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Nahverkehr Rhein-Neckar
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jo-ke, Fotofuzzi, Tw237

[DU/MH/E] Straßenbahnvergangenheit und Stadtbahn-Flair: Ein Ausflug ins Ruhrgebiet(mB)

Startbeitrag von Tw237 am 05.03.2017 13:09

Morsche,

gestern war es wieder an der Zeit einen Samstagsausflug zu machen. Die Wahl fiel auf das Ruhrgebiet, wo das einst üppige Straßenbahn-Netz nur noch in Fragmenten vorhanden ist, jedoch ein in den letzten Jahrzehnten ein Stadtbahnnetz entstand. Woraus einst ein großes Schnellbahnnetz entstehen sollte, wurde eine Aneinanderreihung teils fragwürdiger Torsi. Doch gerade das macht eigentlich das Interessante am heutigen ÖPNV-Geschehen im Ruhrgebiet aus.

In Vergleich setzen werde ich einige Aufnahmen aus der heutigen Zeit mit solchen, die Werner Rabe Mitte der 1960er Jahre aufnahm. Also in einer Zeit, wo man - wie teilweise heute auch wieder - damit beschäftigt war moderne Straßenbahnsysteme zu schaffen, die kurz darauf dem Stadtbahn-Dogma geopfert werden sollten.




Bei unserer Ankunft in Duisburg standen wir am derzeit im Umbau befindlichen Bahnhofsplatz vor Gleisen, die aussahen wie neu verlegt. Es handelte sich dabei wohl aber um die 1992 zugunsten des Stadtbahntunnels aufgelassenen Gleise.
Vielleicht lässt man sie in weiser Voraussicht ja liegen ;-)




Werner Rabe erlebte das noch mit Straßenbahn.





Hier bog die Straßenbahn einst in die Innenstadt ein.





Das sah dann so aus





Heute ist die Innenstadt Fußgängerzone. Beim Blick in diesen großzügig ausgebauten Straßenzug kann ich mir nur schwer vorstellen, dass die Straßenbahn hier stören könnte.


Nun standen wir vor einer Herausforderung, die uns einige Nerven kosten sollte: Der Ticketkauf!




Werner Rabe gelang es noch direkt in der Bahn beim Personal den Fahrschein zu lösen, das sicher kompetent in Ticketfragen beraten konnte und noch wie in diesem Fall motiviert in die Kamera strahlte.




Da wir einigermaßen ratlos waren, wäre so ein Fahrkartenverkaufsladen schon super gewesen….






Also ging es an den Automaten. Verteidigend für den VRR muss ich natürlich sagen, dass die Ansprüche an ein verständliches Tarifsystem in einem so polyzentrischen Raum erheblich größer sind als in einzelnen Städten. Unser Ziel war jedenfalls auch in Essen und Mülheim fahren zu können.
Was das jetzt genau kostet, was man an Waben braucht war nicht wirklich zu ergründen.
In der Hoffnung man bekommt eine Preisstufe angezeigt, nutzten wir die Verbindungsauskunft am Automaten. Das Weiteste wäre da wohl „Karlsplatz, Essen“, was uns so direkt einfiel.
Dem VRR erschien es jedoch wohl naheliegender ein Ticket nach Karlsruhe zu verkaufen.


Das Anliegen mit der Verbindungsauskunft scheiterte jedoch, denn bei mehreren Versuchen an mehreren Automaten scheiterte das Ansinnen daran, dass sich die Automatensoftware aufhängte.

Letztendlich entschieden wir uns für ein Ticket, das dann etwa 9 Euro pro Person kostete und hofften dass es reicht.
Damit ist der VRR recht hochpreisig, wenn man bedenkt, dass man für einen Tag München etwa 6-7 und für Nürnberg 4-5Euro zahlt. Also insgesamt mehr so 4-7 Euro :-)




Offenbar gibt es noch immer Probleme mit der Aufrechterhaltung des Fahrplans aufgrund der angespannten Lage bei den Fahrzeugen.






Am Platanenhof verlässt ein Düsseldorfer Wagen wieder den Tunnel, um über einen Umweg die Fahrt nach Düsseldorf anzutreten.




Es ist Samstagmittag, mitten in der Innenstadt. Doch der Andrang ist nicht groß. Aber mehr könnte dieses kleine Fahrzeug auch gar nicht verkraften, denn die Bahnen platzen oft aus allen Nähten.

Und auch wenn ich der Meinung bin, dass Duisburg ohne den Innenstadttunnel wesentlich besser gefahren wäre, liegt der Schluss nicht fern, dass eine Anlage mit dieser Kapazität nicht zwangsläufig überdimensioniert ist für eine so große Stadt – eine 4-Fach-Traktion-B-Wagen im 90 sec-Abstand wäre wohl kein Problem für diese Anlage.
Doch in Duisburg mit etwa einer halben Million Einwohner befördert man gerade einmal 60 Mio. Fahrgäste im Jahr, was der wenig ist. Mannheim ist fast schon halb so groß und befördert mit Bussen und Bahnen auf Stadtgebiet etwa das Anderthalbfache an Fahrgästen.
Dazu kommt, dass etwas mehr als die Hälfte aller Duisburger Fahrgäste mit Bussen transportiert wird. Das lässt vermuten, dass das noch Potential für die Bahn besteht. Ein Potential, das auch zu einer Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der zentralen Abschnitte im Netz führen würde.





In Meiderich liegt die neue Station etwas günstiger zur Bebauung als die alte Streckenführung der Straßenbahn. Darüber entstand ein vorbildlicher Verknüpfungspunkt mit den Bussen, der leider auch das „spezielle Publiukum“ zum Verweilen einlädt.




Hier verlässt die aus der Innenstadt kommende Bahn den Tunnel wieder. Einstmals nur als Provisorium gedacht.






An der Haltestelle „Auf dem Damm“ hält die Bahn noch mal, bevor die ausgedehnten Hafenanlagen unterfahren werden.

Es gibt wenige Stadtbahntunnel, die wirklich zu massiven Fahrzeitersparnissen führten, doch das ist einer davon. Eine Aufgabe des Innenstadttunnels wäre wenig bedauerlich, doch dieser Tunnel wäre im Schließungsfalle ein echter Verlust.
Bevor dieser Tunnel eröffnet wurde, waren die Fahrgastzahlen noch niedriger. Diese Investition in den Nahverkehr scheint sich ausgezahlt zu haben.






Noch als man den Tunnel im Jahr 2000 eröffnete, war der Traum von der Stadtbahn noch nicht ganz ausgeträumt, wie dieses Wandbild mit einer Unterfahrung des Rheins nach Moers zeigt.





Nächste Station war der Duisburger Süden….






… wo sich der Geisterbahnhof Angerbogen befindet, der aufgrund der ungünstigen Lage zur tatsächlich realisierten Bebauung nie eröffnet wurde.
Wobei er mir jetzt subjektiv gar nicht mal so ungelegen erschien.






Stattdessen hat man einen neuen Bahnhof am Fuß der Rampe eingefügt, die hier gerade von einem Duisburger Wagen angefahren wird.




Für die Rückfahrt bekamen wir einen Düsseldorfer Wagen. Unser Glück, denn der Pflegezustand der Düsseldorfer ist erheblich besser als der der Duisburger.





An der Haltestelle Kremerstraße überrascht dieses Signal, das jedoch nicht zur Stadtbahn gehört, sondern zu einer abgebauten Eisenbahnstrecke.





Aber der Haltestelle Kremerstraße erreicht man das Stadtzentrum in 700 m – Allerdings zu Fuß. Oder eben per Bus, dem man jedoch nicht einmal die alte Straßenbahntrasse zugesteht. Denn die benötigt man als Parkplatz. Die Stadtbahn fährt nun einen ca. 2 km langen Umweg, um in den Tunnel zu kommen.




Nächste Station war Mülheim, wo am Betriebshof gerade ein neuer Niederflurzug den Tunnel verlässt. Schön ist er ja… aber dazu unten mehr…


In den Betriebshof selbst durften wir dankenswerterweise auch einen Blick werfen:




Ein MGT6D wartet auf neue Gestelle. Dahinter ein Teilespender auf Bochum




BTW: Leider habe ich es nicht fotografiert, aber rechts davon liegt noch ein Regelspurgleis. Wozu ist das gedacht?
Die Halle war zwar mal ein Bundesbahn-BW, aber dass das Gleis aus dieser Zeit stammt kann ich mir nicht vorstellen, denn für den Eisenbahn Betrieb schien mir das Rillenprofil zu schmal.







Einen sehr gepflegten Eindruck machte dieser M6. Ob er der nächste Museumswagen wird?





Zum Schluss noch ein Blick in die historische Ecke.






Direkt vorm Betriebshof kann man in den Bus steigen, um in die Innenstadt zu gelangen.





Früher ging das noch mit der Straßenbahn





Nur wenige Meter weiter befindet sich aber schon die Ruhrbrücke und der Eingang zur Innenstadt

Die Gleise sind jedoch nur noch Betriebsstrecke zur Anbindung des Betriebshofes. Die Linienzüge unterfahren die Ruhr hier heute im Tunnel.





Werner Rabe erlebte das noch mit Planverkehr und Vierschiengleis.





Am Schloss Broich gingen wir wieder in den Untergrund.
Was Duisburg im tatsächlichen Betrieb zu viel hat fehlt hier: Bahnsteiglänge. Die kurzen Hochbahnsteige auf der Innenstadttunnelstrecke verhindern eine Durchbindung der U18 in die Stadtmitte.
Doch die Hochbahnsteige zeugen davon, dass man noch in den 90ern davon ausging die U18 bis Duisburg durchzubinden, was auf die Anhebung des Gesamtbahnsteiges hinausgelaufen wäre, aber auch auf eine Umstellung des Uhlenhorster Astes auf Regelspur.




Doch die Euphorie des Stadtbahnbaus ist längst der Realität einer Tropfsteinhöhle gewichen.




Da die Mülheimer Nord-Süd-Strecke nicht in den Tunnel einzubinden war, blieb sie an der Stadtmitte oberirdisch. Immerhin legte man sie nicht still, war klar für den Fahrgast spricht.
Stellt sich bloß die Frage, was man im Endausbau des Stadtbahnbaus damit gemacht hätte?





Wie mir gestern, rollte Werner Rabe „vorgestern“ ein Oberhausener Wagen vor die Linse.








Anderer Blickwinkel, anderer Sechsachser.





Und damals…









Stadtmitte ohne Kaufhof





Und mit Kaufhof. Man beachte den Abzweig in die heutige Fußgängerzone.




Am Kaiserplatz neulich und vor 14 Tagen:




















Am Hauptbahnhof tauchen auch die Busse ab. Einst nutzten auch die Straßenbahnen diesen Tunnel als Provisorium.





Zwei träumen von der Stadtbahn Rhein-Ruhr. Sie hat es erfasst!








Mit der 102 fuhren wir nach Oberdümpten, um den neuen NF2 zu testen.




Die Fahreigenschaften sind gut, wie man das von einem Drehgestellwagen gewohnt ist und optisch sind die Wagen auch nett anzusehen.





Doch der Blick in den Innenraum zeigt ein Manko: Die Kiste ist viel zu eng.







So sieht das im Betrieb aus. Und ich kenne nochmal erheblich adipösere Menschen als die beiden, die hier den Durchgang versperren.
Mit gerademal 41 cm Sitzbreite und 48 cm Durchgang sitzt man leider nicht gerade komfortabel.





An diesem 80er-Jahre-Bahnof sind wir umgestiegen, um nach Essen zu gelangen.





Doch die Fahrt nach Essen gestaltete sich nicht gerade einfach. So strandeten wir erstmal an der Stadtgrenze. Eine Verbindung auf Essener Gebiet gibt es nur halbstündlich, wobei auch hier nicht durchgefahren wird, sondern ein Umsteigezwang besteht. Hier wurden in einem zusammenhängenden Netz künstliche Barrieren geschaffen, die es für den Fahrgast nicht einfacher machen den ÖPNV zu nutzen.



So haben Mülheim wieder verlassen, das schon wieder einen gepflegteren Eindruck machte als noch vor einigen Jahren. Dazu haben insbesondere sanierte Infrastruktur und die neuen Fahrzeuge beigetragen. Die Tunnelstrecken machen jedoch weiterhin einen verfallenden Eindruck.
Mit etwas Glück trennt man sich vom wenig glückvollen und teuren Ruhrtunnel und holt die Straßenbahn wieder hoch um aus ihr ein modernes, kundenfreundliches Verkehrssystem zu machen.

Auf der Innenanzeige des Mülheimer Wagens wirbt man noch mit einer Straßenbahn vor Bahnhof Styrum, die bereits durch den Dieselbus abgelöst wurde.




Er hier brachte uns dann nach Essen.





Erstes Ziel war die „dauerprovisorische“ Rampe am Aalto-Theater.




Eigentlich wollten wir in den Essener Stadtteil Suddenrath fahren, den wahrscheinlich jeder Tatort-Fan kennt, doch der Fahrt wusste auch nicht, welche Bahn wir da nehmen müssen.
Also kehrten wir zum Bahnhof zurück.




Werner Rabe schaffte es noch hier eine Straßenbahn abzulichten.





Einmal gedreht:










Nächter Halt war der Berliner Platz.


Etwas weiter gelegen ist der Limbecker Platz:






Dass in dieser Altstadtgasse die Bahn unter die Erde musste, liegt auf der Hand. In diesem engen Sträßchen mag man sich die Straßenbahn heute gar nicht mehr vorstellen….




Und um die Ecke rum zeugen Gleisreste noch von der Zeit, als der Stadtring noch direkt an die westlichen Stadtteile angebunden war.





Um 20:13 stand ab Duisburg die Rückfahrt auf dem Programm. Mit diesem Bild, das beim Umsteigen in FraFlu entstand beende ich den heutigen Bericht.



Bis demnächst!


Alla hopp!

Antworten:

Danke, datt Du uns datt alle jezeicht hast. Insbesondere, datt de Kaufhof gez weg is, enne wichtige Neuigkeit. Erinnert irgendwie an Berliner Platz LU.
Ja, es gibt schon eine Menge Bausünden und Torsi in meinem heimischen Ghetto. Du hättest vielleicht noch die Dauerbaustelle Brücke Ruhrorter Straße im Berufsverkehr zeigen können, aber nicht am Samstag natürlich.
Die gestern-heute Gegenüberstellungen sind immer sehr interessant.

von Fotofuzzi - am 08.03.2017 18:58
Kremerstrasse bin ich als eingestiegen und nach Düsseldorf gefahren. Auf der Heimfahrt gab es dann noch ein Alt im Speisewagen des B Wagens.

von jo-ke - am 20.03.2017 09:40
Duisburg HBF



von jo-ke - am 20.03.2017 09:45
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