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Radiohörer-Forum
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Letzter Beitrag:
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Murky, Japhi, Thomas (Metal), DH0GHU, rolling_stone, Klaus Wegener, NurzumSpassda, DLR-Fan Sachsen-Anhalt, Cha, Dr. Antenne, ... und 6 weitere

UKW künftig ohne Kulturprogramme?

Startbeitrag von Murky am 12.01.2014 18:31

Moin in die Runde,

durch die Frequenzwechsel beim hr und SWR scheint eine Entwicklung begonnen zu haben:

UKW wird der Platz für die Unterschichtsprogramme, die ö-r schieben ihre Klassik- und Kulturwellen nach DAB+ ab, auf UKW verbleiben die Dudelsender, egal ob ö-r oder kommerziell. Als Alibi für den "Versorgungs- und Bildungsauftrag" verbleiben auch die Schlagzeilenradios auf UKW.

DAB+ ist das Radio-HD der Oberschicht, finanziert durch die Zwangssteuer "Rundfunkbeitrag", welche in der Masse die Arbeiter- und Angestelltenklasse aufzubringen hat. DAB+ wird dauerhaft mit Kultur- und Klassiksendern oder "Easy-Living-Programme" wie z.B. NDR blue die Wohlfühl- und Wohlstandsversorgung des Establishments.

Zugegeben, die beiden oberen Absätze habe ich bewusst provokativ in der Wortwahl formuliert. Dennoch: Welcher "Normalbürger" investiert einige hundert Euro in ein DAB+-Equipment? Oberklasse-PKWs sind ab Werk mit Multimediaanlagen einschließlich DAB+ ausgestattet. Mittelklassewagen bekommen vielleicht ein DAB+-taugliches Autoradio mit Scheibenantenne. Kleinwagen? Ein reines UKW-Radio mit einer Empfindlichkeit, welche gerade für die Ortssender ausreicht. Damit macht dann selbst das Schlagzeilenradio auf der Funzelfrequenz keinen Spaß weshalb sich die Masse dann nicht mit dem Weltgeschehen befasst sondern über das "mysteriöse Geräusch" nachdenkt.


Ich freue mich auf eine spannende Disskusion...

Edit Staumelder: Threadtitel angepasst um halbwegs neutral in die Diskussion zu starten

Antworten:

Re: UKW: Der Platz für die Prekariat-Programme?

Ich muß mich kurz fassen. Zumindest soviel unterm Strich: Von der nicht-Oberschicht sind aber nur DVB-T-only Haushalte betroffen. Alle anderen haben entweder Kabelanschluß mit weiterhin eben diesen Programmen oder DVB-S. Wenn man aus nicht in der Lage ist aus beiden genannten Quellen diese Programme zu beziehen bleibt wohl der Weg in der Oberschicht auf auf anderem Gebiet ein weiter :rolleyes:

Nachtrag: Ich wurde vorhin schon nicht den Eindruck los, das es hier eher um einen "K(r)ampfplatz für den Frieden" von Seiten des Themenstarters geht. Dies sollte eigentlich keine Grundlage für eine Diskussion sein, ich streiche daher das zuvor gesagte.

von Thomas (Metal) - am 12.01.2014 19:38

Re: UKW: Der Platz für die Prekariat-Programme?

So ein Quatsch.

Wenn wir in dieser seltsamen Sprache von Murky bleiben, hat das Präkariat, insbesondere das abgehängte, sowieso dank RTL & Co Zugang zu Sat oder Kabel. An nichtverkabelten Präkariatswohnanlagen sieht man Baumarkt-Satschüssel neben Baumarktsatschüssel kleben. Sollten die tatsächlich Radio hören wollen - das Hartz-IV-finanzierte TV-Gerät tuts duch genauso gut? - können die das ohne Limitierung auf UKW-Programme.

Nun mal weg von dieser Ebene massiv vorurteils- und klischeebehafteter Radikalsprache:
Programminteresse und soziale Stellung haben wenig miteinander zu tun. Ich kenne Leute, die finanziell ziemlich schlecht dastehen, sich aber sehr für Kultur interessieren, wohingegen es auch z.B. hoch bezahlte Ingenieure gibt, denen Antenne Bayern vollkommen als Radioprogramm ausreicht.

Wer dann zu den Audiophilen gehört, wird fürs Wohnzimmer vermutlich weder auf DAB noch auf UKW setzen, sondern sich der 320 kbit/s des ARD-Radiotransponders erfreuen, und in der Küche seinen angebissenen Apfel in die Docking-Station schieben.

Die Rundfunkgebühr letztendlich ist ein Garant dafür, daß JEDER Haushalt mit einer moderaten Abgabe - bzw. bei zu geringem Einkommen unter Verzicht auf jegliche Abgabe - Zugang zu Rundfunk hat, und nicht nur die finanziell gut gestellten Bürger, die im Eigenheim eine Sat-Schüssel installieren oder einen Kabelanschluß sowie - fürs Auto - einen mobilen Internetradio-Zugang bezahlen können.

Die Beschränkung der Inhalte auf UKW ist a priori eine Frage der Priorisierung von Geschäftsfeldern, denn auch die ARD-Anstalten müssen heute betriebswirtschaftlich denken - und für weitere Ketten ist auf UKW nunmal kein Platz. Gerade z.B. auch im aktuell thematisierten Einzugsbereich des Weinbiets.
So falsch die Entscheidung des SWRS aus kulturpolitischer Sicht auch sein mag, so richtig ist sie aus betriebswirtschaftlicher Sicht.

Letztendlich wird Kultur durchs öffentlich-rechtliche Radio auch für jene konsummierbar, die sich den Besuch im Theater oder im Konzert nicht leisten können, weil sie aus wirtschaftlichen - oder auch aus gesundheitlichen - Gründen dazu nicht in der Lage sind.

von DH0GHU - am 12.01.2014 21:29
Unterschichtenprogramme finde ich nicht das richtige Wort, aber in der Sache liegst Du ganz richtig, glaube ich.

Die Entwicklung wird vermutlich darauf hinauslaufen, dass auf UKW nur noch Radio gemacht wird, mit dem man Geld verdienen kann oder mit dem man viele Hörer erreicht. Das läuft häufig auf's Selbe hinaus.

Durch die Frequenzknappheit auf UKW will man es sich bei den Öffentlich-Rechtlcihen scheinbar nicht länger leisten, UKW-Ketten für Programme bereit zu stellen, die nur von einer Minderheit gehört werden. Denn wenn wir ehrlich sind, wären Programme wie hr2, SWR2, WDR 3, WDR 5 und Co. ohne den Rundfunkbeitrag nicht finanzierbar. Ich denke hier an Österreich, wo es immer wieder heißt, dass ohne die "Cash-Cow" Ö3 ein Programm wie FM4 nicht möglich wäre.

Durch die Entwicklung im digitalen Zeitalter können die verhätlnismäßig wenigen Hörer stationär wie mobil ausweichen. DAB, DVB-S Radio, Webradio. Die Möglichkeit, die Programme über mehr als einen Verbreitungsweg auszustrahlen ist dabei eine willkommene Ausrede Entwicklung, da man die Hörer auf die digitalen Verbreitungswege verweisen kann. Gleichzeitig offenbart dieses Verhalten aber auch schonungslos, wie niedrig priorisiert die Klassik- und Kulturprogramme bei den Öffentlich-Rechtlichen sind. Ähnliches konnte man vor knapp fünf Jahren in Dänemark beobachten. Der dänische Rundfunk DR wollte eine vierte UKW-Welle starten. Dort hat die Kultur- und Klassikwelle DR P2 die UKW-Frequenzen komplett verloren. (s. http://radioforum.foren.mysnip.de/read.php?8773,673092)

So einen radikalen Schritt trauen sich unsere Öffentlich-Rechtlichen vermutlich nicht, obwohl einige dies vermutlich gerne tun würden. (Mir fällt spontan der hr ein). Der Aufschrei wäre vmtl. zu heftig.

Zusammenfassend erwarte ich, dass wir in absehbarer Zeit nur nich die massenattraktiven Programme auf UKW haben werden, auch wenn sich die ein oder andere ÖR Anstalt wehren wird, aber die Konkurrenz auf dem kleinen UKW-Band ist in manchen Bundesländern erdrückend schwer.

von Sebastian Dohrmann - am 13.01.2014 08:03
Zitat
Sebastian Dohrmann
Zusammenfassend erwarte ich, dass wir in absehbarer Zeit nur nich die massenattraktiven Programme auf UKW haben werden, auch wenn sich die ein oder andere ÖR Anstalt wehren wird, aber die Konkurrenz auf dem kleinen UKW-Band ist in manchen Bundesländern erdrückend schwer.


Wobei man sich fragen kann, ob im Umkehrschluss unter solchen Umständen auf DAB+ überhaupt jemals kommerzieller Rundfunk rentabel betrieben werden kann, wenn DAB+ seinen Ruf noch verfestigt, einzig "Special Interest"-Band zu sein.

von Wrzlbrnft - am 13.01.2014 12:14
Vielen Dank für Eure Beiträge.

Ich möchte kurz noch mal erwähnen, dass ich kein "linker Weltverbesserer" bin. Ich hatte den Abend aus einer Laune heraus provokant formuliert. Vielleicht sollte ich in einem Forum vorsichtiger damit sein, den ihr habt dann ja nur den Text und könnt mein schelmisches Gesicht nicht sehen.

Interessant finde ich aber, dass ohne Erwähnung oder Erklärung die Betreff-Zeile geändert wurde. Natürlich entspricht sie noch dem Inhalt meines Postings, aber einfach so diese zu ändern finde ich schon etwas seltsam. Die Betreff-Zeile ist ja das, was der Leser als erstes sieht und dann entscheidet, ob er/sie ein Thema anklickt oder nicht. "UKW ohne Kulturprogramme" kann jetzt gerne so bleiben, aber eine kurze Erläuterung warum dieses gemacht wurde wäre ganz gut. Vielleicht habe ich ja (ohne es zu wissen) gegen eine Forumsregel verstoßen, was natürlich nicht meine Absicht war.

von Murky - am 14.01.2014 21:32

Re: UKW: Der Platz für die Prekariat-Programme?

Zitat

aber eine kurze Erläuterung warum dieses gemacht wurde wäre ganz gut

erstmal: meinen Segen hat diese leichte und nicht sinnentstellende Anpassung. Die Erläuerung hast Du evtl. übersehen, sie ist in kursiver Schrift unter Deinem Eingangsbeitrag zu finden und lautet "Threadtitel angepasst um halbwegs neutral in die Diskussion zu starten". Genau das ist auch der Grund, warum diese Anpassung meinen Segen hat.

Zitat

Die Betreff-Zeile ist ja das, was der Leser als erstes sieht und dann entscheidet, ob er/sie ein Thema anklickt oder nicht.
ja, aber man muss das ja nicht gleich wie die Bildzeitung machen ;) Das wird die Qualität der Antworten dann auch nicht unbedingt positiv beeinflussen...
Die Frage ist natürlich: sollte man seine Threadtitel jetzt gleich mit der Schere im Kopf machen? Nein, natürlich nicht. Manchmal weiß man aber schon beim Lesen der Überschrift, wohin ein Thread abdriften wird... Das war eine dieser Art Überschriften. Ich fand sie trotzdem gut :D

von iro - am 14.01.2014 23:45

Re: UKW: Der Platz für die Prekariat-Programme?

Die Erläuterung habe ich übersehen, da ich mir meinen alten Beitrag nicht nochmal angesehen habe. Danke für den Hinweis. Ansonsten habe ich ja schon geschrieben gehabt, dass ich mich "bessern werde" und mich in Zukunft mit Beiträgen dieser Art zurückhalten werde.

von Murky - am 15.01.2014 00:08
Des passt scho. Das Thema finde ich sehr interessant (Danmarks Radio wurde ja schon als Beispiel genannt). Durch die Änderung der Überschrift wollte ich die Diskussion auf das Thema "Radio" begrenzen. Gesellschaftspolitische Themen sind im OT sicher besser aufgehoben. Also: weitermachen!

von Staumelder - am 15.01.2014 06:22
In den Niederlanden gab es m.W. auch schon Mal die Diskussion den Klassiksender Radio4 auf UKW durch den Jugendsender FunX zu ersetzen. Dies scheiterte aber an starken Protesten.
Noch scheint mir der Kultursenderanteil (Kultur=Nicht Dudelfunk und mit Aufwand hinter den Kulissen?!) aber in vielen Teilen Deutschlands recht groß zu sein. So z.B. sind in NRW WDR 3 und 5 sowie die beiden DRadios zu empfangen. Sonst gibt es überall mindestens ein bis zwei solcher Programme, trotz irgendwelcher Programmrochaden seitens der LRAs.

von Japhi - am 15.01.2014 17:06
Ich will nicht gutheißen, was HR und SWR da durchgezogen haben (vor allem ohne Information im Vorfeld), aber die Welt geht auch nicht gleich unter. Wie Japhi schon schrieb, ist auch das Deutschlandradio noch präsent. Vielleicht sollte man auch mal überlegen, welche Vielfalt wir in Deutschland in diesem Bereich überhaupt haben oder wo gibt es schon bis zu vier Kultur- und Klassikprogramme gleichzeitig (und das auf UKW, Overspill nicht berücksichtigt)?

von DigiAndi - am 15.01.2014 21:15
Zitat
Murky
Ich möchte kurz noch mal erwähnen, dass ich kein "linker Weltverbesserer" bin. Ich hatte den Abend aus einer Laune heraus provokant formuliert. Vielleicht sollte ich in einem Forum vorsichtiger damit sein, den ihr habt dann ja nur den Text und könnt mein schelmisches Gesicht nicht sehen.

Und dabei ist es mir gleich welchen Einschlag jemand hat. Es ist die Frage was man daraus macht. :cheers: Und sind wir einmal ehrlich: Jeder hat seine Anschauung, häufig ist die aus gutem Grund über viele Jahre entstanden. Dieses völlige neutrale gibt es nicht oder wird nur nach außen als Maske getragen. Genau _so_ etwas sehe ich als gefährlich an.
Wenn aber wie hier es für mich einen entsprechenden Anschein hat, wie eben hier wo ich daraus ableitete daß das Thema nur Mittel zum Zweck ist, mache ich im Geiste zu.
Aber zurück zum Thema. Nun, Äußerungen bezüglich der Abdeckungen und meine Sicht hatte ich an anderer Stelle häufig genug gegeben. Ich möchte mal was anderes einwerfen: Was ist denn eigentlich Kultur? Soll oder darf es diese nicht auch in der Popmusik geben? Unter diesem Aspekt wären z. B. die drei Pop-Wellen in Hessen (hr1, hr3, youfm) durchaus interessant. Aber es ist hier leider so, daß man zwar jetzt eine technisch bessere Verbreitungsmöglichkeit von Popkultur auf UKW hätte aber genau diese dort weit weniger vorkommt als es noch vor 10 Jahren der Fall war. Man stelle sich vor diese Popkultur auf eben diesen Wellen heute :-) . Das wäre doch mal was! Aber Sendungen mit Inhalt kosten eben richtig Zeit und damit Geld. Weit mehr als heute im "Irrenhaus" (sic!) wenn man wieder irgendwas "zu einem Thema" macht, wo dann die Hörer mal schnell sich was wünschen können.
Was ich also damit sagen will: Nicht der Austausch von Programmen auf Frequenzen ist das Problem. Es ist die Inhaltsleere die diese Programme dann z. T. haben.

von Thomas (Metal) - am 15.01.2014 21:21
Na ja, Overspill zählt nicht und wieviele Dummfunker stehen den Kultur- und Klassikprogrammen gegenüber? Zumal Overspill schön und gut, aber wenn der hr dazu übergeht nicht einmal im eigenen Revier flächendeckend mit seinem Kulturprogramm empfangbar zu sein obwohl man dank Überversorgung auf der anderen Seite (insbesondere hr3 und hr4) durchaus glücklichere Optimierungen hätte schaffen können dann ist das schon kritisch, zumal ja auch nicht die beiden D-Radios so eine wirkliche Vollversorgung haben.

Andererseits stimme ich Dir zu, daß im ÖR-Pool zuviele Inhaltsgleiche Programme sind, und man generell für Kultur und Information das D-Radio die Zuständigkeit erteilen könnte und die Landesrundfunkanstalten auf der Ebene gar nichts mehr anbieten, das tun sie in manchen Regionen wie im NDR-Gebiet mit einem Klassik und einem Infodudler ja sowieso eher Alibi-mäßig.

Genauso steht es dann allerdings auch um die Popwellen, auch da sollte es in dem Falle einen Kahlschlag geben, aber das artet dann schon wieder in einem OT aus!

Zitat
Sebastian Dohrmann
DR wollte eine vierte UKW-Welle starten. Dort hat die Kultur- und Klassikwelle DR P2 die UKW-Frequenzen komplett verloren.

Nun ja, DR BEKAM 2001 (?) ja die vierte Kette für sein Kulurprogramm P2, vorher sendete man ja mit P4 im Split und deshalb kam dann ein paar Jahre später der Einspruch, da man diese Kette "rechtswidrig" besetzte. Zu der damaligen Zeit hatten sogar noch P3 und P4 ein gemeinsames Nachtprogramm, insofern war das ganze dann schon etwas "merkwürdig".

von Anonymer Teilnehmer - am 15.01.2014 21:25
Zitat

Nun ja, DR BEKAM 2001 (?) ja die vierte Kette für sein Kulurprogramm P2, vorher sendete man ja mit P4 im Split und deshalb kam dann ein paar Jahre später der Einspruch, da man diese Kette "rechtswidrig" besetzte. Zu der damaligen Zeit hatten sogar noch P3 und P4 ein gemeinsames Nachtprogramm, insofern war das ganze dann schon etwas "merkwürdig".


P2 die Kette wegzunehmen ist nach wie vor der größte Humbug gewesen, auch wenn die Hörerzahlen da ähnlich gering waren als hier. Jedenfalls fehlt diese musikalische und kulturelle Alternative, vor allem, da es in dem Land kaum Overspill gibt (außer einigen angrenzenden Landesteilen die NDR Kultur oder SR bzw. NRK empfangen können). Radio 24/7 hätte man dank noch vorhandener Lücken im Frequenzband auch so noch auf UKW bringen können.

von Dr. Antenne - am 16.01.2014 23:00
Zitat
DigiAndi
Wie Japhi schon schrieb, ist auch das Deutschlandradio noch präsent.

Im Pfälzer Wald - um mal die jüngste SWR-Rochade einzubeziehen - ist das Deutschlandradio nicht präsent. In halb Süddeutschland ist das so. Insbesondere auch dort, wo der SWR2 schon länger kein SWR2 mehr ausstrahlt. Dort geht oft noch nicht einmal der DLF. Beispiel mittlerer Schwarzwald: SWR1, SWR3, SWR4, Hitradio OHR. Mehr gibt es stellenweise nicht. Auf Hauptverkehrsachsen. Wer sich unterwegs fundiert informieren möchte, muss am nächsten Zeitungskiosk anhalten...

von DH0GHU - am 21.01.2014 19:07
Passend dazu bei satellifax:
Privatfunk-Lobby kritisiert UKW-Pläne für BR-Jugendradio
Wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, plant der Bayerische Rundfunk (BR) eine Umwidmung von landesweiten UKW-Frequenzen, die derzeit vom Programm "BR Klassik" genutzt werden. Bereits seit Monaten gab es innerhalb der Radiobranche Gerüchte, dass der Bayerische Rundfunk beabsichtigt, sein Jugendradio "PULS" zukünftig auf diesen Frequenzen zu senden. In der kommenden Sitzung des Rundfunkrates wird wohl konkreter über diese Pläne diskutiert. Bisher nutzte "PULS" vorwiegend digitale Übertragungswege und wurde innerhalb sog. Programmfenster auf UKW in "Bayern 3" übertragen.

"Bereits im Jahr 2006 hat der Bayerische Rundfunk erfolglos versucht 'BR Klassik' auf seinen UKW-Frequenzen durch ein Jugendradio zu ersetzen. Schon damals war klar, dass dies die bayerischen Lokalradios gefährden würde. Faktisch bekämen die gegenüber dem BR ohnehin benachteiligten Lokalradios einen neuen Mitbewerber im Programm- und Werbebereich. Darin sehen wir einen gebührenfinanzierten Verdrängungswettbewerb, der nicht akzeptabel ist", kommentiert Willi Schreiner als 1. Vorsitzender vom Verband Bayerischer Lokalrundfunk (VBL) die aktuellen Entwicklungen.

Felix Kovac, der als 1. Vorsitzender dem zeitungsnahen Verband Bayerischer Rundfunk- anbieter (VBRA) vorsteht, ist ebenfalls entsetzt über die aktuelle Berichterstattung. "Sollte sich bewahrheiten, dass der Bayerische Rundfunk 'BR Klassik' fallen lässt und auf UKW gegen das Jugendradio 'PULS' ersetzt, käme das einem Erdbeben innerhalb der bayeri- schen Rundfunklandschaft gleich. Das sehr sensible Verhältnis zwischen den bayeri- schen Privatradios auf der einen Seite und den Radiosendern des Bayerischen Rund- funks auf der anderen Seite würde komplett zu Ungunsten der privaten Anbieter ver- schoben."

"Wir fordern daher faire medienpolitische Rahmenbedingungen für die bayerischen Lokal- radios und sprechen uns vehement gegen die Jugendradiopläne des BR aus. Um mehr junge Hörer zu erreichen, muss es nicht zwingend ein eigenes Jugendradio des BR über UKW geben. Das ließe sich auch durch andere Maßnahmen erreichen", sind sich Felix Kovac und Willi Schreiner einig.

Die möglichen Planungen des Bayerischen Rundfunks, die UKW-Frequenzen des Kulturradios BR Klassik komplett auf das bislang digitale Jugendprogramm BR Puls zu verschieben, kritisiert auch der VPRT scharf und fordert den BR-Rundfunkrat auf, dies zu verhindern. Klaus Schunk, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des VPRT und Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste: „UKW-Frequenzen werden bei den ARD-Radios mittlerweile wie auf einem Basar hin und her verschoben – und die Politik schaut zu.“ Nach den Frequenzverschiebungen beim Hessischen Rundfunk und beim Südwestrundfunk im vergangenen Jahr soll jetzt ein klassisches Kulturprogramm komplett in der Nische verschwinden und der kommerziellen Jugendwelle Platz machen. Ein solcher Programmtausch sei rechtlich höchst fraglich, zumal sich bayerische Landesgesetzgebung und Rundfunkstaatsvertrag widersprechen. „Kostenneutral ist es jedenfalls nicht, wenn der BR im Telemedienkonzept für die Neugestaltung und Digitalverbreitung der Klassikwelle insgesamt fast 1,2 Millionen Euro Beitragseinnahmen ausgeben will.“

Der VPRT appelliert an den BR-Rundfunkrat, solchen Plänen nicht zuzustimmen. Medienpolitik und insbesondere die Staatskanzlei sind aufgerufen, den Programmtausch zu überprüfen, Umverteilungen nur unter Einbeziehung der privaten Seite zu diskutieren sowie dem Expansionsstreben der Anstalten in Richtung kommerzieller Jugendwellen Grenzen zu setzen. Schunk: „Solche Entscheidungen kann und darf eine ARD-Anstalt nicht autark treffen, da sich die Marktsituation auch im Wettbewerb zu den Privaten massiv verändert und der bayerische Medienstandort gefährdet wird.“ Schunk verwies darauf, dass sich die Privatradios stets einem fairen Wettbewerb stellen. Dieser sei aber mit Blick auf Frequenz- und Finanzausstattung zunehmend schwieriger. „Weniger Auftrag und mehr Frequenzen für kommerzielle Programme kann nicht das Credo eines gebührenfinanzierten Angebots sein“, so Schunk abschließend. www.vbl.de / www.vbra.de / www.vprt.de

Auch wieder eine Klangoase weniger. Ich jedenfalls brauche keine zigtausend Popwellen auf UKW in einer Gegend, wo kein Kulturprogramm mehr empfangbar ist (allenfalls MDR Figaro geht bei mir sehr verrauscht).

von rolling_stone - am 29.01.2014 18:12
Ich benutze diesen Thread mal, um eine Frage in den Raum zu stellen, die thematisch eigentlich recht gut passt:

Hört Ihr eigentlich "Kulturprogramme" und wenn ja, weshalb hört Ihr diese?

Welches ist Euer bevorzugtes "Kulturprogramm" und weshalb?

Könnte man die "Kulturprogramme" hier mal kategorisieren, z.B. ist "Bayern 2" soweit ich weiß (kenne das Programm aber nicht), ein sehr wortlastiges Programm, während die Klassik auf "Bayern 4" oder "BR Klassik" läuft.

Ähnlich beim WDR, mit WDR 3 (reine Klassikwelle?) und WDR 5 (anspruchsvolle Wort-Welle).

Und dann gibt es Programme, die beides (Wort und Klassik) vereinen, z.B. hr2 und SWR2, wobei auf hr2 auch noch recht viel andere Musik läuft (Jazz, Weltmusik), was ich persönlich recht angenehm finde (oder haben wir es hier mit einer "Verseichung" der Kulturwellen zu tun?).

Ich persönlich entdecke seit einige Zeit die "Kulturwellen", ich weiß nicht ob das am fortgeschrittenen Alter liegt oder weil man den Dudelfunk einfach leid ist und man sich fragt, ob das Medium "Radio" nicht eigentlich noch mehr hergeben kann.

Den Begriff "Kulturwelle" würde ich recht breit fassen und eigentlich alles dazurechnen, was kein Dudelfunk ist, also z.B. auch den DLF, der eigentlich kein Kulturprogramm im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Informationsprogramm ist.

Programme wie "hr info" würde ich aber keineswegs als Kulturprogramm einordnen, auch wenn man dazu tendieren könnte, diese als "Informationsoprogramme" zu bezeichnen. Vielmehr sind es doch "Informationsdudler" mit einem eher beschränkten Tiefgang.

Es sollte hier wirklich um die anspruchsvollen Programme gehen.

von Klaus Wegener - am 31.03.2015 10:55
Ich finde den Begriff "Kulturprogramm" an sich schlecht gewählt. Es gibt Wort- bzw. Vollprogramme wie Bayern 2 und WDR 5, die ich gerne höre. Dann gibt es noch ein anspruchsvolles Klassik- und Musikprogramm wie BR-Klassik und Klassikdudler mit zwanghaften Kulturhäppchen in Form von Veranstaltungstipps wie NDR Kultur und Kulturradio, mittlerweile auch WDR 3. Diese höre ich nicht. Dazu kämen klassikorientierte Vollprogramme wie SWR2 und hr2 und Vollprogramme nach dem Format "Gemischtwarenladen" mit mehr Popmusik wie DKultur, Nordwestradio und MDR Figaro, worunter aber auch wieder WDR 5 und Bayern 2 fallen könnten. DKultur, NWR und Figaro bringen aber auch wieder die nervigen Kulturhäppchen. Auch Radioeins ist in gewisser Weise ein Kulturprogramm. Der DLF hat auch "Kultur"anteile.
Eine Gemeinsamkeit scheinen alle zu haben: Es laufen Hörspiele und werden oft als Resterampe für Unformatierbares am Abend genutzt.

Meine Programme sind eher die Wort- und Vollprogramme. Gegen Kulturhäppchen bin ich allergisch, was mich oft auch bei DKultur wegschalten lässt. Kulturnachrichten...was bitte soll das? WDR 5 wird oft gehört, DLF ebenso.
OT: Nachrichtendudler sind mir, entgegen der gefühlten Mehrheit hier im Forum, zu einseitig. Halbstündliche Nachrichten reichen locker.

von Japhi - am 31.03.2015 11:23
Ich zitiere mal Wikipedia:

Zitat
Kultur
Kultur (von lateinisch cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“) bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik oder der bildenden Kunst, aber auch geistige Gebilde wie Moral, Religion, Recht, Wirtschaft und Wissenschaft.


Da nahezu alles, was der Mensch (er)schafft, als Kultur angesehen werden kann, bin ich im Bereich Medien auch eher für die sogenannten Vollprogramme oder Gemischtwarenläden. Ansonsten stellt sich mir die Frage: Wo hören die Grenzen der Kultur auf? Und wer zieht diese mit welcher Intention oder Absicht?

Ein aus meiner Sicht gutes Programm stellt Österreich 1 dar. Politik (auch das sehe ich gewissermaßen als Kultur, da von Menschen geschaffen) und Weltgeschehen werden über die Nachrichten hinaus tiefgründig dank der Journale, der Panoramen, Radiokollegs usw. vermittelt. Gleichzeitig wird der Kulturbegriff ansonsten weit gefasst. Musik jeglicher Art, auch wenn der Schwerpunkt auf Klassik liegt - geschenkt, für andere Musik gibt es andere Wellen. Hörspiele, Religion, Gesellschaft. Dies trotzdem locker moderiert und geführt. Daher mein Geschmack.

von NurzumSpassda - am 31.03.2015 12:51
Beim MDR gibt's ja eigentlich schon den 24/7-Klassiksender MDR Klassik, jedoch läuft auf Figaro trotzdem noch genug Klassik-Musik, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann. Einigen Kulturprogrammen fehlt irgendwie eine klare Ausrichtung. Z.B. DLF und DKultur sind für mich so eine Art Überraschungssender, wo ich das Gefühl hab, dort kann eigentlich jederzeit alles mögliche laufen.

von Cha - am 31.03.2015 13:32
Zitat

Einigen Kulturprogrammen fehlt irgendwie eine klare Ausrichtung. Z.B. DLF und DKultur sind für mich so eine Art Überraschungssender, wo ich das Gefühl hab, dort kann eigentlich jederzeit alles mögliche laufen.


Das finde ich wiederum gut und macht ein richtiges Vollprogramm aus. Ich sehe viel mehr fehlende interne Absprachen. So laufen oft zeitgleich in beiden Programmen ein klassische Musik, ein Popkonzert oder ein Hörspiel. Hier könnte man wenigstens die Dopplungen vermeiden. Sonst: Bloß nicht vom Konzept "Gemischtwarenladen" abrücken, genau das macht die Programme hörenswert!

von Japhi - am 31.03.2015 13:54
Ich würde es auch begrüßen wenn besonders in den Abendstunden nicht so oft bei beiden Programmen gleichzeitig Klassik liefe.
Den DLF würde ich mehr mit Features, Informationen, Politik, Medienmagazinen usw. gestalten und generell mit noch weniger (vor allem klassischer) Musik.
D-Kultur würde ich für alle Musikstile offenhalten, zu verschiedenen Tageszeiten, das Tagesprogramm, wochentags, finde ich schon jetzt ganz o.k..
Für jüngere Leute gibts ja DRadio-Wisssen, welches mir auch relativ oft zusagt, ich finde der Klang ist seit der Bitratenerhöhung in DAB+ auch relativ erträglich geworden, so dass ich doch recht oft auch hier verweile, da auch die Musik sich von den anderen Programmen deutlich abhebt, zum Positiven natürlich.

von DLR-Fan Sachsen-Anhalt - am 01.04.2015 18:50
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