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Informationen zum Thema:
Forum:
Café Philo
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 1 Jahr, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Mayann, Garfield, User23829, Violina, derfrosch, JuliaP

Hochbegabung versteckt

Startbeitrag von JuliaP am 27.12.2015 14:56

Hallo Leute,

jemand hier unter euch, der seine Hochbegabung bewusst vor der Welt versteckt hat oder es aktuell tut? Nicht nur sporadisch, sondern praktisch in so ziemlich jeder Alltagssituation? Wäre schön, darüber mal mit jemand "Betroffenem" diskutieren zu können.

Ich lerne leider erst seit kurzem, mit meiner Hochbegabung offensiv - in meinem Fall einfach authentisch - umzugehen. Bin in einem familiären Klima aufgewachsen, in dem Leistung zwar erwünscht, eigenständiges Denken aber unerwünscht war und nicht selten auch bestraft wurde. Dazu kamen negative Reaktionen Gleichaltriger in der Jugend - eben das berühmte "Streber". Seltsam, denn ich war zu diesem Zeitpunkt keine sonderlich gute Schülerin und lebte damals schon sehr angepasst.

Lange Zeit wusste ich auch nicht, dass ich hochbegabt bin. Fühlte mich nur irgendwie anders und nachdenklicher. Habe gehört, dass das Versteckten oftmals Frauen trifft (erklärt sich wohl aus dem gesellschaftlichen Kontext). Damit könnte man vielleicht auch erklären, dass die Statistik mehr hochbegabte Männer als Frauen erfasst (auf Intelligenz bezogen). Vielleicht gibt es ja hier auch Männer mit versteckter Hochbegabung??

Das Verstecken äußerte sich bei mir in der Hinsicht, dass ich versuchte, mich anzupassen. Lachen, wenn andere lachen... Mädchenkram... Leistung vor dem Chef runterspielen... Absichtlich eine etwas schlechtere Arbeit abgeben... Lob abwehren... Natürlich spielt in dieses Verhalten nicht nur Hochbegabung mit rein aber trotzdem ist sie im Zusammenhang (zumindest bei mir) relevant.

Kennt das jemand? Wie geht ihr damit um? Habt ihr Konsequenzen aus eurer Erkenntnis gezogen und könnt ihr sie immer umsetzen?? Würd mich über Erfahrungsaustausch freuen. Fühle mich momentan trotz Freundeskreis ziemlich einsam auf diesem Planeten und hinterfrage so ziemlich jede Beziehung, da ich sie als auf einer Lüge aufgebaut erlebe. :-(

Liebe Grüße
Julia

Antworten:

ich von meiner Hochbegabung ziemlich spät erfahren, also habe ich bewusst definitiv nie etwas versteckt. Wieso auch?

Es gab mal eine Zeit, da habe ich mich ganz klar gegen das (Schul)System gestellt, in dem ich ziemlich viel Ärger und schlechte Noten provoziert habe.

Ich gehe aber auch heute nicht sonderlich offen damit um, dass ich einen IQ habe, der die 130 geknackt hat, wieso auch?

Für mich macht diese ganze IQ-Kiste eigentlich kaum noch einen Sinn. Ich kann verstehen, dass man ein Kind, welches sich auffällig verhält testet um den Ursprung dieses Verhaltens irgendwie einzukreisen. Ansonsten sagt ein IQ-Test doch kaum etwas aus. Ich für meinen Teil hatte in der Schule die ein oder anderen Probleme habe sie aber sehr gut in den Griff bekommen und hatte ein sehr schöne Schulzeit, wenn auch mit nicht unbedingt den besten Noten, ich kann auch weder 5 Sprachen, noch habe ich irgendwelche Wettbewerbe bekommen. Klar hin und wieder fällt auf, dass ich Dinge schneller begreife oder sie als "einfach" abstempel, wenn andere noch lange daran zu knabbern haben, aber sieht man davon ab, bin ich ziemlich normal.

Ich glaube auch nicht, dass die Geschichte mit dem Lob annehmen unbedingt etwas mit der Hochbegabung zu tun haben muss, also ich habe damit auch schon immer Probleme gehabt, aber bin auch schon von Grund auf, pessimistisch eingestellt. Also es könnte 5 wunderschöne Erlebnisse geben und ein negatives und das würde definitiv mehr ins Gewicht fallen.

von derfrosch - am 26.02.2016 18:13
Hey Julia,

erstmal willkommen in diesem Forum, dass ja nun schon etwas länger eingeschlafen ist - leider... Aber bevor ich hier sentimental werde: Das Problem des "Sich-Verstellens" kennen hier ganz viele, du bist damit nicht allein!
Mir geht es erst seit Studienbeginn anders. Jetzt habe ich Leute gefunden, die eher so ticken wie ich. Abendefüllende Diskussionen, interessante Themen, mehr als nur Smalltalk kenne ich eigentlich erst seitdem. Wobei ich mit meinen FreundInnen auch einfach nur albern sein kann :D Für mich ist meine Hochbegabung mittlerweile kein Thema mehr - ich bin wie ich bin und es gibt Menschen, die mich so mögen.

Übrigens spreche ich 6 Fremdsprachen, davon 4 auf hohem Niveau :D nur um derfroschs Satz aufzugreifen :D ;) Trotzdem würde ich mich auch als ganz normal bezeichnen. Allerdings bin ich hier umgeben von Fremdsprachenstudierenden, da ist es wirklich normal, viele Fremdsprachen zu beherrschen :) Warum ich dir das erzähle: Normal ist immer relativ und es gibt da draußen bestimmt auch Leute, die deine Eigenheiten teilen!

Ich weiß nicht, in welcher Lebenssituation du steckst. Versuch doch mal, ein neues Hobby zu suchen, vielleicht findest du da eher Gleichgesinnte.

Klar kann man sich auch übers Internet austauschen, aber wie du siehst, ist der Austausch hier nicht mehr so rege...

Viel Glück!

von Violina - am 17.03.2016 12:44
Hallo,

darf ich mich erdreisten, mich hier einzubringen?
es ist furchtbar auf dem handy zu schreiben, daher verzeiht mir bitte, dass ich alles klein schreibe.


Ich habe mal im kindergarten einen iq test gemacht, das ergebnis lag etwas über dem "durchschnitt". jetzt habe ich aber das großartige problem, dass ich aus persönlicher sicht sehr anders denke, als die menschen in meiner umgebung. ich empfinde mich ständig als gedanklich weitreichender und doch will ich niemanden abwerten,mich als etwas besseres fühlen oder sonstiges.

indem ich abstrakte zusammenhänge in bekannten beispielen darstelle, versuche ich eine einfach verständliche schnittstelle zu finden, über die ich meine gedanken äußern kann, da ich sonst von meinem umfeld nicht verstanden werde. ich wünsche mir nichts sehnlicher, als diese eigenschaft in einem anderen menschen zu finden, der mir helfen kann, diese besser zu verstehen.
ich halte psychologen und professoren in diesem gebiet für unangebracht, da ich die damit einhergehende enttäuschung, nicht verstanden zu werden, aufgrund meiner selbstreflektion und akzeptanz ausgleichen kann. das hilft aber nicht gegen die innere problematik. falls sich jemand darüber austauschen möchte, gehe ich näher auf meine eigenschaft ein, ich kann mir so eine problematik aber durchaus in diesem kontext bei hochbegabten vorstellen, also der innere konflikt sich selbst frei zu entfalten und mit offenen armen empfangen zu werden, als "das verstehe ich nicht --> du laberst schwachsinn" zu hören zu bekommen.


Darius (19)

von User23829 - am 21.03.2016 00:06
Hallo,
mir ging es ähnlich wie Julia, deshalb schreibe ich hier. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit sich privat auszutauschen?
Das mit den Fremdsprachen kann ich übrigens auch sehr gut nachvollziehen.
Viele Grüße

von Mayann - am 15.06.2016 15:30
Hey,

eventuell wäre auch der Chat mal wieder eine Anlaufstation. Ich selbst bin durchs Studium nicht mehr ganz so regelmäßig dort, aber doch wenigstens einen Abend in der Woche.

LG Garfield

von Garfield - am 04.07.2016 17:02
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