Nachgereicht: Kirow übernimmt Leoliner-Produktion

Startbeitrag von Martin Böttcher am 27.02.2006 16:03

Etwas verspätet möchten wir Ihnen noch folgende Pressemitteilung der Leipziger Verkehrsbetriebe vom 25. Januar 2006 und eigene Bilder nachreichen:

LVB-Chef Wilhelm Georg Hanss stellt den Mitarbeitern derLeoliner Fahrzeugbau GmbH den neuen Eigentümer vor.Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH unterzeichneten heute einen Vertrag zum Verkauf von 51 Prozent der Geschäftsanteile der Leoliner Fahrzeug-Bau Leipzig GmbH (FBL) an die Kirow Leipzig KE Kranbau Eberswalde AG. Nach Ablauf der Einspruchsfrist der anderen an der Ausschreibung beteiligten Unternehmen und der Zustimmung der Kartellbehörde beginnt die Partnerschaft von FBL und Kirow rückwirkend zum 1. Januar 2006. Bis zum Jahre 2010 werden sich die Leipziger Verkehrsbetriebe Schritt für Schritt auf 10 Prozent der Anteile am FBL zurückziehen.

„Unser Ziel war es, mit dem Bau von Straßenbahnen in Leipzig, Wirtschaftsförderung zu betreiben“, so Wilhelm Georg Hanss, Vorsitzender der LVB-Geschäftsführung. „Unser Ziel war es außerdem”, so Hanss weiter, „für uns selbst, für die LVB eine preiswerte Alternative zu den teuren kommerziellen Straßenbahnen, die am Markt angeboten werden zu entwickeln. Wenn wir, die Leipziger Verkehrsbetriebe, Wirtschaftsförderung betreiben - eine Aufgabe die üblicherweise den Kommunen zusteht - dann tun wir das, um unsere Stadt dabei zu unterstützen, den Wirtschaftsstandort Leipzig auszubauen, gute Ausgangsbedingungen für die Ansiedlung der Privatwirtschaft in Leipzig zu schaffen, Arbeitsplätze, auch in der regionalen Zulieferindustrie zu sichern und neue zu schaffen. Nach der europaweiten Ausschreibung sind wir sicher: Kirow passt zur FBL wie kein zweites Unternehmen.“

Kirow-AufsichtsratsvorsitzenderDr. Klaus von DohnanyiDr. Klaus von Dohnanyi, Aufsichtsratsvorsitzender der Kirow Leipzig KE Kranbau Eberswalde AG: „Ich glaube, heute ist ein sehr wichtiger Tag für die LVB und Kirow, aber auch für die Stadt Leipzig. Unser ganzes Ziel bestand darin, hier nachhaltige industrielle Arbeitsplätze zu schaffen. Der Leoliner ist ein Produkt, dass über Leipzig hinaus Arbeitsplätze schaffen kann.“

Ludwig Koehne, Vorstandsmitglied des Kirow Leipzig KE Kranbaus Eberswalde AG, über die künftige Partnerschaft: „Wir sind sehr froh, dass der Einstieg von Kirow in den Markt für Straßenbahnen nunmehr geglückt ist. Wir sehen große Chancen als mittelständige Unternehmensgruppe und wir werden diese Chancen, wie schon bei KIROW, zielstrebig angehen. Außerdem werden wir in diesem Zusammenhang auch den Sitz unserer Holding nach Leipzig verlegen und zwar noch in diesem Jahr.“

Zur Ausgangssituation:
Mitte Februar 2003 erhielten die Leipziger Fahrzeugservicebetriebe GmbH, damals ein Gemeinschaftsunternehmen von LVB (50%) und Siemens AG, Transportation Systems (50%), von den LVB den offiziellen Auftrag einen Niederflurgelenktriebwagen zu entwickeln, der sich an den besonderen Bedürfnissen der LVB orientiert und ein Höchstmaß an Sicherheit und Fahrkomfort bietet. Unter dem Aspekt sinkender Finanzierungsspielräume der öffentlichen Hand und des damit verbundenen Konsolidierungsdrucks sollte ein deutlich preiswerteres Fahrzeug entwickelt werden als die Produkte etablierter Anbieter. Auf der anderen Seite sollte das Fahrzeug aber auch die qualitativ hohen Standards Der Leoliner-Prototyp bei seiner Premierenfahrt am 20.12.2003eines attraktiven und modernen ÖPNV erfüllen, und speziell auf die Kundenbelange der Nutzer von Dienstleistungen des öffentlichen Personennahverkehrs zugeschnitten sein.

In Rekordzeit wurden daraufhin zwei Prototypen entwickelt und produziert, die sich bereits im Dezember 2003 auf einigen Rundfahrten durch Leipzig der Öffentlichkeit präsentierten. Am 1. Juni 2004 war es dann so weit, der neue Straßenbahntypus NGTW6, der nach dem Leipziger Wappentier den Namen Leoliner trägt, wurde in den regulären Linienbetrieb gestellt. Seitdem fahren zwei Prototypen (in einer Traktion) auf der Linie 11E mit einer Einsatzstabilität von über 95 Prozent.

Am 6. Juli 2004 wurde der Leoliner Fahrzeug-Bau Leipzig GmbH (FBL) als 100%iges Tochterunternehmen der LVB gegründet. Ende Dezember 2004 bestellten die LVB beim Leoliner Fahrzeug-Bau 30 LEOLINER, woraufhin mit der Serienproduktion begonnen wurde. Die LVB erhielten Anfang Dezember 2005 den ersten „Leo“ aus der Serie. Bis zur Fußball-WM werden mindestens sechs Leoliner aus der Serienproduktion in Leipzig im Einsatz sein.

Blick in die Montagehalle auf dem Kirow-Gelände in Lindenau.Der erste fertige Serien-Leoliner am S-Bahnhof Plagwitz.Montiert und produziert wird der Leoliner in einer ehemaligen Werkhalle des Kirow-Werkes in Leipzig-Plagwitz (Das Werk befindet sich in Leipzig-Lindenau; d. Red.). An der Herstellung sind neben dem FBL zahlreiche mittelständische Zulieferer beteiligt, die überwiegend aus Sachsen und der Region Mitteldeutschland stammen.

Dazu Wilhelm Georg Hanss: „Wir produzieren und bauen preiswerte Straßenbahnen in Leipzig und erhalten damit Arbeitsplätze hier. Mit diesem Ziel haben wir das Know-how von etwa 30 mittelständischen Unternehmen aus der Region in einem Netzwerk gebündelt und können nun mit dem neuen Straßenbahntyp Leoliner ein absolut konkurrenzfähiges Produkt kaufen und anbieten.“

Der sechsachsige Leoliner mit Drehgestelltechnik und energiesparender Drehstromantriebssteuerung besitzt einen Niederfluranteil von 60%, hat 39 Sitzplätze und rund 80 Stehplätze. Im Niederflurteil ist die Bahn mit zwei Doppeltüren ausgestattet - dort ist der Zugang zum Stellraum für Kinderwagen und Rollstühle möglich. Im Doppeltrakt erreicht der Leoliner eine Gesamtlänge von über 44 Metern.

Für die LVB stand von Beginn an fest, dass sie als klassisches öffentliches Nahverkehrsunternehmen den Bau von Straßenbahnen mittelfristig nicht als Kerngeschäft betreiben werden und deshalb die unternehmerische Führung des FBL an einen privaten Partner aus der Industrie übergehen soll. In einer europaweiten Ausschreibung haben die LVB von vornherein anspruchsvolle Zuschlagskriterien für den potentiellen Investor gesetzt. Wichtig waren diesbezüglich vor allem ein tragfähiges Unternehmens- und Vertriebskonzept, ein Konzept zur Standortsicherung sowie die Bereitschaft, zu investieren, damit die Zukunft der Leoliner-Gesellschaft und ihrer Belegschaft gesichert werden kann. Die Auswertung der eingegangen Angebote ergab, dass der KirowLeipzig KE Kranbau Eberswalde AG entsprechend den in der Vergabeverordnung aufgestellten Bewertungskriterien das beste Angebot abgegeben hat.

Text: LVB-Pressemitteilung
Fotos: Martin Böttcher

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