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Lüse, Mr.Monster, Edelweisspirat

Dresden wird diese Woche zur Farce für Deutschland - Achtung, langer Artikel:D

Startbeitrag von Lüse am 22.06.2009 21:30

Zum Hintergrund:

In dieser Woche wird entschieden, ob der Weltkulturerbetitel für Dresden nach zweimaliger Versichiebung entgültig aberkannt wird. Seit 2006 steht das Dresdner Elbtal inc. Titel auf der sogenannten roten Liste, aufgrund des mittlerweile in vollen Gange befindlichen Baus der bis jetzt längsten Dresdner Brücke (ca.650m) mitten durch dieses Gebiet.
Bürgermeisterin Orosz(CDU), welche für die Brücke ist, will den Titel dennoch retten, obwohl laut einer Blitzumfrage, 57 % der Dresdner den Titel für verzichtbar halten. (Repräs. Umfrage vom 19.06.09 im Auftrag der SZ)
Allgemein wird erwartet, dass der Titel nun aberkannt wird. Womit Deutschland die bislang zweite Nation weltweit, der dieses passiert. Mancher erinnert sich vielleicht, Köln konnte es glücklicherweise abwenden.


Hitzige Debatten gibt es seit Jahren, doch Stadtrat Jan Mücke(FDP) treibt es auf die Spitze:


Dresden bleibt Weltkulturerbe der Herzen


Von Jan Mücke
Für den FDP-Stadtrat Jan Mücke ist der Bau der Waldschlößchenbrücke das Symbol einer aufgeklärten und selbstbewussten Bürgerschaft.

Als der Dresdner Stadtrat im Dezember 2002 den Beschluss zur Bewerbung beim Pariser Welterbezentrum fasste, muss er schon vorausgesehen haben, dass es möglicherweise zu Konflikten zwischen dem seit mehreren Jahrzehnten geplanten Bau der Waldschlößchenbrücke und der Aufnahme des Dresdner Elbtals als „sich weiterentwickelnde Kulturlandschaft“ in die Welterbeliste der Unesco kommen könnte. Um jedes Risiko auszuschließen, wurde die Stadtverwaltung beauftragt, der Unesco auch alle Planungen zur Waldschlößchenbrücke und das erst 1994 einstimmig beschlossene Verkehrskonzept als Teil der Bewerbungsunterlagen zu übersenden.

Die Gutachter des Internationalen Rates für Denkmalpflege (Icomos) nahmen im Auftrag der Unesco das Dresdner Elbtal und die Brückenplanungen vor Ort in Augenschein. Sie kamen in ihrem schriftlichen Evaluierungsbericht an das Welterbekomitee, der die Grundlage für jede Aufnahme in die Welterbeliste ist, zu dem Ergebnis, die Waldschlösschenbrücke sei „schlank ausgebildet und lieg(e) tief, um die massive Wirkung in der Landschaft zu reduzieren“.

Aufgrund des Gutachtens verlieh die Unesco dem Dresdner Elbtal den Status einer „sich weiterentwickelnden Kulturlandschaft“ von universellem Rang. Dresden war zu Recht ein weiteres Mal stolz auf sich. Es ist einer engagierten Bürgerschaft zu danken, die mit einem Bürgerentscheid im Februar 2005 den Bau der Brücke erzwang. Schon am Abend ihrer Wahlniederlage orakelten einige Brückengegner, diese Zwei-Drittel-Zustimmung der Dresdner sei irrelevant, denn da gäbe es ja noch die Unesco. Und prompt kam die Kehrtwende des Welterbekomitees: 2006 wurde Dresden wegen des geplanten Bauprojekts auf die Rote Liste gesetzt. Es berief sich auf eine falsche Ortsangabe der Brücke im Icomos-Gutachten, das die Stadt nicht geschrieben und damit auch nicht zu verantworten hatte.

Nur wenige Jahre nach der Friedlichen Revolution von 1989 sollte nun eine Abstimmung des Souveräns für irrelevant erklärt werden. Dabei ist kein Bürgerentscheid so gründlich vorbereitet worden wie dieser. Jeder Dresdner Haushalt erhielt ein Abstimmungsbuch, in dem Gegner und Befürworter auf jeweils acht Seiten für ihre Positionen werben konnten. Die Brückengegner hatten im Abstimmungsbuch ausdrücklich schon auf der ersten Seite davor gewarnt, dass die Brücke im Weltkulturerbegebiet gebaut wird, offenbar ohne dabei die Dresdner überzeugt zu haben. Es entspann sich eine lange juristische Auseinandersetzung über die völkerrechtlichen Pflichten aus der Welterbekonvention und der Verbindlichkeit des Bürgerentscheids, die schließlich im Mai 2007 durch das Bundesverfassungsgericht entschieden wurde. Mit diesem Beschluss konnte die Stadt Dresden den Willen ihrer Bürger erfüllen ohne sich dem Vorwurf auszusetzen, völkerrechtswidrig zu handeln.

Eine Diktatur der Minderheit, die aus einem kulturell oder ästhetisch begründeten Überlegenheitsanspruch heraus meint, es besser zu wissen als die überwiegende Mehrheit der Bürger, kann es in einer Demokratie nicht geben. Welche Überheblichkeit und Verachtung für das urdemokratische Prinzip der Stimmengleichheit spricht aus jenen, die nur zwanzig Jahre nach der glücklichen Wiedererringung der Demokratie heute glauben, im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein und ihren Mitbürgern Vorschriften machen zu dürfen? Der damit zum Ausdruck gebrachte totalitäre Anspruch muss in einer offenen Bürgergesellschaft auf Widerspruch stoßen. Der Bau der Waldschlößchenbrücke ist damit auch das Symbol einer aufgeklärten und selbstbewussten Bürgerschaft, die willens ist, ihre eigenen Angelegenheiten selbst zu regeln, ohne sich dabei dem Vorwurf aussetzen zu müssen, kulturell rückständig zu sein oder weltläufige Ansichten zu missachten.

Der ausgewählte Brückenentwurf ist das Ergebnis eines Architekturwettbewerbes und nicht politischer Entscheidungen. Brücken prägen seit Jahrhunderten europäische Kulturlandschaften, sie bereichern sie.

Dennoch wird die Entscheidung von Sevilla wohl fragwürdig bleiben, denn mit Dresden wurde nicht fair umgegangen und sein Ruf leichtfertig beschädigt. Die Unesco hat in einem wenig transparenten Verfahren mehrfach ihre Meinung geändert, obwohl sie von Beginn an über alle Details des Brückenbaus informiert gewesen ist. Sie fordert heute den Bau eines Tunnels. Das Verwaltungsgericht Dresden hat 2008 in einem Urteil ausgeführt, dass mit dem Tunnel keine Alternative vorliegt, die „das Gebiet weniger gravierend beeinträchtigt“.

Der Direktor des Unesco-Welterbezentrums Francesco Bandarin hat in einem Interview in dieser Zeitung eingeräumt, dass Icomos Fehler gemacht habe. Umso wichtiger wäre es doch, die Entscheidungen des Welterbekomitees, dem nur die Regierungsvertreter aus 21Ländern angehören, einer demokratischen Kontrolle zu unterwerfen. Europarat, OSZE, selbst die Nato verfügen über Parlamentarische Versammlungen, nicht so die Unesco. Es ist höchste Zeit für mehr Demokratie auch dort.

Dresden wird auch nach der Konferenz im spanischen Sevilla eine Kunst- und Kulturstadt von Weltrang bleiben. Diese Stadt hat schon andere Herausforderungen in ihrer Geschichte gemeistert. Dresden bleibt eine weltoffene und liebenswerte Stadt. Elbflorenz wird möglicherweise schon in wenigen Jahren mit dem Neubau eines Konzerthauses für Staatskapelle und Philharmonie am Königsufer einen neuen kulturellen Impuls in die Welt aussenden können. Dresden bleibt Weltkulturerbe der Herzen – auch ohne Unesco-Titel, aber dafür mit Demokratie, Transparenz und bürgerschaftlichem Selbstbewusstsein.

Unser Autor: Jan Mücke, geb. 1973 in Dresden, ist seit 1993 FDP-Mitglied. Er ist Mitglied des Landesvorstandes der sächsischen FDP und seit Juni 2004 Vorsitzender der FDP-Fraktion im Dresdner Stadtrat. Er engagiert sich ehrenamtlich im „Bürgerbegehren Waldschlösschenbrücke e. V.“ Sächische Zeitung (20.06.09)



Es sei darauf hingewiesen, dass im Februar 2005 ein Bürgerentscheid dazu führte, dass ca. 65% der Dresdner für die Brücke war, zu dem Zeitpunkt allerdings das Elbtal noch nicht zum Weltkulturerbe gehörte, sondern erst im Sommer 2005. Egal, zu komplex..

Unabhängige Beobachter sprechen heut noch von einem "Kommunikationsproblem" auf beiden Seiten, also Dresden und der Unesco.

Was die FDP bei uns allerdings mittlerweile drauf hat, ist: Leute als Diktatoren und Gegner der Demokratie hinzustellen, die anderer Meinung sind als sie und für ihre Ansichten kämpfen. Hier im Osten (Leider muß man dies ja immer noch so sagen, also Osten/Westen) ein sensibles Thema.

Liberales Denken sieht anders aus!

ps.: Also gratuliert "uns" Dresdnern mit nem Fußball-WM-Slogan und mit nem 650m-Brückenmonstrum in einem Landschafts -und Bauschutzgebiet als "Weltkulturerbe der Herzen"...



Prost
Lüse

Ps.: Seit ca. 17 Jahren gibt´s noch mehr solcher Possen zu dieser Brücke.:sneg:

Antworten:

@Lüse

Ich bin von Freitag bis Samstag/Sonntag in Dresden und wahrscheinlich noch auf dem selben Konzert wie du. *g*

von Edelweisspirat - am 23.06.2009 21:19

Re: @Lüse

und nu? sorry, hab grad scheiß Laune. Schreib einfach mal an die Emal in Profil.. Vielleicht sieht man sich..*g* Bin am Freitag dabei und nen Kumpel aus Wolfsburg is unter anderem da.

Ansonsten, las es krachen!

:cheers:

von Lüse - am 24.06.2009 21:26
Tja, die ost cdu *tze..* aber was is schon son doofer titel "weltkulturerbe" gegen so ne hübsche Brücke ?!! *ggg*


Monster

;-)


von Mr.Monster - am 28.06.2009 08:23
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