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Deutschlandradio stellt "2254 - Nachtgespräche am Telefon" ein.

Startbeitrag von hegi_ms am 05.06.2014 17:46

Wieder eine Programmreform beim Deutschlandradio. Deshalb läuft am 20.Juni 2014 zum letzten Mal die Anruf-Sendung " 2254 - Nachtgespräche am Telefon", die trotz ihrer ungünstigen Sendezeit (täglich außer Samstag von 1.05 bis 2.00) einen festen Kreis von Hörern und Mit-Diskutierenden gefunden hat. Lobenswert ist die große Toleranz der Moderatoren gegenüber kritischen Meinungen der Anrufer über die Machteliten, nur ausfallend diffamierende Beiträge wurden "abgewürgt".

Der Programmdirektor des DLR Andreas-Peter Weber versteigt sich im Editorial des neuen Programmheftes zu der entlarvenden Äußerung:

"Ziel des jetzigen Reformansatzes ist eine enge Verzahnung von Kultur und Politik - sowohl in den redaktionellen Abläufen als auch in der Programmgestaltung"

Aber warum diese "Reform" - Wunsch der Politischen Ebene oder vorauseilender Gehorsam? Gab es in der Sendung über die Krim etwa zu viele Putin-Versteher?

Ich beginne das Unwort "Demokratieabgabe" zu begreifen. Wir sollen nicht nur zahlen, sondern wieder einmal ein Stück Demokratie, nämlich ein unmittelbares Mitspracherecht in Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abgeben.

Antworten:

Sehr sehr schade! War ja wirklich eine Institution im Programm.

von Habakukk - am 06.06.2014 10:06
Ich kenne die Sendung nicht, aber wenn man mal zwischen den Zeilen liest, dann erkennt man sehr schnell: da scheinen um diese Zeit immer die selben paar Hundert Leute zugehört haben. Heute hat wohl jedes Internetforum mehr Reichweite.

Manchmal sind Formate einfach aus der Zeit gefallen.

Sieht man auch in den USA: Dort ist Talk-Radio ja teilwiese noch sehr erfolgreich, aber das im Grunde auch nur bei einer bestimmten Klientel, die irgendwie den Sprung in die Gegenwart noch nicht geschafft hat.

von Alqaszar - am 06.06.2014 13:22
Tut mir leid, aber Ich fand diese Sendung noch nie besonders toll, weil

1) Fast immer die gleichen Leute anriefen, um ihre Meinung kundzutun ("Hallo Hr. Kirsch aus Neuwied, heute auch wieder dabei ? "). Wenn man öfter zuhörte, wusste man schon bei der Namennennung des Anrufers, was jetzt wieder kommt -> Langeweile.

2) Einige ( nicht alle ! ) Moderatoren recht gereizt reagierten, wenn die Meinung eines Anrufers dann doch zu weit von der eigenen entfernt war. Eine Moderatorin dieser Sendung hat dann ja auch mal ihren Job wegen massiver Beschimpfung von Anrufern verloren.

Vielleicht wäre diese Sendung interessanter gewesen, wenn sie zu einer früheren Zeit gelaufen wäre.
Der Anteil der komischen Käuze unter den Anrufern wäre wohl geringer gewesen und die Moderatoren hätten auch bessere Nerven gehabt.
:motz:
Noch was POSITIVES: Gut fand ich, dass man keinen Studioexperten hatte ( was auch wohl an der nachtschlafenen Zeit lag ) und so wirklich 100% der Zeit den Anrufern zur Verfügung stand. Bei ähnlichen Sendungen auf Bayern2 und WDR5 ist ja ein solcher Experte anwesend, der dann die Hälfte der Sendezeit redet und die anrufenden Zuhörer nur noch Stichwortgeber für den Experten spielen dürfen.
:xcool:

von SagittariusA - am 06.06.2014 15:48
Gibt ja noch Domian :cheers:

von Rheinländer - am 06.06.2014 17:35
Wieder einmal gilt. "Reform" = Euphemismus für Abbau, Streichung. Muß man wegen einiger Unzulänglichkeiten der Sendung gleich das Kind mit dem Bade ausschütten? Es geht aber hier um wesentlich mehr:

"Ziel des jetzigen Reformansatzes ist eine engere Verzahnung von Kultur und Politik - sowohl in den redaktionellen Abläufen als auch in der Programmgestaltung"

Kennt Herr Weber Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes?

"Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei." Dies sind die wichtigsten Bereiche des kulturellen Lebens.

Das Bundesverfassungsgericht am 25.03.2014 zur Freiheit des Rundfunks als einer wichtigen Komponente der Kultur::

„Der Staat hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zwar zu organisieren und dessen Auftrag durch eigene Anstalten zu erfüllen, muss dabei aber Sorge tragen, dass die Gestaltung des Programms und dessen konkrete Inhalte nicht in die allgemeine staatliche Aufgabenwahrnehmung eingebunden und als deren Teil ausgestaltet sind (vgl. BVerfGE 12, 205 ; 73, 118 ; 83, 238 ; 90, 60 ). Ziel ist es, einen Rundfunk zu schaffen, der dem Prinzip gesellschaftlicher Freiheit und Vielfalt verpflichtet ist, nicht aber inhaltlich von den Repräsentanten und Amtsträgern des Staatsapparats geformt ist (vgl. BVerfGE 73, 118 ; 90, 60 ).“

Und wie soll die Vezahnung mit der Politik bei den redaktionellen Abläufen aussehen? Kommt die Bundesrundfunkkammer?

Korrektur: engere

von hegi_ms - am 06.06.2014 20:25
Gemeint ist wohl eher dass die Politik- und Kulturredaktion künftig enger zusammenarbeiten und es bei den Sendungen mehr Überschneidungen der Themenbereiche Politik und Kultur geben sollte, statt eine klare Trennung in Politik- und Kultursendungen.

Generell muss ich hegi_ms aber dennoch Recht geben, schließlich kontrolliert die etablierte Politik weit über die Rundfunkräte hinaus, was gesendet werden darf und was nicht. Das war aber auch vor dem Einführen der Rundfunksteuer anstelle der GEZ-Rundfunkgebühr nicht wesentlich anders, da das Rundfunksystem seit Jahrzehnten so aufgebaut ist.

von Hunsrücker - am 07.06.2014 08:32
@Hunsrücker:

es mag so sein. Dann hätte Herr Weber besser geschrieben:

"Ziel des jetzigen Reformansatzes ist eine enge Verzahnung der Redaktionen für Kultur und Politik - sowohl in den redaktionellen Abläufen als auch in der Programmgestaltung"

Wozu wird das führen? Kultur und Politik, speziell Kunst und Politik - das sind zwei Welten. Dies zeigen die unsäglichen Talkshows, in denen Politiker und Künstler aneinander vorbei reden.

von hegi_ms - am 07.06.2014 10:13
Um 2254 finde ich es nicht schade. SagittariusA sagte es ja schon das dort immer nur die gleichen Leute anriefen. Man wusste als Stammhörer schon bei der Namensnennung des Anrufers was gleich kam.

Außerdem ist DKultur als Radioprogramm viel zu brav für eine solche Sendung. Die Moderatoren mussten sich, oftmals deutlich merkbar, zurückhalten. Und taten sie es nicht flogen sie raus. Wie die bereits schon genannte Moderatorin. Wäre ich Moderator und liefe 2254 nicht gerade im braven, die Hörer bis zum geht nicht mehr respektierenden Deutschlandradio Kultur, hätte ich so manchem Anrufer schon sowas von vor den Koffer geschissen. Aber dieses fast widerstandslose abgenicke der Moderatoren ging mir immer schon auf den Keks.

von Spacelab - am 07.06.2014 13:31
Mit Streichung hat das m. E. nichts zu tun, sondern mit einer Verbesserung des Angebots. Bevor mal so eine belanglose Labersendung für Leute ohne Facebook auf Kosten aller macht, kann man die Zeit & vor allem das Geld auch sinnvoller nutzen.

Ob das dann auch entsprefchend geschieht, ist eine andere Frage, welche dan hegi_ms' Kritiki rechtfertigen könnte. Ansonsten stimme ich mit SaggitariusAs Meinung überein: Man kann bessere Sendungen machen.

von Alqaszar - am 07.06.2014 14:31
Ich hab das Gefühl das die Sendung sich einfach selbst überlebt hat. Vor vielen Jahren war es noch interessant und es riefen auch viele verschiedene Hörer an. Das baute dann immer mehr ab und jetzt sind es nur noch eine kleine Gruppe von Leuten die dort immer und immer wieder anruft und glaubt zu allem eine Meinung zu haben.

von Spacelab - am 07.06.2014 14:37
Die anderen Sendungsteilnehmer sind vermutlich zwischenzeitlich verstorben...

von iro - am 07.06.2014 16:53
Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!

von hegi_ms - am 08.06.2014 17:17
Zitat
Alqaszar
Mit Streichung hat das m. E. nichts zu tun, sondern mit einer Verbesserung des Angebots. Bevor mal so eine belanglose Labersendung für Leute ohne Facebook auf Kosten aller macht, kann man die Zeit & vor allem das Geld auch sinnvoller nutzen..


Besser kann man diese unsägliche Sendung nicht beschreiben!

Einziger Segen auf der Langwelle ist bislang spätabends der Seewetterbericht um 1 Uhr, der bei ungünstiger Wetterlage bis nahezu halb zwei dem Gelaber Inhalte voranstellte. Oooost, Süüüd-Oooost - sage ich nur.

Die "Tonart" gehört zurecht um 1 Uhr begonnen und auch der restliche, neue Programmablauf macht Geschmack darauf, eine alte Radioliebe zu reaktivieren. Vor allem ist DKultur nun im Feierabendstau mit der Nachmittags-Tonart - hoffentlich - eine Alternative zu WDR 3.

Allerdings hätte man "Studio 9" besser wieder in die RIAS'sche "Rundschau am Morgen/Abend" und "Rundschau Kompakt" umbenennen können. "Studio 9" mag zwar vom Türschild abgeleitet sein, könnte aber auch von Redtube stammen.

Egal, laßt DKultur die berühmten 100 Tage werkeln und wenn sich's dann wie DWissen anhört, umso besser.

Erwartungsfroh

gb

von gb - am 08.06.2014 20:10
Auch hier sind ganz sicher Gleichschaltungsbeauftragte am Werk. Offenbar soll nichts Unplanmäßiges mehr über den Sender laufen können (gerade nachts, wenn die Besetzung, die die Vorauswahl trifft, dezimiert ist).

Stattdessen darf sich der Hörer im DLF die x-ten Wiederholungen der am Tag schon gelaufenen fix und fertigen Beiträge reinziehen. Das geht ja schon lange so, dass man auf beiden Programmen andauernd dieselben Beiträge hört.

Mich freut zwar die Verlängerung der Tonart außerordentlich, die nächtlichen Hörer-Statements dafür aber abzuwürgen, lässt nichts Gutes ahnen. Im Zuge des demographischen Niedergangs, der die nächsten Jahrzehnte dominieren wird und wo sich manche noch die Augen reiben dürften, bereitet man den Rundfunk scheinbar auf unruhigere Zeiten und noch mehr Kontrolle vor. Zwangssteuer statt Gebühren war auch schon ein Schritt dahin.

Meine Meinung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk dreht sich gerade um 180Grad. Die eigentlich wichtigen Probleme werden nicht angesprochen.

von RichtungBerlinRadiohörenderSachse - am 09.06.2014 20:59
Ich hoffe, dass das Deutschlandradio mit der veränderten Programmstruktur mehr Hörer erreichen wird als bisher.

von Rikko - am 10.06.2014 09:03
Ich würde noch nicht mal sagen das die so wenige Hörer erreichen. Ganz im Gegenteil. Nur werden deren Hörer nicht gezählt. Als ich mal bezüglich der Radioanalyse angerufen wurde, wurde mir zwar eine beachtliche Liste an Radiosendern genannt, aber weder DLF noch DKultur waren in der Liste. Ich konnte die Programe zwar nenne und die Dame am Telefon hat das auch ohne Murren aufgenommen. Aber die wenigsten Befragten werden einen Sender nennen der ihnen gar nicht vorgeschlagen wird.

von Spacelab - am 10.06.2014 09:14
Zitat
Spacelab
Ich würde noch nicht mal sagen das die so wenige Hörer erreichen. Ganz im Gegenteil. Nur werden deren Hörer nicht gezählt.


Doch sie werden gezählt. Nach der letzten Medienanalyse hat das Deutschlandradio Kultur eine Senderreichweite von nur 437.000 Hörern.
http://www.reichweiten.de/index.php?mainSel=sendernutzung

von Rikko - am 10.06.2014 09:45
Mit "gezählt" meinte ich eher seriös gezählt. Wie gesagt, mir und noch einigen anderen Leuten, auch hier aus dem Forum, wurden die beiden DRadios gar nicht in der Liste der Radiosender aufgezählt. Man musste also sagen "Nein ich höre gar keinen dieser Sender. Ich höre DLF / DKultur.". Und selbst da wurde wurde nochmals explizit nachgefragt ob ich wirklich gar keinen Sender aus der aufgezählten Liste höre. Da wundert es einen ja schon das DKultur überhaupt auf die angegebenen 437.000 Hörer gekommen ist.

von Spacelab - am 10.06.2014 09:52
Ich habe auch mal an einer Umfrage am Telefon teilgenommen. Die Frage war: "Welche Radioprogramme hören Sie?" Erst dann wenn man diese Frage nicht beantworten kann oder zögerlich ist, dann wird wahrscheinlich eine Liste von Radiosendern aufgezählt. War aber bei mir nicht der Fall, da ich sofort die Radiosender aufgeführt habe, die ich höre.

von Rikko - am 10.06.2014 10:32
Zitat
gb
Allerdings hätte man "Studio 9" besser wieder in die RIAS'sche "Rundschau am Morgen/Abend" und "Rundschau Kompakt" umbenennen können. "Studio 9" mag zwar vom Türschild abgeleitet sein, könnte aber auch von Redtube stammen.

Vollkommen richtig. Studio 9 klingt wie Studio 2, 3 oder 24. Aus welchem Studio die Sendung gefahren wird (und deshalb zufällig so heißt), interessiert den Hörer null.

Aber zuviel RIAS will man sich wohl auch nicht gönnen in der Kufsteiner Straße Hans-Rosenthal-Platz. Nicht das da noch Begehrlichkeiten seitens der Hörer geweckt werden.

Zitat
Spacelab
Ich würde noch nicht mal sagen das die so wenige Hörer erreichen.

Doch. Erschreckend wenige. Zumindest für ein deutschlandweites Programm. Denn sonst würde das DLR wohl keiner Reform unterworfen.

von Schwabinger - am 10.06.2014 17:24
Zitat
Schwabinger
Zitat
gb
Allerdings hätte man "Studio 9" besser wieder in die RIAS'sche "Rundschau am Morgen/Abend" und "Rundschau Kompakt" umbenennen können. "Studio 9" mag zwar vom Türschild abgeleitet sein, könnte aber auch von Redtube stammen.

Vollkommen richtig. Studio 9 klingt wie Studio 2, 3 oder 24. Aus welchem Studio die Sendung gefahren wird (und deshalb zufällig so heißt), interessiert den Hörer null.

Aber zuviel RIAS will man sich wohl auch nicht gönnen in der Kufsteiner Straße Hans-Rosenthal-Platz. Nicht das da noch Begehrlichkeiten seitens der Hörer geweckt werden.


Da gibt es doch ein großes historisches Vorbild::dx:

"MUSIK AUS STUDIO B" ( NDR-TV-Sendung 1961 - 1969, NDR-Radiosendung 1980 - 1983 )

Zur Namensgebung (lt. Wikipedia):

Den Beteiligten fiel kein markanter Titel für die Sendung ein, so dass Chris Howland fragte, wo die Sendung denn stattfinde und daraufhin vorschlug, "Studio B" als Programmtitel zu wählen. Da man dem Titel aber entnehmen sollte, worum es in der Sendung ging, einigte man sich schließlich auf "Musik aus Studio B".

von SagittariusA - am 10.06.2014 18:50
Gleich um 1:05 Uhr kann über die Reform bei DKultur in der Sendung "2254" diskutiert werden : :xcool:

"In zehn Tagen, am 21. Juni, startet Deutschlandradio Kultur mit seinem veränderten Programm. Was wird anders? Was bleibt, was ist neu, was fällt weg? Und vor allem: Welche Ideen stecken hinter dieser Reform?

Über diese und andere Fragen wird Kultur-Chef Hans Dieter Heimendahl heute Nacht mit Ihnen, den Hörerinnen und Hörern, diskutieren. Was immer Sie wissen möchten über Ihr Radioprogramm: Bitte fragen Sie!

Diskutieren Sie um 1.05 Uhr mit unter der kostenfreien Telefonnummer 00800 2254 2254, gleich hier in der Kommentarspalte oder auf unserer Facebook-Seite". (Text DRadio)

von SagittariusA - am 10.06.2014 20:59
Die "2254"-Sendung zur DradioKultur-Programmreform zum Nachhören:

http://www.deutschlandradiokultur.de/nachttalk-2254-deutschlandradio-kultur-mit-veraendertem.1895.de.html?dram:article_id=288811

von SagittariusA - am 11.06.2014 12:20
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