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Forum:
Nahverkehr Rhein-Neckar
Beiträge im Thema:
4
Erster Beitrag:
vor 1 Monat, 2 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 1 Monat, 2 Wochen
Beteiligte Autoren:
Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R., Heidelberger Straßenbahner

Unterwegs mit dem Heidelberger Straßenbahner

Startbeitrag von Heidelberger Straßenbahner am 23.10.2017 17:35

Von nun an geht’s bergab, genau wie in dem gleichnamigen Lied der Neuen Deutschen Welle. Ich erinnere mich noch gut an den Abschlussball meiner Tanzstunde auf dem Heidelberger Schloss, da wurde die Musik ständig gespielt.

Ist aber „schon ein paar Jahre her“, dem Interpret habe ich leider vergessen. Die meisten hatten damals eh' nur ein oder zwei Titel.
Aber dies ist eine andere Geschichte, die soll ein andermal erzählt werden – und höchstwahrscheinlich nicht in diesem Forum.

Der Kulminationspunkt (wer dieses Wort „erfunden“ hat war wahrscheinlich besoffen – oder Ingenieur) liegt im 1874 m langen Tunnel kurz vor dem Portal der Station Muttbach-Belvedere. Befanden wir uns bei der Einfahrt (in den Tunnel) mit 2160 müNN der höchste Alpendurchstich der Schweiz) noch im Kanton Uri, ist mein erstes Bild für heute im Wallis aufgenommen:



Die HG 3/4 Nr. 1 Furkahorn warten geduldig, bis unser Zug den Tunnel verlassen hat (die Fahrgäste übrigens auch).

Nun ein klein wenig Geschichte:1913 wurde diese Lok mit weiteren 9 Baugleichen in Winterthur für die Brig-Visp-Zermatt-Bahn gebaut. Nach der Elektrifizierung der Strecke im Jahre 1947 verkaufte die BVZ diese nach Vietnam. In den 1970er-Jahren wurde die Strecke eingestellt. Die nicht mehr benötigten Lokomotiven wurden in einem Lokschuppen und entlang einer Strecke abgestellt.
Unter riesigem Medieninteresse (und 3 Millionen Schweizer Franken) konnten 1990 zwei komplette Lokomotiven sowie brauchbare Teile zwei weiteren wieder zurück in die Schweiz geholt werden. Gleichzeitig wurden zwei von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) direkt nach Vietnam gelieferte HG 4/4-Dampfloks ebenfalls gekauft und mit in die Schweiz genommen.

Nach so viel Text nun wieder einige Bilder:



Endlich wieder Büsche und Bäume: Dass sich auch in der Schweiz nicht jeder an rote Ampeln hält zeigt mein Foto des Bahnübergang Muttbach – also kein Deutschland-Phänomen (und nein - war keine Ausnahme ich habe dies noch mehrere Male beobachtet).

Langsam näherten wir uns dem Höhepunkt der Fahrt: Ein Blick auf den Rhonegletscher – oder besser gesagt, auf die Rhonefelsen. Den Gletscher kann man (vom Zug aus) schon seit vielen Jahren nicht mehr sehen. Und den Rest wohl auch nicht mehr lange – spätestens 2030 sollen alle Schweizer Gletscher geschmolzen sein. :-/



Auch hier hatte der Zugchef eine Anekdote parat: Da alle Fahrgäste den Gletscher sehen wollen, und dazu auf einer Seite der Wagen stehen, besteht die Gefahr, dass diese umkippen. Aus diesem Grund zieht sich der Gletscher zurück und kommt erst abends nach Betriebsschluss wieder.

Böse Zungen behaupten, in Deutschland sei alles geregelt. Ob an einer vergleichbaren Stelle hier auch ein Andreaskreuz (oder heißt das bei den Eidgenossen anders), stehen würde?





Immer weiter ging es bergab, von weitem war schon Gletsch zu sehen, dass eigentlich ausschließlich aus dem Hotel Glacier du Rhône (Rhonegletscher) der Familie Sailer zu bestehen scheint.



Offenbar ist die Gefahr der Lawinen kurz vor Gletsch geringer, vereinzelt stehen noch die Masten, die einst die Fahrleitung trugen.

In Gletsch hatte unser Dampfross wieder Durst. Für mich eine willkommene Gelegenheit die Beine zu vertreten und zu fotografieren: Ich war doch sehr überrascht von dem Umfang der Bahnanlagen der aus einer ehemaligen Pferdewechselstation hervorgegangenen Siedlung.
Wenn man bedenkt, dass hier nur nur in den Sommermonaten von Juni bis September Jemand wohnt, ist es für mich noch unvorstellbarer, dass hier ein so großes Hotel gewinnbringend betrieben werden konnte (und neuerdings wieder kann).





Vor der Motorisierung des Straßenverkehrs dauerte eine Fahrt mit der Kutsche von Brig über die Furka nach Göschenen rund zwölf Stunden. Ein Hotel mit Übernachtungsmöglichkeit bot sich an so einer exponierten Lage (Verzweigungen der beiden Passtrassen Grimsel und Furka) zur Einnahme von Mahlzeiten und Übernachtung regelrecht an.



Bei der Abfahrt aus Gletsch kann der geneigte Reisende nochmals den (Rest) des Rhonegletschers sehen. In der Bildmitte (in einer Linie über der Lärche) übrigens das Hotel Belvédère, dass vom Waliser Bote 1938 als „der vielleicht zeitweise größte Gasthof der Schweiz“ bezeichnet wurde.

Im Bahnhof wartet die HGm 4/4 der MGB, die den letzten Zug des Tages nach Realp DFB bespannen wird.

Nach dem 578 m langen Gletsch-Kehrtunnel und dem anschließenden Rottenviadukt fährt der Zug durch herrliche Kiefernwälder.



Dem Betrachter fällt bei näherem Hinsehen vielleicht die Berieselungsanlage rechts der Strecke auf. Um die Waldbrandgefahr zu verringern wurde diese errichtet. Rechtzeitig bevor der Zug durchfährt, wird diese abgestellt. Falls dies einmal vergessen werden sollte, würden in der Station Oberwald Handtücher bereitgehalten werden.

So jedenfalls die Ankündigung des Zugchefs.



Die in den Wintermonaten ab Oberwald nach Gletsch und zu den Pässen gesperrte Straße wird auf dem 86 m langen Lammenviadukt überquert.

Noch ein wenig Geschichte: Nach einem schweren Unfall bei Schneeräumarbeiten auf der Bergstrecke im Juni 1963 verlangte man im Wallis eine wintersichere Verkehrsverbindung in den Kanton Uri. Die Kostenschätzung 1970 für den Bau des Furka-Basistunnels betrug 74 Mio. Franken

Wegen problematischer geologischer Verhältnisse beim Bau verzögerten sich die Arbeiten. Auf der Urner Seite musste das Portal verlegt werden, der Tunnel wurde länger als geplant. Die Gesamtkosten für den Basistunnel beliefen sich schließlich auf 318,5 Millionen Schweizer Franken, vier Mal soviel wie geplant, in der Presse sprach man nur noch vom Urner Loch.



Nach der Ausfahrt aus dem 15,36 km langen Basistunnel führt die Strecke über den Goneribach und verschwindet im 672 m langen Umgehungstunnel, der unmittelbar beim Bahnhof Oberwald endet.

Der Basistunnel ist eingleisig und verfügt über zwei automatische Kreuzungsstationen. In der Tunnelmitte sollte (irgendwann einmal) über den 5,2 km langen Baustollen eine Strecke ins Tessin gebaut werden. Aus finanziellen Gründen unterblieb der Ausbau bisher.

Hier endet meine heutige Schilderung, die doch sehr textlastig war. Unsere Weiterreise von Oberwald nach Brig folgt an einem anderen Tag.

Salü Erhard

Antworten:

Du hats wohl was verkehrtwechselt...

"Es geht voran!"---> [youtu.be] von Fehlfarben. NDW pur.

"Von nun an geht's bergab" ist jedoch von Hildegard Knef ----> [youtu.be]

Und die ist nun wirklich nicht der NDW zuzuordnen. ;)

von Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R. - am 24.10.2017 06:01
Ja, der erste Song war es - warst Du auch bei Nutzinger in der Tanzstunde? :grins:


Salü Erhard

von Heidelberger Straßenbahner - am 24.10.2017 15:40
Ja, aber ohne meßbaren Erfolg.
Und wohl etwas später. :joke:

von Heinrich Fuchs, Fabrikant i.R. - am 25.10.2017 07:45
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