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7
Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 12 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Driver, Lucas, Hein-Bloed, zicke

Heinz

Startbeitrag von Lucas am 12.12.2005 09:11

Heinz (Inspiriert von Driver)

Am Freitag war die Trude wie aufgekratzt. Wie jeden Freitag. Sie machte ihre Einkaufsliste fertig und ihr fiel immer noch mehr ein, was man noch draufsetzen müsste, so als hätte sie Mannschaften in Kompaniestärke über das Wochenende abzufüttern, aber Heinz hatte es wieder einmal geschafft, alles zusammenzukriegen. Schön, es waren nicht immer die exakt genannten Marken, aber damit musste sie eben leben. Salz bleibt Salz, ganz egal, ob nun mit Jod aus dem Meer, oder nicht. Zur Not würde er es wieder umfüllen müssen, wie er das schon früher getan hatte.
Vor dem Haus war die gewohnte Parklücke so vorzufinden, wie Heinz sie verlassen hatte, das gehörte sich auch so. Er stellte seinen VW fachgerecht hinter dem Opel vom Nachbarn ab, stieg aus und bereitete sich moralisch darauf vor, dass er jetzt der Mann war, der den ganzen Krempel ins Haus schleppen durfte. Schaffte man das beim ersten Anlauf, oder würde er zweimal gehen müssen?
Wie immer klemmte der Kofferraum. Ein neues Auto wäre auch mal an der Reihe, aber wie soll man das bezahlen, wenn die Frau jeden Freitag Gewaltkäufe befiehlt? Heinz sah auf 67 Lenze zurück, wie lange ging das jetzt noch so weiter? Irgendwann würde er auch nicht mehr so können, wie er wollte, dann würde sie ihre Einkäufe alleine machen dürfen, während er mit einem Bier in der Hand auf der Terrasse saß. Das würden Zeiten werden!
Aber das war noch Zukunftsmusik. Die Heckklappe ging auf und etwas ratlos sah Heinz auf die Sammlung von Einkaufstüten, die er in den letzten Stunden mehr oder weniger liebevoll zusammengestellt hatte. Welche nahm er nun zuerst? Über diese schwierige Frage nahm er nicht wahr, dass eine Dame im schwarzen Mercedes versuchte, hinter ihm Platz auf dem Parkstreifen zu finden. Aber sie tat es. Sie hieß Angelika, wurde aber auf der Party lieber „Angie“ genannt, und wenn sie etwas nicht konnte, dann war das Einparken. Nun wollen Frauen das aber nicht wahr haben, weil sie modern, stark, selbstbewusst und angefüllt von innerer Kraft sind. Die brauchen sie auch, wenn sie sich am Samstagabend nach einer halben Stunde von einem tätowierten Typen namens Ralf fachgerecht auf die Hinterbank eines Manta nageln lassen.
Angie fuhr recht sportlich an den vor ihr parkenden VW ran und ahnte, dass sie es mit dem Bremsen nicht schaffen würde. Das war nicht das erste Mal, dass so etwas passierte, ihre Stoßstange war dem entsprechend gut genutzt. Aber heut war es anders, denn die Erfahrung, dass ein Mensch zwischen den beiden Crashzonen stand, hatte sie bisher noch nicht gemacht, der Aufprall erfolgt dem entsprechend weich, aber als Heinz der Länge nach umfiel, wurde ihr klar, dass das nicht unbedingt ein Vorteil sein musste.
Vorsichtig öffnete sie die Autotür und hörte bereits jetzt einen Mann laut schimpfen. Das würde unangenehm werden. Dem guten Heinz hatte es kurz unterhalb der Knie beide Beine gebrochen und er versuchte, unter Aufbietung aller Kräfte, sich zu drehen oder zu wenden, überhaupt irgendetwas mit seinem Körper zu machen, aber es wollte nicht so recht klappen. Den Umstand, dass er mit dem halben Oberkörper mitten auf der Straße lag, konnte er nach erster Einschätzung der Situation, nicht gut heißen. Die Schmerzen wurden erst nach einigen Augenblicken geliefert und er wurde sich klar darüber, was eben geschehen war. Irgendein hirnamputierter Idiot war ihm von hinten in die Haxen gefahren, und dieser Jemand musste fast zwangsläufig … Angie stöckelte unbeholfen um die Ecke und lächelte gezwungen unter dem gefärbten Blondschopf hervor … eine Frau sein!
„Mein Gott!“, schrie sie schrill und schlug sich die zu kleinen Hände vor den zu roten Mund, „Sie bluten ja, sind Sie verletzt?“
„Nein“, gab Heinz zurück, „alles in bester Ordnung, wenn ich angefahren werde, blute ich schon aus Prinzip!“
Sie stand da und sah ihn ratlos an, seine letzten Worte noch auswertend. War das vielleicht eine Entwarnung?
„Ist wirklich alles in Ordnung?“
„Nein, verdammt, meine Beine sind gebrochen! Auf welcher Kirmes hast du deinen Führerschein gewonnen? Hol mich von der Straße, Mädchen, und dann hol gefälligst einen Krankenwagen!“
Mit berechtigter Besorgnis registrierte Heinz vor sich zwei Scheinwerfer, die zu hell waren, um von zwei einträglich nebeneinander herfahrenden Fahrrädern stammen zu können.
Angie tänzelte unruhig hin und her, das würde bestimmt Ärger geben. Was auch immer sie jetzt tun würde, es war falsch, das war es immer und dieser Umstand machte es so schwer, ihre weiteren Handlungen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Aber zum Glück war ja Heinz da.
„Hör mal, vergiss das mit dem Krankenwagen erst mal und hol mich von der Straße runter! Weißt du, da kommt ein Lastwagen und der fährt genau auf mich zu!“
„Dann ist ja gut“, meinte sie erleichtert, „das Handy gehört meinem Freund, wissen Sie, und ich darf nur ganz wichtige Anrufe machen. Sonst wird er sehr ärgerlich und wir wollten doch am Wochenende nach Paris fahren. Und jetzt das hier!“
Sie fing an zu schluchzen und Heinz konnte das MAN langsam auch mit seinen schlechten Augen erkennen.
„Zieh mich endlich weg hier, verflucht, es wird langsam eng!“
Sie stöckelte um ihn herum, nun entschlossen, etwas zu tun, aber wie stellte man das an?
„Was genau soll ich denn machen? Ich habe so was noch nie erlebt!“
„Verdammt, greif mich am Gürtel und zieh aus Leibeskräften dran, ich schiebe mit den Händen nach und beeil dich endlich! Da vorne kommt ein Laster, der mich nicht zu sehen scheint!“
Sie war nun völlig verzweifelt, schlug sich wieder die Hände vors Gesicht und hockte sich ungeschickt nieder, konnte sich aber nicht dazu entschließen, zuzugreifen.
„Was ist denn los? Nun zieh endlich!“
„Aber ich kann doch einem fremden Mann nicht einfach in die Hose greifen!“
„Als ob du damit jemals ein Problem gehabt hättest, zieh jetzt!“
Sie griff mit spitzen Fingern zaghaft nach Heinz’ Gürtel und zog ihn in ihre Richtung, aber es war wohl mehr eine symbolische Geste, als ein echter Rettungsversuch. Der alte Mann sah ein, dass von ihrer Seite nicht viel Hilfe zu erwarten war und versuchte unter Aufbietung aller Kräfte, rückwärts zu robben, aber es gelang ihm nicht, die Beine schmerzten höllisch und er konnte sich lediglich etwas von einer auf die andere Seite drehen, das brachte aber keinen nennenswerten Nutzen.
Der LKW kam immer näher. Heinz wusste nicht, dass sich der Fahrer Kaffee auf die Hose geschüttet hatte und nun mit einem öligen Tuch am Reiben war, deshalb schenkte er der Straße auch momentan wenig Beachtung. Das Dröhnen des Motors schwoll gefährlich an, so sehr, dass Angie von ihren fruchtlosen Bemühungen aufsah. Was sie wahrnahm, machte ihr Angst. Wenn jetzt nicht irgendein Wunder passierte, sah es für den alten Mann am Boden schlecht aus, das schätzte sie sehr realistisch ein. Ihr wollte nur nicht in den Kopf, dass ausgerechnet sie dieses Wunder vollbringen sollte. Es musste doch jemand da sein, es war immer jemand da, der wusste, was zu tun war, der einem die schwierigsten Arbeiten abnahm, also kurz: Hier fehlte ein Mann, der klare Anweisungen geben konnte, einer, der die Verantwortung übernahm, falls es schief ging und wenn man den aktuellen Stand der Dinge betrachtete, würde hier in naher Zukunft so einiges aus dem Ruder laufen.
Vielleicht war es eine lang vergessene und verschollen geglaubte Erinnerung, vielleicht jedoch, so etwas soll es geben, schaltete sich auch ihr Verstand ein. Genau, der eigene! Und endlich fiel der Groschen. Angie griff fest zu, so fest sie konnte. Sie stemmte die Füße beim Ziehen die Schuhe so sehr gegen den Boden, dass ihre Absätze abbrachen, das nahm sie klaglos hin. Und unter Aufbietung aller Kräfte bewegte sie den Körper des Mannes ein paar Zentimeter auf sich zu. Aber es war schwer, so unendlich schwer, als stände eine Aufgabe an, die man niemals zu Ende bringen konnte. Ihr BH kniff und schnürte auf jede nur erdenkliche Weise, sie hätte das gern gerichtet, aber jetzt war eine schlechte Zeit dafür, sie musste ziehen, was die Unterwäsche herzugeben bereit war, wahrscheinlich noch darüber hinaus.
Angie hatte die Augen geschlossen und hörte, wie etwas vorbei rauschte, durch Heinz’ Körper ging ein Ruck, ohne, dass er sich vorher noch einmal dazu geäußert hätte. Sie riskierte einen kurzen Blick, der jedoch reichte, um lieber wieder die Augenlider aufeinander zu pressen. Der Lastkraftwagen war vorbei gefahren und seine Räder rollten inzwischen, unter Mitnahme von Heinz’ Kopf die Straße runter. Eine Blutspur, die mit zurückgelegter Wegstrecke immer schwächer wurde, markierte die leichte Schlängellinie.
Das ist das Ende der Geschichte. Ich ging zurück in die Wohnung, machte die Balkontür zu und wartete darauf, dass Angie kam. Das würde vielleicht ein tollte Geheule werden.


Grüße von Lucas.

Antworten:

Ähm, welcher Teil ist jetzt von mir eigentlich inspiriert?

Abgesehen davon, daß Frauen nicht einparken können, find ich da kaum was, das ich mit mir oder meinen Sprüchen und Gedanken verifizieren könnte....
????

J.



von Driver - am 12.12.2005 10:06
Driver schrieb:

Zitat

Ähm, welcher Teil ist jetzt von mir eigentlich inspiriert?


bist du nicht der fahrer, der immer mit kaffee auf der hose rumläuft? ;-)

von zicke - am 12.12.2005 10:17
ach ja..... aber nur, wenn zicken in der nähe sind.... :D

von Driver - am 12.12.2005 11:57
Dein Gedächtnis ist famos, Driver. Wir hatten mal darüber gesprochen, wie das aussehen würde, wenn man über einen Kopf fährt. Vergessen? Jedenfalls hatte ich so die Idee für die Geschichte.
Schlimm mit euch.

Grüße von Lucas.

von Lucas - am 12.12.2005 16:20
seit Ihr gerade auf dem Frosch im Mixer Trip ?

von Hein-Bloed - am 12.12.2005 23:39
Ähm, Luc..... ging es nicht eher darum, wie man OHNE Kopf fahren kann?

von Driver - am 13.12.2005 08:05
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