Pleasurepferd anreiten / trainieren

Startbeitrag von ChessnDaisy am 03.05.2004 15:40

ok, ich weiß, es ist eine etwas weitreichende - vielleicht blöde - Frage.

Ich habe eine mittlerweile 5 Jährige ZippoPineBar / SonnyDeeBar gezogene Pleasure Stute. Ein Versuch, sie professionell trainieren zu lassen, endete zwei Wochen später mit Kreuzverschlag, so dass ich jetzt eigentlich erst anfang, sie zu reiten.

Was wir bisher gemacht haben:
-Bodenarbeit (aussacken, longieren - auch mit Schlaufzügel, Trail an der Hand, also das ganze Programm eigentlich)
-Longieren longieren longieren (ging nach dem Kreuzverschlag gar nicht anders)
-Reiten (schritt, trab, galopp - aber hier eigentlich mehr mal geguckt, ob sie es macht und wie sie worauf reagiert, sie macht alles mit, ist aber manchmal arg faul - Galopp ist ihr zu schnell - und auch recht grobmotorisch "was soll denn jetzt bitte das Bein da an meiner Seite????")

Was könnt ihr mir empfehlen, wie ich am besten mit ihr anfang.
Ich reite im Moment auch auf dem Außenplatz erst mal viiiiiel geradeaus und versuch ihr klar zu machen, dass wenn ein Zügel und oder ein Bein anliegt, das eine Richtungsänderung zur Folge haben soll.

Könnt ihr mir Tipps geben, womit ich am besten anfang und wie ich was anstell. Ich bin für alles dankbar.
Merci im voraus
Petra

Antworten:

Hallo Petra,

herzlich Willkommen im Forum. Ich habe mich sehr über Deine Frage gefreut und sie ist nicht "blöd".

Wie lange ist der Kreuzverschlag von deinem Pferd her? Hat sich die Muskulatur erholt und wie gut ist die Muskulatur?! Wenn die Bewegung eines Pferdes durch Krankheit usw. für längere Zeit eingeschränkt ist oder durch Schmerzen eine freie Bewegung unterdrückt wird kommt es oft zu Verhärtungen in der Muskulatur, welche sich nur schwer durch Training beheben lassen, oft ist es wirklich sinnvoll einen Tierarzt zu fragen. Es gibt z.B. Neuraltherapien, Magnetfeld uvm. Ein Pferd nimmt solche Hilfe dankend an, denn es hört schneller auf das überall im Körper etwas zwickt und zieht.

Zu deinen Anfängen: Aussacken, Bodenarbeit (auch mit Stangen) usw. ist sehr gut um die Aufnahmefähigkeit eines Pferdes zu steigern und eine vertrauensvolle Basis zu schaffen. Eine "Anfangsübung" vom Boden aus, welche dem Pferd erklären soll das es von Druck (also später beim Reiten vom Schenkel) weichen soll ist z. B. : stelle dich seitlich von deinem Pferd im Bereich der Mittelhand auf (also einfacher gesagt - ziemlich mittig zu deinem Pferd); gebe dem Kopf deines Pferdes eine leichte Stellung in deine Richtung. (Sagen wir du positionierst dich auf der rechten Seite) dein Pferd soll nun Kopf und Hals leicht nach rechts nehmen (einfach leicht am Strick oder Longe ziehen); dein Pferd soll dabei stehen bleiben - bei zu viel Stellung nach rechts wird dein Pferd von sich aus versuchen sich auszubalancieren und mit der Hüfte nach links weichen - das soll nicht geschehen, also dann die Stellung etwas reduzieren. Bleibt dein Pferd stehen, dann gehst du mit deiner Hand in den Bereich wo später dein Bein die Hüfte verschieben soll (am Anfang etwas weiter hinten, aber nicht direkt am Hinterbein - denn hier wirst du wohl nie dein Bein zum Einsatz bringen). Lass nun die Hüfte von deinem Pferd nach links weichen (Druckaufbau mit deiner Hand) - die Schulter von deinem Pferd sollte sich nicht groß in Bewegung setzen. Lass dein Pferd ein paar Tritte "Hinterhandarbeit" machen und höre wieder auf. Die Übung kannst du auch für die Schulter nehmen - einfach den Druck vorne mit der Hand erzeugen.
Ich hoffe du kommst mit der Erklärung klar!?

Longieren vorwärts - abwärts ist immer eine feine Sache. Betrachte dir genau die Hinterbeine von deinem Pferd - wie weit es diese wirklich einsetzt, also unter seinen eigenen Schwerpunkt tritt.

Reiten: Wenn du dein Pferd noch nicht so lange unter dem Sattel hast, dann ist es auch noch nicht ausbalanciert. Gradeaus ist nicht verkehrt, aber wenn du einen Platz zur Verfügung hast, dann gehe auf den 3. oder 4. Hufschlag, damit sich dein Pferd nicht angewöhnt sich an der Einzäunung oder an Hallenwänden "anzulehnen". Ich bevorzuge einen flotten Trab - z.B. leichttraben. Vorne etwas Anlehnung zum Gebiss und mit deinen Beinen versuchen die Hinterhand zu motivieren, so wird die Hinterhand kräftiger, der Rücken locker und die Schulter frei. Immer wieder eine Pause machen - Schritt am langem Zügel.
Die Übung wie oben bei Bodenarbeit beschrieben kannst du auch vom Sattel aus machen. Ist eine tolle Sache für den Galopp.

Ich hoffe ich konnte dir schon etwas helfen, schreibe was du nicht verstehst (ist ja doch viel Text) und ansonsten schreibe einfach deine weiteren Fragen - vielleicht etwas genauer beschrieben, dann fallen die Antworten exakter und kürzer aus.

Viel Spaß - nicht aufgeben und keine Angst - niemand hält dich hier für blöd
hb

.

von Hoppelbobel - am 03.05.2004 17:55
ok, dann hab ich bisher ja schon gut angefangen.

Das mit dem Weichen klappt auch schon ganz gut. Die Kleine geht auch auf Fingerschnipsen seitwärts, wenn ich richtig steh. Also das ist kein Akt

Der KV war akut Mitte November und ist komplett ausgeheilt. Ich reite sie also jetzt seit 2-3 Monaten ca. 3-5 Mal die Woche. Wie gesagt, mit Balance hapert es. Da ist so ein 40x80 Außenplatz ganz gut zum gradaus-Gehen. Aber irgendwie brauch ich Tipps, um sie sensibler zu machen. Ich reit sie mit D-Ring-Snaffle und versuch sie viel über Zügelanlehnung zum Weichen zu bewegen. Ist sie absolut unaufmerksam oder grobmotorisch, dann nehm ich bisher ne kleine Gerte zu Hilfe und tipp ihr auf den Hals oder die Schulter, auf der Seite, wo der Zügel anliegt. Die nächsten paar Male ist sie dann auch beiim Zügelanlehnen wach, aber ab und zu blendet sie diese Impulse einfach aus.

An der Kopfposition hab ich noch nicht arg rumgedoktort, solang sie sich noch nicht richtig lenken lässt, hat das auch wenig Sinn, oder

Der Galopp wurde bisher auch vernachlässigt. Der ist auch grauenvoll zu sitzen. Insofern bräucht ich dahingehend auch noch den ein oder anderen Rat.

Danke jedenfalls schon mal für die erste Rückmeldung. Wenn ihr aufgrund meiner weiteren Schilderung noch Anregungen habt - her damit
Merci aus Luxemburg
Petra

von ChessnDaisy - am 04.05.2004 15:59
Hallo Petra,

erstmal zu dem Kreuzverschlag und der Muskulatur. Füttere Magnesium dazu, dieses hilft der Sauerstoffversorgung der Muskulatur und somit wird diese weich und lässt sich gut fördern. Am Trainingsanfang von Jungpferden oder wie bei dir nach Krankheit füttere ich noch Aminosäure dazu.

Dein Lenkproblem: Generell funktioniert die Lenkung vorrangig über die Beine. Ein Bein macht druck - das andere wird frei gemacht und das Pferd soll vom Druck weg die Richtung wechseln. Stelle es dir wie eine Tür vor. Eine Tür fällt zu (Druck) eine Tür öffnet sich. Soweit wie die eine Tür offen steht - so weit hast du eine Richtungsänderung. Ich rate dir sehr davon ab mit Hilfe einer Gerte zu arbeiten, denn du gibst somit eine fehlerhafte Hilfe die später für dein Pferd nicht nachvollziehbar ist.
Reite ein Viereck (weit weg von deinem Hufschlag, bei deiner Platzgrösse kein Problem). Nehmen wir mal die rechte Seite: Du legst dein linkes Bein an das Pferd mit leichtem Druck (die Tür geht zu) - dein rechtes Bein geht etwas weg vom Pferd (die Tür geht auf). Dein linker Zügel liegt am Hals - der rechte Zügel geht etwas weg (System wie bei den Beinen). Dein Pferd sollte nun weichen. Hast du keine Reaktion, dann erhöhe nicht den Einsatz deiner Hand, sondern mache mehr druck mit deinem linken Bein. Frag´nach, wenn dir die Übung nicht klar ist!

Muskulatur für Hinterhand und Rücken: gehe viel Rückwärts, in Volten und Achtern. Aus dem Rückwärts gehen antraben. Achte immer darauf, dass dein Pferd die Schultern nicht hängen lässt.

Da du dein Pferd erst seit ca. 2 Monaten unter dem Sattel hast - nehme den Galopp nicht so wichtig. Ist dein Pferd gymnastiziert, dann hast du die Möglichkeit am Galopp zu arbeiten. Bis dahin würde ich angaloppieren und wieder runterfahren.
Das gilt auch für die Kopfhaltung. Zwinge dein Pferd nicht in eine Forum in der es noch schwieriger wird sich auszubalancieren.
Ich hoffe es hilft dir - und habe Gedult. Du kannst nur einen Schritt nach dem anderen trainieren. Lässt du einen aus, dann wird sich das später rächen!
Lass hören ob du damit was anfangen kannst
Liebe Grüße
hb

von Hoppelbobel - am 04.05.2004 18:56
Hi hobbel

Deine Hilfe ist echt klasse. Das mit der Bein und Zügelhilfe war mir schon soweit klar. Zusammen funktioniert das auch recht passabel - also ich meine, wenn sie sowohl Schenkel als auch Zügelhilfe bekommt. Ich gehe aber davon aus, dass ein Pferd auch auf einzelne Hilfen reagieren muss (zumindest macht meine Ältere das so). Will sagen, ich erwarte eigentlich eine Reaktion, wenn ich nur den Zügel anlege oder nur Druck mit dem Bein mache. Und das klappt halt nicht, da legt sie zeitweise eine Schildkrötenmentalität an den Tag...

Auf der anderen Seite ist es halt so, dass wenn ich auf die Gerade geh, orientier ich mich optisch auf das Ende der Arena. Das ganze ist mit dicken Balken eingezäunt, die im Abstand von ca. 5 m stehen. Da such ich mir einen aus, fokussier den und versuche mit ihr GERADE dort hinzugehen (bisher nur Schritt Schritt Schritt und ab und zu Trab). Und da eiert sie mir arg durch die Gegend. Bisher korrigiere ich sie dann entweder mit Bein oder mit Zügel - je nachdem wie sie weggeht.

Neuester Trick, wenn ich die Zügel durchhängen lass (also recht locker hab) - dann kommt Madame auf die Idee vor Bäumen im Wind oder langen Blättern am Rand der Bahn zu schrecken. Einmal hat sie sogar angefangen zu buckeln. Nehm ich die Zügel kurz ist das Problem gebannt - nur die Ohren bewegen sich dann mit dem Schreckobjekt ;-) Sollte ich sie daher lieber erst mal kurz reiten, bevor ich ihr dann später irgendwann mehr Zügel zugestehe?

Danke für die Hilfe
LG
Petra

von ChessnDaisy - am 05.05.2004 08:16
Hallo Petra,

ich freue mich, wenn ich dir ein bisschen auf die Sprünge helfen kann.
Dein Pferd ist durch seine Ausfallzeit einfach noch ein Jungpferd und Zeit ist hier einfach ALLES! In diesem Stadium ist die Kombination aus Bein und Zügel notwendig, damit sich alles festigen kann ohne in Stress auszuarten. Du hast richtig erkannt - dein älteres Pferd reagiert auch auf den einzelnen Hilfeeinsatz und so soll es auch später sein. Du musst es einmal so betrachten - DU weißt ganz genau was für eine Hilfe - welche Reaktion haben soll. Dein Pferd weiß aber nicht was DU weißt und nun fängst du langsam an Deinem Pferd zu erklären wie du es haben möchtest. Aber wirklich langsam, denn wenn du deinem Pferd immer das Gefühl vermittelst es macht alles falsch, dann fehlt ihm irgendwann die Motivation etwas für dich richtig machen zu wollen!
Weichen vom anliegenden Zügel ohne Bein: Stelle dich irgendwo in die MItte von deinem Reitplatz. (weichen nach rechts) du nimmst dein rechtes Bein weg vom Pferd - es soll einfach nicht anliegen, du musst es aber nicht ewig weit wegstrecken - die Tür ist somit auf. Nun legst Du deinen linken Zügel an - es kommt zu keiner Reaktion! Du machst parallel mit deinem linken Bein druck und ziehst dein Pferd ganz leicht mit dem rechten Zügel in die gewünschte Bewegungsrichtung - leicht anstehender Zügel, da das Pferd nicht nach vorne treten soll. Du bleibst wieder stehen und fängst von vorne an und immer mit Ruhe und Gedult (was nicht heißen soll, dass du deinem Bein nicht auch nachdruck verleihen darfst) bis eine erste freiwillige Reaktion kommt. Erkläre deinem Pferd was du willst und gib ihm die Zeit es umzusetzen - EIN guter Schritt seitwärts ist unendlich viel mehr Wert als mehrere schlechte.
Gradeaus: Dies ist eine schwere Aufgabe und man darf dies nie unterschätzen. Es ist für dich und dein Pferd einfacher dies im Trab zu üben, denn durch die Vorwärtsbewegung kann es sich leichter ausbalancieren. Du musst folgendes sicherstellen: Dein Sitz ist grade, d. h. dein Beckenknochen/Hüfte darf in keine Richtung hängen, das gilt auch für deine Schultern. Deine Beine sind auch gleichmässig locker, kein Bein macht mehr Druck als das Andere, Deine Hände sind parallel, kein Zügel lehnt am Hals. Fängt dein Pferd nun an nach links zu lehnen und somit auch nach links zu gehen, dann lenkst du dein Pferd "bewußt" nach rechts - aber wesentlich mehr als es nach links von deiner Linie abweichen wollte. Auch hier gilt das Motto "Wiederholung schafft eine gute Basis" Ganz wichtig!!! versuche nicht dein Pferd gezielt auf dieser Linie zu halten in dem du ständig mit Beinen oder Händen dagegen arbeites, sondern lass dein Pferd einen Fehler machen und erkläre ihm was es falsch gemacht hat. Unterdrückst du Fehler, dann kannst du deinem Pferd eigentlich nie erklären was falsch war und dein Pferd wird der Auffassung sein, das DU seine Arbeit mitmachst.
Scheuen & Co.: Wenn du bemerkst, das dein Pferd auf die Suche geht was vielleicht beängstigend sein könnte, dann fange an es durch Arbeit zu beschäftigen, reite mit deinen Bein um ihm zu sagen "hallo ich bin auch noch da!", aber fange nicht an deine Zügel längere Zeit kurz zu machen. Nimm deinen Zügel an, fange an zu arbeiten am Besten in Biegungen (Volten, Achter) und gib wieder nach. Zeig deinem Pferd, das dich dieses Situation nicht interessiert und nicht beeindruckt. Für mich ist ein kurzer Buckler einfach eine Form von Lebensfreude und das ist einem 5 jährigen Pferd nicht überl zu nehmen.
Ich finde es schön, dass du dir so viele Gedanken über deine Arbeit mit deinem Pferd machst, aber fange an einfach etwas simpler zu denken. Pferde sind recht einfach "gestrickt". Je komplizierter du es machst - um so schwerer wird es für dein Pferd. Bedenke bei deinem Training, dass die Ausbildung zu einem guten Show-Pferd ca. 1 Jahr und mehr braucht. Du hast dein Pferd jetzt 2-3 Monate unter dem Sattel - mach langsam und lasst euch Zeit!
Viel Spaß und wenn du noch mehr Fragen hast - na dann keine Scheu
hb

von Hoppelbobel - am 05.05.2004 13:09
hihi
das kann sein, dass ich wieder zu kompliziert denke.

Im Moment les ich mich auch megamäßig in das Thema ein. Nicht, dass ich überhaupt nicht reiten könnte, aber auf nem Pferd sitzen und oben bleiben und ein Pferd verantwortungsvoll auszubilden, das sind doch zwei Paar Schuhe.

Da das Vertrauen zu Trainern arg gelitten hat (nach der KV-Geschichte) hab ich für mich entschieden, dass mir kein Pferd mehr ohne Begleitung die Anlage verlässt. Und da ich nicht ewig Urlaub hab und auch leider keine qualifizierten Trainer in der Nähe, die zu mir auf die Anlage kommen könnten, bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als meine Kleine selbst zu reiten und mehr oder minder auszubilden.

Das was du sagst mit dem geradeausreiten und dem heftiger korrigieren als nötig (so dass man von der Idealgeraden halt wegkommt) das hab ich auch schon bei Doug Carpenter gelesen. Leider sagt einem jeder was anderes und so hab ich mir halt auch sagen lassen, dass ich versuchen soll, sie auf der Ideallinie zu halten.
Ich versuche also als nächstes glaub ich doch mal wieder die HobbelpobbelCarpenter-Methode und geh halt Zickzack. Ich hab das bisher lieber im Schritt gemacht, weil Daisy sich so leichter lenken lässt. Im Trab - zumal wenn ich sie leichttrabe - kommt sie doch eher aus der Balance oder wird aufgrund Verunsicherung recht schnell. Dann kommt der Punkt, wo sie dann irgendwann in den Galopp springt oder unaufmerksam ggüber den Hilfen wird.

Dementsprechend hab ich die letzte Zeit eigentlich viiiiiel im Schritt gemacht. Auch so Sachen wie "Kopf geben" im Stand - also dass sie sich mit dem Hals (auch ohne Vorwärtsbewegung) biegt, bis der Kopf in Richtung Steigbügel geht. Auf Klopfen mit den Beinen nimmt sie den Kopf auch brav runter. Und wenn ich sie trab, hat sie auch schon kapiert, dass wenn ich die Beine leicht zu mache, dass sie dann langsam läuft und den Kopf runternimmt. Aber natürlich klappt das nicht immer und auch nicht perfekt.

Gut zu wissen ist auf alle Fälle, dass ich sie nicht zuviel "festhalten" soll. Da war ich mir total unsicher. Das mit dem Buckler hat mich nur geärgert, weil ich GAR NICHT drauf vorbereitet war. Sie läuft ja brav und ruhig und recht relaxed und wenn dann auf einmal das Pferd hüpft wie dieses komische Stinktier im Walt Disney Comic.... dann denkt man echt, was das jetzt wieder soll.

Seit dem Reiten ist sie auch gut auseinander gegangen (mucki-mäßig). Ein ganz schönes Schlachtschiff - im Vergleich zu dem Zeitpunkt, als ich sie vom Trainer abgeholt hab, hat sie bestimmt wieder 50 kg zugenommen - ist aber nicht fett. Ich glaub, sie hat jetzt auch einfach die Muskulatur, um mal nen Buckler auszutesten... Leider ,-)

So - sorry, ich muss jetzt los. Morgen werd ich mal ausprobieren, was ich hier wieder gelernt hab.

Das find ich echt klasse hier am Forum - es ist deutlich anspruchsvoller als Wittelsbürger (mein Eindruck, weil man hier doch weniger unqualifizierte Antworten bekommt)
Also bis morgen.... DANKE

von ChessnDaisy - am 05.05.2004 15:37
Die kleine gute Nachtgeschichte

Ohne Trainer hast du dir schon einen sehr schweren Weg ausgesucht und somit werden deine Höhen und Tiefen (leider mehr die Tiefen) extrem an deinen Nerven zerren. Ich behaupte jetzt mal:

- du bist dein Pferd betreffend sehr vorsichtig und bedacht, d.h. wenn du etwas trainierst, dann bist du heftig am denken und wenn etwas nicht klappt - heftig am grübeln

- du willst dein Pferd nicht überfordern - möchtest aber doch einen Erfolg verzeichnen

- du suchst als erstes die Fehler bei dir - und entschuldigst so manches bei deinem Pferd

- du probierst alle möglichen Methoden aus und bist immer verunsicherter was nun richtig oder falsch

Heh, das ist normal und weder wirklich falsch noch richtig!!

Ein paar Denkanstöße die dir helfen sollen:
- Reiten basiert auf zwei Säulen GEFÜHL und LOGIK
- wenn du etwas trainieren möchtes, dann denke einfach logisch darüber nach. Wo müssen meine Beine liegen um einen bestimmten Körperteil von meinem Pferd in Bewegung zu setzen, der Motor eines Pferdes ist die Hinterhand - ich kann vorne nur annehmen, wenn im selben Maß meine Beine die Hinterhand motivieren unterzutreten. Ein Pferd tritt von hinten nach vorne, der Rücken kann dadurch nach oben kommen und somit werden die Schultern frei. Nimmst du die Zügel an ohne die Beine zu nutzen, dann ziehst du dein Pferd auf die Schulter, der Rücken drückt sich weg, die Hinterhand tritt nicht unter. Versuche einfach logisch zu analysieren was, wann, warum, wofür, wie lang...
- "Die einen sagen das - die anderen sagen dies" und wem sollst du nun glauben. Es gibt ganz viele verschiedene Wege ein Pferd zu trainieren und das ist das Schöne. Es gibt einfach mehr als Schwarz oder Weiß - Richtig oder Falsch! Jedes Pferd ist auf seine Art ein Einzelstück und wie jeder Mensch hat es seine Art Dinge zu verstehen, du musst den Weg finden - wie dieser Weg ist! Man sollte ein Pferd nicht in ein System zwingen, sonder das System an die Eigenheiten eines Pferdes anpassen. Wenn dir jemand einen Rat gibt, dann denke einfach darüber nach, ob er für dich logisch ist, einfach nachzuvollziehen.
- aus Fehlern lernen! Pferde lernen viel leichter, wenn du ihnen durch gemachte Fehler erklärst was du von ihm als Leistung erwartest. Ein Beispiel das jeder kennt: Mutter: " sei vorsichtig, die Herdplatte ist heiß" " Pass auf du verbrennst dir die Finger" Na, wann hat ein Kind wirklich verinnerlicht das die Herdplatte heiß ist und das es Au macht?! Ja, ganz recht - wenn es den Fehler gemacht hat die Herdplatte anzufassen. Es hat sich zwar etwas weh getan, aber es wird auch nicht mehr auf den Herd fassen. Lernen aus Fehlern, lass dein Pferd einen Fehler machen und dann korrigiere ihn.
- die Gradwanderung: Sei vorsichtig, mit jedem Tag reift dein Pferd und es wird immer wieder nachfragen, wie wichtig dir das Ein oder Andere ist und du musst diese Frage konsequent beantworten. Es dürfen dir auch Fehler unterlaufen. Egal ob Amateur oder Profi, es sind alles nur Menschen und Menschen machen Fehler. Ein Fehler ist nicht der Weltuntergang, sei dir nur sicher nicht unfair zu sein.
Pleasure heißt nicht ein Pferd langsam zu halten, sondern du erlaubst deinem Pferd langsam zu gehen! Nach der kurzen Trainingszeit ist das Tempo noch nicht relevant. Reite dein Pferd vorwärts, motiviere die Hinterhand, hebe die Schulter aus dem Boden. Fällt dein Pferd in Galopp, dann nimm solange an bis du wieder im Trab bist und mache einfach weiter.Viele Richtungswechsel, Zirkel und Volten mit Innenstellung und mit Aussenstellung. Trainiere ca. 20 Minuten - aber trainiere, nicht nur oben sitzen und als Passagier dabei sein. Zum Schluss kannst du dein Pferd ja kurz anjogen nur für ein paar Tritte, dann hörst du auf.

So have fun - ride Pleasure
hb

von Hoppelbobel - am 05.05.2004 19:33
Tja, da hast du wohl ziemlich den Nagel auf den Kopf getroffen.

Sich mit dem Thema Pferdeausbildung zu beschäftigen, bereitet nicht nur oft Kopfzerbrechen sondern beschert einem auch jeden Tag neue Erfahrungen.

Ich werde heute abend mal wieder "rumprobieren". Mittlerweile hab ich die Erfahrung gemacht, dass ich viel lese, viel höre, viel sehe und einfach ausprobiere, was bei meinem Pferd oder auch bei mir tatsächlich funktioniert. Das kann ich dann weiter verfolgen und andere Methoden verwerfen.

Ich halte dich / euch auf dem Laufenden wie die Geschichte weitergeht ;-)
Viele Grüße
'Petra

von ChessnDaisy - am 06.05.2004 11:51
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.