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Nahverkehr Rhein-Neckar
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vor 9 Monaten, 2 Wochen
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Tw237

[FR/ES] Interrail 2016, Teil 1: Mit dem Zug nach Barcelona(mB)

Startbeitrag von Tw237 am 08.11.2016 11:24

Mahlzeit,


es war wieder März und bitterkalt in der Kurpfalz. Während der Anfang des Winters noch einigermaßen erträglich ist, bald Weihnachten folgt und die Modellbahnausstellungen, vermisst man die Sonne ab Februar doch schon stark.

Wenn dann ein trüber Tag auf den nächsten folgt, liegt der Schluss nahe einen Zug Richtung Süden zu besteigen.

Da Lissabon schon länger auf meiner Wunschliste steht, checkte ich dass das Wetter für die nächsten Tage passt und machte mich auf den Weg zum Bahnhof.


Die Wunschroute war folgende:




Von Mannheim über Paris nach Barcelona. Von dort über Madrid nach Lissabon. Der Rückweg über Hendaye nach Bordeaux und von da auch wieder zurück nach Mannheim.

Theoretisch hätte man auch direkt nach Lissabon durchfahren können. Um zum einen verschiedene Strecken zu Fahren und zum anderen nicht die Rücklichter eines davonfahrenden Nachtzuges in Hendaye sehen zu müssen entschloss ich mich einen Schlenker über Barcelona einzubauen, was ja auch sehr sehenswert ist.

Zur Planung meiner Reise nutzte ich aus Gründen der Benutzerfreundlichkeit die hierfür gut geeignete und internationale Seite www.bahn.de

Dass es wohl auch Züge gibt, die die spanisch-portugiesische Grenze am Tage überschreiten wusste Bahn.de leider doch nicht. Das sollte ich noch vor Ort feststellen. Also blieb mir nur die Nachtverbindung auf der Route Madrid-Lissabon.

Reisen wollte ich mit dem Interrail-Pass. Dank Frühjahrs-Rabatten und einem 50-Euro-Gutschein vom Deutschlandpass lohnte es sich noch einmal mehr in der ersten Klasse zu reisen.

Doch dann kam der Teil, der insbesondere die Nerven der Mitarbeiter des Reisezentrums und meine Zeit stark beanspruchen sollte: Das Kaufen der in den „anti-Interrail-Ländern“ obligatorischen Reservierungen.

Kann man inzwischen übers Internet Flüge in Ferne Länder buchen, mit Auto oder Fahrrad sehr weit grenzenlos unterwegs sein oder ein Paket in den hintersten Winkel der Erde aufgeben, ohne dass DHL einen an einem möglichen Kopfzerbrechen teilhaben lässt, bringen es die Bahnen (im vereinigten Europa!) auch im 21. Jahrhundert immer noch nicht auf die Reihe ein Ticket von A nach B, am besten noch zum Ausdrucken zu verkaufen.

Dafür muss man schon ein großer Bahn-Liebhaber sein.

Auf dem Bahnhof begann man dann zu buchen, was eine gute Stunde und teilweise bis zu drei Mitarbeiter in Anspruch nehmen sollte.

Der ICE nach Paris war flott reserviert. Beim Nachtzug nach Lissabon musste schon in irgendwelchen Unterlagen nach irgendwelchen Codes gekramt werden. Doch auch das klappte nach mehreren Versuchen. Auch an irgendwelchen Untermenüs hingen die Buchungen nach Bordeaux und weiter nach Paris.

Nur am Zug Paris-Barcelona, da bissen sich alle drei die Zähne aus. Das endete dann darin, dass mir die Mitarbeiterin den Rat gab, ich solle es mal über die SNCF-Seite daheim probieren.



Da hatte ich dann gut 30 Stunden vor Abfahrt noch eine kleine Hausaufgabe:




Und Tickets konnte man offenbar buchen. Reservierungen leider nicht.








Also mal Google fragen. Dort konnte man mir spontan mit einer Abfallwirtschaftsberatung weiterhelfen.




Interrail schickte einen zu rail.cc, wo man sich anmelden konnte. Die Anmeldung ermöglicht es einem dann diese unübersichtliche und absolut nichts sagende Seite im angemeldeten Zustand anzusehen.


Nach langem Suchen und recherchieren wurde acp-rail empfohlen, wo man sich angeblich alles Mögliche kaufen können soll.




Das probierte ich dann auch aus…

Erst für den kompletten Abschnitt, dann für den grenzüberschreitenden und dann nur für den spanischen….





Doch alles endete nach längerer Betrachtungszeit des Ladebalkens mit dieser Anzeige.



Zurück zur SNCF: Dort konnte ich immerhin eine Reservierung erstehen für den französischen Abschnitt bis Perpignan.
Allerdings nur für den Zugteil des Zuges, der dort auch endet. Das ließ mich schon erschüttert bangen, ob eventuell irgendwelche Kontingente aufgebraucht seien oder der Zug gänzlich ausgebucht ist.


Um nicht in Perpignan am Abend aus dem Zug geworfen zu werden, biss ich in den sauren Apfel und kaufte mir ein 2.-Klasse-Ticket für den Abschnitt Perpignan-Barcelona für 54 Euro, womit mir gegenüber des eigentlichen Gesamtreservierungspreises ein Nachteil von 28 Euro entstand.


Kleiner Fun-Fact am Rande: Da ich das erlittene seelische und finanzielle Leid natürlich nicht auf mir sitzen lassen wollte, wandte ich mich nach dem Urlaub an Interrail, SNCF und DB.
Der eigentlich zuständigen SNCF war das herzlich egal, schließlich ist man ja Staatsbetrieb und bekommt auch Kohle ohne Fahrgäste. Freunde der alten Bundesbahn werden sich erinnern…
Interrail fühlt sich auch nicht zuständig und ließ mich wissen, dass ich mir die Reservierungen auch per Post hätte bestellen können. Nur eben nicht zwei Tage vor Abfahrt, was wiederum mit einer zuverlässigen Wetterprognose kollidiert wäre.
Doch die DB, die wohl am wenigsten für diese misslichen Umstände konnte, zeigte sich kulant und stellte mir einen Reisegutschein über 28 Euro aus. Da waren die Bahn und ich wieder Freunde….




Dann ging es in die Schlussphase der Reiseplanung: Das Buchen der Hotels in Barcelona, Lissabon und Bordeaux.


Gemacht habe ich das wieder über booking.com. Diese Seite ist natürlich sehr benutzerunfreundlich. Doch einige Punkte brachten mich immer wieder dazu hier zu buchen:

- andere Seiten sind auch benutzerunfreundlich
- Man kann feststellen, dass man nicht in einer Absteige mit widerlichen Gemeinschaftsbädern landet, wenn man diese auch leider nicht vorn vorneherein ausschließen kann, da einige Gemeinschaftsbadbetreiber die Dreistigkeit besitzen, ihre Buden als „Hotel“ statt „Hostel“ zu bezeichnen.
- Ist man mit mehreren Leuten unterwegs, bietet es sich auch an, da man über Präferenzenangaben möglichst sicher stellen kann, dass man mit Leuten die man mag, jedoch nicht innig bis zum Austausch von Körperflüssigkeiten liebt in einem französischen Doppelbett landet.
- Und ansonsten gibt es noch viele andere wichtige Kriterien, wie WLan, Frühstück, Preis oder rauchfrei, jedoch nicht tatoofrei.





Also voller Motivation geht man ans Werk und wird gleich gedämpft von Angeboten, die offeriert werden, obwohl sie gar nicht verfügbar sind.
Warum werden solche Buden überhaupt aufgeführt? Warum biete ich etwas an, was nicht im Angebot ist. Das nutzt mir auch nichts, wenn dieses Nicht-Angebot mit der Information garniert wird, dass diese Bude heute 13 mal gebucht wurde.

Und alleweil poppt an ein Fenster auf, das mir dann mitteilt, dass sich gerade drei Personen aus Dänemark ein Hotel ansehen und eine aus Polen es gerade gebucht hat.






Dann geht es zur Buchung. Auch hier werden viele wichtige Infos genannt. Zum Beispiel, dass sich gerade 9 Leute dieses Hotel ansehen. Dafür muss ich dann an weniger prominenter Stelle noch einen Haken setzen, dass ich das Frühstück, das ich soeben bezahlt habe auch tatsächlich zu mir nehmen möchte.



Was ein Stress…

Doch nur noch zwei mal Schlafen und es ging los. So blieb mir noch ein Tag zum Packen und um meine Schwand-Atlässe für Spanien und Portugal abzuholen.

Den Frankreich-Tram-Atlas und den Schweers+Wall-Europaatlas hatte ich natürlich schon.



Und dann war es schon soweit:






Am 10.3.16 bestieg ich an Gleis 1, meinem Lieblingsgleis am Mannheimer Bahnhof, den Velaro D nach Paris.


Die Reise nach Barcelona ist mit ca. 10 Stunden inzwischen recht flott und für Ziele uns Startpunkte abseits von Flughäfen fast schon eine Option für „Normal-Reisende“.

Zu verdanken ist das natürlich in erster Linie der französischen und spanischen Verkehrspolitik, wo man die Strecken bis zu 350 km/h ausbaut, während man hierzulande nun mehr ein Maximum von 250 bevorzugt. Das ist natürlich vollkommen ausreichend, um den internationalen Fernverkehr mit auf der 80 km/h-Pfälzerwaldmagistrale nachhaltig auszubremsen.

Folgerichtig wird dann das ohnehin nicht sehr strukturstarke Saarland vermutlich auf Dauer von beiden Seiten her abgehängt.
Man würde ich mich als Saarländer jetzt ärgern, vor „14 Tagen“ nicht für Frankreich votiert zu haben. Da würde wohl zumindest die Verbindung nach Paris erhalten bleiben.






In Frankreich sind solche Sorgen dann verflogen. Der Zug beschleunigt auf >300 km/h, ohne dass Eidechsen oder Juchtenkäfer um ihr Leben bangen müssen. Vielleicht haben es die dortigen „Umweltschützer“ auch einfach nur vergessen sie dort auszusetzen, während sie mit Kind, Kegel und SUV einen Ausflug an den Streckenverlauf gemacht haben.






Ankunft in Paris. Dort gabs erstmal drei Schokobrötchen, um den (wieder einmal) ausgefallenen Speisewagen zu kompensieren.



Mit der Metro wechselte ich mir einmaligem Umsteigen vom Gare de l’est zum Gare de Lyon.

Dort suchte ich den Schalter auf, um eventuell meine Fahrkarte, umzutauschen, wenn man mir eine Reservierung verkaufen könnte.
Das hätte auch geklappt. Doch bis ich an der Reihe war, waren es nur noch 8 Minuten bis Abfahrt, womit dem Schalterbeamten die Hände gebunden waren. Aber immerhin konnte er meine Reservierung bis Perpignan auf den Zugteil umstellen, der weiter nach Barcelona fährt.






Kurz vor Abfahrt konnte ich den Zug besteigen und meine Schokobrötchen genießen.
Zahlreiche Hefte aus meinem Zeitschriftenarchiv brachten mich derweil auf den aktuellen Stand des ÖPNV in Barcelona.







Blick auf meinen Platz







Mit dem Blick aus dem Fenster bei Nimes(?) konnste ich diese abgestellten Dieselloks sehen.








In Perpignan wurde der Zug relativ leer, womit ich ein Innenraumbild machen konnte. Also ausgebucht war der Zug wahrscheinlich nicht. Erst in Figuras würde er sich wieder einigermaßen füllen.

Da kam dann auch der RENFE-Schaffner. Ihm klagte ich mein Leid. Für ihn war es jedoch kein Problem, dass ich bis Barcelona in der 1 Klasse sitzen bleibe. Die Reservierung hätte er mir sogar im Zug verkaufen können. Da hätte ich gar nicht so viel Aufwand treiben müssen….







Ankunft in Barcelona Sants.


Hier noch ein kurzer Rundgang durch den Bahnhof:
















Fußläufig vom Bahnhof Sants erreichte ich mein Hotel, in dem ich die nächsten beiden Nächte bleiben würde.






Am Abend erkundete ich noch etwas das Viertel und entdeckte dabei diese Haftanstalt in urbaner Lage. Im Gegensatz zum hohen Zaun, der sämtlichen Ausbruchsversuchen standhält deutet das Schild aber darauf hin, dass es sich hier wohl um kein Gefängnis, sondern eine Schule handelt. Jedenfalls ein Ort, den man nicht unbedingt freiwillig aufsucht.


soviel für heute….


alla hopp…

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