Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Radiohörer-Forum
Beiträge im Thema:
7
Erster Beitrag:
vor 4 Monaten, 1 Woche
Letzter Beitrag:
vor 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
dab_4, hegi_ms, DX-Fritz, Lungaharing, Georg A.

"DAB+ vs. Internet: WorldDAB-Konsortium warnt vor 5G-Euphorie"

Startbeitrag von dab_4 am 14.10.2017 12:56

Das Digitalradio-Konsortium WorldDAB warnt vor einer Euphorie durch den neuen Mobilfunkstandard 5G und die Festlegung von DAB+ lediglich als 'Brückentechnologie: KLICK

Antworten:

(Passt das nicht besser in die DAB-Ecke?)

Prolog: 5G ist die Fortführung von LTE, das E steht ja für Evolution. Das bedeutet, dass es eine Art Basisstruktur der HF-Schnittstelle gibt und diverse Features wie höhere Bandbreiten (Modulationsarten, Fehlerschutz) oder das angesprochene eMBMS in höheren LTE-Releases nachgerüstet werden können. Das verstehen dann aber auch nur Endgeräte, die explizit diese Releases unterstützen. Zuviel Altgeräte versauen dann die Effizienz. Ist wie DAB+, das ja auch DAB-Programme erlaubt, was man aber eigentlich nicht will...

5G ist gerade in den frühen Stufen der Spezifikation, visionär soll es so eine Art grossflächiges WLAN werden. Wichtige Features sind (natürlich...) höhere Bandbreiten, aber auch niedrigere Latenzen (LTE hat 10ms Timeslots, 5G soll auf 1ms runter).

Es ist auch geplant, wie bei eMBMS Timeslots für den Aufbau von SFNs nutzen zu können. Allerdings sind AFAIK die geplanten OFDM-Parameter da noch nicht für den Aufbau grösserer SFNs ala DAB tauglich. Trotzdem versuchen die ÖRs, den SIM-losen Zugang dazu reinzubekommen, da sonst die Rundfunkabgabe langfristig obsolet würde ;)

Auf der anderen Seite wird auch versucht, die Nutzung des Spektrums von den bisherigen (wenigen) Betreibern unabhängig zu machen, was die natürlich gar nicht mögen... Inzwischen ist von der Politik ein starker Druck dazu da, weil die aktuelle Situation mit der exklusiven Versteigerung nur eine geringe Flächenabdeckung ergibt, d.h. die volkswirtschaftliche Effizienz ala Mbit pro MHz pro km^2 sehr schlecht ist. Klar kann man bei unbenutzen Spektrum auch schon jetzt Ausnahmen beantragen, ist aber mühsam. Ob das in der Zukunft dann einfacher behördlich oder gleich automatisch geregelt wird, ist auch noch völlig unklar.

Diverse für die Industrie (Automation, Veranstaltungstechnik, ...) unbedingt nötige Features sind bislang noch nicht mal grob als Anforderung berücksichtigt.

Ergo: Das Rumgejubele ("XYZ hat schon ein 5G Demosystem" ) ist sehr verfrüht, IMO wird 5G locker die nächsten 10 Jahre eine Dauerbaustelle. Und da werden nachfolgende Features genau wie bei LTE nicht von den früheren Generationen unterstützt. Bis dahin taugt DAB locker...

Aber es ist recht klar, dass langfristig alle Kommunikation auf einen Standard rausläuft, die Rechenleistung ist da. Nur ob das schon 5G oder erst 6G wird, ist fraglich ;)

von Georg A. - am 15.10.2017 01:56
Warum so pessimistisch? Der bedeutende Denker Christian Lindner bringt es auf den Punkt:

"Digital first. Bedenken second."

von hegi_ms - am 15.10.2017 08:53
Zitat
hegi_ms
Warum so pessimistisch? Der bedeutende Denker Christian Lindner bringt es auf den Punkt:

"Digital first. Bedenken second."


Sowohl DAB+ als auch 5G sind digitale Übertragungswege - worauf soll sich somit hier das "first" beziehen? Der Unterschied ist doch: DAB+ ist Rundfunk, 5G nicht (wegen der Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen Sende- und Empfangsrechner). Die Frage ist also eher: Soll Rundfunk beibehalten werden?

von dab_4 - am 15.10.2017 09:33
Mit der Ironie ist das heutzutage so eine Sache. Die Kritik bezog sich darauf, dass in plumpen Slogans die Digitalisierung als "Wert an sich" dargestellt wird und nicht in Frage gestellt werden darf.
Die ständige rasante Weiterentwicklung der (digitalen) Übertragungssysteme führt aber zu einer Verunsicherung der Radiohörer. Wer "noch" (es ist die Mehrheit) UKW hört - und viele sind damit zufrieden, wird sich den Umstieg auf DAB+ gut überlegen, wenn mit 5G jetzt schon wieder eine "neue Sau durch's Dorf getrieben wird". Dabei dürfte es sich, wie Georg A. treffend sagt, wieder um eine Dauerbaustelle handeln.

Zur Zeit werden Millionen einwandfrei arbeitende DVB-T-Geräte zu Elektroschrott. Die Bereitschaft der Verbraucher, ständig neue Geräte zu kaufen, hat Grenzen.

von hegi_ms - am 15.10.2017 10:41
Ich vermute stark, dass Rundfunk uns noch mindestens für um die 30 Jahre erhalten bleibt. Streaming hat zwar auch Vorteile, nur muss man bedenken, dass Rundfunk eben ein System ist, dass vor Zusammenbrüchen geschützt ist und ein flächendeckendes, für Dauerstreaming ausgelegtes Handynetz für die nächsten zwei bis drei Jahrzehnte schlicht und ergreifend eine Utopie ist. Man braucht sich nur mal die verwendeten Frequenzen anzuschauen: 20 GHz und noch mehr sind für die Fläche einfach ungeeignet. Will man denn an jede Straßenlaterne eine Mobilfunkantenne hängen? DAB+ wird jetzt erstmal UKW ablösen und was danach kommt, wird sich zeigen.

Es wurde zwar schon von Georg A. erwähnt, allerdings stimme ich zu, dass dieses Thema im DAB Digitalradio Forum besser aufgehoben wäre. Vielleicht könnte ja ein Moderator das Thema verschieben.

von Lungaharing - am 15.10.2017 20:33
Natürlich gehört dieser Thread ins DAB-Forum!

von DX-Fritz - am 21.10.2017 14:18
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.