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Pulverturm Gothic- und Wave-Messageboard
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 15 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Discordia, StonedBones, Malachite

Der wahre Feind der Menschheit... ;-)

Startbeitrag von Discordia am 18.09.2001 13:42

Nach vielen Jahren sah Gott wieder einmal auf die Erde. Die Menschen
waren verdorben und gewalttätig und er beschloss, sie zu vertilgen,
genau so, wie er es vor langer langer Zeit schon einmal getan hatte.

Er sprach zu Noah: "Noah, bau mir noch einmal eine Arche aus
Zedernholz, so wie damals : 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch.
Ich will eine zweite Sintflut über die Erde bringen. Die Menschen haben
nichts dazu gelernt. Du aber gehe mit deiner Frau, deinen Söhnen und deren
Frauen in die Arche und nimm von allen Tieren zwei mit, je ein Männchen
und ein Weibchen. In sechs Monaten werde ich den großen Regen schicken."

Noah stöhnte auf; musste das denn schon wieder sein? Wieder 40 Tage
Regen und 150 unbequeme Tage auf dem Wasser mit all den lästigen Tieren
an Bord und ohne Fernsehen! Aber Noah war gehorsam und versprach,
alles genau so zu tun, wie Gott ihm aufgetragen hatte.

Nach sechs Monaten zogen dunkle Wolken auf und es begann zu regnen.
Noah saß in seinem Vorgarten und weinte und, da war keine Arche. "Noah",
rief der Herr, "Noah, wo ist die Arche?" Noah blickte zum Himmel und
sprach:"Herr, sei mir gnädig und verstummte. Gott fragte abermals: "Wo ist
die Arche, Noah?

Da trocknete Noah seine Tränen und sprach: "Herr, was hast du mir
angetan?
Als Erstes beantragte ich beim Landkreis eine Baugenehmigung. Die
dachten zuerst, ich wollte einen extravaganten Schafstall bauen. Die kamen
mit der ausgefallenen Bauform nicht zurecht, denn an einen Schiffbau
wollten sie nicht glauben.

Auch deine Maßangaben stifteten Verwirrung, weil niemand mehr weiß,
wie lang eine Elle ist. Also musste mein Architekt einen neuen Plan
entwerfen.
Die Baugenehmigung wurde mir zunächst abgelehnt, weil eine Werft in
einem Wohngebiet planungsrechtlich unzulässig sei. Nachdem ich dann
endlich ein passendes Gewerbegrundstück gefunden hatte, gab es nur noch
Probleme. Im Moment geht es z. B. um die Frage, ob die Arche feuerhemmende Türen,
eine Sprinkleranlage und einen Löschwassertank benötige. Auf einen Hinweis, ich
hätte im Ernstfall rundherum genug Löschwasser, glaubten die Beamten, ich wollte
mich über sie lustig machen. Als ich ihnen erklärte, das Wasser käme noch in
großen Mengen, und zwar viel mehr als ich zum Löschen benötigte, brachte mir das
den Besuch eines Arztes vom Landeskrankenhaus ein. Er wollte von mir wissen,
was ein Schiffbau auf dem Trockenen, fernab von jedem Gewässer, solle.

Die Bezirksregierung teilte mir daraufhin telefonisch mit, ich könnte ja
gern ein Schiff bauen, müsste aber selbst zusehen, wie es zum nächsten
größeren Fluss käme. Mit dem Bau eines Sperrwerks könnte ich nicht
rechnen, nachdem der Ministerpräsident zurückgetreten sei. Dann rief
mich noch ein anderer Beamter dieser Behörde an, der mir erklärte,
sie seien inzwischen ein kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen
und darum wolle er mich darauf hinweisen, dass ich bei der EU in Brüssel
eine Werftbeihilfe beantragen könne; allerdings müsste der Antrag
achtfach in den drei Amtssprachen eingereicht werden.

Inzwischen ist beim Verwaltungsgericht ein vorläufiges
Rechtsschutzverfahren meines Nachbarn anhängig, der einen Großhandel
für Tierfutter betreibt. Der hält das Vorhaben für einen großen Werbegag
- mein Schiffbau sei nur darauf angelegt, ihm Kunden abspenstig zu
machen. Ich habe ihm schon zwei Mal erklärt, dass ich gar nichts
verkaufen wolle. Er hört mir gar nicht zu und das Verwaltungsgericht hat
offenbar auch viel Zeit.

Die Suche nach dem Zedernholz habe ich eingestellt. Libanesische
Zedern dürfen nicht mehr eingeführt werden. Als ich deshalb hier im Wald
Bauholz beschaffen wollte, wurde mir das Fällen von Bäumen unter Hinweis auf
das Landeswaldgesetz verweigert. Dies schädige den Naturhaushalt und
das Klima. Außerdem sollte ich erst eine Ersatzaufforstung
nachweisen.
Mein Einwand, in Kürze werde es gar keine Natur mehr geben und das
Pflanzen von Bäumen an anderer Stelle sei deshalb völlig sinnlos,
brachte mir den zweiten Besuch des Arztes vom Landeskrankenhaus ein.

Die angeheuerten Zimmerleute versprachen mir schließlich, für das
notwendige Holz selbst zu sorgen. Sie wählten jedoch erst einmal
einen Betriebsrat. Der wollte mit mir zunächst einen Tarifvertrag
für den Holzschiffbau auf dem flachen Lande ohne Wasserkontakt
aushandeln.
Weil wir uns aber nicht einig wurden, kam es zu einer Urabstimmung
und zum Streik. Herr, weißt du eigentlich, was Handwerker heute
verlangen?
Wie soll ich denn das bezahlen?

Weil die Zeit drängte, fing ich schon einmal an, Tiere einzusammeln.
Am Anfang ging das noch ganz gut, vor allem die beiden Ameisen sind
noch immer wohlauf. Aber seit ich zwei Tiger und zwei Schafe von der
Notwendigkeit ihres gemeinsamen und friedlichen Aufenthaltes bei mir
überzeugt hatte, meldete sich der örtliche Tierschutzverein und
rügte die artwidrige Haltung. Und mein Nachbar klagt auch schon wieder,
weil er auch die Eröffnung eines Zoos für geschäftsschädigend hält.

Herr, ist dir eigentlich klar, dass ich auch nach der Europäischen
Tierschutztransportverordnung eine Genehmigung brauche? Ich bin
schon auf Seite 22 des Formulars und grüble im Moment darüber, was ich als
Transportziel angeben soll.

Und wusstest du, dass z. B Geweih tragende Tiere während der
Brunftzeit überhaupt nicht transportiert werden dürfen? Und die Hirsche sind
ständig am Schnackeln, wie Fürstin Gloria sagen würde und auch der gemeine
Elch und Ochse denken an nichts anderes, besonders die südlicheren!

Herr, wusstest du das? Übrigens, wo hast du eigentlich die
Callipepia caliconica - du weißt schon, die Schopfwachteln und den Lethamus
Discolor versteckt? Den Schwalbensittich habe ich bisher auch nicht finden
können.

Dir ist natürlich auch bewusst, dass ich die 43 Vorschriften der
Binnenmarkt-Tierschutzverordnung bei dem Transport der Kaninchen
strikt beachten muss. Meine Rechtsanwälte prüfen gerade, ob diese
Vorschriften auch für Hasen gelten.

Übrigens: wenn du es einrichten könntest, die Arche als
fremdflaggiges Schiff zu deklarieren, das sich nur im Bereich des deutschen
Küstenmeeres aufhält, bekäme ich die Genehmigung viel einfacher. Du könntest dich
doch auch einmal für mich bemühen. Ein Umweltschützer von Greenpeace
erklärte mir, dass ich Gülle, Jauche, Exkremente und Stallmist nicht
im Wasser entsorgen darf. Wie stellst du dir das eigentlich vor?
Damals ging es doch auch!

Vor zwei Wochen hat sich das Oberkommando der Marine bei mir
gemeldet und von mir eine Karte der künftig überfluteten Gebiete erbeten. Ich
habe ihnen einen blau angemalten Globus geschickt.

Und vor zehn Tagen erschien die Steuerfahndung; die haben den
Verdacht, ich bereite meine Steuerflucht vor.

Ich komme so nicht weiter Herr, ich bin verzweifelt! Soll ich nicht
doch lieber meinen Rechtsanwalt mit auf die Arche nehmen?"


Noah fing wieder an zu weinen. Da hörte der Regen auf, der Himmel
klarte auf und die Sonne schien wieder. Und es zeigte sich ein
wunderschöner Regenbogen. Noah blickte auf und lächelte. "Herr, du wirst die Erde
doch nicht zerstören?"

Da sprach der Herr: "Darum sorge ich mich nicht mehr, das schafft
schon eure Verwaltung!"

Antworten:

Discordia schrieb:

Echt ein super Text, absolut genial ! :-)

Aber ne ernste Frage:
> Er sprach zu Noah: "Noah, bau mir noch einmal eine Arche aus
> Zedernholz, so wie damals : 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und
> 30 Ellen hoch.

Standen diese Masse tatsaechlich in der Bibel ? Das waere aber eine Mini-Winz-Wuerg-Arche, denn wenn ich mich nicht irre ergeben 5 Ellen einen Klafter, was AFAIK etwa 1,5m entspricht... damit waere das Teil gerade mal 60m lang, 15m breit und 6m hoch. Fuer ein Schiff, dass ordentlich Fracht aufnehmen soll doch eher klein.


Dass der Buerokrat nur ein Repraesentant des Teufels ist nix neues :D

von StonedBones - am 18.09.2001 13:57
StonedBones schrieb:

> Aber ne ernste Frage:
> > Er sprach zu Noah: "Noah, bau mir noch einmal eine Arche aus
> > Zedernholz, so wie damals : 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und
> > 30 Ellen hoch.
>
> Standen diese Masse tatsaechlich in der Bibel ? Das waere aber
> eine Mini-Winz-Wuerg-Arche, denn wenn ich mich nicht irre
> ergeben 5 Ellen einen Klafter, was AFAIK etwa 1,5m
> entspricht... damit waere das Teil gerade mal 60m lang, 15m
> breit und 6m hoch. Fuer ein Schiff, dass ordentlich Fracht
> aufnehmen soll doch eher klein.

Oh Gott, was hab ich denn da gerechnet ?

Wenn 5 Ellen = 1 Klafter = 1,5m, dann waeren die Masse

90m x 15m x 9m...

von StonedBones - am 18.09.2001 14:01
Trotzdem recht klein... aber vielleicht war die Artenvielfalt damals ja noch nicht so groß (oder Gott wollte auch da ein paar Abstriche machen)... ;-)

von Discordia - am 18.09.2001 14:09
Laut Film wurde der Drache ja nicht mitgenommen (in der Arche ist der Wurm drin)

von Malachite - am 18.09.2001 15:53
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