handschuhsheim beim Fahrgastwechsel aufnehmen.

Mit Schrecken erinnere ich mich noch an eine Mandeloperation als Kind in dessen Räumlichkeiten: Mindestens 30 Patienten in einem Großraumzimmer, aber dass Schlimmste (für mich): Nachdem ich nach dem Besuch (Besuchszeit Sonntag 14:00 – 16:00 Uhr und Mittwoch 18:00 – 19:00 Uhr) meiner Eltern weinte, durften diese nicht mehr kommen, harte Zeiten.





Hier nun der (planmäßig) eingesetzte M8CNF: Kurz vor der Einmündung des Brentanoweg in die Rohrbacher Straße fährt er als Linie 24 Richtung nach Rohrbach Süd.


Mit diesem Foto lassen wir Heidelberg hinter uns. An der Haltestelle Markscheide beginnt die Gemarkung des (einst selbstständigen) Dorfes Rohrbach. Dass man sich hier auf einer Überlandstrecke befindet, ahnt heute wohl keiner mehr.
Auf ihrer Fahrt Richtung Heidelberg fährt eine rnv8 der ersten Bauserie in die Haltestelle ein. Diese Fahrzeuge werden nach und nach ihr blau/weißes Farbkleid verlieren. Im Rahmen der 16 jährigen Hauptuntersuchung werden sie an die aktuellen Unternehmensfarbe angepasst.



Mit dem Erreichen des Dorfes Rohrbach endet meine heutige, virtuelle Wanderung an der Haltestelle Eichendorfplatz. Hier dürften einst die ersten Häuser gestanden haben.



Anstatt einen gastronomischen Tipp zu geben (wir gehen in HD eigentlich nur in die Betriebskantine) verweise ich auf das kleine Blumengeschäft in der ehemaligen Trinkhalle* der Haltestelle

→ nicht vergessen: In 3 Monaten ist Valentinstag!



Salü Erhard


* Für die Jüngeren: Eine Trinkhalle ist (lt. Wikipedia) ein Verkaufsstand für Wasser, alkoholische und nicht alkoholische Getränke und Dinge des sofortigen Bedarfs wie Tabak, Süßwaren (und ähnliche Genussmittel), Lebensmittel und auch Medien. Viele Trinkhallen dienen zugleich als Annahmestellen für Lotto&Toto und verkaufen Zeitungen und Zeitschriften, sowie in eingeschränktem Maß Fahrscheine für den öffentlichen Personennahverkehr.

Antworten:

"Wozu sich mit den Mandeln quälen,
man siehts ja nicht,
wenn sie dir fehlen!"

Heinz Erhardt

(Ich wurde meine Mandeln im Josefshaus los, wo die Kinder sehr zum Entsetzen der Oberschwester im Fernsehraum "Mondbasis Alpha 1" guckten.) :D

von Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R. - am 14.10.2016 16:55
Zitat
Heidelberger Straßenbahner
Hier liegen die Schienen erst seit 1956, vorher lagen an dieser Stelle die Einfahrtgleise der DB in den alten Hauptbahnhof Heidelberg

Der sogenannte Weststadtring (Schillerstraße - Römerstraße - Bahnhofstraße) wurde nach einjähriger Bauzeit ab 1948 befahren. An der gezeigten Stelle bog der Weststadtring scharf rechts in die Bahnhofstraße ab. Ab 1949 wurde dann die vorherige, seit Beginn bestehende Kreuzung der DB-Gleise am Seegarten im Linienverkehr aufgegeben und nur noch der Weststadtring befahren - bis zum Beginn des Betriebs auf der neuen Strecke in der Kurfürstenanlage nur 7 Jahre später.

Die Linien 6 (Kirchheim) und 8 (Wiesloch) wurden mit Inbetriebnahme des Weststadtrings "umgelenkt" und befuhren diesen wohl in diesen 7 Jahren in Lastrichtung, mit der Linie 3 in Gegenlastrichtung. Ab 1956 bis 1973 befuhren dann die Linien 6 und 8 wieder nur die Rohrbacherstraße, mit Endstelle im Gleisrest in der Bahnhofstraße, ab 1960 mit Endstelle in neugebauter Schleife um den Seegarten. Die Linie 3 fuhr in dieser Zeit die "Westroute" über die Neubaustrecken.

Der Gleisbogen Römerkreis aus Römerstraße Richtung Seegarten (also der mit der Bahn im Bild) wurde interessanterweise von 1963 bis 1967 gar nicht durch Linienverkehr bedient.

Zitat
Heidelberger Straßenbahner
Mit dem Erreichen des Dorfes Rohrbach endet meine heutige, virtuelle Wanderung an der Haltestelle Eichendorfplatz. Hier dürften einst die ersten Häuser gestanden haben.

Das wohl zuerst gebaute Haus an der Überlandstrecke - außerhalb Rohrbacher oder Weststädter Bebauung - war das Bethanienkrankenhaus 1913, einige weitere Gebäude entlang der Strecke wurden in den nächsten 20 Jahren errichtet. Die heutige Bebauung entstand fast durchgehend in den 1950ern, ausgehend von der Markscheide. Zu diesem Zeitpunkt wurde mit Entstehen der Südstadt auch die Stadtteilgrenze Rohrbachs nach Süden an die Sickingenstraße, d.h. die nächste Haltestelle Eichendorffplatz verlegt, wo sie bis heute formell liegt.

Zitat
Heidelberger Straßenbahner
Anstatt einen gastronomischen Tipp zu geben (wir gehen in HD eigentlich nur in die Betriebskantine) verweise ich auf das kleine Blumengeschäft in der ehemaligen Trinkhalle* der Haltestelle

Die Trinkhalle am Eichendorffplatz war zwar eine Weile geschlossen, ist zwischenzeitlich aber - wie auch zu sehen - wieder geöffnet. Im heutigen Blumengeschäft waren - mit im Gegensatz zum Kiosk öfters mal wechselnden Betreibern und Betriebspausen - auch vor 35 Jahren nach meiner Erinnerung schon Blumen zu kaufen.

von A-dot - am 18.10.2016 17:43
Zitat
Heidelberger Straßenbahner
Mit diesem Foto lassen wir Heidelberg hinter uns. An der Haltestelle Markscheide beginnt die Gemarkung des (einst selbstständigen) Dorfes Rohrbach. Dass man sich hier auf einer Überlandstrecke befindet, ahnt heute wohl keiner mehr.
Den Übergang der Gemarkung an der Markscheide bemerkt man ja auch noch an der Änderung des Straßennamens. Auf Heidelberger Seite ist's die Rohrbacher Straße, auf Rohrbacher die Karlsruher Straße.

von Brubacker - am 19.10.2016 17:42
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