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Erster Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 11 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Dr.Helle, -Mami-, miikka

wie wärs mit ner kuschelparty....:-)

Startbeitrag von miikka am 11.02.2006 17:13

KÖLN. Ich liege auf einer Matratze und umarme Sandra innig. Wir fahren uns sanft gegenseitig durchs Haar, streicheln Wange, Bauch und Hals, liebkosen mit den Lippen das Gesicht des andern. Wir flüstern leise, lachen. Sandra und ich kennen uns seit gut 40 Minuten. Wir sind in keinem Swingerclub. Und wir sind bekleidet: mit Trainingshose und T-Shirt. Wir sind bei keinem freizügigen Single-Treff. Wir sind bei einer Kuschelparty. Mit 50 anderen Menschen zwischen 20 und 60. Die nur eines wollen: kuscheln. Die nach Hautkontakt dürsten. Und vielleicht auch nach mehr. Man könnte ja hier, denke auch ich natürlich, eine nette Frau kennen lernen: zum zärtlich sein, für eine Beziehung, fürs Leben vielleicht ... Aber drei Stunden kuscheln, das ist für einen Single, der sonst im Moment nur von seinen Kindern zum Schmusen gebeten wird (meis- tens vor dem Einschlafen), Balsam für die Seele (und den Körper).

Das klingt nach Engtanzfete
Zu Beginn der Kuschelparty war ich ganz schön nervös. So nervös wie vor meiner ersten richtigen Party, die ungefähr 26 Jahre zurückliegt. Und "Kuschelparty", das klingt ja auch erst mal nach Engtanzfete. Nach einer Rückkehr in die Pubertät. Und das ist es auch irgendwie. Nur, dass ich damals noch aufgeregter war. Auf Teenieparties gab´s einen Apfelsinentanz oder "Samba pa ti" von Santana zum Näherkommen, hier gibt´s die Aufwärmübung: Je zwei Kuschler sollen sich gegenseitig berühren und massieren und dabei deutlich sagen, was ihnen gefällt ("Ja!") und was nicht: mit einem klaren und deutlichen "Nein!".

Das ist die wohl zentralste der Handvoll Kuschel-Grundregeln: 1. Wenn du ein JA meinst, sage ein JA und wenn du NEIN oder vielleicht meinst, sage NEIN. Die weiteren heißen: 2. Kein Sex auf der Party (blumiger ausgedrückt: "kein Austausch von Körperflüssigkeiten"). 3. Kein Alkohol vor und auf der Party. 4. Die Klamotten bleiben an.

Und beim Aufwärmen zeigen sich schon die ersten Probleme. Noch auf der Fahrt zur Party hatte ich überlegt: Mit einem Mann kuscheln (wegen Männerüberschuss oder weil Frauen ja bekanntlich auch gerne untereinander kuscheln) - kann ich das überhaupt? Bis auf meinen Sohn hatte ich vorher noch nie mit einem männlichen Wesen gekuschelt. Halt: außer als Kind mit dem Vater.

Bei der Aufwärmübung bleiben Peter und ich nämlich quasi übrig. Zufällig hatte ich mich vor der Party mit ihm und seinem Freund bei einem Tee auf dem Sofa unterhalten. Beide total nett - und vielleicht, so mutmaße ich, schwul. Peter ist ein ziemlich schüchterner und höflicher Typ, mit blonden Haaren und Seitenscheitel, Ende 20. Peter und ich haben einen guten Start in die Kuschelparty. Okay, mit Katarina oder Sabine macht die Aufwärmübung noch mehr Spaß. Und ich merke, wie unterschiedlich Männer und Frauen kuscheln und den anderen massieren. Hier werden Körper und Haut kräftig gewalkt, da wird eher zärtlich angefasst und massiert.

Es gibt strenge Regeln
Nach der Aufwärmübung stellen die drei Kuschelleiter ("die guardian angels", die bei Problemen und Fragen für die Kuschler da sind und nebenbei auch die Einhaltung der Regeln überwachen) die einzelnen Kuschelinseln vor. Auf dem ersten Matratzenlager wird "blind", sprich mit Augenbinde gekuschelt. Auf dem zweiten wird in klassischer Löffel(chen)stellung gekuschelt. Die Numero drei ist ganz dem Kuscheln mit Händen und Füßen gewidmet. Und dann gibt´s noch die Freistil-Insel: Hier gilt, was auch ansonsten Motto ist: "Alles geht, nichts muss!" Wer gerade nicht kuscheln will, für den gibt es diverse "Freios", sprich Ruhezonen. Hier können die Neu- oder Profi-Kuschler sitzen, zugucken, bei sich sein und meditieren. Und wenn man zurück auf die Matratze geht, und "angekuschelt" wird, kann man natürlich stets "Nein" sagen.

Auch das mit dem Fragen ist wie als Teenager, und man lernt es auf der Kuschelparty als Erwachsener neu und anders. Früher habe ich wie heute Nena gefragt: "Willst du mit mir gehen?" Heute sage ich schüchtern und - obwohl die Kuschelparty ja ein geschützter Raum mit Netz und doppeltem Boden ist - auch mit klopfendem Herzen: "Darf ich, äh - möchtest du mit mir kuscheln?" Und ich lerne langsam die Angst vor dem traumatisierenden Teenager-Korb verlieren: Jeden und jede zu fragen, mit der ich kuscheln will - das habe ich mir für die nächste Kuschelparty vorgenommen.

Nach gut drei Stunden bin ich um einige Ängste und Vorurteile ärmer. Und um viele beglückende Erfahrungen und reichlich Hautkontakt reicher. Single bin ich immer noch. Aber mit einem regelmäßigen Termin mehr in meinem Kalender. Ich gehe ab jetzt immer zur Kuschelparty.

Die eine glatt, die andere rau
Und ich habe noch etwas Wichtiges gelernt. Eine neue Definition von Attraktivität. Zuerst war ich nur auf die vermeintlich gut aussehenden Frauen fixiert. Bis ich merkte: Kuscheln mit den meisten anderen - ist genauso schön. Haut ist Haut. Die eine ist glatter, die andere rauer.

Wichtig ist die Seele, die dahinter steckt. Und die Atmosphäre zwischen zwei Menschen, die Schwingungen, die entstehen und herrschen. Vor allem und auch dank der Kuschelparty. (NRZ)

Antworten:

So was hab ich gestern auch im Radio gehört.

Eine Besucherin so einer Party sagte, es sei einfach schön, mal die Nähe und Berührung von Menschen zu spüren, ohne dass die gleich mehr wollen. Das tue gut, weil man ja sonst eigentlich kaum so nahen Kontakt zu anderen Menschen bekommt.



Arme Welt, dachte ich mir.
Oder arme Deutsche? Weil doch gerade wir so ein Volk sind, wo man imemr ein bisschen auf Abstand zu den anderen geht?

Man denke mal an Frankreich, da sind allein die Begrüßungen viel herzlicher, schmatz, schmatz, schmatz. Da wird viel mehr umarmt und geküsst als bei uns. Was ist dagegen so ein förmlicher deutscher Händedruck?

Andererseits mag ich aber auch gar nicht zu jedem anderen Menschen so nahen Kontakt. Also wenn ich jetzt jeden immer gleich umarmen und küssen müsste ... *g*

Nur, dass es solche Partys heutzutage gibt, zeigt mir, dass doch wohl irgendwas krank ist in unserer Welt. Wenn offensichtlich Menschen sich nach solcher Nähe sehnen und es dann aber ohne solche Partys (oder auch ohne Alkohol?) nicht schaffen, sich anderen zu nähern. Wenn man jemanden mag (und der einen auch), dann müsste es doch selbstverständlich sein, dass man sich auch mal in den Arm nehmen oder übers Gesicht streicheln kann.



von -Mami- - am 11.02.2006 17:23
Und auch bei dieser Veranstaltung werden wieder die Männer benachteiligt.
Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Damen ein geringeres Entree bezahlen.



von Dr.Helle - am 11.02.2006 18:12
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