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vor 10 Jahren, 10 Monaten
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Toddi79

Laudatio

Startbeitrag von Toddi79 am 16.01.2007 21:24

wenn es interessiert, ich hatte mitgeschrieben :-)


Meine Damen und Herren, und vor allem Dingen: liebe Schüler!

Es ist schön für mich, heute hier stehen zu dürfen, und es erfüllt mich mit großer Freude, zu einem Paten der Aktion „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage!“ vorgeschlagen und ernannt worden zu sein. Besonders in einem solchen Haus wie der Regine-Hildebrandt-Schule.

Der Zufall wollte es, dass mein Bruder John befreundet ist mit eurem Schulleiter Hansjörg Berendt, und von daher weiß ich schon seit geraumer Zeit aus Erzählungen einiges über euch. Letzte Woche habe ich dieses Haus nun zum ersten Mal selber besucht, und ich bin tief beeindruckt.

Die Initiative „Schule ohne Rassismus“ wurde ja Ende der 80er Jahre in Belgien ins Leben gerufen. Mittlerweile gehören ihr europaweit über 600 Schulen an. Sie hat viele Auszeichnungen erhalten, unter anderem die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille im Jahre 2001, für die ich seinerzeit die Laudatio halten durfte. Damals habe ich gesagt: ‚Viele Menschen behaupten, das Politik in der Schule nichts zu suchen habe. Das sei Unsinn. Im Gegenteil: Es gäbe nichts Schlimmeres, als eine Schule ohne politisches Bewusstsein.’
Zu dieser Aussage stehe ich noch heute. Natürlich, Schulen sollen auf politische Neutralität und Integrität bedacht sein, aber allzu oft verstecken sie sich hinter diesem Auftrag, um gesellschaftlich wichtigen und brennenden Fragen aus dem Weg zu gehen. Weil es auf diesem Terrain ganz schnell ungemütlich wird. Weil es gefährlich ist. Doch die Schüler können selbst entscheiden, ob sie mit einem Schlafwagenangebot mitrollen wollen, oder ob sie die Notbremse ziehen.

Deshalb ist die Idee von „Schule ohne Rassismus“ so großartig. Sie ruft die Schüler aller Schulen dazu auf, Eigeninitiative zu ergreifen und aktiv zu werden. Und zwar nicht mit Aufforderung der Lehrer. „Ohne Rassismus – mit Courage“ – das ist eine politische Aussage, und es ist in der heutigen Zeit in vielen Gegenden Deutschlands eine Aussage mit Brisanz.

Nicht hier, unter den hiesigen Schülern, die in besonderer und beispielhafter Weise täglich das gegenseitige „Akzeptieren“ des „Anders-seins“ und den wirklichen Dialog miteinander leben. Wir hier unter uns, unter diesem Dach, brauchen uns nicht gegenseitig versichern, dass Rassismus eine Ideologie der Verlierer ist, und wie dumm und asozial Nazis und Faschisten sind; das Rechtsradikalismus in unserer Gesellschaft keinen Zentimeter Platz haben darf. Wir hier wissen das. Aber darum geht es gar nicht. Darum geht es nicht, wenn das Schild „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in der Eingangshalle dieses Hauses aufgehängt wird. Es geht darum, dass jedem neuen Gast, der dieses Gebäude in Zukunft betreten wird, und der vielleicht bisher noch nicht so sehr über sich und seine Position zu politischem Grundsatz, oder zu Menschenrechtsfragen nachgedacht hat, klargemacht wird, welcher Wind und welcher Geist an dieser Schule weht.

In diesem Jahr sind rechtsradikale Gewalttaten aller Art je nach Gebiet in Deutschland um zwischen 10% und 20% gestiegen. Es ist kein Geheimnis, dass auch Brandenburg besonders unter diesen Verhältnissen zu leiden hat. Erschreckend, wie gleichgültig, lax und oft ungestraft rechtsradikale Stammtisch-Parolen und Dumm-Theorien in unserer Gesellschaft wieder hingenommen werden. Wehrt euch gegen das gemeine Geschwätz vom angeblichen Scheitern der „multikulturellen Gesellschaft“ und dem ständigen Gerede vom „Boot, das voll ist“.
Ich könnt stolz sein auf eure Schule, weil sie soviel mehr ist, als eine Penne, in der Mann sich gute oder schlechte Noten in Deutsch, Mathe oder irgendwelchen Handwerksarbeiten abholt.
Denn diese Schule bekennt Farbe. Tragt diesen Stolz nach außen. Geht bewusst durchs Leben als Schüler mit Courage und gegen Rassismus – dann werden die, die aus Angst und Zweifel heute noch zögern, auf der richtigen Seite zu sein, früher oder später den Mut finden, euch nachzueifern.

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