Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Radioforum Österreich
Beiträge im Thema:
17
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
audion, tresti, Wasat, Rolf, der Frequenzenfänger, Südtiroler, Peter Schwarz, 102.1, DX-Project-Graz

Steirischer Funzelreport (4) - 4 VHF-III-Kanäle von einem Standort

Startbeitrag von Wasat am 08.10.2007 22:06

Zunächst hätte ich geglaubt, mit dem Band I-Umsetzer im Stubachtal meine Lieblingsfunzel gefunden zu haben, doch nun entdeckte ich ein noch kurioseres Exemplar eines TV-Senders in Palfau in der Obersteiermark.


Das ist der Talkessel von Palfau im Salzatal. Hier leben etwa 300 Menschen, für die der ORF einen eigenen Umsetzer betreibt, der auf einem Hügel am westlichen Ende des Talkessels steht (roter Kreis). Nur hier besteht die Möglichkeit einer Signalzuführung vom Umsetzer Salza.


Von hier werden die beiden ORF-TV-Programme mit je 12 Watt und die 3 ORF-Radioprogramme mit je 6 Watt ausgetrahlt.


Ganz oben die TV-Empfangsantenne, darunter die TV-Sendeantennen, dann die Radiosendeantenne und ganz unten hinte den Ästen die Radioempfangsantenne. Die Signale kommen vom nahen Umsetzer Salza südlich davon.

Durch diesen Umsetzer kann aber nur der Talkessel von Palfau versorgt werden, während die angerenzenden Täler mit TV unversorgt bleiben. Radio kommt dagegen via Reflexion an den Bergen von den Sendern Jauerling und Schöckl, auch der Brotjacklriegel geht hier ganz gut.


Für die etwa 150 unversorgten Gemeindebürger hat daher die Gemeinde eine eigene Sendeanlage errichten lassen, die auf einem Berg östlich des Talkessels befindet, und die als Besonderheit gleich 4 VHF-III-Kanäle nutzt. Hier steht auch der Mobilfunksender für die Gegend, der von 3 Anbietern gemeinsam genutzt wird..


In einer Kurve der Forststraße neben dem Mobilfunkmasten steht schon das seltsame Gerippe. Einige vierbeinige "Stammgäste" haben sich auch eingefunden.


Gesendet wird vertikal polariserit mti jeweils 2,1 Watt auf Kanal E8 (ORF1) und Kanal E10 (ORF2) in südwestliche und südöstliche Richtung. Die gesamte Sendetechnik dürfte in dem kleinen Kästchen untergebracht sein.


Die Signalzuführung erfolgt im Ballempfang vom ORS-Umsetzer von der anderen Talseite.


Blick nach Südosten in das Salzatal, durch das die Straße nach Mariazell führt.


Doch das war noch nicht alles. In nordöstliche Richtung führt ein Weg.


Bald stößt man auf eine Säule mit einem Ding, das wie eine Antennnenweiche aussieht.


Auf einem Höhenrücken geht es bis an den Rand einer senkrecht abfallenden Felswand.


Und hier steht der zweite Teil der Sendeanlage, um das Tal Richtung Nordosten zu versorgen. Wegen der getrennten Sendestandorte, was im "Mischgebiet" im Südosten zu Auslöschungen führen würde, wird hier auf den Kanälen E5 (ORF1) und E7 (ORF2) gesendet, auch mit je 2,1 Watt.


Da der Gemeindesender viel günstiger als der ORF-Sender steht, sieht man die Antennen dafür auch noch an weiter entfernten Bauernhöfen.

Antworten:

Schwarzenbach in Niederoesterreich (unweit vom Raum Mariazell) hat doch auch irgendeine Funzel stehen, - wenn ich in Erinnerung habe....

von 102.1 - am 09.10.2007 03:48
Danke für diesen herrlichen Bericht! Es ist immer wieder schön zu sehen, was mancherorts für ein Aufwand für den terrestrischen Empfang gemacht wurde.

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 09.10.2007 04:09
Für physikalische Puristen:

Das drittletzte Bild oben zeigt etwas sehr merkwürdiges. Es könnte hier ein klassischer Montagefehler vorliegen (soweit das Bild dies erkennen lässt, also Irrtum vorbehalten):

Die beiden vertikalen Antennen sind gegeneinander montiert (die Dipolanschlusskästen schauen gegeneinander). Dies ist bei Koaxkabelspeisung NICHT zulässig, wie eine einfache Überlegung zeigt:

Die Antennen arbeiten auf dem Foto gegenphasig, d. h. wenn beim einen Dipol die Welle "nach oben" geht, geht sie im andern Dipol gleichzeitig "nach unten". Das ergibt theoretisch Auslöschung! Eine Antenne müsste gedreht werden, sodass die Dipolkästen auf die gleiche Seite (beide nach links oder beide nach rechts) zeigen.

Warum kann nun der Sender offenbar trotzdem gesehen werden? Ganz einfach: Die Antennen(miss)konstruktion wird beim Justieren automatisch, wohl noch ohne es zu merken, leicht schielend fixiert, sodass die eine Antenne in der gewünschten Senderichtung um eine halbe Wellenlänge näher beim Zielgebiet liegt, als die andere. Dann stimmt die Phase wieder und die Einzelantennen haben nicht so scharfe Keulen, dass nun deren dadurch entstandene Falschstellung ins Gewicht fällt. Und niemand merkt den Pfusch. Wer aber genau hinsieht merkt, dass die Antenne tatsächlich schielt (nach rechts) :joke:

Pfusch heisst die Mutter des Antennenbaues.

von audion - am 09.10.2007 13:44
Herrlich! Auch die Empfangsantennen sind äusserst schmuck an den Zaunpfählen...liegen da die BAuernhöfe im HAbgschatten? Sowas hab ich auch schon mal im Schwarzwald gesehen.
Naja, bald ist das alles Geschichte...wie langweilig das in der digitalen Zukunft alles wird...nur noch eine Handvoll Sender...super Bild oder gar keines. Da denk ich wehmütig an die Zeiten zurück, wo man unter Einsatz von Kanalverstärkern und gestockten Yagis versucht hat, das Nachbardritte oder Österreich hereinzuholen, um dann irgendwann ein leicht verschneites Bild zu bekommen...aber man hatte ein Programm mehr und freute sich wie ein König!


von Peter Schwarz - am 09.10.2007 18:58
Beeindruckend. Der Mast mit den vielen vertikalen Yagis hat fast italienische Verhältnisse. Schade, dass diese Sender wohl bald Geschichte sein werden, sobald DVB-T auch dort aktiv sein sollte (trotz Verzerrungen kann man bei DVB-T ja trotzdem noch Signale bekommen oder?)

von DX-Project-Graz - am 10.10.2007 11:03
@Jack. D.

Ja, Deine Vermutung scheint richtig. ;)

von audion - am 10.10.2007 16:51
Danke für den Bericht, ich bin beeindruckt :cool:

Umsetzer empfängt Umsetzer, der Umsetzer empfängt.

Un dess in die Bearge! Wia schaut dess aus mit di Reflexionen bäm letztn Umsetza?

Absolut kultig!!!

Ich denke auch, dass jeder Kanal auf eine eigene Yagi geht, Standardumsetzer mit eingebauter Leistungstransistortreiberstufe und direkt auf die Antenne. Kommt viel billiger als eine teure handgefräste Doppelkanalweiche, die zwei Signale auf eine Antenne gibt.



von Südtiroler - am 10.10.2007 18:35
@Wasat:

Weil wir schon in dieser Gegend - nördl. Obersteiermark, oö. und nö. Voralpengebiet - sind, und du geschrieben hast, dass in jenen Gebieten über Reflexionen Jauerling, Schöckl, Brotjacklriegel (und wohl auch Lichtenberg?), und weiter östlich wohl auch der Kahlenberg zu empfangen sind:

Im nö. Voralpengebiet fällt auf, dass es in einigen Tälern keine Funzeln gibt:
- Im oberen Ybbstal (Raum Opponitz, Hollenstein, St. Georgen/Reith),
- im oberen Traisental (Raum Lehenrotte, Türnitz, Annaberg - im Tal der "Unrecht Traisen" gibt es dagegen sehr wohl zwei Funzeln: St. Aegyd-Tettenhengst und Kernhof),
- im Triestingtal östlich des Gerichtsberges (Raum Kaumberg, Altenmarkt-Thenneberg, Weißenbach, Neuhaus, Pottenstein)

Ist für diese Gebiete offiziell der Jauerling bzw. der Kahlenberg als Ortssender gedacht? Denn von benachbarten Funzeln (meist mit geringer Leistung) werden diese Abschnitte wohl kaum noch versorgt, und eigene Funzeln gibt es ja in den genannten Gegenden - trotz gebirgiger Topographie - keine.

Ich bin einmal auf der B25 von Göstling/Ybbs über Lunz/See, Gaming und Scheibbs zur A1 gefahren, und da ist mir aufgefallen, dass der Jauerling eigentlich fast einwandfrei in diese Täler des nö. Voralpengebietes einstrahlt. Und vor einigen Jahren war ich mal am Hochkar zum Schifahren, da hatte ich auf der Hochkar-Mautstraße im Autoradio einwandfreien Empfang vom Brotjacklriegel.

von tresti - am 10.10.2007 19:24
Wenn man RDS eingeschaltet hat, hat man in diesen Tälern tatsächlich so gut wie ungestörten Empfang. Wenn man nicht gerade im Bereich einer Funzel ist, zeigt z.B. für Ö3 die Frequenzanzeige die meiste Zeit 89,4, als Jauerling.

Besonders deutlich wird das im Tal im Wildalpental, durch das die B24 nach Mariazell führt. Hier gibt es, weil es kaum Siedlungen gibt, auf fast 50 km keinen UKW-Sender. Dennoch hat man in diesem Tal durchgehend Radioempfang, und zwar vom Jauerling fast störungsfrei, und mit etwas mehr Störungen vom Schöckl. Der Kahlenberg liegt doch etwas zu tief (jedefalls tiefer als der Talgrund hier). Der Brotjacklriegel kommt auch gut durch, wenn auch durch die große Entfernung das Signal zeitweise etwas schwach wird.


Hier eine ländliche "Antennenidylle" zwischen Göstling und Lassing. Die Sache ist nicht ganz "lupenrein", weil man offenbar den Sender Göstling (beiden ORF-Programme auf Band III) empfängt und daher die Band I-Antenne unnütz erscheint. Früher hatte man aber offenbar eine Verwendung für diese Antenne, eben, um den Jauerling auf Kanal E2A zu empfangen. Auf einem Haus in einer Engstelle des Tales direkt an der Grenze zur Steiermark sieht man übrigens auch noch eine schöne Band I-Antenne.

von Wasat - am 10.10.2007 20:32
Ist die "Band I-Antenne" nicht eher eine UKW-Antenne? Für Kanal 2A ist sie schon etwas klein. Für Kanal C in Italien könnte ich sie mir noch vorstellen. :confused:

von audion - am 10.10.2007 20:40
Zitat
Südtiroler
Umsetzer empfängt Umsetzer, der Umsetzer empfängt.
Un dess in die Bearge! Wia schaut dess aus mit di Reflexionen bäm letztn Umsetza?


Die Ansprüche waren früher sicherlich auch kleiner. Man war froh, überhaupt brauchbaren Empfang zu haben. Da haben ein paar Bildfehler nicht gestört. Wir hatten hier früher auch nicht alle Programme in optimaler Qualität, aber geschaut hatte man sie trotzdem... schliesslich gab es weder Kabel noch SAT, und jedes zusätzliche Programm war eine Bereicherung.

von Rolf, der Frequenzenfänger - am 11.10.2007 04:23
@Wasat:

Hast also du auch schon die Erfahrung gemacht, dass der Jauerling in diesen Voralpentälern fast einwandfrei zu empfangen ist, auch Schöckl und Brotjacklriegel gehen teilweise erstaunlich gut. Daher gibt es in manchen Tälern gar keine Funzel - obwohl man der Landkarte nach meinen würde, es müsste eine geben.
Den Kahlenberg meinte ich nur für mein letztes genanntes Gebiet, das Triestingtal östlich des Gerichtsberges (etwa zwischen Kaumberg und Pottenstein), für das Gebiet entlang der steir./nö. Grenze liegt er zu tief, das ist klar.

von tresti - am 11.10.2007 06:04
Zitat

Die Ansprüche waren früher sicherlich auch kleiner. Man war froh, überhaupt brauchbaren Empfang zu haben.


Als Entschädigung wurde dafür nicht ein solcher 24-Stunden-Mist gesendet, wie heute. Es gab noch wirklich gutes und kostengünstiges Programm, z. B. das Testbild. :eek: ;) ;)

von audion - am 11.10.2007 08:20
Zitat

Den Kahlenberg meinte ich nur für mein letztes genanntes Gebiet, das Triestingtal östlich des Gerichtsberges (etwa zwischen Kaumberg und Pottenstein)...

Ich kenne (wegen Verwandten) recht gut die Verhältnisse in den mittleren Wienerwaldtälern. Hier gibt es zwar einige Umsetzer für TV, UKW kommt aber fast überall vom Kahlenberg. Und dort, wo die Umsetzer nicht gut hinkommen, muss man auch versuchen, ein Plätzchen im Garten zu finden, wo ohne zu viele Verzerrungen und Reflexionen der Kahlenberg geht.

von Wasat - am 11.10.2007 17:05
@Wasat:

Ja, im Wienerwald gibt es die beiden ziemlich großen TV-Sender am Hohen Lindkogel und am Jochgrabenberg (von der A1 gut sichtbar), aber für UKW eigentlich nichts, da ist überall der Kahlenberg zuständig (bzw. nordwestlich von Hochstraß der Jauerling).

Im nö. Voralpengebiet sind so manche Funzeln noch gar nicht so alt, z.B. Gaming, Ybbsitz oder Rohr/Gebirge. Früher musste man sich etwa in Rohr/Gebirge - je nach Standort - den besseren Empfang aus Kahlenberg, Jauerling und Sonnwendstein suchen.
Im Tal von Schwarzau/Gebirge (südwestlich von Rohr/Gebirge) gibt es z.B. bis heute keine Funzel. Hier reflektiert sich aber durch das Höllental zwischen Schneeberg und Rax der Sonnwendstein ganz gut durch.

Recht verzerrt kommt der Kahlenberg entlang der sog. Thermenlinie, den Abhängen am westlichen Rand des Wiener Beckens. Das erklärt auch die zahlreichen Funzeln entlang dieser Linie: Baden, Hirtenberg, Berndorf, Waldegg, Grünbach.


von tresti - am 11.10.2007 19:49
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.