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Nahverkehr Rhein-Neckar
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vor 9 Monaten, 3 Wochen
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bassemohluff

"Straßenbahn-Tetris" in HD

Startbeitrag von bassemohluff am 01.02.2017 08:30

Heute in der Rhein-Neckar-Zeitung [www.rnz.de] :

Heidelberger HSB-Betriebshof: Hier wird Straßenbahn-Tetris "gespielt"

Die RNZ begleitete zwei Mitarbeiter des Betriebshofs bei ihrer schwierigen Arbeit – Eine Standortdiskussion findet am heutigen Mittwoch im Stadtentwicklungsausschuss statt.

Ab 20:40 Uhr wird es eng auf dem Heidelberger Betriebshof der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) in der Bergheimer Straße: Denn kurz zuvor wird jeden Tag der Takt von Straßenbahnen und Bussen ausgedünnt, und die Fahrzeuge, die keine Fahrgäste mehr transportieren, kommen zurück ins Depot.

Weil hier viel zu wenig Platz ist und die Arbeitsabläufe nicht optimal funktionieren, stauen sich die wartenden Fahrzeuge auf der Carl-Metz-Straße. Erst nach und nach können sie einrücken und die Fahrer dann Feierabend machen.

Wie man künftig mit diesen Problemen umgehen will, diskutieren heute ab 17 Uhr die Gemeinderäte im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss. Sie müssen entscheiden, ob der Betriebshof am jetzigen Standort modernisiert oder am Großen Ochsenkopf neu gebaut werden soll.

Michael Ridinger und Bernd Schweickert werden Tag für Tag mit den Problemen auf dem 100 Jahre alten Betriebshof konfrontiert. Die beiden bringen - salopp formuliert - die Straßenbahnen ins Bett.

Und das ist jede Menge Arbeit: Denn die Fahrer stellen die Bahnen kurz hinter der Pforte ab, danach übernehmen die Kollegen vom Betriebshofdienst und parken die Bahnen auf den 15 Gleisen.

Allerdings nicht auf allen, denn zwei führen durch die Halle zur Wartungshalle im Osten des Geländes. Diese Trasse müssen Ridinger und Schweickert freihalten, weil sie alle Fahrzeuge jeden Abend dorthin fahren müssen, um Bremssand und Wischwasser aufzufüllen.

Teilweise werden die Fahrzeuge auch gewaschen. Danach "spielen" die beiden quasi Straßenbahn-Tetris, denn sie müssen die Fahrzeuge in einer speziellen Reihenfolge möglichst platzsparend in der Halle abstellen.

"Wir müssen abends schon planen, wie die Bahnen morgens ausrücken werden, weil nicht jede Bahn überall im Netz eingesetzt werden kann", berichtet Standortleiter Rolf Giese. Bahnen, die etwa in Richtung Norden fahren, müssen zudem den Betriebshof im Süden verlassen, um auf die Carl-Metz-Straße zu gelangen. Sie werden zum Schluss auf den Durchfahrtsgleisen zur Wartungshalle abgestellt.

Die sorgfältig vorbereiteten Pläne können aber gänzlich über den Haufen geworfen werden, wenn es zu Problemen kommt: "Wenn eine Bahn durch Verspätungen beim Einrücken an falscher Stelle reinkommt, gibt es Chaos", sagt Giese.

Die Struktur des Betriebsgeländes bedeutet für die RNV viel Logistik- und Rangieraufwand, zumal dort auch alles in die Jahre gekommen ist. So müssen etwa sämtliche Weichen von Hand gestellt werden.

Und auf die neuen, 40 Meter langen und 2,40 Meter breiten Variobahnen ist das Gelände auch nicht ausgelegt. Wenn, wie geplant - ab 2020 neue Fahrzeuge beschafft werden, sind diese mindestens so lang wie die Variobahnen und ersetzen die kurzen Fahrzeuge. Dann dürften die Kapazitäten an der Bergheimer Straße auf keinen Fall mehr ausreichen.

Doch nicht nur beim Abstellen der Fahrzeuge gibt es Probleme: "Die Werkstatt kann nur bis 22 Uhr arbeiten, weil dann die geparkten Bahnen die Werkstattgleise blockieren", erklärt Giese.

Vor allem die langen Variobahnen müssen aber zum Teil gewendet werden, weil die Arbeitsplätze nicht so lang sind wie die Bahnen, auf deren Dach die komplette Technik untergebracht ist.

Auch kann nicht auf jedem Werkstattgleis am Dach und an den Drehgestellen gleichzeitig gearbeitet werden, weil eine Grube fehlt. "Und das andere Gleis hat eine Grube, aber keinen Dacharbeitsstand", erklärt Giese beim Rundgang.

Dass jede Ecke im Betriebshof genutzt wird, zeigen auch die vielen Arbeitsfahrzeuge, die in Ecken und Nischen abgestellt sind. Und wenn im Hof noch alle Busse parken, kann keiner mehr in die Buswerkstatt fahren.

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Den Betriebshof der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH in der Bergheimer Straße gibt es seit 1901/02, sein Vorläufer auf dem Schlossquell-Areal in Bergheim diente ab 1885 der Pferdebahn. Am neuen Standort wurde die heute noch bestehende Wagenhalle mit Werkstätten errichtet. In der 35 Meter breiten und 47 Meter langen Halle fanden damals auf neun Gleisen 31 Wagen Platz. 1915 wurde die Halle erweitert, 1957 kam das östlich angrenzende Gelände des ehemaligen Schlachthofs hinzu. Dort entstand 1958/60 eine zusätzliche Abstellhalle für Straßenbahnen, und auch die Busse zogen auf das Areal an der Bergheimer Straße. 1960 wurde die alte Zufahrt über die Bergheimer Straße aufgegeben und ein Gleisanschluss zur Carl-Metz-Straße eingerichtet. 1965 entstand an der Carl-Metz-Straße - auf der Ostseite des Geländes - eine für die damalige Zeit moderne Wartungshalle mit Waschanlage. 1983 wurde eine neue Buswerkstatt gebaut, die sich östlich an die Abstellhallen der Straßenbahn anschloss. Ein Großfeuer im August 1984 zerstörte vier Straßenbahnwaggons, ebenso die Werkstatthalle mit Schreinerei, Sattlerei und Elektronikwerkstatt. Diese wurden aber 1985 wieder aufgebaut.
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