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Café Philo
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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 6 Monaten
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monerle, maegy, superburi, ostfriese, Takahe, mindleaving, merenaya, indri

Meine Geschichte und mein Anliegen:eure Erfahrungen mit IQ-Tests

Startbeitrag von monerle am 04.08.2006 22:52

Hallo Ihr!

Bin durch Zufall auf dieses Forum hier gestoßen und hab mal spontan entschlossen, mich zu registrieren.

Grund dafür ist, dass ich mit dem Gedanken spiele, in Kürze an einen offiziellem IQ-Test teilzunehmen - andererseits hoffe ich jedoch auch, mich hier über Themen und Probleme austauschen zu können, bei denen mir im "alltäglichen" Leben oft leider der richtige Ansprechpartner fehlt.

Zunächst möchte ich Euch etwas über mich erzählen und warum ich mich ausgerechnet in einem Hochbegabtenforum angemeldet habe:
Ich heiße Ramona und bin 25 Jahre alt. Die ersten -hm, nennen wir es mal "Auffälligkeiten" - gab es bei mir im Kindergartenalter. Ich war genau 6 Wochen lang im Kiga und ich kann mich noch lebhaft daran erinnern, dass es der blanke Horror für mich war. Ich hatte kein Interesse an den anderen Kindern, konnte mich den Kindergärtnerinnen schlecht unterordnen und bekam in dieser kurzen Zeit sämtliche Kinderkrankheiten auf einmal (vermutlich psychisch bedingt). Für meine Mom gestaltete es sich täglich als Lebensaufgabe, mich vor der Arbeit in die Tagesstätte zu bringen, da ich natürlich rebellierte ohne Ende. Also kam ich wieder tagsüber zu meinen Großeltern, die mich schon seit meinem 6.Lebensmonat tagsüber betreut hatten, wenn meine Eltern in der Arbeit waren.

Mit 3 Jahren brachte mir meine Oma Lesen, Schreiben und Rechnen bei. In Gesellschaft der Erwachsenen fühlte ich mich wohl und meine Kindheit war echt klasse.

Als ich dann mit 6 (fast 7) Jahren eingeschult wurde, blieben jedoch die Schwierigkeiten mit den anderen Kindern aus, ich kam mit meinen Klassenkameraden super zurecht. Ich sollte dann sowohl in der ersten als auch in der zweiten Klasse eine Jahrgangsstufe überspringen, ich wollte dies jedoch nicht, da ich bei meinen Freunden in der Klasse bleiben wollte. Meine Eltern akzeptierten dies damals und ich finde es auch im Nachhinein gut, dass ich nicht dazu gezwungen wurde. Vermutlich hatten sie noch die Schwierigkeiten vom Kindergarten in guter Erinnerung......

Aufs Gymi kam ich dann mit einem Schnitt von 1,0 im Übertrittszeugnis. Auch an der neuen Schule kam ich super zurecht, wurde bald Klassensprecherin und war auch die nächsten Jahre durchweg Klassenbeste. Allerdings war ich nie eine dieser extrem ehrgeizigen und fleißigen Typen; da mir von Anfang an immer alles sehr leicht fiel in der Schule hab ich wohl irgendwie auch nie "gelernt, zu lernen".....spätestens, als die Pubertät losging, hat sich eben dieser Defizit auch bemerkbar gemacht: ich schwänzte oft die Schule, Hausaufgaben wurden praktisch nie gemacht und ich versuchte alles immer mit dem geringsten (bzw. null) Aufwand zu erreichen.....zudem hatte bald Party machen und feiern die höhere Priorität.

Meine Zeugnisse der Jahrgangsstufen 7 bis 11 waren recht wechselhaft: in "schlechten" Jahren waren alle Noten von 1 bis 4 vertreten, in guten Jahren halt nur 1er und 2er. In der 11. war ich sogar mal wieder Schul- und Jahrgangsbeste.

Dann gingen leider die richtigen, ernsthaften Schwierigkeiten los. Irgendwie kam ich mit mir und meiner Umwelt nicht mehr richtig klar, mir war das alles "zu wenig". Ich kann das jetzt schlecht erklären, vielleicht versteht ja jemand, was ich meine.....Gedankenaustausch, Philosophieren, tiefgründige Erfahrungen, Grenzen erfahren....lapidar ausgedrückt: wenn ich mich z.B. mit meiner Mom über diese Phase unterhalte, dann war das die Zeit, in der ich "irgendwie durchgeknallt" bin.

Dann kamen auch noch massive persönliche/private Schwierigkeiten dazu. Meine Oma (meine engste Bezugsperson) verstarb praktisch von einem Tag auf den anderen (Leberzirrhose). Meine damalige Beziehung (mit einem wesentlich älterem Partner) ging auseinander. Und - Drogen waren im Spiel. Letzteres nahm bald schlimme Ausmaße an, was natürlich auch familiäre Konflikte nach sich zog. Im 2.Halbjahr der 12.Klasse brach ich die Schule zum ersten Mal ab. 1 Jahr lang war ich daraufhin in wechselnden Kreisen unterwegs, war nur noch alle paar Wochen bei meinen Eltern zu Hause....mir ging es sehr schlecht in der Zeit. Irgendwie vermag ich Schicksalsschläge und tiefgreifende Konflikte nicht so zu verarbeiten, wie andere Menschen dies tun. Zumindest war ich damals nicht dazu fähig, ich denke inzwischen habe mich ich diesbezüglich weiter entwickelt.

Meiner Mama zu Liebe hab ich es dann im nächsten Jahr nochmal probiert mit der Schule. Ich hatte auch wahnsinnig viel Unterstützung von meinen Lehrern (mein Direktor, der gleichzeitig mein Lehrer im LK Deutsch war, kam des Öfteren zu spät zur Schule, da er mich morgens abholte und auch auf mich wartete, wenn ich mal verschlafen hatte), aber leider klappte es wieder nicht. Ich konnte mich einfach in diesen ganze Schul- und Lebensalltag nicht mehr einfügen. Die Noten bewegten sich trotz allem nach wie vor zwischen 1 und 3 (sofern ich zu den Prüfungen anwesend war, ansonsten gab es natürlich auch die ein oder andere 6).

Im März 2001 brach ich erneut die Schule ab. Zur gleichen Zeit erfuhr ich, dass ich schwanger war. Dies war der Tag, der mein Leben veränderte. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben Verantwortung und langsam aber sicher lief alles wieder in geregelten Bahnen.

Inzwischen ist mein Sohn R. fast 5 Jahre alt. Nachdem ich einige Zeit im öffentlichen Dienst tätig war(was aber langfristig nichts ist für mich!) habe ich nun die Möglichkeit bekommen, mein Abi auf der BOS endlich nachzuholen. Die Vorklasse habe ich nun hinter mir mit einem Schnitt von 1,0.

IQ-Tests habe ich mein Leben lang "verweigert". Etwa in der 10. oder 11.Jahrgangsstufe wurde die gesamte Klasse getestet, ich war die einzige, die nicht an dem Test teilnahm. Ich habe mir damals nicht mal die Aufgaben angesehen. Einerseits hatte ich eine extrem schlechte Meinung von diesen Testverfahren, andererseits wollte ich meinen IQ überhaupt nicht wissen.

In letzter Zeit hat sich dies aber geändert, unter anderem auch da mir im nächsten Jahr sehr daran gelegen wäre, ein Stipendium zu bekommen.

Ich habe einige Testbogen aus dem Internet ausgefüllt. Einige längere erschienen mir recht vernünftig, auch der Mensa-Test (die längere Form, nicht die kurze auf der website) enthält meiner Meinung nach ganz gute Elemente. Die Tests, die ich ausgefüllt habe, dauerten alle etwa zwischen 30 und 60 Minuten, angeblich entsprachen die Aufgaben denen aus offiziellen Tests. Meine Ergebnisse bei den 6 oder 7 Tests haben jedoch stark variiert, was mich wieder daran zweifeln lässt, dass diese repräsentativ sind. Die Werte lagen zwischen 142 und 153 Punkten.

Nun zu meiner eigentlichen Frage: Wie sind euere Erfahrungen mit IQ-Tests?
Was haltet ihr von der These, dass die Tests bis zu einem gewissen Grad "anlernbar" sind( jedoch nur bis zur persönlichen Grenze eines jedem und erst wenn diese erreicht ist, steht der tatsächliche IQ fest)?
Bis zu welchem Grad dürfen sich die Testfragen Eurer Meinung nach auf Vorbildung (Grundrechenarten, Kenntnis der deutschen Sprache, Wortschatz) stützen?

Sorry für den langen Beitrag! Falls sich doch der ein oder andere die Mühe gemacht hat, alles durchzuackern, freu ich mich auf Gedankenaustausch und/oder Erfahrungsberichte!

LG Ramona

Antworten:

Hallo Ramona,

ob ein IQ-Test-Ergebnis bei der Bewerbung um ein Stipendium wirklich helfen kann?? Bei der Studienstiftung d. dt. Volkes z.B. wäre es vermutlich ein Faux-pas, ein entsprechendes Testat beizulegen.

Welche Art von Tests oder Testaufgaben zur Messung der Intelligenz mehr oder weniger geeignet sind, dazu gibt es natürlich Untersuchungen. Und die Tests werden entsprechend dieser Erkenntnisse immer wieder überarbeitet. Aber deinen "genauen IQ" wird niemand feststellen können, besonders dann nicht, wenn er im Bereich der dreifachen Standardabweichung (IQ 145) oder darüber liegt. Die Messungenauigkeit ist dann so groß, dass seriöse Tests in diesem Bereich keine Aussage mehr treffen. Das Ergebnis lautet dann IQ > 145 oder Prozentrang 99,9.

In jedem Fall würde ich keinem Internet-Test vertrauen, sondern hierzu entweder einen Psychologen konsultieren (teuer) oder mich zu einem Gruppentest von Mensa anmelden (bezahlbar). Orte und Termine auf [www.mensa.de].

Wünsche dir viel Erfolg bei deinem Projekt -- und dass du deine Schulgeschichte irgendwann zu den Akten legen kannst!!


von ostfriese - am 05.08.2006 00:47
Liebe monerle,

ich habe deinen Beitrag gelesen. Erstaunlich, ja wirklich beeindruckend !
Wie schön, dass du es jetzt soweit geschafft hast und ich wünsche dir viel Glück!

Ich hab nur in dem ganzen ersten Teil gedacht, dass es ähnlich klingt wie bei meiner Tochter, jetzt 14 und ab Mittwoch in der 11. Klasse. Die derzeitigen Probleme sind ähnlich wie du sie in diesem Lebensabschnitt beschreibst.
Interessieren würde mich, was du im nachhinein sagen würdest hätte besser gemacht werden können...? Was hätte den etwas späteren Absturz ( entschuldige wenn ich es so nenne) verhindern können?
Wie ist damals die Beziehung zu deinen Eltern gewesen? Haben sie dir geholfen, helfen sie dir noch?
Hast du in der Zeit in der du schlecht lernen konntest, viel gelesen, oder gab es auch da ein Loch, eine Unterbrechung und du hast " nur" Party gemacht?

Wenn du Lust hast schreib das doch mal hier im Forum, ich würde mich freuen, da es seltener Beiträge von älteren Hb´s gibt, mit der Sicht auf die Pubertät.


Ansonsten halte ich einen IQ Test auch nicht für besonders wichtig, aber die Buchempfehlung ( Andrea Brackmann ) ist gut , nur hat mir der Teil über das Borderlinesyndrom auch ein wenig Angst gemacht.
Die Wertespanne 142-153, sagt doch eigentlich ausreichend aus, wo du dich befindest. Die Schwankungen, hängen von der Tagesform und allem möglichen anderen Dingen ab. Interessant wäre vielleicht eine genaue Auswertung des Testes.
Ich glaube auch, dass dir der IQ Test bei der Beantragung eines Stipendium´s wenig hilft, aber vielleicht bei der Begründung für deine Schwierigkeiten und den vorzeitigen Schulabbruch...?!

Gruß maegy
:spos:


von maegy - am 05.08.2006 07:06
Hallo,
vielen Dank für eure Antworten!
@maegy Klar, gerne versuch ich dir meine damalige Situation nochmals eingehender zu schildern.

Was hätte besser gemacht werden können? Wie hätte mein "Absturz" (ich finde das sogar sehr treffend formuliert ;) ) verhindert werden können?

Nun, ich denke, ich hätte zum damaligen Zeitpunkt dringend eine Person gebraucht, die wirklich versteht, was da in mir vorgeht. Natürlich waren sehr viele liebe, besorgte Menschen um mich herum, besonders meine Familie wollte sicher nur mein bestes, aber trotzdem stieß ich vor allen Dingen auf Unverständnis. Beispiele :
Oft musste ich mir von meiner Mama diesen Satz anhören:"Ramona, du bist so intelligent, warum gibst du dich mit solchen (asozialen) Leuten ab?"
Etwas anderes, das mir noch heute im Nachhinein schwer zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass meine Mama immer dachte, ich tue dies alles (Drogen, Schulabbruch, psychische Zusammenbrüche), um ihr persönlich damit wehzutun. Oft kam der Satz:"Warum tust du uns das nur an?". Glaub mir, sowas hat mir damals bald den Verstand geraubt, man verliert den Boden unter den Füßen, alles, worauf man bisher gezählt hat, scheint sich in Nichts aufzulösen, man scheint unter tausenden allein und einsam zu sein und sieht sich dann mit derartigen Aussagen konfrontiert.

Damals und heute hat niemand nachvollziehen können, wie sehr mich der Verlust meiner Oma getroffen hat, da ich nicht, wie die anderen, an diesem typischen Trauerverhalten teilgenommen habe.

Was die schulischen Leistungen betrifft, bin ich mir nicht ganz sicher, was man hätte verbessern können. Wie bereits im oberen Beitrag erwähnt, lag und liegt die Schwierigkeit in meinem Fall wohl bei meiner Einstellung zum Lernen und meinem Lernverhalten an sich.
Ein Abitur mit 1,0 wäre wohl theoretisch betrachtet (bei entsprechendem Lernaufwand)kein Problem für mich, trotzdem hätte ich dies damals nie schaffen können. Sich täglich und kontinuierlich hinzusetzen und zu lernen war mir damals absolut nicht möglich und auch heute noch bin ich der Typ, der alles "auf den letzten Drücker " macht. Seit ich nun wieder Schülerin bin hat sich dies zwar gebessert, da ich in den letzten Jahren doch etwas an Reife und Zielstrebigkeit hinzugewonnen habe. Trotzdem bewundere ich den Fleiß und das Durchhaltevermögen anderer Schüler.

Ich kann mich noch gut an ein Mädchen erinnern, die einige Jahre in meiner Parallelklasse war und später auch mit mir zusammen in einer Klasse. Sie hatte oft bessere Noten als ich, aber sie war einer dieser Menschen die nie negativ auffielen, eher unscheinbar waren, die täglich gleich nach der Schule die Hausaufgaben erledigten, viel lernten und vor allen Dingen niemals etwas anstellten.

Da war (und bin) ich das genau Gegenteil. Ich hatte zwar ein erstklassiges Verhältnis auch zu den Lehrern, bekam aber trotzdem viele Verweise, hatte so gut wie nie alle meine Schulsachen dabei und war während des Unterrichts oft am Schwätzen oder was auch immer. Ich rauchte, trank Alkohol und war die ganze Nacht unterwegs.

Ich denke, dass sich durch dieses extreme Verhalten mein unbewusster Wunsch nach Normalität äußerte.

Ich kenne leider bis heute keinen Menschen, der in etwa so ist wie ich. Die Menschen (z.B. Hochleistende meiner damaligen Schule), die ein extremes geistiges Potential zu haben scheinen sind meist introvertiert, gemäßigt und - ohne damit verurteilen zu wollen - auf eine gewisse Art und Weise langweilig.

Mit den Personen hingegen, in deren Gesellschaft ich mich meistens aufhalte und eher wohlfühle - flippige, lustige, unterhaltsame, direkte etc. Menschen - kann ich mich zwar über alltägliche Probleme und Angelegenheiten unterhalten, sobald es jedoch an gewisse Themen geht ist Schluss - weiß evtl. jemand, wie ich das meine?
Ich kann mich z.B. mit meiner Freundin gut über Beziehungsprobleme, Kindererziehung, kriminelle Jugendliche, Behördenwahnsinn etc.etc. etc. unterhalten. Themen, die mich jedoch auch beschäftigen- das Paradoxon Geist und Körper, Existenz außerhalb von Raum und Zeit (könnte noch tausende solcher Stichpunkte aufzählen)- brauche ich in meinen üblichen Bekanntenkreisen gar nicht ansprechen, da ich höchstens schräg angeschaut werde.

Du wolltest noch wissen, ob ich damals viel gelesen habe oder ob es auch Zeiten gab, in denen ich nur "Party gemacht" habe.

Gelesen habe ich eigentlich nicht mehr so viel, aber ich habe in diesem Zeitraum zig Gedichte geschrieben.
Dann ist noch die Frage, wie man dieses "Party machen" denn überhaupt definieren kann. Für mich war dies eigentlich eine ständige Suche nach Zwischenmenschlichkeit, nach "verwandten Seelen", die Grenzen meines eigenen Bewusstseins kennenzulernen - insofern war das "Party machen" eiegtnlich gar kein Feiern an sich.

Ich wünsche dir und deiner Tochter von Herzen, dass euch diese Schwierigkeiten erspart bleiben.



von monerle - am 05.08.2006 09:59
Liebe Monerle,

du beschreibst in vielen Einzelheiten meine Tochter!
Ich bin getroffen.....
Es gibt sie also doch, die verwandten Seelen, die du damals auch bei den sehr intelligenen Mitschülern nie gefunden hast!
Gut, wir haben bisher, Gott sei Dank, weder das Drogen Problem, noch ist in ihrem näheren Umkreis eine Vertrauensperson verstorben. Die einzige Vertrauensperson bin wohl ich und du hast ja genau beschrieben, was Mütter manchmal zu ihren Kindern in solchen Situationen sagen....
Nun, ich versuch daraus zu lernen. Die Frage ist, können Eltern( Mütter ) in solchen Lagen, anders reagieren. Gelassener, liebevoller und zuversichtlicher, da sie selber ordentlich unter Stress stehen. Du bist selber Mutter. Kannst du der " anderen Seite " schon verzeihen oder sie im Nachhinein wenigstens verstehen?
Zitat

Ein Abitur mit 1,0 wäre wohl theoretisch betrachtet (bei entsprechendem Lernaufwand)kein Problem für mich, trotzdem hätte ich dies damals nie schaffen können. Sich täglich und kontinuierlich hinzusetzen und zu lernen war mir damals absolut nicht möglich und auch heute noch bin ich der Typ, der alles "auf den letzten Drücker " macht.

Ja, genauso würde ich das beschreiben....
Und wehe ein Lehrer hat eine Schwäche oder eine unangenehme Lehrweise...

Zitat

Ich kenne leider bis heute keinen Menschen, der in etwa so ist wie ich. Die Menschen (z.B. Hochleistende meiner damaligen Schule), die ein extremes geistiges Potential zu haben scheinen sind meist introvertiert, gemäßigt und - ohne damit verurteilen zu wollen - auf eine gewisse Art und Weise langweilig.

Mit den Personen hingegen, in deren Gesellschaft ich mich meistens aufhalte und eher wohlfühle - flippige, lustige, unterhaltsame, direkte etc. Menschen - kann ich mich zwar über alltägliche Probleme und Angelegenheiten unterhalten, sobald es jedoch an gewisse Themen geht ist Schluss - weiß evtl. jemand, wie ich das meine?

Ja, meine Tochter weiß das vermutlich noch nicht wirklich, aber sie praktiziert es:
Im persönlichen Umfeld sind es die flippigen unterhaltsamen Menschen, via Internet ist sie manchmal eher vergeistigt mit 26 jährigen Philosopiestudenten ....


Die Emotionen machen unser Verhältnis z.Zt oft schwierig, weil ich da meistens nicht mithalten kann, was gerade mal wieder so eine Emotion hervorruft.... ! Da sind Zornausbrüche, wenn es mal nicht so läuft, wie sie es geplant hat, oder sie sich übergangen fühlt, genauso wie tiefe Trauer oder Mitleid oder Anteilnahme mit einem eigentlich "wenig" nahestehendem Menschen oder Tier....
Ein Film, der depressiv macht, genauso wie ein Mensch, der sie zum lachen bringt....
Verwegene Ideen, deren Umsetzung, im normalen Leben, Planung und langfristigen Einsatz erfordern ( was sie z.Zt. nicht so schafft), bishin zu Phasen völliger Verweigerung und Inaktivität.

Alles aber jetzt erst so schlimm, sagen wir seit etwa einem Jahr, vorher war sie zwar auch emotional, aber doch eher in abgeschwächter, mir verständlicher Art und Weise.
Wohl eine pubertäre Krise...
Naja wir sind Beide, sagen wir ,in psychologischer Beratung, ich eher in erzieherischer Beratung.
Wie sieht es mit deinen Emotionen und Stimmungen aus, das würde mich noch interessieren?

Und ganz feste drück ich dir die Daumen für die Zukunft!




von maegy - am 05.08.2006 11:29
Hallo Maegy!

Ich muss sagen, ich bin jetzt schon heilfroh, dieses Forum gefunden zu haben. Zwar habe ich - insbesondere seitdem es das Internet gibt - nun schon oft Schilderungen, Studien, Erfahrungsberichte etc. gefunden, mit denen ich mich identifizieren konnte und in denen ich mich selbst wieder fand, aber das Gespräch mit Betroffenen und/oder bezüglich der Thematik Verständigen hat mir bisher sehr gefehlt.

Was meine Mama betrifft: Natürlich (welch Frage!) habe ich ihr jegliche Äußerung und jegliches Verhalten, womit sie mich damit evtl. verletzt hat, verziehen!!! Im Gegenteil, mir tut es schrecklich im Herzen weh, wenn ich daran zurückdenke, wie sehr sie damals unter meinem Werdegang und unter der Sorge um mich gelitten hat!

Seit mein Kind auf der Welt ist (seitdem läuft ja, wie bereits erwähnt, endlich alles langsam aber sicher wieder in die richtige Richtung bei mir) haben meine Eltern und ich wieder ein absolut super Verhältnis. Ich bin mir absolut darüber im Klaren, dass meine Mama angesichts der schwierigen Situation damals nicht anders handeln und reagieren konnte. Nur damals, in meiner eigenen Verzweiflung, war es halt sehr hart für mich und meinen seelischen Zustand betreffend nicht gerade förderlich.

Glaub mir, Maegy, mir graut allein bei dem Gedanken, dass evtl. mit meinem R. einmal ähnliche Dinge auf mich zukommen könnten. Ich muss aber sagen ich bin trotzdem guter Dinge deswegen, ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Sohn zwar sehr clever und überdurchschnittlich intelligent ist, jedoch nicht hb - und das ist auf eine gewisse Art und Weise auch gut so, denn HB kann alles andere als ein Segen sein!! Das werde ich auch später noch bezüglich deiner Frage, was meine Emotionen/Empfindungen angeht, ansprechen. Mein R. scheint zwar eine besondere Begabung im mathematischen Bereich zu haben (seit seinem 4.Geburtstag kann er mit den kleineren Zahlen Plus, Minuns und Mal rechnen und hat auch sehr viel Spaß an weiteren logischen Aufgaben), aber ansonsten einfach ein glückliches, normales Kind zu sein.

So, nun zu der Sache mit den Emotionen. Ich kenne diese Problematik sehr gut, und ich bin immer wieder erstaunt - oder besser gesagt: erschüttert darüber, zu welch tiefgreifenden Empfindungen ich fähig sein kann.
Mir ist das oft ein Rätsel, wie andere Menschen mit tiefer Trauer, schlimmen menschlichen Enttäuschungen oder ähnlichem umgehen können.

Ich lebe mit dem Papa von R. in einer sher problematischen Beziehung. Er ist nicht hb, ich hab ihn mal die gleichen Tests machen lassen, die ich gemacht hab, und dabei kam - genau, wie ich ihn persönlich auch eingeschätz hätte - ein Ergebnis von etwa 110 heraus. Leider gibt es in unserer Beziehung von seiner Seite aus sehr viel Unehrlichkeit, Rücksichtslosigkeit etc., ich wurde schon oft von ihm hintergangen und betrogen. Mir fiel es immer sehr schwer, diese Dinge zu verarbeiten, diese Kaltherzigkeit, Rücksichtslosigkeit und Unaufrichtigkeit waren mir immer unbegreiflich. In besonders extremen Situationen kann ich psychischen Schmerz sogar körperlich spüren.

Das Mitgefühl mit Tieren etc., das du bei deiner Tochter beschreibst, ist bei mir ebenso vorhanden. Ich habe eine besondere Beziehung zu Tieren, da bei diesen Lebewesen viele negative menschliche Eigenschaften (Neid, Missgunst,...etc.) nicht vorhanden sind. Unter anderem bin ich im Tierschutz aktiv und lebe vegetarisch. Wenn in meiner Gegenwart ein Tier leidet, ist es, als ob ich dessen Leid am eigenen Körper spüren kann. Auch bei Menschen verhält es sich ähnlich, dabei sind aber Unterschiede zu machen, ob dieses "Leid" ein ehrliches Gefühl ist, das von reinem Herzen kommt, oder ob dies wiederum von den typisch menschlichen Verstrickungen beeinflusst wird.

Auch jene Phasen "völiger Verweigerung und Inaktivität" kommen mir bekannt vor. Dies äußert sich bei mir vor allen Dingen bei Routine-Tätigkeiten, wie Haushalt, Behördengänge etc. Natürlich ist es mir wichtig, dass meine Wohnung sauber ist und meine Familie und ich in einer ordentlichen, reinlichen Umgebung leben. Aber ich muss mich immer ganz furchtbar zusamenreißen, um den Haushalt auf die Reihe zu bringen. Diese immer wiederkehrenden, un-kreativen Tätigkeiten rauben mir den letzten Nerv und insgeheim bedeuten diese für mich Zeitverschwendung, ich tue es aber trotzdem, da es ja schließlich gemacht werden muss. Wenn ich aber am Aufräumen bin, ertappe ich mich immer wieder dabei (wie jetzt zum Beispiel:D ), dass ich z.B, am Internet hängen bleibe oder sonst einer - viel interessanteren Sache nachgehen.
Auch während meiner Zeit im öfftl. Dienst hatte ich große Schwierigkeiten, wenn mal anspruchslose Tätigkeiten anfielen. Wir mussten z.B. mal einige Tage lang Akten ettiketieren, dabei hab ich voll versagt! Viel zu langsam, Flüchtigkeitsfehler etc.! Ich kann mich auf solche Dinge einfach nicht konzentrieren. Ein anderes Beispiel: Ich hab mal eine zeitlang aushilfsweise als Bedienung gearbeitet. Was glaubst du, wie oft ich mich bei den einfachsten Abrechnungen verrechnet habe?? (Aber in Mathe ne 1:p )

Hast du denn deine Tochter schon mal testen lassen?

von monerle - am 05.08.2006 12:07
Hallo monerle,

die Frage, wie wir mit unseren Schwächen umgehen und die Probleme lösen, die wir uns damit einhandeln, beschäftigt wohl jeden von uns tagtäglich.

Auf jeden Fall hab ich den Eindruck, dass du deine Geschichte, dein Wesen und deine Situation schonungslos ehrlich und sehr treffend analysierst. Und dass du in sehr gutem Kontakt zu deinen Gefühlen stehst (wie man so sagt). Also hast du die besten Voraussetzungen (geschaffen), Antworten auf deine Fragen zu finden.

Leicht wird's natürlich trotzdem nicht, denn die verständnisvollen Gleichgesinnten, nach denen hier im Forum so viele HBs suchen, sind naturgemäß selten. (Ich gehöre z.B. nicht zu den "Flippigen", sondern eher zu den "Langweiligen". ;-) )

Aber maegy samt Tochter hast du schon gefunden, vielleicht melden sich ja noch einige mehr...

von ostfriese - am 05.08.2006 12:31
Tja, lieber Ostfriese, so schön und zutreffend hätte ich ( da nicht Hb) es auf keinen Fall ausdrücken können :
Zitat


Auf jeden Fall hab ich den Eindruck, dass du deine Geschichte, dein Wesen und deine Situation schonungslos ehrlich und sehr treffend analysierst. Und dass du in sehr gutem Kontakt zu deinen Gefühlen stehst (wie man so sagt). Also hast du die besten Voraussetzungen (geschaffen), Antworten auf deine Fragen zu finden.


monerle: Ja, zum ersten Klassenspung, damals war N. 10 Jahre hab ich sie testen lassen, weil ich so unsicher war und dachte, so ein Test gib Sicherheit!
Aber Pustkuchen, die Unsicherheit, trotz dem erstaunlichen Ergebnis ( Ergebnis war auch in deinem Bereich), blieb bestehen.
Man findet immer Gründe, warum man so einem Ergebnis nicht traut.... Ich finde die Biographie meiner Tochter eigentlich viel überzeugender, wenn ich recht überlege..... Eigentlich ist es doch egal ob der Wert
20 Punkte + oder - hat.
Der Wert wäre ja in jedem Fall ausreichend um z.B. einen guten Schulabschluss zu machen, ein nettes Studium zu bestehen oder in eine anspruchsvollen Beruf zu arbeiten. Begabungen zeigen sich in der Regel auch ohne Test und zufriedener wird man nicht unbedingt, wenn man immer überdurchschnittliche Leistungen von sich selbst erwartet.
Positiv ist es eben, wenn man registriert, ich hab andere Eigenschaften weil ich Hb bin und nicht weil ich ihrgendwie verrückt oder falsch bin.
Die Gesellschaft geht gewöhnlich nicht gerade sensibel und verständnisvoll mit Hb um, deshalb muss man eben sehen, dass man einen Weg findet, so gut es geht mit seinen besonderen Eigenarten zu leben und hoffen ihrgendwie Zufriedenheit zu finden. Oder?

Im übrigen finde ich nicht, dass man sehr übersensibel reagiert, wenn man von seinem Partner belogen oder betrgen wird und damit schlecht umgehen kann, laß dir das nicht einreden.... ( Entschuldigung, ich will dir da nicht zu nahe treten, so hab ich das wenigstens verstanden ...)

LG maegy







von maegy - am 05.08.2006 14:55
Hallo monerle,

das was du zu deinem Leben schreibst kommt mir sooo bekannt vor. Ich bin über den Accont einer guten Freundin eingeloggt. Sie hat mir erzählt, dass sie sich in diesem Forum vor ein paar Tagen erkundigt hat und mich überredet, mal hier reinzuschauen.

Vor allem die pubertären Schwierigkeiten mit Drogenmissbrauch, Depressionen etc kenne ich gut. Auch mein Leben hat sich geändert, als ich schwanger wurde. Ich bin jetzt 23 fast 24 und habe einen 2,5 Jahre alten Sohn. Durch ihn habe ich wieder mehr Antrieb bekommen. Ich komme zwar mit meiner Umwelt im Privaten immer noch nicht wirklich klar, aber für ihn beiße ich oft die Zähne zusammen. Auch ich habe das Gym. abgebrochen - nach der elften Klasse mit katastrophalen Noten. Jetzt habe ich das Abi mit 1,6 nachgemacht. Trotz vieler Belastungen. Mit dem Lernen geht es mir ähnlich wie dir. In den Fächern, in denen ich begabt bin, brauche ich gar nichts zu lernen. In anderen, die mich nicht interessieren muss ich jede Menge üben und lernen, was mir nicht immer leicht fällt. Bei mir ist es vor allem der sprachliche Teil, in dem ich "begabt" bin. Ob ich HB bin, weiß ich allerdings nicht. Ehrlich gesagt, scheue ich mich auch etwas, einen Test zu machen. Ich weiß nicht, ob ich das Ergebnis wirklich wissen will. Ich habe mal einen IQ-Test bei einem Kinderpsychater gemacht, als es bei mir ganz schlimm wurde. Meine Eltern kamen absolut gar nicht mehr mit mir klar und wollten mich auf ein Internat oder in ein Heim stecken. Da ich damals - es war in der 8. Klasse - aber einen Durchschnitt von 4,5 !!! hatte, wollte das Internat einen solchen Test. Ich habe ihn gemacht und wurde dann auch angenommen. Leider hat man mir das Ergebnis nie mitgeteilt. Ich weiß nur noch, dass ich daraufhin angenommen wurde und dass der Test mir leicht fiel obwohl ich total bekifft war.

Ist sowas eigentlich vererbbar? Mein Partner ist überdurchschnittlich Intelligent, er hat einen IQ von 128. Mein Sohn kann jetzt schon bis 7 zählen, er kann komplette Sätze bilden, mit Vergangenheitsform etc und er hat ein außergewöhnliches Verständnis für techn. Zusammenhänge. Außerdem kennt er schon einige Geometrische Formen, wie zb einen Kreis, Quadrat, Dreieck. Woher er sowas kann weiß ich nicht genau. Er merkt sich alles, was man ihm sagt, auch wenn es nur beiläufig ist. Im September kommt er in den Kindergarten, obwohl er noch keine 3 ist. Wir können ihm die Förderung gar nicht mehr geben, die er braucht. Er saugt alles wie ein Schwamm auf! Mit normalem Spielzeug will er gar nicht spielen, das ist ihm zu langweilig. Sein Lieblingsspiel ist Memory. Ich habe aber Angst, dass es ihm später ähnlich ergehen wird wie mir.

Außerdem komme ich mir ein bisschen komisch dabei vor, ich will gar nicht überdurchschnittlich intelligent oder gar HB sein. Ich will einfach normal sein und mein Sohn soll das auch sein. Ich glaube, ich habe voll den Salat geschrieben, ich habe manchmal echt Probleme damit, meine Gedanken zu ordnen, weil mir immer soviel auf einmal durch den Kopf geht.

Fällt es anderen auch so schwer, Entscheidungen abzuwägen und zu treffen?

Grüße Mari

von merenaya - am 06.08.2006 09:59
Hi ihr :-)

Zitat
ostfriese
Auf jeden Fall hab ich den Eindruck, dass du deine Geschichte, dein Wesen und deine Situation schonungslos ehrlich und sehr treffend analysierst. Und dass du in sehr gutem Kontakt zu deinen Gefühlen stehst (wie man so sagt). Also hast du die besten Voraussetzungen (geschaffen), Antworten auf deine Fragen zu finden.


Ich bin hier, da ich mir (im Idealfall) Antworten auf zahlreiche Fragen erhoffe und dieses Forum möglicherweise ein Medium für mich sein kann, durch welches ich mit Menschen in Kontakt treten kann, mit denen ich gewisse Gedankengänge teilen kann. Ein großer Wunsch von mir ist es, endlich zu erfahren, wo ich in dieser Welt wirklich hingehöre (Ja, diese Frage stellt sich mir wirklich seit Jahren und ich habe bisher keine befriedigende Antwort darauf gefunden. Sie bezieht sich vor allen Dingen auf das soziale Miteinander.).
Um hierbei etwas zu erreichen ist m.E. "schonungslose Ehrlichkeit" unabdingbar.

Neben der Tatsache, dass mich einige Aspekte der gängigen Testverfahren noch immer etwas skeptisch stimmen habe ich irgendwo hier im Forum eine sehr treffende Formulierung dafür gefunden, warum ich mich bisher gescheut habe, an einem offiziellen Test teilzunehmen:
Dass ich nicht dumm bin (also schon überdurchschnittlich intelligent) ist mir eigentlich schon bewusst, denn sonst hätte ich einige schulische Leistungen nicht mit absolut null Arbeitsaufwand erbringen können.
Wenn nun aber bei einem Test herauskommen sollte, dass ich, was die Intelligenz betrifft, "normal" bin, dann weiß ich wieder nicht, was denn eigentlich mit mir los ist, warum bei mir so manches "nicht rund" läuft, warum die Gedanken in meinem Kopf einfach nicht still stehen können. Ergo: Dann weiß ich wieder nicht, "wo ich hingehöre".
Bin ich dann "verrückt"? Neurotisch? Litt ich damals "einfach so" an Psychosen? Was ist dann los mit meinem Kopf?
Bite versteht mich nicht falsch. Ich möchte nichts, das geschehen ist, mit einer evtl. Hb entschuldigen. Ich möchte einfach nur verstehen.

@maegy
Zitat

Die Gesellschaft geht gewöhnlich nicht gerade sensibel und verständnisvoll mit Hb um, deshalb muss man eben sehen, dass man einen Weg findet, so gut es geht mit seinen besonderen Eigenarten zu leben und hoffen ihrgendwie Zufriedenheit zu finden. Oder?


Ich denke, dass dem Großteil der Allgemeinheit überhaupt nicht geläufig ist, was es mit Hb überhaupt auf sich hat. Die meisten werden den Begriff wohl mal irgendwo gehört haben und damit vermutlich in erster Linie Hochleistende, besonders gute Abiturienten, musikalische Talente etc. assoziieren.
Das mit Hb auch Beeinträchtigungen und Eigenarten einhergehen ist wohl den meisten Menschen nicht geläufig, im Gegenteil, vermutlich denken die meisten dass Hb und diese Aspekte sich gegenseitig ausschließen.

Zitat

Im übrigen finde ich nicht, dass man sehr übersensibel reagiert, wenn man von seinem Partner belogen oder betrgen wird und damit schlecht umgehen kann, laß dir das nicht einreden.... ( Entschuldigung, ich will dir da nicht zu nahe treten, so hab ich das wenigstens verstanden ...)

Nein, so habe ich das eigentlich nicht gemeint. Ich wollte auf die Art und Weise, wie ich dann fühle und empfinde hindeuten. Dieser enorme Leidensdruck, die körperliche Beeinträchtigung durch seelisches Leid, die Unfähigkeit, die sich mit der Problematik befassenden Gedankengänge auch nur für eine Minute aus dem Kopf zu verbannen. Die zugrunde liegende Situation war ein Beispiel.

Liebe Maegy, kannst du bitte nochmals erläutern, warum dir in Brackmanns Buch der Abschnitt über Borderline so zu denken gegeben hat? Ich habe vor einiger Zeit im Internet zum ersten Mal in meinem Leben davon erfahren, dass es einen Zusammenhang zwischen Borderline und Hb geben kann, würde mich an späterer Stelle auch noch gern dazu äußern. Gerne würde ich aber zunächst das ein oder andere Statement von Leuten hören, die sich ggf. schon eingehender mit der Thematik befasst haben.

@Mari
Schön, dass du auch den Weg hierher gefunden hast! :)
Mir geht es in vielen Dingen tatsächlich ähnlich wie dir, besonders dass du geschrieben hast, dass du im alltäglichen Leben oft für deinen Sohn die Zähne zusammenbeißt ist etwas, womit ich mich sehr gut identifizieren kann. Ich habe viel Kraft aufgewandt, um für mein Kind alles wieder in geregelte Bahnen zu bringen, denn ich denke dass derartige Unregelmäßigkeiten im Umfeld eines Heranwachsenden schlimmen Schaden anrichten könen. Ich bin sehr froh und stolz darauf, dass ich hierbei erfolgreich war.
Ich bin selbst in einer herzlichen, kinderfreundlichen und liebevollen Familie aufgewachsen (obwohl es natürlich auch da manche Schwierigkeiten gab, z.B. in der Beziehung meiner Großeltern) und ich möchte auf keinen Fall, dass mein Sohn dies missen muss.

Ich habe weiter oben geschrieben, dass ich denke, dass mein R. zwar sehr clever, jedoch normal intelligent ist, nachdem ich aber gestern etwas im Elternforum gestöbert habe bin ich mir auch nicht mehr so sicher. Ich bin bisher immer von meiner Kindheit ausgegangen, ich konnte z.B. schon mit 3 Lesen, Schreiben und Rechnen, R. wird nun im Oktober fünf und kann zwar das gesamte Alphabet, einige Wörter schreiben und erkennen, jedoch weder flüssig schreiben noch lesen. Rechnen kann er jedoch absolut super. Wenn ich ihn jedoch kleine Geschichten erzählen lasse merke ich, dass er beim sprachliche noch einige Schwierigkeiten hat, da er fast jeden Satz mit "und dann" verbindet etc. Ich möchte ihn weder über- noch unterfordert wissen, ich weiß noch nicht, was ich diesbezüglich unternehmen werde, also ob ich ihn z.B. testen lassen werde oder so. Das wichtigste ist für mich, dass er sich wohl fühlt und in seiner Umwelt zurecht kommt und das ist Gott sei Dank der Fall. Aber bald kommen ja auch Dinge wie Einschulung etc. auf uns zu und ich denke, dass spätestens dann schon Handlungsbedarf von miener Seite besteht.

von monerle - am 06.08.2006 10:59
Liebe monerle,

es ist schon einige Zeit her, dass ich das Buch von Andrea Brackmann gelesen habe und z.Zt habe ich es nicht zur Hand, da ich es verliehen habe.
In dem Buch geht es um sensible Empfindsamkeiten bei Hochbegabten. Ich habe einige Erklärungen für Verhaltensweisen meiner Tochter gefunden, die ich bisher nie mit der Hb in Beziehung gebracht habe:
Z.B. konnte ich, als sie noch jünger war ( ich glaube 3-8 Jahre alt) nie, wirklich nie mit ihr in Kaufhäuser gehen um dort für sie Anziehsachen zu kaufen. Sofort wurde ihr schlecht, sie hatte Schwindelgefühle, Kopfschmerzen oder bekam Hitzewellen...ect....
Ich dachte immer es hänge mit ihrer angeborenen Grundbehinderung zusammen ( sie hat eine seltene Fehlbildung am Kopf, Goldenharsyndrom, nicht so schlimm ), konnte aber in einer entsprechenden Betroffenengruppe niemanden mit solchen Beschwerden finden....
In dem Buch von Andrea Brackmann wird gerade, wenn ich mich recht erinnere, dieses Beispiel für die hohe Empfindsamkeit von Hb Kindern erläutert.

Nun, zu deiner Frage: Wir haben vor ca. einem 1/2 Jahr, eine schwere Zeit hinter uns bringen müssen...
Meine Tochter hatte Depressionen, zeigte Schulverweigerung, psychosomatische Beschwerden, war teilweise aggressiv und von ihrem Wesen in dieser Zeit, sehr, sehr verändert.
Ess- störungen,auch selbstverletzendes Verhalten gab es.
Im Zusammenhang mit meiner Scheidung und der schwierigen Vater Beziehung meiner Tochter, erkannte ich in der Beschreibung vom Borderlinesydrom eine gewisse Ähnlichkeit. Das hat mir Sorgen gemacht. Meine Tochter hat dann, in psychiatrischer/psychologischer Behandlung, die Empfehlung zum Überspringen einer
weiteren Klasse bekommen. Das hat erstmal geholfen und sie erholt sich langsam. Sie ist weiterhin in psychologischer Behandlung.
Ich habe das Borderline S. immernoch im Hinterkopf und hoffe, dass wir das langfristig nicht als Diagnose hinnehmen müssen. Im Moment sieht es wohl gut aus!
Vor ein paar Tagen lief im Fernsehen ein Film, der hieß "durchgeknallt", und handelte von einer Jugendlichen Borderlinerin. Ich habe ihn nicht ganz gesehen, aber meine Tochter sah den Film. Sie sagte mir: " Mama, die Jugendliche in dem Film konnte ich total gut verstehen!"
In dem Buch von A. Brackmann handelt das letzte Kapitel über Borderliner, das also zum Zusammenhang!

LG maegy





von maegy - am 06.08.2006 15:38
Liebe Mari,

nur falls du dich nochmal einloggst, du wirst es nicht verhindern können, wenn dein Sohn Hb sein sollte, dann ist er es.... . Du kannst es ignorieren, aber das wird ihm mehr schaden als nützen. Ich denke, was nützt,um Ihm die Erfahrungen die du mit deiner Hb gemacht hast zu ersparen, ist ihn so anzunehmen wie er ist, ihm das " Futter " zu geben, was er haben will und später in der Schule gut auf Unterforderung zu achten, später auch Kontakte zu Kindern und Jugendlichen die ähnlich ticken suchen. Außerdem müsstest du doch aus den eigenen Erfahrungen viel besser auf deinen Sohn rückschließen können, wenn du verstehst was ich meine....
Aber warte doch erstmal ab, bis jetzt bekommt er doch alles was er braucht von euch Eltern....:-)

Aber für dich, in deinem Interesse, kann man da noch was tun?
Geht es dir gut, wird es auch deinem Sohnemann gut gehen.

Viele liebe Grüsse
maegy


von maegy - am 06.08.2006 16:41
Zu hochbegabten Kindern stellten sich mir gerade ein paar knifflige Fragen:

Angenommen, die Eltern fördern ihr Kind bis zur Einschulung optimal. Wie kann man dann den Kontrast zu jener Langeweile abfedern, die das Kind unweigerlich erfahren muss, wenn sein Lerndrang bereits in der Grundschule ausgebremst wird?

Ist es sinnvoll, das Kind darauf vorzubereiten? Nach dem Motto: "Du wirst dich wahrscheinlich furchtbar langweilen." Oder muss die allererste Klassenlehrerin auf die besonderen Bedürfnisse dieses Kindes rechtzeitig vorbereitet und kontinuierlich in geeigneter Weise fortgebildet werden? Darf man es sich als Eltern leisten, erstmal abzuwarten? Oder kann, wenn sich dies als Fehler herausstellt, bereits alles zu spät, das Verhältnis des Kindes zur Schule nachhaltig zerrüttet sein?

Und wenn es vielen Jugendlichen und Erwachsenen durchaus ein Stückchen weiter hilft, die eigene HB als einen für die eigene Entwicklung sehr einflussreichen Parameter zu erkennen -- ab welchem Alter hülfe es auch Kindern?

Wie vermeiden Eltern, die selbst erfahren mussten, dass nicht alle HB-bedingten Probleme sich als lösbar erweisen, dass ihre Kinder allzu früh solch bittere Pillen schlucken müssen und darüber an Selbstvertrauen verlieren?

Pauschale Antworten auf solche Fragen machen sicher wenig Sinn. Das Gespür für den richtigen Weg vemitteln uns im Idealfall die Kinder selbst: ihren Eltern, Mitschülern und Lehrern. Wünsche euch also vor allem: dass euch ein verständnisvoller Kontakt mit euren Kindern nie verloren geht.

von ostfriese - am 06.08.2006 17:40
Hallo,

ich finde Eure Einträge wirklich faszinierend. Man sieht, dass man doch nicht allein auf der Welt ist und sich unverstanden fühlt. Mir ging es in meiner Schulzeit auch oft so. Ich verstand nicht, was die Lehrer wollten bzw. habe es anders verstanden, ich konnte Ungerechtigkeiten nicht ertragen und habe mir damit meist selbst alles versaut. Hab das Abi nach der 12. geschmissen und gedacht, ich wäre zu doof für diese Welt. Dann lernte ich meinen Mann kennen. Wir sagen oft, wir sind seelenverwandte, denn wir haben unendliches Vertrauen zueinander und haben oft dieselben Gedanken. Er ist ein sehr emotionaler Mensch und hat oft die gleichen Gedanken wie ich. Mittlerweile haben wir drei gemeinsame Kinder. Unser Großer ist hb getestet, bei den anderen beiden wissen wir es nicht. In meinem Sohn erkenne ich mich oft wieder, denn er ähnelt mir sehr. Auch er hat Probleme sich im Alltagsleben wohlzufühlen. Unser Freundeskreis ist alles andere als riesig, aber die die wir haben, sind klasse. Schöne anregende Gespräche sind etwas wertvolles, die man dann auch genießen sollte.
Bin mittlerweile 31 und stehe mitten im Leben. Versucht die Vergangenheit hinter Euch zu lassen und gebt nicht auf, nach guten Freunden zu suchen. Sie sind rar, aber es gibt sie. Irgendwann sollte man aus seiner , entschuldigt bitte, Opferrolle ausbrechen. Lasst Euch nicht zum Opfer Eurer hb machen.
Das Buch von der Frau Brackmann fand ich auch Klasse. Ich fand mich stellenweise auch wieder und bin nicht hb getestet. Meinen Sohn habe ich dort auch gefunden.

Wenn Eure Kinder eben hb sein sollten, dann ist das eben so. Hab eine "Freundin", die nicht ganz so clever ist, dafür aber eine Tochter hat, die hb ist. Der Satz meiner "Freundin": Warum ist sie so und was kann ich dagegen tun?

Tja, nichts. Denn es ist wie es ist.
Ich genieße es, dass ich mit meinem Sohn tolle Gespräche führen kann.

LG von Superburi, die den Kopf wieder aus dem Sand gezogen hat

von superburi - am 10.08.2006 21:00
Hallo ihr,

muss nun mal wieder etwas in meinem eigenen Thread schreiben :) .

Wie ich bereits erwähnt habe - ich bin sehr froh, dieses Forum gefunden zu haben. Vieles, was ich hier in den letzten Tagen zu lesen bekam berührt mich zutiefst.

Ich frage mich inzwischen, warum ich mich erst seit einigen Wochen bewusst mit dem Thema Hb auseinandersetze. Normalerweise bin ich ein Mensch, der - sofern ich ein Thema interessant finde - Informationen verschlingt und sämtliche Quellen unermüdlich durchforstet, bis der Wissensdurst gestillt ist. Wenn mich ein Thema jedoch nicht anspricht habe ich auch keinen Antrieb, mich damit zu befassen. Hm, Chemie oder Erdkunde z.B. haben mich nie besonders interessiert, somit habe ich mir auch nie über den Schulstoff hinaus Wissen angeeignet; auch bin ich nicht so wahnsinnig bewandert, was die deutsche Literatur betrifft, nur um ein paar Beispiele zu nennen. Wenn mich etwas interessiert, bin ich jedoch Feuer und Flamme, z.B. beim Erlernen von Sprachen, Tierschutz, artgerechte Tierhaltung, philosophische Themen, Religion und Ethik, unsere Muttersprache an sich (ich artikuliere mich gerne, sowohl in Wort als auch in Schrift) u.v.a.

Ich kann noch immer kaum glauben, dass es ähnliche Schicksale gibt.
Ich habe - zumindest nach Außen hin - die ganzen Jahre über gedacht bzw. die Auffassung vertreten, dass die Dinge, die in meinem Leben "schief" gelaufen sind und eventuelles geistiges Potenzial, über das ich verfüge, in keinerlei Zusammenhang stehen, bzw. dass ich höchstens im besten Fall die Diskrepanzen mit meiner Fähigkeit zu verstehen und zu analysieren irgendwann ein wenig kompensieren kann.

Obwohl mir schon ab und zu der Verdacht gekommen ist und ich mich auch erinnern kann, dass ich in dem ein oder anderen Gespräch sogar geäußert habe, dass ein gewisser Grad an Intelligenz möglicherweise nicht mehr ausschließlich förderlich und "gesund" sein könnte und dass ich das Gefühl habe, dass ich irgendwann mit meiner eigenen Art zu denken und zu fühlen nicht mehr klar gekommen bin, hätte ich mich bisher doch nie getraut, anzunehmen, dass evtl. tatsächlich eine Art Korrelation vorhanden sein könnte....

Wisst ihr, was früher eines meiner Lieblings-Statements war?
"Ich bin nicht weltfremd. Die Welt ist fremd!" Dieser Satz geht mir in letzter Zeit wieder so oft durch den Kopf. Ich bin so aufgewühlt in letzter Zeit, seit ich diese ganzen Artikel lese, die Studien, Definitionen und Lebensgeschichten auch hier im Forum. Ich habe mich die letzten Jahre, seitdem ich Verantwortung für einen kleinen Menschen habe, so gut angepasst, habe so viel an Bodenhaftung gewonnen....hab diese blöden (ja, ich finds wirklich "blöde" im Nachhinein) Autoaggressionen abgelegt, fühle mich wirklich sicher (!) jeglichem Suchtverhalten entwachsen, keine zermürbenden Gedankengänge über Einsamkeit und Unverstandensein mehr....ja, ich hatte mich wirklich - mir und meinem Kind zu Liebe - mit dieser Welt arrangiert!

Einerseits bin ich überglücklich, endlich Anhaltspunkte zu finden, worin dies alles begründet liegt, was in mir vorgeht, ich lese von Menschen, deren Gedankengänge mich faszinieren und begeistern und in denen ich ein Stückchen von mir selbst wieder zu erkennen glaube - und doch plagt mich irgendwie eine Angst, eine Unsicherheit und eine Unruhe......Angst, wieder fast daran zu zerbrechen, die Welt so zu sehen, wie sie ist...allein zu sein mit tausend Fragen ohne Antwort zu bekommen und mit tausend Antworten, ohne dass es jemanden gibt, der die Fragen danach stellt.


Heute nachmittag habe ich meinen Sohn zu meinen Eltern gebracht, weil er das Wochenende über dort schläft. Meine Mama ist mit dem Einkauf nach Hause gekommen und ich habe ihr beim Ausräumen geholfen. Mittendrin ertappte sie mich dabei, wie ich ins Leere starrte und meinen Gedanken nachhing. Naja, ich sagte halt "Sorry, Mama, ich bin bisserl vergeistigt zur Zeit!" :D Sie wollte daraufhin wissen, worüber ich nachdenke....anstatt wie sonst irgendwas Lustiges oder Verharmlosendes darauf zu entgegnen erzählte ich ihr, was mir durch den Kopf ging:
Ich:"Mama, ich hab über den Begriff der Normalität nachgedacht. Was glaubst du denn, was normal ist?"
Mama: "Na ich denk schon, dass ich normal bin."
Ich:"Ja, aber wie definierst du den Begriff normal? Der Norm entsprechend. Aber wessen Norm? Deiner? Oder der der Allgemeinheit?"
Mama:"Ramona, für solche Diskussionen hab ich jetzt keinen Nerv, schau mal wieviel noch zu tun ist!"
Ich:"Ja sorry, aber du wolltest doch wissen, über was ich nachdenk...."
Mama(gereizt):"Wenn du normal redest und dich so benimmst, dass andere dich verstehen, dann bist du auch normal. Normal ist man, wenn man was geschaffen hat in seinem Leben!"

Ich hab die Diskussion dann nicht mehr weiter geführt, sondern hab ihr weiter geholfen und das Gespräch schnell auf ein anderes, unverfängliches Thema gelenkt. Aber das war wieder eine dieser Situationen, die in mir dieses Gefühl der Unzulänglichkeit ausgelöst hat. Warum muss ich solche Gedankengänge immer für mich behalten? Warum stößt man damit auf soviel Unverständnis? Eigentlich war es doch eine normale, schlüssige Überlegung, die doch m.E. weder total abwegig noch besonders ausgefallen ist.

Sorry für den etwas chaotischen Text. Komischer Tag heute. Und komische Gefühle....

Ganz liebe aber etwas verunsicherte Grüße

Ramona

von monerle - am 11.08.2006 22:42
Hallo monerle,

Zitat

Warum muss ich solche Gedankengänge immer für mich behalten? Warum stößt man damit auf soviel Unverständnis? Eigentlich war es doch eine normale, schlüssige Überlegung, die doch m.E. weder total abwegig noch besonders ausgefallen ist.


Genau das, diese Gedankengänge sind völlig normal - für manche Menschen. Nur wirst du das voraussichtlich (nach deinen Schilderungen) deiner Mutter nicht vermitteln können, weil sie es nicht nachvollziehen kann.
Ich denke, man muss einfach akzeptieren, dass man derartige Gedanken nicht mit jedem teilen kann. Wenn gerade die eigenen Eltern das nicht verstehen können, ist das sicher sehr schwer, weil man irgendwie ja doch sehr stark (bewusst oder unbewusst) von ihnen beeinflusst wird (selbst noch nach vielen Jahren). Es bleibt aber bestimmt noch viel, was man mit ihnen teilen kann - z.B. die Liebe zum "Nachwuchs".

Für das "andere" muss man sich notfalls andere Gesprächspartner suchen. Das ist nicht immer leicht, aber es gibt sie!

Liebe Grüße
indri

von indri - am 12.08.2006 15:24
Hallo Monerle!

Na da scheinste ja mit deiner Mutter nicht so die tollen teifgreifenden Gespräche führen zu können. Tröste Dich, geht bei mir auch nicht.

Genau die Normgedanken habe ich mir letztens auch gemacht, da meine Mutter eben meinte, dass mein Sohn nicht der Norm entspricht. Ja, aber wer sagt, wie die Norm ist. Ebenfalls die Lehrer konfrontieren einen ständig, dass er nicht der Norm entspricht. Welche Norm?????

Ich finde meinen Sohn eigentlich vollkommen in Ordnung, denn er ist sensibel und haut eben nicht immer gleich drauf. Dann wird ihm vorgeworfen, er wär kein richtiger Junge. Er ist ein Junge, aber kein Raufbold. Ist man nur ein richtiger Junge, wenn man zuhauen kann? Ist das die Norm?

Normal ist man, wenn man was geschafft hat in seinem Leben? Ist ja auch sehr offen gehalten. Ist da wohl das liebe Geld mit gemeint? Muss man einen tollen und gut bezahlten Job haben? Natürlich muss man auch nach außen hin repräsentieren, was man so tolles geschafft hat. Aber hat man das wirklich?
Mein Mann und ich, wir gehen beide arbeiten, der eine mit mehr, die andere mit weniger Geld. Mit drei Kindern entsprechen wir schon nicht mehr der Norm. Besonders glücklich sind wir in unseren Jobs auch nicht, weil da nämlich viele Leute der Meinung sind, sie wären clever, es aber bei weitem nicht sind. Man hat Vorgesetzte, die teilweise dumm wie Bohnenstroh sind, soll aber trotzdem Anweisungen befolgen, die einfach nur bullshit sind.
Manchmal frage ich mich, ob ich es nicht einfacher hätte, wenn ich einfach nur ohne zu denken, Anweisungen befolge. Aber ich kann das einfach nicht. Ich muss eben einfach denken und manchmal auch was in Frage stellen (nicht nur manchmal, hihi).

Mit meinem Mann kann ich endlose Gespräche führen und es macht Spaß. Mit anderen macht es eben weniger Spaß, da betreibt man dann eben Smalltalk. Habe eine Freundin, die ist Zeugin Jehovas, womit ich manchmal ein Problem habe, denn ich hinterfrage zuviel, worauf sie mir keine klaren Antworten geben kann.
Da kommen merkwürdige verdrehte und nicht zu Ende zitierte Sätze, es fehlen Wörter und da frage ich mich, wie kann man an so etwas glauben? Wie kann man so sein und nichts hinterfragen? Gerade gestern meinte sie, sie müsse mir die Freundschaft kündigen, da ich einfach zuviel Frage und nichts mal eben so hinnehmen könne. Das wäre doch nicht normal. Ich antwortete: Tu was Du nicht lassen kannst. Wenn Du weiterhin gehorsam durchs Leben gehen willst, egal was gesagt wird, dann tu das. Ich werde auch weiterhin Entscheidungen hinterfragen, wenn sie mir nicht plausibel sind.
Darauf sie: Du und deine Fremdwörter.
Oh, ich böse zuviel denkende und mit bösen Fremdwörtern um sich schmeissende.

Mein Sohn hätte mich bestimmt verstanden.

Also, lass den Kopf nicht hängen, sinnlose Gespräche gehören eben manchmal auch zum Leben dazu. Es gibt auch andere auf dieser Welt.

LG Superburi


von superburi - am 12.08.2006 19:59
Zitat

Besonders glücklich sind wir in unseren Jobs auch nicht, weil da nämlich viele Leute der Meinung sind, sie wären clever, es aber bei weitem nicht sind. Man hat Vorgesetzte, die teilweise dumm wie Bohnenstroh sind, soll aber trotzdem Anweisungen befolgen, die einfach nur bullshit sind.
Manchmal frage ich mich, ob ich es nicht einfacher hätte, wenn ich einfach nur ohne zu denken, Anweisungen befolge.


Genau das gestaltet sich für mich auch als sehr schwierig. Deshalb ist es für mich auch so wahnsinnig wichtig, dass ich eines Tages meinen (einzig in Frage kommenden) Traumjob ausüben kann, nämlich Sozialpädagogin. Ich habe mich viel mit dem Thema Berufswahl und meiner Einstellung dazu befasst und ich bin wirklich zu dem Schluss gekommen, dass dies der einzige Beruf ist, den ich langzeitig ausüben können werde, ohne dabei unglücklich zu sein oder gar seelisch zu verkümmern.

Ich denke manchmal mit Schrecken an die Zeit vor ca. 2 Jahren zurück, als ich die ersten wichtigen Schritte unternommen hab, wieder einen vernünftigen sozialen Status zu erreichen. Nach meinem Totalabsturz 1999/2000 ging es mir ja erst wieder besser, als Robin auf die Welt kam und dann war ich ja zunächst zu Hause, bis er in den Kiga gekommen ist. Da ich damals noch nicht wusste, dass ich tatsächlich wieder die Chance bekommen würde, mein Abi nachzuholen, hab ich mich damals notgedrungen für verschiedene Ausbildungsplätze beworben, u.a. Industriekauffrau, Altenpflegerin, Informatikkauffrau, Fachangestellte für Arbeitsförderung.

Ich bin heilfroh, dass es damals nicht geklappt hat!! Inzwischen habe ich von einigen Schulkameraden gehört, wie so eine Standardausbildung abläuft (Azubi-Tätigkeiten....) und ich wäre wahrscheinlich närrisch geworden dabei!

Zur Zeit verdiene ich mir neben dem Bafög etwas Geld mit Pizza-Ausfahren. Ich bin jedes mal fix und fertig, wenn ich von der Arbeit heimkomme, was mein Freund überhaupt nicht nachvollziehen kann, da er bis vor kurzem (jetzt macht er auch ne Umschulung als IT) 65Std. pro Woche unter Extremsbedingungen auf dem Bau gearbeitet hat. Er sagt dann auch manchmal ich sei faul und nicht belastbar. Das stimmt aber nicht ganz so, das körperliche macht mir überhaupt nichts aus, aber dieses sture Befolgen von Anweisungen macht mich ganz krank!! Ich bin heilfroh, dass ich bald einen anderen Nebenjob als Nachhilfelehrerin habe.

Drückt mir bitte alle ganz fest die Daumen, dass es klappt mit meinem Soz.Päd.Studium, das Problem ist nämlich, dass die nächsten Studienplätze recht weit entfernt sind und ich kann wegen meinem Sohn R. auf keinen Fall umziehen. Wäre dann mit ihm ganz auf mich alleine gestellt...

Zitat

Für das "andere" muss man sich notfalls andere Gesprächspartner suchen. Das ist nicht immer leicht, aber es gibt sie!


Ja, ich weiß, dass es sie gibt.....hatte da nur leider in den letzten Jahren nicht besonders viel Glück! Andererseits bin ich jedoch froh, die engen sozialen Bindungen gefunden zu haben, aus denen sich mein Umfeld nun zusammensetzt, denn es sind allesamt sehr wertvolle Menschen, jeder auf die eigene Art und Weise - auch wenn ich mit den meisten von ihnen solche oder gar noch ausgefallenere und komplexere Gespräche nicht führen kann.
Als wir vor 2 Wochen unsere Zeugnisse bekommen haben sind wir danach noch mit den Lehrern was trinken gegangen. Ich war eine von denen, die am längsten blieb, und zum Schluss saß ich noch mit 2 weiteren Mitschülerinnen am Lehrertisch. Ich habe mich - was das "Gesprächs-Klima" (komisches Wort :rolleyes: ) betrifft - so wohl wie lange nicht mehr gefühlt. Bisher kannten wir uns ja nur vom Unterricht, aber ich stellte fest, dass 2 der Lehrer absolut auf meiner Welle waren und es tat einfach gut, sich über dies und jenes zu unterhalten. Nun, ich bin mir sicher, dass ich eines Tages auf jeden Fall noch die Bekanntschaft solcher Menschen machen werde, mit denen ich gewisse Dinge teilen kann. Ich bin da schon zuversichtlich.....


von monerle - am 13.08.2006 13:15
Ich drück Dir ganz fest die Daumen, dass Du Dir Deinen Berufswunsch erfüllen kannst. Ich hab so ne tolle Ausbildung im öffentl.Dienst gemacht, da meine Eltern immer meinten, dass wär ein sicherer Job. Ok, das ist er auch, aber eben auch nicht sehr anspruchsvoll und eben viel zu bürokratisch. Meine Kollegen schmunzeln oft, da es bei mir selten Beschwerden hagelt, weil ich eben auch mal etwas unbürokratisch handele. Gewußt wie ohne Ärger zu bekommen.

Was die Gesprächspartner betrifft, falle auch ich immer mal wieder rein, wenn ich mal nicht auf meinen Bauch höre. Aber im Großen und Ganzen kann ich schon zufrieden sein. Wir haben auch Lehrerfreunde mit denen wir bis in die Nacht quasseln können, wenn da nicht die Kinder wären, die am nächsten Tag ihr Recht einfordern.

Geniesse die Zeit mit Deinem Sohn und selbst wenn er hb sein sollte, dann ist es eben so. Ich hätte mir auch als erstes Kind ein "normales" gewünscht, aber es ist anders gekommen. Was solls.

LG Superburi

von superburi - am 13.08.2006 17:24
OK. Hier meine Erfahrung mit dem Mensa-Test.

Samstag morgen, am Testlokal stehen etwa 10 Leute herum. Erstaunlich viele Frauen diesmal. Die Testerin eine junge Frau. Sie begrüßt uns und erklärt und den Ablauf. Wir erhalten die Testbogen, sie ruft jeweils eine Frage auf, liest sie vor und stoppt die Zeit. Wir kreuzen munter an. An der Wand tickt die Uhr... Noch eine halbe Minute... Stopp.
Die Fragen fand ich größtenteils einfach, kultur- und bildungsneutral. Dreisatz sollte man zu den Mathefragen allerdings schon können. Bei einigen Fragen darf man sich Notizen machen. Meistens war ich vor der Zeit fertig, so konnte ich meine Antworten nochmal kontrollieren. Habe auf die Art noch so zwei Fehler gefunden. Die Fragetypen kannte ich in der Regel schon aus dem Internet. Mathematisches Grundverständnis, Reihen, Begriffsgruppen... Es war wie ein großes Rätselspiel.

HInterher gab es noch ein nettes Frühstück und die Gelegenheit, ein paar Mensaner persönlich kennenzulernen.

Etwa drei Wochen später kam die Auswertung per Post - mit dem Aufnahmeantrag. Zwei Zahlen, der IQ und der Prozentrang. Ich muss viel weniger Fehler gehabt haben, als ich dachte. Ich habe mir erstmal ausgerechnet, wie viele Menschen in unserer Kleinstadt rein statistisch auf dem gleichen Niveau "ticken". Das bewahrt mich vor Größenwahnsinn und Einsamkeitsgefühlen. Soooo besonders bin ich gar nicht...

ciao

Takahe

von Takahe - am 23.08.2006 13:11
Wie weit sind die Mensa-Teststellen denn entfernt?
Sind die in jeder größeren Stadt, oder muss man da zu den Groß-Städten fahren?

von mindleaving - am 23.08.2006 13:50
Hallo Jan,

HIER findest du die Mensa-Seite mit den Terminen und Orten:

http.www.mensa.de

Bei meinem Testtermin war eine Schülerin 120 km weit angereist. Aber die meisten kamen aus der näheren Umgebung.

ciao

Takahe

von Takahe - am 24.08.2006 09:33
Hallo Takahe!

Vielen Dank! Das klingt doch eigentlich gar nicht so übel....

Ich hab leider auch über 100km Anreise, von mir aus wäre das nächste Würzburg oder Leipzig, ich hab mich jetzt mal für Leipzig entschieden.

Finde es auch nicht schlecht, dass für jede Frage die Zeit einzeln gestoppt wird, dann läuft man nicht Gefahr, dass man am Schluss ewig viele Aufgaben nicht mehr lösen kann, weil einem die Zeit fehlt.

Na ich lass mich mal überraschen, wie es wird. Wenns so weit ist, werd ich sicher davon berichten! :-)

LG Ramona

von monerle - am 24.08.2006 10:23
Hmm, was mich vielleicht noch interessieren würde:
Wieviele Aufgaben in etwa umfasst denn der Test und wie lange hat man etwa für 1 Aufgabe Zeit?

Insgesamt dauert die Aktion ja 2 Stunden, wenns bei mir so weit ist von 15 bis 17 Uhr.

LG

von monerle - am 24.08.2006 17:27
So weit ich mich erinnere, waren es 12 Aufgabenbereiche von je 2 Minuten. In jedem Bereich dann so 6-10 Aufgaben. Also ganz schön viel.

T.

von Takahe - am 24.08.2006 21:13
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