Digitalisierungsbericht der Republik Österreich

Startbeitrag von mor_ am 16.01.2006 17:09

"Digitalisierungsbericht des Landes Österreich (O-Ton DF)"
Bei DF gab es folgende Kurzmeldung. Leider konnte ich auf weder der rtr Homepage noch beim Bundeskanzleramt den vollen Bericht finden. Kennt jemand zufällig den direkten Link - oder gibt es den Bericht nur als Printedition?
Zitat

http://www.digitalfernsehen.de/news/news_54499.html
16.01.06
Österreich: Ende für analoges TV 2010
[ab] Wien - Im aktuell veröffentlichten Digitalisierungsbericht des Landes Österreich wird das 'Aus" für die Übertragung analogen Fernsehens bis spätestens 2010 festgelegt.

Der vom österreichischen Bundeskanzler vorgelegte Bericht über die Digitalisierung der Rundfunkübertragung in Österreich gibt einen Überblick über den Fortgang der Arbeiten zur Einführung eines digitalen Rundfunks in Österreich, resümiert über den Testbetrieb für digitales terrestrisches Fernsehen in Graz und legt die wesentlichen Annahmen für die weitere Entwicklung auf diesem Gebiet dar.

Als wesentlichsten Schritt des Jahres 2005 wertet der Bericht das im Mai begonnene Ausschreibungsverfahren für die Multiplex- Zulassung. Mit Ende der Ausschreibungsfrist ist bei der KommAustria ein entsprechender Antrag der ORS, einer Tochtergesellschaft des ORF, eingelangt. Nach den Worten des Berichtes ist nun bei positivem Abschluss des Verfahrens zu erwarten, dass noch im Laufe des Jahres 2006 der Regelbetrieb für digitales terrestrisches Fernsehen aufgenommen wird. Die komplette Abschaltung aller analogen TV-Frequenzen soll bis spätestens 2010 erfolgen.

Der Bericht rechnet damit, dass der Übergang zu digitaler terrestrischer Fernsehübertragung zu einem größeren Angebot an terrestrisch verfügbaren Programmen führen wird. Zu erwarten sind ferner zusätzliche Dienste und erweiterte Möglichkeiten einer mobilen Nutzung. Somit trägt die Einführung digitaler Rundfunkübertragung auch zur effizienteren Nutzung des Frequenzspektrums bei und ermöglicht technologische und programmliche Innovationen, heißt es im Bericht.

Zur Forcierung des Umstiegs auf die digitale Rundfunkübertragung stehen jährlich 6,75 Millionen Euro aus dem Digitalisierungsfonds zur Verfügung. Die Richtlinien dieses bei der RTR-GmbH eingerichteten Fonds von der Europäischen Kommission wurden als staatliche Beihilfe genehmigt.

Über den Testbetrieb für digitales terrestrisches Fernsehen in Graz im Sommer 2004 zieht der Bericht positive Bilanz. Österreichischen Fernsehveranstaltern und IT- Unternehmen sei durch dieses Projekt die Möglichkeit geboten worden, vielfältige Applikationen und Zusatzdienste auf Basis des europäischen offenen Standards MHP zu testen.





Antworten:

Hier steht er:

http://www.parlament.gv.at/portal/page?_pageid=908,998375&_dad=portal&_schema=PORTAL

Andreas

von andimik - am 30.01.2006 16:07
thx
mor

von mor_ - am 30.01.2006 20:37
Der Digitalisierungsbericht aus dem og. link ist m.E. sehr interessant.
Der Bericht setzt sich im wesentlichen aus 3 Teilen zusammen
_Übersicht Digitaliserung Europa/Österreich
_Bericht DVB-T Testprojekt Graz.
_Marktforschungsbericht
Letzterere sind recht interressant da sie einige Details zum Versuchsprojekt Graz bringen
die noch nicht bei rtr publiziert waren. Ansonsten viele bekannte Informationen.

Interessant die Daten der Übertragungswege in AUT (Stand Ende 2004)
alleiniger terrestrischer Empfang : 15%
terrestrisch ORF/ATV, Rest SAT : >50%
Sat insges. 45%
Kabel 40%

Bei Kabel liegt der digitale Anteil bei 5% bei SAT (wegen ORF) bei 25%
Insgesamt soll aber der terrestrische Übertragung bei ORF/ATV+ Zusehern > 50% liegen. (Nutzung: Sat analog + ORF terrestrisch,
es soll lt Bericht auch Leute geben die SAT digital besitzen und keine ORF Karte.....)

Übertragungsmodices für den Betrieb:
Zitat

Die drei Fernsehprogramme von ORF 1, ORF 2 Steiermark und von ATVplus wurden jedoch bis
Ende August weiterhin digital-terrestrisch in Graz ausgestrahlt und waren jeweils
durchgehend mit den MHP-Portalen der zwei TV-Veranstalter unterlegt. Damit wurde
testweise für einen Monat ein Realbetrieb mit drei durch Zusatzdienste ergänzten
Programmen simuliert, wie er zukünftig durch einen Multiplex-Betreiber auf einer Frequenz
realisiert werden kann.
...
Der Sende-Datenstrom wurde von den beiden Sendemasten im Modulationsverfahren 16QAM 3/4 auf Kanal 62 (802
MHz) mit einer Leistung von je 750 Watt terrestrisch ausgestrahlt. Dieses
Modulationsverfahren ermöglicht eine Bitrate von 16,59 Mbit/s,

NB: das war ein SFN bei MFN ist die datenrate höher

Equipment Boxen Anforderungsprofil "Österreich":
Zitat

50 Stk. Fujitsu Siemens Activy 350
2 x CI, Singletuner/Doppeltuner, nur UHF, Digitaler
Audioausgang: Cinch, 20 bis 120 GB HD
Modem: analog, ISDN, DSL (Ethernet)
MHP Middleware: IRT Reference Implementierung
Digitaler Videorecorder und DVD-Brenner gehören zur
Ausstattung. E-Mail und Internetzugang vorhanden. Die
Activy läuft auf MHP und dem dazugehörigen Embedded
XP.

50 Stk. Nokia MediaMaster 310-T
Anschluss V.90 Modem, 1 CI slot, Dolby Digital Out
Rückkanal: PSTN
MHP Middleware : Alticast AlticaptorTM MHP

35 Stk. Panasonic TU-MTF 100T
Anschlusstyp: V.90 Modem, Dolby Digital Out
Rückkanal: PSTN
MHP-Middleware: OpenTV Version EN23m02
MHP 1.0.2 Version Compliant, 52 MByte

50 Stk. Philips DTR 4600
Anschlusstyp: V.90 Modem
Rückkanal: PSTN

Humax DTT 4000
Rückkanal PSTN
Anschlusstyp: V.90 Modem
MHP Middleware : Alticast AlticaptorTM MHP
MHP-Middleware: Osmosys

Antennen
Zitat

Einsatz von Indoor-Antennen
Die beiden Grazer DVB-T-Sendeanlagen wurden aus Gründen der idealen Signalausbreitung an Standorten errichtet, an denen zuvor keine analogen TV-Sendemasten
aufgestellt waren. Daher waren die bestehenden Grazer Hausantennen in der Regel nicht dorthin ausgerichtet und es war deshalb mit einer relativ geringen Versorgungsqualität der
Testhaushalte mit dem DVB-T-Signal über deren Hausantennen zu rechnen. Um für diesen Fall gerüstet zu sein und um auch jene dann bereits ausgewählten Testhaushalte nicht
später mangels entsprechendem Signalempfang noch ausschließen zu müssen, wurden vom Projektmanagement aktive Indoor-/Outdoor-Antennen geordert, die – auch unter
Berücksichtigung des Preis-/Leistungs-Verhältnisses – in der Teststellung der TUGraz/Joanneum Research bereits beste Ergebnisse geliefert hatten.
Abbildung 31: Indoor-/Outdoor-Antennen für Grazer Testhaushalte: Antares DTA 3000 von
Schwaiger (links) und BZD 30 Kathrein
...
Die von Fessel-GFK in den ausgewählten Grazer Testhaushalten mit Hilfe von Set-Top-Boxen durchgeführten „Vor Ort-Signaltests“ ergaben, dass etwa 60% dieser Haushalte (104 von 175) über keinen ausreichenden Signalempfang über Stab-, Wurf- oder Hausantenne verfügten und somit diese Empfangstechnologie herangezogen werden musste.

Interessant auch die Messungen "mobil" und die Portable Indoor-Messungen: Modernes Glas-/Stahlbetongebäude ( Abbildung 35)
Zitat

Schlussfolgerungen und Ausblicke
Die Ausstattung und Performance der Set-Top-Boxen kann aus technischer Sicht insgesamt als eher enttäuschend bezeichnet werden. Die Ladezeit der MHP-Applikationen sowie die
Reaktionszeit bei der Nutzung interaktiver Dienste, die zum Teil maßgeblich von den eingesetzten Speicherbauteilen bestimmt wird, wird vom Konsumenten als vorrangiges
Kriterium für die Nutzung der MHP-Angebote eingestuft......

Zitat

Personen, die in Haushalten mit ausschließlich terrestrischem Empfang leben, bewerten die Empfangsqualität tendenziell besser. Auf dieser Ebene fand die stärkste Substitution des
analogen Signals statt. Im Anschluss wurde um einen direkten Vergleich zwischen analogem und digitalem Fernsehen gebeten: 55% der Probanden geben an, der digitale Empfang sei
gegenüber dem analogen Empfang besser (sehr/eher). Auf der Ebene der rein terrestrischen Empfangshaushalte bewerten 62% der Testpersonen den digitalen Empfang als besser.
....
Jeder zweite Testuser nutzte pro Woche einmal oder öfter zumindest einen der angebotenen digitalen Zusatzdienste.
So geben 56% an, digitale Zusatzdienste einmal oder öfter pro Woche aufgerufen zu haben. Anteilig davon sind 17% intensive Nutzer gewesen (fünf bis sieben Mal pro Woche
aufgerufen). 41% haben die digitalen Dienste seltener als einmal in der Woche genutzt.
...
Bereitschaft zum Erwerb einer Set-Top-Box
Auf die Frage, ob die Testpersonen sich auch eine entsprechende Empfangsbox anschaffen würden, wenn DVB-T weiterhin in Graz verfügbar wäre, bejahen dies 35%. Die höchste Kaufbereitschaft ist mit 51% bei jenen Personen gegeben, die derzeit lediglich über terrestrisch-analogen Empfang verfügen. Von den Personen, die über analogen Satellitenempfang verfügen, würden 40% eine Box anschaffen. Neben der Kaufabsicht wurde auch erhoben wie viel man für die Anschaffung einer Set-Top- Box zu bezahlen bereit ist. Der durchschnittliche Kaufpreis beträgt demnach EUR 252,-. Durchschnittlich EUR 178,- würden Personen mit terrestrisch-analogem Empfang
investieren.

Zitat

In den österreichischen Haushalten, insbesondere bezogen auf das in den Haushalten hauptsächlich genutzte (Wohnzimmer-)Empfangsgerät, wird nach Ansicht der Marktforschung terrestrisch-digitales Fernsehen keine erhebliche Konkurrenz für Satellit und Kabel sein. Der Rückgang der terrestrischen Ebene kann, so die Ergebnisse aus der begleitenden Marktforschung, wahrscheinlich gestoppt werden.
...
Allerdings muss hier nach unterschiedlichen Szenarien und Ausgangslagen differenziert
werden. Für Haushalte in Mehrfamilienhäusern in jenen Ballungsräumen, in denen das Kabelnetz geringer ausgebaut ist und in denen zudem die Anbringung von Satellitenempfangsanlagen typischerweise begrenzt möglich oder mit unterschiedlichsten Hindernissen verbunden ist (z.B. Abschattung durch benachbarte Gebäude), wird DVB-T eine willkommene Möglichkeit darstellen, um den Empfang von Fernsehprogrammen gegenüber der bisherigen, analogen Technik qualitativ deutlich zu verbessern.


achso kleiner joke am Rande. Hatte ich beinahne vergessen :-)
Zitat

Insbesondere konnte die in Graz eingesetzte Humax DTT-4000 keine Synchronität zwischen Bild und Ton sicherstellen. Es stellte sich je nach Einschaltzustand eine Verzögerung von bis zu 1 Sekunde ein. Diese Funktionalität sei laut Humax für den italienischen DVB-T-Markt, für den diese Modellserie produziert worden war, keine Anforderung gewesen.


mor
EDIT: PS: DAB taucht übrigens nicht auf in dem Bericht :-) honni soit qui mal y pense

von mor_ - am 31.01.2006 20:07
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