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Radiohörer-Forum
Beiträge im Thema:
5
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 7 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 7 Monaten
Beteiligte Autoren:
iro, RheinMain701, RTL 102.5 Fan, Mathias Volta

Mein/Euer Radio der Zukunft

Startbeitrag von iro am 11.09.2013 20:48

wo gehört das jetzt hin... Technik oder Hörer oder doch OT-Forum?
Ich hab mich für's Hörerforum entschieden, da dieser Aspekt doch überwiegt und nur durch Technikunterstützt werden sollte.

Hier also iro's Nachtgedanken: So stelle ich mir mein Radio der Zukunft vor...

Es kann ja nicht immer so weitergehen mit dem Radio wie jetzt. Musikalisch hat es eigentlich keine Chance gegen Streamingdienste, die sích viel besser individuell skalieren lassen oder auch gegen große mp3-Sammlungen. Irgendwie muss es da gegenanstinken können, aber gleichzeitig auch dem "faulen" Hörer etwas bieten können. Am besten sogar gleichzeitig...
Keine Frage: Spezielle Sendungen von speziellen Moderatoren oder DJs und musikjournalistische Spezialsendungen werden immer ihr Publikum finden, genauso informatives Wort. Außerdem *echtes* Liveprogramm zum Mitmachen.

Aber das Radio muss dem Hörer die Möglichkeit bieten, komfortabel sein individuelles eigenes Programm zusammenzustellen, mit Hilfe der technischen Möglichkeiten.

Die gibt es jetzt schon, nur nicht unbedingt komfortabel. Ich muss mir noch Podcasts herunterladen, die ich dann auch mit der eigenen Musiksammlung kombinieren kann.

Komfortabel wäre für mich: Ich kann Vorgaben machen, welche (Wort-)Themen mich interessieren und solche musikalischer Art. Ich brauche mich nicht um Aktualität von Nachrichtensendungen zu kümmern. Der Verkehrsfunk ist meiner geplanten Strecke angepasst. Und mein Radio macht mir selbständig den besten Mix daraus. Wenn Wortbeiträge doch uninteressant sind skippe ich einfach weiter...

Technisch vielleicht so wie die schwedische Blindenzeitung oder die automatisch gefüllte Festplatte bei sky. Und das Radio ungefähr so, wie es das Bremen 74 schon (in MW-Qualität) bot, wo einfach die letzten Verkehrsfunkbeiträge und Nachrichten aufgenommen wurden und später abgespielt werden konnten.

Natürlich ausgereifter mit mehr Speicher und optimaler Audioqualität. Die Technik wäre eigentlich schon bereit, die Geräte gibt es noch nicht und die Angebote sind auch noch nicht in passender Form im Äther. Aber in den Sendern liegen sie schon jetzt in einer Form vor, die sie auch auf die im folgenden geschilderte Art nutzbar machen würden.

Wenn es jetzt keine Vorgaben geben würde und die Öffis machen dürften was sie wollen z.B. so:
Ein Bundesmux voll mit DRadio. Davon 1-3 auch linear nutzbare Audiostreams mit Wort und Musik für den "faulen" Hörer, wo aber Tags für die Wortbeiträge mitgesendet werden, die mit meinen Wort-Themen-Interessensvorgaben ggf. übereinstimmen und im Hintergrund automatisch für deren Speicherung sorgen. Dazu noch ein (begrenzter) Haufen von reinen Format-Musikstreams, die auch zwischengespeichert werden können und ebenfalls getaggt sind.
Das Radio kombiniert beides, Wort und gesendete Musik (oder auch Musik aus der eigenen Sammlung), unterbricht für den Geisterfahrer auf der eigenen Strecke, passt die regionale Nachrichtensendung ein etc. Voicetracking andersrum sozusagen.
Könnte man alles sogar per DAB machen, die Daten liegen ja bereits digital vor - mit dem Vorteil, daß die Sender *auch* normal gehört werden können, wenn die Radios der Hörer diese Funktionen nicht unterstützen. Ein Push-Datendienst wäre natürlich auch denkbar, aber diese Daten stünden nicht jedem zur Verfügung...

Private müssen sich aufgrund fehlender journalistischer Beiträge andere Nischen suchen, musikalischer Art (spezielle Richtungen, Mainstreamiges, gute DJ-Mixes) und thematischer Art (Comedy, Boulevardeskes, Blitzer, "Verbraucherinfos" dubioser Art) mit entweder nicht skipbarer Werbung oder gar gegen Entgelt, dafür aber werbefrei.

DAB als Basis wäre aus einigen Gründen reizvoll, da man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnte indem man intelligente Radios mit Zwischenspeicher einfach füttern könnte dürch das Einfügen von Aufnahme-Tags, gleichzeitig aber auch mit ganz normalen Radios zugehört werden kann.

Eigentlich stelle ich mir mein "Audioangebot" schon auf eine ähnliche Baukastenweise zusammen, aber das Zusammensuchen von 3-5 min. Audiobeiträgen und deren Übertragung von heimischen Rechner auf den USB-Stick für's Auto ist mir eher zu mühsam. Da schalte ich dann doch lieber von den Musik-mp3s um "halb" auf die Regionalnachrichten im "echten" Radio um und danach wieder zurück. Aber man darf ja schonmal träumen :) Vor 30 Jahren hab ich schon davon geträumt, meine (damals noch viel kleinere) Musiksammlung in der Hosentasche mitzunehmen... Das geht ja schon, und das sogar mit einer um ein Vielfaches vergrößerten Musiksammlung. Ich hab Winamp grad mal die Spieldauer nur eines meiner beiden 60GB-Auto-USB-Sticks zusammenrechnen lassen... 716 Stunden... reicht für 29 Tage durchgehendes Hören ohne eine einzige Wiederholung... und das ist ja noch längst nicht alles. Vermutlich werde ich das auch in diesem Leben gar nicht mehr schaffen alles wenigstens einmal zu hören. Man hat ja schließlich auch Favoriten.

In der Praxis z.B. so:
Ich wähle Wortbeiträge mit dem Tag "Medien" und "Radio", Alter der Beiträge: bis zu 7 Tage; Regionalnachrichten/bis 120 min, Comedy/ohne Zeitbeschänkung, Musik/Richtung(en).

Das Radio bettet mir die Einzelbeiträge des DLF Medienmagazins vom vergangenen Samstag (wurde bereits da schon vom Radio automatisch aufgrund der Tags mitgeschnitten), Regionalnachrichten incl. Wetter zusammen mit einigen Comedybeiträgen in einen Musikteppich aus den Richtungen x und y (der sowohl von einem passenden DAB-Kanal - gepuffert - als auch aus der aufbereiteten mp3-Sammlung, auch kombiniert, kommen kann) und unterbricht das sofort für aktuelle Warnmeldungen auf meiner Strecke). Alles zusammen immer noch überraschend genug (ich bin schnell gelangweilt, wenn ich vorher schon weiß was kommt...). Wenn mich die Comedy nervt skippe ich einfach bis zum nächsten MeMag-Beitrag weiter.

Wie sieht Euer Radio der Zukunft aus?
Ist obige Vision möglich, sofern der Öffifunk seine gesetzliche "Entwicklungsgarantie" wirklich in Anspruch nehmen darf?
Wie können "Private" zukünftig mithalten und dem Hörer und seinen Mediennutzungsgewohnheiten entgegenkommen?

Antworten:

Deine Ideen finde ich sehr kreativ und interessant, ich denke jedoch nicht, dass so schnell sich etwas größeres mit dem Medium Radio ändern wird. Einerseits, weil die Hörer Radio nebenbei hören und es für sie nichts besonders ist - daher kann auch die Musik immer die gleiche sein. Die Leute, die Radio hören für Information haben ihre Kanäle.
Es gibt nicht viele Leute, die Radio gerne oder bewusst hören oder etwas anders im Radio suchen. Für diese schmale Gruppe gibt es dann Dienste wie tunein, die dann ihre Programme hören können, die sie interessieren.

Persönlich würde mich mir mehr Spartenradio wünschen, den Mut, insbesondere im deutschsprachigen Raum, zu Innovation und Veränderung und zur Abhebung. Marketingtechnisch läuft im deutschsprachigen Radio alles schief, weil egal ob Öffentlich-rechtlicher Sender oder Privatsender, sie klingen alle gleich und auswechselbar - bis auf wenige Ausnahmen. Ich persönlich würde mir wünschen, wenn Radiosender den ganzen Weg gehen - ein Rocksender spielt ALLES aus dem Rocksektor und nicht Pseudorock, ein Dancesender spielt NICHT langsame Songs und so weiter.
Radiomacher, traut euch doch was, wagt den Weg zum Besonderen, probiert Neues.
Ich persönlich würde mir auch noch eine bessere Verpackung wünschen - 2 Beispiele:

Dimensione Suono Roma - la radio della capitale (Das Hauptstadtradio - klarer Slogan)
- "le hit più ritmate da dal '90 ad oggi" - "Die rhytmischten Songs von den 90ern bis Heute"
Hier gehen sie den ganzen Weg - es werden flottere Songs aus den 90ern und zwar breitgefächert gespielt, genauso aus den 2000ern und von heute. Die Zielgruppe ist ganz klar unter 40, eher sogar noch unter 30. Die Aufmachung ist modern und zeitgemäß, viele unterschiedliche Jingles, auf die Hauptstadtregion Rom abgestimmte Nachrichten sowie Verkehrsnachrichten.
Starke Hörerzuwächse dieses Jahr

Slam Fm - Power to the beat - klarer Slogan, cooler Name
Jugendradio wie ich es mir vorstelle. Man spielt viel Dance, House, bisschen RnB und bisschen Dudelsongs. Dazu Spezialsendungen abends und nachts, hier geht man auf Hörer, die gezielt einschalten. Viele Aktionen, unterschiedliche Sendungen.

In Deutschland nennt man ein Programm "MDR Jump" und verpackt es dann wie ein Seniorenprogramm. Da stells mir alle Haare auf und ich frag mich, ob die ihre Berater am Flohmarkt gekauft haben...

Spartenradio, vollgepackt mit Innovation und Abwechslung, das ist mein Radio der Zukunft, aber realistisch weiß ich, dass das nicht so kommen wird - weil Radio für die Leute einfach nichts (mehr) bedeutet.

von RTL 102.5 Fan - am 13.09.2013 20:39
Zitat
RTL 102.5 Fan
kreativ und interessant


Bürgerradio in Niedersachen.

von Mathias Volta - am 13.09.2013 23:27
Zitat

Bürgerradio in Niedersachen.

in der Tat, da gibt es so manchen Lichtblick...
Auch diese Inhalte hätte ich gerne in meinem intelligenten Radiogerät abrufbar. Je nach Sendung bitte auch mit Musik. In meinem noch unintelligenten Gerät ist der Bürgerfunk zeitversetzt und inklusive Musik auch bereits enthalten, was aber auf offizielle Weise (gema) noch nicht möglich ist.

Zitat

aber realistisch weiß ich, dass das nicht so kommen wird - weil Radio für die Leute einfach nichts (mehr) bedeutet.

Das könnte genau der Grund sein, warum das doch kommt. Wenn das Radio nichts mehr bedeutet, dann ist der Hörer schnell verloren. Mit ihm auch die Finanzierung des Senders. Der potentielle Hörer hat ja jetzt schon viele Alternativen. Und die werden auch in vermehrtem Maße genutzt. Und zwar nicht nur von Jugendlichen, die sehr viele dieser Alternativen kennen und nutzen und daher dem Radio kaum noch eine Hörminute schenken. Die 40-50 jährigen kennen diese ebenfalls und nutzen sie.
Das sind natürlich in der Regel Alternativen musikalischer Art. Und da fehlt eben noch was, das Audio-Informationsangebot. Das möchte ich ebenfalls komfortabel nutzen können, ohne mir noch den Rest antun zu müssen (im Privatfunk und bei den Servicewellen: die lustigen Moderationsaffen und die langweilige Musik).

An der "Hörminute" ist natürlich jetzt zu erkennen, daß ich zugegebenermaßen von Kindermann im anderen Forum zu meinen obigen Gedanken zumindest angeregt wurde. Allerdings geht es mir hier nicht so darum, wie und ob sich "das Radio" ändern muss (mir eigentlich egal, das ist nicht mehr mein Problem, ich bin schon fast autark), sondern wie es mir die bestmögliche Nutzbarkeit der erstellten Inhalte bieten kann. Klassisches Radio findet bei mir ja jetzt schon nicht mehr statt bzw. das Schreckgespenst der TV-Sender, der Festplattenrecorder, hat auch bereits mein Autoradio in Besitz genommen. Wenn auch momentan noch mit dem kleinen Umweg USB-Stick...
Von diesen Hörminuten werden den Sendern wohl in den kommenden Jahren noch mehr verloren gehen, dann wird man dort wohl mal nachdenken müssen. Allein schon wegen des Geldes. Aber das ist ein anderes Thema (siehe nebenan, bislang 5 Seiten).

Und es ist eben auch so, daß das aus technischer Sicht schon jetzt schon problemlos herzustellen wäre. Und wenn es einen Markt dafür geben würde, würde das vermutlich auch gemacht.

Wenn es das totale mobile Internet gäbe und es auch keine Rechteprobleme, wird dann vielleicht google in sein google-Auto ein solches google-Streaming-Radio einbauen, dann aber ohne Zwischenspeicherung auf dem Gerät und die Wunschinhalte direkt aus dem Netz und sogar je nach Standort lokalisiert... Auch nicht gänzlich unvorstellbar...;) Das wäre dann sogar für Oma Krause problemlos nutzbar.

Und noch so'n Gedanke für mein Wunschradio: ich hätte gern meine Lokalzeitung anhörbar drin. Wenn's denn der Bereitstellung des Angebotes dienlich ist von mir aus auch mit einem lokalen Werbespot vor den Beiträgen. Wobei Lokalzeitung jetzt sogar austauschbar wäre gegen andere interessante Anbieter von Audiobeiträgen (Verlage....?). Es müssen ja nicht nur dlr und NDR sein oder das ffn Studio Oldenburg sein...

von iro - am 14.09.2013 00:50
Das länderbasierte Ö-R-Modell ist doch ohnehin dabei zusammenzufallen wie ein Kartenhaus. Radio Bremen und SR sind schon soweit, der hr und der rbb werden folgen. Auf langer Sicht wird es irgendwann soweit kommen dass wir nur noch Deutschland 1, Deutschland 2, Deutschland 3 und Deutschland 4 (oder so ähnlich) haben.

In diesem Sinne muss sich der Ö-R-Funk auf seine Grundlagen berufen, nämlich eine Grundversorgung bereitzustellen und dabei auch Sparten zu bedienen, die für private Veranstalter unwirtschaftlich wären. Dies ist im Moment in vielen Fällen, unter anderem auch beim hr, nicht gewährleistet. Nach dem 4. Rundfunk-Urteil des BVerfG ist aber privater Rundfunk nur zulässig, wenn die Grundversorgung durch öffentlich-rechtliche Anbieter sichergestellt ist. Strenggenommen müsste also privater Rundfunk wieder verboten und alle private Rundfunksender in Deutschland eingestellt werden. Da dies deutlich kontraproduktiv wäre, vor allem aus wirtschaftlicher Perspektive, führt kein Weg dran vorbei, den Kurs zu ändern und nicht länger zu versuchen als gebührenfinanzierte Konkurrenz zu den etablierten privaten Stationen aufzutreten.

Den eigenen iPod oder was auch immer wird der Rundfunk nie ersetzen können. Soll er auch nicht. Er soll überraschen, auch mal das anbieten, was man nicht erwarten würde und auch neue Strömungen berücksichtigen und so für Abwechslung sorgen. Dadurch bekäme Radio wieder einen Mehrwert außerhalb der Verkehrsnachrichten und Blitzermeldungen. Auch echte Regionalmeldungen sind im Zeitalter des massenhaften Zeitungssterbens wie geschaffen für das Radio und könnten Hörer langfristig binden.

von RheinMain701 - am 14.09.2013 18:18
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