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zsl
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vor 13 Jahren, 5 Monaten
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rabe

ZSLnews111

Startbeitrag von rabe am 18.06.2004 12:31

Liebe Freunde des ZSL, und interessierte Beobachter


fast genau ein Jahr nachdem das Schweizer Volk, auf dringende Empfehlung der bürgerlichen Parteien, gegen die Integration behinderter Menschen gestimmt hat - gegen ihren freien Zugang zum öffentlichen Raum - soll das Volk am 16. Mai darüber abstimmen, ob es die Folgekosten bezahlen will. Dass Ausgrenzung diese Kosten verursacht wissen die Politiker: Couchepin will handeln. Konsequenterweise müssten alle, die für Aussonderungpolitik stimmten, jetzt für die Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten der IV einstehen und alle, die auf Integration setzen, eine weitere Finanzierung dieser falschen Politik verweigern. Doch in der Realpolitik geht es nicht um die Lösung der Probleme der BürgerInnen. Alle wollen eigene Macht - und niemand die damit verbundene Verantwortung:

das Kartell der Behindertenversorgung, sorgt reflexartig dafür, die eigene Milchkuh - die IV - zu füttern (Behindertenorganisationen fordern ein JA zur MwSt, DOK).
eine von diesem Kartell unabhängige politische Stimme der Behinderten der Schweiz existiert - abgesehen vom kleinen ZSL - nicht
die politische Rechte stimmt reflexartig gegen alles was kostet - ohne zu fragen, welche Kosten dieses Nein verursacht
und die Linke stimmt reflexartig gegen die Rechte - ohne zu fragen, wer es die Rechnung bezahlt - und ebenso reflexartig "für die Behinderten" - ohne zu fragen, ob und wem das nützt.
Am Schluss einiges sich alle auf Kompromisse, die zwar keines der Probleme lösen, aber allen Funktionären einen Teil vom Kuchen sichern: Der Bundesrat geht die IV-Krise an. Ob das Volk ja oder nein stimmt, spielt gar keine grosse Rolle: den grössten Anteil der Folgekosten werden so oder so die Ausgesonderten bezahlen. Sie wird die erhöhte Mehrwertssteuer am meisten treffen, sie werden noch mehr Kontrollen über sich ergehen lassen müssen (Statt IV-Rente zuerst ein Taggeld), sie werden sich jede "Integrationsmassnahme" gefallen lassen müssen (ohne dass jemand beweisen muss, dass diese auch wirklich integrativ wirkt).
Aber zur Integration braucht es eine Gesellschaft, die integriert: Zugang zum öffentlichen Raum und zu Arbeitsplätzen und wo nötig die Assistenz dazu sichert. Genau diesen Teil des Deals unterschlagen alle Seiten in stillschweigendem Einverständnis: Noch etwas zögerlich für die Reintegration.

Traditionelle Gesten der Anteilnahme demonstrieren stattdessen wohlfeile Betroffenheit: Baudirektor und Erziehungsdirektor haben einen Tag im Behindertenheim gewirkt. Der huldige Zoobesuch anständiger Bürger im Siechenasyl gehört von Alters her zur Tradition der Ausgrenzung. «Demokratische Begriffe sind unseren Bewohnern sehr schwierig zu vermitteln.» Ein Gegenbesuch der so Begafften in der Intimsphäre der Bürger würde das vielleicht ändern!

Auch dieser Skandal ist so alt, dass man der momentanen moralischen Entrüstung kaum trauen darf: Antidepressiva: Wichtige Studien nicht veröffentlicht. Und wer die Wirklichkeit in den psychiatrischen Kliniken kennt, wird auch der dementierenden Beruhigungsspritze «Medikamente sind nur ein Bestandteil der Therapie» wenig Glauben schenken. Mit grossem Interesse verfolgen wir in den nächsten Wochen den Kampf unseres neuen Preisüberwachers, Rudolf Strahm, gegen das Pharmakartell - Stichwort: Parallelimporte von Medikamenten.

Bitte unterstellen Sie uns nicht Zynismus, wenn wir auch der Reaktion des Europarates auf Dick Marty's Anträge mit grosser Skepsis begegnen: Heftige Europarat-Debatte um Sterbehilfe. Eine Antwort auf sein Argument, wonach die Tötungen dann einfach "unter dem Tisch" weiter gehen werden, liegt jedenfalls nicht vor.
Zum Beweis: wir sehen doch auch das Positive! Wir gratulieren der Gruppe "a+b" ausdrücklich und von ganzem Herzen zu ihrem Vorstoss, zu Ihrem Konzept und der gelungenen Präsentation in den Medien: Wo können Ältere und Behinderte wohnen? Viel Erfolg!!

TV Tipp: SF 2, am 8.5, um 17:20 Uhr - Fenster zum Sonntag: "Ich lebe gern" mit Simone Leuenberger


Wir helfen gerne mit, wo wir Positives unterstützen können:

Ihr Input ist wichtig! Umfrage zu öV-Haltestellen mit besonderer Bedeutung für Behinderte im Rahmen des sog. Grobnetzes
Hier sind Behinderte "mit Pfupf" gesucht: Das Eidg. Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen sucht eine Praktikantin oder einen Praktikanten
Und hier eine Chance für Menschen mit Assistenzbedarf, integriert zu leben: WG-MitbewohnerInnen für selbständiges Wohnen gesucht

Aber wir brauchen auch Ihre Hilfe! Ob Sie mit unseren Ansichten einig sind oder nicht - wir sind so fehlbar wie alle anderen - nichtsdestotrotz braucht es das ZSL als eine politische, kritische, und vor allem vom Kartell der Dienstleister unabhängige Stimme der Menschen mit einer Behinderung in der Schweiz. Diese Stimme kann langfristig nur überleben und ihre Rolle erfüllen, wenn Sie uns - mit ihrer Arbeitskraft, ihren Informationen und vor allem auch finanziell - unterstützen. Bitte werden Sie Mitglied im Förderverein, werben Sie in ihrem Umfeld für uns und / oder helfen Sie mit einem grosszügigen Beitrag auf das Postcheckkonto. Vielen Dank!



Mit herzlichen Grüssen

ZSL Team

Zentrum für Selbstbestimmtes Leben
Röntgenstr. 32
8005 Zürich

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