Drei Tage unterwegs mit der HSB – Teil 3

Startbeitrag von Heidelberger Straßenbahner am 04.06.2017 10:24

Heute also der letzte Tagesbericht über die HSB. Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass noch eine Fahrzeuggattung fehlt – die Dieseltriebwagen!

Eigentlich sei ich „ja genug Eisenbahn gefahren“, so zumindest die Meinung meiner Frau. Und irgendwo hatte sie ja auch recht, wir waren ja zum urlauben hier und wollten etwas von der Gegend sehen.
Zur Gegend gehört mehr oder weniger auch eine Stadt: Und hier empfahl uns unsere Wirtin Quedlinburg.

Alles in Allem sehr empfehlenswert,wenn man Städte und (unheimlich viele) Fachwerkhäuser mag.

Und hier muss einmal gesagt werden; unser Soli wurde vernünftig angelegt! Auf einigen Bildern, habe ich gesehen, wie die Stadt vor der „Wende“ ausgesehen hat. Dort standen (und wurden bewohnt!) Häuser – in der (damaligen) BRD hat man in den 60er und 70er Jahren Häuser mit weit besserer Substanz dem Erdboden gleichgemacht!

Aber – das ist ja „Schnee von gestern“.

Irgendwann hatten wir wohl alle Fachwerkhäuser gesehen (oder meinten es zumindest) Kaffee & Kuchen (lecker!) war auch erledigt und meine Frau wandte sich langsam aber sicher den Geschäften zu (grausam – für mich).

Gut, dass war jetzt eine lange Einleitung, aber sei's drum. Ich möchte ja nicht, dass der geneigte Leser uninformiert am Ende meines Berichtet angelangt ist und sich fragt, wie ist er (also ich) denn jetzt hier hin gekommen.

Fredl Fesel erklärte seine Lieder auch umfangreich und einmal erwähnte er vor einem Lied, dass die Erklärungen vorher meist besser seien, als die Lieder selber.

Aber zurück zur HSB:

Irgendwann (beim Einkaufsbummel – wir erinnern uns) fiel der Satz, dann mach doch, was dir Freude macht. Also schnell die Gelegenheit beim Schopfe gepackt.
Kurz vor 18:00 Uhr sollte der letzte Zug von Quedlinburg Richtung Nordhausen fahren. Ich begab mich fußläufig zum Bahnhof, und erbat am DB-Fahrkartenschalter (ja, erstaunte mich auch, dass es so etwas noch gibt, leider vergaß ich ein Erinnerungsfoto) einen Fahrschein nach Stiege. Und hier wird es interessant:
Einzelfahrt 24,-- €
Drei Tage Selketalbahnticket 17,--€

Da fiel die Wahl nicht schwer :--D



Am Bahnsteig stand dann zu meiner großen Freude der Tw 187 011-2. Dieser (und ein Weiterer) wurde 1955 für die Kreis Altenaer Eisenbahn AG von Talbot gebaut. Nach Stilllegung der KAE wurden beide verkauft.
Nach einem Aufenthalt bei der Inselbahn Langeoog werden Dieser und ebenfalls der Zweite (von der Inselbahn Juist → 187 013) seit 1995 im Harz eingesetzt.

Ah, und bevor einige Streckenkundige Protest einlegen: Mein Bild zeigt den Tw im Bahnhof Eisfelder Talmühle ein paar Tage zuvor!

Im Bahnsteig war ich der einzigstes Reisewillige. Beim einsteigen fragte ich den „Kollegen“, ob das Umsteigen in Alexisbad klappen würde. Ich käme auch aus einem Nahverkehrsunternehmen und könne aus Erfahrung sagen, dass bei uns 3 Minuten zum umsteigen nicht immer reichen würde.

Klappt schon, bekam ich zur Antwort.

Ich outete mich und fragte, ob ich den Führerstand und im Wagen fotografieren dürfe – durfte ich → siehe die beiden folgenden Bilder:





Auf die freundliche Frage woher ich den komme, antwortete ich natürlich gerne. Zufällig hatte ich ein paar Bilder unserer Fahrzeuge auf meinem Telefon, so dass die Zeit bis zur Abfahrt sehr kurzweilig wurde.
Auch erfuhr ich einiges Interessante über die Strecke.



Nach der Fahranfrage (Zugleitbetrieb) bekam der Zug die Freigabe bis zum Bahnhof Mägdesprung. Unterwegs passierten wir Haltepunkte mitten im Wald gelegen, die für mich nur anhand des Stationsschildes als solche erkennbar waren.

Im Kreuzungsbahnhof angekommen, warteten wir einige Zeit auf den Gegenzug. Bei dessen Ankunft gab mein Triebwagenführer die Ankunftsmeldung ab und stellte die Fahranfrage, danach stieg er aus und lief davon. Bei der Gelegenheit entstand der oben gezeigte Schnappschuss – Zeit hatte ich ja – alleine + ohne Fahrer!

Eine gefühlte Ewigkeit verging, bis „mein“ Triebwagenführer und die Dampfzugmannschaft ihre Dienstgespräche (inklusive einiger Umarmungen der Schaffnerinnen) beendet hatten. Beim einsteigen erklärte er mir, dass mit 10 Minuten Verspätung der Anschluss in Alexisbad wohl „in die Hose“ ginge.

Auch gut → dann müsse meine Frau mich eben dort abholen. Er grinste, und erklärte, dann solle „er“ eben warten. Auf der Fahrt führte er weiter aus, dass er ja an jedem Haltepunkt, an dem er durchfahren kann, eine Minute einspare - die Fahrgastanzahl hatte sich bis jetzt noch nicht erhöht (und blieb bis zum Ende der Fahrt auch konstant).

Dass der Tw auf uns gewartet hat, ist auf dem nächsten Bild gut zu erkennen.



Natürlich auch hier zuerst eine Außenaufnahme des Tw, ebenfalls in Eisfelder Talmühle 2 Tage vorher aufgenommen:



Weiter ging es für mich mit dem Tw 187 016-1, einem der vier, 1999 vom DB Werk Halberstadt für die HSB gebauten Triebwagen.
Auch hier war ich – und blieb – der einzige Fahrgast. Entsprechend wurde ich auch vom Fahrer begrüßt, und durfte Innenaufnahmen anfertigen. Lediglich beim Fahrerstand bat er mich „den anderen“ zu nehmen, den „der wäre aufgeräumt“.



Auf meine Frage, dass mir jetzt nur noch der Vorserien-Tw (Wittenberger Prototyp 187015-3) fehlen würde, erklärte er mir,dass dieser nach Fristablauf abgestellt sei und wohl nicht mehr in Betrieb genommen werde.
Die Antwort auf der Frage nach dem Warum ist in diesem Forum leider nicht druckbar.


Über den Bahnhof Friedrichshöhe (das dazugehörige Dorf liegt relativ nahe an der Strecke, nur etwa 800 entfernt) → → → → →



→ → → → → und den Haltepunkt Albrechtshaus – hier hätte er wohl seit 10 Jahren nicht mehr gehalten (O-Ton des Tw-Führers) - → → → → →



→ → → → → gelangten wir an mein Fahrziel Stiege.

Ich verabschiedete und bedankte mich bei ihm.

Selten erlebte ich bei einem Verkehrsunternehmen so viele nette und zuvorkommende Mitarbeiter, die geduldig auf alle Fragen antworteten und keinesfalls mürrisch oder unhöfliche Antworten gaben.
Lediglich einen, den ich aber eher als „Maulfaul“ bezeichnen würde, ich mir begegnet. Dies mach aber bei 249 Mitarbeiten lediglich 0,4 % aus, damit kann man leben.

Man(n) – und da nehme ich mich mal nicht aus – sollte sich ein Beispiel daran nehmen! Frau übrigens auch!

Schade, dass die Fahrt für mich vorbei war, gerne wäre ich weiter mit gefahren, zumindest bis Eisfelder Talmühle.
Aber draußen wartete bereits meine bestellte Weiterfahrt. Ich wunderte mich, dass Diese schon hier war, aber auch in Quedlinburg schließen die Geschäfte um 18:00 Uhr.

Eigentlich dachte ich, dass der Triebwagen durch die, vor einigen Jahren extra für die Güterzüge angelegte, Wendeschleife fährt, aber nach Überqueren des Bü setzte der Fahrer um. Ob es dort umsetzten oder umstecken heißt müsste ich ggf. bei einem weiteren Besuch klären. Warum er nicht im Bahnhof direkt die Fahrtrichtung gewechselt hat natürlich auch.

Schon mal ein Grund wiederzukommen.



Da meine drei Schilderungen leider gänzlich ohne das obligatorische Busbild auskommen mussten, verabschiede ich mich wenigstens mit einem Bild einer mitten im Wald liegenden Haltestelle in minimaler Ausführung, sogar ohne den obligatorischen Mülleimer.



P.S.: Warten auf einen Bus (man hat ja einige Erfahrung) wollte ich hier jedenfalls nicht.



Salü Erhard

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