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Terrorist des Tages 1: Holger Meins

Startbeitrag von Zecke am 31.01.2007 01:14

Parallel zu den hochinteressanten Insel-Infos ergreife ich jetzt auch die Chance am Schopf und ernenne mich hier zum Bildungsbeauftragten für Terror.
Ich werde jetzt passend zum Öffentlichkeits-Aufruhr regelmäßig einen nationalen oder internationalen Terroristen des Tages küren und per Wikipedia vorstellen. Die Auwahl erfolgt natürlich rein zufällig nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten und so. Ich erwarte eine Diskussion und Benotung der jeweiligen Akteure. ;-) Wegen Bildern und so empfehle ich den Link und nicht das Reinkopierte.

Wir beginnen mit Holger Meins.

[de.wikipedia.org]


Holger Meins

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Holger Klaus Meins (* 26. Oktober 1941 in Hamburg-Eimsbüttel, † 9. November 1974 in Wittlich) war Mitglied der ersten Generation der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF). Er starb 1974 an den Folgen eines wochenlangen Hungerstreiks in der JVA Wittlich in Rheinland-Pfalz.

Holger Meins war Sohn des Hamburger Kaufmanns Wilhelm Julius Meins (1907-1986). Ab 1962 studierte Meins an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HfbK). 1964 wirkte er am Bühnenbild des „Theaters im Zimmer“ in Hamburg mit. Im Herbst desselben Jahres begann Meins ein Volontariat bei den RIVA-Fernsehstudios in Unterföhring und wurde Kameraassistent bei der ARPA-Film in München. 1966 brach er sein Kunststudium ab und wechselte zur neu gegründeten Deutschen Film- und Fernsehakademie (dffb) in Berlin. Hier drehte er zunächst den hochgelobten Dokumentarfilm Oskar Langenfeld im Stil des Direct Cinema. Meins beobachtete dort die alltäglichen Überlebensstrategien eines TBC-kranken Stadtstreichers.

Im selben Jahr nahm Meins erstmals an einer Demonstration des SDS gegen den Vietnamkrieg teil. Am 2. Juni 1967 war er Teilnehmer an der Demonstration gegen den Schahbesuch, bei der Benno Ohnesorg erschossen wurde. In der Folge kam es zu einer Radikalisierung der Studentenschaft, von der auch Holger Meins erfasst wurde.

Am 1. Februar 1968 zeigte er auf einer Protestveranstaltung an der TU Berlin namens „das Springertribunal“ - welches u.a. von Horst Mahler organisiert worden war - den dreiminütigen Dokumentarfilm „Wie baue ich einen Molotow-Cocktail?“. Der Film wurde zunächst anonym gezeigt und kursierte bei diversen Teach-ins und in der Kommune 1. Meins' Urheberschaft gilt heute als gesichert. Es ist eine Verfilmung der Anleitung zum Bau eines Molotowcocktails, die Meins Regis Debrays Guerilla-Anleitung "Revolution in der Revolution?" entnommen hatte. Im Film wird der Zusammenbau der Brandflasche genaustens dokumentiert und durch das Ineinandergreifen vieler Hände zur Fertigstellung die angeblich breite Basis der revolutionären Bewegung symbolisiert. Am Ende folgt ein Schnitt auf das Verlagshaus der Axel Springer AG, wodurch das Ziel der Brandanschläge deutlich genannt wird.

Weil Meins wegen dieses Molotow-Cocktail-Films einen Prozess erwartete, fuhren er und sein Kommilitone Günther Peter Straschek Anfang 1968 nach München, wo gerade die HFF eröffnet worden war. Es erklärte sich jedoch kein Dozent bereit den Film als abstraktes, nicht zur Gewaltanwendung aufrufendes Kunstwerk zu deklarieren.

Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke brannten dann wirklich Autos vor dem Springerhaus. Im Mai beteiligte sich Meins an der Besetzung der Dffb. Deswegen wurde er zusammen mit Gerd Conradt, Harun Farocki und 15 weiteren am 27. November 1968 vom Studium ausgeschlossen. Diese Entscheidung wurde am 11. November 1969 gerichtlich aufgehoben und Holger Meins wieder zur dffb zugelassen.


Im September 1969 zog Meins in die Kommune 1 in Berlin ein. Er arbeitete an der Untergrund-Zeitung „883“ von Peter-Paul Zahl mit. Am 1. Mai 1970 wurde Andreas Baader unter Beteiligung von Ulrike Meinhof gewaltsam befreit, die Rote Armee Fraktion als Terrororganisation im Untergrund war geboren. Holger Meins gestaltete das Plakat „Freiheit für alle Gefangenen“ und setzte in der „883“ den Abdruck des RAF-Gründungsaufruf durch. Vom Film hatte er sich schon verabschiedet. Am 14. August wurde er unter dem Verdacht der Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag auf einen Polizeiwagen verhaftet, nach einem Monat Untersuchungshaft in Berlin-Moabit wieder freigelassen. Ralf Reinders hatte sein Auto ausgeliehen und den Anschlag begangen.

Im Oktober schloss sich Meins unter dem Decknamen „Rolf“ der Rote Armee Fraktion an und tauchte unter. Ihm wurde vorgeworfen, sich an Anschlägen auf US-amerikanische Einrichtungen in Frankfurt am Main und Heidelberg beteiligt zu haben. Am 1. Juni 1972 wurde Meins zusammen mit Andreas Baader und Jan-Carl Raspe nach einer Schießerei in Frankfurt am Main verhaftet. Zunächst wurde Meins in Bochum, später in Koblenz und zuletzt in Wittlich inhaftiert.


Im Januar 1973 ging Meins aus Protest gegen die Haftbedingungen zusammen mit anderen Gefangenen zum ersten Mal in den Hungerstreik. Die RAF-Gefangenen wollten zusammengelegt werden und beanspruchten den Status als Kriegsgefangene. Im Mai folgte ein zweiter Hungerstreik, bei dem Meins erstmals zwangsweise künstlich ernährt wurde. Nach sieben Wochen brachen die Gefangenen ihren Hungerstreik ab. Den dritten Hungerstreik begann Meins am 13. September 1974. Trotz künstlicher Ernährung starb er am 9. November 1974 in der Justizvollzugsanstalt nach 58 Tagen. Er wog bei seinem Tod bei einer Größe von 1,86 Metern nur noch 39 Kilogramm. Holger Meins war nach Petra Schelm († 15. Juli 1971), die bei einem Schusswechsel mit der Polizei erschossen worden war, der zweite Tote unter den RAF-Mitgliedern.

Meins wurde im Familiengrab in Hamburg-Stellingen beerdigt. Zu seiner Beerdigung am 18. November 1974 kamen über 5.000 Menschen, unter ihnen Rudi Dutschke, der direkt vor dem Grab, vor laufenden Kameras und mit erhobener Faust, rief: „Holger, der Kampf geht weiter!“. So weitgehend hatte sich der Studentenführer nie zuvor mit der RAF solidarisiert. Der Tod von Holger Meins führte zu einer Polarisierung der westdeutschen Bevölkerung. Es gab einerseits Drohungen, die Leiche aus dem Grab zu holen und aufzuhängen. Linke Gruppen sprachen andererseits von „Mord“. In mehreren Städten kam es zu Demonstrationen mit bis zu 10.000 Teilnehmern. Den Behörden wurde eine Mitschuld am Tod des Gefangenen vorgeworfen.


1975 besetzte ein RAF-Kommando die deutsche Botschaft in Stockholm und sprengte diese in die Luft. Die Gruppe nannte sich „Kommando Holger Meins“.


Filme mit Beteiligung von Holger Meins [Bearbeiten]"Subjektitüde" 1966, Ton: Holger Meins
"Klammer auf, Klammer zu" 1966, Ton: Holger Meins
"Silvo" 1967, Ton: Holger Meins
"Die Worte des Vorsitzenden" 1967, Kamera: Holger Meins
"Farbtest - Rote Fahne" 1968, Darsteller: Holger Meins
"Oskar Langenfeld" Kurzfilm, Regie: Holger Meins
„Wie baue ich einen Molotow-Cocktail?“, Dokumentarfilm drei Minuten, Deutschland 1969, Regie: Holger Meins (Im Original unauffindbar, es existiert jedoch eine Rekonstruktion).

Filme über Holger Meins [Bearbeiten]"Starbuck - Holger Meins. Ein Porträt als Zeitbild", Dokumentarfilm, Deutschland 2003, Regie: Gerd Conradt

Literatur [Bearbeiten]Gerd Conradt: Starbuck - Holger Meins. Ein Porträt als Zeitbild, Espresso Verlag, Berlin 2001

Antworten:

Terrroristen

Ebenfalls eine sehr interessante Idee!! Würde allerdings nicht unbedingt von "KÜREN" sprechen.:rp: "Vorstellen" finde ich in diesem Falle den geeigneteren Ausdruck.*klugscheiss*

von La Dolce Vita - am 31.01.2007 08:23
(Wikipedia-Image: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d7/HolgerMeins.jpg/200px-HolgerMeins.jpg)
Holger Meins

von La Dolce Vita - am 31.01.2007 08:46
Da gibt es eine Sache, die ich nicht raffe. Wieso waren die so verhasst gegen den Axel Springer Verlag?


von La Dolce Vita - am 31.01.2007 09:51
Mir ist das genauso zu viel zu lesen wie die diversen Insel-Infos. Wobei ich diese Info hier aber doch noch interessanter finde, die ich aber auch schon deshalb gar nicht ganz lesen mag, weil ich die 70er-Jahre ja selbst miterlebt habe - einschließlich Nachrichten und Diskussionen über RAF-Attentate und den Hungerstreik der Inhaftierten.

Darüber dass die terroristischen Gewalttaten im Prinzip nicht richtig waren, brauchen wir ja wohl nicht zu streiten.
Die Beweggründe für diese Taten sind meienr Meinung nach aber durchaus nachvollziehbar. Aber das sehen sicher nicht alle Menschen so.

Ich war mal in einer Theateraufführung, die Claus Peymann in Stuttgart inszeniert hat, als die RAF-Terroristen gerade in Stuttgart-Stammheim einsaßen. Albert Camus: "Die Gerechten", spielt 1905 in Russland, ein paar Revolutionäre wollen das land befreien und planen ein Attentat auf den Großfürsten. Am Ende des Stücks, noch bevor die Schauspieler rauskamen, um sich zu verbeugen, projizierte Peymann auf den geschlossenen Vorhang eine Fahrt der Stuttgarter Straßenbahn. Linie 5 war es glaub ich, jedenfalls die Linie, die nach Stammheim rausfährt.
Du hättest echt die Empörung erleben sollen, die da im Theatersaal losbrach. Die Leute sind zum Teil aufgestanden und aus dem Saal gerannt. Einer hat geschrien: "Das kann man sich doch selber denken!"
Hab grad mal gegoogelt, das war 1976.

Gut, hat jetzt nicht direkt mit Holger Meins zu tun. Aber bei den ganzen Diskussionen zurzeit, ob Monhaupt und Klar begnadigt werden sollen oder nicht, fällt mir auch immer wieder dieser Theaterbesuch ein.
Übrigens hat Peymann, zzt. am Berliner Ensemble, Christian Klar schon vor zwei Jahren ein Stellenangebot als Bühnentechniker gemacht *g* Der hätte also sogar gleich einen Job, wenn er rauskommt! Das hat bestimmt nicht jeder Häftling!

von -Mami- - am 31.01.2007 09:55
Stichpunkt Beweggründe: Was waren denn Deiner Meinung nach die GENAUEN Beweggründe für die Morde?
Plumper Kommunismuswahn (die haben ja wohl das Unrechtsregime
in der DDR gut
gefunden oder wie? Dort wurden ja aber ähnliche Menschenrechtsverletzungen absolviert
und Kriege toleriert, bloss auf andere Art und Weise)
Oder der Hass gegen Leute, die für ihre Untaten nicht bestraft worden sind?
Gleichgültigkeit gegenüber dem Vietnamkrieg? Wo man auch liest, es steht überall etwas anderes.
Und noch was zur Gewalt: Ohne Gewalt kannst Du ein Staatssystem aber nicht zum Einknicken bringen. Mit Demos und Kerzen in die Luft halten
erreicht man leider
gar nichts.
(Womit das jetzt nicht heissen soll, dass ich solche Mittel für legitim hielt für
Deutschland zu der Zeit)

von La Dolce Vita - am 31.01.2007 10:59

MEINS BLEIBT MEINS !








Peter O. Chotjewitz zum 30. Todestag von Holger Meins, Gefangener aus der RAF
Der Kampf kennt nur ein Ende
[ Inhalt Nr.14.]
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“Die Waffe Mensch - Holger Meins und die RAF“

Vor 30 Jahren, am 09. November 1974 starb Holger Meins während und an der Zwangsernährung. Sein Hungerstreik sollte gebrochen werden wie sein Wille für eine befreite Gesellschaft zu kämpfen. Libertad! hat die Ausstellung, die erstmalig 1999 in der Berliner Volksbühne gezeigt wurde, neu aufgelegt und erweitert. Wir stellen die Ausstellung Interessierten gerne zur Verfügung. Ein eMail genügt: kampagne bei libertad.de

Das Rätsel ist die Entscheidung für das Leben im Untergrund und den bewaffneten Kampf, obwohl diese Lebensformen etwas Einfaches, fast Natürliches zu haben scheinen. Bewaffnete Auseinandersetzungen wird es immer geben, auch innerstaatlich, weil es immer Menschen geben wird, die nicht anders können, als den Kampf auf dieser Ebene zu führen, so wie es immer die Vielen geben wird, die davor zurückschrecken, weil sie wissen, dass sie es nicht können, objektiv, nicht durchhalten würden, die schon nervös werden, wenn sie einen Soldaten oder einen Polizisten sehen. Ich habe ein derart gestörtes Verhältnis zum Gesetzesbruch, dass ich schon zu zittern beginne, wenn ich im Supermarkt einen Flachmann in die Hand nehme, in der Absicht, ihn zu klauen. Menschen wie ich haben nur dann nichts gegen die Anwendung von Gewalt, wenn sie nicht selber Gewalt anwenden müssen und ihr nicht ausgesetzt sind. Die Genossen von der RAF und den anderen Kampftruppen, die meine Freunde waren, auch politisch, haben immer nur für mich gekämpft. Ich wollte diesen Kampf, fand ihn richtig, hielt ihn für unausweichlich, habe sie dafür bewundert, einige auch geliebt, aber selber hätte ich an ihm nicht teilnehmen können. So viele Ängste, die sich in mir breitgemacht haben, seit ich ein Kind war vermutlich. Ehe ich in die Lage kam, über sie nachzudenken. Nicht nur die Angst, selber Schaden zu nehmen oder zu sterben. Nicht nur die vor dem Leben im Untergrund und im Knast, die ich beide nicht aushalten würde. Das ist das einzige, was ich zu wissen meine. Auch die Angst davor, anderen wehzutun. Ich weiß, warum so viele Menschen vor Hitler gestanden haben, ohne ihn umzubringen. Ich selber hätte es auch nicht getan, weil ich es nicht gekonnt hätte. Ich wüsste nicht, woher ich so schnell die notwendige Erregung nehmen sollte. Nur im Affekt könnte ich einen Menschen töten, denke ich, aber auch dessen bin ich mir nicht sicher. Nie jedenfalls waren meine Affekte groß genug und jetzt, da ich siebzig bin, werden sie immer geringer. Natürlich könnte ich ein paar Episoden aufschreiben, aber was soll das? Es gibt ein schönes Buch über Meins, „Starbuck“, 2001 in Berlin im Espresso Verlag erschienen. Ich habe es gelesen, es hat mich bereichert, ich habe viel über Holger Meins gelernt, aber an einem Punkt hat es mich auch enttäuscht. Das ist die Frage, wie hat er sich in die Lage versetzt, den bewaffneten Kampf zu führen. Warum reichte eines Tages sein Hass soviel tiefer. Wie konnte er überhaupt so hassen, wo ich mich damit trösten konnte, dass die Verhältnisse daran schuld sind, dass die Menschen sich so verhalten, wie sie es tun. Es gibt da diesen berühmten Brief von Meins an Manfred Grashof vom 1. November 1974. Den Staatsfetischisten und Anhängern der versammelten Scheiße, die sich Bundesrepublik Deutschland nennt, gilt er als zentrales Dokument des Fanatismus. Denen, die selber nie genug Mut hatten, zu kämpfen, als Ausdruck eines heldenhaften Menschen. Verstehen werden ihn nur die Wenigen, die selber gekämpft und in seiner Situation im Knast gesessen haben.
Die zentralen Sätze des Briefes wurden unzählige Male zitiert und man kann ihn auch als ganzes lesen. Auf Seite 183 in dem Buch „Dokumente“ herausgegeben von Bakker Schut, erschienen 1987 im „Neuer Malik Verlag“. Ich musste mir den Zeitpunkt vergegenwärtigen, als ich den Brief erstmals las. Geschrieben wurde er am 1. November 1974 nach fünfzig Tagen Hungerstreik und Zwangsernährung in der Haftanstalt Wittlich, acht Tage später war Meins tot. Die Anstaltsärzte hatten ihn verhungern lassen, um die anderen Gefangen zu veranlassen, ihren Hungerstreik abzubrechen.
Was mich immer am meisten erschreckte: Meins wusste, dass sie ihn sterben lassen würden, wenn er seinen Hungerstreik fortsetzte. Der vorletzte Absatz lautet: „hier geht's doch ziemlich rapide - also schneller als ich schrieb. hab jetzt 46,8. geht täglich 140-150 g runter. kriege tatsächlich nur 400 kalorien. das arzt-pigchen meint 1200: ‚drei esslöffel je vierhundert' -ist aber so: drei esslöffel = 400.“ Was ist das Wesen des Briefes? Er besteht aus einigen Feststellungen: „das einzige, was zählt, ist der kampf. kampf bis zum tod. Wenn du weißt, dass mit jedem schweinesieg die konkrete mordabsicht konkretisiert wird und du machst nicht weiter mit, bist du das schwein, das spaltet, um selbst zu überleben. entweder mensch oder schwein.“
Holger Meins entwickelt aus der Konfrontation mit den Schweinen, die Sätze, die ihn selbst aus der Gesellschaft herauskatapultieren. Nicht nur die Propaganda der staatlichen Counterinsurgency hat zur Abwendung der Linken von den Gefangenen geführt - dazu, dass immer weniger Leute draußen bereit waren, sich für ihre Lebensbedingungen und für ihr Leben einzusetzen. Ein Prozess, der nach dem Tod von Meins sich rasch entwickelte. Es war auch das messianisch Unbedingte der Sprache, das wie ein Trennungsstrich wirkte und dazu führte, dass sich das Engagement für die Erhaltung des Lebens der Gefangenen erst in Desinteresse verwandelte, bis sich im Spätherbst 1977 zeigte, dass viele Linke froh waren, dass „der Spuk“ endlich vorbei war: dass die Gründer der RAF endlich tot waren. Der Staatsschutz wusste, warum er die wesentlichen Aussagen des Briefes (den die Herren des Morgengrauens in schweinemäßiger Weitsicht als Kassiber hatten durchgehen lassen), den Presseorganen zuspielen ließ. Im Brief von Meins wurde das Verhältnis zu denen, die nicht oder nicht mehr bereit waren, bis zum Tod zu kämpfen, vermeintlich noch einmal zugespitzt. Ich selbst interpretiere die Schärfe des Briefes anders. Auch den Kadern der RAF war klar, dass nicht alle so kämpfen konnten wie sie und natürlich gab es immer die Möglichkeit auszusteigen ohne Gefahr für Leib und Leben. Es geht um einen anderen Widerspruch. Von Anfang an hatte der Staat versucht, bewaffnete Kämpfer umzubringen, möglichst schon bei der Festnahme. Wo das nicht opportun war, versuchten sie es im Knast mit diversen Mitteln. Holger Meins wurde nach seiner Festnahme gefoltert. Alle Maßnahmen waren darauf gerichtet, ihn und die anderen entweder psychisch zu brechen oder umzubringen, durch oktroyierte Hungerstreiks. Man brachte die Gefangenen in Extremsituationen, bis sie keine Möglichkeit mehr sahen, als ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Wer von einem Menschen nach mehr als zwei Jahren der Folter und fünfzig Tagen Hungerstreik erwartet, dass er wieder zur Stulle greift, um sein Leben zu retten, handelt selber mit unbedingtem Tötungsvorsatz. Meins hat die aussichtlose Lage im Brief selber definiert: „menschen also, die sich weigern, den kampf zu beenden - sie gewinnen entweder oder sie sterben, anstatt zu verlieren und zu sterben.“ Man kann auch darüber verzweifeln, dass man Recht hat. Wir definieren den Staat als ein Monster, das um sich schlägt, wenn man es bedroht und das vor keinem Verbrechen zurückschreckt, wenn es um seine Existenz fürchtet. Man kann sich ihm nur unterwerfen, oder ihn bekämpfen. Die Unterwerfung hat viele Spielarten. Der Kampf kennt nur ein Ende. Den Tod der Edlen und Gerechten. Peter O. Chotjewitz ist Schriftsteller und Übersetzer von Dario Fo. In den 1970er ließ er sich als Rechtsanwalt zu lassen, um Andreas Baader zu besuchen. Sein im Oktober 2004 erschienenes Buch heißt „Alles über Leonardo aus Vinci“ (Europa Verlag, Hamburg).



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von OLAV. - am 31.01.2007 19:53

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

Na zurzeit ist aber echt super was los im Fourm. Ständig neue interessante Threads. Wow.

Oh Gott, der Autor hat aber auch heftig einen an der Waffel. Polemik in ganz grossem Stil.
Er hat die RAF dafür geliebt, dass sie einen bewaffneten Kampf geführt haben? Und inwiefern wäre die Gesellschaft nach einem Sieg der RAF befreit gewesen? Und die RAF Leute als besonders edel und gerecht darzustellen ist auch schon hart am Kindergarten vorbei.

von La Dolce Vita - am 31.01.2007 21:23

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

es ist wie mit den meisten Terrorgruppen in Europa. Sie sind (leider) zum Scheitern verurteilt weil sie kein Mandat der Bevölkerung haben. Wenn man dann dazu übergeht wie die 3.Generation der RAF den Terror nur des Terror wegen lebt hat man den Sinn des Ausgangspunkt völlig verloren.
Holger Meins allerdings war eine der mir in guter Erinnerung bleiben wird. Die RAF hat ihn geopfert aber was sich der Staat oder besser das "Schweinesystem" in Sachen Haftbedingungen bzw. Zwangsernährung bei Holger Meins geleistet hat ist ein ganz dunkles Kapitel deutscher Justiz.

von Eddie 72 - am 01.02.2007 12:39

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

ich glaube sowas nennt man demokratie, wo jeder frei seine meinung äussern darf:)

von OLAV. - am 01.02.2007 12:40

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

Du bist also der Meinung, er ist bewusst mit 400 Kalorien am Tag zwangsernährt worden und offiziell mit 1200? Und das steht völlig fest?
Ja, es sind in der Tat deutliche Unterschiede in der dritten Generation zu betrachten als bei denen davor. Auch recht ungewöhnlich auserwählte Opfer.
Was fandest Du gut an Holger Meins? Wieso hat Die RAF ihn geopfert? Wie meinst Du das?

von La Dolce Vita - am 01.02.2007 15:01

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

Eben, deswegen darf ich ja auch sagen, dass ich den Artikel megapolemisch finde.;-)

von La Dolce Vita - am 01.02.2007 15:02

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

wo du recht hast,


haste recht :)

von OLAV. - am 01.02.2007 15:53

Re: Terrroristen

Wieso? Ich küre sie doch.

von Zecke - am 03.02.2007 06:21
Danke schön. Wie man Bilder reinstellt, werde ich wohl nie raffen.

Er sah in meinen Augen übrigens ziemlich sympathisch aus. Hätte es äußerlich so durchaus zum erfolgreichen Rockmusiker in späteren Jahren bringen können.

von Zecke - am 03.02.2007 06:22

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

Och, so schlimm finde ich den Text jetzt auch nicht!

von Zecke - am 03.02.2007 06:39

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

Jep, nur wenige der Bevölkerung gehen einen militanten Weg mit. Und gerade in Deutschland gehen eben auch nur wenige generell einen politisch extremen Weg mit, aus Scheu. Bei den Terrorgruppen muss man aber auch immer nach dem "Wie?" fragen und da haben sich die meisten in Europa eben auch nicht mit Ruhm bekleckert. Mit Holger Meins das sehe ich ähnlich.

von Zecke - am 03.02.2007 06:46
Da müsste man aber auch von selber draufkommen. ;-) Ohne den Springer Verlag und den bundesdeutschen Zeitgeist in den Jahren kann man die Studentenbewegung und die RAF doch gar nicht verstehen. Nie gefragt, wieso jemand Rudi Dutschke in den Kopf geschossen hat und nie was von Buch "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Heinrich Böll gehört (welches ich bis heute noch nicht gelesen habe und hier im Regal verstaubt...) ?

von Zecke - am 03.02.2007 07:04

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

Man könnte es auch so sagen: Die meisten Menschen machen sich nicht gern die Finger für andere schmutzig. Und das gilt leider nicht nur für den Terrorismus.;-)

von La Dolce Vita - am 03.02.2007 10:14

Re: MEINS BLEIBT MEINS !

Ach, der Autor wirkt doch total eingelullt. Diese Art von Unterwürfigkeit und Einseitigkeit mag ich nicht.

von La Dolce Vita - am 03.02.2007 10:42

Re: Terrroristen

Findest Du den Ausdruck okay? Ist küren nicht so was wie ehren?

von La Dolce Vita - am 03.02.2007 10:50
Nö, dafür bin ich zu dumm. Ich dachte mir aber schon, dass es um in ihren Augen nicht gerechtfertigte Berichterstattung ging. Die Behauptung, dass der Springer Verlag hinter dem Anschlag von Dutschke steckte, war aber doch bloss eine Spekulation oder etwa nicht? Gibt es da handfeste Beweise für?

Das Buch kenne ich, natürlich! Man kann aber auch genau umgekehrt seine "Ehre" verlieren.


von La Dolce Vita - am 03.02.2007 11:40
Bitte sehr.
Wenn ich das nächste Mal bei dir bin, zeig ich es Dir mal. Ist ganz einfach. Ich glaube, Sparvöga hatte es mir hier mal im Forum erklärt und ich hab ein so ein bisschen versucht und dann hab selbst ich es gerafft.:D

von La Dolce Vita - am 03.02.2007 14:23

Re: Terrroristen

Ich halte es für ein anderes Wort für "(aus)wählen".

von Zecke - am 03.02.2007 19:20
Also das Wort "Berichterstattung" würde ich in dem Zusammenhang noch nicht mal in den Mund nehmen, das ist doch wohlwollend.

Natürlich steckte die BILD-Zeitung nicht direkt hinter dem Anschlag. Aber der einfach gestrickte Attentäter ist ganz klar vom rechtskonservativen Klima in Teilen Deutschlands angeheizt worden und seine Hauptinformationsquelle über die 68er war die BILD-Zeitung. Und die haben zu der Zeit nun mal echt unmenschliche Hetze betrieben. Anders kann man es nicht nennen. Hätte ich die Macht gehabt, hätte ich dieser Zeitung chavez-like wegen unsozizialem Verhalten die Lizenz entzogen. Und heute würde ich es wegen Volksverdummung und ständiger absichtlicher sowie nicht absichtlicher fehlerhafter Berichterstattung ebenfalls machen.

Man kann umgekehrt seine Ehre verlieren?

von Zecke - am 03.02.2007 19:25
Nun ja, das ist aber etwas weit hergeholt mit der Bildzeitung und dem Attentat, obwohl sie mit Sicherheit nichts als Scheiße geschrieben hat. Man kann es sich lebhaft vorstellen.
In einer Demokratie kann so eine Zeitung aber nicht verboten werden. Ich glaub aber eher nicht, dass sie viel Schaden anrichtet. Die, die sie lesen, haben eh nix in der Birne (größtenteils, wie haben einen Staatsanwalt am Stall, der liest sie!!) und würden sich auch ohne ihre Existenz nie den Spiegel oder den Focus kaufen.

von La Dolce Vita - am 03.02.2007 22:01
Zitat
La Dolce Vita
...... Die, die sie lesen, haben eh nix in der Birne .......


genau das ist doch der Haken an der Sache. Die denken nicht darüber nach was da steht, sondern glauben es stumpf!

von C-Hörnchen - am 03.02.2007 22:07

Re: Terrroristen

Ja, das bedeutet es ja im Grunde auch. Aber doch in einem extrem positiven Sinn, oder nicht? Du bist der Fachmann....

von La Dolce Vita - am 03.02.2007 22:11
Ja, das ist natürlich sehr negativ, hast schon recht.

von La Dolce Vita - am 03.02.2007 22:13
Ja, man kann auch genau umgekehrt seine Ehre verlieren. Gehört aber nicht hierher.

von La Dolce Vita - am 03.02.2007 22:16
Das ist überhaupt nicht weit hergeholt:

"Bachmanns Motive wurden nie ganz aufgeklärt; man fand bei ihm ein Zeitungsfoto von Dutschke und die Nationalzeitung und vermutete daher rechtsextreme Hintergründe. Viele Studenten machten die Springerpresse für das Attentat verantwortlich, da diese zuvor monatelang gegen Dutschke und die demonstrierenden Studenten agitiert hatte. Die Bild-Zeitung z.B. hatte Tage zuvor zum „Ergreifen“ der „Rädelsführer“ aufgerufen. Bei den folgenden Protestkundgebungen kam es zu den bis dahin schwersten Ausschreitungen, bei denen auch das Gebäude des Springerverlags angegriffen und Auslieferungsfahrzeuge für seine Zeitungen angezündet wurden."
[de.wikipedia.org]

"Am 11. April wird Rudi Dutschke von dem jungen Hilfsarbeiter Josef Bachmann, dem rechtsextreme Tendenzen nachgesagt wurden, mit drei Schüssen niedergeschossen, was ihm sieben Jahre Gefängnis einbrachte. Später erklärte Bachmann, dass er Dutschke nie perönlich kennen gelernt hatte, sondern durch die Kampagne der BILD-Zeitung angestachelt wurde. Es folgen international große Protestkundgebungen und Dutschke wird das Sinnbild für die Macht der BILD-Zeitung."
[www.mythos-dutschke.de]

Schlagzeilen aus der BILD-Zeitung siehe:
[www.rafinfo.de]


In einer Demokratie kann man sehr wohl eine Zeitung verbieten! Es ist falsch verstandene Toleranz, ein Hetzblatt nicht zu verbieten. Ich bin mir sicher, dass man in den 60er und 70er Jahren die BILD-Zeitung hätte verbieten können, weil sie verfassungsfeindliche Forderungen gegen Gegner formuliert hat. Heute wäre es wesentlich schwieriger, Förderung von Dummheit und Stammtisch-Niveau lässt sich nicht so gut verbieten.

Und dass eine Zeitung keinen Schaden anrichten kann, ist sehr kurz gedacht. Es gibt so gut wie nichts, was mehr Schaden anrichten kann als Worte. Medienmacht und charismatische Führer können fast alles.





von Zecke - am 05.02.2007 10:10
Genau.

von Zecke - am 05.02.2007 10:11

Re: Terrroristen

Ja, eher wohl schon. Aber ich habe das Wort auch schmunzelnd verwendet.

von Zecke - am 05.02.2007 10:11
Häh?

von Zecke - am 05.02.2007 10:12
Nichts Häh. Ist meine Angelegenheit. Dazu sag ich nichts in einem Forum.;-)

von La Dolce Vita - am 07.02.2007 10:08
Danke für die Links. Lese ich mir dann mal durch wenn ich Zeit hab.
Man kann lediglich verfassungsfeindliche Dinge in einer Demokratie verbieten, aber wohl kaum die Bildzeitung. Dass sie schädlichen Einfluss hat, okay das kann ich nicht ausschließen, ich kenn ihre Inhalte nämlich nicht.

von La Dolce Vita - am 07.02.2007 10:12
Also, dass sie verfassungsfeindlich sein soll, ist mir noch nicht zu Ohren gekommen. So wollte ich es ausdrücken.

von La Dolce Vita - am 07.02.2007 11:03
findest du es nicht ein bißchen pervers einen terroristen zu bewerten?

von Edelweisspirat - am 07.02.2007 15:19
Hier ist niemand bewertet worden, sondern vorgestellt worden.

von La Dolce Vita - am 07.02.2007 17:32
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