es wurde viel besser

Startbeitrag von hansmuellerlange am 15.02.2011 17:15

Hallo,


Ich hatte mein Vater mit 2 Jahren verloren, es folgten viele weitere Todesfälle an dubiosen Krebskrankheiten und Hirntumoren von sehr jungen Bekannten oder Freunden

Um all das Entsetzen darüber zu übertünchten legte ich eine Maske auf:

Ich war bis 23 immer Mr. alles geht klar, keine Probleme, ich bin der Superchecker, ich komm zurecht, ich zeigs euch, nur keine Panik auf der Titanic.

Mit 18 Jahren geriet ich in den esoterischen sumpf, las zig Bücher...hielt fast alles für bare Münze, saß aber wie ich heute erkannt habe zu 90% Scharlatanen auf.

Dann mit 23 Jahren auf einmal VON HEUTE AUF MORGEN, AUS HEITEREM HIMMEL eines nachts ein übelster Schwindelanfall und das Gefühl, jetzt ist es aus mit dir, du stirbst, das wars, du hattest grad einen Schlaganfall der übelsten Sorte, oder ein Hirntumor.

Jetzt wurde es richtig dubios: zu der TODESANGST der übelsten Sorte (man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat) gesellte sich auch noch RELIGIÖSE PANIK, und die Angst vor ewigen Höllenqualen.

Ungefähr 2 Wochen nach der ersten Panikattacke wurde es so schlimm, dass ich bei Nacht und Nebel in die Notfallaufnahme des Krankenhauses schlich...ich wollte einfach noch nicht sterben mit 23 oder früher so wie meine verstorbenen Freunde...der diensthabende Neurologe prüfte mich auf einem Schlaganfall ab und diagnostizierte eine Panikattacke. Es wurde KEIN CT gemacht.
Meine Symptome, waren dann ungefähr ein dreiviertel Jahr folgende

Schwindel

Verschwommene Sicht

Konzentrationsstörungen

Krämpfe in Zunge, Ohren, Augen, Gesichtsmuskulatur

Kribbeln im Gehirn, Herzgegend , Fuß

Ganz stark warn noch Derealisationsgefühle und Depersonalisationsgefühle

Wenn ich eine Attacke hatte fühlte das sich ungefähr so an, als ob eine halbtote Ratte in meinem Gehirn zappelt, dazu kommt noch, dass sich das ganze Gehirn verkrampft, es sich anfühlt als ob es weg fault und von Tumoren zerfressen wird und als ob das Blut einer geplatzten Ader sich in deinem ganzen Hirn breitmacht.

Halleluja denkt ihr, ja, es war wirklich bitter! Aber es wurde nur noch abgefahrener:
Ich klammerte mich in meiner Not an die Bibel und verfiel für ca. 3 Monate in einen fanatischen religiösen Wahn…ich dachte, wenn Gott mich jetzt auslöschen will, dann kann mir auch kein Psychologe mehr helfen.

Ich las nach der Bibel den Koran innerhalb von 2 Tagen durch...irgendwas musste ich ja tun um meine Sünden wieder gutzumachen und meinen Arsch vor der Hölle zu retten. Ich konnte nicht mehr klar und kritisch denken, wollte die Leute bekehren war nicht mehr Herr über mich selbst. Meinem Familie war in großer Sorge um mich.

Nun aber zur Lösung des Problems / der Probleme:

Panikattacken sind ein Teufelskreis, wenn man nur ein Glied darin zerschlägt, dann kann sich die Panik nicht mehr aufschaukeln.

Also, hier meine Schritte, wie ich die Panik fast zu 100% besiegt habe:
1. Depersonalisations- und Derealisationsgefühle müssen bewusst als solche erkannt werden.
Werden diese nicht erkannt, denkt man, mir ist so schummrig, alles ist wie im Traum, mein Gehirn muss ein Tumor haben, der das auslöst , darauf folgt dann wieder das Todesszenario, das man sich ausmalt und die Panik kann freien Lauf nehmen

2. Koffeinkonsum möglichst komplett einstellen, RedBull, starker Kaffee und Koffeintabletten sind absolutes NOGO…das hab ich erst gemerkt, als ich die Koffeintabletten, die ich seit langem schluckte mal ohne die Gelatinekapsel einnahm, 3 min später hatte ich eine übelste Panikattacke

3. Bewusste Entspannung von Augenmuskulatur, Ja sogar der inneren Augenmuskulatur wenn eine Panikattacke kommt, Augen nicht zupressen und nicht mit den Augenliedern wie besessen auf und abschlagen auch nicht mit offenen, zitternden Pupillen umherstarren. Gesichtsmuskulatur entspannen. GANZ WICHTIG: ZUNGE ENTSPANNEN…wenn die Zunge verkrampft und an den Gaumen presst, dreht auch das Hirn durch. Bei mir krampfte sogar die Spannmuskulatur meiner Ohren….RELAX!!!!!

4. Ich erkannte, dass das Gefühl der Hirntumoren oder geplatzten Adern im Kopf IMMER NUR DANN da war, wenn ich eine Panikattacke hatte, und dass mein Gehirn sich ganz normal und gesund anfühlte, wenn ich keine Panik hatte! In dem ich das erkannte, konnte ich bewusst gegensteuern wenn eine Attacke kam, dann wusste ich: so jetzt gleich fühlt sich mein Hirn wieder so an als ob ein Tumor drin ist oder als ob ich nen Schlaganfall hätte…das zerbrach den Teufelskreis ein weiteres mal.

5. Die Angst, dass Gott mich in der Hölle haben will erkannte ich als eine Projektion meines eigenen Hasses und meiner EIGENEN unterdrückten inneren Gewalt und kriminellen Energie, Gedanken und dass ich eigentlich derjenige bin, der gewisse Leute ewig in die Hölle schicken will.(klingt krank ich weiß…aber es hilft ja nichts ständig ein Blatt vor den Mund zu nehmen)

Was für ein Weg, das Leben ist schön und genial, ich weiß jeden Tag zu schätzen, da ich in Akutphase schon wirklich todernst Abschied von der Welt genommen hatte…ich war mir 100%...so du hast vielleicht noch 3 Tage und dann bist du weg vom Fenster…das isses also gewesen!

Naja, ich bin trotzdem dankbar für die Erfahrung, es jedoch ist ein harter Weg,
ABER: ES GIBT LICHT AM ENDE DES TUNNELS…(ich hatte daran in der Akutphase erheblichste Zweifel.)
IHR ALLE KÖNNT UND WERDET ES SCHAFFEN DIE PANIK ZU ÜBERWINDEN!!!
Und was euch nicht tötet, macht euch stärker!!!

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