Umbauwagen der MVG

Startbeitrag von Triebzug 420 am 20.01.2018 16:03

Hallo,

der heutige Beitrag stellt die 5 Umbauwagen der MVG, die 1953 bis 1956 entstanden sind , vor.

Nach dem 2. Weltkrieg beschaffte die MVG zur Verjüngung des Fahrzeugparkes 2x Verbandxswagen (55 Triebwagen und 53 Beiwagen). Außerdem wurden 5 Triebwagen der Baujahre 1910 und 1913 umgebaut. Sie erhielten neue Platformen, die denen der Verbandswagen ähnelten. 2 Wagen erhielten außerdem einen neuen Wagenkasten, der aber kürzer war als der der Verbandswagen .

Nachfolgend einige Bilder und Informationen zu den 5 Triebwagen:

Bild1



Tw 164 am 20.1.63 in der Hst Planetarium. Die Umbauwagen verkehrten meistens solo auf den Linien 1/2 und 21/22.
Der Tw wurde 1966 in 234 umnumeriert und 1973 verschrottet.


Bild 2



Tw 164, jetzt Tw 234 am 17.8.67 im Betriebshof Möhlstraße.
Dieser Tw hatte einen neuen Wagenkasten erhalten.


Bild 3



Tw 235(ex 170) rückt an 20.11.67 nachmittags zum Einsatz auf der Linie 22 aus. Auch dieser Tw erhielt einen neuen Wagenkasten.


Bild 4



Tw 235 wurde als einziger noch als Arbeitswagen eingesetzt (aufgenommen im Oktober 1980 im Betriebshof Möhlstraße).
Der Triebwagen wurde 1996 verschrottet.


Bild 5



Tw 181 am 20.1.63 in der Hst Planetarium.


Bild 6



Derselbe Triebwagen, aber jetzt als 236, aufgenommen am 20.11.67 beim Ausrücken.
TW 236 wurde 1970 zerlegt.


Bild 7



Tw 196 am 20.1.63 in der Hst Planetarium.


Bild 8



Tw 196 am 1.5.63 als Linie 2 in der später abgebauten Endstelle am Hauptbahnhof.


Bild 9



Aus dem Tw 196 wurde Tw 237. Am 20.11.67 rückt auch er zum Einsatz auf der Linie 21 aus.


Bild 9



Tw 237 hatte als einziger zunächst überlebt. Er kam nach Hannover, wurde später zurückgeholt, vergammelte leider lange Zeit in der Viernheimer Wagenhalle und wurde Ende Mai 2007 zerlegt.


Bild 10



Am 29.5.2007 wurde der Tw vor die Halle gezogen.


Bild 11




Bild 12




Bild 13




Bild 14



Am 30.5.2007 wurde Tw 237 leider zerlegt und die Einzelteile abgefahren.


Bild 15



Zum Schluß noch 2 Bilder vom Tw 238, der ursprünglich die Nummer 203 trug. Aufgenommen wurden die Fotos am 17.8.67 im Betriebshof Möhlstraße.


Bild 16



Tw 238 wurde 1970 zerlegt.

Soviel zu diesen Exoten im Wagenpark der MVG. Ich hoffe, daß der Beitrag Interesse findet.
Veilleicht können einige User weitere Aufnahmen und Informationen posten.

Ich wünsche allen Lesern noch einen schönen Sonntag.

Gruß
Rainer


Bild

Antworten:

Hallo,
die heutige Haltestelle Planetarium hieß zur damaligen Zeit Schlachthof und war zeitweilig Endstation der Linie 1 mit einem Gleiswechsel.
Die Linie 21 fuhr in der HVZ bis Neuostheim.
Danke für dei Bilder.

von bmstrab - am 21.01.2018 11:16
Zitat
Triebzug 420

Tw 237 hatte als einziger zunächst überlebt. Er kam nach Hannover, wurde später zurückgeholt, vergammelte leider lange Zeit in der Viernheimer Wagenhalle und wurde Ende Mai 2007 zerlegt.


Vergammelt ist er schon in Hannover.
So eine Freiluftabstellung über Jahrzehnte ist der Substanz halt in keinem Fall zuträglich.
Schade drum.

von Führerbremsventil - am 21.01.2018 18:14
Nachdem in den letzten Tagen die Zeit etwas knapp war, möchte ich doch noch etwas zu diesen Fahrzeugen schreiben, zu denen auch mein Nicknamensgeber im RNLF-Forum gehört.

Erst einmal vielen Dank an den User TZ420, der hier schön an diese Fahrzeuge erinnert und auch daran, welch verantwortungsloser Umgang mit diesen historischen Fahrzeugen in MA und LU noch immer vorherrscht. Trotz aller Besserungen in den vergangenen Jahren.


hier noch drei historische Bilder des Wagens 237, der 1913 bei Fuchs gebaut wurde als 196.




Wenige Jahre nach dem Umbau noch als 196 am Hbf.








Bei der Eröffnung des Tunnels unter dem Luisenring. Damit war die Ringbahn wieder durchgehend befahrbar und man benötigte die rückschrittlichen Zweirichter, die man sich nun wieder anlachen möchte, nicht mehr. Es dürfte sein letzter regulärer Einsatztag gewesen sein.



Als Kind interessierten mich die "alten" Straßenbahnen vor meiner Zeit stets mehr als die aktuellen Düwags und GT6N. Die aktuellsten Bücher waren auch zu Anfang dieses Jahrtausends noch "Auf Achse und Schiene" und die Rabesche Betriebsgeschichte, in denen zu lesen war, dass diese gleichförmigen, neumodischen und seelenlosen Düwags die klassiche alte Straßenbahn gerade, also "vor 14 Tagen", abgelöst hatten.
Umso größer war das Bedauern, dass keiner dieser Vertreter der alten Zeit überlebt hatte.



Mehr durch Zufall entdeckte ich als Kind beim Spielen auf dem stillgelegten Betriebshof Luzenberg den Triebwagen 237:




Somit war nun doch noch ein Vertreter der vernichtet geglaubten alten Mannheimer Straßenbahn vorhanden, den es zu retten galt.

In der Folgezeit ließ ich, natürlich von viel jugendlicher Naivität geprägt, nichts unversucht dieses letzte Fahrzeug noch zu retten.
Also begann ich fortan mein Geld zu sparen und entwickelte mich, natürlich nach den Usern Fubby und Fahrgastwunsch, zum größten Geizhals, den ich kenne. Meine Modellbauerei spielte sich damals mehr als Spielerei im Papp-Sektor ab. Nie hätte ich auch daran gedacht Modelle für andere zu bauen und lehnte erste Anfragen noch ab. Letztendlich bewog mich das Projekt "Rettung Tw 237" dann doch dazu Modelle im Auftrag zu bauen.



2004 wurde der Luzenberg geräumt. Ein großer Hoffnungsschimmer war die Tatsache, dass der Wagen nicht verschrottet, sondern nach Viernheim verlagert wurde.

2007 schlug dennoch das letzte Stündlein des Tw 237. Die örtlichen Vereine hatten sich bis dahin zwar schon etwas stärker etabliert als noch wenige Jahre zuvor, doch der schlechte Zustand und die Konzentration auf OEG-Fahrzeuge begründeten wohl ein gewisses Desinteresse.



Im Mai 2007 wurde dann die Fa. Lehr&Kindla damit beauftragt die letzten Fahrzeuge in Viernheim zu verschrotten:















Wolfgang Löckel beschrieb diese Szenerie in seinem Buch "Mannheim, hier Mannheim" treffend als die gnadenlose Zerstörung des allerletzten Zeugen der alten Mannheimer Straßenbahn.


Die Rettung des Tw 237 ist zwar gescheitert, aber man soll ja immer die positiven Dinge sehen. Und die bestehen für mich vor allem darin, dass ich aus meiner Bastelei einen kleinen Gewerbebetrieb machen konnte, der dafür sorgte, dass im studentischen Geldbeutel nie Ebbe herrschte und das ohne dass ich je einen Cent BaFög bezogen hätte.


Mit historischen Fahrzeugen aus MA/LU sieht es heute immernoch dünn aus. Immerhin ist es gelungen einen Typ Mannheim aus Helsinki heimzuholen. Den hohen Wert, den Düwag-Wagen insbesondere für die Rhein-Neckar-Region haben, habe ich zwischenzeitlich natürlich erkannt.
Ob einer der prägenden Standard-Sechsachser oder ein regional besonderes Hängebauchschwein erhalten bleibt, muss die Zukunft zeigen.

Zweiachsertechnisch gibt es noch den aus einem Verbandstyp umgebauten Arbeitswagen:






Und eine Lore, die einst mal ein Fahrgestell eines Triebwagens von 1913 war.
Welch tolle Dinge man mit Fahrgestellen von Loren machen kann zeigt eindrucksvoll der Potsdamer TW 9: [www.historische-strassenbahn-potsdam.de]

Er ist wohl gerade aufgrund seines Neuaufbaus eines der originalsten und authentischsten Fahrzeuge aus der Epoche I, da keine "Rückbau-Kompromisse" gemacht werden mussten wie beispielsweise bei ähnlichen Wagen in Krefeld oder Stuttgart.


Eine Ruine, die sicher noch schlimmer aussah als der 237 vor seiner Verschrottung ist der 907 der Atac: [www.graftreni.it]

Heute ist er ein vorbildlich restauriertes, betriebsfähiges Fahrzeug. Das gelang auch nur, weil man dieses ruinöse Fahrzeug über Jahrzehnte hinweg aufhob, ohne dass sich daran etwas tat. Fahrzeuge wie der 907 sollten dazu mahnen, auch die schlimmsten Ruinen zu bewahen, denn eines Tages kann noch was schönes daraus werden.

von Tw237 - am 30.01.2018 22:53
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