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Café Philo
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vor 11 Jahren
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
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Bärlin-Mama, Takahe, Heike2, Bommel, grott, Pauline, Biba, Dorischka, indri, Radieschen

OT- Kinder allein unterwegs wie regelt ihr das?

Startbeitrag von Bärlin-Mama am 01.11.2006 08:22

Hallo!

Meine Tochter ist 9 und fängt an, ihre eigenen Wege gehen zu wollen.
Kino, Verabredungen u.s.w.
Bisher war es nicht so ein grosses Problem, weil sie sich meist mit Klassenkameraden traf, deren Eltern ich kannte.
Da sie im Sommer die Schule gewechselt hat, kenne ich nun eigentlich niemanden, eine Telefonliste gibt es noch nicht und ausserdem erweitert sich ihr "Radius", da die anderen Kinder nicht in unserer Nachbarschaft wohnen.
Ich muss gestehen, dass ich jedes mal unglaublich nervös bin, wenn sie unterwegs ist.
Sie sagt mir zwar, wo sie sich "in etwa" aufhält, aber Kinder sind nun mal sehr spontan.
Mir ist auch aufgefallen, dass viele Kinder gar keine Grenzen haben, bis wohin sie dürfen. Da wird einfach mal eine Tour mit dem Bus oder die U-Bahn getätigt und niemand weiss, wo die Kinder sich aufhalten.
Meine Tochter ist zwar ziemlich "vernünftig" für ihr Alter und auch zuverlässig (na gut, wenn ich ihr sage, wann sie zu Hause sein soll, muss ich etwa 30 Minuten zurechnen, bis sie dann hier ist).
Ich hab ihr ein Handy besorgt, aber sie kann einfach nicht darauf aufpassen. Entweder lässt sie es bei irgendjemandem liegen, oder sie verliert es ganz. Zum Glück waren es keine teuren Handys, denn mittlerweile sind 3 verschwunden. Ich hab auch schon versucht "Mäuschen" zu spielen. Hab mich zu blöd angestellt, Töchterchen hat mich entdeckt und war ziemlich wütend auf mich.
Aber ich kann ja nicht ewig ein Nervenbündel sein.

Was ich eigentlich wissen möchte: Wie regelt ihr das? Haben Eure Kinder einen bestimmten Umkreis in dem sie sich bewegen dürfen (ich weiss, das hört sich blöd an)?
Seid Ihr unruhig oder nervös, wenn sie unterwegs sind? Und was tut ihr dagegen?
Da es ja jetzt auch früher dunkel wird, gibt es bei uns ständig Diskussionen, denn ich möchte überhaupt nicht, dass sie im Dunkeln durch die Strassen tigert.

LG
Silvie


Antworten:

...


von Bommel - am 01.11.2006 09:14
Hallo ihr beiden.

Wir wohnen in Berlin und dort nicht grade in der "besten" Gegend.
Ich denke auch, dass sie für ein Handy noch zu jung ist, aber es war ein Versuch wert.
Sie hat es ja nicht bekommen, weil sie es wollte, sondern weil ich es sicherer fand. Aber was soll´s.
Eine Monatskarte hat sie auch, die ist nötig, damit sie zur Schule fahren kann. Einkaufen oder zum Spielplatz geht sie auch alleine.
Am liebsten ist es mir, wenn sie auf ihrem heiß geliebten Abenteuerspielplatz geht. Der ist bei uns in der Strasse und außerdem betreut. Da dort um 18 Uhr Feierabend ist, weiß ich auch immer wann sie nach Hause kommt.

Zum Glück verabredet sie sich nicht mehr spontan gleich nach der Schule. Das hatten wir ziemlich schnell geklärt. Wenn sie bei einer Freundin ist, hole ich sie meistens ab, wenn es dunkel wird. Aber es kam auch schon vor, dass sie bei einer Freundin war und mit dieser Unterwegs war. Als ich meine Tochter abholen wollte, stand eine ziemlich ratlose Mutter vor mir, die mir nicht sagen konnte, wo die Mädchen sind. Außerdem schien es ihr ziemlich egal, ob ihre Tochter im Dunkeln auf den Straßen herumturnt oder nicht.
Da war ich ziemlich böse.

Ich finde es toll @#$%&, dass Deine Kinder auch mit 18 noch Bescheid sagen, wo sie sind. Ich hoffe das wird später bei uns auch so klappen.

Danke für Eure Antworten
Silvie


von Bärlin-Mama - am 01.11.2006 11:59



von Radieschen - am 01.11.2006 14:39
Meine Mutter macht sich heute noch Gedanken um ihre Kinder, wenn wir mit dem Auto länger unterwegs sind, in Urlaub fahren etc. Das ist wohl Mütterschicksal....

Meine Kinder dürfen sich auch in dem Bereich frei bewegen, den sie auch als Schulweg nutzen. Bei spontanen Umplanungen müssen sie vorher Bescheid geben. Beim Spielen im Ort kommen sie also kurz zuhause vorbei. Meine Große (gerade 10 geworden) hat nun auch ein Handy. Die Busverbindungen aus der Stadt zu uns nach Hause sind sehr unzuverlässig. Zudem habe ich ja zu arbeiten begonnen und sie kann mich zuhause nicht erreichen. Da bin ich für das Kommunikationssystem Handy schon dankbar.
Gedanken machen ist normal, man sollte sie auch mit dem Kind teilen. Dass man sich Sorgen macht, wenn das Kind nicht zum verabredeten Zeitpunkt zuhause ist. 30 Minuten finde ich da schon sehr spät. Die würde ich beim nächsten Heimkommtermin abziehen.
LG, Heike

von Heike2 - am 01.11.2006 16:12
Hallo Heike,

über die obligatorischen 30 Minuten habe ich mich auch eine Weile aufgeregt.
Bis ich dahinter gekommen bin, dass sie es nicht schafft zuverlässig die Zeit einzuplanen, die sie für den Heimweg braucht.
Wenn sie um 18 Uhr zu Hause sein sollte, ging sie erst ein paar Minuten vorher los.
Mittlerweile haben wir ausgemacht, daß sie sich um 17:30 Uhr auf den Rückweg macht.
Mit einer normalen Uhr hat das auch nicht so geklappt, denn wenn man nicht raufschaut, ist man auch nicht pünktlich zu Hause ;)
Also wurde eine Uhr mit Wecker besorgt. Seitdem funktioniert es eigentlich ( es sei denn, er wird "überhört".
Aber für den Fall habe ich "Strafe" angedroht.
Ich spreche mit ihr darüber, daß ich mir Sorgen mache, wenn sie nicht pünktlich ist. Sie wirkt dann immer ziemlich betreten, aber ich muss aufpassen, daß es nicht wieder anfängt zu schleifen.

Momentan hat sie sowieso einige "Macken". Eine Bekannte meinte, meine Tochter würde wohl in die Pubertät kommen. Mit 9??? Ist das nicht ein bisschen früh? :eek:
Sie ist der Meinung, in dieser Phase müsse man den Kindern einiges nachsehen und sie auch mal machen lassen.
Aber wenn man damit anfängt tanzen einem die Kinder dann nicht völlig auf der Nase herum und machen nur noch was sie wollen?
Oder sehe ich das zu eng weil ich selbst relativ streng erzogen wurde (zumindest war bei uns so ziemlich ALLES durch Regeln festgelegt, an denen es nichts zu rütteln gab).
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

LG
Silvie

von Bärlin-Mama - am 01.11.2006 18:32
...

von Bommel - am 01.11.2006 18:48
Hallo,
Danke für den Tipp, ich werd nachschauen.

Die Nummer mit den Füssen unterm Tisch finde ich auch übel. Das werde ich mir auf jeden Fall verkneifen.

Silvie

von Bärlin-Mama - am 01.11.2006 19:07
Zitat
Bärlin-Mama
Sie ist der Meinung, in dieser Phase müsse man den Kindern einiges nachsehen und sie auch mal machen lassen.


Das muss man differenzierter betrachten. Und für euch passend regeln. Unsere Regeln können ganz anders sein als eure, unsere Grenzen ganz andere.

Ich muss anerkennen, dass meine Tochter weitaus mehr über sich selbst bestimmen will und darf. Ihre Freiheit endet jedoch dort, wo sie die der anderen einschränkt. Und da wir mit Opa ein 6-Personen-Haushalt sind, mag das bei uns etwas anders aussehen.
Sie darf z.B. gerne am WE schlafen bis 11 Uhr (wenn kein Familientermin dagegen spricht). Sie zieht sich anders an. Sie hat sich eine punkige Kurzhaarfrisur machen lassen. Schminke ist aber verboten.

So Sachen halt. Was da für euch passt, müsst ihr überlegen.

LG, Heike

von Heike2 - am 01.11.2006 20:16
-

von grott - am 02.11.2006 07:25
Guten morgen,

danke für Eure Ausführungen. Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe denke ich, daß ich ihr eine gute Dosis Vertrauen vorstrecken muss um dann zu sehen was sie daraus macht. Ich werde wohl nicht drum herum kommen.
Ich glaub ich muss im Bezug auf ihren erweiterten Radius einfach etwas lockerer werden. Vielleicht bin ich da wirklich etwas verkrampft.
Schließlich möchte ich nicht als Glucke enden :joke:

Aaaaber vorher wird wohl noch an einigen Regeln gefeilt werden. ;)

Danke Euch allen
LG
Silvie

von Bärlin-Mama - am 02.11.2006 07:34
Hi Silvie,

fühl dich nicht zu gluckenmäßig. Wir wohnen in einer Kleinstadt, aber in Berlin wäre ich sicher auch vorsichtiger / behütender.

Was ich allerdings für eine Illusion halte ist, dass Handys irgendeine Sicherheit bedeuten. Es sei denn, Mama hat das Handy und Töchterchen die Nummer, um sich immer rückzuversichern, wenn es eine neue Entwicklung gibt.
Im Gegenteil. Habt ihr eine Vorstellung, wieviele Handys täglich "abgezogen" werden? Welche Gewalt Jugendliche bereit sind anzuwenden, nur um an so ein Teil zu kommen? Ich finde es eher gefährlich, eine Neunjährige in der Großstadt mit so einem Handy herumlaufen zu lassen. Zumal dort quasi an jeder Ecke noch Telefonsäulen stehen. (Auf dem Land mag auch das wieder alles anders sein.)

Was ich auch nicht nachvollziehen kann, ist die Dämonisierung der Dunkelheit. In unseren Breiten wird es doch im Winter kaum noch richtig hell. Man kann sich gegen die Gefahren des Autoverkehrs in der Dunkelheit schützen - mit Reflektoren und optimaler Fahrradbeleuchtung. Ansonsten hätt ich gern mal eine Statistik darüber, wieviele Übergriffe bei Tageslicht und wieviele bei Dunkelheit passieren.

Wenn, wie mir jüngst begegnet, erwachsene Frauen in einer ruhigen Kleinstadt nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr zu Fuß gehen, dann ist das eine Angstpsychose, die vermutlich schon von den Eltern verursacht wurde. Das statistische Risiko einer Vergewaltigung oder Gewalttätigkeit z.B. ist in den eigenen vier Wänden am höchsten. Ich denke, wir können unsere Mädchen am besten schützen, indem wir ihnen Selbstvertrauen und Mut beibringen - und dass man ggf. schnell wegläuft und laut schreit, als dass wir ihnen allzu viele No-Go-Areas auferlegen.

Die Uhr mit Wecker hingegen finde ich super -daran hatte ich auch schon mal gedacht.

LG

Takahe

von Takahe - am 02.11.2006 10:18
Hallo,

mit den Telefonzellen ist das hier eher schwierig. Sicher gibt es einige, aber die Meisten sind durch Vanalismus zerstört und werden kaum noch repariert, weil es nicht lange hält.

Wie vorher schon erwähnt hat sich das mit dem Handy erstmal erledigt, weil sie die Dinger irgendwo liegen lässt oder einfach verliert.
Da es sich um Handys für 15 Euro (inkl.5 ¤ Startguthaben) gehandelt hat, war das zu verschmerzen.
Und an einem solchen Handy ohne jeglichen Schnickschnack hat kein "Abzocker" wirkliches Interesse. Ich hatte einfach ein besseres Gefühl zu wissen, ich könne sie jederzeit erreichen und umgekehrt.

Mit der Panikmache bei Dunkelheit liegst Du vielleicht nicht ganz verkehrt, aber auch hier sind mehr als genug Büsche die so Dicht sind, dass man nicht mal die andere Straßenseite sehen kann.
Natürlich weiss sie, wie sie sich im Straßenverkehr zu verhalten hat und ich achte auch auf angemessene Kleidung aber eine gewisse Unruhe ist bei mir nunmal vorhanden.
Vielleicht habe ich das wirklich von meiner Mutter mitbekommen und gebe das unbewußt an meine Tochter weiter.:eek: Ohje..

Silvie



von Bärlin-Mama - am 02.11.2006 11:23
Hallo Silvie und @#$%&,

ich will ja gar nicht klugscheißerisch daherkommen, aber ich finde es wichtig, sich als Mutter immer wieder klarzumachen, dass die wirklichen, statistisch relevanten, Gefahren für Kinder meist unterschätzt und die eher unwahrscheinlichen eher überschätzt werden.
Die meisten Kinder und Jugendlichen sterben oder werden schwer verletzt / behindert durch Unfälle und durch Krankheiten. Die meisten Sexual- und Gewaltverbrechen an Kindern werden begangen in der eigenen Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis. Und Jungen werden nicht weniger häufig Opfer von Gewalt als Mädchen.

Die wenigen Ausnahmen (so wie die Geschichte des 13-jährigen Mädchens, die gerade wieder durch die Medien geht) werden aber viel mehr zur Kenntnis genommen und beunruhigen uns viel stärker. Mich ja auch, ganz klar, das geht einfach unter die Haut. Was dazu führt, dass wir unseren Töchtern (ich habe noch nie gehört, dass jemand seinem Sohn aus Sicherheitsgründen ein Handy auferlegt) engere Grenzen setzen als nötig und damit ihr Unsicherheitsgefühl in der Öffentlichkeit noch verstärken. In kaum einem Bereich unterscheiden sich im Augenblich "reale" und "gefühlte" Welt so sehr, wie im Bereich Sicherheit.

Dabei kann ein Handy bei einer ernsthaften Bedrohung nichts nützen. Oder erwartet ihr, dass ein Gewalttäter dem Kind Zeit zum anrufen lässt? Sinnvoll finde ich schon die "üblichen" Verhaltensregeln: Zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort sein, nicht mit Menschen mitgehen, von denen die Erwachsenen nichts wissen, wenn jemand etwas will, was du nicht willst, laufen, schreien und Hilfe suchen und vielleicht nicht allein an Orte gehen, an denen die Opfer legaler und illegaler Drogen herumhängen.

Aber das wars dann auch. Ich würde daraus auf alle Fälle keinen Kult machen und meine eigenen Ängste möglichst nicht auf die Kinder übertragen.

LG

Takahe



von Takahe - am 03.11.2006 09:45
Hallo Takahe,

keine Sorge, ich halte Dich nicht für "klugscheißerisch".
Schließlich kann man ja über alles diskutieren ;) Wär ja schlimm, wenn jeder die gleiche Meinung hat.

Du hast schon recht, was die statistischen Wahrscheinlichkeiten betreffen.

Möglicherweise brauche ich nur eine Zeit, bis ich mich einfach daran gewöhnt habe, dass sie selbständig wird (ist) und einfach ihre eigenen Wege gehen will.
Natürlich betreibe ich keinen Kult um meine Sorgen und versuche ihr auch nicht bei sich bietender Gelegenheit ihr ein schlechtes Gewissen zu bereiten, indem ich vielleicht verheult und nervlich völlig am Boden am Fenster stehe wenn sie nach Hause kommt.

Klar sage ich ihr, daß ich mir Sorgen mache,wenn sie eigenmächtig ihre Ausgehzeit verlängert und ich nicht weiß warum. Ich finde, das kann sie ruhig wissen. Klar, es kann immer mal passieren, daß ein Bus nicht kommt oder was weiß ich. Aber das ist meiner Meinung nach auch etwas anderes. Dafür kann dann niemand etwas.

Ich habe mich als Kind nicht von der Stelle gerührt, wenn es draußen gewittert hat. Und da war mir egal wo ich war. Ich rief zu Hause an und da mich niemand abholte, mussten sie so lange auf mich warten, bis das Gewitter vorbei war.

Aber meine Tochter handhabt das zum Glück nicht so.

LG
Silvie

von Bärlin-Mama - am 03.11.2006 10:10
-

von grott - am 03.11.2006 10:50
Hallo Grott,

gerade vor 10 Minuten hat mich meine Tochter vom Handy aus angerufen. Der Bus, mit dem sie von der Schule nach Hause wollte, fuhr "plötzlich" woanders lang und sie ist mitten in der Stadt ausgestiegen. Ich konnte sie dann mit dem Handy bis zum Bahnhof lotsen, denn dort kannte sie sich nicht aus. Auch wenn dort eine Zelle gestanden hätte, hätte sie die ja schlecht mitnehmen können, und der Weg war zu kompliziert, um sich alles merken zu können.

Das war mal wieder ein Moment, wo ein Handy sinnvoll ist.

LG, Heike

von Heike2 - am 03.11.2006 13:13
Hallo,

ich sehe das so wie Heike - ein Handy kann sehr sinnvoll sein und den Freiraum sogar vergrößern.
Meine Tochter hat eines, seit sie in der 1. Klasse das erste Mal alleine nach Hause gefahren ist (quer durch durch die Stadt mit umsteigen, an der Haltestelle fahren 10 verschiedene Linien durch, teilweise sind die Busse extrem voll oder ändern mal eben die Route, weil sie zu spät dran sind). Das Ding ist grundsätzlich immer ausgeschaltet, sie schaltet es nur ein, wenn sie sich nicht mehr zurecht findet oder aus irgend einem anderen Grund Unterstützung braucht.

Obwohl das "Nachhause-Lotsen" auch nicht ohne ist - wir sind einmal kläglich gescheitert, weil ich meine Vorstellung mit ihren Beschreibungen nicht in Einklang gebracht habe ;). Schließlich habe ich sie mit dem Auto abgeholt.

indri

von indri - am 03.11.2006 14:08
...



von Bommel - am 03.11.2006 14:55
Zitat
suemajak
Ein handy sollte nicht den Bewegungsradius vergrößern.
Immer nur so weit wie man zurechtkommt.
Ich würde meine Kinder auch nicht in der 1 Klasse mit diversen Bussen fahren lassen, auch nicht mit handy.

Unsere Kinder( 2,6,9) werden seit kurzem leider in der Innenstadt groß, da kann man langsam der Welt begegnen.


Hallo,

dann kann es dir aber passieren, dass du in nächster Zeit deine Meinung ändern wirst ;-)

Handy als Schutzmaßnahme ist natürlich absoluter Quark.

Aber leider ist der öffentliche Nahverkehr mit dem unserer Jugendzeit nicht mehr zu vergleichen. Ich musste damals selbst noch ca. 15 km zum Gymnasium. Dorthin fuhr morgens ein Schulbus. Einmal umsteigen, kein Thema. Der fuhr nach der 4. Stunde heim, nach der 5. Stunde, nach der 6. Stunde....

Der Weg meiner Tochter ist auch ca. 15 km, auch nur einmal umsteigen. Aber nach jeder Schulstunde mit einer anderen Linie. 111, 109, 136, 6330, 6332, dazu noch der Zug. Dazu kommt, dass auch mal ganz gerne ein Bus einfach nicht kommt. Oder 5 Minuten zu früh abfährt, wenn die Schulkinder noch gar nicht da sind. Da ich diese Busse selbst nutze, kenne ich die Problematik zu gut.
Und dass eine gerade mal 10jährige da schon mal den Überblick verliert und sich plötzlich an einem Ort in der Stadt findet, wo sie noch nie war, finde ich nicht weiter schlimm. Kurzer Anruf bei Navi Mama und die Welt ist wieder in Ordnung. Plus etwas dazu gelernt. Sich zurechtzufinden ist gar nicht mal so schwer.

Dass das Handy während der Schule aus ist, versteht sich von selbst. Dass man damit nicht sinnlos telefoniert oder smst, versteht sich anhand der Kartenkosten, die man vom Taschengeld abzwacken muss.

Hier bei uns müssen übrigens viele Kinder schon ab dem 1. Schultag mit dem Bus fahren. Gerade 5 und schon mit dem Bus 10 km weit fahren. Die Schullandschaft ist nicht mehr wie früher. Was würdest du dann machen? Die Kinder mit dem Auto fahren? Finde ich viel schlimmer. Eins könntest du mit dem Bus begleiten. Aber wenn sie in unterschiedliche Schulen gehen? Teilen kannst auch du dich nicht.

Ich befürchte fast, dass du bald von einigen Illusionen Abschied nehmen musst.

LG, Heike

von Heike2 - am 03.11.2006 15:24
...

von Bommel - am 03.11.2006 17:09
Hallo,
ich bin auch aus Berlin und habe hier auch meine Kindheit verbracht, ab dem 11. Lebensjahr in Kreuzberg. Ich hatte als Mädchen früher sehr viele Freiheiten, bin kreut und quer durch die Stadt gefahren, weil ich mir alles mögliche anschauen wollte. Meine Mutter wußte nicht immer, wo ich war. Mit 18 habe ich das dann mit recht abenteuerlichen Reisen fortgesetzt. Ich war sehr eigenwillig habe es als Kind geliebt, stundenlang allein durch die Gegend zu laufen, auch im Urlaub, als 11 Jährige in Mallorca und anderswo.
Abgesehen davon waren damals alle Kinder nachmittags draußen unterwegs und die Eltern wußten nicht immer, wo sie waren.
Heute bin ich meiner Mutter dankbar, daß sie mir diese Freiheit gelassen hat, obwohl ihr sicher manchmal mulmig dabei war. Sie wollte ein Mädchen nicht mehr beschränken als die Brüder. Mein guter Orientierungssinn, da bin ich mir sicher, kommt daher.
Trotzdem war ich froh, daß keines meiner Kinder so abenteuerlustig war, wie ich.
Bis meine Tochter mit kanpp 10 Jahren eine Monatskarte bekam. Da entdeckte sie den Spaß am Unbekannten.
Sie liebte es, nach der Schule noch eine U-Bahn-Rundfahrt zu machen, fuhr kreuz und quer durch Berlin, je weiter, je besser. Danach erzählte sie mir, was sie alles erlebt hat, eine Frau ihr gegenüber saß und so glücklich lächelte, daß meine Tochter weinen mußte, der fröhliche geistig Behinderte, dem das Lachen verging, als er merkte, das sie ihn beobachtete. Und meine Tochter , die mir das weinend erzählte, weil sie sich so schämte, das er wegen ihrem Starren aufhörte zu lachen.
Auch mir war mulmig dabei,als sie anfing, die Stadt zu entdecken, aber die Erinnerung an meine eigene Kindheit half mir, meiner Tochter zu vertrauen. Sie hält sich allerdings sehr genau an Rückkehrzeiten und wir haben ziemlich genaue Verabredungen, wann sie zu Hause sein muß.

Ich glaube, daß Kinder auch heute Freiräume brauchen, die nicht überall von den Eltern kontrolliert werden. Die Angst der Mütter kenne ich auch bei mir, die Angst, sein Kind zu verlieren, ist Teil des Lebens mit einem Kind. Janus Korzcak, der polnische Pädagoge und Leiter eines Waisensheim, schrieb schon vor über 70 Jahren, daß Eltern ihre Kindern am Leben hindern, indem sie ihnen durch zu starke Behütung eigene Erfahrung vorenthalten. Er stellte die provakante These auf: Kinder haben das Recht auf ihren eigenen Tod.
Meine Mutter hatte da noch eine andere These: Wenn es ihnen ( den Kindern ) nicht gur geht, dann melden sie sich. Wenn sie sich nicht melden, geht es ihnen in der Regel gut.
Im Rückblich gesehen, stimmte das wirklich. Wenn ich ein Problem hatte, habe ich immer angerufen. ( das ging auch schon zu Vorhandy Zeiten).
Mein Sohn übrigens hat relativ wenig Interesse an solchen Ausflügen und ist, obwohl 3 Jahre älter, nicht so selbstständig.
Liebe Grüße
Dorischka






von Dorischka - am 03.11.2006 23:37
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von grott - am 04.11.2006 04:45
Hallo Dorischka,

das was du schreibst, kann ich nur unterschreiben. Obwohl in der Kleinstadt aufgewachsen, habe ich es ganz ähnlich erlebt wie du - per Anhalter in die nächste oder übernächste Großstadt, mit 15 einen Junior-Pass geschenkt bekommen, in der näheren Umgebung immer mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, mal für eine Party 200 km hin und zurück an einem Wochenende - heute habe ich auch einen überdurchschnittlichen Orientierungssinn und reise allein in Länder, die andere nicht mal als Pauschaltouristinnen besuchen würden. Nicht ohne Sorgen, aber mit Selbstvertrauen...

Die Frauen meiner Familie tendieren ganz eindeutig zu Angstpsychosen. Meine Mutter durfte nie vollständig erfahren, was ich wo unternahm. Noch heute nervt sie mich, wenn ich im Ausland unterwegs bin. Das belastet unsere Beziehung manchmal sehr. Zum Glück hatte ich eine sehr vernünftige Oma, die mich immer unterstützt und meine Mutter immer beruhigt hat. (Von der gab es auch den ersten Junior-Pass...)

Ich bin keine totale Handy-Gegnerin, aber ich finde, man muss das bei Kindern sehr genau abwägen. Diese totale Erreichbarkeit suggeriert eine nur scheinbare Sicherheit. Wenn man auf dem Land mit einer unzuverlässigen Busverbindung zu tun hat, ist das natürlich ein nachvollziehbarer Grund.

ciao

Takahe


von Takahe - am 05.11.2006 18:38
Hi @#$%&,

Dealer stehen bei uns in der unmittelbaren Nachbarschaft herum. Die Alkoholiker werfen ihre leeren Flachmänner in unseren Vorgarten. An unserem früheren Wohnort lief auch schon mal ein Verrückter mit einer Axt durch die Gegend. Es gibt keine Inseln der Seligen. Schon klar. Trotzdem bleibt Sicherheit durch Kontrolle meistens eine Illusion. Die am besten kontrollierten Kinder sind am pfiffigsten im Ausbüxen und im "Harmlose-Erklärungen-Finden".

Wenn ich eine solche Radiomeldung hören würde, was sollte ich unternehmen? Ich habe kein Auto, um mein Kind mal eben irgendwo "einzusammeln". Also muss ich darauf vertrauen, dass es den Schulweg allein bewältigt. Und dass schon alles gut werden wird.

Letztendlich muss jede von uns ihren eigenen Stil dabei finden, der auch zu unserer Persönlichkeit und unserem Umfeld passen muss.

LG

Takahe



von Takahe - am 06.11.2006 09:13
Zitat
Ist doch witzig, dann mal für eine psychopathische Mutter-Glucke mit Kontrollzwang gehalten zu werden.

Habe ich den Eindruck erweckt?? Dann bitte ich ergebenst um Verzeihung. Das war nicht meine Intention. Dafür halte ich dich echt nicht.

Sorry

Takahe

von Takahe - am 06.11.2006 14:05
Hallo,

ich komme auch aus Berlin...und auch aus einer Gegend die gemeinhin nicht als die Beste bezeichnet wird. Meine Töchter (jetzt 11 und 12) haben beide ein Handy, und das schon eine ganze Weile. Sie mußten ab der ersten Klasse mit dem Bus in die Schule fahren und obendrein einen Fußmarsch von 15 Minuten absolvieren...wir haben kein Auto und ich war damals noch berufstätig, sodaß regelmäßiges Bringen wegfiel.

Allerdings begann bei uns alles eh schon früher. Die Girlies waren immer zu zweit.Das ist ein nicht zu verachtender Faktor. Der Kinderladen hat ebenfalls die Selbstständigkeit erheblich gefördert, und alles wurde genaustens besprochen. Gerade auch über mögliche Gefahren wurde nie geschwiegen, und die Kinder immer ermutigt auf ihr Bauchgefühl zu hören. Bei meinen Kindern hat das hevorragend funktioniert. Sie haben ein gutes Gespür für seltsame Situationen und weichen denen aus.

Ich glaube nicht das es einen endgültigen Schutz vor Überfällen etc. gibt. Aber Kinder die sich auf ihr Gefühl verlassen können (und nicht allein unterwegs sind!) haben bestimmt einen Vorteil.

Heute bewegen sie sich frei in der Stadt (von Norden nach Süden durch alle Bezirke) im Hellen, im Dunklen, kennen sich super aus, wissen sich zu helfen wenn der Bus plötzlich ´ne Umleitung fahren muß und suchen selbstständig Verbindungen von A nach B.
Allerdings weiß ich auch immer wo sie sind und wann sie heimkommen (plus 30 min ist bei uns auch obligat;) ). Sollte was spontan verabredet werden rufen sie zuverläßig an.

Ich geb zu, daß ich nicht wirklich ängstlich bin...und genauso als Kind war wie sie es jetzt sind.


Ach ja, und manchmal glaub ich das gerade die Großstadt sicherer ist als "auf´m Dorf". Hier ist doch immer was los, Menschen über Menschen, alles hell erleuchtet, Ordnungsamt und Polizei an jeder Ecke...

in der Hoffnung das das auch so bleibt
und ich nicht nächste Woche
KINDER VERMISST posten muß

Gruß Bö

von Biba - am 08.12.2006 09:44
Liebe Dorischka,

ein Dank an dich und deine Mutter: "nn sie sich nicht melden, geht es ihnen wahrscheinlich gut! Ein Kind hat das Recht auf seinen eigenen Tod!"

Unterschreibe ich sofort, auch wenn ich wahrscheinlich die größte Glucke unter der Sonne bin. Und so kämpfe ich seit 12 Jahren und 4 Kindern gegen mich und meine blühende Phantasie, und um Zutrauen und Selbständigkeit für meine Kids.

Viele Schlachten sind schon geschlagen, mal gewonnen, mal verloren, aber der Krieg ist noch nicht vorbei.

Danke für die Schützenhilfe.

Pauline
Ich kämpfe seit Jahren gegen mich selbst, um meine Kinder selbständig sein zu lassen, mal gewinne ich, mal verliere ich.

von Pauline - am 16.01.2007 08:34
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