Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Kontakthof
Beiträge im Thema:
51
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 11 Monaten
Beteiligte Autoren:
Zecke, La Dolce Vita, OLAV., Der Imperator, Heike., Zorro

AUgusto Pinochet

Startbeitrag von Der Imperator am 10.12.2006 18:03

Tot isser. Mit 91.
Naja, nur die Besten sterben jung...

Antworten:

Passende Parole.
Und ich erinnere mich irgendwie an den Satz "Heil Hitler! Das Schwein ist tot!".

von Zecke - am 10.12.2006 20:48

Spiegel-Artikel

SPIEGEL ONLINE - 10. Dezember 2006, 20:57
URL: [www.spiegel.de]

AUGUSTO PINOCHET

Tod eines Tyrannen

Von Carsten Volkery

Heute ist der chilenische Ex-Diktator Augusto Pinochet im Kreise seiner Familie gestorben. Seinen tausenden Opfern war dies nicht vergönnt: Viele starben durch Folter und landeten im Meer. Für Chile ist der Tod des Greises die Befreiung von einem 33-jährigen Alptraum.

Die Weltbühne betrat Augusto Pinochet Ugarte am 11. September 1973. An jenem Tag nahmen Kampfflugzeuge der chilenischen Luftwaffe Kurs auf die Hauptstadt Santiago und schossen den Präsidentenpalast Moneda in Schutt und Asche. Der demokratisch gewählte Präsident Salvador Allende beging Selbstmord, an seine Stelle trat eine vierköpfige Militärjunta unter Führung des 58-jährigen Heereschefs Pinochet.

Die Bilder der brennenden Moneda gehören zur Ikonographie des Kalten Krieges wie die kubanische Revolution oder der Vietnamkrieg. Der Putsch prägte die politischen Vorstellungen einer ganzen Generation: So wie Fidel Castro den revolutionären Guerillero verkörperte, wurde der stets finster drein blickende Pinochet zum Inbegriff des südamerikanischen Diktators.

Ob Pinochet wirklich eine treibende Kraft hinter dem Putsch war oder sich erst in letzter Minute der Verschwörung anschloss, ist unter Historikern umstritten. Ein charismatischer Anführer war er jedenfalls nicht. Unter Offizieren galt der Mann aus der Hafenstadt Valparaiso als unterwürfig und ein wenig beschränkt. Zeitgenossen beschrieben ihn als den perfekten Diener. Als Gesicht des neuen Regimes wandelte sich der General jedoch binnen kürzester Zeit zum perfekten Diktator: Er war gnadenlos und besessen von der Idee einer kommunistischen Springflut, die über seinen Kontinent hereinbrach. 1974 ließ er sich formal zum Präsidenten ernennen und blieb dies bis 1990.

17 Jahre sind eine lange Zeit für einen Diktator - ein Beweis dafür, wie sehr Pinochet das Land im Griff hatte. "Ohne mein Wissen bewegt sich in Chile kein Blatt", hat er mal geprahlt. Später, als es um die Verantwortung für die Verbrechen ging, traten dann doch erhebliche Wissenslücken auf.

"Die Demokratie muss gelegentlich in Blut gebadet werden"

Pinochets Terrorregime erhob den Kampf gegen echte und vermeintliche Kommunisten zur Staatsräson. Wer als Feind galt, war auch im Ausland nicht sicher: Allendes Außenminister Orlando Letelier und der Allende-treue General Carlos Prats wurden in Washington und Buenos Aires jeweils mit einer Autobombe getötet. In Chile durchkämmten die Sicherheitskräfte systematisch die Armenviertel der Millionenstadt Santiago, wo Allende die größte Unterstützung genoss. 3200 Menschen wurden hingerichtet oder verschwanden spurlos. Weitere 28.000 wurden verhaftet und gefoltert. "Die Demokratie muss gelegentlich in Blut gebadet werden, damit sie fortbestehen kann", verkündete Pinochet.

Villa Grimaldi, Colonia Dignidad, Estadio Nacional, das Segelschulschiff Esmeralda: Die Namen der Folterstätten sind heute weltweit bekannt. Die Folterknechte der Geheimpolizei DINA waren berüchtigt - ebenso wie ihre Methoden mit so vielsagenden Namen wie Callejón oscuro (dunkle Gasse), Parrilla (Grill) oder Submarino (U-Boot).

Schon am Tag des Putsches rechtfertigten die Generäle ihr Vorgehen damit, dass sie Chile "vom marxistischen Joch" befreien wollten. Unter dem Sozialisten Allende war das Land an den Rand des Chaos geraten: Streiks, lange Schlangen vor den Geschäften und eine aufgeheizte politische Stimmung kennzeichneten seine Regierungszeit. Vor diesem Hintergrund stilisierte Pinochet sich zum "Retter des Vaterlands", der Chile davor bewahrte, ein zweites Kuba zu werden.

Diese Überzeugung vertreten nicht nur chilenische Pinochetistas bis heute. Auch konservative US-Zeitungen wie das "Wall Street Journal" und Regierungschefs wie Margaret Thatcher entschuldigten den Putsch gern damit, dass Chile inzwischen die erfolgreichste Volkswirtschaft des Kontinents hat. Ihrer Ansicht nach wurde der Grundstein dafür von den "Chicago Boys" gelegt, einer Gruppe US-Ökonomen um Milton Friedman, die auf Einladung Pinochets dem Land in den siebziger Jahren eine marktliberale "Schocktherapie" verordneten.

"Verschwörung des Schweigens"

Wie sein kubanischer Antipode Fidel Castro, der auf dem Sterbebett liegt, wurde Pinochet im globalen Kampf zwischen Kapitalismus und Sozialismus zur Schachfigur einer Supermacht. Freigegebene US-Geheimdokumente belegen, dass der US-Auslandsgeheimdienst CIA den Boden für den Putsch bereitete, indem er durch Millionenzahlungen an Allende-Gegner das Land destabilisierte. Der frühere US-Außenminister Colin Powell räumte 2003 ein, dass man nicht stolz sei auf "diesen Teil der amerikanischen Geschichte".

Augusto Pinochet wurde am 25. November 1915 in eine Mittelschichtfamilie in Valparaiso geboren. Er entwickelte früh ein Faible für alles Militärische, verschlang Geschichtsbücher und war ein Fan von Napoleon. 1933 trat er in die chilenische Armee ein, die nach preußischem Vorbild geformt war. Allende selbst ernannte Pinochet drei Wochen vor dem Putsch zum Heereschef, weil er als loyal galt.

Der Rücktritt Pinochets kam, nachdem 1988 bei einem Referendum 53 Prozent der Chilenen mit "No" gegen seinen Verbleib im Amt stimmten. Doch blieb Pinochet auch danach ein Bremsklotz beim Übergang zur Demokratie: Er war immer noch Oberbefehlshaber der Armee. Nur sehr allmählich löste sich die Gesellschaft aus seinem Schatten. Ein Untersuchungsbericht der Regierung zur Folterpraxis kam vergangenes Jahr zu dem Schluss, dass sich eine "Verschwörung des Schweigens" über das Land gelegt habe.

Es bedurfte eines Anstoßes von außen, um die Angst vor ihm zu verlieren. Mit dem spektakulären Hausarrest in London, der über ein Jahr dauerte, endete 1998 seine Unantastbarkeit. Es war kein Zufall, dass der Haftbefehl von einem spanischen Richter stammte.

Pinochet wurde nie rechtskräftig verurteilt

Danach prasselten die Anklagen auf Pinochet nieder. Aber dank vieler Finten seines Anwaltteams entging Pinochet immer wieder der Gerichtsbarkeit. Er wurde nie rechtskräftig verurteilt. Auch aus London konnte er schließlich abreisen, nachdem die britischen Behörden ihn aus Gesundheitsgründen für verhandlungsunfähig erklärt hatten. Pinochet selbst nährte immer wieder Zweifel an den Diagnosen der Ärzte: Unvergessen die Szene, als er sich nach der Ankunft aus London auf dem Flughafen von Santiago plötzlich aus seinem Rollstuhl erhob.

Bis zu seinem Tod verweigerte der "General a.D.", wie er respektvoll bis zuletzt in den chilenischen Zeitungen genannt wurde, jegliches Zeichen der Reue. Während seine Nachfolger in der Armeeführung zum dreißigsten Jahrestag des Putsches öffentlich Abbitte für die Menschenrechtsverletzungen leisteten und ein "Nie Wieder" versprachen, blieb der Greis uneinsichtig. In einer Erklärung an seinem 91. Geburtstag vor zwei Wochen übernahm er die "politische Verantwortung für alles, was getan wurde". Er ließ keinen Zweifel daran, dass er seine Verbrechen weiterhin für legitim erachtet.

In den letzten Lebensjahren führte Pinochet ein Schattendasein in seinen beiden Häusern in Santiago und an der Pazifikküste. Wiederholt wurde er unter Hausarrest gestellt. Politische Macht hatte er nicht mehr: Seinen letzten Posten als Senator auf Lebenszeit hatte er 2002 aufgegeben. Auch die Öffentlichkeit hatte das Interesse an ihrem alten Diktator seit langem verloren.

Kein Staatsbegräbnis

Fällt der Name Pinochet in Chile im Gespräch, wirkt er immer noch polarisierend. Allerdings hat die Zahl der Pinochet-Anhänger in den letzten Jahren drastisch abgenommen. Auslöser dafür war weniger die Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit als vielmehr eine banale Steuer-Affäre. Es wurde bekannt, dass Pinochet 15 Millionen Euro aus der Staatskasse auf private Konten im Ausland geschafft hatte. Damit war auch die letzte Illusion seiner Anhänger zerstört: Dass der Diktator zumindest ein anständiger Soldat war, der nur das Beste für das Vaterland wollte.

Wie sehr die chilenische Gesellschaft sich von Pinochets Erbe befreit hat, zeigt die Tatsache, dass mit der amtierenden Staatspräsidentin Michelle Bachelet nun ein Opfer der Militärdiktatur das Land regiert. Bachelets Vater, ein Allende-treuer General, war als einer der Ersten nach dem Putsch verhaftet worden und starb im Gefängnis. Sie selbst und ihre Mutter saßen in der berüchtigten Villa Grimaldi, bevor sie wie Hunderttausende ihrer Landsleute ins Exil flohen.

Bachelet, eine moderate Sozialistin, hat bereits angekündigt, dass Pinochet kein Staatsbegräbnis erhalten wird. Auch eine Staatstrauer will sie nicht anordnen. Noch bemerkenswerter: Ihr Gegner im Präsidentschaftswahlkampf, der Kandidat der rechten Pinochet-Nachfolgeparteien, Sebastian Pinera, ist der gleichen Meinung. Viele Tränen, so scheint es, werden für Pinochet nicht vergossen werden.



SPIEGEL ONLINE - 10. Dezember 2006, 18:50
URL: [www.spiegel.de]

HERZPROBLEME
Chilenischer Ex-Diktator Pinochet gestorben
Der frühere chilenische Diktator Pinochet ist tot. Vor einer Woche hatte der Ex-General einen Herzinfarkt erlitten. Unter seiner Gewaltherrschaft waren Tausende politische Gegner gefoltert und getötet worden.

Santiago de Chile - Der chilenische Ex-Dikator General Augusto Pinochet ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Pinochet war in den vergangenen Tagen wegen Herzproblemen behandelt worden. Vor einer Woche hatte er einen Herzinfarkt erlitten, von dem er sich nicht mehr erholte.


Sein Gesundheitszustand habe sich plötzlich drastisch verschlechtert, hieß es. Der einstige General regierte Chile von 1973 bis 1990 mit eiserner Faust als Chef einer Militärjunta. Während dieser Zeit wurden tausende Oppositionelle umgebracht oder verschwanden spurlos.

Wegen schlechter Gesundheit von Prozess verschont

Pinochet stand zuletzt unter Hausarrest, nachdem gegen ihn Anklage wegen der Entführung und Ermordung von zwei Leibwächtern des von ihm gestürzten Präsidenten Salvador Allende erhoben wurde. An seinem 91. Geburtstag am 25. November hatte er erstmals die volle Verantwortung für die Aktionen seiner Junta in den Jahren 1973 bis 1990 übernommen. Zugleich verteidigte er den Militärputsch zum Sturz des sozialistischen Präsidenten Allende. Damit sei einzig und allein das Ziel verfolgt worden, den Zerfall Chiles zu verhindern, ließ Pinochet erklären.

Die amtliche Zahl der während der Militärherrschaft umgekommenen Oppositionellen beträgt 3197, Menschenrechtsgruppen setzen sie jedoch weitaus höher an. Tausende wurden willkürlich inhaftiert, gefoltert oder ins Exil gezwungen, darunter auch die heutige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet. Gegen Pinochet liefen weitere Verfahren wegen Verstößen gegen die Menschenrechte sowie wegen Steuerbetrugs. Auf Grund seines schlechten Gesundheitszustands kam es jedoch nie zu einem Prozess.

Anhänger und Gegner versammeln sich

Am 3. Dezember wurde er nach einem Herzinfarkt in das Militärkrankenhaus eingeliefert, wo er die Sterbesakramente empfing. Mit Hilfe einer Katheter-Behandlung gelang es den Ärzten zunächst, seinen Zustand zu verbessern. Pinochet verließ am Donnerstag die Intensivstation. Heute verschlechterte sich sein Zustand plötzlich wieder und er wurde auf die Intensivstation zurückgebracht, wie das Krankenhaus mitteilte. Pinochet litt nach mehreren Schlaganfällen auch an leichter Demenz und war auf einen Herzschrittmacher angewiesen. Zudem hatte er Diabetes und Arthritis.

Nach der Nachricht vom Tod des Diktators haben sich Anhänger und Gegner des Generals im Ruhestand in Santiago und anderen Städten des Landes versammelt. Vor dem Militärkrankenhaus sangen Menschen die Nationalhymne und hielten Fotos von Pinochet mit der Aufschrift "inmortal" (unsterblich) in die Höhe. Die Menschen forderten ein Staatsbegräbnis für Pinochet als ehemaliger Staatschef.

Eine Entscheidung darüber hat die Präsidentin Michelle Bachelet, selbst Opfer Pinochets, jedoch noch nicht mitgeteilt. Vor dem Präsidentenpalast versammelten sich unterdessen Angehörige von Opfern der Pinochet-Diktatur vor dem Denkmal für den 1973 von Pinochet gestürzten Präsidenten Salvador Allende.

tim/dpa/AP/AFP

von Zecke - am 10.12.2006 21:00
Kommen Henry Kissinger (Friedensnobelpreisträger 1973) und Margaret Thatcher eigentlich auch zur Beerdigung?
Und könnte man Kissinger bei diesem Anlass nicht endlich mal festnehmen und seiner gerechten Strafe zuführen?

von Zecke - am 10.12.2006 21:14
Zitat

Naja, nur die Besten sterben jung...


da ist was wahres dran.
ein arschloch dagegen düfte über 90 jahre sein unwesen treiben.

jetzt ist er weg ...

darauf trinke ich einen
:cheers:

von Zorro - am 10.12.2006 21:19
Hör mir bloß auf.
Ich musste auch grad in nem Forum lesen man könne ja auch schlechtes über den Mann sagen, aber er war ein Bollwerk gegen den Kommunismus.


von Der Imperator - am 10.12.2006 21:24
Ja natürlich. Und vor allem hat er das Land marktwirtschaftlich mit den ersten Neoliberalisten ja so was von hinbekommen!
Man beachte auch diese Größe der deutschen Nachkriegspolitik:
[de.wikipedia.org]

von Zecke - am 10.12.2006 21:28
Ach du Schande. Wieso ist der nach dieser Aussage über die "Konzentrationslager" nicht
sofort aus der CDU geflogen? Oder war das ironisch gemeint und er war gar kein Sympathisant
Pinochets?

von La Dolce Vita - am 10.12.2006 22:37
Zitat

Unmittelbar nach dem Putsch Pinochets vom 11. September 1973 fuhr er im Oktober 1973 nach Chile und sorgte zuhause mit seiner Aussage über das zum Behelfskonzentrationslager umgewandelte Sportstadion von Santiago de Chile (Das Leben im Stadion ist bei sonnigem Wetter recht angenehm) für nicht unbeträchtliches Befremden, da dort mehrere Tausend politische Gefangene (unter anderem auch Víctor Jara) inhaftiert und teilweise gefoltert oder umgebracht worden waren.


Also da bin ich sprachlos !

von Der Imperator - am 11.12.2006 00:40

Kein Staatsbegräbnis

Dass darüber überhaupt diskustiert wird und die Regierung auch noch jemand zur Trauermesse abstellt...


SPIEGEL ONLINE - 10. Dezember 2006, 23:34
URL: [www.spiegel.de]

PINOCHET

Kein Staatsbegräbnis für den Diktator

Seine rechten Gefolgsleute forderten es lautstark, doch Chiles sozialistische Präsidentin Michelle Bachelet erteilte ihnen schnell eine Absage: Dem gestorbenen Ex-Diktator Augusto Pinochet wird kein Staatsbegräbnis mit dreitägiger Staatstrauer gewährt.

Santiago de Chile - Etwa 2.000 Anhänger Pinochets hatten sich
vor dem Militärhospital, wo Pinochet acht Tage nach einem Herzinfarkt gestorben war, versammelt und ein Begräbnis für ihn gefordert, wie es einem ehemaligen Staatschef zustehe. Die sozialistische Präsidentin Michelle Bachelet ließ jedoch kurz
darauf mitteilen, dass diese Ehre Pinochet nicht zuteil werde. Er
werde als ehemaliger Chef der Streitkräfte beigesetzt, sagte der
Generalsekretär der Regierung, Lagos Weber.

Am Dienstag werde es eine Messe für den Verstorbenen geben, an der Verteidigungsministerin Vivianne Blanlot im Auftrage Bachelets teilnehmen werde. Angaben der Armee zufolge wird Pinochet am Dienstag in Santiago beigesetzt. Der genaue Ort der Beisetzung wurde in der Erklärung der Armee nicht genannt. Die Familie des Ex-Generals wünscht die Einäscherung des Leichnams.

Präsidentin Bachelet hatte sich schon früher skeptisch hinsichtlich eines Staatsbegräbnisses für Pinochet geäußert. Ihr Vater war während der Pinochet-Diktatur zu Tode gefoltert worden, und sie selbst war zusammen mit ihrer Mutter in dem Folterzentrum Villa Grimaldi in Santiago misshandelt worden.

kai/dpa/AFP



von Zecke - am 11.12.2006 01:49
Rechtskonservativen CDU'lern geht normalerweise jede Ironie ab. Und hier war es auch keine. Was soll ich da groß zu sagen? Ein Unding!
Geflogen ist er vermutlich nicht, weil er mit der Meinung in konservativen Kreisen gar nicht so alleine mit der Meinung stand. Nicht umsonst wurde Pinochet von den rechten Amerikanern sowie Thatcher und Co als Bollwerk gegen den Kommunismus installiert und neoliberale Marktwirtschaftler durften da ihre vorher nur belächelten wirtschaftlichen Theorien mal in der Praxis ausprobieren. Ich denke, dass ein größerer Teil der deutschen Union das damals ähnlich gesehen hat.

von Zecke - am 11.12.2006 03:09
Ergänzung: Außerdem waren die deutsche Mitte sowie die deutschen Konservativen schon immer auf dem rechten Auge blind. Die größere Gefahr war für sie immer der Bolschewismus. Man schaue sich nur das andere, fast noch schlimmere Zitat von dem Vogel an: "Die 68er haben mehr für den Werteverfall in Deutschland getan als die Nazis!". Als Mittel gegen den Kommunismus gehen solche Leute auch einen Pakt mit dem Teufel ein. Die deutschen Konservativen haben bei so was oft genug ihr wahres Gesicht gezeigt.

von Zecke - am 11.12.2006 03:13
Hast Du auch noch das andere Zitat von ihm gelesen?

von Zecke - am 11.12.2006 03:13

@ ZECKE

weisst du WER von "unseren" politikern mal bei dem war

oder mit dem symphatisierte ?


irgendwo habe ich im kopf, da war mal was...............grübel...............

von OLAV. - am 11.12.2006 09:09
Oweia...... dennoch gilt es sicher nicht für alle Konservativen. Verbrecher gibt es bekanntlich auf beiden Seiten.
Aber wieso darf sich ein Kerl in so einer verantwortungsvollen Position so unmöglich äussern? Die müssen doch ständig wegen allen möglichen Sachen zurücktreten, gerade, wenn irgend etwas antisemitisch klingt.
Ich denke, dass Dummheit und Angst, unangenhem aus dem Rahmen zu fallen, viel damit zu tun haben. Sag ja, Politiker sind ätzend.:sneg: Da gibt es echt nur ganz ganz wenige Ausnahmen. Zumindest bei den Bekannten.

von La Dolce Vita - am 11.12.2006 10:39

Re: @ ZECKE

War das Kohl?

von La Dolce Vita - am 11.12.2006 11:34
Ich auch. Ich wusste von solchen Dingen auch bisher gar nichts.

von La Dolce Vita - am 11.12.2006 11:36

Re: Spiegel-Artikel

Sehr interessanter Artikel.
Ich glaube für viele nicht allzu umfassend informierte Freunde des Kapitalismus ist Pinochet das, was Castro für die Sozialisten ist. Der Retter einer Nation. Leider. Und da ist was dran, vor lauter Angst vor dem sogenannten "Kommunismus", werden manche Politker zu grausamen Bestien. Sieht man ja am Vietnamkrieg und jetzt auch an Bush, der ein fanatischer Demokrat ist. Also nicht von seiner Partei her, sondern von seiner Weltanschauung her.
Viel besser wäre es, wenn beide Wirtschaftsformen friedlich nebeneinander her leben würden.

von La Dolce Vita - am 11.12.2006 11:48

Re: @ ZECKE

hmmm..nö glaub ich nicht ..ich meine das war vorher...

filbinger ???

oder mal wieder STRAUSS ???

von OLAV. - am 11.12.2006 14:23

Guter Artikel

Seltsam dass der in meinen Augen beste und anklagendste Artikel nicht aus dem Spiegel z.B. ist, sondern aus dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Das Ende eines Diktators

VON KLAUS EHRINGFELD, 11.12.06, 07:00h

Es gibt viele Bilder von Augusto Pinochet. Eines aus den letzten Tagen seines Lebens zeigt einen kranken Greis mit aufgeschwemmtem Gesicht im Rollstuhl. Das authentische Bild des chilenischen Diktators aber stammt aus den Monaten nach dem Putsch vom 11. September 1973. Darauf ist der General in dunkler Uniform und mit der typischen großen Sonnenbrille zu sehen. Die Mundwinkel sind streng nach unten gezogen und die Arme fest vor der Brust verschränkt. In der Aufnahme spiegelt sein Gesicht Härte, Brutalität, Undurchdringlichkeit und Erbarmungslosigkeit.

Es ist das Bild eines Massenmörders, der bis zu seinem Tod 16 Jahre nach dem Ende der Diktatur 1990, keinerlei Reue gezeigt hat. Keine Reue für mindestens 4000 Ermordete und Verschwundene, 100 000 Gefolterte und 200 000 politische Flüchtlinge. In Erinnerung bleibt Pinochet als der erbarmungsloseste Diktator Lateinamerikas, der Chile für immer verändert und die Strukturen eines demokratischen Landes zerstört hat. Sein Staatsstreich und das was folgte ist selbst für das Diktaturerprobte Lateinamerika von ungeahnter Brutalität.

In den 17 Jahren der Diktatur zwischen 1973 und 1990 gehen Pinochets Soldaten und Folterer gegen einen Feind vor, der aus Intellektuellen, Politikern, Studenten und Jugendlichen besteht. Generalstabsmäßig vorbereitete Erschießungen und Folterungen unzähliger Häftlinge in Konzentrationslagern, vergewaltigte Frauen, an Eisenbetten gefesselte und unter Strom gesetzte Gefangene - diese Gräuel scheinen unfassbar gerade in Chile, das bis 1973 ein Muster an politischer Stabilität mit mehr als hundert Jahren Demokratie ist.

Pinochet hält sich nicht nur mit organisiertem Terror länger an der Macht als jeder andere Diktator in Amerika. Er löst das Parlament auf, verbietet Parteien und Gewerkschaften und schafft mit der politischen Geheimpolizei DINA das Instrument für die Schmutzarbeit. Der Diktator, der sich im Dezember 1974 zum Präsidenten erklärt, gibt den Chicago-Boys von Milton Friedman freie Hand, die Chile in ein neoliberales Experimentierfeld verwandeln. Das hohe Wirtschaftswachstum wird mit Armut und Arbeitslosigkeit erkauft. Von den Privatisierungen profitieren viele Freunde und Verwandte des Diktators und - wie man inzwischen weiß - Pinochet selbst.

1988 will Pinochet der Welt mit einer Volksbefragung beweisen, dass die Chilenen hinter ihm stehen. Doch 54 Prozent sagen „No“, als sich der Diktator bis 1997 im Amt bestätigen lassen will. Dennoch bleibt der alte Diktator noch zehn Jahre Heereschef und wird anschließend Senator auf Lebenszeit.

1998 beginnt sich der Wind zu drehen. Als sich der alte Mann in London am Rücken operieren lassen will, lässt ihn der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón für 94 Entführungen und Morde an Oppositionellen festnehmen. Es beginnt ein 503 Tage dauerndes juristisches Gezerre um Völkerrecht und Verhandlungsfähigkeit. Schließlich schicken die Briten den scheinbar kranken Diktator nach Hause. Kaum ist er dem Flugzeug entstiegen, erhebt er sich aus dem Rollstuhl, lässt sich auf rotem Teppich demonstrativ feiern und verhöhnt so die Welt.

Doch seither ist nichts mehr wie vorher. In Dutzenden Verfahren ermittelt die chilenische Justiz gegen Pinochet, denen er sich nur durch Krankheit entzieht. Der Verantwortung für seine Taten hat Pinochet sich nun durch Tod entzogen.

[www.ksta.de]

von Zecke - am 11.12.2006 21:25

Re: Guter Artikel

Der ist auch gut, aber etwas emotionaler als die vom Spiegel. Finde aber die von Spiegel eigentlich genauso gut.

von La Dolce Vita - am 11.12.2006 21:57

Re: @ ZECKE

Also außer diesem Heck kann - wie auch nicht anders zu erwarten - Franz-Josef Strauß wohl als Sympathisant bezeichnet werden:

"Ich habe keine Zweifel, dass Chile ein demokratisches und freies Land ist und vor allem, weil es in den vergangenen vier Jahren fundamentale Prinzipien der deutschen Demokratie übernommen hat: Die Disziplin, den Respekt und die Hilfsbereitschaft." - Über die damalige Militärdiktatur Chile, 1977

"Die Demokratisierung der Gesellschaft ist der Beginn der Anarchie, das Ende der wahren Demokratie. Wenn die Demokratisierung weit genug fortgeschritten ist, dann endet sie im kommunistischen Zwangsstaat." - Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 11. Januar 1978. Unter Demokratisierung verstand man damals die Demokratisierung der Gesellschaft, z.B. Universitäten (Studentenausschüsse) und Betriebe (Mitbestimmung)


Einzig positiv ist sein Zitat über die FDP. *g* "Die Charakterlosigkeit der FDP verbunden mit ihrem Selbsterhaltungstrieb ist eine der zuverlässig berechenbaren Komponenten." - Rede von Strauß auf der Tagung der CSU-Landesgruppe, Sonthofen, 18./19. November 1974

Allgemein betrachte ich Strauß aber lieber wie Herbert Wehner mit einem meiner Lieblingszitate:
"Wenn man Sie so reden hört kann man nur sagen: Hut ab, Helm auf!" - Herbert Wehner


Ach ja, ein Worst-of Strauß:

Überprüft

"Wie ich persönlich über die Leistungen der an der Front eingesetzt gewesenen Verbände der Waffen-SS denke, wird Ihnen bekannt sein. Sie sind selbstverständlich in meine Hochachtung vor dem deutschen Soldaten des letzten Weltkrieges einbezogen." - Der Freiwillige, 1959

"Der Spiegel ist die Gestapo des heutigen Deutschlands. Es gibt dort Tausende von Personalakten. Wenn man die Nazi-Vergangenheit Deutschlands betrachtet, so hat fast jeder etwas zu verheimlichen. Das ermöglicht Erpressungen. Ich war gezwungen dagegen vorzugehen." - Ha Aretz Interview, 2. Juni 1963

"Ich bin die Stimme der Partei. Bringen Sie das Geld mit, dann dürfen Sie auch mitreden." - Süddeutsche Zeitung, 25. Mai 1970

"Ich bin ein Deutschnationaler und fordere bedingungslosen Gehorsam." - DER SPIEGEL, 30. November 1970

"Ich will lieber ein kalter Krieger sein als ein warmer Bruder." - DIE ZEIT, 1. Januar 1971

"Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher." - DIE WELT, 23. September 1974

"All das macht nicht die Wahlergebnisse von Morgen aus, sondern die Emotionalisierung der Bevölkerung, und zwar die Furcht, die Angst und das düstere Zukunftsbild sowohl innenpolitischer wie außenpolitischer Art." - Rede auf der Tagung der CSU-Landesgruppe in Sonthofen am 18./19. November 1974

"Das eklatante Versagen derer, die ausgezogen waren, Deutschland zu reformieren, und einen Saustall ohnegleichen angerichtet haben." - Passau, politischer Aschermittwoch 12. Februar 1975

"Es ist mir egal, wer unter mir Kanzler wird." - DER SPIEGEL, 21. April 1975

"Ich habe keine Zweifel, dass Chile ein demokratisches und freies Land ist und vor allem, weil es in den vergangenen vier Jahren fundamentale Prinzipien der deutschen Demokratie übernommen hat: Die Disziplin, den Respekt und die Hilfsbereitschaft." - Über die damalige Militärdiktatur Chile, 1977

"Die Demokratisierung der Gesellschaft ist der Beginn der Anarchie, das Ende der wahren Demokratie. Wenn die Demokratisierung weit genug fortgeschritten ist, dann endet sie im kommunistischen Zwangsstaat." - Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt, 11. Januar 1978. Unter Demokratisierung verstand man damals die Demokratisierung der Gesellschaft, z.B. Universitäten (Studentenausschüsse) und Betriebe (Mitbestimmung)

"Ich bin zwar kein Wehrdienstverweigerer, aber trotzdem kein Feigling." - DIE ZEIT, 6. Juli 1979

"Gegen Ratten und Schmeißfliegen führt man keine Prozesse." - Wahlkampfrede in Köln 1980, mit Bezug auf Bernt Engelmann

"Die Charakterlosigkeit der FDP verbunden mit ihrem Selbsterhaltungstrieb ist eine der zuverlässig berechenbaren Komponenten." - Rede von Strauß auf der Tagung der CSU-Landesgruppe, Sonthofen, 18./19. November 1974

"Eine der dümmsten Vorstellungen, die man haben kann, den Arbeitnehmer am Produktivkapital unbedingt beteiligen zu müssen." - Rede von Strauß auf der Tagung der CSU-Landesgruppe, Sonthofen, 18./19. November 1974

"Der Riesenstaatsmann Mümmelmann!" - über den damaligen Staatsminister im Auswärtigen Amt, Jürgen Möllemann, 1984

Zugeschrieben

"Der Unterschied zwischen Helmut Schmidt und mir besteht darin, dass ich stets ungenau richtig liege und er immer exakt falsch liegt." - Haushaltsdebatte im Bundestag

"Die SPD ist eine rote Wanderdüne. Sie verschiebt sich immer mehr nach links und in Richtung Osten." - 1979

"Eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an, als dass ein Sozi Geld zurücklegt."

"Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen." - Zitat in der Frankfurter Rundschau, 13. September 1969

"Es gibt immer wer, der dagegen ist."

"Es ist reizvoller, in Alaska eine Ananasfarm zu errichten, als Bundeskanzler zu werden." - 1968

"Es werden noch Zeiten kommen, in denen eine Kaserne genauso wichtig ist wie eine Kirche."

"Everybody's darling ist everybody's Depp."

"Haben Sie überhaupt Abitur?" - Auf eine Frage eines von innerparteilichen Gegnern beauftragten Beobachters bei einer Veranstaltung einer Studentenverbindung

"Helmut Schmidt und ich kennen uns sehr gut. Wenn er mich anredet »Alter Gauner« und ich sage »Alter Lump«, so ist das durchaus eine von gegenseitiger Wertschätzung und realistischer Kennzeichnung getragene Formulierung." - 1978

"Ich rede ganz offen und deutlich. Ich kann doch nicht nach Bonn gehen und das Parlament und das Bundeskanzleramt anzünden." - 1986

"Konservativ sein heißt, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren."

"Man muss einfach reden, aber kompliziert denken - nicht umgekehrt."

"Mich fasziniert bei den Fernsehauftritten Helmut Kohls immer wieder, dass der den Eindruck erweckt, jeder könne Bundeskanzler werden!" - 1985

"Politik wird mit dem Kopf nicht mit dem Kehlkopf gemacht."

"Rechts neben uns ist nur noch die Wand."

"Und wenn es sein muss, sind wir Bayern für Deutschland auch noch die letzten Preußen."

"Wenn ich jemanden beschimpfe, dann tue ich das in voller Klarheit." - 1980

"Wer bei uns lebt, soll sein Land nicht schlechtmachen. Wem es hier nicht passt, der kann ja rausgehen aus Deutschland." - 1979

"Wer noch einmal das Gewehr (zu einem Angriffskrieg) in die Hand nehmen will, dem soll die Hand abfallen." - 1949

"Wie manche Pfarrer die Kirche leer predigen, reden auch manche Politiker den Saal leer."

"Wir wollen von niemanden mehr, weder von Washington, noch von Moskau, von keinem europäischen Nachbarn, auch nicht von Tel Aviv, ständig an unsere Vergangenheit erinnert werden." - Interview mit der Zeitung Al Ahram, Oktober 1978

von Zecke - am 12.12.2006 00:32
Ich glaub, die Zeiten haben sich ein wenig geändert. Trotzdem muss man aber noch nicht wegen jeder Scheiße zurücktreten, siehe der CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitsche zuletzt.

von Zecke - am 12.12.2006 00:41

Re: @ ZECKE

Nee, vermutlich Strauß.

von Zecke - am 12.12.2006 00:56

Re: Spiegel-Artikel

Bush ist ein Demokrat?

von Zecke - am 12.12.2006 01:00

Re: Guter Artikel

Emotionaler würde ich nicht sagen. Härter formuliert vielleicht. Mir gefällt am KStA besser, dass die Taten und Folgen übersichtlicher dargestellt sind.

von Zecke - am 12.12.2006 01:19

Re: @ ZECKE

hähäää...DANKE !!!


was mir einfiel:

hatte filbinger nicht mal gesagt (so ungefähr) :

"es ist bei schönem wetter doch nicht unangenehm, wenn man im stadion ist."

da wurden politische gegener in ein stadion getrieben und wurden dort gefangen gehalten.

ob das aber jäzz CHILE war weiss ich nicht mehr. aber was mir noch einfiel war das KLAUS STEAK dazu ein poster gemacht hat.

von OLAV. - am 12.12.2006 07:14

Re: Spiegel-Artikel

Wie gesagt nicht von seinem Parteinamen her, aber natürlich ist das ein fanatischer Demokrat. Er würde am Liebsten alles vernichten, was auch nur annähernd nicht so ist wie die USA. Natürlich steckt nix als Geld- und Machtdenken dahinter. Aber er vertuscht es auf diese Weise.

von La Dolce Vita - am 12.12.2006 09:18

Re: Guter Artikel

Okay. Sollten sie aber bei allen anderen auch ruhig mal tun.

von La Dolce Vita - am 12.12.2006 10:34

Re: @ ZECKE

Über das Zitat unterhalten wir uns hier doch die ganze Zeit, das ist von Bruno Heck gewesen. Und wenn die Opfer dort nur gefangen gehalten worden wären... :( Ich sage nur Viktor Jara.

von Zecke - am 12.12.2006 13:47

Re: Spiegel-Artikel

Und trotzdem ist er kein radikaler oder fanatischer Demokrat. Demokraten vernichten in der Regel nicht alles, was nicht so ist wie sie. Um bei Deinem Beispiel zu bleiben. Ich würde Bush niemals als politisch überzeugten Demokraten bezeichnen. Niemals einen solchen Machtmenschen mit all seinen Menschenrechts- und Weltordnungverletzungen. Außerdem ist es auch immer eine Sache, in welches politische System man hineingeboren wird.

von Zecke - am 12.12.2006 13:52

Re: @ ZECKE

von bruno heck ?

hmmm..sagt mir garnix....


umphh!

von OLAV. - am 12.12.2006 13:57

Re: Guter Artikel

Woher weißt Du, dass der Kölner Stadt-Anzeiger es ansonsten nicht auch tut?

von Zecke - am 12.12.2006 13:57

Re: @ ZECKE

Ich hatte den Namen vorher auch noch nicht gehört. Schau mal bei Wikipedia.

von Zecke - am 12.12.2006 14:18

Re: Spiegel-Artikel

Ach ja, was für Amerikaner Demokratie bedeutet:

"Ich sehe nicht ein, weshalb es nötig sein sollte, stillzuhalten und zuzusehen, wie ein Land durch die Verantwortungslosigkeit seines Volkes kommunistisch wird." - Henry Kissinger, Rechtfertigung für die Unterstützung des Putsches von Augusto Pinochet

von Zecke - am 12.12.2006 14:23

Re: Spiegel-Artikel

Okay. Ich meinte ja auch nur, dass er die vermeintliche Freiheit der Bürger dieser Welt fanatisch verteidigt. Es richtet sich ja alles gegen Diktaturen. Es sei denn, man macht gute Geschäfte mit ihnen, so wie mit den Saudis. :D

von La Dolce Vita - am 12.12.2006 15:37

Re: Spiegel-Artikel

Ja, so sind sie. Zumindest viele von ihnen.:(

von La Dolce Vita - am 12.12.2006 15:41

Re: @ ZECKE

ja, habe ich.

danke für den tipp.

von OLAV. - am 12.12.2006 16:05

Aktueller Artikel über Trauerfeier

SPIEGEL ONLINE - 12. Dezember 2006, 19:56
URL: [www.spiegel.de]

TRAUERFEIER FÜR EX-DIKTATOR

Pinochets Familie brüskiert Chiles Regierung

Die Trauerfeier für Chiles gestorbenen Ex-Diktator Pinochet hat ein Schlaglicht auf die tiefe Spaltung des Landes geworfen: Angehörige und Anhänger Pinochets nutzten die Zeremonie zum Affront mit der chilenischen Regierung, die dem Verstorbenen ein Staatsbegräbnis versagt hatte.

Santiago de Chile - Bei den Trauerfeierlichkeiten für den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet kam es am Dienstag in Santiago zum Eklat. Die einzige Ministerin der chilenischen Regierung, die an der Trauerfeier in Santiago teilnahm, wurde von Pinochet-Anhängern ausgebuht. Pfiffe empfingen die nicht in Schwarz gekleidete Verteidigungsministerin Vivianne Blanlot in der Militärakademie. Sie grüßte die Familie Pinochets nicht und setzte sich auf einen Platz in der ersten Reihe.


In einem deutlichen Affront gegen die Regierung begaben sich Angehörige Pinochets daraufhin zum Sarg und bedeckten ihn mit der Präsidentenschärpe. Chiles Präsidentin, die Sozialistin Bachelet, hatte dem Ex-Diktator Staatstrauer und ein Staatsbegräbnis verweigert. Sie und ihre Mutter waren unter Pinochets Militärdiktatur (1973 - 1990) misshandelt worden. Ihr Vater starb in einem Gefängnis der Junta.

Vor dem Gebäude hatten sich etwa 4000 besonders treue Anhänger Pinochets versammelt. Die Menschen, darunter auffällig viele junge Leute, schwenkten Fahnen mit der Aufschrift "Grácias mi General" (Danke, mein General), schmähten in Sprechchören "Kommunisten und Schwule" und feierten Pinochet als "Retter des Vaterlandes vor dem Kommunismus".

Seit Pinochet am Montag in der Offiziersschule aufgebahrt lag, waren nach Angaben der Polizei bis zu 60.000 Menschen am Sarg vorbeigezogen. Beobachter in Santiago äußerten sich überrascht über diese "Wiederkehr" der öffentlichen Begeisterung für Pinochet und sein rechtes Gedankengut. Es war die größte Demonstration für Pinochet seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie vor 16 Jahren.

Von der Offiziersschule sollte der Sarg aus Sicherheitsgründen im Hubschrauber zur Einäscherung in einem Krematorium in der Küstenstadt Concon 140 Kilometer nordwestlich von Santiago geflogen werden. Anschließend sollte die Urne Medienberichten zufolge in der Kapelle der Familienresidenz "Los Boldos" etwa 50 Kilometer südlich von Concon beigesetzt werden.

In der Innenstadt Santiagos ehrten unterdessen mehrere tausend Menschen den beim Pinochet-Militärputsch am 11. September 1973 gestürzten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende. Er hatte sich angesichts der ausweglosen Lage am selben Tag das Leben genommen. Auf Transparenten war zu lesen: "El tirano murió, Allende vive" (Der Tyrann ist tot, Allende lebt).

Die chilenische Gesellschaft ist in ihrem Urteil über Pinochet noch immer tief gespalten. Seine Anhänger halten ihn für einen "Revolutionär, der Chile Demokratie und Wohlstand gebracht" habe, wie einer der Trauergäste meinte. Seine Gegner bezeichnen ihn hingegen als Schlächter, der für den Tod von mindestens 3500 Regimegegnern und Andersdenkende während seiner Herrschaft (1973-1990) verantwortlich ist. Dem Staat werfen sie vor, dass Pinochet nie vor Gericht gestellt wurde. Der Erzbischof von Santiago, Kardenal Francisco Javier Errazuriz, sagte, er bete dafür, dass Gott Pinochet vergebe und dabei auch "alle guten Taten" Pinochets berücksichtige.

Menschenrechtsgruppen hatten angesichts des Todes von Pinochet eine Beschleunigung der Strafverfahren wegen Menschenrechtsverbrechen gefordert. Dass Pinochet durch den Tod seiner Strafe entgangen sei, müsse als "Weckruf" verstanden werden, schrieb etwa die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Chile solle auch die noch unter Pinochets Herrschaft erlassene Amnestie für Militärs und Polizisten aufheben, damit tausende von Menschenrechtsverbrechen doch noch gerichtlich aufgearbeitet werden könnten. Das seien der Staat und die Gesellschaft den Opfern der Diktatur schuldig.

phw/AFP/dpa

von Zecke - am 12.12.2006 19:15

Re: Guter Artikel

Äh....Stimmt, ich kann es ja gar nicht wissen, da ich ihn nicht oft lese

von La Dolce Vita - am 12.12.2006 20:48
Meinst du das mit der Multi Kulti Schwuchtel. Hat er sich dafür entschuldigt? Ich finde bei solchen Dingen reicht eine echt gemeinte Entschuldigung. Jedem ruscht mal was Blödes raus.
Er hat aber doch mal was gesagt, was die NPD bewogen hatte, ihn für ihre Partei anzuwerben. War das das mit dem Schuldkult?

von La Dolce Vita - am 12.12.2006 21:40
und in meiner Blöd wird er noch fast als "Held" verabschiedet *kotz* So nach dem Motto: Ja, er hatte ein paar Leichen im Keller, aber immerhin hat er uns vor dem Kommunismus bewahrt. Wahrscehinlich hätten die nach Hitlers Tod geschieben: Naja, er war gar nicht so schlecht, was sind schon ein paar Mio Tote gegen die deutsche Autobahn:mad::mad:

von Heike. - am 13.12.2006 17:21
Er wird in der "Bild" als Held beschrieben?

von La Dolce Vita - am 13.12.2006 17:22

Re: Spiegel-Artikel

Der reine Gedanke, ob etwas eine Dikatur ist oder nicht, hat bei den Amis noch nie eine Rolle gespielt. Ganz im Gegenteil. Oft war einem eine rechte Diktatur lieber als eine linke demokratisch gewählte Regierung. Wo man ja auch oft nachgeholfen hat.

von Zecke - am 14.12.2006 23:40

Re: Spiegel-Artikel

Ja, sag ich ja. Bei den Saudis stört es sie ja auch nicht, dass Menschen noch ihre Hände abgeschlagen bekommen, wenn sie einen kleinen Diebstahl begehen.

von La Dolce Vita - am 15.12.2006 00:27
Wundern täte es mich nicht. Er wurde in Deutschland pressetechnisch ja auch in den 70er Jahren teilweise positiv begleitet.

von Zecke - am 15.12.2006 00:30
Hitler hat uns doch auch vor dem Bolschewismus bewahrt. Also zumindest uns im Westen. ;-)

Hast Du den Artikel aus der BILD dazu?

von Zecke - am 15.12.2006 00:31
Dem rutscht aber nicht nur mal was raus, der gibt andauernd solche Statements von sich. Da kann man schon von einer Geisteshaltung sprechen. Hab derzeit keine Ahnung, wo ich all seine Zitate finde.

von Zecke - am 15.12.2006 00:36
Das ist natürlich eine andere Sache. Das wusste ich nicht.

von La Dolce Vita - am 15.12.2006 01:01
Nein, keine Ahnung. Ich pflege mittlerweile mein Redionalblatt (Mitteldeutsche Zeitung) ebenfalls mit diesem Begriff zu bezeichnen, weil die sich im geistigen Tiefflug befinden.

von Heike. - am 15.12.2006 17:21
Einstiger Tyrann wurde zum Gejagten
Chiles Ex-Diktator Pinochet ist tot - Verbrechen bleiben ungesühnt

von JAN-UWE RONNEBURGER

Santiago de Chile/dpa. Augusto Pinochet, der gestern im Alter von 91 Jahren gestorben ist, hat sich in die kollektive Erinnerung Chiles als gnadenloser Militärdiktator und zugleich als Modernisierer eingebrannt. Auch angesichts seines Todes ist das Land gespalten. Die einen weinen vor Zorn über den Tod ihrer Angehörigen, der nun für immer ungesühnt bleibt, die anderen weinen um den "Retter des Vaterlandes" vor dem Kommunismus. In seinen letzten Lebensjahren verblasste Pinochets Stern jedoch. Selbst ehemaligen Bewunderer waren durch die Winkelzüge zur Umgehung der Justiz, immer neue Einzelheiten über sein Terrorregime und vor allem über die Affäre um Dollarmillionen auf US-Konten und den Vorwurf der Unterschlagung ernüchtert.

Opfer verhöhnt
Nachdem Pinochet 2002 wegen Altersdemenz zunächst für verhandlungsunfähig erklärt worden war, verhöhnte er die Opfer seiner Diktatur in Interviews. Die sollten sich mal lieber bei ihm entschuldigen, meinte er einmal. Privat soll Pinochet charmant geplaudert und seine Gäste humorvoll unterhalten haben. Chile aber hielt der General, der sich früher gern hinter einer dunklen Sonnenbrille verbarg, 17 Jahre im eisernen Griff. Bis zum Ende der Diktatur 1990 wurden etwa 3 200 Menschen getötet, mindestens 28 000 Menschen hinter Gitter gebracht und gefoltert sowie Hunderttausende ins Exil getrieben. Die Täter wussten, dass sie
Verbrechen begingen, denn sie ließen ihre Opfer im Meer, in Vulkankratern oder in anonymen Gräbern verschwinden. Der Terror ging jedoch Hand in Hand mit der Umwandlung des Landes. Die Wirtschaft Chiles wurde nach einigen Krisen und Kurskorrekturen zur fortschrittlichsten des Subkontinents. Aber auch die Schere zwischen Arm und Reich öffnete sich unter Pinochet immer weiter.
Augusto Pinochet kam am 25. November 1915 in Valparaiso zur Welt. Nach der Schule schlug er die Militärlaufbahn ein. 1973 machte ihn dann ausgerechnet Allende kurz vor dem Umsturz im September 1973 zum Heereschef. Nur Tage später putschte Pinochet. Nach einer verlorenen Volksabstimmung machte Pinochet 1990 dem Christdemokraten Patricio Aylwin Platz auf dem Präsidentensessel. An eine strafrechtliche Verfolgung Pinochets und anderer Militärs war aber zunächst nicht zu denken. Das änderte sich erst, als der greise General im Oktober 1998 in London auf Betreiben der spanischen Jusitz festgesetzt wurde, die ihm Völkermord, Terrorismus und Folter vorwarf. Erst nach eineinhalb Jahren Hausarrest konnte Pinochet in die Heimat zurückkehren.

Prozess entgangen
Aber auch dort rückte ihm die Justiz nun zu Leibe. Nur durch die "Hintertür" des Altersschwachsinns konnte er einem Strafprozess entgehen. Als bekannt wurde, dass er danach noch Dollar-Millionen dubiosen Ursprungs auf Konten hin- und hergeschoben hatte, wurde er doch wieder für verhandlungsfähig erklärt und stand zuletzt in vier verschiedenen Strafverfahren unter Anklage und Hausarrest. Nach seinem Tod werden die Strafakten Pinochets nun für immer geschlossen.

von Heike. - am 18.12.2006 18:01
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.