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Nahverkehr Rhein-Neckar
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Erster Beitrag:
vor 3 Monaten, 1 Woche
Letzter Beitrag:
vor 3 Monaten, 1 Woche
Beteiligte Autoren:
Heidelberger Straßenbahner, Sandhase, Lokleitung

Unterwegs mit dem Heidelberger Straßenbahner

Startbeitrag von Heidelberger Straßenbahner am 13.11.2017 19:18

Heute berichte ich von unserer Fahrt mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn von Oberwald nach Brig:

Im Gegensatz zum Bahnhof Realp DFB ist der Endpunkt der Furka-Bergstrecke in Oberwald eher bescheiden, er besteht lediglich aus einem Umfahrgleis - ein Bahnhofsgebäude fehlt. Für das drehen der Dampfloks ist eine Drehscheibe mit ein paar Stumpfgleisen vorhanden. Als Warteraum steht ein Personenwagen am Gleisende. Für das Personal wurde im Bereich der Drehscheibe eine kleine (allerdings sehr schöne) Holzhütte erstellt.

Dafür liegt er aber gleich gegenüber des Bahnhofes der MGB und ist ohne großen Fußweg zu erreichen. In diesem entstand mein Foto eines Pendelzuges, gezogen von der Deh 4/4 Nr. 91. Nach dem Fahrgastwechsel fährt er durch den Furka-Basistunnel bis nach Andermatt.



Wir hatten noch ca. 30 Minuten Zeit, bis unser Zug nach Brig fahren würde, genug Zeit, sich umzusehen. In der Nähe des Bahnhofes entdeckte ich meine Lieblingswerbung – nur Uwe Ochsenknecht fehlte, ob er inzwischen aufgegeben hat, das Geheimnis des Käse zu lüften?



Nun etwas Geschichte: Die Furka-Oberalp-Bahn (FO) betrieb die 97 km lange Verbindung zwischen Disentis und Brig. Sie führte über den Oberalppass und (wir wissen es bereits) bis 1982 auch über die Furka. Eine knapp 4 Kilometer lange (die früher selbstständige Schöllenenbahn) Strecke verbindet Göschenen mit Andermatt.
Am 01. Januar 2003 fusionierte sie mit der Brig-Visp-Zermatt-Bahn (BVZ) zur Matterhorn-Gotthard-Bahn.

Obwohl 2022 auch in der Schweiz immer näher rückt, ist man (auch in diesem Lande) noch weit von der Barrierefreiheit entfernt. Besonders die Haltepunkte sind noch nicht ausgebaut. Vielleicht zählt bei den Eidgenossen ein anderes Datum – oder es gibt Ausnahmen.



Und was bei der Modellbahn eigentlich als Fauxpas zählt, ist in der Schweiz möglich!



Die Fahrt auf dieser Strecke ist einfach empfehlenswert, natürlich nur wenn man die Schweiz mag. Wir fuhren durch eine Bilderbuchgegend, eigentlich fehlte nur noch, dass unterwegs die Heidi und der Gaisenpeter zusteigen – das hätte die Illusion perfekt gemacht.





In Brig angekommen, entschieden wir uns spontan (Gut – wir haben dies schon während unserer Fahrt in Erwägung gezogen – aber „spontan“ klingt in einem Reisebericht weit aus besser), nach Zermatt zu fahren.

Zwischen Fitsch und Zermatt fahren meist die 2008 bei der Stadler Busnang AG hergestellten, modernen
ABDeh 4/8 Pendelzüge. Verstärkt sind diese mit zwei kurz gekuppelte Niederflurwagen, die an einem Ende ein Steuerabteil besitzen:





Sehr zu unserem Leidwesen lässt sich in den vollklimatisierten Wagen kein Fenster öffnen.

Auch hier etwas Geschichte: Die Brig-Visp-Zermatt-Bahn (BVZ) betrieb seit 1891 die 44 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen dem autofreien Urlaubsort Zermatt und Brig.
Der frühere Kopfbahnhof beider Bahngesellschaften auf dem Bahnhofsvorplatz wurde – irgendwann vor der Jahrtausendwende - mit einer anderen Einführung der Strecke aus Andermatt in einen Durchgangsbahnhof umgebaut. Dadurch entfielen die umständlichen Rangiervorgänge mitten im IV-Verkehr.

Da es leider während der Fahrt anfing zu regnen (somit wäre "Fenster auf" sowieso entfallen), habe ich von diesem Streckenabschnitt keine Bilder, zumindest keine vorzeigbaren.



Dafür aber eines der Triebwagen – mit Steuerwagen – im Endbahnhof Zermatt. Ein Bummel durch das Bergsteigerdorf ist quasi Pflicht – man trifft alle möglichen Leute und Nationalitäten, nur eben keine Bergsteiger! Unser Reiseleiter versuchte uns mit „weiter hinten wird es ruhiger, da ist noch das ursprüngliche Zermatt", zu motivieren! Irgendwann hatte der Regen die beste Absicht fortgespult - oder wir waren eben "nicht weit genug hinten". Ich hatte gerade noch so viel Elan, dass im Nebel verschwindende Matterhorn bildlich festzuhalten.



Das letzten Bild (für heute) bringt meine Gemütsverfassung recht deutlich zum Ausdruck. Ich war froh, dass ich wieder im Zug nach Brig saß und dachte: „ Hier musst du nicht mehr her“ - obwohl ich die Strecke gerne noch einmal bei schönem Wetter fahren würde, nur aussteigen werde ich in Zermatt nicht mehr!





Salü Erhard

Antworten:

Interessanter Bericht. Und die Stadlerkiste in Bild 7 ist für ein Schweizer Fahrzeug ja ausgesprochen schön geraten :gut:

Und zur Barrierefreiheit 2022 - das stammt aus dem deutschen Personenbeförderungsgesetz und gilt nur für den ÖPNV. Für den Fernverkehr und für das Ausland ist das Datum nicht relevant. Aber für Schweizer Verhältnisse sind das abgebildete ja geradezu Hochbahnsteige.

Ich zitiere mal:
Zitat
PBefG § 8
(1) Öffentlicher Personennahverkehr im Sinne dieses Gesetzes ist die allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Straßenbahnen, Obussen und Kraftfahrzeugen im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen. Das ist im Zweifel der Fall, wenn in der Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit eine Stunde nicht übersteigt.

(2) Öffentlicher Personennahverkehr ist auch der Verkehr mit Taxen oder Mietwagen, der eine der in Absatz 1 genannten Verkehrsarten ersetzt, ergänzt oder verdichtet.

(3) Für die Sicherstellung einer ausreichenden Bedienung der Bevölkerung mit Verkehrsleistungen im öffentlichen Personennahverkehr sind die von den Ländern benannten Behörden (Aufgabenträger) zuständig. Der Aufgabenträger definiert dazu die Anforderungen an Umfang und Qualität des Verkehrsangebotes, dessen Umweltqualität sowie die Vorgaben für die verkehrsmittelübergreifende Integration der Verkehrsleistungen in der Regel in einem Nahverkehrsplan. Der Nahverkehrsplan hat die Belange der in ihrer Mobilität oder sensorisch eingeschränkten Menschen mit dem Ziel zu berücksichtigen, für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs bis zum 1. Januar 2022 eine vollständige Barrierefreiheit zu erreichen. Die in Satz 3 genannte Frist gilt nicht, sofern in dem Nahverkehrsplan Ausnahmen konkret benannt und begründet werden. Im Nahverkehrsplan werden Aussagen über zeitliche Vorgaben und erforderliche Maßnahmen getroffen. Bei der Aufstellung des Nahverkehrsplans sind die vorhandenen Unternehmer frühzeitig zu beteiligen; soweit vorhanden sind Behindertenbeauftragte oder Behindertenbeiräte, Verbände der in ihrer Mobilität oder sensorisch eingeschränkten Fahrgäste und Fahrgastverbände anzuhören. Ihre Interessen sind angemessen und diskriminierungsfrei zu berücksichtigen. Der Nahverkehrsplan bildet den Rahmen für die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Länder können weitere Einzelheiten über die Aufstellung und den Inhalt der Nahverkehrspläne regeln.

...


(Hervorhebungen von mir)

von Lokleitung - am 13.11.2017 22:37
Das Bild mit dem Verhältniss Zug/Bahnsteiglänge kann ich noch toppen - aber erst in einigen Berichten :xcool:


Salü Erhard

von Heidelberger Straßenbahner - am 14.11.2017 16:39
Zitat
Heidelberger Straßenbahner
Der frühere Kopfbahnhof beider Bahngesellschaften auf dem Bahnhofsvorplatz wurde – irgendwann vor der Jahrtausendwende - mit einer anderen Einführung der Strecke aus Andermatt in einen Durchgangsbahnhof umgebaut. Dadurch entfielen die umständlichen Rangiervorgänge mitten im IV-Verkehr.


Naja, der Umbau war Ende 2007...


Zitat
Heidelberger Straßenbahner


Ohne Nebel sieht es dort so aus:


Zitat
Heidelberger Straßenbahner
Das letzten Bild (für heute) bringt meine Gemütsverfassung recht deutlich zum Ausdruck. Ich war froh, dass ich wieder im Zug nach Brig saß und dachte: „ Hier musst du nicht mehr her“ - obwohl ich die Strecke gerne noch einmal bei schönem Wetter fahren würde, nur aussteigen werde ich in Zermatt nicht mehr!


Das würde ich mir aber nochmal überlegen. Mir hat Zermatt immer gut gefallen, im Gegensatz zu St. Moritz. Wobei mir die Anfahrt nach St.Moritz
über die Albulabahn besser gefallen hat, von der Berninabahn mal ganz zu schweigen. Aber die Gornergratbahn ist auch nicht ohne.

von Sandhase - am 14.11.2017 20:37
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