Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Pulverturm Gothic- und Wave-Messageboard
Beiträge im Thema:
17
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
Missi, StonedBones, Discordia, Ex-Anonymos, kc7

Zivilisation

Startbeitrag von StonedBones am 25.08.2001 17:56

Hi folks.
ich hab gestern einen Bericht im Fernsehen gesehen, ich meine es war BR, der hat mich sehr nachdenklich gemacht. Das wird ein langes Posting, aber das muss sein :-)

Als ich reinzappte, ging es gerade um ein Volk im Dschungel von Peru, ich glaube sie hiessen Kampa. Ein schoener Regenwald, statt Haeusern hat man vier bis sechs Pfosten die ein Dach tragen. Eine der Philosophien der Kampa ist es, sich das Leben leicht zu machen. Gejagt und gearbeitet wird nur wenn noetig, dann normalerweise die ganze Gruppe bzw. ein Teil der Gruppe. Rauschkraeuter sind ein alltaeglicher Teil des Lebens... da waren einige Frauen damit beschaeftigt, irgendwelche Wurzeln oder so was in einem Trog kleinzuhauen, und ratschten dabei und haben sich die ganze Zeit totgelacht :-) Einer der "hoehergestellten" Maenner (gibt keine wirkliche Rangordnung da) antwortet auf die Frage, wer wichtiger sei, Mann oder Frau: "Die Frauen natuerlich." Er erklaert, dass Frauen Kinder kriegen, Maenner nicht, deswegen ist die Frau wichtiger. Entscheidungen werden wenn ich mich richtig erinnere in der Gruppe gemeinsam getroffen, aber auch hier haben die Frauen eigentlich einen hoeheren Stellenwert. Achja, nochwas cooles: es gibt zwar feste Paare, aber trotzdem wird gev*gelt wenn zwei Leute gerade Lust darauf haben, wild durcheinander :-)

Geiles Leben...

Aber jetzt kommts: ein paar Kilometer weiter leben auch Kampa. Diese allerdings wurden von der Kirche versklavt. Anders kann man das nicht nennen, denn diese Leute duerfen z.B. keine Tiere aus dem Urwald essen ("unrein"... bei den Christen ??), sie sind der biederen christlicher Kleiderordnung unterworfen (nix mehr Ledenschurz, der aus dem uebriggebliebenem Fell vom Abendessen gemacht wird), arbeiten nicht mehr fuer das Wohl der Gruppe sondern jeder fuer sich, etc. Heisst, sie brauchen auf einmal Geld. Dazu muessen sie arbeiten, und zwar viel mehr als die Kampa im Dorf. Interessant war dann, dass in der Kirche ca. ein Dutzend Gruppen zu jeweils etwa einem Dutzend Leuten sassen, und vor jeder Gruppe stand ein Pfarrer/Priester mit ner Bibel in der Hand und hat den Leuten was erzaehlt. Jeder dieser Pfarrer/Priester/wieauchimmer wurde in Amerika ausgebildet. Waerend der ganzen Zeit faellt auf, dass man nicht einen Menschen lachen oder laecheln sieht, alle schauen total ernst, deprimiert oder traurig, waehrend die Kampa im Urwald nur am grinsen und lachen waren. Auf die Frage, wer wichtiger sei, Mann oder Frau, meint der Oberpriester genauso wie die anderen Prister ausweichend, beide seien Gleichwertig. Sie fuegen dann hinzu, ja, eine Frau kann einem Mann Gleichwertig sein wenn sie sich anstrengt. Plus darauffolgendes, sehr verlegenes Schweigen aller Beteiligten.

Na toll.

Wieder ein paar Kilometer weiter eine peruanische Stadt. Hier landen alle Indios die von dem, was sie Zivilisation nennen, verfuehrt worden sind. Auch hier gibt es Kampa. Eine arbeitet bei einer halbwegs wohlhabenden Familie. Dort verdient sie zwar nix, arbeitet bis um 12 in der Nacht, aber sie hat ein Dach ueber dem Kopf und kriegt zu essen. Eine andere ist Prostituierte, verdient pro Freier ganze 5,- bis 6,- DM, umgerechnet. Die Indios, die in dieser Stadt Geld gemacht haben. haben dies mit Kokain geschaft. Die mit ehrlicher Arbeit verkaufen ihre Muskelkraft, heisst sie tragen alle moeglichen Lasten durch die Gegend, oder sind Fischer. Letztere haben moeglicherweise das beste Leben. Auf die Frage, wer sei wichtiger, Mann oder Frau, antwortet ein wohlhabender Mann, selbstverstaendlich der Mann. Er erklaert, dass der Mann die wichtigeren Entscheidung treffe und wichtigeren arbeiten mache, waehrend die Frau den Haushalt mache und sich um die Kinder kuemmert. Ob das denn nicht genauso wichtig sei, wie andere arbeit, wird er gefragt und er antwortet, ja, schon... so ansich... aehm... aber der Mann ist trotzdem wichtiger. Selbst die Frauen dort sagen, der Mann sei wichtiger.



Was mich beschaeftigt ist dass wir uns als Zivilisiert ansehen, ich allerdings als Techniker sagen muss die Kampa sind uns weit vorraus im Energiesparen ;-) In allen Bereichen... das muss doch ein herrliches Leben sein bei denen, wenn man keine Konkurrenz, keinen Stress, keine Sorgen hat. Warum geben das die Leute freiwillig auf ? Was kann so jemanden an unserer "Zivilisation" derartig gefallen, dass er da freiwillig weggeht ? Fuer mich ist unsere ganze Technik, ob das Buerokratie ist oder Quantenphysik, Jeans oder Supercomputer, schon immer als der Grund fuer ein hektisches und unruhiges Leben erschienen, und doch stehe ich als Programmierer ja fuer genau das. Kurz und gut: wie bloed sind wir eigentlich ? :-)

Antworten:

Erstmal schönen guten Morgen!

Auf die Frage, wie blöd wir eigentlich sind:
Jeder von uns ist in die Gesellschaft hineingeboren worden, in der er meist jetzt noch lebt (bis auf die Aussteiger halt).
Klar find ich das Leben einiger Naturvölker in gewisser hinsicht schöner, wenn nicht sogar sinnvoller, allerdings würd ich's da nicht lange aushalten. Denn ich hab mich einfach an das ganze Zeug in einer Industriegesellschaft gewöhnt, um genauer zu sein, hab ich noch gar nie ohne gelebt. Mir würden also schon solche Dinge wie Anlage (+ LPs/CDs), Rasierer (!), Duschgel, vernebelte Parties mit zu lauter Musik, schöne Klamotten...(die Liste könnt ich glaub ich unendlich weiterführen) sehr abgehen und ich für meinen Teil will auch nicht mehr daruaf verzichten.
Also kann schon sein, daß ich dumm bin (hab ich auch noch nie bestritten), aber mir gefällts hier in dieser Gesellschaft auch recht gut.

Morgentliche Grüße...
...kc7

von kc7 - am 27.08.2001 05:35
blöd sind wir nicht, wir sind nur irgendwann der notwendigkeit, sich den natürlichen gegebenheiten anzupassen, nachgegangen und haben uns das leben angenehmer und auch leichter gestaltet...

ca. 600.000 v.chr. lernte der mensch, das feuer in gang zu halten
ca. 10.000 v.chr. begann der mensch mit dem ackerbau
ca. 4000 v.chr. wurde die schrift entwickelt
ca. 3.200 v.chr. wurde das rad erfunden
1455 hat gutenberg durch den buchdruck tausende von mönchen entlastet
seit anfang/mitte 1700 gibt es die dampfmaschine
seit anfang 1800 gibt es eisenbahnen, 1830 folgte die fotographie, 1840 die telegraphie, 1886 das automobil, 1900 folgten flugzeug und rolltreppe und 1936 schliesslich der erste computer.

also, ich find' uns ganz und gar nicht blöd!!

waren die alten ägypter etwa blöd, weil sie die jährlichen überschwemmung des nils genutzt haben und über ein ausgetüfteltes kanalsystem ihre felder bewässret haben?? oder sind die kampa blöde, weil sie nur dann jagen, wenn sie hunger haben bzw. die reserven ausgehen und riskieren damit schlimmstenfalls, dass sie nichts finden (was im peruanischen urwald relativ ungewiss scheint). aber damit wären wir auch wieder bei den notwendigkeiten: in einer gegend, die das überleben schwieriger bzw. aufwendiger gestaltet, hat sich der mensch eben mittel und wege geschaffen, sich weitesgehend von der natur unabhängig zu machen; er beheizt häuser in kalten gegenden oder kühlt sie in warmen gegenden, legt reserven an, etc.

blöd sind sie wohl beide nicht, aber die einen haben eine der frühen weltkultur gebildet und die anderen sitzen drogenkauend und lachend im urwald...

im übrigen würde ich auch nicht auf meine annehmlichkeiten verzichten wollen, nicht auf die klitzekleinste...

beste grüsse,

p.s. bei den kampa von philosophien zu sprechen ist im übrigen ein widerspruch in sich, denn unter philosophie versteht man gemeinhin die "liebe zur wissenschaft", die frage nach dem warum und wieso und woher wir kommen und wie alles entstanden ist, etc. - im prinzip der vorreiter der naturwissenschaften.

von Missi - am 27.08.2001 08:07
Missi schrieb:
>
> p.s. bei den kampa von philosophien zu sprechen ist im übrigen
> ein widerspruch in sich, denn unter philosophie versteht man
> gemeinhin die "liebe zur wissenschaft",


PHILOSOPHIE heißt:
Liebe zur WEISHEIT oder besser noch FreundIn der WEISHEIT

nix Wissenschaft *Erbsenzähl**Erbsenzähl**Erbsenzähl**Erbsenzähl*
:D:D:D

nix für ungut

von Ex-Anonymos - am 27.08.2001 08:17
:p ok, hast recht...

sind die kampa jetzt philosophisch oder sind sie es nicht?? ;-)

von Missi - am 27.08.2001 08:23
Missi schrieb:
>
> :p ok, hast recht...
>
> sind die kampa jetzt philosophisch oder sind sie es nicht??
> ;-)

. . . ist nur meine persönliche Einschätzung, die ich bestimmt nicht objektivieren möchte, aber im Dschungel zu sitzen und es sich gut gehen zu lassen, finde ich erstmal ziemlich weise und eine deutlich gesündere und vernünftigere Einstellung gegenüber der Welt, als sie unsere ach so zivilisierte; kulturell ja so hochstehende Gesellschaft an den Tag legt . . .

von Ex-Anonymos - am 27.08.2001 08:31
Missi schrieb:
>
> blöd sind wir nicht, wir sind nur irgendwann der
> notwendigkeit, sich den natürlichen gegebenheiten anzupassen,
> nachgegangen und haben uns das leben angenehmer und auch
> leichter gestaltet...

Genau darum geht's: es ist eben NICHT angenehmer geworden, IMHO. In manchen Bereichen stimme ich dir zu, man braucht heute keine Band im Wohnzimmer wenn man Musik hoeren will, aber im grossen und ganzen finde ich zahlen wir fuer unseren "Komfort" einen verflucht hohen Preis. Wir sinds nicht anders gewohnt, wie kc7 schon sagte, deswegen merken wir es einfach nicht mehr. Aber die Tatsache, dass ich jetzt hier sitze und etwas arbeite was nicht mal im entferntesten mit Lebenserhaltung oder aehnlichem zu tun hat, und das 40h die Woche, ist nicht angenehm. Auf der anderen Seite ermoeglicht mir eben dieses, dass ich mich nicht meine vier Waende errichten musste, ich bin "einfach" eingezogen... insofern hast du dann wieder recht...

> [...]
> p.s. bei den kampa von philosophien zu sprechen ist im übrigen
> ein widerspruch in sich, denn unter philosophie versteht man
> gemeinhin die "liebe zur wissenschaft", die frage nach dem
> warum und wieso und woher wir kommen und wie alles entstanden
> ist, etc. - im prinzip der vorreiter der
> naturwissenschaften.

Echt coole Ausfuehrung, muss dir da recht geben. Aber: wieso verlassen Kampa ihr "Paradies", gehen zwei Kilometer weiter und lassen sich die Fesseln der Kirche auferlegen ? Wieso gehen die dann nochmal zwei Kilometer weiter und verkaufen sich ? DAS verstehe ich nicht. Mich interessiert, was der Kampa an der Stadt derartig interessant findet, dass er sein Leben wegwirft und beschliesst in einer neuen Welt von vorne anzufangen.

BTW: Unter einer Philosophie verstehe ich einen Gedankengang.

von StonedBones - am 27.08.2001 09:29
< Aber: wieso
> verlassen Kampa ihr "Paradies", gehen zwei Kilometer weiter und
> lassen sich die Fesseln der Kirche auferlegen ? Wieso gehen die
> dann nochmal zwei Kilometer weiter und verkaufen sich ? DAS
> verstehe ich nicht. Mich interessiert, was der Kampa an der
> Stadt derartig interessant findet, dass er sein Leben wegwirft
> und beschliesst in einer neuen Welt von vorne anzufangen.
>
> BTW: Unter einer Philosophie verstehe ich einen
> Gedankengang.

ob sie ihr paradies verlassen haben und 2 km weitergewandert sind oder ob die bösen männer mit den langen röcken sie in ihrer natürlichen umgebung überrannt haben, das lassen wir mal im raum stehen. persönlich tendiere ich zu letzterem, weil es im laufe der kirchengeschichte eben schon ein- bis zweimal vorgekommen sein soll...

was einen menschen dennoch dazu bewegt, sich aus seinem - im grunde genommen angenehmen - lebensumfeld zu entfernen, ist u.u. das streben nach etwas "höherem". wie immer das jeder einzelne für sich definieren und ausleben mag - für die einen ist es wissensdurst, die anderen machen karriere und streben nach anerkennung, geld und ruhm. hätten wir diesen "antrieb" nicht, wären wir ein haufen phlegmatiker.

du hast eben noch von deinem job gesprochen, der nichts mehr mit der lebenserhaltung an sich zu tun hat. meiner hat auch nichts mit essen und trinken und einem dach über dem kopf zu tun, aber die spezifizierung ist ein ganz wesentlicher bestandteil aller zivilisationen: die einen kümmern sich um lebensmittel, die anderen um die gesundheit, wieder andere um die ausbildung der nachkommenschaft, einige um den hausbau. würde jeder alles machen, hätten viele menschen einen annähernd gleichen wissens- und kenntnisstand, aber kein fundiertes wissen auf den einzelnen gebieten und hätten somit keine forschung und keine wissenschaft und sind dann wieder im urwald.

mir schiessen gerade zwei andere gedanken durch den kopf: seit wann gibt es die kampa?? immerhin kommen sie aus einer region, in der es bereits hoch entwickelte kulturen gab. sind die kampa abkömmlinge dieser kulturen oder haben sie schon immer an der zivilisation vorbeigelebt?? und das zweite: wie wird bei einem ureinwohner die intelligenz gemessen??

von Missi - am 27.08.2001 09:58
Missi schrieb:
> ob sie ihr paradies verlassen haben und 2 km weitergewandert
> sind oder ob die bösen männer mit den langen röcken sie in
> ihrer natürlichen umgebung überrannt haben, das lassen wir mal
> im raum stehen. persönlich tendiere ich zu letzterem, weil es
> im laufe der kirchengeschichte eben schon ein- bis zweimal
> vorgekommen sein soll...

Ja, war bei denen auch Anfangs so, aber wenn ich das richtig verstanden habe verlassen inzwischen einige aus eigenem Antrieb ihr Dorf.

> was einen menschen dennoch dazu bewegt, sich aus seinem - im
> grunde genommen angenehmen - lebensumfeld zu entfernen, ist
> u.u. das streben nach etwas "höherem". wie immer das jeder
> einzelne für sich definieren und ausleben mag - für die einen
> ist es wissensdurst, die anderen machen karriere und streben
> nach anerkennung, geld und ruhm. hätten wir diesen "antrieb"
> nicht, wären wir ein haufen phlegmatiker.
>
> du hast eben noch von deinem job gesprochen, der nichts mehr
> mit der lebenserhaltung an sich zu tun hat. meiner hat auch
> nichts mit essen und trinken und einem dach über dem kopf zu
> tun, aber die spezifizierung ist ein ganz wesentlicher
> bestandteil aller zivilisationen: die einen kümmern sich um
> lebensmittel, die anderen um die gesundheit, wieder andere um
> die ausbildung der nachkommenschaft, einige um den hausbau.
> würde jeder alles machen, hätten viele menschen einen annähernd
> gleichen wissens- und kenntnisstand, aber kein fundiertes
> wissen auf den einzelnen gebieten und hätten somit keine
> forschung und keine wissenschaft und sind dann wieder im urwald.

Hmmm, gute Erklaerung. Nur Gemeinschaftswissen vs. Spezialisiertes Wissen stimm ich dir nicht 100% zu, Gemeinschaftswissen hat den Vorteil dass es durch "Bevoelkerungsschwankungen" nicht sonderlich beeinflusst wird. Wenn aber der Schamane eines Dorfes stirbt, bevor er sein Wissen weitergeben konnte ist das ne Katastrophe. Das gleiche passiert auch heute, z.B. mit Uhrmachermeistern: mein Vater ist einer der letzten 3 Uhrmachermeister in Deutschland. Es werden keine neuen mehr ausgebildet. Innerhalb einer Generation wird dieses Wissen weitgehend verloren gegangen sein (es gibt zwar Buecher, aber die zeigen dir nicht wie man mit den Werkzeugen umgeht und die ganzen Tricks und Kniffe).

> mir schiessen gerade zwei andere gedanken durch den kopf: seit
> wann gibt es die kampa?? immerhin kommen sie aus einer region,
> in der es bereits hoch entwickelte kulturen gab. sind die kampa
> abkömmlinge dieser kulturen oder haben sie schon immer an der
> zivilisation vorbeigelebt?? und das zweite: wie wird bei einem
> ureinwohner die intelligenz gemessen??

Wo sie herkommen/abstammen ist ne echt gute Frage... leider weiss ich das nicht.

Intelligenz: Genauso wie bei jedem anderen Menschen auch... man darf hier Intelligenz und Wissen nicht durcheinanderbringen, einige "Intelligenztests" fragen auch Wissen ab, aber das eine hat mit dem anderen nicht unbedingt was zu tun (vor allem, weil man AFAIK Intelligenz wieder in mehrere Bereiche aufspalten kann). Wenn ich mir anschaue, was fuer Trottel das Gymnasium schaffen, nur weil sie gut auswendig lernen koennen...

von StonedBones - am 27.08.2001 10:27

> Hmmm, gute Erklaerung. Nur Gemeinschaftswissen vs.
> Spezialisiertes Wissen stimm ich dir nicht 100% zu,
> Gemeinschaftswissen hat den Vorteil dass es durch
> "Bevoelkerungsschwankungen" nicht sonderlich beeinflusst wird.
> Wenn aber der Schamane eines Dorfes stirbt, bevor er sein
> Wissen weitergeben konnte ist das ne Katastrophe. Das gleiche
> passiert auch heute, z.B. mit Uhrmachermeistern: mein Vater ist
> einer der letzten 3 Uhrmachermeister in Deutschland. Es werden
> keine neuen mehr ausgebildet. Innerhalb einer Generation wird
> dieses Wissen weitgehend verloren gegangen sein (es gibt zwar
> Buecher, aber die zeigen dir nicht wie man mit den Werkzeugen
> umgeht und die ganzen Tricks und Kniffe).

da hast du recht; ich meinte auch nicht, dass das eine das andere ausschliesst, es aber weitestgehend ersetzt hat. es ist leider wirklich so, dass "altes" wissen nach und nach verloren geht, weil sich die folgenden generationen nicht mehr darum bemühen, traditionen nicht mehr pflegen, etc. aber mal ganz ehrlich: würdest du einem trachtenverein beitreten, damit ein gewisser wissensschatz erhalten bleibt?? was deinen vater angeht, so ist es bittere traurigkeit, dass es für die flut von batteriebetriebenen uhren keines uhrmachermeisters mehr bedarf bzw. die reparaturkosten den "wert" der ramschuhren meist überschreiten würde. der schuhmacher weicht auch mehr und mehr dem schuster... ist mit vielen berufssparten so...

> Wo sie herkommen/abstammen ist ne echt gute Frage... leider
> weiss ich das nicht.
>
> Intelligenz: Genauso wie bei jedem anderen Menschen auch... man
> darf hier Intelligenz und Wissen nicht durcheinanderbringen,
> einige "Intelligenztests" fragen auch Wissen ab, aber das eine
> hat mit dem anderen nicht unbedingt was zu tun (vor allem, weil
> man AFAIK Intelligenz wieder in mehrere Bereiche aufspalten
> kann). Wenn ich mir anschaue, was fuer Trottel das Gymnasium
> schaffen, nur weil sie gut auswendig lernen koennen...

ich bin von den klassischen intelligenztests ausgegangen, bei denen u.a. kombinationsgabe, allgemeinwissen sowie jede menge mathe-gedöns getestet werden.

vier arten waren es wenn ich mich recht erinnere, wobei mir stante pede nur eine einfällt: die emotionale intelligenz - die absolute frauendomäne ;-)

von Missi - am 27.08.2001 10:56
Missi schrieb:
> da hast du recht; ich meinte auch nicht, dass das eine das
> andere ausschliesst, es aber weitestgehend ersetzt hat. es ist
> leider wirklich so, dass "altes" wissen nach und nach verloren
> geht, weil sich die folgenden generationen nicht mehr darum
> bemühen, traditionen nicht mehr pflegen, etc. aber mal ganz
> ehrlich: würdest du einem trachtenverein beitreten, damit ein
> gewisser wissensschatz erhalten bleibt?? was deinen vater
> angeht, so ist es bittere traurigkeit, dass es für die flut von
> batteriebetriebenen uhren keines uhrmachermeisters mehr bedarf
> bzw. die reparaturkosten den "wert" der ramschuhren meist
> überschreiten würde. der schuhmacher weicht auch mehr und mehr
> dem schuster... ist mit vielen berufssparten so...

Dem ist gar nicht so, mein Vater hat mehr als genug arbeit, gibt immer noch genug mechanische Uhren und alte Familienerbstuecke muessen auch hin und wieder repariert werden... Das Problem scheint mir hier eher hausgemacht: aus irgendeinem Grund will mein Vater nicht in die Uhrmacherinnung. Jetzt sind in der Innung nur zwei Leute, und es muessen aber mindestens drei sein damit neue ausgebildet werden koennen... AFAIK ist auch das Interesse an diesem Beruf nicht gerade gross :-)

Aber anderes Beispiel: Kupferschmiede. Hab nen Bericht ueber den letzten Kupferschmied in Suedtirol gesehen... der inzwischen in Rente gegangen ist. Es gibt einfach so gut wie keinen Bedarf an Kupfergegenstaenden wie Kupferkessel. D.h. seit einigen Monaten gibt es AFAIK keine Kupferschmiede mehr.

Du hast im uebrigen recht, ich wuerde nie im Leben einem Trachtenverein beitreten :-)

Je mehr ich ueber die Welt nachdenke, desto konfuser kommt sie mir vor...

> ich bin von den klassischen intelligenztests ausgegangen, bei
> denen u.a. kombinationsgabe, allgemeinwissen sowie jede menge
> mathe-gedöns getestet werden.
>
> vier arten waren es wenn ich mich recht erinnere, wobei mir
> stante pede nur eine einfällt: die emotionale intelligenz - die
> absolute frauendomäne ;-)

Wenigstens eine ;-)

von StonedBones - am 27.08.2001 11:24
> Dem ist gar nicht so, mein Vater hat mehr als genug arbeit,
> gibt immer noch genug mechanische Uhren und alte
> Familienerbstuecke muessen auch hin und wieder repariert
> werden... Das Problem scheint mir hier eher hausgemacht: aus
> irgendeinem Grund will mein Vater nicht in die Uhrmacherinnung.
> Jetzt sind in der Innung nur zwei Leute, und es muessen aber
> mindestens drei sein damit neue ausgebildet werden koennen...
> AFAIK ist auch das Interesse an diesem Beruf nicht gerade gross
> :-)

dann ist DEIN vater schuld daran, dass die uhrmachermeister aussterben!!!! wahrscheinlich wird aber dann doch was an den statuten (oder wie die bei einer innung heissen) geändert...

> Aber anderes Beispiel: Kupferschmiede. Hab nen Bericht ueber
> den letzten Kupferschmied in Suedtirol gesehen... der
> inzwischen in Rente gegangen ist. Es gibt einfach so gut wie
> keinen Bedarf an Kupfergegenstaenden wie Kupferkessel. D.h.
> seit einigen Monaten gibt es AFAIK keine Kupferschmiede mehr.

kupferkessel erinnern mich auch stark an die einrichtung meiner grossmutter; die hat solches zeugs aus kupfer und auch viel zinn herumstehen...

> Du hast im uebrigen recht, ich wuerde nie im Leben einem
> Trachtenverein beitreten :-)

ich auch nicht, dennoch habe ich mich im zarten alter von 17 jahren dazu überreden lassen, auf so einem trachtenumzug mitzureiten. in rustikaler arbeitstracht mit den letzten resten türkis in den haaren - wahrscheinlich hat man mich lediglich zur allgemeinen belustigung mitgenommen ;-)

> > vier arten waren es wenn ich mich recht erinnere, wobei mir
> > stante pede nur eine einfällt: die emotionale intelligenz - die
> > absolute frauendomäne ;-)
>
> Wenigstens eine ;-)

was heisst hier eine?? wir haben vieeeeeeeeele!!
dann sag' mir wenigstens die anderen vier...

von Missi - am 27.08.2001 12:02
Haben wir heute ein paar Probleme mit den Grundrechenarten? Bei mir sind 4-1=3...*klugschnack* ;-)

von Discordia - am 27.08.2001 12:11
Missi schrieb:
> > > vier arten waren es wenn ich mich recht erinnere, wobei mir
> > > stante pede nur eine einfällt: die emotionale intelligenz -
> die
> > > absolute frauendomäne ;-)
> >
> > Wenigstens eine ;-)
>
> was heisst hier eine?? wir haben vieeeeeeeeele!!
> dann sag' mir wenigstens die anderen vier...

Ich weiss deren Namen nicht, aber eine davon hat mit Mathe zu tun und genau die scheint dir zu fehlen, denn wenn von vier Arten eine schon genannt wurde bleiben nur drei ueber :D Die anderen schaetze ich sind Kombinatorik oder wie des heisst und die letzte duerfte was mit dem Gedaechtnis zu tun haben. Ist aber alles nur geraten, ich weiss es ned.

von StonedBones - am 27.08.2001 12:12
*wäh wäh wäh wäh*

ich hab' ja nicht behauptet, dass ich eine koryphäe in mathematik bin!! ;-)

von Missi - am 27.08.2001 12:15
Unter [www.liesdies.de] werden sogar 7 Intelligenzarten (Zitat: "Neben der kognitiven Intelligenz gibt es auch eine sprachliche, musikalische, körperliche, räumliche, soziale und emotionale Intelligenz") unterschieden und bei [www.gumtau.de] immerhin noch 6...

von Discordia - am 27.08.2001 12:23
> Unter [www.liesdies.de] werden
> sogar 7 Intelligenzarten (Zitat: "Neben der kognitiven
> Intelligenz gibt es auch eine sprachliche, musikalische,
> körperliche, räumliche, soziale und emotionale Intelligenz")
> unterschieden und bei
> [www.gumtau.de] immerhin noch

*uiuiuiuiuiu* ich glaube, meine defizite zu erkennen... :-(

von Missi - am 27.08.2001 12:37
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.